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W
E I H N A
C H T E N bis T H E O P H A N I E
UEBERBLICK
zum Auswählen je nach dem Zeitpunkt des Aufrufens
Zum
westlichen, weltlichen Jahreswechsel: 31.12. 2000 - 1.1. 2001
6. Januar (19.I.)
- THEOPHANIE -
ÖSTERREICH
1. Wasserweihe durch METROPOLIT ARSENIOS beim 1. orthodoxen Kloster in
Österreich am Zicksee (2016)


„Einleitung
zum Gebet der Heiligen Gotteserscheinungen“
(Patriarch GERMANOS von Jerusalem)
Herr
Jesus Christus, einziggeborener Sohn, der Du im Schoße
des Vaters ruhst, wahrer Gott, Quelle des Lebens und der
Unsterblichkeit, Licht
vom Licht, der Du in die Welt gekommen bist, sie zu erleuchten, erhelle
unser
Sinnen durch Deinen Heiligen Geist, und nimm uns an,
die wir Dir Verherrlichung
und Dank darbringen für Deine seit Ewigkeit wunderbaren und
großen Werke und
für das in unserer Zeit vollbrachte rettende Heilswerk.
Dafür hast Du angetan
unseren schwachen und armseligen Leib und bist zum Stand der Knechte
herabgestiegen,
der Du doch der König aller bist, und wolltest von der Hand
eines Knechtes im Jordan getauft werden, damit der Wasser Natur
geheiligt
werde, o Sündeloser; durch das Wasser und den Geist hast Du
uns den Weg gebahnt
zur Wiedergeburt und uns in die erste Freiheit wieder eingesetzt.
Die wir nun das Andenken an dieses göttliche Mysterium feiern,
bitten Dich,
menschenliebender Gebieter, besprenge uns, Deine unwürdigen
Knechte, gemäß
Deiner göttlichen Verheißung,
mit dem reinen Wasser, der Gabe Deiner Huld, auf
dass die von Sündern über diesem Wasser
ausgesprochene Bitte Deiner Güte
wohlgefällig sei und durch Deinen Segen das ganze
gläubige Volk Gnade erhalte
zur Ehre Deines heiligen und verehrten Namens. Denn Dir
gebührt aller Ruhm,
alle Ehre und Anbetung, samt Deinem anfanglosen Vater und Deinem
allheiligen,
gütigen und lebenschaffenden Geist, jetzt und immerdar und in
die
Ewigkeit der
Ewigkeit.
Amin.
Gebet
des SOPHRONIOS
(Patriarch von Jerusalem)
Dreiheit
über allem Sein, über aller Güte,
über aller
Göttlichkeit, unendliche Macht,
die Du alles siehst, unsichtbar, unfassbar;
Schöpfer der geistigen Wesen und der vernunftbegabten
Kreaturen,
Güte ist Deine Natur; unzugängliches Licht, das allen
Menschen leuchtet, in die
Welt kommen; erleuchte auch mich, Deinen unwürdigen Knecht;
erleuchte die Augen
meiner Erkanntnis,
damit ich es wage Deine unermessliche Güte und Macht zu
besingen.
Dir wohlgefällig sei meine Bitte für das hier
stehende Volk, damit
der Heilige Geist durch meine Verfehlungen nicht gehindert wird, mir
hier zu
Hilfe zu kommen;
gewähre mir, Du über aller Güte, auch jetzt
Dich ohne Schuld
anzurufen und zu sprechen:
Wir verherrlichen Dich, menschenliebender Gebieter, Allherrscher,
König vor aller
Zeit.
Wir verherrlichen Dich, den Schöpfer und Erschaffer aller
Dinge.
Wir verherrlichen Dich, einziggeborener Sohn Gottes, ohne Vater von der
Mutter
geboren
und ohne Mutter vom Vater gezeugt;
wir haben Dich im nun vergangenen Fest als Kind gesehen, und im
kommenden sehen
wir Dich als Vollkommenen; der Vollkommene vom Vollkommenen, der sich
uns
gezeigt hat, unser Gott.
Heute besonders ist es gut zu feiern:
der Chor der Heiligen ruft uns zur Versammlung
und die Engel feiern zusammen mit den Menschen.
Heute erscheint die Gnade des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube
über den
Wassern.
Heute erstrahlt die unzugängliche Sonne und die Welt ist vom
Lichte des Herrn
erleuchtet.
Heute beleuchtet der Mond mit ihr die Welt mit seinen Strahlen.
Heute verschönern die leuchtenden Sterne mit der Klarheit
ihres Glanzes den
Erdkreis.
Heute lassen die Wolken den Tau der Gerechtigkeit vom Himmel auf die
Menschheit
hernieder regnen.
Heute lässt sich der Unerschaffene freiwillig die Hand Seines
eigenen
Geschöpfes auflegen.
Heute kommt der Prophet und Vorläufer vor den Gebieter,
zitternd steht er neben
Ihm,
und sieht Gott zu uns herabkommen.
Heute sind die Fluten des Jordan verwandelt in Wasser der Heilung
durch die
Ankunft des Herrn.
Heute ist die ganze Schöpfung von geheimnisvollen Wellen
benetzt.
Heute sind die Übertretungen der Menschen in den Wassern des
Jordan getilgt.
Heute öffnet sich den Menschen das Paradies und die Sonne der
Gerechtigkeit
glänzt über uns.
Heute ist das bittere Wasser des Moses dem Volk in
süßes verwandelt
durch die
Ankunft des Herrn.
Heute enden wir unsere alte Klage und als neues Israel sind wir
errettet.
Heute sind wir von der Finsternis befreit und erleuchtet vom Licht der
göttlichen Erkenntnis.
Heute sind die Nebel der Welt aufgelöst durch die Offenbarung
unseres Gottes.
Heute wird die ganze Schöpfung vom Himmel angestrahlt.
Heute sind die Verwirrungen begradigt und die Ankunft des Herrn zeigt
uns den
Heilsweg.
Heute feiern die Himmel mit der Welt hier unten und die Welt hier unten
redet
mit den Himmeln.
Heute frohlocken alle über das heilige und freudige Fest der
Orthodoxen.
Heute eilt der Gebieter zur Taufe, um die Menschheit in den Himmel zu
heben.
Heute beugt sich, der nicht gebeugt werden kann,
dem eigenen Knecht, um uns von
der Knechtschaft zu befreien.
Heute haben wir das Himmelreich erworben, dieses Reich des Herrn aber
hat kein
Ende.
Heute teilen sich Erde und Meer die Freude der Welt und die Welt ist
erfüllt
von Freude.
Die Wasser sahen Dich, o Gott, die Wasser sahen Dich und
fürchteten sich.
Der Jordan mußte sich abwenden, als er das Feuer der Gottheit
erblickte:
im Fleisch herabgekommen, angekommen Er selbst.
Der Jordan mußte sich abwenden, als er den Heiligen Geist
sah,
der in Gestalt
einer Taube herabkam und über Ihm schwebte.
Der Jordan mußte sich abwenden, als er den Unsichtbaren
sichtbar sah,
den
Schöpfer Fleisch geworden, den Gebieter in der Gestalt eines
Knechtes.
Der Jordan mußte sich abwenden und die Berge erbebten als sie
Gott im Fleische
sahen und die Wolken ertönten, sich verwundernd über
den Gekommenen, der Licht
vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott ist, denn sie sahen heute das Fest des
Herrn im Jordan;
sie sahen Ihn, der den Tod wegen seines Ungehorsams, die
Dornen des Irrtums und die Ketten des Hades im Jordan versenkte und der
Welt
die Taufe des Heils schenkte.
Deshalb rufe auch ich, Dein sündiger und unwürdiger
Knecht, der ich nun die
Größe Deiner Wunder aufgezählt habe, betend
in Ehrfurcht und zerknirscht Dir
zu:
Du bist groß, o Herr, und wunderbar
sind
Deine Werke und kein Wort reicht aus,
Deine Werke zu besingen !
(3 x)
Du
hast durch Dein Wollen das All vom Nichtsein ins Dasein
gerufen
und durch Deine Macht erhältst Du die Schöpfung
und durch Deine Vorsehung lenkst
Du die Welt.
Du hast aus 4 Elementen die Schöpfung zusammengefügt,
aus 4 Jahreszeiten den Kranz des Jahres gewunden.
Vor Dir erbeben alle geistigen Mächte.
Dich besingt die Sonne,
Dich preist der Mond,
Dir dienen die Sterne,
Dir gehorcht das Licht,
vor Dir schaudern die Abgründe,
Dir fügen sich die Quellen.
Du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.
Du hast die Erde über den Wassern begründet;
Du hast das Meer mit Sand umgeben;
Du hast zum Atmen die Luft verströmt.
Die Mächte der Engel dienen Dir; die Chöre der
Erzengel beten Dich an;
die vieläugigen Cherubim und die sechsflügeligen
Seraphim,
die Dich umgehen und umfliegen,
verhüllen sich aus Furcht vor Deiner
unzugänglichen Herrlichkeit.
Du bist ja der unbeschreibbare Gott, Du bist ohne Anfang und
unbenennbar,
bist in die Welt genommen, hast die Gestalt eines Knechtes auf Dich
genommen
und wurdest den Menschen gleich; denn Du hast es in Deiner barmherzigen
Liebe
nicht ertragen,
das Menschengeschlecht vom Teufel gequält zu sehen,
sondern bist gekommen und
hast uns erlöst.
Wir preisen die Gnade, verkünden das Erbarmen, und
verschweigen nicht die
Wohltat;
Du hast die Natur unseres Geschlechtes befreit;
den Schoß der Jungfrau durch
Deine Geburt geheiligt;
die ganze Schöpfung besingt Dich, der Du Dich uns gezeigt hast.
Du bist ja unser Gott, hast Dich auf Erden gezeigt und mit den Menschen
gelebt.
Du hast die Wellen des Jordan geheiligt,
da Du vom Himmel herabsandtest Deinen
heiligen Geist,
und hast die Schädel der Drachen, die sich dort eingenistet
hatten, zermalmt.
Du selbst also, menschenliebender
König,
komm auch jetzt
durch die Herabkunft Deines Heiligen Geistes und heilige dieses
Wasser !
(3 x)
Und
gib ihm die Gnade der Erlösung und den Segen des
Jordans.
Mache es zum Quell der Unvergänglichkeit, zur Gabe der
Heiligung,
zur Vergebung der Sünden und zur Heilung der Krankheiten,
zum Verderben der Dämonen und mache es unerreichbar
für die feindlichen Mächte,
erfülle es mit der Kraft der Engel.
So mögen alle, die davon schöpfen und daran teilhaben
es besitzen
zur Reinigung
der Seelen und Leiber,
zur Heilung der Leiden, zur Weihe der Häuser und möge
es einem jeden nutzen.
Du bist unser Gott, der durch das Wasser und den Geist
unsere von der Sünde verderbte Natur erneuert hat.
Du bist unser Gott, der durch das Meer und durch Moses
das Geschlecht der Hebräer aus der Knechtschaft des Pharao
befreit hat.
Du bist unser Gott, der in der Wüste den Felsen gespalten hat
und ihm das Wasser entströmen ließ, dass die
Bäche überliefen,
und so den Durst Deines Volkes gestillt hat.
Du bist unser Gott, der durch Wasser und Feuer, durch Elias,
Israel vom Betrug
des Baal befreit hat.
Du selbst, Gebieter, heilige denn auch
jetzt dieses Wasser durch Deinen Heiligen Geist !
(3 x)
Schenke allen, die davon empfangen, die
damit segnen und daran teilhaben
Heiligung, Segnung, Reinigung und Gesundheit.
Und rette, Herr, Deine Knechte und Mägde.
(3 x)
Und
bewahre sie unter Deinem Schutz in Frieden;
gib ihnen alles zum Heil Erbetene und das ewige Leben.
Gedenke, Herr, unseres Metropoliten ......................
und des ganzen Episkopats ................................
des Diakonats in Christus
und der ganzen heiligen Ordnung
und des umstehenden Volkes
und unserer mit wohlklingenden Ausreden ferngebliebenen Brüder
und Schwestern
und erbarme Dich ihrer und unser nach Deiner großen
Barmherzigkeit.
Damit durch die Elemente, durch die Engel, durch die Menschen,
durch die Sichtbaren und Unsichtbaren Dein allheiliger Name gepriesen
werde
samt dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die
Ewigkeit
der Ewigkeit.
Amin.
Friede
allen !
und
Deinem Geiste !
Neigen wir unsere Häupter dem Herrn !
Dir,
o Herr !
Neige, Herr, Dein Ohr und erhöre uns, der Du Dich
herabgelassen hast
im Jordan getauft zu werden und die Wasser geheiligt hast;
segne uns alle, die wir durch die Beugung unseres Nackens den Stand des
Knechtes zeigen.
Und maches uns würdig, dass wir mit Deiner Heiligung
erfüllt werden,
wenn wir an diesem Wasser Anteil haben;
es sei uns, o Herr, zur Gesundheit der Seele und des Leibes.
Denn Du bist unsere Heiligung und Dir
senden wir Lobpreis, Dank und Anbetung empor,
samt Deinem anfanglosen Vater und Deinem allheiligen und
gütigen und
lebensschaffenden Geist,
jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Amin.
.
Lasst
uns besingen, ihr Gläubigen,
die Größe des Heilswerks Gottes für uns.
Denn wegen unserer Verfehlungen Mensch geworden, wirkt Er
unsere Reinigung im
Jordan.
Er, der allein Reine und Makellose, heiligt mich und die Wasser
und zermalmt im
Wasser die Häupter der Drachen.
Lasst uns also trinken von diesem Wasser mit Freuden, Brüder
und Schwestern,
denn denen, die gläubig davon trinken,
wird die Gnade des Geistes unsichtbar gegeben
von
Christus, Gott, dem Retter unserer Seelen.
30.
JANUAR / 12. 2.
Gedaechtnis
der grossen 3 Hl.
Theologen
der Weltkirche
~ 3 SVETITELI
~
~ 3 IERARCHON
~
~ SFINTII TREI IERARHI ~
BASILIUS der Grosse
GREGOR der Theologe
JOHANNES Chrysostomus
("Mund goldener Worte")
|
+++ Im Leben habt Ihr den Aposteln nachgeeifert und den Erdkreise gelehrt, fleht zum Gebieter des Alls, dass Er Frieden gewaehre unserer Welt und unseren Seelen das grosse Erbarmen ! +++ |
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2.
FEBRUAR / 15. 2.
Fest
der
Begegnung unseres Herrn
bei Seiner Darstellung im Tempel
mit dem gerechten Greis Simeon und der Prophetin Anna
~ SRETENIE
~ ~
YPAPANTI
~ ~
INTAMPINAREA DOMNULUI ~
Rette,
Sohn Gottes,
getragen auf den Armen
des gerechten Simeon,
uns,
die wir Dir singen:
Alleluja !

Heiser,
Lothar: zur Bedeutung von Fest und Ikone
Hl.ROMANOS
der MELODE:
Kontakion
zum Fest
Stichira
der Nachfeier
Nach
CHRISTI GEBURT und THEOPHANIE ist das Fest der Begegnung unseres Herrn
bei Seiner Darstellung im Tempel das dritte Hochfest der Menschwerdung
und des Kommens des Gottessohnes im Fleische in unsere Welt.
Die Begegnung des Herrn mit Simeon, dem gerechten Greis und Anna, der
alten Prophetin, ist zugleich:
- Symbol der Begegnung des Heils des Neuen Bundes mit dem Alten Bund,
am Ende seiner Jahre.
(Tatsaechlich endete mit der Festigung des
christlichen Gottesdienstes der Tempeldienst im Jerusalemer Tempel ein
fuer alle mal.)
- Erkenntnis der Begegnung der im Gottssohn wiederhergestellten
menschlichen Natur mit der durch Suenden gealterten Menschheit
- Heilbringende Begegnung fuer die einzelne Menschenseele, der die
Hoffnung bereits lange erstorben war, dass sie jetzt das neue Leben
empfängt.
In dieser Begegnung wird der menschlichen Natur Erneuerung, Heilung und
Wiederherstellung der Ergöttlichung zuteil.
Dieses
Fest ist schon durch die roemische Pilgerin Aetheria in
Jerusalem um die Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert bezeugt und hat sich
von dort aus in der gesamten Weltkirche verbreitet.
Heiser,
Lothar:
Maria
(Die Gottesmutter)
in der
Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres
Idiomelon des Andreas von Kreta am Vorabend zum 2. Februar; Menaion, Februar
Heiser,
Lothar:
Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen
Kirchenjahres,
Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.)
Sophia, Quellen östlicher Theologie, Bd. 20, Trier 1981, S.
256 f.
Hl.
ROMANOS der Melode:
Quelle
Kontakion
auf den EMPFANG UNSERES
HERRN
Stichirion
Quelle
aus dem
Vespergottesdienst der
Nachfeier am 3.Februar
Evangelium: Lk 19: 1-10
Heute hören wir die erste Ankündigung, empfangen
die erste Einladung das Oster-Mysterium für uns heilbringend
mitzuerleben:
Wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.
Deshalb müssen wir danach brennen den Gottessohn, den erneuerten perfekten Menschen des Paradieses erkennen zu lernen.
Dazu muss der Durst und der Hunger nach dem Absoluten in uns steigen, und durch Ihn die wahrhaftige Erkenntnis in uns selbst.
Lange vor dem eigentlichen Beginn der Fastenzeit kündigt die Kirche ihr Nahen an und lädt uns ein, in die Periode einer der Fastenzeit vorhergehenden Vorbereitung einzutreten. Es ist ein charakteristischer Zug der Orthodoxen liturgischen Tradition, dass jedes Hochfest oder jeder liturgische Zeitabschnitt - Ostern, Weihnachten, Fastenzeit etc. - angekündigt und im voraus »vorbereitet« wird. Warum? Weil die Kirche ein tiefes psychologisches Gespür für die menschliche Natur hat. Da sie unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit und den erschreckenden Hang zur »Weltlichkeit« unseres Lebens kennt, weiß sie um unsere Unfähigkeit zu einem raschen Wandel, zu einem unvermittelten Hinüberwechseln von einem geistlichen oder geistigen Zustand in einen anderen. Deshalb lenkt die Kirche bereits lange vor dem Beginn des der Fastenzeit eigenen Bemühens unsere Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Bedeutung dieser Zeit und lädt uns ein, deren Sinn betrachtend zu bedenken. Vor dem praktischen Vollzug der Fastenzeit wird uns deren Bedeutung gegeben.
Diese Vorbereitung umfasst fünf aufeinander folgende Sonntage, die
der Fastenzeit vorangehen, und von denen jeder - durch sein eigenes
Evangelium - einem grundsätzlichen Gesichtspunkt der Reue gewidmet
ist.
Der aller erste Hinweis auf die Fastenzeit erfolgt an dem Sonntag, an
dem das Evangelium über Zachäus (Lk 19,1-10) gelesen wird. Es
ist der Bericht über einen Menschen, der zu klein ist, um Jesus
sehen zu können, der aber so sehr von dem Wunsch beseelt ist, ihn
zu sehen, dass er auf einen Baum steigt. Wegen seines brennenden
Verlangens wendet Christus sich ihm zu und kehrt bei ihm ein. So ist
das Thema dieser ersten Ankündigung das brennende Verlangen. Der
Mensch folgt seinem brennenden Verlangen. Man kann sogar sagen, dass
der Mensch Verlangen ist, und diese grundlegende psychologische
Wahrheit über die menschliche Natur wird durch das Evangelium
bestätigt: »Da, wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein« (Mt
6,21; Lk 12,34), sagt Christus. Ein heißes Verlangen
überwindet die natürlichen Grenzen des Menschen; wenn er
leidenschaftlich etwas wünscht, kann er Leistungen vollbringen, zu
denen er »normalerweise« nicht fähig ist. Obwohl
»klein« von Gestalt, wächst er über sich hinaus
und übertrifft sich selbst. Die einzige Frage ist also, ob es die
wahren Güter sind, die wir begehren, und ob die Stärke
unseres Verlangens auf das wahre Ziel ausgerichtet ist oder ob, um die
Formulierung des atheistischen Existentialisten Jean-Paul Sartre zu
gebrauchen, der Mensch eine »unnütze Leidenschaft« ist.
Das ist also die erste Ankündigung, die erste Einladung: wir müssen begehren, was das Tiefste und Wahrhaftigste in uns selbst ist, den Durst und den Hunger nach dem Absoluten in uns wiedererkennen, das, ob wir es nun kennen oder nicht, uns mit einer wahrlich »unnützen Leidenschaft« behaftet sein ließe, wenn wir uns von ihm abwenden und unsere Wünsche anderswohin lenken würden. Und wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.
aus: Schmemann, Alexander, GREAT LENT. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen
Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.
Evangelium: Mt 15: 21-28
Zur Vorbereitung auf die kommenden Fasten zeigt uns die Kirche nach dem Beispiel von Zachäus am vorigen Sonntag an diesem Sonntag den starken Glauben der Kanaanäerin.
Viele
Menschen kommen auf der Suche nach Linderung und Befreiung von ihren
Leiden zu Christus. Der Fall der kanaanäischen Frau ist aber doch
besonders für uns als Vorbild geeignet. Eine Frau, die als Heidin
gilt, weil sie nicht den Glauben des Volkes Israels bekennt, wie viele
unter uns,die auch nicht in Allem dem Glauben der Kirche folgen- zeigt
doch unerschütterlichen Glauben an den Gottessohn.
Das Evangelium empfiehlt uns eine Glaubenserfahrung als
Zugehörigkeit zur Person des Gottessohns. Trotz der
offensichtlichen Hindernisse, die Christus ihr in den Weg stellt,
besteht sie weiterhin darauf, daß Er ihr helfen wird.
Dies
ist der Weg, den das Evangelium jedem von uns aufzeigt. Der Glaube
dieser Frau hat nichts mit Routine oder der Mittelmäßigkeit
unseres „Alltagsglaubens“ zu tun.
Es ist ein lebendiger Glaube, der bettelt. Es ist ein energischer
Glaube, der von Jesus Christus selbst geprüft wurde. Es ist ein
Glaube an Christus, der wirklich bewegt. Es ist ein Glaube, der mit
seinen kulturellen und religiösen Traditionen bricht.
Der Glaube der Kanaanäerin hat nichts mit einem schwachen, legalistischen Glauben zu tun.
Der Glaube bringt immer Früchte hervor. Aber die Früchte
entstehen, wenn es eine wahre Umkehr gibt. Um nicht mehr auf uns selbst
zu schauen, sondern auf Gott.
Dasselbe
gilt für uns in unserem Gebet, vor der Gegenwart Christi in Seiner
Auferstehung müssen wir so viele Dinge ändern, die uns
von Ihm wegführen.
Dazu brauchen wir die Kraft uneingeschränkter Demut. Ungeahnte
Kraft zur Umkehr in der Fastenzeit können auch wir durch diesen
demütigen Glauben bekommen.
Lassen wir uns weder von unseren Sünden noch von unserem Elend
entmutigen. Schauen wir niemals zurück, das ist es, was der
Fürst der Lüge will.
Orientieren wir uns am Beispiel der Heiligen. Die Heiligen sind
Menschen, die an die Liebe des Vaters geglaubt, sich vor Christus
erniedrigt und ihre Schwächen erkannt haben. Die Heiligen sind
Menschen wie wir.
Bitten wir Christus, uns in den kommenden Wochen den GLAUBEN und die DEMUT der kanaanäischen Frau zu schenken.
VOR - FASTENZEIT
"Der UMKEHR Türen öffne mir ..."
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"
SONNTAGE der VOR-FASTENZEIT
1. Sonntag vom ZÖLLNER und PHARISÄER 13.2. 2022
2. Sonntag vom VERLORENEN SOHN 20.2. 2022
3. Sonntag FLEISCHENTSAGUNG ! vom GERICHT 27.2. 2022
4. Sonntag BUTTERENTSAGUNG ! vom VERLUST des PARADIESES VERGEBUNGSSONNTAG 6.3. 2022
- abends:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen FASTEN
Vor - Fastenzeit
Deshalb
wollen wir das Fasten nicht nur als äusserliche Übung der
"Gesetzestreue" sehen, sondern als Gelegenheit uns dem Heil der
Vergöttlichung zu nähern:
Beginnend mit der Bitte, dass sich auch für uns die "TÜREN der UMKEHR" öffnen mögen !
Bereiten wir uns auf die freudebringenden Anstrengungen
dieses Kampfes vor, um dann nach der "Vollendung der 40 Tage" auch mit
wenigstens teilweise verdienter Freude die Früchte der
Auferstehung ernten zu dürfen !
Sonntag vom Zöllner und Pharisäer
Apostel: 2 Tim 3: 10-15
Evangelium: Lk 18: 10-14
Lasset uns fliehen
die hochmütige Prahlerei des Pharisäers
und lernen
das demütige Seufzen des Zöllners !
Zu unserem Erlöser lasset uns rufen:
Vergib uns,
Allerbarmer !
“Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Predigt zum Sonntag des Zöllners und Pharisäers von P. Konstantinos, München
* Quellenhinweis *
Die
heutige Evangeliumsperikope zeigt uns zwei Arten von Gläubigen;
zwei charakteristische Typen von Menschen, die in die Kirche kommen.
Der erste kommt, um sich zu zeigen, um anzugeben, um sein angeblich so
heiliges Leben vorzustellen, um die Bewunderung der anderen zu erregen,
um Gott, seiner Ansicht nach, zu verpflichten für seine Taten,
für seine Tugenden, die der Bewunderung und des Lohnes würdig
sind.
Selig werden sein,
die in der heutigen Zeit der Gleichgültigkeit im Glauben, ja seiner Ablehnung,
es zustande bringen,
sich durch dieses Band mit Jenem zu verbinden,
der den Zerknirschten und Demütigen im Geiste nahe ist.
Amin.
Übersetzung aus dem Griechischen: G. Wolf
Sonntag vom Verlorenen Sohn
https://youtu.be/Ur39cbcr_pk
Apostel: 1 Kor 6: 12-20
Evangelium: Lk 15: 11-32
Vater Alexander Schmeman: " Rückkehr aus dem Exil "
Die Apostellesung dieses Herrentages stellt die christliche Freiheit heraus und steckt damit die Grenzen des Fastengebots ab:
"Alles ist mit erlaubt, aber ich soll mich von nichts beherrschen lassen"
Damit ist das Fasten jeder fremden Beurteilung von
aussen entnommen. Es kann daher nach orthodoxem Verständnis auch
nicht zum öffentlichen Gesetz werden, zumal es, wie der Herr
anweist (Mt 6: 16-18) im Verborgenen geschehen soll.
Das Evangelium stellt dann den eigentlichen Sinn der Fastenzeit heraus:
Der Aufbruch zur Umkehr zum Vater, der den Verlorenen Sohn mit Freuden
aufnimmt und reich beschenkt. Es ist wohl kein Zufall, dass an diesem
Herrentag erstmals im Nächtlichen Psalmengebet (Ps 136) angestimmt
wird.
Deine väterliche Herrlichkeit
habe ich ohne Verstand verlassen.
übel verschwendet habe ich den Reichtum
den Du mir gegeben hast.
So rufe ich Dir die Worte des Verlorenen Sohnes zu:
"Ich habe gesündigt gegen Dich,
barmherziger Vater.
Nimm mich auf,
der ich umkehre,
und lass mich bei Dir sein
wie einen Deiner Taglöhner !"
"Ich will mich aufmachen", ich will aufstehen, damit Überblick gewinnen, Gewohntes verlassen
und mich auf den Weg machen, den die Fastenzeit mir öffnet, hin zum Vaterhaus.
Das ist das Ziel: zu Gott, zu unserem Vater zu gelangen.
Er macht mich frei.
Er nährt mein innerstes Leben.
Er will mir in der Wohnung Seiner Herrlichkeit Geborgenheit auf ewig bieten.
An den Flüssen von Babylon saßen wir ...
gedenkend der Stadt des Herrn ...
Wie könnten wir dem Herr ein Lied singen
in einem fremden Land ?
Sollte ich dich vergessen, o Stadt meines Gottes,
so verdorrt meine rechte Hand
so klebt meine Zunge am Gaumen
wenn ich Deiner vergesse,
wenn ich nicht Gottes Stadt über alle meine Freuden stelle ...
"An den Flüssen von Babylon ..."
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza
Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)
aus: Schmemann, Alexander, GREAT LENT. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen
Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.
Rückkehr aus dem Exil
zum Sonntag vom Verlorenen Sohn
Ein
Mensch, der niemals diese Erfahrung gemacht hat, und sei es auch nur
für kurze Zeit, dass er in der Gottesfeme lebt und von dem wahren
Leben abgeschnitten ist, wird niemals verstehen, was es mit dem
Christentum auf sich hat.
Und jemand, der vollständig in dieser Welt und in dem Leben dieser
Welt »zuhause« ist, der nie von dem sehnsuchtsvollen Wunsch
nach einer anderen Wirklichkeit schmerzlich getroffen wurde, der wird
nie verstehen, was bereuende Umkehr ist.
Man übersieht jedoch etwas sehr Wesentliches, ohne das weder das Schuldbekenntnis noch die Absolution eine wirkliche Bedeutung oder Wirksamkeit erlangen können. Dieses »Etwas« ist ganz genau das Empfinden des Verbanntseins von Gott, weit verbannt von der Freude der Gemeinschaft mit ihm und fern dem wahren Leben zu sein, das durch Gott geschaffen und geschenkt wird. Es ist in der Tat leicht zu bekennen, dass ich an den vorgeschriebenen Tagen nicht gefastet habe, dass ich meine Gebete vergessen habe oder jähzornig gewesen bin. Eine ganz andere Sache ist es jedoch, wenn ich mir unvermittelt eingestehen muss, dass ich Schande auf mich geladen und meine geistliche Schönheit verloren habe, dass ich mich sehr weit von meinem eigentlichen Zuhause, von meinem wahren Leben entfernt habe, und dass ich in dem innersten Gewebe meiner Existenz etwas Kostbares, Schönes und Reines in nicht wiedergutzumachender Weise zerstört habe. Indessen bedeutet dies, und nur dies, die bereuende Umkehr, und deshalb entsteht auch ein tiefgreifendes Verlangen, umzukehren, zurückzugehen und jenes verlorene »Heim« wiederzufinden.
Von Gott habe ich wunderbare Reichtümer erhalten:
zunächst das Leben und die Möglichkeit, mich dessen zu erfreuen,
ihm einen Sinn geben zu können,
es mit Liebe und Erkenntnis ausfüllen zu können;
dann – in der Taufe –
das neue Leben in Christus selbst,
die Gabe des Heiligen Geistes,
den Frieden und die Freude auf das ewige Königreich.
Ich habe die Erkenntnis Gottes erhalten,
und in ihm die Erkenntnismöglichkeit einer jeden Sache,
und die Kraft, Kind Gottes zu sein.
In diesem Sinne singen wir heute den sehnsuchtsvollen Psalm 136:
An den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten, Sions gedenkend...
Wie könnten wir dem Herrn ein Lied singen, in einem fremden Land?
Sollte ich dich, o Jerusalem, vergessen, soll meine Rechte verdorren!
Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner vergesse,
wenn ich nicht Jerusalem über alle meine Freuden stelle ...
Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)
aus: Schmemann, Alexander, GREAT LENT. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen
Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.
"An den Flüssen von Babylon ..."
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza
Sonntag der beginnenden FLEISCHENTHALTUNG
Sonntag vom Gericht
Apostel: 1 Kor 8:8 - 9:2
Evangelium: Mt 25: 31 - 46
Dieser
Herrentag wird nach dem Evangelium "vom Gericht" oder nach der
Tradition der Kirche "Herrentag der Fleischenthaltung" (= APOKREO =
MESOPUSTNA = Carne val) genannt. Mit dem Abendgottesdienst an diesem
Sonntag beginnen die Gläubigen sich in Fleischenthaltung zu
üben.
In der folgenden Woche wird der Körper noch einmal mit Milch,
Butter und Käse gelabt, bevor danach am Abend des nächsten
Sonntags die Grossen 40-tägigen Fasten vor der österlichen
Festzeit beginnen.
Brüder, Speise wird uns nicht vor Gott bestehen machen;
weder fehlt uns etwas, wenn wir nicht essen,
noch gewinnen wir etwas, wenn wir essen"
(1 Kor 8:8 )
Wenn Du, o Gott, kommen wirst
auf Erden in Herrlichkeit
wird das All erzittern
und von Deinem Richterstuhl ein Feuerstrom ausgehen,
die Bücher werden geöffnet und das Verborgene wird offenbar.
Dann errette mich aus dem nie erlöschenden Feuer
und würdige mich,
zu Deiner Rechten zu stehen,
gerechtester Richter !
Kommet, lasset uns dem Herrn frohlocken,
jauchzen dem Fels unseres Heils !
Lasset uns vor Sein Angesicht treten
mit unserem Bekenntnis !
Mit Psalmen lasset uns Ihm zujubeln !
"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..."
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
frühmorgens strebt zu Deinem heiligen Tempel mein Geist,
er trägt den ganz befleckten Tempel meines Leibes¸
doch als der Gütige reinige ihn
durch Dein wohlwollendes Erbarmen.
...
und mein ganzes Leben im Leichtsinn vergeudet;
doch du rette mich durch deine Fürbitten von jeder Unreinheit.
...
Die Menge der von mir begangenen Missetaten bedenkend,erschaudere ich Armseliger vor dem furchtbaren Gerichtstag;
aber hoffend auf Deine Güte, rufe ich wie David zu Dir:
Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen.
Sünde, UMKEHR, Reue und Vergebung in der Hl.Schrift
und die Bedeutung für uns.
Aus dem 2.Vortrag von Vater FJODOR Hölldobler, Herbstseminar 1998
Bischofsheim a.d.Rhön
David
war ohne Zweifel der modernste Staatsmann im Vorderen Orient seiner
Zeit. Er war kein orientalischer Despot, sondern hing persönlich
an der Überlieferung seines Volkes, die aus der Wüstenzeit
herkam. Er war Landsknecht, Künstler, Gottsucher, Prophet und
Fürst zugleich. In David verstand sich Israel aufs neue von Gott
erwählt und geführt. Aber in David hatte alles Menschliche
Raum, im Guten wie im Bösen, wie diese Geschichte zeigt. Die
Busse, zu der David fähig war, zeigt seine Grösse als
religiöser Mensch, als Prophet und Künder des Bussgedankens.
Deshalb verwendet die
Orthodoxie soviel Kraft auf die Heiligung der Sinne, auf die
Vergöttlichung der sinnlichen Sphäre, um dem Menschen die
Verführbarkeit durch die entsprechenden Anreize zu nehmen.
Die Rückkehr ins Vaterhaus geschieht durch das Busssakrament. Joh 20: 19 - 23 berichtet seine Einsetzung.
Das Gebet des Priesters bei, bzw. vor der Beichte zitiert Mt 18: 22,
wo der Herr auf die Frage des Petrus hin sagt, dass die Sünden siebenundsiebzigmal vergeben werden sollen.
Der Neue Bund hat uns Gottes verzeihende Liebe nahegebracht und der Priester, der die Macht hat, zu binden und zu lösen,
wird sich in verantwortungsvoller Weise darauf einstellen .
"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..."
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
Sonntag vom VERLUST des PARADIESES
VERGEBUNGSSONNTAG !
BUTTERENTSAGUNG !
- am Abend des Sonntags:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen FASTEN
"Über die Vergebung" von Erzbischof Antonij von Surozh (London)
Apostel: Rm 13:11 - 14:4
Evangelium: Mt 6: 14 - 21
Das
Evangelium dieses Sonntags, an dessen Abend die Grossen Fasten
beginnen, erinnert uns daran, dass wir Vergebung vom Herrn erst
erwarten können, wenn wir nicht selbst bereit sind, unseren
Mitmenschen zu vergeben, was sie uns an Verletzung zugefügt haben
- und sie unsererseits um Vergebung zu bitten für das, was wir
bewusst oder unbewusst an ihnen gefehlt haben.
Darum findet an diesem Sonntagabend nach der Vesper in die Handlung des
Gegenseitigen Vergebens statt, wie sie am Schluss des Apodipnons in
Klöstern täglich geübt wird. In manchen Kirchen wird
dieser Ritus aus praktischen Gründen unmittelbar nach der Liturgie
ausgeführt. In den Häusern ist die Vergebung als Abschluss
der Karnevals- und Butterwoche mit einem Fest vor allem für die
Kinder verbunden, dabei werden zum letzten Mal die Milch- und
Butterspeisen genossen.
Die folgende Woche ist ganz dem intensiven Fasten gewidmet.
Es beginnt die fortlaufende Lesung aus dem Buch Genesis, die im
Sündenfall und dessen Folgen mündet. Mit dem Verlust des uns
von Gott bereiteten Paradieses durch unsere selbstzerstörerischen
Abwege beginnt auch die Sehnsucht nach dem Ende der
widernatürlichen Sünden und dem neuen Paradies. Die
dafür erforderliche Bereitschaft zur Umkehr wird in der kommenden
Woche durch das Gebet des heilsamen Busskanons des Hl.Andreas von Kreta gefördert.
Wir fühlen mit, dass wir mit unseren Sünden nicht allein
sind, aber werden auch dazu ermutigt, uns den Figuren des Bibel
anzuschliessen, die den Mut fanden, Gott um Vergebung zu bitten, und
Ihm damit wieder nahe zu kommen.
Trotz -und vielleicht wegen- all unserer negativen Erfahrungen ruft uns die Apostellesung zu:
" Jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht "
(Rm 13:11 ff)
Für die Fastenzeit wird uns mitgegeben:
" Wer isst, soll den nicht verachten, der nicht isst;
und wer nicht isst, soll den nicht richten, der isst;
denn Gott hat ihn angenommen.
Wer bist du denn, dass du einen fremden Knecht richtest ?
Seinem eigenen Herrn steht oder fällt er - aber er wird stehen; denn der Herr hat die Macht, ihn aufrecht zu erhalten "
(Rm 14: 3-4)
Führer auf dem Weg der Weisheit,
Urgrund des Verstandes,
Lenker der Unverständigen
und Beschützer der Armen,
festige, unterweise mein Herz, Gebieter.
Gib mir das Wort, Du Wort des Vaters !
Denn, siehe, nicht lassen ab
meine Lippen zu Dir zu schreien:
Barmherziger,
erbarme Dich meiner,
des Gefallenen !
(Kondakion)
Über die Vergebung
zum Sonntag der Vergebung
von Erzbischof Antonij von Surozh (London)
Andererseits, wenn ich vergesse, vergesse ich zweierlei: wohl vergesse ich das Unrecht, das mir angetan wurde, gleichzeitig aber auch den Grund, aus dem es mir zugefügt wurde, und ich kann den Betreffenden niemals vor der Versuchung bewahren, in die gleiche Situation zurückzuverfallen.
Man muss sich erinnern,
dass dieser Mitmensch, sobald er in jene bestimmte Lage versetzt wird,
diese bestimmte Schwierigkeit hat; folglich darf man ihn nicht wieder
in dieselbe Lage bringen; man muss die zurückbleibende Schwäche erkennen.
Darum ist es so wichtig, sich zu erinnern, denn das ist die einzige Möglichkeit das Verzeihen fortzusetzen. „Ich
habe dir deine ungeduldige Handlung verziehen, aber ich habe dadurch
entdeckt, dass diese bestimmte äußerung, jene Geste, diese
besondere Situation sie hervorrufen können.“
Es gilt, den andern vor diesen Situationen zu bewahren, solange, bis
man ihm geholfen hat die notwendige Kraft zu gewinnen, die Spannung zu
überwinden. Andernfalls stoßen wir unsere Mitmenschen
ständig neu in Situationen hinein, wo sie unfehlbar auf die
gleiche Weise reagieren werden, wie sie das Problem hervorrief.
Außerdem ist das Verzeihen eine besondere Weise, einen anderen Menschen anzunehmen.
Das beginnt in dem Augenblick in dem man sagt: „Ich nehme dich
an, so wie du bist. So wie du bist trage ich dich, wie man ein Kind
über eine schwierige Stelle hinwegträgt oder wie man ein
Kreuz trägt, aber ich weise dich nicht zurück. Zu sagen, dass ich dich annehme, so wie du bist, heißt keineswegs, dass du bist wie du sein solltest.“
Nur wenn man einen Menschen so annimmt, wie er ist, kann man ihm helfen sich zu ändern.
Aber man darf nicht zuerst fordern, er müsse sich ändern, um ihm zu versprechen, hernach werde man ihn lieben.
Im Russischen sagt man: „Liebe mich schwarz ! Wenn ich erst weiß bin, werden alle mich lieben.“
Es gibt nur Probleme wo der Mensch sie schafft. Ein Mensch aber, der
Probleme schafft, muss so sehr geliebt werden, dass er im Vertrauen den
Glauben an sich selber wiederfinden kann, die Selbstachtung und jene
schöpferische Hoffnung, die ihm ermöglichen wird, sich zu
ändern.
Folglich
übernimmt man mit dem Verzeihen die Verantwortung für einen
Menschen, so wie er ist, mit der Hoffnung auf die Zukunft, jedoch ohne
Bedingungen zu stellen!
Man verzeiht nicht unter Bedingungen. Es geht nicht an, einem Menschen
„mit Bewährungsfrist“ zu verzeihen. Das zeigt sich
sehr deutlich im Gleichnis vom Verlorenen Sohn.
Der Vater fordert nichts; ihm genügt es, den Sohn wiedergekehrt zu
sehen, um zu wissen, dass er die Umkehr vollzogen hat, dass er
verändert zurückqekehrt ist. Verändert bedeutet ganz und
gar nicht vollkommen. Er mag sich verändert haben und dennoch
für eine lange Zeit für die Familie schwer erträglich
geworden sein. Dem Vater genügt es, dass sein Sohn wiedergekehrt
ist; was noch zu tun bleibt, kann man gemeinsam überwinden.
Das Verzeihen enthält vielerlei Elemente.
Zuerst muss einer kommen und um Verzeihung bitten oder doch wenigstens einen Schritt in diese Richtung tun;
es ist nicht schwer, zu verzeihen, wenn man glaubt, im Recht zu sein;
es ist auch nicht schwer, einen Schritt entgegen zu kommen, wenn man im Recht ist oder sich im Recht wähnt.
Darum muss derjenige, der im Recht zu sein glaubt, den ersten Schritt tun. Eine
Gebärde, ein unmerklicher Hinweis, dass eine Aussöhnung
erwünscht wäre, muss genügen, diesen Schritt zwingend zu
machen.
Dann aber muss ein solcher Versuch zur Versöhnung bedingungslos angenommen werden, denn
ein Mensch kann sich nur ändern im Maße der Hoffnung, die
wir in ihn setzen, im Maße der Liebe, die wir ihm zu geben
vermögen und im Maß unseres Glaubens an ihn .
In einer Gemeinschaft stellt sich das Problem anders.
Die Tatsache, dass ein Mensch Mitglied einer Gemeinschaft ist, kann ein
Problem bedeuten, nicht nur für einen Einzelnen, sondern für
eine ganze Gemeinschaft. Dann muss die Gemeinschaft zu der zugleich
kranken und heilenden Gemeinschaft der Kirche werden: krank, weil jeder
von uns ein Sünder ist und wir alle eine zutiefst beschädigte
Gemeinschaft sind; dennoch aber auch eine Gemeinschaft, die fähig
ist Gesundheit zu vermitteln, zu heilen, das ewige Leben mitzuteilen. Denn
keine christliche Gemeinschaft besteht nur aus ihren sichtbaren
Gliedern: Christus ist in ihrer Mitte, der Heilige Geist ist ihr
gegeben, und ob es die Kirche in ihrer Gesamtheit oder eine kleine
Kirchengemeinde ist – in der Gemeinschaft sind Gott und Mensch
gänzlich für einander gegenwärtig, und wir können
in Gott die Kraft finden, die wir als Menschen nicht besitzen.
Es kann demütigend sein. Aber wenn wir besser verstehen lernen, wenn wir zu geben lernen, lernen wir auch zu empfangen. Einer, der sich selbst nicht verzeihen lassen kann, vermag auch selbst niemals zu vergeben. Einer, der nicht annehmen kann, geliebt zu werden, anerkannt zu werden, Hingabe zu empfangen, kann auch seinerseits nicht lieben, anerkennen, Hingabe aufbringen, denn derlei geschieht wechselseitig. Unverdient zu empfangen lernt man in staunender Freude, Demut und Dankbarkeit, mit der wir eine unverdiente Gabe beantworten. Und haben wir das erst entdeckt, können auch wir zu schenken beginnen ohne uns darum dem Empfangenden gegenüber überlegen zu fühlen.
Natürlich ist unser Verzeihen nicht Gottes Verzeihen.
Doch müssten wir lange warten, bis wir so zu verzeihen
vermöchten. Aber wir können damit beginnen zu lernen, uns
gegenseitig in all unserer Begrenztheit anzunehmen. Es ist schwer, um
Verzeihung zu bitten, es ist auch nicht leicht, zu verzeihen, doch
Verzeihung zu verweigern ist ebenfalls schwer.
Am
Sonntag vor der Großen Fastenzeit, nach dem
Verzeihungsgottesdienst, der ein Gottesdienst der Buße und der
Hoffnung ist, sollen alle Glieder einer Gemeinschaft einander um
Verzeihung bitten.
Jahrelang habe ich die Leute ermuntert, einander zu vergeben;
dann habe ich beobachtet, wie sie mit Wärme und Enthusiasmus Leute um Verzeihung baten, die sie niemals beleidigt hatten;
aber sie bewiesen sehr viel mehr Zurückhaltung bei anderen, von denen sie selber Verzeihung zu erhoffen hatten;
und schließlich sah ich sie denen den Rücken kehren, die
keinerlei Bedürfnis hatten ihnen zu verzeihen, weil sie sich ihnen
gegenüber tatsächlich allzu rüde verhalten hatten.
– Da habe ich zunächst verlangt, dass niemand Verzeihung von
jemand erbitten sollte, den er nicht darum bitten wollte,
– weil er noch zu keinem Frieden mit ihm gefunden hatte.
Dann sollten sie sagen: „ich bitte Sie nicht um Verzeihung, weil
meine Einstellung sich noch nicht geändert hat. Wenn Sie mir
verzeihen ändert das nichts; ich verabscheue Sie und habe die
Absicht, Sie auch weiterhin zu verabscheuen.“
Und von denen, deren Verzeihung man erbat, die sie nicht gewähren konnten dass sie antworten sollten:
„Ich bin sehr bekümmert, aber mein Herz ist noch zu schwer,
ich bin noch zu bitter, ich kann Ihnen noch nicht verzeihen.“
Dann aber wurden beide Parteien aufgefordert, sich in der Beichte vor Gott hinzustellen und ihm zu sagen:
„Herr, ich erwarte von Dir jetzt Vergebung. Selber Vergebung zu
gewähren, verweigere ich. Ich erwarte einen Schritt auf mich zu,
lehne es aber selbst ab diesen Schritt zu tun .....“ Jemandem zu
sagen, „Ich lehne es ab, zu verzeihen,“ wirkt so
erschütternd, dass die Menschen zu denken beginnen. Gesagt zu
bekommen, „ich kann dir nicht mit Überzeugung
vergeben“ ist ebenfalls erschütternd.
Wenn
in einer Gemeinschaft der Mut aufgebracht wird, wenigstens so
aufrichtig zu sein, dass man es fertig bringt, zu sagen: „Ich bin
nicht imstande dir zu verzeihen;
das heißt nicht, dass du so schlimm bist, dass ich dir nicht
verzeihen könnte, sondern, dass ich so schlimm bin, es nicht
fertig zu bringen, dir zu verzeihen“, dann wird derjenige, der
nicht verzeiht, Gegenstand der Sorge und der Fürbitte der
Gemeinschaft, mehr als der andere, dem die Verzeihung verweigert wird
– solange, bis er Verzeihung erbitten kann.
Wenn uns ein Mensch begegnet, so ist das niemals ein zufälliges Zusammentreffen.
Dieser Mensch muss in unserer Gegenwart, unserm Blick, der Art, wie wir
ihn behandeln, der Art, wie wir auf der Straße an ihm
vorübergehen, eine Gottesgegenwart, lebendiges Gebet spüren.
Jemand kommt, stets ist er mir ein Gesandter des Herrn: ob er mit
einer Botschaft kommt oder mit ausgestreckter Hand – wir sind
aufgerufen, eine Liebestat zu tun, eine Tat christlicher Liebe.
Jeder
Umstand, dem wir im Leben begegnen, ist gottgewollt, wir sollen in die
Situation eintreten und Gott gegenwärtig machen durch unsere
Gegenwart und unser Gebet. Ob ein Leben erfolgreich ist oder nicht
macht wenig aus im Hinblick auf das Gebet.
Was auch kommen möge, vor jeder neuen Situation können wir bitten:
Herr, gib mir Einsicht,
gib mir ein Herz, das fähig ist, zu antworten,
gibt mir den rechten Willen,
sei gegenwärtig in dem was hier geschieht.
Wenn ein anderer spricht, können wir ständig beten und den Herrn bitten, uns verstehen zu lehren, nicht nur die Worte, die ausgesprochen werden, sondern das tiefe Bedürfen, die Wirklichkeit, die sich hinter den Worten oftmals verbirgt. Und wenn die Zeit gekommen ist und der andere nicht mehr spricht, kann man so lange schweigen und beten, bis man etwas zu sagen weiß; und wenn einem dann ein Gedanke gekommen ist, der die Klarheit und Gewissheit der Dinge hat, die von Gott kommen, – dann können wir ihn vorbringen und hernach Gott bitten, er möchte für den anderen Menschen bewirken, was wir nicht zu bewirken vermögen, er möchte, wenn wir einen Irrtum begingen, ihn uns verzeihen und ihn heilen, und wenn der Mensch gegangen ist, weiter für ihn beten.
Die
Art, wie man eine Frage stellt, die Art, wie man zuhört, wie man
eine Entfaltung möglich oder unmöglich macht, ist so
wesentlich.
Einen Menschen, der nichts zu antworten weiß und sich
schämt, – mit dem Gefühl zurückzuschicken,
völlig versagt zu haben
- oder doch mit ein wenig Hoffnung und der Freude, jedenfalls als Mensch angenommen worden zu sein.
Alles kann im Gebet verankert sein.
Man kann lernen, sich der Gegenwart Gottes ständig bewusst zu
werden, mit einem klaren, lebendigen Gefühl, ihm zugewandt
bleiben; jedoch immer mit voller Aufmerksamkeit; denn es ist vielfach
Unaufmerksamkeit, die nach und nach die Wirklichkeit aller Dinge
zerstört...
Übersetzung aus dem Englischen: Irene Hoening
hier aus St. Andreas Bote
Warum wir fasten ?
Prof. Dr. John Breck
Charleston,USA - Paris,St.Serge
übersetzt von G. Wolf
St.Andreas-Bote
Viele Christen haben die überkommene Fastenpraxis aufgegeben.
In vielen heutigen westlichen Kirchengemeinschaften scheint sie mühsam und unwesentlich.
Für diejenigen aber, die die heilende (eschatologische) und
heiligende (sakramentale) Bedeutung des Fastens schätzen, ist es
so wesentlich wie Essen und Trinken.
Warum fasten also die orthodoxen Christen ?
Für die meisten ist das Leben schon herausfordernd genug
ohne selbstauferlegte Schranken für das, was wir an gewissen
Wochentagen und während langer Perioden des Kirchenjahres essen,
trinken und tun. Sorgt sich Gott wirklich darum ob wir freitags Fleisch
essen oder den Kühlschrank während der Fastenzeit von
Milchprodukten befreien ?
Ist das wirklich wichtig ?
Zusätzlich haben manche noch Bedenken wegen der Scheinheiligkeit, die das Fasten manchmal begleitet.
Wir weigern uns aus spirituellen Gründen manche Lebensmittel zu essen,
tun aber wenig oder gar nichts dafür, unser Verhalten gegenüber Anderen zu ändern.
Eine mit der Fastenzeit verbundene Klage (sowohl vom Hl. BASILIOS dem Grossen,
wie vom Hl. CHRYSOSTOMOS überliefert und von Metropolit Simeon von
der Bulgarischen Orthodoxen Kirche auch in unserer Zeit wiederholt
gelehrt, Anm. des Herausgebers dieser Internet-Seite) fasst das mit
erschreckender Genauigkeit zusammen:
" DU ENTHÄLTST DICH DER FLEISCHSPEISE - ABER DU VERSCHLINGST DEINE NÄCHSTEN !"
Der Hl.JOHANNES vom Sinai hat uns die wirkliche spirituelle Gefahr aufgezeigt, die im übermässigen Genuss liegt:
...Essen soll den Körper gesund erhalten;
aber nicht durch un-überlegte -oft von aussen
suggerierte- Wünsche versklaven und
uns von der Sorge um unser Heil ablenken !
Die pastoralen Erfahrungen der Kirchenväter ergänzen die biblischen Mahnungen, wie die des Hl. Apostels PAULUS:
" ... sorgt nicht so für euren Leib, dass unsinnige Begierden erwachen " (Röm. 13,14).
Die asketische Tradition der Alten Kirche kennt mehrere Gründe für das Fasten.
Richtiges Fasten reinigt den Körper von Giften, es erleichtert das Gebet,
es hilft LEIDENschaften und Versuchungen zu beherrschen,
und es hilft Solidarität mit den Armen dieser Welt zu fühlen.
Diese Tradition aber besteht auf einem Zugang zum Fasten, der heute oft vergessen wird:
Ausgewogenheit und Masshalten.
Wir können uns zwanghaftes "Etikettenlesen" von allen gekauften Lebensmitteln auferlegen,
nur um sicher zu sein, dass sie auch nicht eine Spur von Milch enthalten;
wir können hungern bis unsere Gesundheit in Gefahr ist;
wir können uns hämisch freuen über unseren "Erfolg" und die weniger Eifrigen unter uns verurteilen.
Das aber macht die Fastendisziplin zu einer Farce.
Viele Orthodoxe, die im Westen leben, stehen vor einem Dilemma, wenn sie von Nicht-Orthodoxen eingeladen werden,
die unsere Fastenpraxis nicht kennen, oder auch von Orthodoxen, die sich nicht darum scheren.
In diesen Fällen sind Ausgewogenheit und Masshalten besonders gefragt.
Um Stolz auf unser Fasten zu vermeiden, ist es gesund und vernünftig, das Gebot zur richtigen Zeit zu lockern.
" Durch die Lockerung unserer gewöhnlichen Praxis, " rät der Hl. DIODOKOS von Photiki,
" können wir unsere Selbstbeherrschung in Demut verborgen halten ".
Wenn wir in Gefahr sind andere mit unseren Fasten zu beleidigen, ist der Rat des Hl. PAULUS eine gesunde Daumenregel:
" ... esst, was euch vorgesetzt wird " (1Kor 10:27)
Doch beantwortet solcher Rat nicht die Frage, warum wir gerufen -eingeladen- sind, Fastenregeln zu akzeptieren,
sei es eine totale Abstinenz für kurze Zeit oder eingeschränkte Nahrung während längerer Fastenzeiten.
Evagrios Pontikos, ein georgischer Mönch, der 399 in der Abgeschiedenheit der ägyptischen Wüste starb,
beschreibt uns die richtigen Gründe, warum das Fasten im christlichen Leben so wichtig ist:
" Faste vor dem Herrn so gut du kannst, " rät er,
" denn damit wirst du von deinen Lastern und Sünden gereinigt;
es erhöht die Seele,
heiligt den Geist,
treibt Dämonen aus
und bereitet dich auf die Gegenwart Gottes vor
...
Sich der Nahrung zu enthalten, sollte dann deine eigene Wahl sein und asketisches Bemühen ".
Elias, der Presbyter, ein Priestermönch des 11./12. Jahrhunderts,
verdeutlicht dieses Ziel mit dem Bild des kommenden Reiches.
"Wer Fasten und das unablässige Gebet praktiziert, das eine zusammen mit dem anderen,
wird sein Ziel, die Stätte aus der ´Kummer und Seufzen entfliehen´ (Jes 35:10 LXX) erreichen ".
Fasten dient dem Heil nur wenn es in Beziehung auf das Reich Gottes gehalten wird.
Wenn es auch dazu dienen mag den Leib zu entgiften
und uns hilft unsere Versuchungen zu Völlerei und Genusssucht in den Griff zu bekommen,
rechtfertigt dies keineswegs ihre Strenge.
Die Fastendisziplin hat nur einen grundlegenden Zweck: uns auf das Fest vorzubereiten.
Wir enthalten uns völlig des Essens bevor wir die Heilige Kommunion empfangen,
nicht nur um den Bauch zu leeren,
sondern um Hunger für die wahre Eucharistie zu schaffen,
das Himmlische Mahl, das für uns bereitet wurde vor der Erschaffung der Welt.
Das gleiche gilt für die langen Fastenzeiten unseres Kirchenjahres.
Sie helfen sehr bei der lebenswichtigen Aufgabe, die "Zeit zu heiligen",
Herz und Geist der überweltlichen Wirklichkeit und dem Versprechen der erfüllten Hoffnung zu öffnen.
Fasten hat seine wahre Grundlage im gesamten sakramentalen Leben der Kirche,
das den Gläubigen nährt und zum ewigen Leben, zu Freude und Frieden im Himmelreich führt.
Es erhebt uns über die täglichen Sorgen unserer irdischen Existenz,
um uns sicher auf die Flugbahn zu setzen,
die uns von diesem Leben ins nächste bringt.
Fasten ist kein Sakrament im strikten Sinne, aber es ist zutiefst "sakramental".
Sakramental und eschatologisch, weil es unser gegenwärtiges Leben und unser Tun heiligt,
unser Gebet -das persönliche, wie das gemeinschaftliche- vertieft und verstärkt,
und in unserem innersten Sein einen entscheidenden Durst nach dem versprochenen Mahl schafft, dem kommenden ewigen Fest.
Fasten ist die Mahnung, dass der Weg zur Herrlichkeit der Weg des Kreuzes ist.
Fasten mag kleinere Unannehmlichkeiten auferlegen:
unseren Drang nach sofortiger Befriedigung enttäuschen
und uns schmerzlich daran zu erinnern, wieviele der Menschen dieser Erde jede Nacht hungrig zu Bett gehen.
Aber das alles hat sein Gutes.
Denn diese Unannehmlichkeiten führen den Leib, den Geist und die Seele zu dem, was wirklich wichtig ist:
zum himmlischen Jerusalem
in dem die Seele erhöht wird,
der Geist geheiligt
und die Dämonen besiegt,
und wir alle auf ewig in der Gegenwart Gottes weilen.
Quelle: http://www.holyapostles.org
* St. Andreas Bote:
