Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils
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30. JANUAR / 12. 2. Hl.3 Theologen |    2.FEBRUAR / 15.2. BEGEGNUNG |          Unsere Heiligen

VERKÜNDIGUNG der FROHBOTSCHAFT an die ALLHEILIGE GOTTESGEBÄRERIN MARIA  (25.MÄRZ/ 7.4.)

"Der UMKEHR Türen öffne mir ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"

SONNTAGE der VOR-FASTENZEIT

1. Sonntag der Vorfastenzeit vom ZÖLLNER und PHARISÄER   5.2. 2023

2. FEBRUAR / 15. 2.
Fest der
Begegnung unseres Herrn
bei Seiner Darstellung im Tempel
mit dem gerechten Greis Simeon und der Prophetin Anna


~ SRETENIE ~       ~ YPAPANTI ~       ~ INTAMPINAREA  DOMNULUI ~


Rette,
Sohn Gottes,
getragen auf den Armen
des gerechten Simeon,
uns,
die wir Dir singen:
Alleluja !

Festtagsikone, Paris, Leonid USPENSKY ( - 1987)

Heiser, Lothar: zur Bedeutung von Fest und Ikone
Hl.ROMANOS der MELODE: Kontakion zum Fest
Stichira der Nachfeier

Nach CHRISTI GEBURT und THEOPHANIE ist das Fest der Begegnung unseres Herrn bei Seiner Darstellung im Tempel das dritte Hochfest der Menschwerdung und des Kommens des Gottessohnes im Fleische in unsere Welt.
Die Begegnung des Herrn mit Simeon, dem gerechten Greis und Anna, der alten Prophetin, ist zugleich:
- Symbol der Begegnung des Heils des Neuen Bundes mit dem Alten Bund, am Ende seiner Jahre.
  (Tatsaechlich endete mit der Festigung des christlichen Gottesdienstes der Tempeldienst im Jerusalemer Tempel ein fuer alle mal.)
- Erkenntnis der Begegnung der im Gottssohn wiederhergestellten menschlichen Natur mit der durch Suenden gealterten Menschheit
- Heilbringende Begegnung fuer die einzelne Menschenseele, der die Hoffnung bereits lange erstorben war, dass sie jetzt das neue Leben empfängt.
In dieser Begegnung wird der menschlichen Natur Erneuerung, Heilung und Wiederherstellung der Ergöttlichung zuteil.


Dieses Fest ist schon durch die roemische Pilgerin Aetheria in Jerusalem um die Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert bezeugt und hat sich von dort aus in der gesamten Weltkirche verbreitet.


+++

Freue dich,
gnadenerfuellte, jungfraeuliche
Gottesgebaererin !
Denn aus dir ist aufgestrahlt
die Sonne der Gerechtigkeit,
CHRISTUS unser GOTT.
Er erleuchtet
die sich bisher bewegten in Finsternis.
Frohlocke auch du,
gerechter Greis,
der du
den Befreier unserer Seelen auf den Armen traegst,
der uns auch die Auferstehung schenkt.


+++

Nun entlaessest Du, Herr, nach Deinem Worte
Deinen Knecht in Frieden.
Denn meine Augen haben gesehen Dein Heil,
das Licht zur Erleuchtung der Heiden,
das Licht zur Verherrlichung Deines Volkes.


+++

 

Heiser, Lothar:

Maria
(Die Gottesmutter)
in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres

Der Begegnung des Herrn mit Symeon, dem letzten vom Heiligen Geist geleiteten Seher des Alten Bundes, dem Repräsentanten der im Volke Gottes wach gehaltenen Hoffnung auf Erlösung und der Sehnsucht aller Menschen nach ewigem Leben, ist diese Ikone gewidmet.

Josef bringt die Tauben dar zur Erfüllung des Gesetzes, Sinnbilder des alten und neuen Gottesvolkes, der Kirche aus Juden und Heiden. Maria bringt Christus selbst dar, die Vollendung des Gesetzes und den Erlöser des Volkes Gottes. Den unfassbaren Gott, verborgen im kleinen Kind, legt sie in Symeons Arme, der ehrfurchtsvoll seine Hände verhüllt hat. Mit ihnen darf er greifen, was menschliches Begreifen übersteigt. Hier wird die Brücke geschlagen zwischen Gott und der Menschheit, zwischen dem Erlöser und den Erlösten. Von nun an soll es keine Hoffnungslosigkeit mehr geben und keine Gottverlassenheit unter den Menschen. Der Weg in die verheißene Heimat ist geebnet, das Tor geöffnet. Der Dienst der Propheten ist beendet, jetzt beginnt das Wirken der Kirche; der greise Symeon wird in den Frieden Gottes entlassen, das Gottesvolk aus den Heiden setzt sein Werk fort, das Reich Gottes zu verkünden und an seiner Verwirklichung mitzuarbeiten.

Ort der Vermittlung zwischen Gott und Menschheit ist Maria und die in ihr vorgebildete Kirche. Darum ist nicht der Tempel zu Jerusalem als Hintergrund für die Begegnung gewählt, sondern der Raum der Kirche, der Altar unter dem Baldachin.

Hymnisch wird die Aussage des Bildes und seine Aussage in der Liturgie besungen:

Der von den Cherubim getragen und von den Seraphim besungen wird,
wird heute nach dem Gesetz in den heiligen Tempel getragen
und nimmt seinen Thron auf den Armen des Greises ein.

Von Josef nimmt er als gottgefälliges Geschenk im Turteltaubenpaar die unbefleckte Kirche an,
das neuerwählte Volk aus den Heiden,
und die 2 jungen Tauben,
da Er des Alten und Neuen Bundes Begründer ist
.

Symeon, der die Erfüllung der an ihn ergangenen Verheißung erlangt,
segnet die Jungfrau, die Gottesgebärerin Maria,
und weist hin auf die Sinnbilder des Leidens Dessen, der aus ihr geboren wurde.

Von Ihm erbittet er die Entlassung mit den Worten:
Nun entlässt Du mich, Gebieter,
wie Du mir verheißen hast.
Denn Dich habe ich geschaut,
das vorzeitliche Licht, den Retter,
den Herrn des Volkes, der Christen.

Idiomelon des Andreas von Kreta am Vorabend zum 2. Februar; Menaion, Februar

Heiser, Lothar:
Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres, Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.)
Sophia, Quellen östlicher Theologie, Bd. 20, Trier 1981, S. 256 f
.

hier aus St.Andreas Bote



 

Hl. ROMANOS der Melode:
Quelle
Kontakion auf den EMPFANG UNSERES HERRN

Oikos 8,9,12,13 nach Lk 2,25-40


Groß und voll des Ruhmes bist Du,
den der Höchste im Verborgenen zeugte,
allheiliger Sohn Marias.
Einen nenne ich Dich,
zugleich sichtbar und unsichtbar,
fassbar und unfassbar,
der Natur nach als Gottessohn vor aller Zeit
erkenne ich Dich und glaube an Dich,
doch bekenne ich,
dass Du auch übernatürlich der Sohn der Jungfrau bist.
Deshalb wage ich es,
Dich wie eine Lampe zu halten;
denn jeder, der eine Lampe trägt, wird erleuchtet, nicht verbrannt.
Daher erleuchte mich, Du unverlöschliche Lampe, Du
der allein die Menschen liebt !


Dies vernahm die unbefleckte Jungfrau,
von Unruhe erfasst trat sie näher,
der Greis aber sprach zu ihr:
Alle Propheten haben deinen Sohn verkündet,
den du ohne Zeugung gebarst.
Dich meinte der Prophet,
als er ihnen jubelnd das Wunder verkündete,
dass du die verschlossene Pforte bist, o Gottesgebärerin:
Durch dich trat ja der Herr ein und wieder heraus;
und weder geöffnet noch auch nur bewegt wurde deiner Keuschheit Pforte,
welche Er allein durchschritt und heil bewahrte, Er,
der allein die Menschen liebt !


Von Christus bestärkt,
verkünde ich dir,
dass hieraus ein Zeichen des Widerspruches entstehen wird.
Dies Zeichen aber wird das Kreuz sein,
welches die Gesetzesfeinde Christus errichten werden.
Den Gekreuzigten werden die einen als Gott verkünden,
die anderen wiederum als Menschen,
indem diese die Glaubenssätze der Gottlosigkeit,
jene aber die der Gottesfurcht vorbringen.
Für himmlisch halten die einen seinen Leib,
die anderen für Trug;
Fleisch habe Er unbeseelt von dir angenommen, sagen sie,
die anderen: beseelt – Er,
der allein die Menschen liebt !


Solche Widersprüche wird das Geheimnis hervorrufen,
dass selbst deinem Verstande Zweifel kommen werden.
Und wenn du dann deinen Sohn ans Kreuz genagelt siehst, Makellose,
wirst selbst du, obgleich der Worte eingedenk, die der Engel sprach,
plötzlich an der göttlichen Empfängnis und den unsagbaren Wundern zweifeln.
Wie ein Schwert wird dich der Widerstreit des Leides treffen;
doch danach wird er als schnelle Heilung deinem Herzen
und seinen Jüngern den unbesiegbaren Frieden aussenden, Er,
der allein die Menschen liebt !


Johannes Koder:
" Mit der Seele Augen sah er deines Lichtes Zeichen "
Romanos der Melode
Hymnen des orthodoxen Kirchenjahres
(Wien 1996)
hier aus St.Andreas Bote

 

Stichirion
Quelle
aus dem Vespergottesdienst der Nachfeier am 3.Februar


Der Alte der Tage (Dan 7,9),
der das Gesetz einst auf dem Sinai dem Mose übergab,
wird heute als Kind geschaut
.



Nach dem Gesetz,
obwohl des Gesetzes Schöpfer,
erfüllt er das Gesetz.
Er wird in den Tempel getragen
und dem Greis übergeben
.




Ihn empfängt Simeon, der Gerechte;
und da er der Anordnungen Erfüllung gekommen sieht,
ruft er voller Freude:
Geschaut haben meine Augen das seit Ewigkeit verborgene Geheimnis,
welches am Ende dieser Tage offenbar wurde,
das Licht, das der ungläubigen Völker Dunkelheit erhellt,
und den Ruhm des neuerwählten Israel.
Deshalb entlasse Deinen Diener
aus den Fesseln dieses leiblichen Daseins
in das junge und wunderbar unvergängliche Leben,
da Du der Welt das grosse Erbarmen gewährst
.



Stichirion aus dem Vespergottesdienst zur Nachfeier
3. Februar, Anthologion I, 1586
Lothar Heiser:
QUELLEN der FREUDE, Die Hochfeste der orthodoxen Christen  

(Verlag Fluhegg 2002)
CH-6442 Gersau

ISBN 3-909103-19-7
 




VOR - FASTENZEIT

"Der UMKEHR Türen öffne mir ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"


 

SONNTAGE der VOR-FASTENZEIT

1. Sonntag vom ZÖLLNER und PHARISÄER   5.2. 2023

2. Sonntag vom VERLORENEN SOHN   12.2. 2023

3. Sonntag FLEISCHENTSAGUNG !   vom GERICHT
  19.2. 2023

4. Sonntag BUTTERENTSAGUNG !   vom VERLUST des PARADIESES   VERGEBUNGSSONNTAG
  26.2. 2023

- abends:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen
FASTEN

 

Sonntag vom Zöllner und Pharisäer

Apostel: 2 Tim 3: 10-15
Evangelium: Lk 18: 10-14

Die Apostellesung erinnert uns, an heilsamen Traditionen festzuhalten.
Das Evangelium macht aber sofort deutlich, dass damit nicht ein gesetzlicher Konservatismus gerechtfertigt werden soll:

Der Pharisäer, der getreu alle überkommenen Vorschriften einhält, und sich dessen vor Gott rühmt, wird beschämt durch den ausserhalb des Gesetzes stehenden Zöllner, der in Demut seine Unwürdigkeit bekennt.
Am ersten Vorfastensonntag werden wir auf die erste Voraussetzung dafür hingewiesen, dass die kommende Fastenzeit für uns heilsam wird:
DEMUT

Lasset uns fliehen
die hochmütige Prahlerei des Pharisäers
und lernen
das demütige Seufzen des Zöllners !
Zu unserem Erlöser lasset uns rufen:
Vergib uns,
Allerbarmer !


Vor uns liegt ein Ausstieg, ein Aufstieg ins Heiligtum, in das Innerste des heilbringenden Mysteriums Christi, hin zur kostbaren Herzmitte auch unserer Existenz, deren eigentlichen Sinn dieses Mysteriums birgt.

Wir nahen uns dem Ostermysterium entweder als "Zöllner" oder als "Pharisäer":
- als solche, die kommen zur wahren Verwirklichung dessen, wozu wir berufen sind
- oder als solche, die in den "Naturgesetzen" ihrer Umgebung verfangen sind - und so das eigentliche Ziel ihres Lebens verfehlen.


Der offenbarende Gott zeigt uns welche Grundhaltungen -Seiner erlösenden Liebe gegenüber- für uns heilsam oder nutzlos sind:


Der Pharisäer steht für den Selbstgerechten, den Menschen, der sich selbst verwirklichen will, dank all seiner Leistungen und seiner Selbstsicherheit, der auf seinen Individualismus stolz ist:
"Er betet bei sich selbst: ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen"


Der Zöllner zeigt uns dagegen, die allein fruchtbare, die Haltung, für die das Heil nahe ist:
Er "steht von Ferne und wagt es nicht, seine Augen gen Himmel zu erheben". Er weiss um die Distanz zur erhabenen, ganz anderen Wirklichkeit des über alles erhabenen, allerhöchsten Gottes über jeden Gott, DEN, zu dem sich der selbstgerechte Mensch selber machen wollte. Er weiss um seine Schulden, die Sünden und "klopft an s e i n e Brust", nicht an die Brust der anderen um andere für deren Vergehen zu tadeln. Er weiss, das sein Schöpfer auch sein ihn liebender Erlöser ist, der ihm sogar an seiner göttlichen Natur Anteil geben will. Der sich selbst richtig einschätzende Zöllner (= der Sünder par excellence), e r b i t t e t das Erbarmen Dessen, Der die Liebe ist:
"Gott, gewähre mir Deine Gnade !"

“Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Predigt zum Sonntag des Zöllners und Pharisäers von P. Konstantinos, München
* Quellenhinweis *

„Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk 18,10-14)

Die heutige Evangeliumsperikope zeigt uns zwei Arten von Gläubigen; zwei charakteristische Typen von Menschen, die in die Kirche kommen. Der erste kommt, um sich zu zeigen, um anzugeben, um sein angeblich so heiliges Leben vorzustellen, um die Bewunderung der anderen zu erregen, um Gott, seiner Ansicht nach, zu verpflichten für seine Taten, für seine Tugenden, die der Bewunderung und des Lohnes würdig sind.

Welch ein Irrtum, welch ein Trug, welch ein Frevel! Ein Frevel vor Gott und den Menschen. Denn Gott nimmt solche Gebete nicht an, und die Menschen verabscheuen diese Art, ja ekeln sich vor ihr. Bei meinen Hausbesuchen höre ich viele Klagen und Kritik an vielen von uns, die wir zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber zu Hause, in der Arbeit, im Umgang mit anderen ganz anders sind, als wie wir uns hier im Umfeld der Kirche zeigen möchten. Wir sind leicht erregbar, ungerecht, sprunghaft und haben tausend andere Fehler, die unseren Charakter verraten. Wir kommen in die Kirche mit großen und auffallenden Kreuzen, mit großen und vielen Kerzen, aber wir verbergen in uns den Pharisäer, der uns so treffend im Hl. Evangelium beschrieben wird.

Ich möchte nicht länger bei der Charakterisierung und Beschreibung dieser Art von Menschen verbleiben. Ich möchte, dass wir uns etwas mehr Gedanken machen über eine andere Art, nämlich über jenen, den der Pharisäer verachtet, auf den er mit dem Finger zeigt und über den er schlecht redet
.

Wer ist es? Es ist ein sündiger Zöllner. Früher mussten die Bauern den Zehnten zahlen, d.h. ein Steuereinnehmer, kein Beamter des Staates, hatte sich vom Staat das Recht gekauft, die Steuern von den Bauern einheben zu dürfen. Dieser Steuereinnehmer oder seine Leute hatten die Möglichkeit Missbrauch zu üben, zu stehlen, die Bauern auszubeuten. Und sie haben den Unwissenden und Hilflosen das Gesetz vorgehalten, um damit ihre Gesetzwidrigkeiten zu verschleiern. In der Zeit Christi hatte die römische Herrschaft für diese Arbeit die Zöllner, die in der Regel stahlen und ihre Landsleute rücksichtslos und schamlos betrogen. Deshalb hatte niemand Achtung vor ihnen. Deshalb betont der Pharisäer der heutigen Evangeliumsperikope: „Gott, ich danke Dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin ... oder auch wie dieser Zöllner dort.“ Der Zöllner wiederum kannte seine Schuld. Er wagte es nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben. In einem abgelegenen Teil des Tempels klopfte er sich, niedergebeugt und voller Reue, an die Brust und flüsterte immer wieder: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Es waren dies seine einzigen Worte, aber sie kamen tief aus seinem Herzen. Worte der Reue und Buße, die zeigten, dass in dieser Brust seine Seele litt und eine geistige Geburt, eine seelische Wiedergeburt möglich wird. In diesem Kampf in seiner Brust stürzte der Zöllner den Sünder in sich vom Sockel seiner Geldgier und legte den Grundstein für ein neues Leben. Das ist das Werk der Buße. Als der Zöllner zu bereuen begann, erfuhr er die erste Frucht dieser Tugend: die Demut.

Man sagt, dass die Demut die Tugend der Alten und der Weisen sei. Aber auch der Zöllner zeigte sich demütig. Ganz hinten im Tempel klopfte er sich an die Brust und sagte: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Seht seine große Demut, ganz spontan kamen ihm diese Worte über seine Lippen. Und diese Worte waren nicht von der satten Arroganz der dürren Worte des Pharisäers.

Die aufrichtige Reue des Zöllners führte ihn zur Demut, welche „die beste der Tugenden ist“, wie uns der hl. Augustinus sagt, und diese führt uns weiter zum Gebet, das eine „Kraftreserve“ ist, wie es ein anderer Denker ausdrückte. Die Tradition überliefert uns, dass König David, als er seine übergroße Sünde bereute, bitterlich weinte, wie es der 50. Psalm beschreibt, den wir in vielen Andachten unserer Kirche lesen. Aus den Tränen Davids wuchsen aus der Erde zwei Bäume: eine Weide, die auf immer trauert und eine Zeder, deren Harz sich in Weihrauch verwandelt.

Tatsächlich Quellen aus der aufrichtigen Reue zwei Tugenden: die Demut, die der Weide gleicht, die ihre Zweige nach unten neigt und das Gebet, das wie Weihrauch zum himmlischen Altar Gottes aufsteigt.

Das ist die Dreiheit der Tugenden - Reue und Buße, Demut, Gebet -, die uns heute das Triodion der Zerknirschung in Erinnerung bringt.

Das Triodion, das heute beginnt, ist die Zeit, die uns auffordert, uns auf diese Tugenden zu besinnen.

Jeder Sonntag des Triodions erinnert uns an eine andere Tugend. Die Kette unserer Tugenden verbindet uns mit dem gütigen Gott
.


Selig werden sein,
die in der heutigen Zeit der Gleichgültigkeit im Glauben, ja seiner Ablehnung,
es zustande bringen,
sich durch die Bänder von
Reue und Buße, Demut und Gebet mit Jenem zu verbinden,
der den Zerknirschten und Demütigen im Geiste nahe ist
.

Amin.

Übersetzung aus dem Griechischen: G. Wolf


 

Sonntag vom Verlorenen Sohn
https://youtu.be/Ur39cbcr_pk

Apostel: 1 Kor 6: 12-20
Evangelium: Lk 15: 11-32



Vater Alexander Schmeman: " Rückkehr aus dem Exil "

Die Apostellesung dieses Herrentages stellt die christliche Freiheit heraus und steckt damit die Grenzen des Fastengebots ab:
"Alles ist mit erlaubt, aber ich soll mich von nichts beherrschen lassen"
Damit ist das Fasten jeder fremden Beurteilung von aussen entnommen. Es kann daher nach orthodoxem Verständnis auch nicht zum öffentlichen Gesetz werden, zumal es, wie der Herr anweist (Mt 6: 16-18) im Verborgenen geschehen soll.
Das Evangelium stellt dann den eigentlichen Sinn der Fastenzeit heraus: Der Aufbruch zur Umkehr zum Vater, der den Verlorenen Sohn mit Freuden aufnimmt und reich beschenkt. Es ist wohl kein Zufall, dass an diesem Herrentag erstmals im Nächtlichen Psalmengebet (Ps 136) angestimmt wird
.


Deine väterliche Herrlichkeit
habe ich ohne Verstand verlassen.
übel verschwendet habe ich den Reichtum
den Du mir gegeben hast.
So rufe ich Dir die Worte des Verlorenen Sohnes zu:
"Ich habe gesündigt gegen Dich,
barmherziger Vater.
Nimm mich auf,
der ich umkehre,
und lass mich bei Dir sein
wie einen Deiner Taglöhner !"

Der selbstherrliche, auf seine vermeintliche Autonomie allzu stolze Mensch ist -von seinem Ursprung her- Sohn des himmlischen Vaters.
Alles, was er hat, das hat er von Gott.


Er zieht in ein gottfernes Land, liefert sich einer gottfernen Gesellschaft aus.
Er nimmt so viel er kann aus seiner Mitgift, dem Eigentum Gottes.
Er verschwendet es hemmungslos an Idole, die ihm kurzfristig faszinierend erscheinen.
Als es seine Mitgift verbraucht hatte, im Genuss des Materiellen, Innerweltlichen, tritt die Hungersnot ein. Nichts vermag ihn zu sättigen im Anblick des Absterbens seiner Lebendigkeit, niemand, keine Parole kann ihn mehr begeistern.
Keines seiner Idole kommt ihm zu Hilfe: "Ich sterbe hungers !"

Aber er hat noch die Kraft seine Niederlage einzugestehen:
"Wie viele Tagelöhner im Hause meines Vaters haben Überfluss an Brot. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen".

Es ihm gleich zu tun, dazu fordert uns die Kirche auf, jetzt in der Zeit des Aufbruchs in die Grossen Fasten vor der Auferstehung.


"Ich will mich aufmachen", ich will aufstehen, damit Überblick gewinnen, Gewohntes verlassen
und mich auf den Weg machen, den die Fastenzeit mir öffnet, hin zum Vaterhaus.

Das ist das Ziel: zu Gott, zu unserem Vater zu gelangen.
Er macht mich frei.
Er nährt mein innerstes Leben.
Er will mir in der Wohnung Seiner Herrlichkeit Geborgenheit auf ewig bieten
.

"Ich will dem Vater sagen: ich habe gesündigt wider den Himmel und vor Dir; ich bin nicht wert, Dein Sohn zu heissen". Die Not der Sünde, der Gottesferne, ist die tiefste Not. Wo sie am grössten ist, ist sie am gefährlichsten, besonders wenn jeder Hilfeschrei betäubt und ihre Symptome verdrängt werden. Sünde ist immer gegen alles gerichtet, was sich über den irdischen Niederungen, den menschlichen Gemeinheiten, wölbt. Die Sünde widersetzt sich der Güte Gottes. Sie ist immer Lüge gegen die Wahrheit des göttliche Lebens in uns.
Wer könnte sagen, er wäre ohne Sünde: "Weil kein Mensch lebt ohne zu sündigen" (1 Könige 8: 46) ?


Die Fastenzeit schafft uns eine gute Gelegenheit, unsere Sünden vor Gott, unserem Vater zu bekennen: im Mysterium der Busse (der Beichte und Umkehr).
Es tut uns gut, wenn wir noch sagen können: "Ich habe mich versündigt an der Liebe zu Gott und den Nächsten" !


"Als er (wir) noch weit entfernt war(en), sah ihn (uns) der Vater -und war von Mitleid gerührt, er lief ihm (uns) entgegen, fiel ihm (uns) um den Hals und küsste ihn (uns). Die Liebe des Vaters kommt uns stets in Christus entgegen, wenn der Sünder aufrichtig seinen hilfsbedürftigen Zustand mit Glauben und kindlicher Hoffnung und Vaterliebe ausbreitet. Sein Mitleid teilt unser Leid und unseren Tod. Der Sünder öffnet die Herzwunde Christi, Gottes, aus der das Wasser des Mysteriums der Taufe (die Väter nennen das Mysterium der Busse "eine zweite Taufe") und das Blut der Eucharistie (des Mysteriums vom allerreinsten Leib und Blut des Herrn) fliesst.
Gott umarmt uns als Seine Kinder.
Gott schützt uns mit Seiner Kleidung (in der Taufe haben wir "Christus angezogen"), der besten Kleidung, der Kleidung der Kindschaft Gottes -wenn wir uns blossgestellt fühlen, wie einst Adam.
Gott setzt uns ein, in Sein Erbe, das unverwesliche Erbe der Unsterblichkeit.
Und trotz all dieser Gaben will er unsere Freiheit: Er gibt uns den Siegelring der Freien.
Die Kirchenväter deuten es noch tiefer:
Die Schuhe weisen auf die Befähigung auf dem Weg (Christi) fortzuschreiten, das Siegel auf das Siegel des Heiligen Geistes.
Unser Vater bereitet uns das Freudenmahl -das Ostermahl, -die Göttliche Liturgie.
Auch wenn wir dem zweiten Sohne gleichen, der tief in seinen Alltag verstrickt ist, und glaubt durch äusserliche "Anständigkeit" immer im Sinne des Vaters gehandelt zu haben, und so zum Knecht seiner Selbstgerechtigkeit geworden ist, und wenn wir, wie er, nicht hineingehen wollen, um uns für das Freudenfest bereit zu machen, so sucht uns doch der Vater heim:
"Da kam sein Vater heraus, und redete ihm zu"

Hören auch wir auf Gott, unseren Vater wenn er uns durch die Tradition der Kirche jetzt in der Vorfastenzeit auf das österliche Freudenfest vorbereitet !


Ja, wir wollen nicht mehr fern der Freude der Gemeinschaft mit Gott, fern dem wahren, von Ihm geschaffenen Leben des Paradieses, leben.
Ja, ich werde die Fesseln der Torheit lösen, die mir von Ihm geschenkten Reichtuemer nicht mehr mehr mit Sündern verschwenden, sondern mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren.

An den Flüssen von Babylon saßen wir ...
gedenkend der Stadt des Herrn ...
Wie könnten wir dem Herr ein Lied singen
in einem fremden Land ?
Sollte ich dich vergessen, o Stadt meines Gottes,
so verdorrt meine rechte Hand
so klebt meine Zunge am Gaumen
wenn ich Deiner vergesse,
wenn ich nicht Gottes Stadt über alle meine Freuden stelle ...

"An den Flüssen von Babylon ..." 
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza

 

 

Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)

aus: Schmemann, Alexander, GREAT LENT. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.


Rückkehr aus dem Exil
zum Sonntag vom Verlorenen Sohn

An diesem Sonntag der Vorbereitung auf die Fastenzeit hören wir das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32).
Zusammen mit den Hymnen dieses Tages erschließt uns dieses Gleichnis die Zeit der Reue als die Rückkehr des Menschen aus dem Exil.

Der verlorene Sohn, so hören wir, bricht auf in ein fernes Land und verschwendet dort alles, was er besitzt.
Ein fernes Land...Das ist die einzig zutreffende Bezeichnung für unsere Bedingtheit als Mensch, die wir annehmen und zu der unseren machen müssen, wenn wir unseren Weg zu Gott hin beginnen.

Ein Mensch, der niemals diese Erfahrung gemacht hat, und sei es auch nur für kurze Zeit, dass er in der Gottesfeme lebt und von dem wahren Leben abgeschnitten ist, wird niemals verstehen, was es mit dem Christentum auf sich hat.
Und jemand, der vollständig in dieser Welt und in dem Leben dieser Welt »zuhause« ist, der nie von dem sehnsuchtsvollen Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit schmerzlich getroffen wurde, der wird nie verstehen, was bereuende Umkehr ist.

Oft wird die bereuende Umkehr einfach mit einer nüchternen und »sachlichen« Aufzählung von Sünden und Übertretungen, einem »Schuldbekenntnis« bei einer gerichtlichen Anklage, gleichgesetzt. Geständnis und Absolution werden als juristische Akte betrachtet.

Man übersieht jedoch etwas sehr Wesentliches, ohne das weder das Schuldbekenntnis noch die Absolution eine wirkliche Bedeutung oder Wirksamkeit erlangen können. Dieses »Etwas« ist ganz genau das Empfinden des Verbanntseins von Gott, weit verbannt von der Freude der Gemeinschaft mit ihm und fern dem wahren Leben zu sein, das durch Gott geschaffen und geschenkt wird. Es ist in der Tat leicht zu bekennen, dass ich an den vorgeschriebenen Tagen nicht gefastet habe, dass ich meine Gebete vergessen habe oder jähzornig gewesen bin. Eine ganz andere Sache ist es jedoch, wenn ich mir unvermittelt eingestehen muss, dass ich Schande auf mich geladen und meine geistliche Schönheit verloren habe, dass ich mich sehr weit von meinem eigentlichen Zuhause, von meinem wahren Leben entfernt habe, und dass ich in dem innersten Gewebe meiner Existenz etwas Kostbares, Schönes und Reines in nicht wiedergutzumachender Weise zerstört habe. Indessen bedeutet dies, und nur dies, die bereuende Umkehr, und deshalb entsteht auch ein tiefgreifendes Verlangen, umzukehren, zurückzugehen und jenes verlorene »Heim« wiederzufinden.

Von Gott habe ich wunderbare Reichtümer erhalten:
zunächst das Leben und die Möglichkeit, mich dessen zu erfreuen,
ihm einen Sinn geben zu können,
es mit Liebe und Erkenntnis ausfüllen zu können;
dann – in der Taufe –
das neue Leben in Christus selbst,
die Gabe des Heiligen Geistes,
den Frieden und die Freude auf das ewige Königreich.
Ich habe die Erkenntnis Gottes erhalten,
und in ihm die Erkenntnismöglichkeit einer jeden Sache,
und die Kraft, Kind Gottes zu sein.


Und dies alles habe ich verloren;
dies alles verliere ich ständig, nicht nur in den besonderen »Sünden« und »Übertretungen«, sondern durch die Sünde aller Sünden, indem ich meine Liebe von Gott abwende und das »ferne Land« der Schönheit des Hauses des Vaters vorziehe.
Aber die Kirche ist da, um mich daran zu erinnern, was ich aufgegeben und verloren habe.
Und während sie mir dies ins Gedächtnis zurückruft, erinnere ich mich; so wie es das Kontakion dieses Tages ausdrückt:
»Fern von der Herrlichkeit des Vaters bin ich in meiner Torheit Fesseln umhergeirrt
und habe mit den Sündern die Reichtümer, die du mir anvertraut hattest, verschwendet.
So rufe ich mit dem verlorenen Sohn zu dir:
Barmherziger Vater, ich habe gegen dich gesündigt.
Nimm mich reuigen Sünder wieder auf und nimm mich an wie einen deiner Tagelöhner ... !« Und während ich mich erinnere, spüre ich in mir das Verlangen und die Kraft zurückzukehren:
»... Ich werde mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren
und werde zu ihm unter Tränen sagen:
Nimm mich auf wie einen deiner Diener! «

In diesem Sinne singen wir heute den sehnsuchtsvollen Psalm 136:

An den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten, Sions gedenkend...
Wie könnten wir dem Herrn ein Lied singen, in einem fremden Land?
Sollte ich dich, o Jerusalem, vergessen, soll meine Rechte verdorren!
Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner vergesse,
wenn ich nicht Jerusalem über alle meine Freuden stelle ...


Das ist der Psalm des Exils. Die Juden sangen ihn während der babylonischen Gefangenschaft, im Andenken an ihre heilige Stadt Jerusalem. Er wurde seit jeher das Lied desjenigen, der sich seines Verbanntseins in der Gottesfeme bewusst und hierdurch zu einem neuen Menschen wurde: zu jemandem, den nichts von dieser gefallenen Welt zufrieden stellen kann, da er seiner Natur und Berufung nach ein Pilger des Allerhöchsten ist. Dieser Psalm wird noch zweimal, an den beiden letzten Sonntagen vor der Fastenzeit gesungen. Und somit offenbart sich die Fastenzeit als Pilgerfahrt und Bereuen, als UMKEHR.

Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)

aus: Schmemann, Alexander, GREAT LENT. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.
 


"An den Flüssen von Babylon ..." 

~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza


30. JANUAR / 12. 2.
Gedaechtnis der grossen 3 Hl. Theologen
der Weltkirche

~ 3 SVETITELI ~       ~ 3 IERARCHON ~       ~ SFINTII TREI IERARHI ~

BASILIUS der Grosse
GREGOR der Theologe
JOHANNES Chrysostomus

("Mund goldener Worte")


+++

Im Leben habt Ihr den Aposteln nachgeeifert
und den Erdkreise gelehrt,
fleht zum Gebieter des Alls,
dass Er Frieden gewaehre
unserer Welt
und unseren Seelen
das grosse Erbarmen !
+++



Um 1100 begann ein Streit in Konstantinopel, welchem der Hl. 3 grossen Theologen der Vorrang gebührt. Da erschienen alle 3 zusammen dem Hl. JOHANNES, Metropoliten von Euchaita, und die Kirche feierte erstmals das grosse Fest der gemeinsamen Theologie, zu der jeder der 3 seinen unverzichtbaren Beitrag geleistet hat.

Der Hl. BASILIUS der Grosse erwarb zielstrebig Verantwortung fuer die Gesamtkirche, und setzte Zeichen der Verantwortung fuer die Gemeinschaft, organisierte die Ueberwindung von Hungersnöten und die Pflege der Kranken in besonderen von ihm gegründeten Haeusern. Er gab den Moenchsgemeinschaften heilsame Regeln und erzog die Christen in moralischer Strenge und durch das Vorbild persoenlicher Askese.

Der Hl. JOHANNES Chrysostomos ("der Mund goldener Worte") war in der Erziehung zum Heil nicht weniger streng in seinen Predigten. Dabei lebte er voll in der Welt der umgebenden Grossstadt Konstantinopel. Sein grosses Verdienst war es, dem Kirchenvolk durch Gottesdienste einen Eindruck des himmlischen Paradieses zu bieten, das Gebet in der Kirche so zu organisieren, dass alle Christen im Tageslauf und im Kirchenjahr die wesentlichsten Texte hören konnten. Dieses Muehen um die Herzen der Menschen im klaren Urteil gegen seelenzerstoerende Unsitten, aber auch durch Schoenheit, Klarheit und Gedankenreichtum in Gebet und Gottesdienst positive Erlebnisse schaffend, brachte dem Heiligen ein langes Martyrium, aber bringt fuer uns bis heute immer frische Frucht: durch die GÖTTLICHE LITURGIE UNSERES VATERS UNTER DEN HEILIGEN JOHANNES CHRYSTOMUS.

Der Hl. GREGOR der Theologe (im Westen: Gregor von Nazianz) war der gleichaltrige Freund (beide 329 geboren) und Gedankenaustauschpartner von BASILIUS dem Grossen seit den Jugendtagen des Studiums erst in Caesarea in Kappadokien, dann in Alexandria, dann in Athen, Mitkaempfer für die gefaehrdete Kirche, Philosoph, Moench, Dichter, Mystiker, Prediger und Bischof, zuletzt auch Patriarch -und dann wieder einfacher Moench. Beide kamen aus tiefglaeubiger Familie, sie waren auch verbunden durch ihre Begeisterung fuer die versammelte Kirche, Gegner aller individualistischen Spalter, waren sie reich an umfangreichen Erfahrungen klassischer Bildung und konnten so den Arianismus als typischen Aberglauben der halbgebildeten, aber etablierten Funktionaere durchschauen. Dies fuehrte bei beiden zu einer gesellschaftskritischen Grundhaltung, welche sich nicht nur in barmherzigen Taten und Predigten gegen die Reichen, Habgierigen und willkuerlichen karieresuechtigen Machtmenschen erschoepfte, die den Wohlhabenden oft so leicht faellt. Beide fuehlten sich nicht wohl in der ererbten Rolle des Sichbedienenlassens und des Befehlens eines grossen Haushaltes, dem typischen Lebensstil ihrer Zeit, in der die grosse Masse in Armut und Schulden leben musste, waehrend einige Wenige in verschwenderischem Reichtum moralische Schuld auf sich luden. Antwort auf diese unhaltbaren Zustaende, die Alle ins Unglueck fuehrten, war für sie der Weg der Nachfolge des Gottessohnes. Waehrend der Hl. BASILIUS der Grosse erfolgreiche Arbeit fuer dieses Ziel in verantwortlichen Positionen der Kirche zeigte, lebte der Hl. GREGOR fuer die Ueberwindung der immer wieder schuldig werdenden Welt auch in aeusserlicher Umkehr und Abkehr von der Welt und gab immer wieder seinem Beduerfnis nach mystischer Einsamkeit nach. Erst 30-jaehrig, zurueckgekehrt vom Studium in Athen hat er die Taufe empfangen, verbrachte 2 Jahre als Einsiedler, wurde 362 von seinem Vater, dem Bischof von Nazianz, zum Priester geweiht, fluechtete dann aber in die Einsamkeit. Erst als ein dogmatischer Streit dem inneren Frieden der Kirche von Nazianz gefaehrlich wurde, kehrte er zurueck und stiftete Frieden mit seiner brillianten einleuchtenden Auslegung des Konzils von Nizaea (325). Schliesslich blieb ihm nach einem klug eingefaedeltem "Streich" seines Freundes Basilius nichts anderes uebrig als Bischof zu werden. Schon 375, nach dem Tode seiner Eltern, verliess er seinen Bischofsstuhl um sich wieder dem Moenchsleben zu weihen. Doch diesmal holte ihn die von Arianern bedraengten orthodoxen Gemeinde der Reichhauptstadt Konstantinopel aus der Einsamkeit. 5 Jahre beharrlicher Predigtarbeit fuehrten letztlich zum Erfolg der im traditionellen Glauben versammelten Kirche. Der arianisch gewordene Patriarch musste schliesslich Gregor dem Theologen weichen, der vom bald einberufenen Konzil voll bestätigt wurde. Aber nachdem alles durch seine feierliche Inthronisation besiegelt war, schon einen Monat nach den Feierlichkeiten, verliess er Kathedrale und Patriarchenamt. Im kleinen Nazianz verbrachte er danach noch 2 Jahre bis er als einfacher Moench als "Vater der CHRISTLICHEN MYSTIK" in die ewige Heimat abberufen wurde.

So schliesst die Tradition der Kirche -als Zusammenfassung und Ausblick- diesen ersten Monat nach dem Fest der Geburt des Erlösers durch das gemeinsame Fest der Hl. 3 grossen Lehrer der Kirche. Die christliche Heiligkeit wird zusammengefasst
- in bekennendem, klarem und erleuchtendem theologischem Denken der Kirchenvaeter,
- in asketischem Mut und asketischer Kraft der Moenche
und letztlich in der Krone des Martyriums als Thorheit vor der momentanen Umwelt aber Triumph in der Ewigkeit.

Dies soll uns verdeutlichen, dass fuer die Kirche "Klarheit im Denken" und "Leben in der Liebe" untrennbar zusammengehoert.
WAHRE THEOLOGIE ist nicht bloss "Wissenschaft" sondern WEISHEIT, die gelebt werden will.
So wird auch jeder Christ aufgerufen und gestaerkt im Bemuehen zu seinem Heil stets Wissen mit Glauben und Leben in der Liebe zu vereinen.

Die 3 groessten Gestirne
der dreisonnigen Gottheit,
lasset uns gemeinsam
ruehmen in Hymnen,
da sie den Erdkreis
mit dem Abglanz
der goettlichen Lehren erfuellten,
die honigfliessenden Stroeme wahrer Weisheit,
die die ganze Schoepfung
mit den Wogen der Gotteserkenntnis ueberfluteten
,


BASILIUS, der Grosse
GREGOR, der Theologe
und der ruhmreiche JOHANNES
mit der goldredenden Zunge
da sie fuer uns
zur allheiligen Dreieinheit flehen
allezeit !




Sonntag vom ZACHÄUS   29.1. 2023

Apostel: 1 Tim 4: 9-15

Evangelium: Lk 19: 1-10


Heute hören wir die erste Ankündigung, empfangen die erste Einladung das Oster-Mysterium für uns heilbringend mitzuerleben:
Wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.
Deshalb müssen wir danach brennen den Gottessohn, den erneuerten perfekten Menschen des Paradieses erkennen zu lernen.
Dazu muss der Durst und der Hunger nach dem Absoluten in uns steigen, und durch Ihn die wahrhaftige Erkenntnis in uns selbst
.



Das brennende Verlangen
(zum Sonntag des Zachäus)

Lange vor dem eigentlichen Beginn der Fastenzeit kündigt die Kirche ihr Nahen an und lädt uns ein, in die Periode einer der Fastenzeit vorhergehenden Vorbereitung einzutreten.
Es ist ein charakteristischer Zug der Orthodoxen liturgischen Tradition, dass jedes Hochfest oder jeder liturgische Zeitabschnitt - Ostern, Weihnachten, Fastenzeit etc. - angekündigt und im voraus »vorbereitet« wird.
Warum? Weil die Kirche ein tiefes psychologisches Gespür für die menschliche Natur hat. Da sie unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit und den erschreckenden Hang zur »Weltlichkeit« unseres Lebens kennt, weiß sie um unsere Unfähigkeit zu einem raschen Wandel, zu einem unvermittelten Hinüberwechseln von einem geistlichen oder geistigen Zustand in einen anderen.

Deshalb lenkt die Kirche bereits lange vor dem Beginn des der Fastenzeit eigenen Bemühens unsere Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Bedeutung dieser Zeit und lädt uns ein, deren Sinn betrachtend zu bedenken.

Vor dem praktischen Vollzug der Fastenzeit wird uns deren Bedeutung gegeben.


Diese Vorbereitung umfasst bis zu fünf aufeinander folgende Sonntage, die der Fastenzeit vorangehen, und von denen jeder - durch sein eigenes Evangelium - einem grundsätzlichen Gesichtspunkt der Umkehr zum Erlöser gewidmet ist.

Der aller-erste Hinweis auf die Fastenzeit erfolgt an dem Sonntag, an dem das Evangelium über Zachäus (Lk 19,1-10) gelesen wird.

Es ist der Bericht über einen Menschen, der zu klein ist, um Jesus sehen zu können, der aber so sehr von dem Wunsch beseelt ist, ihn zu sehen, dass er auf einen Baum steigt. Wegen seines brennenden Verlangens wendet Christus sich ihm zu und kehrt bei ihm ein.
So ist das Thema dieser ersten Ankündigung das brennende Verlangen. 
Der Mensch folgt seinem brennenden Verlangen. Man kann sogar sagen, dass der Mensch Verlangen ist, und diese grundlegende psychologische Wahrheit über die menschliche Natur wird durch das Evangelium bestätigt: 
»Da, wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein« (Mt 6,21; Lk 12,34), sagt Christus. Ein heißes Verlangen überwindet die natürlichen Grenzen des Menschen; wenn er leidenschaftlich etwas wünscht, kann er Leistungen vollbringen, zu denen er »normalerweise« nicht fähig ist. Obwohl »klein« von Gestalt, wächst er über sich hinaus und übertrifft sich selbst.

Die einzige Frage ist also, ob es die wahren Güter sind, die wir begehren, und ob die Stärke unseres Verlangens auf das wahre Ziel ausgerichtet ist oder ob, um die Formulierung des atheistischen Existentialisten Jean-Paul Sartre zu gebrauchen, der Mensch eine »unnütze Leidenschaft« ist.


Zachäus wünschte »eine gerechte Sache«, er wollte Christus sehen und näher an ihn herankommen.
Es ist das erste Symbol des Sich-Bekehrens, denn das Sich-Bekehren beginnt mit der Wiederentdeckung der tiefgründigen Natur allen Verlangens: das Verlangen nach Gott und Seiner Gerechtigkeit, das Verlangen nach dem wahren Leben. Zachäus ist »klein«, - unscheinbar, ein Sünder, ein Mensch mit begrenzten Möglichkeiten - aber trotzdem wächst sein Verlangen über all dies hinaus. Er »erzwingt« die Aufmerksamkeit von Christus, er nimmt Christus mit zu sich nach Hause.

Das ist also die erste Ankündigung, die erste Einladung: wir müssen begehren, was das Tiefste und Wahrhaftigste in uns selbst ist, den Durst und den Hunger nach dem Absoluten in uns wiedererkennen, das, ob wir es nun kennen oder nicht, uns mit einer wahrlich »unnützen Leidenschaft« behaftet sein ließe, wenn wir uns von ihm abwenden und unsere Wünsche anderswohin lenken würden. Und wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.


aus: Schmemann, Alexander
, GREAT LENT
. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.




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