Orthodox Christlich in lebendiger Tradition
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Orthodoxe Fraternitaet in Deutschland
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Aktuelle FASTEN Zeit    November - Weihnachtliche Zeit - Januar Februar - Oesterliche Zeit - Juni Juli - Oktober  

18.2. - 31.3. 2018  Das GROSSE 40-taegige FASTEN

(Gebet des Hl. Ephraim des Syrers)

K A N O N der U M K E H R
unseres Vaters unter den Heiligen
ANDREAS von KRETA

F A S T E N Z E I T
"Fastenregeln" / FASTEN /
Fasten-Hirtenbrief 2007 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: "...Zeit der Geistlichen Kaempfe"
Fasten-Hirtenbrief 2004 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: „Öffne mir, Lebensspender, das Tor zur Umkehr!“
Beten und Fasten - Erzbischof STYLIANOS von Australien
» ... sondern nur durch Beten und Fasten« (Erzpr. Prof. Alexander Schmemann (+ 1983)
Die Große Zeit der Vorbereitung auf die AUFERSTEHUNG
(aus dem "Orthodoxen Glaubensbuch")

"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~


SONNTAGE der Fastenzeit:
25.2.2018   1. Sonntag: Fest der ORTHODOXIE
4.3.2018   2. Sonntag: Hl. GREGOR Palamas
11.3.2018   3. Sonntag: KREUZVEREHRUNG
18.4.2018   4. Sonntag: Hl. JOHANNES von der Himmelsleiter
25.4.2018   5. Sonntag: Hl. MARIA von Aegypten

 

Die SONNTAGE vor der FASTENZEIT:

Sonntag der beginnenden FLEISCHENTHALTUNG
Sonntag vom Gericht

Apostel: 1 Kor 8:8 - 9:2
Evangelium: Mt 25: 31 - 46

Dieser Herrentag wird nach dem Evangelium "vom Gericht" oder nach der Tradition der Kirche "Herrentag der Fleischenthaltung" (= APOKREO = MESOPUSTNA = Carne val) genannt. Mit dem Abendgottesdienst an diesem Sonntag beginnen die Gläubigen sich in Fleischenthaltung zu üben.
In der folgenden Woche wird der Körper noch einmal mit Milch, Butter und Käse gelabt, bevor danach am Abend des nächsten Sonntags die Grossen 40-tägigen Fasten vor der österlichen Festzeit beginnen.

Orthodoxe Mönche und Monialinnen verzichten auf Dauer auf die Ernährung durch Fleisch. Während der Fasten enthalten sich auch die Laien. Der Verzicht auf Fleisch soll als ein Zeichen der Hoffnung auf das Himmelreich verstanden werden. Im ewigen Friedensreich Gottes werden sich Seine Geschöpfe nicht mehr fressen und gefressen werden(Jes 11: 6-9). Unser Fasten nimmt dieses Friedensreich im Glauben vorweg.
Die Apostellesung betont wieder einmal die wahrhaft christliche Freiheit gegenüber allen religiösen Speisevorschriften:

Brüder, Speise wird uns nicht vor Gott bestehen machen;
weder fehlt uns etwas, wenn wir nicht essen,
noch gewinnen wir etwas, wenn wir essen"
(1 Kor 8:8 )

Die Grenze dieser Freiheit ist jedoch das Gewissen unseres Nächsten, wenn er sich zu etwas verführen lässt, das ihm schadet.

Das Evangelium stellt uns das Gleichnis vom Jüngsten Gericht vor Augen. Mit der Symbolik vom Hirten, der am Abend des Tages die Schafe von den Ziegenböcken sondert, werden wir auf das Kriterium dieser für alle Ewigkeit wichtigen Entscheidung aufmerksam gemacht:
Erwählten wie Verworfenen,wird nach ihrem Tun Heil oder Unheil zuteil:
Aber sie erkennen erst jetzt, dass nicht die Befolgung irgendwelcher hochgesteckten abstrakten Prinzipien sondern die Art ihres Verhaltens gegenüber dem Schwächeren Mitmenschen entscheidet !

Vor dem ewigen Gericht werden jene in das Reich Gottes eingehen, die ihre Liebe konkret an ihren Mitmenschen bewiesen haben:
an den Armen, den Gefangenen und den Kranken. Unsere bewiesene Liebe oder unsere erwiesene Lieblosigkeit entscheidet !
Sünde ist Trennung und Isolierung von Gott, da Gott der Absolut Liebende ist. Und so wie Gottes Liebe zu uns konkreten unwürdigen menschlichen Individuen sind wir zu konkreter Liebe zu jeder menschlichen Person aufgerufen, der uns Gott in unserem Leben begegnen läßt.
Die christliche Liebe ermöglicht uns in jedem Menschen, der uns begegnet Christus zu sehen. Jeden Menschen, den Gott in Seinem unerforschlichen und ewigen Plan in mein Leben geführt hat, und sei es auch nur für einige Augenblicke, hat Er zu mir geführt um mir Gelegenheit zu geben an Seiner Liebe zu allen Geschöpfen teilzuhaben. Denn ist Seine Liebe nicht jene alle Äußerlichkeiten, alle Andersartigkeit, alle Herkunft und Intellektualität übersteigende Kraft die zur jeweils einzigartigen personalen Wurzel seines menschlichen Seins vorstößt, das wir getrost makellos und absolut sehen dürfen: seine ihm vom Schöpfer eingehauchte Seele, die wahrhaft göttliche Seite jedes Mitmenschen. Die christliche Liebe ist tätige Bekräftigung dieses Glaubens. Und diese Liebe ist so wie Gottes Liebe immer konkret. Wir sind damit nicht aufgerufen, allgemein und abstrakt die "Menschheit" allgemein und nicht in Form irgendwelcher Pläne für die Zukunft, die konkret gegen einzelne Personen und in einer konkreten "Etappe" "über Leichen geht", zu lieben, sondern immer die konkrete Person, die HIER und JETZT vor uns steht !
Wir wissen, dass alle Menschen dieser personalen Liebe bedürfen - dem Erkennen ihrer einzigartigen Seele in ihnen, in der sich die Schönheit der ganzen Schöpfung in einzigartiger Weise widerspiegelt.
Und so haben auch wir diese Liebe nötig:
Jetzt - und am Tage unseres Gerichtes !
Wir können das ewige Heil nicht erlangen, ohne die verzeihende Liebe dessen, der uns durch den Hauch Seiner Liebe das Leben gegeben hat und Der uns dann daran messen wird, ob wir diese Liebe erhalten und weitergegeben haben.

Die Hymnen des heutigen Tages halten fest, dass wir, an diesem Massstab gemessen, alle schuldig geworden sind vor Gott; wir können Sein Erbarmen nicht verdienen, sondern nur erbitten. Vorbereitet durch die vergangenen Herrentage sollen wir aber nicht ängstlich abseits stehen, sondern dürfen wir darauf hoffen, dass Gott, unser Vater, uns mit Macht, Weisheit und Güte zu unserem Heil helfen will !
Wenn Du, o Gott, kommen wirst
auf Erden in Herrlichkeit
wird das All erzittern
und von Deinem Richterstuhl ein Feuerstrom ausgehen,
die Bücher werden geöffnet und das Verborgene wird offenbar.
Dann errette mich aus dem nie erlöschenden Feuer
und würdige mich,
zu Deiner Rechten zu stehen,
gerechtester Richter !

Kommet, lasset uns dem Herrn frohlocken,
jauchzen dem Fels unseres Heils !

Lasset uns vor Sein Angesicht treten
mit unserem Bekenntnis !
Mit Psalmen lasset uns Ihm zujubeln !

 
"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~

Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

  



Sonntag vom VERLUST des PARADIESES
VERGEBUNGSSONNTAG !

BUTTERENTSAGUNG !
- am Abend des Sonntags:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen FASTEN

"Über die Vergebung" von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Apostel: Rm 13:11 - 14:4
Evangelium: Mt 6: 14 - 21


Das Evangelium dieses Sonntags, an dessen Abend die Grossen Fasten beginnen, erinnert uns daran, dass wir Vergebung vom Herrn erst erwarten können, wenn wir nicht selbst bereit sind, unseren Mitmenschen zu vergeben, was sie uns an Verletzung zugefügt haben - und sie unsererseits um Vergebung zu bitten für das, was wir bewusst oder unbewusst an ihnen gefehlt haben.
Darum findet an diesem Sonntagabend nach der Vesper in die Handlung des Gegenseitigen Vergebens statt, wie sie am Schluss des Apodipnons in Klöstern täglich geübt wird. In manchen Kirchen wird dieser Ritus aus praktischen Gründen unmittelbar nach der Liturgie ausgeführt. In den Häusern ist die Vergebung als Abschluss der Karnevals- und Butterwoche mit einem Fest vor allem für die Kinder verbunden, dabei werden zum letzten Mal die Milch- und Butterspeisen genossen.
Die folgende Woche ist ganz dem intensiven Fasten gewidmet. Es beginnt die fortlaufende Lesung aus dem Buch Genesis, die im Sündenfall und dessen Folgen mündet. Mit dem Verlust des uns von Gott bereiteten Paradieses durch unsere selbstzerstörerischen Abwege beginnt auch die Sehnsucht nach dem Ende der widernatürlichen Sünden und dem neuen Paradies. Die dafür erforderliche Bereitschaft zur Umkehr wird in der kommenden Woche durch das Gebet des heilsamen Busskanons des Hl.Andreas von Kreta gefördert. Wir fühlen mit, dass wir mit unseren Sünden nicht allein sind, aber werden auch dazu ermutigt, uns den Figuren des Bibel anzuschliessen, die den Mut fanden, Gott um Vergebung zu bitten, und Ihm damit wieder nahe zu kommen.
Trotz -und vielleicht wegen- all unserer negativen Erfahrungen ruft uns die Apostellesung zu:

" Jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht "

(Rm 13:11 ff)

Für die Fastenzeit wird uns mitgegeben:
" Wer isst, soll den nicht verachten, der nicht isst;
und wer nicht isst, soll den nicht richten, der isst;
denn Gott hat ihn angenommen.
Wer bist du denn, dass du einen fremden Knecht richtest ?
Seinem eigenen Herrn steht oder fällt er - aber er wird stehen; denn der Herr hat die Macht, ihn aufrecht zu erhalten "

(Rm 14: 3-4)


Und so erbitten wir in allem für den bevorstehenden Weg der Umkehr in den Grossen 40-tägigen Fasten vom Herrn selbst Führung, Stärkung und Weisheit:
Führer auf dem Weg der Weisheit,
Urgrund des Verstandes,
Lenker der Unverständigen
und Beschützer der Armen,
festige, unterweise mein Herz, Gebieter.
Gib mir das Wort, Du Wort des Vaters !
Denn, siehe, nicht lassen ab
meine Lippen zu Dir zu schreien:
Barmherziger,
erbarme Dich meiner,
des Gefallenen !
(Kondakion)


 

Fastenregeln

Die Fastenregeln der Kirche sind im Kapitel 32 und 33 des Typikons dargelegt.
Vollständiges Fasten, wie in den Grossen 40-tägigen Fasten vor dem Auferstehungsfest vorgesehen, bedeutet Abstinenz von Fleisch, Eiern, allen Milchprodukten, Fisch, Wein und Öl. Der Speiseplan besteht also praktisch nur aus Gemüse, das ohne Öl zubereitet wird, Kartoffeln, Reis und Brot, wobei den Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen jeder Art, Linsen) besondere Bedeutung zur ausgewogenen Ernährung zukommt. An den Samstagen und Sonntagen dieser Fastenzeit ist laut Typikon zusätzlich Wein und Öl erlaubt, was die Zubereitung der Speisen erleichtert. An einem besonderen Feiertag, wie zum Fest der Verkündigung an die Gottesmutters am 25. März (7.4.) aber z.B. nicht am Sonntag der Orthodoxie ! sind auch Fischspeisen erlaubt.
Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass die Fasten keine Zwangsjacke darstellen, sondern eine Hilfe, die die Abhängigkeiten aufheben und uns auf das Gebet hin orientieren sollen.
Dadurch gehört auch weitestgehender Verzicht auf "Zeitvertreib" und Unterhaltungsmedien.
Ernsthafte Bemühungen in der Überwindung persönlicher Schwächen sind notwendige Begleiter sinnvollen Fastens.
Hingegen sollte bei gesundheitlichen Problemen wirklich nur Überflüssiges dem Fasten unterworfen werden.
Damit hier keine Willkür oder unheilsame Unsicherheit aufkommt, sollte man sich immer mit dem "Geistlichen Vater", zu dem ein jeder Christ für seinen Nächsten werden kann, absprechen !

F A S T E N
Jes 58: 4 ff

+++

Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr
und schlagt mit gottloser Faust drein.
Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr es jetzt tut,
wenn eure Stimme im Himmel gehört werden soll.

Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe:
Loese die Fesseln derer, die du mit Unrecht gebunden hast;
Loese die Stricke des Jochs !...
Teile mit den Hungrigen dein Brot,
und die im Elend ohne Obdach sind, fuehre in dein Haus...

Dann wird dein Licht hervorleuchten wie die Morgenroete,
und dein Heil wird schnell voranschreiten,
und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen,
und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschliessen.
Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten.
Wenn du schreist, wird ER sagen:
Siehe, hier bin ich !

Wenn du bei dir niemanden unterjochst
und nicht mit Fingern zeigst
und nicht uebel redest,
sondern den Hungrigen dein Herz finden laesst
und den Elenden seinen Mangel linderst,
dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis
und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.
Und der Herr wird dich immerdar fuehren
und dich satt werden lassen in der Duerre
und dein Gebein staerken.
Und du wirst sein
wie ein gut bewaesserter Garten
und wie eine Wasserquelle,
der es nie an Wasser fehlt.

+++


So singen wir am Beginn der Fasten:

+++
Lasset uns ein Fasten halten,
welches dem Herrn gebuehrt und wohlgefaellig ist:

Entfremdung von boesen Taten,

Beherrschung der Zunge,

Enthaltung von Zorn,

Fernhalten von zwanghafter Begierde,
Verleumdung,
Luege und
Meineid.

Die Freiheit von diesen Dingen
ist ein wahres Fasten.

+++

zum folgenden Gottesdiensttext - Aufnahme des Gottesdienstes aus der Russischen Orthodoxen Kirche
~~~ 1.Teil ~~~
~~~ 2.Teil ~~~
aus der Internetseite www.liturgy.ru

Hirtenbrief zum Beginn der heiligen großen
vierzigtägigen österlichen Fastenzeit

* Quellenhinweis *
 

Fastenbrief  der  orthodoxen Bischöfe in Deutschland zum Sonntag der Orthodoxie 2004

Fastenbrief  der  orthodoxen Bischöfe in Deutschland zum Sonntag der Orthodoxie 2005

 Beten und Fasten  (von  Erzbischof Stylianos von Australien)

» ... sondern nur durch Beten und Fasten«   (von  Erzpriester Prof. Alexander Schmemann (+ 1983))

*Quellenhinweis*

 

ÖSTERLICHE ZEIT


König aller Tage, Fest der Feste, über allen Tagen stehend und sie ordnend ist das Pas´cha, das Ostern der Auferstehung des Herrn. Dahin führt diese Zeit in den 40 Tagen der Grossen Fasten und dadurch strahlt diese Zeit im Jubel der 50 Tage bis Pfingsten.

[1] Wenn man eine Reise antritt, informiert man sich, wohin es geht. Und die Fastenzeit kann mit einer Reise verglichen werden. Eine Reise mit dem Ostern der Auferstehung als Ziel. Sie ist die Vorbereitung auf die Erfüllung des Pas´cha, der wirklichen Offenbarung.
Wir sollten also zu Beginn diese Verbindung zwischen der Fastenzeit und Ostern zu verstehen suchen; denn sie offenbart etwas für unseren Glauben und unser christliches Leben sehr Wesentliches und Entscheidendes. ...
Die wirkliche Offenbarung des Osterfestes der Auferstehung bringt uns das Neue Leben. In der Feier der Osternacht, die heller ist als der Tag, können wir singen: Heute ist alles mit Licht erfüllt, Himmel und Erde und die Totenwelt. Wir feiern den Tod des Todes, die Zerstörung des Hades (der trostlosen atheistischen Todesvorstellung) den Beginn des neuen und ewig währenden Lebens.
Diese Neue Leben wurde uns Christen am Tage unserer Taufe geschenkt, wie der heilige Apostel Paulus sagt, wir sind mit Christus ... in seinem Tode begraben worden, damit wir auch, so wie Christus von den Toten auferstanden ist, in einem Neuen Leben wandeln können(Röm 6:4)
...
Doch machen wir nicht die tagtägliche Erfahrung, dass dieser Glaube wohl kaum der unsere ist, dass wir immer wieder dieses neue Leben verlieren und verraten; - dass wir in Wirklichkeit so dahinleben, als wäre Christus nicht von den Toten auferstanden und als hätte dieses einzigartige Ereignis nicht die geringste Bedeutung für uns ?
Die alles, wegen unserer Schwäche, wegen unseres Unvermögens, ständig ein Leben in Glauben, Hoffnung und Liebe auf der Ebene zu führen, auf die uns Christus gehoben hat, als er sprach: "Suchet zunächst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit"
Wir vergessen es einfach - wir sind ja so beschäftigt und so in unsere Alltagsgeschäftigkeit verwickelt - und weil wir vergessen, versagen wir.
Und durch diese Vergessen, diese Versagen und diese Sünde wird unser Leben immer wieder alt - nichtssagend, verdunkelt, letztendlich bedeutungslos - es wird zu einer Reise bar jeden Sinnes, zu einem Ziel ohne Bedeutung. Wir unternehmen alles, um selbst den Tod zu vergessen, und dann tritt er doch ganz plötzlich mitten in unser ach so von Freuden erfülltes Leben: erschreckend, unentrinnbar, absurd. Wir mögen wohl von Zeit zu Zeit unsere vielfältigen Sünden erkennen und bekennen, wir unterlassen es aber, unser Leben auf das Neue Leben, das Christus uns geoffenbart und gegeben hat, außurichten. ...

Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir ermessen, was die Wirklichkeit von Ostern umfasst und warum sie die Fastenzeit erfordert und voraussetzt. Wir werden verstehen, dass die liturgischen Traditionen der Kirche, all ihre Festkreise und Dienste vor allem geschaffen wurden, um uns zu helfen, die Erfahrung und den Genuss dieses Neuen Lebens, das wir so leicht und immer wieder verlieren und verraten, wiederzürlangen. ...
...
Indes ist das alte Leben, das Leben der Sünde und der Unwesentlichkeit, nicht leicht zu besiegen und umzugestalten. Das Evangelium erwartet und fordert von dem Menschen eine Anstrengung, zu der er in seinem augenblicklichen Zustand seinem Wesen nach nicht fähig ist. Wir sehen uns von einer Vorstellung, von einem Ziel, einer Lebensweise herausgefordert, die gänzlich über unseren Möglichkeiten liegt !
Selbst die Apostel fragten ihren Meister entmutigt, als sie Seine Unterweisungen hörten: "Wie ist das möglich ?"
Es ist tatsächlich nicht einfach, eine kleinliche Lebensvorstellung, die sich auf den alltäglichen Sorgen, dem Streben nach materiellen Gütern, nach Sicherheit und Lustbarkeiten gründet, zugunsten einer Lebensvorstellung aufzugeben, deren ausschliessliches Ziel die Vollkommenheit ist: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." Diese Welt hingegen verkündet in all ihren "Medien": "Seid glücklich, macht es euch leicht, wählt den beQuemen Weg". Christus sagt jedoch im Evangelium: "Wählt den schmalen Pfad, kämpft und ertragt eure Leiden, denn das ist der Weg zu dem einzig wahren Glück"
Wie können wir ohne die Hilfe der Kirche diese erschreckende Entscheidung treffen ?
Wie können wir bereuen und umkehren zu dem ruhmreichen Versprechen, das uns jedes Jahr zu Ostern gegeben wird ?

An dieser Stelle erreicht uns die Fastenzeit. Sie ist die Hilfe, die uns die Kirche als Schule der Buße anbietet, die als einzige uns in die Lage versetzt, Ostern anzunehmen - nicht als bloße Erlaubnis zum Essen, Trinken und zum Nachlassen in unseren Bemühungen, sondern wahrlich als das Ende dessen, was in uns "alt" ist, sowie als unseren Eintritt in das "Neue".

In der Urkirche bestand das Hauptziel der Fastenzeit in der Vorbereitung der Katechumenen (der neu zum Christentum Übergetretenen) auf die Taufe, die in jener Zeit während der Osterliturgie vollzogen wurde. Indessen als die Kirche nicht mehr nur Erwachsene taufte und die Einrichtung des Katechumenats wegfiel, blieb der grundlegende Sinn der Fastenzeit derselbe. Denn, obgleich wir getauft sind, ist das, was wir ständig verlieren und verraten, genau das was wir in der Taufe empfangen haben.
Deshalb ist Ostern unsere jährliche Rückkehr zu unserer eigenen Taufe, während die Fastenzeit unsere Vorbereitung auf diese Rückkehr ist, das langwährende und ausdaürnde Bemühen, um schliesslich unseren eigenen "Hinübergang" oder "Pas´cha" in das Neue Leben in Christus zu vollziehen. Und wenn, wie wir sehen werden, die Gottesdienste in der Fastenzeit noch heute ihre glaubensunterweisenden und auf die Taufe vorbereitenden Charakter haben, so stellt das für uns nicht etwa ein "archäologisches" Überbleibsel aus der Vergangenheit, sondern etwas Gültiges und Wesentliches dar. Denn jedes Jahr lassen uns die Fastenzeit und das Ostern der Auferstehung einmal mehr das wiederentdecken und wiedergewinnen, zu dem wir durch den in unserer eigenen Taufe vollzogenen Tod und die durch sie bewirkte Auferstehung geworden sind.

Wie beginnen eine Reise, eine Pilgerfahrt !
Und wenn wir sie antreten, wenn wir diesen ersten Schritt in diese "glanzausstrahlende Reue" der Fastenzeit tun, sehen wir - in weiter, weiter Ferne - den Zielpunkt.
Es ist die Freude vor dem Fest des Osterns der Auferstehung, der Einzug in die Herrlichkeit des Reiches des Herrn.
Es ist dieses geistliche Schaün, dieses Vor-Kosten des Festes der Auferstehung, welches die reuevolle Traurigkeit der Fasten in helles Licht hüllt und unser Fastenmühen zu einem "geistlichen Frühling" werden lässt. Die Nacht kann finster und lang sein, aber während des gesamten Weges scheint eine nicht erklärbare und strahlende Dämmerung den Horizont zu erhellen.
" Schenke uns die Früchte des Fastens und die Fülle unserer Erwartungen, Du Menschenliebender ! "

Der Umkehr öffne die Pforten,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

 


[1] Erzpriester ALEXANDER Schmeman (einer der wirksamsten orthodoxen Theologen aus der russischen Tradition des 20.Jahrhunderts und vertraut mit der geistlichen Krise des Westens, wirkte er kurz in Paris und dann in den USA, wo er 1983 als hochgeehrter Professor des Akademischen Orthodoxen Instituts des Heiligen Wladimir starb):
THE LENTEN SPRING (DER FRÜHLING DES FASTENS) St.Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969


 

Am 1. Sonntag der Grossen Fasten feiern wir das

FEST der ORTHODOXIE

Das unbegrenzte Wort des Vaters
nahm die Grenzen der Gestalt an

durch die Fleischwerdung in Dir,
o Gottesgebaererin.

In Dir wurde das befleckte Abbild
in den urspruenglichen Zustand verwandelt

und erfuellt mit der goettlichen Schoenheit des Urbilds.

Wir aber,
indem wir das Heil erkennen,
stellen dies dar

in Werk und Wort.



IKONE des FESTES

Predigt von Metropolit ANTHONY (Bloom) von SUROSH (London)
=Sunday of Orthodoxy=
Histor.Entwicklungen und Ikonentheologie des Hl. JOHANNES von Damaskus

Die moralische Autoritaet von Kirche und Moenchen fuerchtend, versuchten die ostroemischen Kaiser im 8.Jhdt. das Christentum zu einer abstrakten Philosophie herabzusetzen. Die Ikonen, die an die Menschwerdung des Gottessohns aus der Gottesmutter und an die vielen Heiligen, die jetzt bei Gott leben und mit uns heute auf Erden Lebenden in kirchlicher Gemeinschaft stehen, erinnern an die wahre Heimat des Christen, das Himmelreich. Als deutliche Mahnung gegen die Verabsolutierung des irdischen Reiches wurden die Ikonen von der kaiserlichen Macht fanatisch bekaempft. Unzaehlige Moenche, Laien und Geistliche erlitten durch ihr Festhalten an den Ikonen das Martyrium.

787 definierte die Kirche die genaue Bedeutung der Ikonen und ihre Verehrung. 843 setzte ein von Kaiserin Theodora einberufenes Konzil der Verfolgung ein Ende und gab den Glaeubigen auch offiziell die Ikonen wieder. Seither wird dieses Fest am ersten Sonntag der Grossen voroesterlichen Fasten gefeiert.

Das heutige Fest kann nicht als gegen die anderen christlichen Kirchen im Westen gerichtet verstanden werden. Die Kirche im Westen und außerhalb des byzantinischen Reiches hat in dieser Zeit an den Bildern festgehalten und war so gesehen "orthodox" geblieben, waehrend der Bildersturm im Ostroemischen Reiche wuetete. Der Westen musste keinen Bildersturm erleben - aber er kennt deshalb auch keine theologische Begründungen, Richtlinien und Grenzen für religiöse Darstellungsformen.

S I E G der O R T H O D O X I E

Predigt von Metropolit ANTHONY (Bloom) von SUROSH
Was ein Kirchenfest den Menschen von heute sagen will


Wir feiern heute den Tag des Sieges der Orthodoxie. Von welchem Triumph soll da die Rede sein ?
Wenn wir uns gegenwaertig umschauen und tief hinein in die uns so vertraute und werte Orthodoxie blicken, wieviel Schlaffheit und Bedruecktheit sehen wir dort, wie wenig von dem, was wie ein Triumph aussieht. Freilich triumphieren wir gar nicht so sehr ueber den sichtbaren Ruhm der Orthodoxie. Ihren Sieg sehen wir vielmehr in zwei Bereichen.

Einmal darin, dass orthodoxe Menschen, ob nun ueber die Erde zerstreut oder in Volksgemeinden dicht beieinander, trotz Verfolgungen und unbeschreiblichen Schwierigkeiten ihren Glauben klar und rein erhalten, andaechtig ihren Gottesdienst bewahrt haben und den geistlichen Weg gegangen sind, der uns von Christus im Evangelium und von den Kirchenvaetern im Laufe der Jahrhunderte unserer Kirchengeschichte vermittelt worden ist.

Darueber koennen wir uns wohl freuen ! Wir empfinden Bewunderung und Ehrfurcht vor denen, die in den 2 Jahrtausenden im Glauben des reinen Bekenntnisses gestanden und in einer dem Evangelium wahrhaft entsprechenden Spiritualitaet gelebt haben. Sie konnten uns einen kostbaren, tief verinnerlichten und erbauenden Gottesdienst weitergeben. Allerdings wissen wir, wie sehr auch ein Mensch glaeubig sei und seine Kraefte anspannen mag, er wird dennoch leicht besiegt, wenn nicht der Herr Selbst ihm Kraft verleiht, wenn nicht die Gnade Gottes fuer ihn streitet. Letztlich ist der Sieg der Orthodoxie ueber den unser Herz jubelt ob der kuenftigen Hoffnung, doch ein Sieg Gottes in der menschlichen Schwachheit, ueber uns, in uns und mitten unter uns.

Der Sieg der Orthodoxie ist ein Tag, an dem wir uns freuen, weil Gott Sich als unbesiegbar von der menschlichen Suende, von der Suende des Geistes, von der Kaltherzigkeit und Unbestaendigkeit, von den Willensschwankungen und von den Fleischessuenden erwiesen hat. Gott blieb unbesiegbar in der Kirche Christi. Er blieb unbesiegbar auch in einzelnen konkreten Persoenlichkeiten.

Das Fest der Orthodoxie indes wurde aufgrund eines besonderen Vorfalls gestiftet. Es reicht zurueck in die Zeit nach dem Siebenten Oekumenischen Konzil, als die Orthodoxie endgueltig ueber den Bildersturm gesiegt hatte. Worum handelt es sich dabei ? Darum, dass die Kirche das Recht und unsere Pflicht verteidigt hat, den Ikonen Christi, der Gottesmutter und der vielen Heiligen Verehrung zu erweisen. Damit hat sie die Wahrheit der Inkarnation verteidigt; jene Wahrheit, dass Gott Sich Selbst offenbart, Sich sichtbar dastellt, vielleicht nicht voellig, aber Er zeigt Sich uns in den Bildern, die wir von Ihm geschaffen haben.

Solche Bilder sind nicht allein Ikonen. Es gibt auch Ikonen aus Worten. Andreas von Kreta sieht sie etwa in den Dogmen der Kirche, in den Lehrmeinungen der Vaeter, in der Unterweisung, die wir empfangen. Und letzten Endes offenbart sich uns Gott bildlich in den Menschen: weil naemlich ein jeder von uns in sich ein Abbild des lebendigen Gottes traegt.

Die Liturgie des heiligen Basilius des Grossen spricht von Christus, Er sei das Bild der Ebenbildlichkeit, das uns den Vater offenbart. Er ist ein vollkommenes Bild. Er -IST- die Wahrheit. Er ist vollkommener Gott wie auch vollkommener Mensch. Ja selbst in uns ist ein Abglanz dieses Bildes geblieben.

Und wenn wir heute den Triumph der Orthodoxie begehen, dann wissen wir, dass Gott sich uns in Christus durch die Inkarnation Seines Sohnes leibhaftig offenbart. Es weitet Herz und Seele, wenn wir erkennen, dass unsere geschoepfliche Welt so beschaffen ist, dass die Fuelle der Gottheit unter uns koerperlich wohnen kann.

Dadurch laesst sich Gott bildhaft darstellen, was wir an den Ikonen sehen, zumal an den lebendigen Gnadenbildern, den Menschen, sobald wir ihre menschlichen Schwaechen beiseite schieben, die unseren Gesichtskreis verdunkeln wollen. Mit sehenden Augen koennen wir naemlich durch die menschliche Schwaeche hindurch das bleibende Bild Gottes schauen und somit mitten unter den Menschen den lebendigen Gott in ihnen verehren.

Nicht ohne Grund haben die Kirchenvaeter gelehrt:
Wer seinen Bruder sieht, der sieht Gott.
Mit Andacht lasst uns deshalb in einem ehrfuerchtigen Verhaeltnis zueinander stehen, denn wir sind Erscheinung, Bild, Ikone. Lasst uns andaechtig unseren Glauben an das Dogma der Verehrung heiliger Ikonen bewahren, welches den Glauben unmittelbar bekundet, dass Gott Mensch wurde.

Lasst uns frohlocken darueber, dass von Generation zu Generation Gott in uns über unsere Schwachheit siegt, triumphiert und die Schwachheit unterordnet. Wir wollen Gott ganz und gar hingegeben leben, damit dieser Sieg vollkommen sei.

Er soll bis zum Ende den Sieg behalten, nicht nur in den verflossenen Jahrhunderten, sondern gerade heute und auch in uns. Der Widerschein Seiner Herrlichkeit moege aufgehen ueber der Welt, die in Schmerzen und Heimsuchung liegt.
Amin.

 

Historische Argumente und Entwicklungen im "Bilderstreit"
und die
Ikonentheologie des Hl. JOHANNES von Damaskus

 

Die Bilderstürmer (Ikonoklasten) störte an den Bilderfreunden (Ikonodoulen) nicht nur Mißbrauch oder Übertreibung der Bilderverehrung, sondern es spiegelt sich in dieser Auseinandersetzung die Endphase eines langen Ringens um die richtige Christologie. Die Ikonoklasten meinten, dass die göttliche und die menschliche Natur in der Person Christi doch nur geglaubt, aber nicht abgebildet werden könne. Wer die menschliche Natur aber isoliert darstellen wolle, versündige sich gegen die Doppelnatur Christi. Die Vorstellung, die in Christus vorhandene göttliche Natur habe den Vorrang, und anstelle der menschlichen Seele habe der Logos dominiert fand ihren Ausdruck in der Meinung Christus sei eine reale Vermischung (Realmonophysitismus).
Dagegen hat sich das Konzil von Nicaea 325 gewendet.

Das 4. Allgemeine Konzil von Chalkedon hat 451 die Lehre von den beiden selbständig und komplett in Christus vorhandenen Naturen (Duophysitismus) nochmals betont und erneut als Glaubensbekenntnis festgelegt. In den orientalischen Regionen des Römischen Reiches wurde am Monophysitismus dennoch festgehalten. In der Äthiopischen Kirche, in der Syrisch-orthodoxen Kirche und in der Koptisch-orthodoxen Kirche haben sich Formen des Monophysitismus bis heute erhalten. In welchem geistigen und theologischen Umfeld Christusbilder oder andere religiöse Darstellungen zu rechtfertigen seien und wie sie verstanden werden sollten, war noch nicht wirklich durchdacht oder definiert. In der Bilderfrage drifteten der Osten und der Westen immer weiter auseinander, und aus politischen Gründen kam es im 8. Jahrhundert in der geographischen Mitte der damaligen Christenheit, im Oströmischen - von uns heute Byzantinisch genannten - Reich zum Eklat.

Der sogenannte "Byzantinische Bilderstreit"entwickelte sich rasch von einer Theoriediskussion zum Bürgerkrieg (Ikonoklasmus, von klazo = ich zerstöre). Was jahrhundertelang eine theologische Kontroverse und ein theoretischer Konflikt war, triftete aus politischen Gründen auf einen Bilderstreit zu, der sich zum Bürgerkrieg entwickelte.

Der richtige Glaube war damals noch nicht zur Privatsache abgewertet, theologische Fragen nicht nur ein Diskussionspotential für Gebildete.
Die richtige Interpretation des Christentums war ein reales Anliegen für jeden Bürger.


Grundlage für den byzantinischen Staat war das römische Gesetz "Cunctos populos" aus dem Jahre 380: Wer nicht den rechten Glauben hat (Häretiker), kann nicht Reichsbürger sein. Nachdem Kalif Jezid II. 721 alle Bilder aus Kirchen und Öffentlichkeit in seinem Herrschaftsbereich hatte entfernen lassen breitete sich diese materiefeindliche Ansicht auch unter den Intellektuellen im byzantinischen Herrschaftsbereich aus und Kaiser Leon III. (717—741), selbst aus Kleinasien stammend, wo schon im 7. Jahrhundert verstärkt bilderfeindliche Tendenzen ausgebrochen waren, ordnete 726 erste Zerstörungen von religiösen Bildern an, eine Versammlung kaisertreuer Beamter formulierte die theologische und juristische Verurteilung der Bilder.

Ein kaiserliches Edikt erklärte 730 den Bildergebrauch als strafbar. Patriarch Germanos von Konstantinopel, der dagegen protestierte, wurde abgesetzt, sein orthodoxer Nachfolger enthauptet.

Auch Papst Gregor III., der schon damals den später "orthodox" genannten Standpunkt vertrat, exkommunizierte alle Ikonoklasten. Mittelitalien schied aus dem Reich des Kaisers aus. Loyalität zum Kaiser stand gegen Freiheit der Kirche.

Unter Konstantin V. (741-775) wandte sich die gesteigerte gewaltsame Verfolgung auch gegen die Verehrung der Heiligen und der Gottesmutter, Moenche wurden zur Heirat gezwungen, Klöster zu Kasernen missbraucht. 50 000 griechische Mönche flohen nach Italien, an die nicht von Byzanz beherrschten Küsten des Schwarzen Meeres, Zypern, Syrien und Palästina. Der Kaiser berief gleichgesonnene kirchliche Würdenträger zu einem Konzil in seinem Palast. Erwartungsgemäß wurden die Bilder verurteilt und ihre Zerstörung angeordnet.
766 mußten sich alle Bürger durch Eid verpflichten, einem Bild nie wieder die Proskynese zu erweisen.

Zwei Themenbereiche mußten geklärt werden, bevor das Ringen um die "Rehabilitierung" der Bilder wieder aufgenommen werden konnte:

Welches ist das richtige Bild Christi?
Welche Verehrung kommt wem zu?


Zu groß war die Befürchtung, das Bild selbst könne Gegenstand der Verehrung sein.
Im antiken Denken war im Götterbild die Kraft der Gottheit, mancher mochte das Abbild selbst für das Urbild halten.

Schon im 2. Jh. hatte sich Kirchenvater Klemens von Alexandrien darüber Gedanken gemacht:

"Ist das Urbild nicht gegenwärtig, kann das Ebenbild denselben Glanz ausstrahlen.
Ist die Wirklichkeit jedoch präsent, wird selbst das Bild noch von ihrem Glanz übertroffen;
die Ähnlichkeit bleibt jedoch bestehen, enthüllt sie doch die Wahrheit."


Ein ganz entscheidendes, weil bis dahin nie geklärtes Problem mußte weiterhin die Frage sein, an wen sich die vor den Bildern offensichtlich Verehrung wendete. Das Risiko war zu groß, daß die kultische Verehrung, die Gebete, der Weihrauch oder das sich Niederwerfen (Proskynese), die ja nur dem Urbild zukommen konnte, allmählich auf das Abbild übergehen konnte.
Die Verteidiger und Freunde der Bilder (Ikonodoulen) wehrten sich gegen den Vorwurf des "Holzanbetens", und der Bischof von Rom wurde ihr Wortführer.
Papst Gregor II. (715-731) hat in zwei Synoden die bilderfeindlichen Bestrebungen zurückweisen lassen und sich deswegen mit Kaiser Leon III. heftig überworfen.

Den kaiserlichen Vorwürfen entgegnete er:

"... Ihr sagtet: ,Steine und Wandbewurf betet ihr an!´
Nicht so ist es, o Kaiser, wie Ihr behauptet.

Wir verehren die Bilder,
weil sie uns Denkhilfe und Anregung sind,
und weil sie unser erdhaftes, sinnengebundenes Denken zur Höhe ziehen
- und deshalb haben sie ihren Namen und Gebetsinschriften und Formen.

Wir aber beten sie nicht an als Götzenbilder, wie Ihr behauptet; ferne sei das.

Denn wir gründen unsere Hoffnung nicht auf sie, sondern wenn wir ein Bild des Herren anschauen, beten wir:

"Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser und rette uns!"

Und beim Anblick des Bildes seiner heiligen Mutter sagen wir:

"Heilige Gottesgebärerin, Mutter des Herren, flehe für uns bei Deinem Sohn,
unserem wahren Gott, dass er unsere Seelen rette!"

Und vor einem Märtyrerbild:

"Heiliger Stephanus, Du Erzmärtyrer,
Du hast für Christus Dein Blut vergossen
und darfst darum freimütig zu ihm sprechen, bitte für uns!"

So beten wir vor den Bildern aller Blutzeugen,
solche und ähnliche Gebete senden wir zum Himmel durch ihre Fürbitte...


Für die Ikonoklasten war die Eucharistie die einzig legitime Abbildung Christi. Die Ablehnungen der bilderfeindlichen Synode 754 kreisen um das Christusbild und gipfeln in der Feststellung und im Vorwurf, daß ein ehrgeiziger Maler zwar nach künstlerischen Vorstellungen den menschlichen Körper Christi darstellen könne, nicht aber dessen unsichtbare und damit nicht abbildbare göttliche Natur. Sollte er diese beiden vermischen wollen, werde er zu einem Häretiker. Dies war auch eine deutliche Abgrenzung gegen monophysitische Vorstellungen.

Während der folgenden langen Auseinandersetzung versammelten sich die Bilderfeinde (Ikonoklasten) zu einem Konzil 754 in Hiereia (Kleinasien). Wichtigster Kritikpunkt war die unwiderlegbare Tatsache, daß das Nebeneinander der göttlichen und menschlichen Natur in Christus (Duophysitismus) nicht bildhaft wiedergegeben werden könne, und sie erhoben gegen die Maler den entscheidenden Vorwurf (can.252):

"Ein solcher ,Linksmaler' hat ein Bild (eikon) gemacht, es Christus genannt. Und dieser, Christus' ist göttlicher und menschlicher Natur?

Und im übrigen hat er entweder nach dem Gutdünken seines vergeblichen Trachtens das Unumschreibbare der Gottheit mit der Umschreibbarkeit des geschaffenen Fleisches zusammen umschrieben, oder er hat jene unvermischte Einheit, damit der Widergesetzlichkeit der Vermischung schuldig werdend, vermischt.

So hat er folglich zwei Blasphemien begangen - die der Umschreibung und die der Vermischung.

Diesen beiden Blasphemien fällt nun auch derjenige anheim, der das Bild mit Proskynese verehrt..."

"Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geiste und in der Wahrheit anbeten." [Joh 4,24]

Ferner:
"Niemand hat Gott je gesehen" [Joh 1,18] und
"Ihr habt weder seine Stimme gehört, noch seine Gestalt (eidos) gesehen " [Joh 5,37] und die Schrift preist alle selig, die da glauben, obwohl sie ihn nicht sehen. [Joh 20,29]

Auch im Alten Testament hat Gott zu Moses und dem Volk gesprochen:

"Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben,
auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde"[Ex 20,4]
denn auf dem Berg (Sinai)
"sprach (der Herr) zu euch mitten aus dem Feuer"
[Deut 4,12]
,

doch "ihr habt weder seine Stimme gehört, noch seine Gestalt je gesehen."
[Joh 5,37]

 

"Sie dienen einem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge"[Hebr 8.5]
und wiederum: "Auch wenn wir früher Christus nach menschlichen Maßstäben eingeschätzt haben, jetzt schätzen wir ihn halt nicht mehr so ein"
[2. Kor 5,16],

"denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende."[2. Kor 5,7]

Schliesslich hat derselbe (Paulus) beweiskräftig gesprochen:

"So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi."[Rm 10,17]

 

Religiöse Bilder aller Art wurden zerstört, in den Kirchen die vorhandenen Dekorationen entfernt und durch bildlose Dekorationen abgelöst. Unter Kappadokiens Höhlenkirchen sind nicht wenige aus der Zeit des Bilderkampfes erhalten und zeigen die bildlose Malerei der Ikonoklasten, allen voran die Barbarakirche in Göreme. Unter dem etwas gemäßigteren Kaiser Leon IV. (775-780) waren die Auseinandersetzungen mehr dogmatischer Art. Nach seinem Tod berief seine bilderfreundliche Witwe, Kaiserin Eirene, nach mühsamem Zurückdrängen der auf Mönchsfeindlichkeit eingeschworenen Armee gemeinsam mit dem späteren Patriarchen Nikephoros 787 zu einer Synode in der altehrwürdigen Konzilsstadt Nicäa, in der die Bilder rehabilitiert wurden.

 "Wir verlangen eindeutig und ausdrücklich, daß die ehrwürdigen und heiligen Ikonen ausgestellt werden wie das Bild des ehrwürdigen und heilbringenden Kreuzes selbst..."

Die Bilderfreunde (/Ikonodoulen) trafen sich. Auf diesem 7. allgemeinen Konzil wurde die inzwischen erarbeitete Bildertheorie des arabischen Mönches Johannes von Damaskus (ca. 650-750) zur Basis einer Theologie der Ikonen.

Die Bilderfeinde kannten die Positionen des wortgewaltigen Mönches aus Damaskus, er ist ihr Hauptgegner, ihn trifft ihr Bannfluch am heftigsten.

Johannes war bereits gestorben, konnte seine Positionen nicht selbst vertreten. Theodor, Abt des Studion-Klosters in Konstantinopel, wurde der Wortführer auf dem Konzil und betonte die Ideen des Johannes durch eigene Vertiefungen. Johannes entkräftete zunächst die Bezugnahme auf das Alte Testament mit den Hinweisen,

- dass auf Gottes Geheiß an der Bundeslade Bilder angebracht worden sind (Ex 25,18-22; Hebr 9,5)

- ebenso auf dem Vorhang des Tempels (Ex 26,31 und 36,8).

Das Hauptargument für Johannes von Damaskus war die Menschwerdung. Christus könne nicht durch Symbole, sondern nur durch seine menschliche Gestalt dargestellt werden. Seine Darstellung könne sein ewiges Bild im Sinne einer höheren Wahrheit spiegeln. Christus sei freiwillig Mensch geworden, deshalb sei es weder unmöglich noch respektlos, seine menschliche Gestalt abzubilden.

Die Inkarnation war das Hauptargument für die Rechtfertigung einer religiösen Bildkunst. Gottvater könne und dürfe aus diesem Grund allerdings nicht abgebildet werden. Johannes gibt den Bilderfeinden unumwunden zu, daß die nicht sichtbaren Glaubenswahrheiten auch nicht bildhaft dargestellt werden könnten. Aber: Alle seine Zeitgenossen hätten den historischen Jesus als Menschen gesehen, einige hätten aber glaubend seine nicht sichtbare Göttlichkeit erkannt. In seiner Verteidigungsrede für die Bilder argumentiert er:

"Ein Bild ist wirklich ein Abbild und Beispiel, ein Abdruck eines in ihm gezeigten Abgebildeten...

... daher habe ich den Mut, vom unsichtbaren Gott ein Bild anzufertigen, nicht als Unsichtbaren, sondern als um unsretwillen durch die Anteilnahme an Fleisch und Blut sichtbar gewordenen. So bilde ich nicht die unsichtbare Gottheit ab, sondern das Fleisch Gottes, das gesehen worden ist.

Wenn es schon unmöglich ist, die Seele abzubilden, wieviel mehr erst Gott, der auch der Seele das Nichtmaterielle verliehen hat..."

 

Interessant ist ein Blick auf die historische und topographische Konstellation: Um in einer bedrohlichen Phase der islamischen Angriffe die bilderfeindlichen Provinzen ans Reich zu ketten und um sie nicht in die Arme des Kalifen zu treiben, der ihnen problemlos Religionsfreiheit hat in Aussicht stellen können, war der syrische Kaiser Leon III. auf eine reichsweite Bilderfeindlichkeit eingeschwenkt, was den Vorwurf der islamischen Infiltration begründet.

Im Gegensatz dazu lebte und lehrte Johannes von Damaskus in einem Kloster in Jerusalem, das seit 637 unter islamischer Herrschaft stand und in dem die Christen ihren Ideen nachgehen konnten, ohne das Eingreifen eines sie reglementierenden christlichen Kaisers fürchten zu müssen. Die Freiheit zur Widerrede gegen den christlichen Kaiser und zur Verteidigung der Bilder konnte Johannes nur im bilderlosen islamischen Kulturkreis genießen.

Später hatten die Mönche des Studion-Klosters in Konstantinopel unter ihrem Igumen, dem Hl. Theodor viel Überzeugungsarbeit zu leisten um das durch die Propaganda der Bilderstürmer verdorbene Konstantinopel zu überzeugen. Noch einmal flammte die Terrorherrschaft der bilderfeindlichen Mächte auf, die Mönche von Studion wurden 809 vertrieben und verbannt, konnten aber bald wieder zurückkehren. Noch 815 berief ein bilderfeindlicher Kaiser ein ikonoklastisches Konzil in die Hagia Sophia ein, ersetzte willkürlich den mutigen Patriarchen Nikephoros und weitere 28 Jahre wurden Ikonen vernichtet und versucht die Kirche mit dem Gewalt einer Schreckensherrschaft dem Diktat des Kaisers zu unterwerfen. Klöster wurden geschlossen, Mönche terrorisiert, Ikonenmaler misshandelt; z.B. dem Mönch Lazarus beide Hände im Feuer verbrannt.
Erst unter Kaiserin Theodora wurde 843 das Konzil von 787 bestätigt und am 11. März, dem 1. Fastensonntag, verkündet. Die kaiserliche Macht erkannte endgültig das Recht der Kirche auf die selbstständige Regelung ihrer religiösen Angelegenheiten an.

Die Bildertheologie des Johannes wurde die Basis für die Rechtfertigung des Bildergebrauchs und Entscheidungsgrundlage für die Konzilsväter. Die entscheidenden Passagen des Konzilsbeschlusses von 787 lauten:

 

"... Die Verehrung des Bildes (eikon) geht nämlich auf das Urbild (prototypos) über,
und wer das Bild verehrt, verehrt die Hypostasis dessen, was in ihm eingeschrieben ist.

Damit wird die Lehre unserer heiligen Väter bestätigt und gleichermaßen die Tradition der Katholischen Kirche, 
lche das Evangelium von einem Ende (der Welt) zum anderen aufgenommen hat. Somit folgen wir Paulus,
der in Christo geredet hat, dem ganzen göttlichen Kreis, und den heiligen Vätern, indem wir die Überlieferungen bewahren, welche wir empfangen haben.
So singen wir der Kirche prophetische Siegeshymnen:

'Juble, Tochter Zion!
Jauchze, Israel!
Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem.
Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen.
Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten.'

Und Friede wird über dir sein bis in ewige Zeit.

Wir ordnen an, daß diejenigen, die es wagen, etwas anderes zu denken oder zu lehren oder die gegen die offenkundigen Häretiker (gerichteten) kirchlichen Überlieferungen zu verwerfen oder irgendwelchen Zusatz hinzuzusinnen, oder etwas von den kirchlichen Weihegegenständen wegzuwerfen - ein Evangeliar, ein Kreuzzeichen, eine bildliche Darstellung oder eine heilige Märtyrerreliquie - oder ränkevoll und böswillig etwas hinzufügen, um einen Punkt der rechtskräftigen Überlieferung der katholischen Kirche umzustürzen, und zwar besonders, um die kirchlichen Kleinodien oder die frommen Klosterstiftungen zu verstaatlichen, wenn sie Bischöfe oder Kleriker sind, zu entfemen, Mönche und Laien aber von der Kommunion (koinonia) auszuschließen...

Das heilige Konzil akklamierte:

Wir alle glauben so, wir alle denken dasselbe, wir alle haben mit unserer Zustimmung unterschrieben.

Dies ist der Glaube der Apostel, dies ist der Glaube der Rechtgläubigen.

Dieser Glaube fundiert die Oikumene.


Im Glauben an den einen Gott, der in der Dreifaltigkeit besungen wird, küssen wir die verehrungswürdigen Ikonen.


Diejenigen, die es nicht so halten, sind verdammt ...


Diejenigen, die nicht so denken, sind weit aus der Kirche entfernt."


 

In den zwei entscheidenden Problemkreisen war ein Kompromiß gefunden:


Zum einen war das für die Bilderfrage bisher unlösbare Dilemma des Duophysitismus nunmehr lösbar:
Das Bild gibt zwar nur die menschliche Natur wieder, kann aber dennoch akzeptiert werden, weil die nicht abbildbaren göttlichen Anteile dazu gewußt und ergänzend geglaubt werden. Der nicht bildhaft sichtbare Glaubensakt drückt sich in den bekennenden Inschriften aus. Das Göttliche erheischt eine Abbildung. Sie gehört zu ihm wie der Schatten zu seinem Körper.
Im Umkehrschluß wäre ein Verbot der Bilder und ihrer Verehrung eine Leugnung des sichtbar gewordenen Christus.


Theodor von Studion formulierte:

"Insofern Christus von einem unumschreibbaren Vater herkommt,
kann er kein Kunstbild haben, weil er unbeschreibbar ist.
In der Tat, welchem Bilde hätte die Gottheit, deren Darstellung in der Heiligen Schrift vollkommen verboten ist, gleichgestellt werden können?
Insofern aber Christus von einer beschreibbaren Mutter geboren wurde,
hat er natürlicherweise eine Darstellung, die dem mütterlichen Bilde entspricht.
Und wenn er kein Kunstbild hätte, wäre er auch nicht von einer beschreibbaren Mutter geboren und hätte also nur eine Geburt - nämlich vom Vater.
Dies aber wäre eine Umstürzung seines Heilsplanes.
"

Diese Überzeugung fand 843 Eingang in die Texte der Orthodoxie.

 

Zum anderen war entscheidend, daß die längst überfällige und letztlich konfliktauslösende Frage jetzt endlich ein für allemal geklärt wurde:
Die vor den Ikonen vollzogene Verehrung und Kniefall (proskynesis) durch die Gläubigen gilt nicht den Holztafeln, sondern dem Urbild, geschieht nicht im Hinblick auf die Materie, sondern im Hinblick auf den Dargestellten.
Die Wirkkraft des Abgebildeten ist immer im Bild.
Es gibt eine Einheit von Urbild und Abbild nach Form und Ähnlichkeit.
Die Anbetung (latreia) ist alleine Gott vorbehalten.


Der christliche Westen hat sich zunächst vehement für die Bilder ausgesprochen, z. B. der Diakon Epiphanius aus Catania.

Vergleiche der Ikone mit dem Andachtsbild westlicher Ausprägung machen die essentiellen Unterschiede deutlich:



 

Ziel der Ikone ist es, die heiligen Überzeugungen in allgemein verbindliche Bilder umzusetzen.

///
Ziel des Andachts-Bildes ist es, den Betrachter durch wie immer geartete Gestaltungsmöglichkeiten möglichst "andächtig" zu machen, d. h. er soll an die illustrierten Geschehnisse erinnert werden und emotional in sie eindringen bzw. an ihnen beteiligt sein.

 

Die Ikone basiert auf den Berichten glaubwürdiger Zeugen
und auf den Richtigstellungen erleuchteter Konzilsväter.

///
Der Künstler, der ein Andachts-Bild malt, kann neue Formulierungen zur Steigerung der Wirkung "cre-ieren".

 

Themenauswahl und Bildkomposition, Repräsentation der Einzelfiguren,
Gestaltung der äußeren Erscheinungen der Ikone
müssen die kanonischen Traditionen fortsetzen.
Neu angefertigte Werkstücke müssen die Vorbilder der Vorlagen fortsetzen.

///
Der Künstler des Andachts-Bildes beweist seinen Einfallsreichtum und seine künstlerische Kreativität durch ansprechende Neuformulierungen des Themas.

 

Den Ikonenmaler bewegt eine mystische Teilhabe an der in Gebet
und Schriftlesung geschauten verklärten Welt.

///
Der Künstler des Andachtsbildes bedient sich seiner Phantasie.

 

Die künstlerische Freiheit des Ikonen-Schreibers
ist in dem Satz der Heiligen Schrift zusammengefasst:
"Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit." 2 Kor 3,17

///
"Künstlerische Freiheit" im durchaus weltlichen Sinne ist die Grundlage des Gestaltungsprozesses
für das Andachts-Bild des Westens.

 

(Unter Verwendung der Auszüge die der Religionspaedagoge Horst Leps aus den Seiten 15 –20, 29, 51+52 unter Weglassung der Fußnoten, aber Ergänzung der Bibelstellen aus der Einleitung des Ausstellungskatalogs "Ikonen des Ostens - Kultbilder aus fünf Jahrhunderten", herausgegeben vom Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, St. Otto Verlag Bamberg, Copyright 1998 Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg, Hauptabteilung Kunst und Kultur, Autor: Kurt Ruppert, Bamberg, erstellt hat)

 


 

2. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN

Hl. GREGOR PALAMAS



Lesung:
Hebr. 1:10 - 2:3




EVANGELIUM:
Mk. 2: 1 - 12



Hl.Berg, 16.Jhdt.




Hl.GREGOR Palamas
Predigt Erzbischof LEONID zum Fest

Die Tradition der Kirche lasst uns heute - im Sinne des Festes der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesgebärerin- sowohl an die Heilung des Gelähmten als auch an den Hl. GREGOR Palamas denken.
Es wird uns bewusst, dass Gott uns unser Heil nicht aufzwingt, sondern unser Mitwirken will. Mitwirken sollen wir nicht nur egoistisch an unserem eigenen Heil sondern auch alles dazu tun, um anderen die Heilung zu ermöglichen.

Das Fest der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesgebärerin ist auch das Fest der Zustimmung der Menschheit zum Heilsplan Gottes. Die Gottesgebärerin handelt nicht ohne zu wissen, was sie tut. Ihr kritisches Hinterfragen der Botschaft des Engels zeigt ihre starke Persönlichkeit. Aber im Unterschied zu unser mißgeleiteten Mutter Eva weiß Maria die Mutter der erneuerten Menschheit auch, dass die menschliche Vernunft ihre Grenzen hat. Und dass es ohne die Überwindung der Enge dieser Grenzen keinen Zugang zu Gott geben kann.
Diese menschliche Anstrengung zur Öffnung für die göttliche Energie führt zum Heilswirken in der "Syn-Ergie".

Diese Überwindung unserer vermeintlichen allzumenschlichen Grenzen ist nicht leicht.
In der Fastenzeit sind wir aufgerufen dafür zu "trainieren".

Aber wir brauchen dazu Anleitung und fühlen uns oft genug auch wie der Gelähmte und brauchen die Hilfe unserer Mitmenschen. Besonders in unserer Gesellschaft, die den Individualismus vergöttert, und den Glauben zur Privatsache machen will, sollten wir uns dessen bewusst werden, dass "keiner allein" gerettet wird. Unser Christentum kann nicht ohne Gemeinschaft heilsam werden. In dieser Gemeinschaft tragen wir alle für unseren nächsten Verantwortung und sollten immer bereit sein, so zu handeln wie die Mitmenschen des Gelähmten.

Hilfreich für unsere Suche nach dem Zugang zu Gott ist auch die Überwindung von westlicher Skolastik und thomistischer Theologie, die Synthese von apophatischer und kataphatischer Sprache von Gott, sowie der Weg des Herzensgebetes und die Möglichkeit der Schau des "ungeschaffenen Lichtes", der Schau Gottes in Seiner Energie.
Wege des Heils, die uns der Heilige GREGOR Palamas erschlossen hat.
Der Heilige GREGOR Palamas (1296-1359) war der hochintellektuelle Sprecher der Mönche des Heiligen Berges Athos, die in jener Zeit, wie so oft davor und danach die Erkenntnisse der Orthodoxie gegen die oberflächlichen Behauptungen der Günstlinge der weltlichen Machthaber verteidigen mussten.
Zunächst von der Gelehrsamkeit des Ostens durch die Erkenntnislehre des Dionysios Aeropagita fasziniert kam der humanistisch gesinnte Mönch Barlaam in den Osten und stieg bald zum Hoftheologen des Kaiserhofes in Byzanz auf. Bald begann er die Gebetspraktiken des Herzensgebetes der östlichen Mönche zu verspotten und zu bekämpfen.
Es ging den Mönchen den Zugang zum ungeschaffenen Licht Gottes, das Erspüren der Energiewirkung Gottes, nicht als subjektive Einbildung abtun und so verschütten zu lassen. Obwohl es ihm zunächst nur Gefangennahme und Ausstoss aus der Kirche durch einen humanistischen Patriarchen einbrachte und er erst mehr als 5 Jahre durch das Konzil von 1351 rehabilitiert wurde, setzte der Hl. GREGOR Palamas die Unterscheidung zwischen dem unfassbaren Wesen Gottes und Seinen erfahrbaren Energien durch.

Apophasis heisst Verneinung. Apophatisch von Gott zu reden wird durch den Versuch der Gotteserkenntnis durch menschliche Vernunft und Welterfahrung ausgelöst. Es bedeutet, von Gott zu sagen, wie Er nicht ist: Er ist nicht begrenzt, nicht endlich, nicht vergänglich - also unbegrenzt, unendlich, unvergänglich u.s.w.
Dies ist die Absage an den erkenntnistheoretischen "Realismus" der westlichen Skolastik (Thomismus, Skotismus).
Demgegenüber ist sich die orthodoxe Theologie dessen bewusst, das wir von Gott immer nur in Bildern und Gleichnissen reden, auch wenn wir das abstrakt in Begriffen tun.
Demgegenüber bedeutet Kataphasis Bejahung, die positiv die Verkündung der Offenbarung Gottes ermöglicht, die Verkündung der Heilsereignisse Gottes, durch die Er in unsere Geschichte eingegangen ist und immer wieder in unser Schicksal eingeht und durch die Er sich uns in Seinen Energien zu erkennen gibt.
Die beiden Positionen dürfen nicht fundamentlistisch gegeneinander gesetzt werden. Heilswichtig ist es hingegen die beiden Sichtweisen stets gleichzeitig anzuwenden und damit nicht den Trugschlüssen der Begrenztheit menschlicher Vernunft zum Opfer zu fallen:

Wir reden vom Wesen Gottes nicht anders als in Bildern und Gleichnissen aber wir reden immer von heilswirksamer Realität, wenn wir von Seiner Offenbarung und Seinen Heilsmysterien reden.

So wird Theologie zur geistlichen Medizin, derer die Menschheit unserer Zeit -gleichzeitig im Dilemma vom Wahn der "Allmachbarkeit" gefangen und gleichzeitig der absolut entwertenden Orientierungslosigkeit verfallen- im besonderen Maße bedarf.



In leuchtenden Fasten,
erhellt durch der Gebete Lichtglanz,
lasst strahlend den Pflichten uns nachgehen,
damit wir entfliehen
dem Dunkel der Suende.

Heilige Dreiheit, wache
dass wir
die wir die Fasten schon drei Wochen durchlaufen,
unversehrt und unverurteilt
wuerdig sie weiter durcheilen
und Deine Gebote beachten.

 



3. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN

VEREHRUNG des Hl. KREUZES



Lesung:
Hebr. 4:14 - 5:6




EVANGELIUM:
Mk. 8:34 - 9:1



Heiliges Kreuz / Ikone von Nikolai SCHELECHOW




Orthodoxe Kreuzverehrung

Vor Deinem Kreuz, o Gebietender, fallen wir nieder,
und Deine heilige Auferstehung verherrlichen wir !

In der Mitte der Fastenzeit verehren wir das Heilige, das lebenbringende und uns daher so kostbare Kreuz des Herrn. Nicht einem Stück Holz gilt die Verehrung sondern dem Herrn Selbst, dem Gekreuzigten und Auferstandenen !

Nicht mehr bewacht das flammende Schwert die Pforte von Eden,
denn wunderbar wurde das Feuer gelöscht durch das Holz des Kreuzes.
Der Stachel des Todes und der Sieg der Hölle ist zur Beute geworden.
Denn Du, mein Erretter, kamest und riefest denen im Hades zu:
"Lasset euch führen wiederum ins Paradies !"

 

Orthodoxe Kreuzesverehrung:

Das Kreuz ist wie die Ikonen und das Evangelienbuch für die orthodoxen Christen eine Abschattung der Wirklichkeit, auf die durch das Bild hingewiesen wird. Die Verehrung einer solchen Abschattung gilt nicht dieser selbst, sondern der Wirklichkeit, die sie darstellt und die nicht anders als im Bild in Erscheinung treten kann. Dahinter steht die Überzeugung, dass das Göttliche für uns nur im Bild begreifbar ist, nicht aber direkt fassbar. Doch nicht jedes Bild, das wir uns machen, hat die Transparenz, den Blick auf das wahre Urbild zu ermöglichen. Nur das theologisch wahre, das geoffenbarte, das heilige Bild in der dogmatisch als richtig erkannten Tradition wird solchermaßen transparent. In dieser Transparenz des Kreuzes wird uns deutlich die Wirklichkeit des Kreuzes, Christus Selbst, der am Kreuz unsere Schuld getilgt und in Seiner Auferstehung den Sieg über den Tod vollendet hat. Das Kreuz anbeten heisst also, Christus als Sieger am Kreuz anbeten.

Das Leiden des Gottessohnes am Kreuz, das uns ermöglicht auch das Leid der Welt in diesem Licht zu sehen, führt uns im Glauben immer hin zur Auferstehung.

Zum Unterschied zum Westen, der beginnend mit der Aristoteles-Rezeption durch Augustinus und das Mittelalter weithin materielle und geistliche Welt streng trennt, lehrt und die Orthodoxie die Ganzheit der Schöpfung zu sehen, sei sie nun materiell oder nicht-materiell; und so auch die Ganzheit der Wirklichkeit: Kreuz und Auferstehung !


Wir kennen daher keine Konzentration auf die bloße Meditation der Leiden vor dem körperlichen Christusleichnahm auf Kruzifixen.

Unsere Verehrung des kostbaren und lebensspendenden Kreuzes ist eine dankbare Unterwerfung unter das Kreuz, das uns durch Gottes Menschenliebe vom Symbol der Hinrichtung zum Zeichen des Heils geworden ist.

Am fruehen Morgen gehen wir zu Dir,
und preisen Dich in Hymnen,
Heiland der Welt,
da wir den Frieden gefunden in Deinem Kreuz,
durch das Du das Menschengeschlecht erneuert hast,
uns fuehrend zum abendlosen Licht.


Im Paradiese ward einst durch eines Baumes Frucht
das Vertrauen gebrochen und herbeigerufen der Tod.

Der Baum des Kreuzes aber
hat den Menschen das Kleid des Lebens gebracht.
Nicht mehr bewacht das Flammenschwert die Pforte von Eden.
Denn es nahte sich ihm eine neue Versoehnung,
des Kreuzes Baum.

Des Todes Stachel und des Hades Sieg ist zerschmettert.
Du tratest, mein Heiland, herzu,
den Bewohnern des Hades zurufend:
Lasst euch zurueckfuehren ins Paradies !


Heute tanzen der Engel Choere voller Freude,
Deinem Kreuze huldigend.
An ihm ja schlugst du Wunden der Daemonen Scharen,
an ihm wurdest, Christus,
Heiland Du den Menschen.


Sei gegruesst, dreimal seliges, heiliges Holz,
Kreuz,
Licht derer, die wandeln in Dunkelheit,
das du den vier Enden der Welt durch dein Leuchten zeigtest,
die Strahlen von Christi Erweckung,
wuerdige alle Glaeubigen,
das heilige Pas´cha zu schauen.


 


 



4. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN


Hl. JOHANNES von der HIMMELSLEITER


Lesung:
Hebr. 6: 13 - 20



EVANGELIUM:
Mk. 9: 16 - 30




Durch Enthaltsamkeit

konntest du die Kraft deiner Seele erneuern;

sie mit himmlischer Herrlichkeit veredeln.

Heiliger Moench JOHANNES

Darum riefst du allen zu:

Nichts ziehet Gottes Liebe vor !





IKONE des FESTESIKONE des FESTES

Heute macht uns die Kirche aufmerksam auf den Hl. JOHANNES Klimakos (von der Himmelsleiter).
Dieser Mönchsvater, der im 7. Jahrhundert lebte, verwirklichte das Ideal von Gebet und Umkehr.
Schon mit 16 Jahren wurde er Einsiedler-Moench auf dem Sinai. 639 wurde er als Igumen Klostervorstand.
Vor seinem Tode zog er sich wieder in die Einsamkeit zurück. Sein immer wieder gelesenes Standardwerk "Die Himmelsleiter" beschreibt in 30 Sprossen -nach dem verborgenen Leben Jesu- den Aufstieg zur Vollendung in Gott,
den Kampf gegen die Laster, die den Menschen immer wieder behindern und die Tugenden die in die Nähe Gottes führen.

Krönung und Ziel des allmählichen Aufstiegs ist die Ruhe der Seele in Gott.


Darauf dürfen auch wir uns in der Fastenzeit vorbereiten.


"Lasset uns Johannes ehren ... Ruhm der Asketen ..."
singen wir in der Vesper und im Orthros:

"Während dein Leib durch die Enthaltsamkeit abnahm,
konntest du die Kraft deiner Seele erneuern, sie mit himmlischer Herrlichkeit bereichern."

Aber die Kirche erläutert die Lehre des Hl. JOHANNES Klimakos richtig, wenn sie verkündet, dass Askese sinn- und wertlos ist, wenn sie nicht Ausdruck der Liebe ist.
Und wieder in der Vesper zitiert sie den Heiligen mit den Worten:

"Darum riefst du allen zu:
Gott habet lieb,
und ewige Gnade werdet ihr finden.

Nichts ziehet Seiner Liebe vor!"


Aus: The Year of Grace, A Monk of the Eastern Church, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p125f.
Übersetzt durch *St. Andreas Bote*

 


 

 

5. WOCHE der Grossen voroesterlichen FASTEN

In dieser Woche laedt uns die Kirche noch einmal verstaerkt zur Umkehr ein. Wir sind eingeladen unser Vorleben zu kreuzigen um in der Auferstehung erloest und erneuert zu werden.

Mittwoch wird der   GROSSE KANON der Umkehr unseres Vaters unter den Heiligen ANDREAS von Kreta   gebetet, am Herrentag der diese Woche kroent, wird uns das leuchtende Vorbild der Heiligen MARIA von AEGYPTEN vorgestellt.
Am Freitag duerfen wir des wichtigsten Menschen im goettlichen Heilsplan fuer das ganze Menschengeschlechtduerfen wir des wichtigsten Menschen im goettlichen Heilsplan fuer das ganze Menschengeschlecht, der Gottesgebärerin im AKATHISTOS-HYMNUS gedenken.




5. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN



Hl. MARIA von Aegypten



Lesung:
Hebr. 9: 11 - 14




EVANGELIUM:
Mk. 10: 32 - 45



Festtagsikone in Arabischer Tradition aus dem Libanon





Die Hl. Maria von Aegypten ist in der orthodoxen wie in der lateinischen Kirche bekannt als ein Beispiel wie Gott uns durch Seine Gnade Heilige schenkt, deren Lebensweg nach menschlichem Mass alles andere als fromm und bieder ist. In jedem menschlichen Charakterzug, auch in den "allzu menschlichen" Schwächen, ist doch auch ein Zugang zum Heil verborgen. Massloses Verlangen nach Genuss kann im Zusammenwirken von Gottes Gnade und menschlicher Umkehr zu massloser Gottesliebe fuehren.
Maria wurde im noerdlichen Aegypten geboren und entfloh im Alter von 12 Jahren dem elterlichen Hause, um in der Weltstadt Alexandria ein Leben der Ausschweifung zu fuehren, einzig die Befriedigung ihrer Lueste suchend. Nach 17 Jahren ausschweifenden Lebens trieb sie die Neugier mit Wallfahrern zum Fest der Kreuzerhoehung zu den Heiligen Stätten in Jerusalem zu segeln. Auch auf dem Schiff und in Jerusalem liess sie ihrer Leidenschaft freien Lauf und verführte jeden der es sich gefallen liess.
Als sie zur Verehrung des heiligen Kreuzes inmitten des gewaltigen Menschenstromes, welcher der Auferstehungsbasilika zuflutete, auch selbst in die Kirche eintreten wollte, wurde sie an der Schwelle von einer unsichtbaren Gewalt, die staerker war als sie, zurueckgehalten, waehrend die uebrigen an ihr voruebergingen. Auch die vereinte Kraft mehrerer Maenner, um deren Hilfe sie gebeten hatte, konnten sie nicht ueber die Schwelle der Kirche bringen. Da kam es ihr ploetzlich erschreckend zu Bewusstsein, dass ihr Suendenleben Ursache dafuer sei, dass sie das Heiligtum in ihrem Zustand nicht betreten sollte. Zugleich fiel ihr Blick auf die Ikone der allheiligen Gottesmutter im Vorraum der Kirche. In Beschaemung und Reue rief sie die Mutter des Herrn an und gelobte, jede Busse in ihrem zukuenftigen Leben auf sich zu nehmen, wenn die Gottesmutter ihr Eingang in das Heiligtum und damit ein Zeichen gewaehre, an dem sie erkennen werde, dass ihr goettlicher Sohn ihr vergebe. Und - o Wunder - ungehindert konnte sie die Schwelle uebertreten und mit den uebrigen Pilgern an der Verehrung des heiligen Kreuzes teilnehmen. Hier traf sie der Strahl der Gnade. Einer innerlichen Erleuchtung folgend, jenseits des Jordans Ruhe und Frieden zu suchen, machte sie sich sofort auf den Weg und erreichte noch am gleichen Tage die Kirche des Hl. Johannes am Jordan. Reumuetig beichtete sie hier und empfing die Lossprechung und die Hl. Kommunion. Sodann ueberschritt sie den Jordan, um weiter ostwaerts in der Wueste Busse zu tun und die Wueste nicht mehr zu verlassen. Unter den aeussersten Entbehrungen in Nahrung, Kleidung und Behausung reinigte sich noch 17 Jahre ihr von ihren suendhaften Gewohnheiten und den Verwuestungen der Leidenschaften.
Dann aber fand sie die verheissene Ruhe und den vollen Frieden in Gott, dem sie noch weitere 30 Jahre in der Wueste widmen durfte, durch wunderbare Erleuchtungen getroestet und gefuehrt zu den seligen Geheimnissen der Gottesschau. Erst in ihrem 77. Lebensjahr wagte sie es wieder, einem Mann zu begegnen, der zur Andacht in die Wueste gekommen war. Viele Moenche folgten naemlich der Praxis vom ersten Fastensonntag bis zum Palmsonntag ihr Kloster zu verlassen, um in Erinnerung an die vierzigtaegigen Fasten des Herrn in der Wueste ein Einsiedlerleben zu führen. Gottes Fuegung wollte es, dass der fast hundertjaehrige Priestermoench Sosima aus einem am Jordan gelegenen Kloster in dieselbe Einoede kam, in der auch Maria lebte. Da sie ihm , ohne ihn je gesehen zu haben, seinen Namen nennen konnte, erkannte er dass es Gottes Wille war, dass er ihr am Hohen Donnerstag vor der Auferstehung die Hl. Kommunion an den Jordan bringen sollte. Nachdem sie mit Leib und Blut des Herrn gestaerkt war, was sie so lange hatte entbehren muessen, bat sie den Priester Sosima, ihr auch im naechsten Jahr die Heiligen Gaben an die selbe Stelle zu bringen. Dann zog sie sich wieder in die Wueste zurueck. Sosima entsprach im darauffolgenden Jahr ihrem Wunsch, fand aber an der verabredeten Stelle den Leichnam der Heiligen, die ihren Namen vor ihrem Scheiden aus dieser Welt in den Sand geschrieben hatte. Der heilige Sosima bestattete sie an der gleichen Stelle, kehrte ins Kloster zurueck und verfasste hier vor seinem bald folgenden Tode zur Erbauung des spirituellen Lebens seiner Mitbrueder die Lebensgeschichte der Heiligen, wie er sie bei der ersten Begegnung aus ihrem Mund vernommen hatte. In ihrer heutigen Gestalt stammt der Bericht von Patriarch Sophronij von Jerusalem. (7. Jhdt.)




Der unter den Aegyptern nach Seiner Geburt im Fleische gewohnt,
der Unumgrenzte vor aller Zeit,
liess leuchten dich aus Aegypten Stammende als ganz hellen Stern,
der Herr, der schon vor dem Geschehen alles erkennt.



Die durch die Angel des Fleisches viele gefangen,
fuer fluechtige Lust sie machte zur Beute des Teufels,
wurde wahrhaftig gefangen durch die goettliche Gnade des Heiligen Kreuzes,
Christi lebendigmachendes Zeichen.



Vormals von jeglicher Unreinheit erfuellt,
hast du dich durch Busse als Braut Christi erwiesen.
Du erstrebtest die Lebensweise der Engel,
ueberwandest die Daemonen mit der Waffe des Kreuzes.
Darum leuchtest du als Braut des Himmelreiches,
o vielgeruehmte Maria.



Uns, die in Liebe dein lichtbringendes und heiliges Gedaechtnis feiern,
sende Licht uns hernieder,
die du als Heilige jetzt bei Christus stehst, dem alles ueberstrahlenden Licht,
errette mich vor den vielfachen Stuermen des Lebens.

Festtagsikone aus Russland





25. März (7.4.)

VERKUENDIGUNG
der
FROHEN BOTSCHAFT

an unsere allhl. Gebieterin, die Gottesgebaererin und stete Jungfrau Maria



Heute ist der Anfang unserer Erlösung
und die Offenbarung des Mysteriums von Ewigkeit.

Der Sohn Gottes wird zum Sohn der Jungfrau,
und Gabriel bringt das Evangelium der Gnade.

Mit ihm rufen auch wir der Gottesgebärerin zu:
Freue dich, du Gnadenerfüllte,
der Herr ist mit dir !





Nach Königstür-Ikone, 17.Jhdt., Arbanassi, Bulgarien

Kanon d. Hl. JOHANNES MONACHOS
Predigt des Hl. GREGOR von NYSSA zum Fest

Das Christus-Mysterium bildet ein Ganzes. Mitten in der vorösterlichen Fastenzeit feiert wir die Inkarnation des urewigen Wortes. Die Menschwerdung geschieht um der Erlösung willen, und die Erlösung durch Kreuz und Auferstehung setzt die Menschwerdung voraus.
Denn Gott wird Mensch, um uns Menschen zu vergöttlichen. Das ist kein mechanischer oder magischer Vorgang.
Die freiwillige Menschwerdung des Sohnes und Wort Gottes im Schoße der Jungfrau ruft die Freiheit des Menschen auf, von sich aus, sich ohne vergewaltigt zu werden, dem Handeln Gottes zu öffnen und so das vergöttlichte Heil in sich geschehen zu lassen. Dieses Heil besteht in der Vereinigung Gottes mit den Menschen und des Menschen mit Gott. Dazu ist das freie "Ja" jedes Menschen unerlässlich, das "Ja", wie es die Gottesgebärerin nach gewissenhafter Überlegung gesagt hat:
" Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe nach Deinem Worte !"
Das Heil besteht aber nicht nur in der Erlösung des Menschen von der Sünde und allem Übel, sondern ebenso in der Wiederherstellung des Bildes Gottes, gemäss des ewigen Ebenbildes des Vaters in Jesus Christos, nach dem wir erschaffen wurden.

So konnte der Engel Maria die Botschaft der Freude bringen.
Freude verkünden an Weihnachten die Heerscharen der Engel den Hirten.
Und der Auferstandene sagt den Aposteln und uns in Seinem österlichen Gruß die Freude zu.
So kann auch in der Fastenzeit die Freude nicht untergehen:
Freude soll vielmehr auch die Buße leiten. Daher ist dieses Freudenfest kein Fremdkörper in der Fastenzeit; sondern gibt ihr Ausrichtung, Tiefe und Glanz.

Das Datum des Festes wurde in Verbindung mit dem 25. Dezember gewählt; es ist also relativ spät festgelegt worden. Nach älterem syrischen und gallikanischem Ritus wurde es an einem der Herrentage vor Weihnachten gefeiert. Uns ist das Datum seit den Akten des Konzils von 692 bezeugt.
Wenn es auf den Hohen Freitag oder Hohen Samstag vor Ostern fällt, wird es bei den Griechen auf den Ostertag verschoben und gemeinsam mit der Auferstehung gefeiert.

 

 

*Quellenhinweis*

Dies ist gesetzt von Gott den Sterblichen,
spricht die Makellose wiederum, dass gemeinsamer Liebe ein Kind entstamme.
Doch ist mir gänzlich unbekannt die Lust der Vereinigung.
Wie kannst du behaupten, dass ich gebären werde?
Ich fürchte, du schwatzt mit Trug.
Aber gleichwohl, schau, sprichst du:
Lobpreiset alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Der Einwand, welchen du aussprichst, Ehrwürdige,
entgegnet wiederum der Engel, trifft wohl zu bei den gewöhnlichen Geburten sterblicher Menschen.
Der wahre Gott aber, künde ich dir, nimmt, jede Vernunft und jedes Begreifen übersteigend, Fleisch an, wie nur Er es weiß, aus dir.
Drum rufe ich mit Freuden:
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Du erscheinst als Künder mir der Wahrheit,
beendete da die Jungfrau das Gespräch.
Denn als gemeinsamer Freude Bote bist du gekommen.
Da ich gereinigt wurde im Herzen durch den Geist, geschehe mir nach deinem Wort.
Wohnung nehmen soll in mir Gott,
zu dem ich mit dir rufe:
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

( Kanon des JOHANNES Monachos (8. Jh.) zum Fest der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesmutter )
(Ausschnitt)

 

 

Die jungfräuliche Empfängnis - Gottes Schöpfertat

Gregor von Nyssa (+ 394)
zum Fest Mariae Verkündigung

*Quellenhinweis*

 

In das Heilsgeheimnis wird die Jungfrau von Gabriel eingeweiht. Die Worte der Einweihung waren Segensworte: »Freue dich, Begnadete! Der Herr ist mit dir!« (Lk 1,28). Als Gegensatz zum ersten Spruch, der an eine Frau erging, ergeht nun dies Wort an die Jungfrau. jene wurde der Sünde wegen zur Betrübnis bei der Geburt verurteilt, bei dieser aber wird durch die Freude die Betrübnis aufgehoben. Bei jener ging Betrübnis der Geburt voran, hier aber war bei der Geburt Freude als Hebamme tätig! »Fürchte dich nicht!« (Lk 1,30), spricht er.

Da jeder Frau die Erwartung der Geburt Furcht bereitet, hebt die Verkündigung der freudvollen Geburt die Furcht auf. »Du wirst empfangen und einen Sohn gebären und sollst ihn Jesus nennen. Er wird sein Volk von den Sünden erlösen« (Lk 1,31). Was entgegnet Maria? Vernimm das Wort einer reinen Jungfrau! Der Engel verkündet ihr die Geburt, doch sie hält fest an der Jungfräulichkeit und misst der Unversehrtheit größeren Wert als der Erscheinung des Engels bei. Sie kann dem Engel weder den Glauben versagen, noch wird sie ihrem Entschluss untreu. »Mir ist der Umgang mit einem Mann versagt«, spricht sie. »Wie soll mir das geschehen?« (Lk 1,35) ...

Wenn Josef sie zur Ehe genommen hätte, wie konnte sie über die Botschaft des Engels befremdet sein, dass sie gebären werde? Denn nach dem Gesetz der Natur erwartete sie durchaus, auch einmal Mutter zu werden. Da aber ihr gottgeweihter Leib wie eine geheiligte Weihegabe unverletzt bewahrt werden musste, deshalb spricht sie: »Wenn du auch ein Engel bist und vom Himmel kommst und deine Erscheinung Über menschliche Erfahrung hinausgeht, so ist es doch unmöglich, dass ich einen Mann erkenne. Wie werde ich Mutter sein ohne einen Mann? Josef sehe ich als meinen Verlobten an, als Mann aber erkenne ich ihn nicht.«

Was erwidert Gabriel, der zur Jungfrau gesandt wird? Auf welches Brautgemach für die reine und unbefleckte Ehe weist er hin? »Heiliger Geist«, sagt er, »wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten« (Lk 1,35). Welch glückseliger Leib, der wegen seiner übergroßen Reinheit die guten Gaben für die Seele auf sich herabgezogen hat! Von allen anderen Menschen würde kaum eine reine Seele die Gegenwart des Heiligen Geistes in sich ertragen, hier aber wird der Leib zum Gefäß des Geistes. »Aber auch die Kraft des Höchsten wird dich überschatten«. Wie ist dieses geheimnisvolle Wort zu verstehen?

Dass Christus die Kraft Gottes und seine Weisheit ist, wie der Apostel sagt (1Kor 1,24). Die Kraft des höchsten Gottes also, die Christus ist, nimmt durch die Herabkunft des Heiligen Geistes in der Jungfrau Gestalt an.

 

 


Homilie auf Christi Geburt; PG 46, 1140B-1 141B, in: Heiser, Lothar, Jesus Christus, Das Licht aus der Höhe, Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 47), St. Ottilien 1998, S. 45f.
*aus St. Andreas Bote*

 

Kanon des Johannes Monachos (8. Jh.)
zum Fest Mariae Verkündigung

Höre, Mädchen, reine Jungfrau,
so kündete Gabriel den Ratschluss des Höchsten, uralt und ohne Trug:
Sei zum Empfange Gottes bereit! Denn durch dich wendet der Unfassbare
sich wieder den Sterblichen zu.
Drum rufe ich mit Freuden:
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Alles Sinnen der Sterblichen ist zu schwach,
erwiderte die Jungfrau, zu ergründen, was Unbegreifliches du mir kündest.
Ich freute mich deiner Worte, aber erschreckend fürchte ich, dass du mit Täuschung mich wie Eva weit weg von Gott führen willst.
Doch gleichwohl, sieh, sprichst du:
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Sieh, die Verwirrung löst sich dir,
entgegnete auf diesen Einwand Gabriel.
Denn mit Recht sagst du, der Plan sei unergründlich.
Folge nur den Worten deiner Lippen und zweifle nicht,
als sei er ein Truggebilde; dass Wirklichkeit er ist, das, glaube doch.
Denn auch ich rufe mit Freuden:
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Dies ist gesetzt von Gott den Sterblichen,
spricht die Makellose wiederum, dass gemeinsamer Liebe ein Kind entstamme.
Doch ist mir gänzlich fremd die Lust der Vereinigung.
Wie kannst du behaupten, dass ich gebären werde?
Ich fürchte, du schwatzt mit Trug.
Aber gleichwohl, schau, sprichst du:
Lobpreiset alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Der Einwand, welchen du aussprichst, Ehrwürdige,
entgegnet wiederum der Engel, trifft wohl zu bei den gewöhnlichen Geburten sterblicher Menschen. Der wahre Gott aber, künde ich dir, nimmt, jede Vernunft und jedes Begreifen übersteigend, Fleisch an, wie nur Er es weiß, aus dir.
Drum rufe ich mit Freuden:
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Du erscheinst als Künder mir der Wahrheit,
beendete da die Jungfrau das Gespräch.
Denn als gemeinsamer Freude Bote bist du gekommen.
Da ich gereinigt wurde im Herzen durch den Geist, geschehe mir nach deinem Wort.
Wohnung nehmen soll in mir Gott,
zu dem ich mit dir rufe:
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

 


Kanon des JOHANNES Monachos (8. Jh.)
zum Fest der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesmutter
8. Ode, im Orthros des 25. März; Menaion

*aus St. Andreas Bote*

 

Linkhinweise zum Fest:
Wenn Englisch kein Problem ist und Acrobat Reader zur Verfügung steht,
dann sind alle Gottesdienste des Festes über folgenden Link zugänglich:

http://www.bright.net/~palamas/CyberPsaltiri/Contents.htm

zu ->TRIODION gehen, dort das Fest auswählen:

Einführung: AnnuIntro
kleine Vesper: AnnuSV
grosse Vesper: AnnuGV
Morgendienst: AnnuMat
Göttl.Liturgie: AnnuDL
Polyelei: AnnuPol


ORTHODOX  CHRISTIAN  FAITH   in  AUDIO:  
http://ourlifeinchrist.com

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Kloester -weltweit- (Hl.Berg Athos, Bulgarien, wird fortgesetzt)
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Deutsches Orthodoxes Dreifaltigkeitskloster in Buchhagen, Bodenwerder/Weserbergland


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Bonner Str. 358, D-50968 Koeln, Deutschland (Germany)


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Stefan Gross