Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils
Weihnachtliche Zeit - Vorfastenzeit
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W E I H N A C H T E N   bis   T H E O P H A N I E

UEBERBLICK
zum Auswählen je nach dem Zeitpunkt des Aufrufens
 

11. - 21. Dezember
(24.XII.-3.I.):

Weihnachtliche Vorzeit





24. Dezember (6.I.):zum Tag
Der Vortag des Festes

PARAMONIE vor dem Fest

Metropolit ANTHONY:
"Heiland, all derer in Finsternis"


Die Symbolik der Weihnachtsikone


Hl. BASILIUS (315-379)


Papst LEO (395-461)

 

LNP/Moskau Sofrino-Festtagsikone

Christ is born   - glorify Him !
Christ descends from  heaven
 
- welcome Him !

Christ is now on earth  
 
– ascend !
25. Dezember (7.I.):zum Festtag der Geburt Christi:

Hl. EPHRAIM der Syrer (306-373)

"Niemand hat vollständigere Liebe, als Gott selbst ..." (2000)

Patriarch BARTHOLOMAIOS (2013)

Bulgarischer Patriarch und Synod (2010)

"Schöpfer des Alls...Kind...Du erfüllst uns mit Staunen"
(Papst JOHANNES PAUL II. 2003)


Weihnachtsbotschaft im Kriegsjahr 2022
(Metropolit MARK
2022)


"Unsere Welt braucht Hoffnung ...
sie hat Hoffnung...
Jesus Christus - die Hoffnung der Welt !"
(Metropolit AUGOUSTINOS 2004)


"Heiland derer in Finsternis"   Metropolit ANTHONY v. Surozh (Bloom) 1914-2003


26. Dezember (8.I.):

Mitfest der AllheiligenGOTTESGEBÄRERIN
"Blüte der Unversehrtheit"- Prototyp der neuen Schöpfung -


Zum westlichen, weltlichen Jahreswechsel: 31.12. 2000 - 1.1. 2001

6. Januar (19.I.) - THEOPHANIE -


 


SEGNUNGsgebete zur Wasserweihe

PARAMONIE vor dem Fest der Theophanie

WASSERWEIHE am dem Fest der Theophanie (Bischofsvikar Vater NIKOLAE Dura)
S.H. der Rumänische Patriarch DANIIL:  "The Orthodox does not lock God in the church ... "
 

T H E O P H A N I E
bei der TAUFE unseres HERRN, GOTTES und ERLÖSERS
JESUS CHRISTOS
im JORDAN

Als Du, Herr, im Jordan wurdest getauft,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit.

Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,
da Er Dich den geliebten Sohn nannte.

Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.

Der Du erschienen bist, Christus Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !


Festtagsikone

 

 

THEOPHANIEN und das Element WASSER

Theophanien feiern wir das Erscheinen Gottes, besser die Offenbarung Gottes in der Dreiheit bei der Taufe des Gottessohnes, das Zeugnis der wahren Menschheit und der wahren Gottheit unseres Herrn und Erloesers. Durch das hoerbare Zeugnis des Vaters und das sichtbare Herabsteigen des Heiligen Geistes auf den vom taufenden glaeubigen Vorlaeufer von Menschenhand ins Wasser getauchten Gottessohn wird auch der Kosmos fuer alle Zeit geweiht. Warser bedeckt den groessten Teil der Oberflaeche der Erde.
Wasser ist Voraussetzung fuer irdisches Leben. Wasser ist auch Hauptbestandteil des menschlichen Koerpers.

Und dies sind immer wieder die selben Wassermolekuele. Wenn der Sohn Gottes das Jordanwasser vor ueber 2000 Jahren durch Beruehrung und Untertauchen geheiligt hat,
so fuehrt der durch die von Gott geschaffenen Gesetze der Natur bestimmte Wasserkreislauf Fluss-Meer-Wolken-Regen-Fluss immer wieder dazu, dass auch wir mit jenen Molekuelen in Beruehrung kommen koennen. So geben uns auch die Gebete der Paramonie zum heutigen Fest Beispiele von Gottes Offenbarung durch das Element Wasser.
Nicht zuletzt deshalb sind alle Christen ueber ihre Taufe im Element Wasser und das durch den Priester dabei erflehte Versiegeln durch den Heiligen Geist mit Dem verbunden, dessen Abbild zu sein wir aufgerufen sind.

Schon auf der Weihnachtsikone haben wir ja gesehen: Am unteren Bildrand wird das neugeborene Kind von Hebamme und Magd in einer Art Taufbecken gewaschen.
Der geistliche Sinn dieser Szene weist schon auf die Bedeutung hin, die das Wasser bald im Fest der Theophanie am Jordan bekommt:
Das Wasser, Hauptelement der Oberflaeche und Huelle unseres Planeten Erde und der belebten Materie und auch des menschlichen Koerpers, wird durch die Beruehrung mit dem Herrn gesegnet und geheiligt.

Das Fest Theophanie, als Epiphaniefest schon in den ersten Jahrhunderten am 5. / 6. Jaenner gefeiert, konzentriert sich ab dem letzten Viertel des 4.Jhdt., als man auch in Konstantinopel den roemischen Brauch mit dem vorgezogenen Fest der Geburt Christi uebernahm, auf die Theophanie, das Erscheinen Gottes im irdischen Leben Jesu. Die Taufe des Herrn im Jordanwasser und die damit verbundene Offenbarung der Dreiheit Gottes durch das Zeugnis des Vaters und das Herabsteigen des Heiligen Geistes steht im Osten im Mittelpunkt des Festes. Damit verbunden wurde die Vermittlung der Gotteserkenntnis an die Glaeubigen durch die Erleuchtung (photismos) in der Taufe, sowie die Weitergabe der durch Beruehrung mit dem Herrn geheiligten und gesegneten Materie im Element Wasser. Seit alters her findet deshalb an Theophanien eine grosse Wasserweihe statt. Orthodoxe Glaeubige hacken im hohen Norden Russlands das dicke Eis auf um zum Wasser zu gelangen, orthodoxe Glaeubige tauchen nach dem vom Priester ins Wasser geworfene Christuskreuz in Fluessen, Seen und im tiefen Meer des Suedens. Das Heilwerden der durch die Suende verdorbenen Schoepfung als Fest der Taufe und der Offenbarung der Dreiheit Gottes wird so zugleich auch als Fest der Verherrlichung der verwandelten Schoepfung gefeiert.


BULGARIA:   THEOPHANY 2007 on  the BLACK SEA (City of Burgas) and on the DANUBE (City of Russe)

Metropolitan-Bishop IOANIKIJ gives cross to venerate to young christians Cross in BlackSea Cross dived out of Danube River

Sofia 2017
Vidin 2017
Dolna Banya 2017


 

ÖSTERREICH
1. Wasserweihe durch METROPOLIT ARSENIOS beim 1. orthodoxen Kloster in Österreich am Zicksee (2016)




Zum downloaden stellt die Gebetstexte dankenswerterweise der St.-Andreas-Bote der Münchner Gemeinde des Bayrischen Vikariates der Metropolie von Deutschland und Exarchats von Zentraleuropa des Oekumenischen Patriarchats (Konstantinopel) zur Verfügung:


download des vollständigen Gebetstextes der Wasserweihe

download des vollständigen Gebetstextes einer konkreten Pan-Orthodoxen Wassersegnung der Isar in München





WASSERWEIHE an THEOPHANIEN

von
Bischofsvikar Nikolae Dura (Rumän.-orthod. Kirche in Österreich)


Zum Fest der Taufe Christi findet in jeder orthodoxen Kirche die Große Wasserweihe statt. Wo es möglich ist, wird dieser Gottesdienst beim fließenden Wasser zelebriert.
Das gewöhnliche Wasser wird zum Weihwasser. Es wird in Ehrfurcht getrunken und benützt.


Mit dem geweihten Wasser segnet der Priester die Wohnungen der Gläubigen und all ihre Dinge. Der Priester bringt die Botschaft der Erscheinung des Herrn auch von Haus zu Haus der Gläubigen. Das geweihte Wasser wird im Altar und auch zu Hause mit großer Frömmigkeit bewahrt. Die Gläubigen trinken dieses Wasser in Ehrfrucht am Morgen, auf  nüchternen Magen.

Die Christen bewahren jetzt das Wasser sehr klar und rein. Jetzt erfährt nicht nur der Mensch Segnung und Weihe, sondern die gesamte Schöpfung; denn alles was es auf Erden gibt, die Städte und die Wälder, die Wohnstätten und die Arbeitsstätten, die Meere und die Flüsse, die Menschen und die Tiere, alles wird mit dem Wasser des Lebens gesegnet und geweiht. Durch die Gotteserscheinung zur Taufe Christi ist alles eingeladen, sind alle eingeladen zur Reinigung des Geistes, des Lebens im Licht des Evangeliums.

Bei der Taufe Jesu im Jordan offenbart sich die göttliche Kraft, die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Als Christus dreißig Jahre alt war, wurde er vom heiligen Johannes im Jordan getauft. Zu diesem Anlass wurde zum ersten Mal, ganz deutlich, die Heilige Dreieinigkeit offenbart: der Vater ließ sich hören:
Dieser Getaufte ist mein vielgeliebter Sohn
.

Der Sohn Gottes wurde im Jordan getauft und der Heilige Geist ist wie eine Taube erschienen. Die Herabkunft des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube drückt die Richtung der Beziehung des Vaters zu Seinem Sohn aus. Die Kirchenväter sehen hier eine Verbindung zwischen Sintflut und Taufe, die Taube ist ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung. Der Heilige Geist hat aus den Gewässern der Urflut das Leben erweckt. Derselbe Heilige Geist schwebt heute über die Gewässer des Jordan und über die ganze Materie, damit  neues Leben entstehen kann.

Das Wasser stellt die Quelle und das Fundament für das Leben dar. Geistlich gesehen stellt die christliche Taufe die Quelle und das Fundament des Lebens dar.
Wir wurden - alle Christen - im Namen der Heiligen Dreieinigkeit getauft.

Die Heiligste Dreieinigkeit ist für uns das Symbol der höchsten Liebe, ist das große Geheimnis des Glaubens.
Als Christen haben wir Teilhabe an der göttlichen Liebe
.

In der Chrysostomos-Liturgie wird vor dem Credo gebetet:

"Lasst uns einander lieben, damit wir in Eintracht bekennen.
Den Vater,  den Sohn  und den Heiligen Geist,   die wesensgleiche  und  unteilbare Dreiheit"
.


ORF/Religion "Christ in der Zeit"
am 06. 01. 2001 um 18.25 Uhr






NEWS AGENCY
BASILICA.RO
Patriarch DANIEL: The Orthodox does not lock God in the church, but observes His sanctifying work in all creation

His Beatitude Patriarch Daniel explained on Wednesday what is the “blessing of the Jordan” asked for during the great blessing of waters on Theophany Eve: it is the sanctifying work of God in His creation. Through His Baptism in the Jordan River, the Saviour sanctifies the whole world.  “In conclusion, the Orthodox does not lock God in the church, but sees His sanctifying, healing, and blessing work in all creation,”
His Beatitude said.

“There is a difference between Theophany holy water, which is blessed only on the eve and on the day of the feast of the Baptism of the Lord, and usual holy water, which is blessed on any day of the year,” Patriarch Daniel noted.

Renewing the grace of our own baptism

St. Symeon the New Theologian said that Theophany holy water refers to the renewal or actualisation of the Lord’s Baptism in the Jordan.

“Therefore, the prayers for this service refer to the power of the Jordan, through which God performed miracles, and especially in the Jordan the Saviour Jesus Christ was baptized by St. John the Baptist,” His Beatitude explained.

Saint Symeon also noted that “Theophany holy water is the renewal of the grace of our own baptism. So, it is about the Baptism of the Lord and our own baptism, because this holy water at the end of the liturgy is the water that has the same grace that we received when we were baptized,” the Patriarch of Romania continued.

At baptism, “we were adopted through grace in the love of God the Father, through the work of the Holy Spirit, by faith in Jesus Christ, the everlasting Son of God, who became Man out of love for men and for their salvation,” His Beatitude explained.

The Blessing of the Jordan River


The blessing of the Jordan River “means first of all the sanctification of the nature of the waters,” accomplished by the fact that the Saviour Jesus Christ, the One Holy and without sin, “sanctified  the earth through His birth in the cave, and by His Baptism in the Jordan He sanctified the nature of the waters.”


“Since the Old Testament, the Jordan has become a symbol of God’s work, of changing the behaviour of water, of the nature of water, which normally flows. But there are moments when the water recedes,” the Patriarch of Romania said.

Thus, the blessing of the Jordan means “a wonderful work of God, which sanctifies humans, which heals them, which shows the work of God’s grace in His creation.”


His Beatitude referred to the Book of Genesis saying that “the Spirit of God was hovering at first above the face of waters, that is, the Holy Spirit was in an intimate connection with the waters at the beginning of the world.”

“So, the Holy Spirit, Who gives life to creation, is the One Who first glides over the waters and then greens the fields and gives the vegetation that becomes food for animals and for man,” the Patriarch also explained.


Restoring the connection of creation with the Creator

“Therefore, now, through the sanctification of the water, the connection of God’s will for communication between the Creator and creatures and especially for communication between the grace of the Holy Spirit and the nature, or nature of the created things, is restored.”

“So, we have in the mystery of the Baptism of the Lord a sanctification of the creation. That is why our believers especially use the water from the Baptism of the Lord, from this holiday, the Great Agiasma, for the sanctification of their house, but also for the blessing of their workplace, or of the garden and sometimes of the animals, because the animals were the support of biological life, they offered food and help in the work in the field,” Patriarch Daniel added Jan. 5 th

Therefore, His Beatitude concluded, “an Orthodox sees God present in all creatures and in all the works that man does by invoking God’s help.”





PARAMONIE vor dem Fest

Auch bei diesem grossen Fest bereitet sich die Kirche durch das reiche Gebet der Paramonie darauf vor.
Wir laden Sie ein, diesen Text des Heils mit uns zu beten
:



+++

Bereite dich, Sebulon, und schmuecke dich, Naphtali !
Jordanfluss stehe still und empfange den Gebieter,
der kommt, um getauft zu werden
.

Juble, Adam, mit der Urmutter.
Verbergt euch nicht wie einst im Paradies !
Nackt sah er euch und ist erschienen,
mit dem ersten Gewand euch wieder zu kleiden
.

Christus ist erschienen,
erneuern will Er jedes Geschoepf
.



Im Jordanfluss steht der Herr heute
und ruft Johannes zu:
Mich zu taufen zoegere nicht !
Denn zu retten bin ich gekommen
Adam, den Ersterschaffenen
.



Der Jordanfluss wandte sich zurueck
vor dem Mantel des Elias,
da Elias aufgenommen worden war,
und es teilten sich die Wasser nach beiden Seiten,
und das Nasse wurde ihm trockener Weg,
als wahres Vorbild der Taufe,
durch die wir des Lebens reissende Furt durchschreiten
.

Christus ist im Jordan erschienen,
um die Wasser zu heiligen
.


Ihn, unsere Erleuchtung,
die jeden Menschen erleuchtet,
Ihn sah der Vorlaeufer kommen,
um getauft zu werden
.


Seine Seele freut sich,
seine Hand zittert;
er zeigt Ihn den Voelkern und spricht:
Seht den, der Israel erloest,
der uns befreit aus dem Verderben.
O Suendeloser,
Christus unser Gott,
Ehre Dir
.


Da unser Erloeser vom Knechte getauft
und durch des Geistes Ankunft bezeugt ward,
erschraken da sie es sahen, die Heere der Engel;
aber vom Himmel kam die Stimme des Vaters
:

Dieser, auf den der Vorlaeufer die Hand auflegt,
dieser ist Mein geliebter Sohn,
an dem Ich Wohlgefallen habe.
Christus unser Gott,
Ehre Dir
.


Die Fluten des Jordan
empfingen Dich, die Quelle;


und der Troester,
in Taubengestalt, kam hernieder
.

Es neigt das Haupt,
der die Himmel neigt
.

Es schreit und ruft
der Staub zu seinem Schoepfer:
Was auferlegst Du mir,
was mir zu hoch ist ?
Ich bedarf Deiner Taufe.
O Suendeloser,
Christus unser Gott,
Ehre Dir.



Da Du retten wolltest
den verirrten Menschen,
hast Du nicht verschmaeht,
die Gestalt des Knechtes anzuziehen,
denn Du, der Gebieter und Gott,
musstest fuer uns
das unsere annehmen.
Getauft im Fleische, Erloeser,
hast Du uns der Vergebung gewuerdigt.
Deshalb rufen wir:
Wohltaeter,
Christus unser Gott,
Ehre Dir
.


Ehre dem Vater
und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste
jetzt und immerdar
und in die AEonen der AEonen,
Amin
.


Da Du das Haupt vor dem Vorlaeufer beugtest,
hast Du die Haeupter der Drachen zertreten.
Da Du in den Fluten standest,
hast Du das All erleuchtet,
zu verherrlichen Dich,
den Erloeser,
den Erleuchter unserer Seelen
.




LESUNG aus dem Buche GENESIS
( Gen 1: 1 - 13 )
"Der Geist Gottes schwebte ueber den Wassern..."


LESUNG aus dem Buche EXODUS

( Ex 14: 15 - 18, 21 - 23, 27 - 29 )
Auf Geheiss des Herrn teilt Moses die Wasser
um Sein Volk zu retten



LESUNG aus dem Buche EXODUS

( Ex 15: 22 - 16: 1 )
Auf Geheiss des Herrn macht Moses
das bittere Wasser suess




ERSCHIENEN BIST DU DER WELT,
DER DU DIE WELT GEMACHT HAST,
Um zu erleuchten, die da in Finsternis sassen,
Menschenliebender, Ehre Dir !



O Gott, erbarme Dich unser und segne uns !
Er lasse leuchten Sein Angesicht ueber uns
und erbarme sich unser !



Um zu erleuchten, die da in Finsternis sassen,
Menschenliebender, Ehre Dir !



Dass man auf Erden Deinen Weg erkenne,
unter allen Voelkern Dein Heil.



Um zu erleuchten, die da in Finsternis sassen,
Menschenliebender, Ehre Dir !



Es muessen sich bekennen, o Gott, die Voelker,
Dich bekennen die Voelker alle.
Das Land hat Seine Frucht gegeben
.


Um zu erleuchten, die da in Finsternis sassen,
Menschenliebender, Ehre Dir !



Es segne uns Gott,
unser Gott,
es segne uns Gott !
Und es sollen Ihn fuerchten alle Enden der Erde !



Ehre dem Vater
und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste
jetzt und immerdar
und in die AEonen der AEonen,
Amin.




ERSCHIENEN BIST DU DER WELT,
DER DU DIE WELT GEMACHT HAST,
Um zu erleuchten, die da in Finsternis sassen,
Menschenliebender, Ehre Dir !




LESUNG aus dem Buche JOSUA
( Jos 3: 7 - 8, 15 - 17)
Auf Geheiss des Herrn
laesst Josua die Wasser des Jordan stillstehen
um die Bundeslade
und das Volk des Herrn durchziehen zu lassen



LESUNG aus dem vierten Buche der KOENIGE

( 4 Koen 2: 6 - 14, LXX )
"...Elias nahm seinen Mantel
und wickelte ihn zusammen
und schlug damit das Wasser,
welches sich teilte zu beiden Seiten
und sie gingen beide hindurch auf dem Trockenen..."




LESUNG aus dem vierten Buche der KOENIGE
( 4 Koen 5: 9 - 14, LXX )

"...Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan,
und dein Fleisch wird wieder gesund,
und du wirst rein werden...
"




SUENDERN UND ZOELLNERN
BIST DU IM REICHTUM DEINES ERBARMENS ERSCHIENEN,
DU, UNSER ERLOESER
;
Denn wo anders haette Dein Licht leuchten sollen,
als bei denen, die in Finsternis sassen ?
Ehre Dir !



Der Herr ist Koenig, mit Hoheit umkleidet,
umkleidet hat sich der Herr,
mit Macht sich geguertet.
Du hast festgemacht das Weltall,
Dein Thron wird nimmermehr wanken.
Bereitet ist Dein Thron von Anbeginn
.


Denn wo anders haette Dein Licht leuchten sollen,
als bei denen, die in Finsternis sassen ?
Ehre Dir !



Einst erhoben die Fluten, o Herr,
erhoben die Fluten ihre Stimme.
Wieder erheben die Wasserstroeme ihr Tosen
vom Brausen maechtiger Wellen
.


Denn wo anders haette Dein Licht leuchten sollen,
als bei denen, die in Finsternis sassen ?
Ehre Dir !



Wunderbar ist die Brandung des Meeres,
wunderbarer noch ist der Herr in den Hoehen.
Verlaesslich sind Deine Zeugnisse
.


Denn wo anders haette Dein Licht leuchten sollen,
als bei denen, die in Finsternis sassen ?
Ehre Dir !



Deinem Hause ziemet Heiligkeit,
Herr, auf ewige Zeiten
.



Ehre dem Vater
und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste
jetzt und immerdar
und in die AEonen der AEonen,
Amin
.



SUENDERN UND ZOELLNERN
BIST DU IM REICHTUM DEINES ERBARMENS ERSCHIENEN,
DU, UNSER ERLOESER;
Denn wo anders haette Dein Licht leuchten sollen,
als bei denen, die in Finsternis sassen ?
Ehre Dir !




LESUNG aus dem Propheten JESAJA
( Jes 1: 16 - 20 )
"Waschet euch mit Wasser,
reinigt euch" wenn ihr kommt zum Herrn




LESUNG aus dem Buche GENESIS
( Gen 32: 2 - 11 )
"Jakob sprach:
Ich hatte nicht mehr als diesen Stab,
als ich hier ueber den Jordan ging,
und nun sind aus mir zwei Lager geworden"




LESUNG aus dem Buche EXODUS
( Ex 2: 5 - 10 )
Die Tochter des Pharao "nannte ihn Mose;
denn sie sprach:
Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen"




LESUNG aus dem Buche der RICHTER
( Ri 6: 36 - 40 )
"Und Gideon sprach zu Gott:
Willst Du Israel durch meine Hand retten,
wie Du zugesagt hast ...
so wird das Wasser des Taus
allein auf die Wolle kommen,
und der ganze Boden umher trocken sein"




LESUNG aus dem dritten Buche der KOENIGE
( 3 Koen 18: 30 - 39, LXX )
"...da fiel Feuer des Herrn herab...
und leckte das Wasser..."




LESUNG aus dem vierten Buche der KOENIGE
( 4 Koen 2: 19 - 22, LXX )
"...also ward das Wasser gesund
bis auf diesen Tag nach dem Worte des Eliseus..."




LESUNG aus dem Propheten JESAJA
( Jes 49: 8 - 15 )
Es spricht der Herr
"Ich habe dich erhoert zur Zeit der Gnade ...
ihr Erbarmer wird sie fuehren
und sie an die Quellen der Wasser leiten"





Der Herr ist mein Licht und mein Heil,
vor wem soll ich mich fuerchten ?



Der Herr ist meines Lebens Zuflucht,
vor wem sollte mir grauen ?





APOSTEL:  1 Kor  9:  19 - 27



Alleluja, Alleluja, Alleluja !



EVANGELIUM:  Lk  3:  1 - 18



Im Auszug Israels aus Aegypten,
des Hauses Jakobs
aus dem Volk fremder Zunge


Auf die Fuerbitten der Gottesgebaererin,
Erloeser, erloese uns !


Ward Juda Sein Heiligtum,
Israel Seine Herrschaft


Auf die Fuerbitten der Gottesgebaererin,
Erloeser, erloese uns !


Das Meer sah es und floh;
der Jordan wandte sich zurueck


Auf die Fuerbitten der Gottesgebaererin,
Erloeser, erloese uns !


Was ist dir, du Meer, dass du fliehest,
und dir Jordan, dass du zurueckweichst ?


Auf die Fuerbitten der Gottesgebaererin,
Erloeser, erloese uns !



Ehre dem Vater
und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste
jetzt und immerdar
und in die AEonen der AEonen,
Amin
.




Auf die Fuerbitten der Gottesgebaererin,
Erloeser, erloese uns !





Ich will den Herrn lieben
denn Er hoert die Stimme meines Flehens
.

Rette, o Sohn Gottes,
im Jordan von Johannes getauft,
uns, die wir Dir singen: Alleluja !


Denn Er hat Sein Ohr zu mir geneigt,
ich will Ihn anrufen an allen Tagen


Rette, o Sohn Gottes,
im Jordan von Johannes getauft,
uns, die wir Dir singen: Alleluja !


Die Stricke des Todes haben mich umfangen,
die Gefahren der Unterwelt mich eingeholt
.

Rette, o Sohn Gottes,
im Jordan von Johannes getauft,
uns, die wir Dir singen: Alleluja !


Barmherzig ist der Herr und gerecht,
und Gott hat sich unser erbarmt


Rette, o Sohn Gottes,
im Jordan von Johannes getauft,
uns, die wir Dir singen: Alleluja !



Ehre dem Vater
und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste
jetzt und immerdar
und in die AEonen der AEonen,
Amin.




Danket dem Herrn, denn Er ist gut,
und ewig waehret Sein Erbarmen !



Als Du, Herr, im Jordan wurdest
getauft,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit.
Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,
da Er Dich den geliebten Sohn nannte.
Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.
Der Du erschienen bist, Christus Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !



So spreche das Haus Israel:
"Er ist gut,
und ewig waehret Sein Erbarmen !"



Als Du, Herr, im Jordan getauft wurdest,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit.
Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,
da Er Dich den geliebten Sohn nannte.
Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.
Der Du erschienen bist, Christus Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !



So spreche das Haus Aaron:
"Er ist gut,
und ewig waehret Sein Erbarmen !"



Als Du, Herr, im Jordan getauft wurdest,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit.
Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,
da Er Dich den geliebten Sohn nannte.
Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.
Der Du erschienen bist, Christus Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !



So sollen sprechen, die den Herrn fuerchten:
"Er ist gut und ewig waehret Sein Erbarmen !"



Als Du, Herr, im Jordan getauft wurdest,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit.
Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,
da Er Dich den geliebten Sohn nannte.
Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.
Der Du erschienen bist, Christus Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !




Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn !
Der Herr ist Gott und ist uns erschienen !



Rette, o Sohn Gottes,
im Jordan von Johannes getauft,
uns, die wir Dir singen: Alleluja !




Als Du, Herr, im Jordan getauft wurdest,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit.
Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,
da Er Dich den geliebten Sohn nannte.
Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.
Der Du erschienen bist, Christus Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !




Alle, die ihr in Christus getauft seid,
habt Christus angezogen.
Alleluja.



Gesegnet, der da kommt
im Namen des Herrn !


Danket dem Herrn,
denn er ist gut.





APOSTEL: Tit 2:  11 - 14;  3:  4 - 7



Alleluja, Alleluja, Alleluja !



Bringet dar dem Herrn, ihr Soehne Gottes,
bringet dar dem Herrn Verherrlichung und Ehre
.


Die Stimme des Herrn ueber den Wassern;
der Gott der Herrlichkeit donnert,
der Herr ueber vielen Wassern
.



EVANGELIUM:  Mt 3:  13 - 17



Hochpreise meine Seele, sie,
die geehrter und herrlicher ist
als die Heerscharen in den Hoehen !



Keine Zunge ist wuerdig, dich zu preisen,
auch die ueberweltliche Vernunft
vermag dich nicht wuerdig zu besingen,
dich Gottesgebaererin.
Dennoch, da du guetig bist,
nimm den Glaubenden an,
du kennst ja unser in Gott gegruendetes Verlangen.
Denn du bist die Helferin der Christen,
dich erheben wir.




Erschienen ist die Heilsgnade Gottes
allen Menschen.
Alleluja !





+++

Als Du, Herr, im Jordan wurdest
getauft,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit:

Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,
da Er Dich den geliebten Sohn nannte.


Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.



Der Du erschienen bist, Christus Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !


+++



Segnungsgebete zur Wasserweihe:

„Einleitung zum Gebet der Heiligen Gotteserscheinungen“
(Patriarch GERMANOS von Jerusalem)

Herr Jesus Christus, einziggeborener Sohn, der Du im Schoße des Vaters ruhst, wahrer Gott, Quelle des Lebens und der Unsterblichkeit, Licht vom Licht, der Du in die Welt gekommen bist, sie zu erleuchten, erhelle unser Sinnen durch Deinen Heiligen Geist, und nimm uns an,
die wir Dir Verherrlichung und Dank darbringen für Deine seit Ewigkeit wunderbaren und großen Werke und für das in unserer Zeit vollbrachte rettende Heilswerk. Dafür hast Du angetan unseren schwachen und armseligen Leib und bist zum Stand der Knechte herabgestiegen,
der Du doch der König aller bist, und wolltest von der Hand eines Knechtes im Jordan getauft werden, damit der Wasser Natur geheiligt werde, o Sündeloser; durch das Wasser und den Geist hast Du uns den Weg gebahnt zur Wiedergeburt und uns in die erste Freiheit wieder eingesetzt.
Die wir nun das Andenken an dieses göttliche Mysterium feiern, bitten Dich, menschenliebender Gebieter, besprenge uns, Deine unwürdigen Knechte, gemäß Deiner göttlichen Verheißung,
mit dem reinen Wasser, der Gabe Deiner Huld, auf dass die von Sündern über diesem Wasser ausgesprochene Bitte Deiner Güte wohlgefällig sei und durch Deinen Segen das ganze gläubige Volk Gnade erhalte zur Ehre Deines heiligen und verehrten Namens. Denn Dir gebührt aller Ruhm, alle Ehre und Anbetung, samt Deinem anfanglosen Vater und Deinem allheiligen,
gütigen und lebenschaffenden Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Amin.

 

Gebet des SOPHRONIOS
(Patriarch von Jerusalem)

Dreiheit über allem Sein, über aller Güte, über aller Göttlichkeit, unendliche Macht,
die Du alles siehst, unsichtbar, unfassbar;
Schöpfer der geistigen Wesen und der vernunftbegabten Kreaturen,
Güte ist Deine Natur; unzugängliches Licht, das allen Menschen leuchtet, in die Welt kommen; erleuchte auch mich, Deinen unwürdigen Knecht; erleuchte die Augen meiner Erkanntnis,
damit ich es wage Deine unermessliche Güte und Macht zu besingen.
Dir wohlgefällig sei meine Bitte für das hier stehende Volk, damit der Heilige Geist durch meine Verfehlungen nicht gehindert wird, mir hier zu Hilfe zu kommen;
gewähre mir, Du über aller Güte, auch jetzt Dich ohne Schuld anzurufen und zu sprechen:
Wir verherrlichen Dich, menschenliebender Gebieter, Allherrscher, König vor aller Zeit.
Wir verherrlichen Dich, den Schöpfer und Erschaffer aller Dinge.
Wir verherrlichen Dich, einziggeborener Sohn Gottes, ohne Vater von der Mutter geboren
und ohne Mutter vom Vater gezeugt;
wir haben Dich im nun vergangenen Fest als Kind gesehen, und im kommenden sehen wir Dich als Vollkommenen; der Vollkommene vom Vollkommenen, der sich uns gezeigt hat, unser Gott.
Heute besonders ist es gut zu feiern:
der Chor der Heiligen ruft uns zur Versammlung
und die Engel feiern zusammen mit den Menschen.
Heute erscheint die Gnade des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube über den Wassern.
Heute erstrahlt die unzugängliche Sonne und die Welt ist vom Lichte des Herrn erleuchtet.
Heute beleuchtet der Mond mit ihr die Welt mit seinen Strahlen.
Heute verschönern die leuchtenden Sterne mit der Klarheit ihres Glanzes den Erdkreis.
Heute lassen die Wolken den Tau der Gerechtigkeit vom Himmel auf die Menschheit hernieder regnen.
Heute lässt sich der Unerschaffene freiwillig die Hand Seines eigenen Geschöpfes auflegen.
Heute kommt der Prophet und Vorläufer vor den Gebieter, zitternd steht er neben Ihm,
und sieht Gott zu uns herabkommen.
Heute sind die Fluten des Jordan verwandelt in Wasser der Heilung
durch die Ankunft des Herrn.
Heute ist die ganze Schöpfung von geheimnisvollen Wellen benetzt.
Heute sind die Übertretungen der Menschen in den Wassern des Jordan getilgt.
Heute öffnet sich den Menschen das Paradies und die Sonne der Gerechtigkeit glänzt über uns.
Heute ist das bittere Wasser des Moses dem Volk in süßes verwandelt
durch die Ankunft des Herrn.
Heute enden wir unsere alte Klage und als neues Israel sind wir errettet.
Heute sind wir von der Finsternis befreit und erleuchtet vom Licht der göttlichen Erkenntnis.
Heute sind die Nebel der Welt aufgelöst durch die Offenbarung unseres Gottes.
Heute wird die ganze Schöpfung vom Himmel angestrahlt.
Heute sind die Verwirrungen begradigt und die Ankunft des Herrn zeigt uns den Heilsweg.
Heute feiern die Himmel mit der Welt hier unten und die Welt hier unten redet mit den Himmeln.
Heute frohlocken alle über das heilige und freudige Fest der Orthodoxen.
Heute eilt der Gebieter zur Taufe, um die Menschheit in den Himmel zu heben.
Heute beugt sich, der nicht gebeugt werden kann,
dem eigenen Knecht, um uns von der Knechtschaft zu befreien.
Heute haben wir das Himmelreich erworben, dieses Reich des Herrn aber hat kein Ende.
Heute teilen sich Erde und Meer die Freude der Welt und die Welt ist erfüllt von Freude.
Die Wasser sahen Dich, o Gott, die Wasser sahen Dich und fürchteten sich.
Der Jordan mußte sich abwenden, als er das Feuer der Gottheit erblickte:
im Fleisch herabgekommen, angekommen Er selbst.
Der Jordan mußte sich abwenden, als er den Heiligen Geist sah,
der in Gestalt einer Taube herabkam und über Ihm schwebte.
Der Jordan mußte sich abwenden, als er den Unsichtbaren sichtbar sah,
den Schöpfer Fleisch geworden, den Gebieter in der Gestalt eines Knechtes.
Der Jordan mußte sich abwenden und die Berge erbebten als sie Gott im Fleische sahen und die Wolken ertönten, sich verwundernd über den Gekommenen, der Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott ist, denn sie sahen heute das Fest des Herrn im Jordan;
sie sahen Ihn, der den Tod wegen seines Ungehorsams, die Dornen des Irrtums und die Ketten des Hades im Jordan versenkte und der Welt die Taufe des Heils schenkte.
Deshalb rufe auch ich, Dein sündiger und unwürdiger Knecht, der ich nun die Größe Deiner Wunder aufgezählt habe, betend in Ehrfurcht und zerknirscht Dir zu:

Du bist groß, o Herr, und wunderbar sind Deine Werke und kein Wort reicht aus,
Deine Werke zu besingen !
(3 x)

Du hast durch Dein Wollen das All vom Nichtsein ins Dasein gerufen
und durch Deine Macht erhältst Du die Schöpfung
und durch Deine Vorsehung lenkst Du die Welt.
Du hast aus 4 Elementen die Schöpfung zusammengefügt,
aus 4 Jahreszeiten den Kranz des Jahres gewunden.
Vor Dir erbeben alle geistigen Mächte.
Dich besingt die Sonne,
Dich preist der Mond,
Dir dienen die Sterne,
Dir gehorcht das Licht,
vor Dir schaudern die Abgründe,
Dir fügen sich die Quellen.
Du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.
Du hast die Erde über den Wassern begründet;
Du hast das Meer mit Sand umgeben;
Du hast zum Atmen die Luft verströmt.
Die Mächte der Engel dienen Dir; die Chöre der Erzengel beten Dich an;
die vieläugigen Cherubim und die sechsflügeligen Seraphim,
die Dich umgehen und umfliegen,
verhüllen sich aus Furcht vor Deiner unzugänglichen Herrlichkeit.
Du bist ja der unbeschreibbare Gott, Du bist ohne Anfang und unbenennbar,
bist in die Welt genommen, hast die Gestalt eines Knechtes auf Dich genommen
und wurdest den Menschen gleich; denn Du hast es in Deiner barmherzigen Liebe nicht ertragen,
das Menschengeschlecht vom Teufel gequält zu sehen,
sondern bist gekommen und hast uns erlöst.
Wir preisen die Gnade, verkünden das Erbarmen, und verschweigen nicht die Wohltat;
Du hast die Natur unseres Geschlechtes befreit;
den Schoß der Jungfrau durch Deine Geburt geheiligt;
die ganze Schöpfung besingt Dich, der Du Dich uns gezeigt hast.
Du bist ja unser Gott, hast Dich auf Erden gezeigt und mit den Menschen gelebt.
Du hast die Wellen des Jordan geheiligt,
da Du vom Himmel herabsandtest Deinen heiligen Geist,
und hast die Schädel der Drachen, die sich dort eingenistet hatten, zermalmt.


Du selbst also, menschenliebender König, komm auch jetzt
durch die Herabkunft Deines Heiligen Geistes und heilige dieses Wasser !
(3 x)

Und gib ihm die Gnade der Erlösung und den Segen des Jordans.
Mache es zum Quell der Unvergänglichkeit, zur Gabe der Heiligung,
zur Vergebung der Sünden und zur Heilung der Krankheiten,
zum Verderben der Dämonen und mache es unerreichbar für die feindlichen Mächte,
erfülle es mit der Kraft der Engel.
So mögen alle, die davon schöpfen und daran teilhaben es besitzen
zur Reinigung der Seelen und Leiber,
zur Heilung der Leiden, zur Weihe der Häuser und möge es einem jeden nutzen.
Du bist unser Gott, der durch das Wasser und den Geist
unsere von der Sünde verderbte Natur erneuert hat.
Du bist unser Gott, der durch das Meer und durch Moses
das Geschlecht der Hebräer aus der Knechtschaft des Pharao befreit hat.
Du bist unser Gott, der in der Wüste den Felsen gespalten hat
und ihm das Wasser entströmen ließ, dass die Bäche überliefen,
und so den Durst Deines Volkes gestillt hat.
Du bist unser Gott, der durch Wasser und Feuer, durch Elias,
Israel vom Betrug des Baal befreit hat.


Du selbst, Gebieter, heilige denn auch jetzt dieses Wasser durch Deinen Heiligen Geist !
(3 x)


Schenke allen, die davon empfangen, die damit segnen und daran teilhaben
Heiligung, Segnung, Reinigung und Gesundheit.
Und rette, Herr, Deine Knechte und Mägde.
(3 x)

Und bewahre sie unter Deinem Schutz in Frieden;
gib ihnen alles zum Heil Erbetene und das ewige Leben.
Gedenke, Herr, unseres Metropoliten ......................
und des ganzen Episkopats ................................
des Diakonats in Christus
und der ganzen heiligen Ordnung
und des umstehenden Volkes
und unserer mit wohlklingenden Ausreden ferngebliebenen Brüder und Schwestern
und erbarme Dich ihrer und unser nach Deiner großen Barmherzigkeit.
Damit durch die Elemente, durch die Engel, durch die Menschen,
durch die Sichtbaren und Unsichtbaren Dein allheiliger Name gepriesen werde
samt dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.

Amin.

Friede allen !
                               und Deinem Geiste !


Neigen wir unsere Häupter dem Herrn !
                                                                             Dir, o Herr !


Neige, Herr, Dein Ohr und erhöre uns, der Du Dich herabgelassen hast
im Jordan getauft zu werden und die Wasser geheiligt hast;
segne uns alle, die wir durch die Beugung unseres Nackens den Stand des Knechtes zeigen.
Und maches uns würdig, dass wir mit Deiner Heiligung erfüllt werden,
wenn wir an diesem Wasser Anteil haben;
es sei uns, o Herr, zur Gesundheit der Seele und des Leibes.


Denn Du bist unsere Heiligung und Dir senden wir Lobpreis, Dank und Anbetung empor,
samt Deinem anfanglosen Vater und Deinem allheiligen und gütigen und lebensschaffenden Geist,
jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.

Amin.

.

+++

Als Du, Herr, im Jordan wurdest getauft,
ward offenbar die Anbetung der Dreiheit:


Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis,

da Er Dich den geliebten Sohn nannte.


Und der Geist in Gestalt einer Taube

verkuendete des Wortes Untrueglichkeit.



Der Du erschienen bist, Christus Gott,

und die Welt erleuchtet hast,
Ehre Dir !

+++

Kontakion, 4.Ton. Automelon.

Erschienen bist Du heute dem Erdkreis 
und Dein Licht, o Herr, hat uns gesiegelt;
in dieser Erkenntnis lobsingen wir:
Du kamst und erschienst, o unzugängliches Licht !


Idiomelon, 6.Ton.

Lasst uns besingen, ihr Gläubigen,

die Größe des Heilswerks Gottes für uns.

Denn wegen unserer Verfehlungen Mensch geworden, wirkt Er unsere Reinigung im Jordan.

Er, der allein Reine und Makellose, heiligt mich und die Wasser

und zermalmt im Wasser die Häupter der Drachen.

Lasst uns also trinken von diesem Wasser mit Freuden, Brüder und Schwestern,

denn denen,
die gläubig davon trinken,

wird die Gnade des Geistes unsichtbar gegeben


von Christus, Gott, dem Retter unserer Seelen.




 


30. JANUAR / 12. 2.
Gedaechtnis der grossen 3 Hl. Theologen
der Weltkirche

~ 3 SVETITELI ~       ~ 3 IERARCHON ~       ~ SFINTII TREI IERARHI ~

BASILIUS der Grosse
GREGOR der Theologe
JOHANNES Chrysostomus

("Mund goldener Worte")


+++

Im Leben habt Ihr den Aposteln nachgeeifert
und den Erdkreise gelehrt,
fleht zum Gebieter des Alls,
dass Er Frieden gewaehre
unserer Welt
und unseren Seelen
das grosse Erbarmen !
+++



Um 1100 begann ein Streit in Konstantinopel, welchem der Hl. 3 grossen Theologen der Vorrang gebührt. Da erschienen alle 3 zusammen dem Hl. JOHANNES, Metropoliten von Euchaita, und die Kirche feierte erstmals das grosse Fest der gemeinsamen Theologie, zu der jeder der 3 seinen unverzichtbaren Beitrag geleistet hat.

Der Hl. BASILIUS der Grosse erwarb zielstrebig Verantwortung fuer die Gesamtkirche, und setzte Zeichen der Verantwortung fuer die Gemeinschaft, organisierte die Ueberwindung von Hungersnöten und die Pflege der Kranken in besonderen von ihm gegründeten Haeusern. Er gab den Moenchsgemeinschaften heilsame Regeln und erzog die Christen in moralischer Strenge und durch das Vorbild persoenlicher Askese.

Der Hl. JOHANNES Chrysostomos ("der Mund goldener Worte") war in der Erziehung zum Heil nicht weniger streng in seinen Predigten. Dabei lebte er voll in der Welt der umgebenden Grossstadt Konstantinopel. Sein grosses Verdienst war es, dem Kirchenvolk durch Gottesdienste einen Eindruck des himmlischen Paradieses zu bieten, das Gebet in der Kirche so zu organisieren, dass alle Christen im Tageslauf und im Kirchenjahr die wesentlichsten Texte hören konnten. Dieses Muehen um die Herzen der Menschen im klaren Urteil gegen seelenzerstoerende Unsitten, aber auch durch Schoenheit, Klarheit und Gedankenreichtum in Gebet und Gottesdienst positive Erlebnisse schaffend, brachte dem Heiligen ein langes Martyrium, aber bringt fuer uns bis heute immer frische Frucht: durch die GÖTTLICHE LITURGIE UNSERES VATERS UNTER DEN HEILIGEN JOHANNES CHRYSTOMUS.

Der Hl. GREGOR der Theologe (im Westen: Gregor von Nazianz) war der gleichaltrige Freund (beide 329 geboren) und Gedankenaustauschpartner von BASILIUS dem Grossen seit den Jugendtagen des Studiums erst in Caesarea in Kappadokien, dann in Alexandria, dann in Athen, Mitkaempfer für die gefaehrdete Kirche, Philosoph, Moench, Dichter, Mystiker, Prediger und Bischof, zuletzt auch Patriarch -und dann wieder einfacher Moench. Beide kamen aus tiefglaeubiger Familie, sie waren auch verbunden durch ihre Begeisterung fuer die versammelte Kirche, Gegner aller individualistischen Spalter, waren sie reich an umfangreichen Erfahrungen klassischer Bildung und konnten so den Arianismus als typischen Aberglauben der halbgebildeten, aber etablierten Funktionaere durchschauen. Dies fuehrte bei beiden zu einer gesellschaftskritischen Grundhaltung, welche sich nicht nur in barmherzigen Taten und Predigten gegen die Reichen, Habgierigen und willkuerlichen karieresuechtigen Machtmenschen erschoepfte, die den Wohlhabenden oft so leicht faellt. Beide fuehlten sich nicht wohl in der ererbten Rolle des Sichbedienenlassens und des Befehlens eines grossen Haushaltes, dem typischen Lebensstil ihrer Zeit, in der die grosse Masse in Armut und Schulden leben musste, waehrend einige Wenige in verschwenderischem Reichtum moralische Schuld auf sich luden. Antwort auf diese unhaltbaren Zustaende, die Alle ins Unglueck fuehrten, war für sie der Weg der Nachfolge des Gottessohnes. Waehrend der Hl. BASILIUS der Grosse erfolgreiche Arbeit fuer dieses Ziel in verantwortlichen Positionen der Kirche zeigte, lebte der Hl. GREGOR fuer die Ueberwindung der immer wieder schuldig werdenden Welt auch in aeusserlicher Umkehr und Abkehr von der Welt und gab immer wieder seinem Beduerfnis nach mystischer Einsamkeit nach. Erst 30-jaehrig, zurueckgekehrt vom Studium in Athen hat er die Taufe empfangen, verbrachte 2 Jahre als Einsiedler, wurde 362 von seinem Vater, dem Bischof von Nazianz, zum Priester geweiht, fluechtete dann aber in die Einsamkeit. Erst als ein dogmatischer Streit dem inneren Frieden der Kirche von Nazianz gefaehrlich wurde, kehrte er zurueck und stiftete Frieden mit seiner brillianten einleuchtenden Auslegung des Konzils von Nizaea (325). Schliesslich blieb ihm nach einem klug eingefaedeltem "Streich" seines Freundes Basilius nichts anderes uebrig als Bischof zu werden. Schon 375, nach dem Tode seiner Eltern, verliess er seinen Bischofsstuhl um sich wieder dem Moenchsleben zu weihen. Doch diesmal holte ihn die von Arianern bedraengten orthodoxen Gemeinde der Reichhauptstadt Konstantinopel aus der Einsamkeit. 5 Jahre beharrlicher Predigtarbeit fuehrten letztlich zum Erfolg der im traditionellen Glauben versammelten Kirche. Der arianisch gewordene Patriarch musste schliesslich Gregor dem Theologen weichen, der vom bald einberufenen Konzil voll bestätigt wurde. Aber nachdem alles durch seine feierliche Inthronisation besiegelt war, schon einen Monat nach den Feierlichkeiten, verliess er Kathedrale und Patriarchenamt. Im kleinen Nazianz verbrachte er danach noch 2 Jahre bis er als einfacher Moench als "Vater der CHRISTLICHEN MYSTIK" in die ewige Heimat abberufen wurde.

So schliesst die Tradition der Kirche -als Zusammenfassung und Ausblick- diesen ersten Monat nach dem Fest der Geburt des Erlösers durch das gemeinsame Fest der Hl. 3 grossen Lehrer der Kirche. Die christliche Heiligkeit wird zusammengefasst
- in bekennendem, klarem und erleuchtendem theologischem Denken der Kirchenvaeter,
- in asketischem Mut und asketischer Kraft der Moenche
und letztlich in der Krone des Martyriums als Thorheit vor der momentanen Umwelt aber Triumph in der Ewigkeit.

Dies soll uns verdeutlichen, dass fuer die Kirche "Klarheit im Denken" und "Leben in der Liebe" untrennbar zusammengehoert.
WAHRE THEOLOGIE ist nicht bloss "Wissenschaft" sondern WEISHEIT, die gelebt werden will.
So wird auch jeder Christ aufgerufen und gestaerkt im Bemuehen zu seinem Heil stets Wissen mit Glauben und Leben in der Liebe zu vereinen.

Die 3 groessten Gestirne
der dreisonnigen Gottheit,
lasset uns gemeinsam
ruehmen in Hymnen,
da sie den Erdkreis
mit dem Abglanz
der goettlichen Lehren erfuellten,
die honigfliessenden Stroeme wahrer Weisheit,
die die ganze Schoepfung
mit den Wogen der Gotteserkenntnis ueberfluteten
,


BASILIUS, der Grosse
GREGOR, der Theologe
und der ruhmreiche JOHANNES
mit der goldredenden Zunge
da sie fuer uns
zur allheiligen Dreieinheit flehen
allezeit !



 

2. FEBRUAR / 15. 2.
Fest der
Begegnung unseres Herrn
bei Seiner Darstellung im Tempel
mit dem gerechten Greis Simeon und der Prophetin Anna


~ SRETENIE ~       ~ YPAPANTI ~       ~ INTAMPINAREA  DOMNULUI ~


Rette,
Sohn Gottes,
getragen auf den Armen
des gerechten Simeon,
uns,
die wir Dir singen:
Alleluja !

Festtagsikone, Paris, Leonid USPENSKY ( - 1987)

Heiser, Lothar: zur Bedeutung von Fest und Ikone
Hl.ROMANOS der MELODE: Kontakion zum Fest
Stichira der Nachfeier

Nach CHRISTI GEBURT und THEOPHANIE ist das Fest der Begegnung unseres Herrn bei Seiner Darstellung im Tempel das dritte Hochfest der Menschwerdung und des Kommens des Gottessohnes im Fleische in unsere Welt.
Die Begegnung des Herrn mit Simeon, dem gerechten Greis und Anna, der alten Prophetin, ist zugleich:
- Symbol der Begegnung des Heils des Neuen Bundes mit dem Alten Bund, am Ende seiner Jahre.
  (Tatsaechlich endete mit der Festigung des christlichen Gottesdienstes der Tempeldienst im Jerusalemer Tempel ein fuer alle mal.)
- Erkenntnis der Begegnung der im Gottssohn wiederhergestellten menschlichen Natur mit der durch Suenden gealterten Menschheit
- Heilbringende Begegnung fuer die einzelne Menschenseele, der die Hoffnung bereits lange erstorben war, dass sie jetzt das neue Leben empfängt.
In dieser Begegnung wird der menschlichen Natur Erneuerung, Heilung und Wiederherstellung der Ergöttlichung zuteil.


Dieses Fest ist schon durch die roemische Pilgerin Aetheria in Jerusalem um die Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert bezeugt und hat sich von dort aus in der gesamten Weltkirche verbreitet.


+++

Freue dich,
gnadenerfuellte, jungfraeuliche
Gottesgebaererin !
Denn aus dir ist aufgestrahlt
die Sonne der Gerechtigkeit,
CHRISTUS unser GOTT.
Er erleuchtet
die sich bisher bewegten in Finsternis.
Frohlocke auch du,
gerechter Greis,
der du
den Befreier unserer Seelen auf den Armen traegst,
der uns auch die Auferstehung schenkt.


+++

Nun entlaessest Du, Herr, nach Deinem Worte
Deinen Knecht in Frieden.
Denn meine Augen haben gesehen Dein Heil,
das Licht zur Erleuchtung der Heiden,
das Licht zur Verherrlichung Deines Volkes.


+++

 

Heiser, Lothar:

Maria
(Die Gottesmutter)
in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres

Der Begegnung des Herrn mit Symeon, dem letzten vom Heiligen Geist geleiteten Seher des Alten Bundes, dem Repräsentanten der im Volke Gottes wach gehaltenen Hoffnung auf Erlösung und der Sehnsucht aller Menschen nach ewigem Leben, ist diese Ikone gewidmet.

Josef bringt die Tauben dar zur Erfüllung des Gesetzes, Sinnbilder des alten und neuen Gottesvolkes, der Kirche aus Juden und Heiden. Maria bringt Christus selbst dar, die Vollendung des Gesetzes und den Erlöser des Volkes Gottes. Den unfassbaren Gott, verborgen im kleinen Kind, legt sie in Symeons Arme, der ehrfurchtsvoll seine Hände verhüllt hat. Mit ihnen darf er greifen, was menschliches Begreifen übersteigt. Hier wird die Brücke geschlagen zwischen Gott und der Menschheit, zwischen dem Erlöser und den Erlösten. Von nun an soll es keine Hoffnungslosigkeit mehr geben und keine Gottverlassenheit unter den Menschen. Der Weg in die verheißene Heimat ist geebnet, das Tor geöffnet. Der Dienst der Propheten ist beendet, jetzt beginnt das Wirken der Kirche; der greise Symeon wird in den Frieden Gottes entlassen, das Gottesvolk aus den Heiden setzt sein Werk fort, das Reich Gottes zu verkünden und an seiner Verwirklichung mitzuarbeiten.

Ort der Vermittlung zwischen Gott und Menschheit ist Maria und die in ihr vorgebildete Kirche. Darum ist nicht der Tempel zu Jerusalem als Hintergrund für die Begegnung gewählt, sondern der Raum der Kirche, der Altar unter dem Baldachin.

Hymnisch wird die Aussage des Bildes und seine Aussage in der Liturgie besungen:

Der von den Cherubim getragen und von den Seraphim besungen wird,
wird heute nach dem Gesetz in den heiligen Tempel getragen
und nimmt seinen Thron auf den Armen des Greises ein.

Von Josef nimmt er als gottgefälliges Geschenk im Turteltaubenpaar die unbefleckte Kirche an,
das neuerwählte Volk aus den Heiden,
und die 2 jungen Tauben,
da Er des Alten und Neuen Bundes Begründer ist
.

Symeon, der die Erfüllung der an ihn ergangenen Verheißung erlangt,
segnet die Jungfrau, die Gottesgebärerin Maria,
und weist hin auf die Sinnbilder des Leidens Dessen, der aus ihr geboren wurde.

Von Ihm erbittet er die Entlassung mit den Worten:
Nun entlässt Du mich, Gebieter,
wie Du mir verheißen hast.
Denn Dich habe ich geschaut,
das vorzeitliche Licht, den Retter,
den Herrn des Volkes, der Christen.

Idiomelon des Andreas von Kreta am Vorabend zum 2. Februar; Menaion, Februar

Heiser, Lothar:
Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres, Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.)
Sophia, Quellen östlicher Theologie, Bd. 20, Trier 1981, S. 256 f
.

hier aus St.Andreas Bote



 

Hl. ROMANOS der Melode:
Quelle
Kontakion auf den EMPFANG UNSERES HERRN

Oikos 8,9,12,13 nach Lk 2,25-40


Groß und voll des Ruhmes bist Du,
den der Höchste im Verborgenen zeugte,
allheiliger Sohn Marias.
Einen nenne ich Dich,
zugleich sichtbar und unsichtbar,
fassbar und unfassbar,
der Natur nach als Gottessohn vor aller Zeit
erkenne ich Dich und glaube an Dich,
doch bekenne ich,
dass Du auch übernatürlich der Sohn der Jungfrau bist.
Deshalb wage ich es,
Dich wie eine Lampe zu halten;
denn jeder, der eine Lampe trägt, wird erleuchtet, nicht verbrannt.
Daher erleuchte mich, Du unverlöschliche Lampe, Du
der allein die Menschen liebt !


Dies vernahm die unbefleckte Jungfrau,
von Unruhe erfasst trat sie näher,
der Greis aber sprach zu ihr:
Alle Propheten haben deinen Sohn verkündet,
den du ohne Zeugung gebarst.
Dich meinte der Prophet,
als er ihnen jubelnd das Wunder verkündete,
dass du die verschlossene Pforte bist, o Gottesgebärerin:
Durch dich trat ja der Herr ein und wieder heraus;
und weder geöffnet noch auch nur bewegt wurde deiner Keuschheit Pforte,
welche Er allein durchschritt und heil bewahrte, Er,
der allein die Menschen liebt !


Von Christus bestärkt,
verkünde ich dir,
dass hieraus ein Zeichen des Widerspruches entstehen wird.
Dies Zeichen aber wird das Kreuz sein,
welches die Gesetzesfeinde Christus errichten werden.
Den Gekreuzigten werden die einen als Gott verkünden,
die anderen wiederum als Menschen,
indem diese die Glaubenssätze der Gottlosigkeit,
jene aber die der Gottesfurcht vorbringen.
Für himmlisch halten die einen seinen Leib,
die anderen für Trug;
Fleisch habe Er unbeseelt von dir angenommen, sagen sie,
die anderen: beseelt – Er,
der allein die Menschen liebt !


Solche Widersprüche wird das Geheimnis hervorrufen,
dass selbst deinem Verstande Zweifel kommen werden.
Und wenn du dann deinen Sohn ans Kreuz genagelt siehst, Makellose,
wirst selbst du, obgleich der Worte eingedenk, die der Engel sprach,
plötzlich an der göttlichen Empfängnis und den unsagbaren Wundern zweifeln.
Wie ein Schwert wird dich der Widerstreit des Leides treffen;
doch danach wird er als schnelle Heilung deinem Herzen
und seinen Jüngern den unbesiegbaren Frieden aussenden, Er,
der allein die Menschen liebt !


Johannes Koder:
" Mit der Seele Augen sah er deines Lichtes Zeichen "
Romanos der Melode
Hymnen des orthodoxen Kirchenjahres
(Wien 1996)
hier aus St.Andreas Bote

 

Stichirion
Quelle
aus dem Vespergottesdienst der Nachfeier am 3.Februar


Der Alte der Tage (Dan 7,9),
der das Gesetz einst auf dem Sinai dem Mose übergab,
wird heute als Kind geschaut
.



Nach dem Gesetz,
obwohl des Gesetzes Schöpfer,
erfüllt er das Gesetz.
Er wird in den Tempel getragen
und dem Greis übergeben
.




Ihn empfängt Simeon, der Gerechte;
und da er der Anordnungen Erfüllung gekommen sieht,
ruft er voller Freude:
Geschaut haben meine Augen das seit Ewigkeit verborgene Geheimnis,
welches am Ende dieser Tage offenbar wurde,
das Licht, das der ungläubigen Völker Dunkelheit erhellt,
und den Ruhm des neuerwählten Israel.
Deshalb entlasse Deinen Diener
aus den Fesseln dieses leiblichen Daseins
in das junge und wunderbar unvergängliche Leben,
da Du der Welt das grosse Erbarmen gewährst
.



Stichirion aus dem Vespergottesdienst zur Nachfeier
3. Februar, Anthologion I, 1586
Lothar Heiser:
QUELLEN der FREUDE, Die Hochfeste der orthodoxen Christen  

(Verlag Fluhegg 2002)
CH-6442 Gersau

ISBN 3-909103-19-7

1. Sonntag der VOR-Fastenzeit vom ZÖLLNER und PHARISÄER
2. Sonntag der VOR-Fastenzeit vom VERLORENEN SOHN
3. Sonntag der VOR-Fastenzeit FLEISCHENTSAGUNG !   vom GERICHT
4. Sonntag der VOR-Fastenzeit BUTTERENTSAGUNG !   vom VERLUST des PARADIESES   VERGEBUNGSSONNTAG



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ÖSTERLICHE  ZEIT

König aller Tage, Fest der Feste, über allen Tagen stehend und sie ordnend ist das Pas´cha, das Ostern der Auferstehung des Herrn. Dahin führt diese Zeit in den 40 Tagen der Grossen Fasten und dadurch strahlt diese Zeit im Jubel der 50 Tage bis Pfingsten.

[1] Wenn man eine Reise antritt, informiert man sich, wohin es geht. Und die Fastenzeit kann mit einer Reise verglichen werden. Eine Reise mit dem Ostern der Auferstehung als Ziel. Sie ist die Vorbereitung auf die Erfüllung des Pas´cha, der wirklichen Offenbarung.
Wir sollten also zu Beginn diese Verbindung zwischen der Fastenzeit und Ostern zu verstehen suchen; denn sie offenbart etwas für unseren Glauben und unser christliches Leben sehr Wesentliches und Entscheidendes. ...
Die wirkliche Offenbarung des Osterfestes der Auferstehung bringt uns das Neue Leben. In der Feier der Osternacht, die heller ist als der Tag, können wir singen: Heute ist alles mit Licht erfüllt, Himmel und Erde und die Totenwelt. Wir feiern den Tod des Todes, die Zerstörung des Hades (der trostlosen atheistischen Todesvorstellung) den Beginn des neuen und ewig währenden Lebens.
Diese Neue Leben wurde uns Christen am Tage unserer Taufe geschenkt, wie der heilige Apostel Paulus sagt, wir sind mit Christus ... in seinem Tode begraben worden, damit wir auch, so wie Christus von den Toten auferstanden ist, in einem Neuen Leben wandeln können (Röm 6:4)
...
Doch machen wir nicht die tagtägliche Erfahrung, dass dieser Glaube wohl kaum der unsere ist, dass wir immer wieder dieses neue Leben verlieren und verraten; - dass wir in Wirklichkeit so dahinleben, als wäre Christus nicht von den Toten auferstanden und als hätte dieses einzigartige Ereignis nicht die geringste Bedeutung für uns ?
Die alles, wegen unserer Schwäche, wegen unseres Unvermögens, ständig ein Leben in Glauben, Hoffnung und Liebe auf der Ebene zu führen, auf die uns Christus gehoben hat, als er sprach: "Suchet zunächst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit"
Wir vergessen es einfach - wir sind ja so beschäftigt und so in unsere Alltagsgeschäftigkeit verwickelt - und weil wir vergessen, versagen wir.
Und durch diese Vergessen, diese Versagen und diese Sünde wird unser Leben immer wieder alt - nichtssagend, verdunkelt, letztendlich bedeutungslos - es wird zu einer Reise bar jeden Sinnes, zu einem Ziel ohne Bedeutung. Wir unternehmen alles, um selbst den Tod zu vergessen, und dann tritt er doch ganz plötzlich mitten in unser ach so von Freuden erfülltes Leben: erschreckend, unentrinnbar, absurd. Wir mögen wohl von Zeit zu Zeit unsere vielfältigen Sünden erkennen und bekennen, wir unterlassen es aber, unser Leben auf das Neue Leben, das Christus uns geoffenbart und gegeben hat, außurichten. ...

Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir ermessen, was die Wirklichkeit von Ostern umfasst und warum sie die Fastenzeit erfordert und voraussetzt. Wir werden verstehen, dass die liturgischen Traditionen der Kirche, all ihre Festkreise und Dienste vor allem geschaffen wurden, um uns zu helfen, die Erfahrung und den Genuss dieses Neuen Lebens, das wir so leicht und immer wieder verlieren und verraten, wiederzürlangen. ...
...
Indes ist das alte Leben, das Leben der Sünde und der Unwesentlichkeit, nicht leicht zu besiegen und umzugestalten. Das Evangelium erwartet und fordert von dem Menschen eine Anstrengung, zu der er in seinem augenblicklichen Zustand seinem Wesen nach nicht fähig ist. Wir sehen uns von einer Vorstellung, von einem Ziel, einer Lebensweise herausgefordert, die gänzlich über unseren Möglichkeiten liegt !
Selbst die Apostel fragten ihren Meister entmutigt, als sie Seine Unterweisungen hörten: "Wie ist das möglich ?"
Es ist tatsächlich nicht einfach, eine kleinliche Lebensvorstellung, die sich auf den alltäglichen Sorgen, dem Streben nach materiellen Gütern, nach Sicherheit und Lustbarkeiten gründet, zugunsten einer Lebensvorstellung aufzugeben, deren ausschliessliches Ziel die Vollkommenheit ist: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." Diese Welt hingegen verkündet in all ihren "Medien": "Seid glücklich, macht es euch leicht, wählt den beQuemen Weg". Christus sagt jedoch im Evangelium: "Wählt den schmalen Pfad, kämpft und ertragt eure Leiden, denn das ist der Weg zu dem einzig wahren Glück"
Wie können wir ohne die Hilfe der Kirche diese erschreckende Entscheidung treffen ?
Wie können wir bereuen und umkehren zu dem ruhmreichen Versprechen, das uns jedes Jahr zu Ostern gegeben wird ?

An dieser Stelle erreicht uns die Fastenzeit. Sie ist die Hilfe, die uns die Kirche als Schule der Buße anbietet, die als einzige uns in die Lage versetzt, Ostern anzunehmen - nicht als bloße Erlaubnis zum Essen, Trinken und zum Nachlassen in unseren Bemühungen, sondern wahrlich als das Ende dessen, was in uns "alt" ist, sowie als unseren Eintritt in das "Neue".

In der Urkirche bestand das Hauptziel der Fastenzeit in der Vorbereitung der Katechumenen (der neu zum Christentum Übergetretenen) auf die Taufe, die in jener Zeit während der Osterliturgie vollzogen wurde. Indessen als die Kirche nicht mehr nur Erwachsene taufte und die Einrichtung des Katechumenats wegfiel, blieb der grundlegende Sinn der Fastenzeit derselbe. Denn, obgleich wir getauft sind, ist das, was wir ständig verlieren und verraten, genau das was wir in der Taufe empfangen haben.
Deshalb ist Ostern unsere jährliche Rückkehr zu unserer eigenen Taufe, während die Fastenzeit unsere Vorbereitung auf diese Rückkehr ist, das langwährende und ausdaürnde Bemühen, um schliesslich unseren eigenen "Hinübergang" oder "Pas´cha" in das Neue Leben in Christus zu vollziehen. Und wenn, wie wir sehen werden, die Gottesdienste in der Fastenzeit noch heute ihre glaubensunterweisenden und auf die Taufe vorbereitenden Charakter haben, so stellt das für uns nicht etwa ein "archäologisches" Überbleibsel aus der Vergangenheit, sondern etwas Gültiges und Wesentliches dar. Denn jedes Jahr lassen uns die Fastenzeit und das Ostern der Auferstehung einmal mehr das wiederentdecken und wiedergewinnen, zu dem wir durch den in unserer eigenen Taufe vollzogenen Tod und die durch sie bewirkte Auferstehung geworden sind.

Wie beginnen eine Reise, eine Pilgerfahrt !
Und wenn wir sie antreten, wenn wir diesen ersten Schritt in diese "glanzausstrahlende Reue" der Fastenzeit tun, sehen wir - in weiter, weiter Ferne - den Zielpunkt.
Es ist die Freude vor dem Fest des Osterns der Auferstehung, der Einzug in die Herrlichkeit des Reiches des Herrn.
Es ist dieses geistliche Schaün, dieses Vor-Kosten des Festes der Auferstehung, welches die reuevolle Traurigkeit der Fasten in helles Licht hüllt und unser Fastenmühen zu einem "geistlichen Frühling" werden lässt. Die Nacht kann finster und lang sein, aber während des gesamten Weges scheint eine nicht erklärbare und strahlende Dämmerung den Horizont zu erhellen.
" Schenke uns die Früchte des Fastens und die Fülle unserer Erwartungen, Du Menschenliebender ! "

Der Umkehr öffne die Pforten,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

 


[1] Erzpriester ALEXANDER Schmeman (einer der wirksamsten orthodoxen Theologen aus der russischen Tradition des 20.Jahrhunderts und vertraut mit der geistlichen Krise des Westens, wirkte er kurz in Paris und dann in den USA, wo er 1983 als hochgeehrter Professor des Akademischen Orthodoxen Instituts des Heiligen Wladimir starb):
THE LENTEN SPRING (DER FRÜHLING DES FASTENS) St.Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
in deutscher Sprache:
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.






zur österlichen  

F
ASTENZEIT

"Fastenregeln" / FASTEN / Kanon der Umkehr unseres Vaters unter den Heiligen ANDREAS von KRETA



Vorbereitende Sonntage:

Sonntag vom ZACHÄUS 
  30.1. 2022
Sonntag von der KANAANÄERIN   6.2. 2022

 

Sonntag vom ZACHÄUS

Apostel: 1 Tim 4: 9-15

Evangelium: Lk 19: 1-10


Heute hören wir die erste Ankündigung, empfangen die erste Einladung das Oster-Mysterium für uns heilbringend mitzuerleben:
Wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.
Deshalb müssen wir danach brennen den Gottessohn, den erneuerten perfekten Menschen des Paradieses erkennen zu lernen.
Dazu muss der Durst und der Hunger nach dem Absoluten in uns steigen, und durch Ihn die wahrhaftige Erkenntnis in uns selbst
.



Das brennende Verlangen
(zum Sonntag des Zachäus)

Lange vor dem eigentlichen Beginn der Fastenzeit kündigt die Kirche ihr Nahen an und lädt uns ein, in die Periode einer der Fastenzeit vorhergehenden Vorbereitung einzutreten. Es ist ein charakteristischer Zug der Orthodoxen liturgischen Tradition, dass jedes Hochfest oder jeder liturgische Zeitabschnitt - Ostern, Weihnachten, Fastenzeit etc. - angekündigt und im voraus »vorbereitet« wird. Warum? Weil die Kirche ein tiefes psychologisches Gespür für die menschliche Natur hat. Da sie unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit und den erschreckenden Hang zur »Weltlichkeit« unseres Lebens kennt, weiß sie um unsere Unfähigkeit zu einem raschen Wandel, zu einem unvermittelten Hinüberwechseln von einem geistlichen oder geistigen Zustand in einen anderen. Deshalb lenkt die Kirche bereits lange vor dem Beginn des der Fastenzeit eigenen Bemühens unsere Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Bedeutung dieser Zeit und lädt uns ein, deren Sinn betrachtend zu bedenken. Vor dem praktischen Vollzug der Fastenzeit wird uns deren Bedeutung gegeben.


Diese Vorbereitung umfasst fünf aufeinander folgende Sonntage, die der Fastenzeit vorangehen, und von denen jeder - durch sein eigenes Evangelium - einem grundsätzlichen Gesichtspunkt der Reue gewidmet ist.


Der aller erste Hinweis auf die Fastenzeit erfolgt an dem Sonntag, an dem das Evangelium über Zachäus (Lk 19,1-10) gelesen wird. Es ist der Bericht über einen Menschen, der zu klein ist, um Jesus sehen zu können, der aber so sehr von dem Wunsch beseelt ist, ihn zu sehen, dass er auf einen Baum steigt. Wegen seines brennenden Verlangens wendet Christus sich ihm zu und kehrt bei ihm ein. So ist das Thema dieser ersten Ankündigung das brennende Verlangen. Der Mensch folgt seinem brennenden Verlangen. Man kann sogar sagen, dass der Mensch Verlangen ist, und diese grundlegende psychologische Wahrheit über die menschliche Natur wird durch das Evangelium bestätigt: »Da, wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein« (Mt 6,21; Lk 12,34), sagt Christus. Ein heißes Verlangen überwindet die natürlichen Grenzen des Menschen; wenn er leidenschaftlich etwas wünscht, kann er Leistungen vollbringen, zu denen er »normalerweise« nicht fähig ist. Obwohl »klein« von Gestalt, wächst er über sich hinaus und übertrifft sich selbst. Die einzige Frage ist also, ob es die wahren Güter sind, die wir begehren, und ob die Stärke unseres Verlangens auf das wahre Ziel ausgerichtet ist oder ob, um die Formulierung des atheistischen Existentialisten Jean-Paul Sartre zu gebrauchen, der Mensch eine »unnütze Leidenschaft« ist.


Zachäus wünschte »eine gerechte Sache«, er wollte Christus sehen und näher an ihn herankommen. Es ist das erste Symbol des Sich-Bekehrens, denn das Sich-Bekehren beginnt mit der Wiederentdeckung der tiefgründigen Natur allen Verlangens: das Verlangen nach Gott und Seiner Gerechtigkeit, das Verlangen nach dem wahren Leben. Zachäus ist »klein«, - unscheinbar, ein Sünder, ein Mensch mit begrenzten Möglichkeiten - aber trotzdem wächst sein Verlangen über all dies hinaus. Er »erzwingt« die Aufmerksamkeit von Christus, er nimmt Christus mit zu sich nach Hause.

Das ist also die erste Ankündigung, die erste Einladung: wir müssen begehren, was das Tiefste und Wahrhaftigste in uns selbst ist, den Durst und den Hunger nach dem Absoluten in uns wiedererkennen, das, ob wir es nun kennen oder nicht, uns mit einer wahrlich »unnützen Leidenschaft« behaftet sein ließe, wenn wir uns von ihm abwenden und unsere Wünsche anderswohin lenken würden. Und wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.


aus: Schmemann, Alexander
, GREAT LENT
. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.







Sonntag von der KANAANÄERIN
Apostel: 2 Kor. 6: 16 - 7: 1

Evangelium: Mt 15: 21-28

Zur Vorbereitung auf die kommenden Fasten zeigt uns die Kirche nach dem Beispiel von Zachäus am vorigen Sonntag an diesem Sonntag den starken Glauben der Kanaanäerin.

Viele Menschen kommen auf der Suche nach Linderung und Befreiung von ihren Leiden zu Christus. Der Fall der kanaanäischen Frau ist aber doch besonders für uns als Vorbild geeignet. Eine Frau, die als Heidin gilt, weil sie nicht den Glauben des Volkes Israels bekennt, wie viele unter uns,die auch nicht in Allem dem Glauben der Kirche folgen- zeigt doch unerschütterlichen Glauben an den Gottessohn.
Das Evangelium empfiehlt uns  eine Glaubenserfahrung als Zugehörigkeit zur Person des Gottessohns. Trotz der offensichtlichen Hindernisse, die Christus ihr in den Weg stellt, besteht sie weiterhin darauf, daß Er ihr helfen wird.


Dies ist der Weg, den das Evangelium jedem von uns aufzeigt. Der Glaube dieser Frau hat nichts mit Routine oder der Mittelmäßigkeit unseres „Alltagsglaubens“ zu tun.
Es ist ein lebendiger Glaube, der bettelt. Es ist ein energischer Glaube, der von Jesus Christus selbst geprüft wurde. Es ist ein Glaube an Christus, der wirklich bewegt. Es ist ein Glaube, der mit seinen kulturellen und religiösen Traditionen bricht.
Der Glaube der Kanaanäerin hat nichts mit einem schwachen, legalistischen Glauben zu tun.
Der Glaube bringt immer Früchte hervor. Aber die Früchte entstehen, wenn es eine wahre Umkehr gibt. Um nicht mehr auf uns selbst zu schauen, sondern auf Gott.


Dasselbe gilt für uns in unserem Gebet, vor der Gegenwart Christi in Seiner Auferstehung  müssen wir so viele Dinge ändern, die uns von Ihm wegführen.

Dazu brauchen wir die Kraft uneingeschränkter Demut. Ungeahnte Kraft zur Umkehr in der Fastenzeit können auch wir durch diesen demütigen Glauben bekommen.

Lassen wir uns weder von unseren Sünden noch von unserem Elend entmutigen. Schauen wir niemals zurück, das ist es, was der Fürst der Lüge will.

Orientieren wir uns am Beispiel der Heiligen. Die Heiligen sind Menschen, die an die Liebe des Vaters geglaubt, sich vor Christus erniedrigt und ihre Schwächen erkannt haben. Die Heiligen sind Menschen wie wir.

Bitten wir Christus, uns in den kommenden Wochen den GLAUBEN und die DEMUT der kanaanäischen Frau zu schenken.



 


 

VOR - FASTENZEIT

"Der UMKEHR Türen öffne mir ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"

 

 

SONNTAGE der VOR-FASTENZEIT

1. Sonntag vom ZÖLLNER und PHARISÄER   13.2. 2022

2. Sonntag vom VERLORENEN SOHN   20.2. 2022

3. Sonntag FLEISCHENTSAGUNG !   vom GERICHT
   27.2. 2022

4. Sonntag BUTTERENTSAGUNG !   vom VERLUST des PARADIESES   VERGEBUNGSSONNTAG
   6.3. 2022

- abends:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen 
FASTEN

 

 

Vor - Fastenzeit

Warum werden die vorösterlichen "Grosse Fasten" durch die vierwöchige Vorbereitungszeit eingeleitet ?
Weil die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Erfahrung ein tiefes psychologisches Mitgefühl mit der menschlichen Natur entwickelt hat. Sie kennt unseren Hang uns von den Oberflächlichkeiten unserer Umwelt einnehmen zu lassen und unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit auf die geistlichen Güter. Ein rascher Wandel unserer Alltäglichkeit, ein unvermitteltes Hinüberwechseln in eine noch nie auch nur erspürte Praxis birgt die Gefahr uns zu überfordern. Wir dürfen nicht Wunder fordern, sondern wir bereiten uns auf immer wieder neue Anstrengungen vor. Wir müssen uns darauf vorbereiten, nach jedem Fall niemals die Anstrengungen des Aufstehens zu scheuen, wieder an die Türen der Umkehr zu klopfen und uns wieder auf den Weg zu machen.


Lasst uns jährlich die Gelegenheit nutzen, uns auf das Ziel und die Bedingungen wahrhaft christlichen Fastens zu besinnen und uns allmählich für das kommende Fasten bereit zu machen. Charakteristisch für unsere heilsame orthodoxe Tradition des Christentums ist dabei die pastorale Heranführung an die einzelnen Phasen des Heilswerkes unseres Gottes für uns Menschen. Vor dem Apell zum praktischen Vollzug der Fasten wird uns deren Bedeutung in mehreren Bildern anschaulich gemacht. So hat jede Zeit des Kirchenjahres - ohne unvermittelte Einschnitte und Brüche - in ihrer Weise Anteil am Ganzen, am alle Zeiten einschliessenden Heilsmysterium Christi. Zugleich wird dadurch aber auch deutlich, dass die Gläubigen sich nicht nur an einzelnen Festzeiten einseitig und nach Belieben bedienen sollen, wie an einem Selbstbedienungs-Buffet, sondern in allen Zeiten des Kirchenjahres in demütiger Offenheit und aktiver Teilnahme am Gebet der Kirche eine weitere Stärkung in ihrem Lebensweg als Christen mitbekommen.


Die Haltung demütiger Offenheit aber muss immer wieder neu mutig errungen werden.
Dieser Mut und die Bereitschaft das Ringen auch durch Entbehrungen durchzuhalten ist besonders für die Zeit der Grossen 40-tägigen Fasten notwendig. Das aktive, bewusste Fasten ist ein deutliches Bekenntnis zur Möglichkeit der Überwindung der "animalischen Naturgesetze" und ein Zeichen der Bereitschaft zu wahrer Menschlichkeit im Ebenbilde Gottes.
Wenn wir dies Bedenken, dann wird uns das Fasten nicht als unliebsame Einengung erscheinen. Wir werden erkennen das Fasten nichts mit Trübsinn zu tun hat, sondern mit Freude die Gelegenheit zur Erneuerung des Lebens ergreifen.

Deshalb wollen wir das Fasten nicht nur als äusserliche Übung der "Gesetzestreue" sehen, sondern als Gelegenheit uns dem Heil der Vergöttlichung zu nähern:

Beginnend mit der Bitte, dass sich auch für uns die "TÜREN der UMKEHR" öffnen mögen !

Die 4 Sonntage der Wochen der Vorbereitung der Vor-Fastenzeit führen uns durch ihre Evangelien an diese "Türen der Umkehr" heran.
Diese Zeit soll genutzt werden, um uns zu Besinnen, uns zu überlegen und wenn möglich mit dem Beichtvater abzusprechen in welcher Weise wir am Fasten der Kirche in unseren konkreten Lebensumständen teilhaben können. Realistischerweise wird uns nämlich ausser in Klöstern die genaue Einhaltung aller Fastenregeln der Kanones (kat´akrib ei an) nicht so ohneweiteres möglich sein. Gleichzeitig wird ein am Sinn und nicht nur am Buchstaben orientiertes Fasten auch weitgehenden Verzicht auf die Genussmittel, Süssigkeiten, Fernsehen und andere "Suchtmittel" unserer Zeit bedeuten. Dies vor allem, um frei zu werden, die "Lebensqualität" eines inneren geistlichen Lebens für uns neu zu entdecken und zu intensivieren.
Die Vorfastenzeit bietet Gelegenheit zur konkreten Planung dieser Umkehr. Aus praktischer Erfahrung ist es auch empfehlenswert die Umsetzung der Pläne "austesten", um für die 40 Tage nur Vorsätze zu fassen, die wir dann auch weitgehend umsetzen können.

Wichtig ist es aber auch, sich auch gleich darauf vorzubereiten, dass wir nach jedem Fall auch wieder bereit sind aufzustehen - und das "Rennen" fortzusetzen. Nicht umsonst werden wir auch an die 40 Jahre erinnert, in denen das Volk des Herrn auf dem Weg durch die Wüste die neu gewonnene Freiheit erprobte:

Befreit aus der auch bequem gewordenen Gefangenschaft "an den Fleischtöpfen Ägyptens", gerettet von äusseren Feinden nach der DurchQuerung des Roten Meeres und immer wieder im Glauben gestärkt auf dem Weg in das Land der Verheissung wie wir in unseren Anstrengungen auf dem Weg zur Vergöttlichung. Aber trotz der neu empfangenen Richtschnur der 10 Gebote, von Gott genährt durch das Manna vom Himmel und mehrmals gerettet durch die Wunder des Wassers des Lebens:

Nahe an Gott aber auch in dieser Situation immer wieder zurückgefallen in gefährliche Sünden
- aber auch immer wieder durch Gottes Gnade und menschliche Anstrengung wieder versöhnt mit dem Schöpfer des Lebens.
ER will uns nie vernichtend strafen, sondern wie es uns Christus während Seiner 40 Tage in der Wüste gezeigt hat, immer wieder für uns und unsere Erlösung mit dem Satan, dem Versucher, ringen. Wir können darüber umso mehr Freude empfinden, je öfter wir nach unseren Sündenfällen wieder aufstehen und den Kampf wieder aufnehmen.
"Nur vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und nur ihm allein dienen" (Lk 4,8) erinnert uns der Apostel an dieses Privileg der "Synergie", der Einladung Gottes an uns, unsere begrenzten Kräfte mit Seiner Allmacht zu verbinden.


Bereiten wir uns auf die freudebringenden Anstrengungen dieses Kampfes vor, um dann nach der "Vollendung der 40 Tage" auch mit wenigstens teilweise verdienter Freude die Früchte der Auferstehung ernten zu dürfen !


"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation durch grossen Chor ~~~
www.musicarussica.com - RealAudio


Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !



~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
aus: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"



 

Sonntag vom Zöllner und Pharisäer

Apostel: 2 Tim 3: 10-15
Evangelium: Lk 18: 10-14

Die Apostellesung erinnert uns, an heilsamen Traditionen festzuhalten.
Das Evangelium macht aber sofort deutlich, dass damit nicht ein gesetzlicher Konservatismus gerechtfertigt werden soll:

Der Pharisäer, der getreu alle überkommenen Vorschriften einhält, und sich dessen vor Gott rühmt, wird beschämt durch den ausserhalb des Gesetzes stehenden Zöllner, der in Demut seine Unwürdigkeit bekennt.
Am ersten Vorfastensonntag werden wir auf die erste Voraussetzung dafür hingewiesen, dass die kommende Fastenzeit für uns heilsam wird:
DEMUT

Lasset uns fliehen
die hochmütige Prahlerei des Pharisäers
und lernen
das demütige Seufzen des Zöllners !
Zu unserem Erlöser lasset uns rufen:
Vergib uns,
Allerbarmer !


Vor uns liegt ein Ausstieg, ein Aufstieg ins Heiligtum, in das Innerste des heilbringenden Mysteriums Christi, hin zur kostbaren Herzmitte auch unserer Existenz, deren eigentlichen Sinn dieses Mysteriums birgt.

Wir nahen uns dem Ostermysterium entweder als "Zöllner" oder als "Pharisäer":
- als solche, die kommen zur wahren Verwirklichung dessen, wozu wir berufen sind
- oder als solche, die in den "Naturgesetzen" ihrer Umgebung verfangen sind - und so das eigentliche Ziel ihres Lebens verfehlen.


Der offenbarende Gott zeigt uns welche Grundhaltungen -Seiner erlösenden Liebe gegenüber- für uns heilsam oder nutzlos sind:


Der Pharisäer steht für den Selbstgerechten, den Menschen, der sich selbst verwirklichen will, dank all seiner Leistungen und seiner Selbstsicherheit, der auf seinen Individualismus stolz ist:
"Er betet bei sich selbst: ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen"


Der Zöllner zeigt uns dagegen, die allein fruchtbare, die Haltung, für die das Heil nahe ist:
Er "steht von Ferne und wagt es nicht, seine Augen gen Himmel zu erheben". Er weiss um die Distanz zur erhabenen, ganz anderen Wirklichkeit des über alles erhabenen, allerhöchsten Gottes über jeden Gott, DEN, zu dem sich der selbstgerechte Mensch selber machen wollte. Er weiss um seine Schulden, die Sünden und "klopft an s e i n e Brust", nicht an die Brust der anderen um andere für deren Vergehen zu tadeln. Er weiss, das sein Schöpfer auch sein ihn liebender Erlöser ist, der ihm sogar an seiner göttlichen Natur Anteil geben will. Der sich selbst richtig einschätzende Zöllner (= der Sünder par excellence), e r b i t t e t das Erbarmen Dessen, Der die Liebe ist:
"Gott, gewähre mir Deine Gnade !"

“Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Predigt zum Sonntag des Zöllners und Pharisäers von P. Konstantinos, München
* Quellenhinweis *

„Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk 18,10-14)

Die heutige Evangeliumsperikope zeigt uns zwei Arten von Gläubigen; zwei charakteristische Typen von Menschen, die in die Kirche kommen. Der erste kommt, um sich zu zeigen, um anzugeben, um sein angeblich so heiliges Leben vorzustellen, um die Bewunderung der anderen zu erregen, um Gott, seiner Ansicht nach, zu verpflichten für seine Taten, für seine Tugenden, die der Bewunderung und des Lohnes würdig sind.

Welch ein Irrtum, welch ein Trug, welch ein Frevel! Ein Frevel vor Gott und den Menschen. Denn Gott nimmt solche Gebete nicht an, und die Menschen verabscheuen diese Art, ja ekeln sich vor ihr. Bei meinen Hausbesuchen höre ich viele Klagen und Kritik an vielen von uns, die wir zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber zu Hause, in der Arbeit, im Umgang mit anderen ganz anders sind, als wie wir uns hier im Umfeld der Kirche zeigen möchten. Wir sind leicht erregbar, ungerecht, sprunghaft und haben tausend andere Fehler, die unseren Charakter verraten. Wir kommen in die Kirche mit großen und auffallenden Kreuzen, mit großen und vielen Kerzen, aber wir verbergen in uns den Pharisäer, der uns so treffend im Hl. Evangelium beschrieben wird.

Ich möchte nicht länger bei der Charakterisierung und Beschreibung dieser Art von Menschen verbleiben. Ich möchte, dass wir uns etwas mehr Gedanken machen über eine andere Art, nämlich über jenen, den der Pharisäer verachtet, auf den er mit dem Finger zeigt und über den er schlecht redet
.

Wer ist es? Es ist ein sündiger Zöllner. Früher mussten die Bauern den Zehnten zahlen, d.h. ein Steuereinnehmer, kein Beamter des Staates, hatte sich vom Staat das Recht gekauft, die Steuern von den Bauern einheben zu dürfen. Dieser Steuereinnehmer oder seine Leute hatten die Möglichkeit Missbrauch zu üben, zu stehlen, die Bauern auszubeuten. Und sie haben den Unwissenden und Hilflosen das Gesetz vorgehalten, um damit ihre Gesetzwidrigkeiten zu verschleiern. In der Zeit Christi hatte die römische Herrschaft für diese Arbeit die Zöllner, die in der Regel stahlen und ihre Landsleute rücksichtslos und schamlos betrogen. Deshalb hatte niemand Achtung vor ihnen. Deshalb betont der Pharisäer der heutigen Evangeliumsperikope: „Gott, ich danke Dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin ... oder auch wie dieser Zöllner dort.“ Der Zöllner wiederum kannte seine Schuld. Er wagte es nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben. In einem abgelegenen Teil des Tempels klopfte er sich, niedergebeugt und voller Reue, an die Brust und flüsterte immer wieder: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Es waren dies seine einzigen Worte, aber sie kamen tief aus seinem Herzen. Worte der Reue und Buße, die zeigten, dass in dieser Brust seine Seele litt und eine geistige Geburt, eine seelische Wiedergeburt möglich wird. In diesem Kampf in seiner Brust stürzte der Zöllner den Sünder in sich vom Sockel seiner Geldgier und legte den Grundstein für ein neues Leben. Das ist das Werk der Buße. Als der Zöllner zu bereuen begann, erfuhr er die erste Frucht dieser Tugend: die Demut.

Man sagt, dass die Demut die Tugend der Alten und der Weisen sei. Aber auch der Zöllner zeigte sich demütig. Ganz hinten im Tempel klopfte er sich an die Brust und sagte: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Seht seine große Demut, ganz spontan kamen ihm diese Worte über seine Lippen. Und diese Worte waren nicht von der satten Arroganz der dürren Worte des Pharisäers.

Die aufrichtige Reue des Zöllners führte ihn zur Demut, welche „die beste der Tugenden ist“, wie uns der hl. Augustinus sagt, und diese führt uns weiter zum Gebet, das eine „Kraftreserve“ ist, wie es ein anderer Denker ausdrückte. Die Tradition überliefert uns, dass König David, als er seine übergroße Sünde bereute, bitterlich weinte, wie es der 50. Psalm beschreibt, den wir in vielen Andachten unserer Kirche lesen. Aus den Tränen Davids wuchsen aus der Erde zwei Bäume: eine Weide, die auf immer trauert und eine Zeder, deren Harz sich in Weihrauch verwandelt.

Tatsächlich Quellen aus der aufrichtigen Reue zwei Tugenden: die Demut, die der Weide gleicht, die ihre Zweige nach unten neigt und das Gebet, das wie Weihrauch zum himmlischen Altar Gottes aufsteigt.

Das ist die Dreiheit der Tugenden - Reue und Buße, Demut, Gebet -, die uns heute das Triodion der Zerknirschung in Erinnerung bringt. Das Triodion, das heute beginnt, ist die Zeit, die uns auffordert, uns auf diese Tugenden zu besinnen. Jeder Sonntag des Triodions erinnert uns an eine andere Tugend. Die Kette unserer Tugenden verbindet uns mit dem gütigen Gott.


Selig werden sein,
die in der heutigen Zeit der Gleichgültigkeit im Glauben, ja seiner Ablehnung,
es zustande bringen,
sich durch dieses Band mit Jenem zu verbinden,
der den Zerknirschten und Demütigen im Geiste nahe ist
.

Amin.

Übersetzung aus dem Griechischen: G. Wolf


 

Sonntag vom Verlorenen Sohn
https://youtu.be/Ur39cbcr_pk

Apostel: 1 Kor 6: 12-20
Evangelium: Lk 15: 11-32



Vater Alexander Schmeman: " Rückkehr aus dem Exil "

Die Apostellesung dieses Herrentages stellt die christliche Freiheit heraus und steckt damit die Grenzen des Fastengebots ab:
"Alles ist mit erlaubt, aber ich soll mich von nichts beherrschen lassen"
Damit ist das Fasten jeder fremden Beurteilung von aussen entnommen. Es kann daher nach orthodoxem Verständnis auch nicht zum öffentlichen Gesetz werden, zumal es, wie der Herr anweist (Mt 6: 16-18) im Verborgenen geschehen soll.
Das Evangelium stellt dann den eigentlichen Sinn der Fastenzeit heraus: Der Aufbruch zur Umkehr zum Vater, der den Verlorenen Sohn mit Freuden aufnimmt und reich beschenkt. Es ist wohl kein Zufall, dass an diesem Herrentag erstmals im Nächtlichen Psalmengebet (Ps 136) angestimmt wird
.


Deine väterliche Herrlichkeit
habe ich ohne Verstand verlassen.
übel verschwendet habe ich den Reichtum
den Du mir gegeben hast.
So rufe ich Dir die Worte des Verlorenen Sohnes zu:
"Ich habe gesündigt gegen Dich,
barmherziger Vater.
Nimm mich auf,
der ich umkehre,
und lass mich bei Dir sein
wie einen Deiner Taglöhner !"

Der selbstherrliche, auf seine vermeintliche Autonomie allzu stolze Mensch ist -von seinem Ursprung her- Sohn des himmlischen Vaters.
Alles, was er hat, das hat er von Gott.


Er zieht in ein gottfernes Land, liefert sich einer gottfernen Gesellschaft aus.
Er nimmt so viel er kann aus seiner Mitgift, dem Eigentum Gottes.
Er verschwendet es hemmungslos an Idole, die ihm kurzfristig faszinierend erscheinen.
Als es seine Mitgift verbraucht hatte, im Genuss des Materiellen, Innerweltlichen, tritt die Hungersnot ein. Nichts vermag ihn zu sättigen im Anblick des Absterbens seiner Lebendigkeit, niemand, keine Parole kann ihn mehr begeistern.
Keines seiner Idole kommt ihm zu Hilfe: "Ich sterbe hungers !"

Aber er hat noch die Kraft seine Niederlage einzugestehen:
"Wie viele Tagelöhner im Hause meines Vaters haben Überfluss an Brot. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen".

Es ihm gleich zu tun, dazu fordert uns die Kirche auf, jetzt in der Zeit des Aufbruchs in die Grossen Fasten vor der Auferstehung.


"Ich will mich aufmachen", ich will aufstehen, damit Überblick gewinnen, Gewohntes verlassen
und mich auf den Weg machen, den die Fastenzeit mir öffnet, hin zum Vaterhaus.

Das ist das Ziel: zu Gott, zu unserem Vater zu gelangen.
Er macht mich frei.
Er nährt mein innerstes Leben.
Er will mir in der Wohnung Seiner Herrlichkeit Geborgenheit auf ewig bieten
.

"Ich will dem Vater sagen: ich habe gesündigt wider den Himmel und vor Dir; ich bin nicht wert, Dein Sohn zu heissen". Die Not der Sünde, der Gottesferne, ist die tiefste Not. Wo sie am grössten ist, ist sie am gefährlichsten, besonders wenn jeder Hilfeschrei betäubt und ihre Symptome verdrängt werden. Sünde ist immer gegen alles gerichtet, was sich über den irdischen Niederungen, den menschlichen Gemeinheiten, wölbt. Die Sünde widersetzt sich der Güte Gottes. Sie ist immer Lüge gegen die Wahrheit des göttliche Lebens in uns.
Wer könnte sagen, er wäre ohne Sünde: "Weil kein Mensch lebt ohne zu sündigen" (1 Könige 8: 46) ?


Die Fastenzeit schafft uns eine gute Gelegenheit, unsere Sünden vor Gott, unserem Vater zu bekennen: im Mysterium der Busse (der Beichte und Umkehr).
Es tut uns gut, wenn wir noch sagen können: "Ich habe mich versündigt an der Liebe zu Gott und den Nächsten" !


"Als er (wir) noch weit entfernt war(en), sah ihn (uns) der Vater -und war von Mitleid gerührt, er lief ihm (uns) entgegen, fiel ihm (uns) um den Hals und küsste ihn (uns). Die Liebe des Vaters kommt uns stets in Christus entgegen, wenn der Sünder aufrichtig seinen hilfsbedürftigen Zustand mit Glauben und kindlicher Hoffnung und Vaterliebe ausbreitet. Sein Mitleid teilt unser Leid und unseren Tod. Der Sünder öffnet die Herzwunde Christi, Gottes, aus der das Wasser des Mysteriums der Taufe (die Väter nennen das Mysterium der Busse "eine zweite Taufe") und das Blut der Eucharistie (des Mysteriums vom allerreinsten Leib und Blut des Herrn) fliesst.
Gott umarmt uns als Seine Kinder.
Gott schützt uns mit Seiner Kleidung (in der Taufe haben wir "Christus angezogen"), der besten Kleidung, der Kleidung der Kindschaft Gottes -wenn wir uns blossgestellt fühlen, wie einst Adam.
Gott setzt uns ein, in Sein Erbe, das unverwesliche Erbe der Unsterblichkeit.
Und trotz all dieser Gaben will er unsere Freiheit: Er gibt uns den Siegelring der Freien.
Die Kirchenväter deuten es noch tiefer:
Die Schuhe weisen auf die Befähigung auf dem Weg (Christi) fortzuschreiten, das Siegel auf das Siegel des Heiligen Geistes.
Unser Vater bereitet uns das Freudenmahl -das Ostermahl, -die Göttliche Liturgie.
Auch wenn wir dem zweiten Sohne gleichen, der tief in seinen Alltag verstrickt ist, und glaubt durch äusserliche "Anständigkeit" immer im Sinne des Vaters gehandelt zu haben, und so zum Knecht seiner Selbstgerechtigkeit geworden ist, und wenn wir, wie er, nicht hineingehen wollen, um uns für das Freudenfest bereit zu machen, so sucht uns doch der Vater heim:
"Da kam sein Vater heraus, und redete ihm zu"

Hören auch wir auf Gott, unseren Vater wenn er uns durch die Tradition der Kirche jetzt in der Vorfastenzeit auf das österliche Freudenfest vorbereitet !


Ja, wir wollen nicht mehr fern der Freude der Gemeinschaft mit Gott, fern dem wahren, von Ihm geschaffenen Leben des Paradieses, leben.
Ja, ich werde die Fesseln der Torheit lösen, die mir von Ihm geschenkten Reichtuemer nicht mehr mehr mit Sündern verschwenden, sondern mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren.

An den Flüssen von Babylon saßen wir ...
gedenkend der Stadt des Herrn ...
Wie könnten wir dem Herr ein Lied singen
in einem fremden Land ?
Sollte ich dich vergessen, o Stadt meines Gottes,
so verdorrt meine rechte Hand
so klebt meine Zunge am Gaumen
wenn ich Deiner vergesse,
wenn ich nicht Gottes Stadt über alle meine Freuden stelle ...

"An den Flüssen von Babylon ..." 
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza

 

 

Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)

aus: Schmemann, Alexander, GREAT LENT. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.


Rückkehr aus dem Exil
zum Sonntag vom Verlorenen Sohn

An diesem Sonntag der Vorbereitung auf die Fastenzeit hören wir das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32).
Zusammen mit den Hymnen dieses Tages erschließt uns dieses Gleichnis die Zeit der Reue als die Rückkehr des Menschen aus dem Exil.

Der verlorene Sohn, so hören wir, bricht auf in ein fernes Land und verschwendet dort alles, was er besitzt.
Ein fernes Land...Das ist die einzig zutreffende Bezeichnung für unsere Bedingtheit als Mensch, die wir annehmen und zu der unseren machen müssen, wenn wir unseren Weg zu Gott hin beginnen.

Ein Mensch, der niemals diese Erfahrung gemacht hat, und sei es auch nur für kurze Zeit, dass er in der Gottesfeme lebt und von dem wahren Leben abgeschnitten ist, wird niemals verstehen, was es mit dem Christentum auf sich hat.
Und jemand, der vollständig in dieser Welt und in dem Leben dieser Welt »zuhause« ist, der nie von dem sehnsuchtsvollen Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit schmerzlich getroffen wurde, der wird nie verstehen, was bereuende Umkehr ist.

Oft wird die bereuende Umkehr einfach mit einer nüchternen und »sachlichen« Aufzählung von Sünden und Übertretungen, einem »Schuldbekenntnis« bei einer gerichtlichen Anklage, gleichgesetzt. Geständnis und Absolution werden als juristische Akte betrachtet.

Man übersieht jedoch etwas sehr Wesentliches, ohne das weder das Schuldbekenntnis noch die Absolution eine wirkliche Bedeutung oder Wirksamkeit erlangen können. Dieses »Etwas« ist ganz genau das Empfinden des Verbanntseins von Gott, weit verbannt von der Freude der Gemeinschaft mit ihm und fern dem wahren Leben zu sein, das durch Gott geschaffen und geschenkt wird. Es ist in der Tat leicht zu bekennen, dass ich an den vorgeschriebenen Tagen nicht gefastet habe, dass ich meine Gebete vergessen habe oder jähzornig gewesen bin. Eine ganz andere Sache ist es jedoch, wenn ich mir unvermittelt eingestehen muss, dass ich Schande auf mich geladen und meine geistliche Schönheit verloren habe, dass ich mich sehr weit von meinem eigentlichen Zuhause, von meinem wahren Leben entfernt habe, und dass ich in dem innersten Gewebe meiner Existenz etwas Kostbares, Schönes und Reines in nicht wiedergutzumachender Weise zerstört habe. Indessen bedeutet dies, und nur dies, die bereuende Umkehr, und deshalb entsteht auch ein tiefgreifendes Verlangen, umzukehren, zurückzugehen und jenes verlorene »Heim« wiederzufinden.

Von Gott habe ich wunderbare Reichtümer erhalten:
zunächst das Leben und die Möglichkeit, mich dessen zu erfreuen,
ihm einen Sinn geben zu können,
es mit Liebe und Erkenntnis ausfüllen zu können;
dann – in der Taufe –
das neue Leben in Christus selbst,
die Gabe des Heiligen Geistes,
den Frieden und die Freude auf das ewige Königreich.
Ich habe die Erkenntnis Gottes erhalten,
und in ihm die Erkenntnismöglichkeit einer jeden Sache,
und die Kraft, Kind Gottes zu sein.


Und dies alles habe ich verloren;
dies alles verliere ich ständig, nicht nur in den besonderen »Sünden« und »Übertretungen«, sondern durch die Sünde aller Sünden, indem ich meine Liebe von Gott abwende und das »ferne Land« der Schönheit des Hauses des Vaters vorziehe.
Aber die Kirche ist da, um mich daran zu erinnern, was ich aufgegeben und verloren habe.
Und während sie mir dies ins Gedächtnis zurückruft, erinnere ich mich; so wie es das Kontakion dieses Tages ausdrückt:
»Fern von der Herrlichkeit des Vaters bin ich in meiner Torheit Fesseln umhergeirrt
und habe mit den Sündern die Reichtümer, die du mir anvertraut hattest, verschwendet.
So rufe ich mit dem verlorenen Sohn zu dir:
Barmherziger Vater, ich habe gegen dich gesündigt.
Nimm mich reuigen Sünder wieder auf und nimm mich an wie einen deiner Tagelöhner ... !« Und während ich mich erinnere, spüre ich in mir das Verlangen und die Kraft zurückzukehren:
»... Ich werde mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren
und werde zu ihm unter Tränen sagen:
Nimm mich auf wie einen deiner Diener! «

In diesem Sinne singen wir heute den sehnsuchtsvollen Psalm 136:

An den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten, Sions gedenkend...
Wie könnten wir dem Herrn ein Lied singen, in einem fremden Land?
Sollte ich dich, o Jerusalem, vergessen, soll meine Rechte verdorren!
Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner vergesse,
wenn ich nicht Jerusalem über alle meine Freuden stelle ...


Das ist der Psalm des Exils. Die Juden sangen ihn während der babylonischen Gefangenschaft, im Andenken an ihre heilige Stadt Jerusalem. Er wurde seit jeher das Lied desjenigen, der sich seines Verbanntseins in der Gottesfeme bewusst und hierdurch zu einem neuen Menschen wurde: zu jemandem, den nichts von dieser gefallenen Welt zufrieden stellen kann, da er seiner Natur und Berufung nach ein Pilger des Allerhöchsten ist. Dieser Psalm wird noch zweimal, an den beiden letzten Sonntagen vor der Fastenzeit gesungen. Und somit offenbart sich die Fastenzeit als Pilgerfahrt und Bereuen, als UMKEHR.

Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)

aus: Schmemann, Alexander, GREAT LENT. Journey to Pascha, St. Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.
 


"An den Flüssen von Babylon ..." 

~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza


 

Sonntag der beginnenden FLEISCHENTHALTUNG

Sonntag vom Gericht

Apostel: 1 Kor 8:8 - 9:2
Evangelium: Mt 25: 31 - 46

Dieser Herrentag wird nach dem Evangelium "vom Gericht" oder nach der Tradition der Kirche "Herrentag der Fleischenthaltung" (= APOKREO = MESOPUSTNA = Carne val) genannt. Mit dem Abendgottesdienst an diesem Sonntag beginnen die Gläubigen sich in Fleischenthaltung zu üben.
In der folgenden Woche wird der Körper noch einmal mit Milch, Butter und Käse gelabt, bevor danach am Abend des nächsten Sonntags die Grossen 40-tägigen Fasten vor der österlichen Festzeit beginnen.

Orthodoxe Mönche und Monialinnen verzichten auf Dauer auf die Ernährung durch Fleisch. Während der Fasten enthalten sich auch die Laien. Der Verzicht auf Fleisch soll als ein Zeichen der Hoffnung auf das Himmelreich verstanden werden. Im ewigen Friedensreich Gottes werden sich Seine Geschöpfe nicht mehr fressen und gefressen werden(Jes 11: 6-9).
Unser Fasten nimmt dieses Friedensreich im Glauben vorweg.

Die Apostellesung betont wieder einmal die wahrhaft christliche Freiheit gegenüber allen religiösen Speisevorschriften:

Brüder, Speise wird uns nicht vor Gott bestehen machen;
weder fehlt uns etwas, wenn wir nicht essen,
noch gewinnen wir etwas, wenn wir essen"
(1 Kor 8:8 )

Die Grenze dieser Freiheit ist jedoch das Gewissen unseres Nächsten, wenn er sich zu etwas verführen lässt, das ihm schadet.

Das Evangelium stellt uns das Gleichnis vom Jüngsten Gericht vor Augen. Mit der Symbolik vom Hirten, der am Abend des Tages die Schafe von den Ziegenböcken sondert, werden wir auf das Kriterium dieser für alle Ewigkeit wichtigen Entscheidung aufmerksam gemacht:
Erwählten wie Verworfenen,wird nach ihrem Tun Heil oder Unheil zuteil:
Aber sie erkennen erst jetzt, dass nicht die Befolgung irgendwelcher hochgesteckten abstrakten Prinzipien sondern die Art ihres Verhaltens gegenüber dem Schwächeren Mitmenschen entscheidet !


Vor dem ewigen Gericht werden jene in das Reich Gottes eingehen, die ihre Liebe konkret an ihren Mitmenschen bewiesen haben:

an den Armen, den Gefangenen und den Kranken. Unsere bewiesene Liebe oder unsere erwiesene Lieblosigkeit entscheidet !

Sünde ist Trennung und Isolierung von Gott, da Gott der Absolut Liebende ist. Und so wie Gottes Liebe zu uns konkreten unwürdigen menschlichen Individuen sind wir zu konkreter Liebe zu jeder menschlichen Person aufgerufen, der uns Gott in unserem Leben begegnen läßt.

Die christliche Liebe ermöglicht uns in jedem Menschen, der uns begegnet Christus zu sehen. Jeden Menschen, den Gott in Seinem unerforschlichen und ewigen Plan in mein Leben geführt hat, und sei es auch nur für einige Augenblicke, hat Er zu mir geführt um mir Gelegenheit zu geben an Seiner Liebe zu allen Geschöpfen teilzuhaben. Denn ist Seine Liebe nicht jene alle Äußerlichkeiten, alle Andersartigkeit, alle Herkunft und Intellektualität übersteigende Kraft die zur jeweils einzigartigen personalen Wurzel seines menschlichen Seins vorstößt, das wir getrost makellos und absolut sehen dürfen: seine ihm vom Schöpfer eingehauchte Seele, die wahrhaft göttliche Seite jedes Mitmenschen. Die christliche Liebe ist tätige Bekräftigung dieses Glaubens. Und diese Liebe ist so wie Gottes Liebe immer konkret. Wir sind damit nicht aufgerufen, allgemein und abstrakt die "Menschheit" allgemein und nicht in Form irgendwelcher Pläne für die Zukunft, die konkret gegen einzelne Personen und in einer konkreten "Etappe" "über Leichen geht", zu lieben, sondern immer die konkrete Person, die HIER und JETZT vor uns steht !

Wir wissen, dass alle Menschen dieser personalen Liebe bedürfen - dem Erkennen ihrer einzigartigen Seele in ihnen, in der sich die Schönheit der ganzen Schöpfung in einzigartiger Weise widerspiegelt.
Und so haben auch wir diese Liebe nötig:
Jetzt - und am Tage unseres Gerichtes !
Wir können das ewige Heil nicht erlangen, ohne die verzeihende Liebe dessen, der uns durch den Hauch Seiner Liebe das Leben gegeben hat und Der uns dann daran messen wird,
ob wir diese Liebe erhalten und weitergegeben haben.


Die Hymnen des heutigen Tages halten fest, dass wir, an diesem Massstab gemessen, alle schuldig geworden sind vor Gott; wir können Sein Erbarmen nicht verdienen, sondern nur erbitten. Vorbereitet durch die vergangenen Herrentage sollen wir aber nicht ängstlich abseits stehen, sondern dürfen wir darauf hoffen, dass Gott, unser Vater, uns mit Macht, Weisheit und Güte zu unserem Heil helfen will !

Wenn Du, o Gott, kommen wirst
auf Erden in Herrlichkeit
wird das All erzittern
und von Deinem Richterstuhl ein Feuerstrom ausgehen,
die Bücher werden geöffnet und das Verborgene wird offenbar.
Dann errette mich aus dem nie erlöschenden Feuer
und würdige mich,
zu Deiner Rechten zu stehen,
gerechtester Richter !



Kommet, lasset uns dem Herrn frohlocken,
jauchzen dem Fels unseres Heils !


Lasset uns vor Sein Angesicht treten
mit unserem Bekenntnis !
Mit Psalmen lasset uns Ihm zujubeln !

 

"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~

Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
frühmorgens strebt zu Deinem heiligen Tempel mein Geist,
er trägt den ganz befleckten Tempel meines Leibes¸
doch als der Gütige reinige ihn
durch Dein wohlwollendes Erbarmen.

...

Auf die Pfade des Heils leite mich, Gottesgebärerin,
denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt

und mein ganzes Leben im Leichtsinn vergeudet;
doch du rette mich durch deine Fürbitten von jeder Unreinheit.

...

Die Menge der von mir begangenen Missetaten bedenkend,

erschaudere ich Armseliger vor dem furchtbaren Gerichtstag;
aber hoffend auf  Deine Güte, rufe ich wie David zu Dir:
Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen.

 

Sünde, UMKEHR, Reue und Vergebung in der Hl.Schrift
und die Bedeutung für uns.

Aus dem 2.Vortrag von Vater FJODOR Hölldobler, Herbstseminar 1998
Bischofsheim a.d.Rhön

* Quellenhinweis *

Als pastorale Grundlage zu unserem Thema aus der Hl. Schrift ist zunächst das Gebet zu beachten, das der Priester zu Beginn der Beichte liest:
Hier wird der "büssende David" genannt, "der sich von seinen Verfehlungen bekehrt hat".


Das bezieht sich auf 2 Samuel 11: 14 - 27, wo David den Hethiter Uris bei der Eroberung der ammonitischen Stadt Rabba umkommen lässt, um in den Besitz seiner Frau Batseba zu gelangen, die er dann auch heiratet und die ein Kind von ihm bekommt. In 2 Sam 12: 1 - 14 wird geschildert, wie eines Tages der Prophet Natan zu ihm kommt. Er kleidet sein Anliegen zunächst in eine Geschichte von einem Reichen und einem Armen: Der Reiche hatte viele Schafe und Rinder, der Arme hatte nur ein einziges Schaf, das er sehr liebte. Da bekam der reiche Mann Besuch. Er nahm dem Armen das Schaf weg, schlachtete es und setzte es seinem Gast vor.

Während Natan erzählt, wird David immer zorniger und ruft: "Der Mann soll sterben, der das getan hat." Aber er muss sich sagen lassen, dass -er- dieser Mann ist: "Gott sagt dir: Ich habe dir alles gegeben, Sauls Tochter, seine Frauen und seine Herrschaft. Du hättest noch mehr bekommen können. Warum musstest du Uris umbringen und seine Frau heiraten ?" Natan ging, nachdem David seine Schuld eingesehen hatte, aber als Strafe sollte das Kind sterben. An diese Stelle gehört nun der immer wieder neu ergreifende Psalm 50. David wurde krank vor Kummer. Am selben Tag ist gemeldet worden, dass sein Sohn krank ist. Er betet und fastet, aber am siebenten Tage stirbt das Kind.

David war ohne Zweifel der modernste Staatsmann im Vorderen Orient seiner Zeit. Er war kein orientalischer Despot, sondern hing persönlich an der Überlieferung seines Volkes, die aus der Wüstenzeit herkam. Er war Landsknecht, Künstler, Gottsucher, Prophet und Fürst zugleich. In David verstand sich Israel aufs neue von Gott erwählt und geführt. Aber in David hatte alles Menschliche Raum, im Guten wie im Bösen, wie diese Geschichte zeigt. Die Busse, zu der David fähig war, zeigt seine Grösse als religiöser Mensch, als Prophet und Künder des Bussgedankens.

Sodann wird Manasse genannt, dessen Bussgebet der Herr "angenommen" hat. In 2 Chr 32: 21 - 33: 12 lesen wir, wie Jerusalem von den Assyrern belagert wird. Hiskia bleibt Gott treu, indem er dem Propheten Jesaja vertraut. Die Assyrer müssen abziehen, nachdem offensichtlich eine Seuche im Lager ausgebrochen ist. Solange Hiskia lebt, wagen die Assyrer keinen einzigen neuen Angriff auf Jerusalem. Nach seinem Tode wird sein Sohn Manasse zum König gekrönt, da versuchen die Baalsanhänger, ihn zur Abkehr von Gott zu bewegen. Manasse hört auf ihren Rat und führt den Götzendienst in Juda wieder ein. Er stellt sogar im Tempel Gottes ein Götzenbild auf. Die Assyrer besiegen Manasse und nehmen ihn gefangen. In Fesseln wird Manasse durch die Strassen von Jerusalem geführt. In Babylon wird er ins Gefängnis geworfen. Im assyrischen Kerker überdenkt Manasse, wie die Assyrer zur Regierungszeit seines Vaters Jerusalem nicht einnehmen konnten, weil er Gott diente, und dass er selbst von Gott abgefallen war. Er bereut seine Sünden und bittet Gott um Vergebung. Eines Tages wird er vor den König von Assyrien gebracht, der ihn nach Hause schickt, um Juda zu regieren.

Im Neuen Testament genannt wird "die Sünderin", der "die Schuld" von Jesus Christus vergeben wurde.
Gemeint ist die Frau, die ins Haus kam, als er Gast im Hause des Pharisäers Simon war, Lk 7: 37. Die Erzählung vom Mahl beim Pharisäer Simon wird von Lukas allein überliefert, ist jedoch mit jener von Mt 26: 7 -13 verwandt, wo eine Frau im Hause Simons des Aussätzigen in Betanien Jesu Füsse salbt. Dort ärgert sich manch einer unter den Jüngern Jesu wegen der "Verschwendung", hier hingegen der Pharisäer, weil die Frau eine Dirne ist, die mit Jesus in Kontakt kommt. Diese Begebenheit ist Anlass für eine bemerkenswerte Lehre des Evangeliums (7:47): Wer für viele Sünden Verzeihung erlangt hat, wird viel Liebe zeigen.


Sodann wird der "bitterlich weinende Petrus" zitiert, dem der Herr die "Verleugnung nachgesehen" hat. Die ergreifende Szene aus der Passion ist ja doch sehr bekannt.

Wenn wir nun die genannten Schriftstellen vergleichen, so sehen wir, dass die genannten Sünden eine gemeinsame Wurzel haben.
Das ist einfach die GOTTVERGESSENHEIT.

David, der es herrlich verstand zu singen: "Mein Hirt ist Gott der Herr", dieser David dringt in die Herde ein wie ein Wolf und vergisst den Hirten.
Manasse erliegt den Einflüsterungen seiner Ratgeber, die ihm versprechen, dass er so reich und mächtig würde wie die Assyrer, wenn er Götterbilder aufstellen lässt so wie sie, und vergisst seinen Gott. Wer seinen Leib der Hurerei hingibt, der vergisst, dass dieser ein Tempel Gottes ist ( 1 Kor 3: 16 ). "Hütet euch vor der Unzucht ! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt ausserhalb des Leibes.
Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt ?" ( 1 Kor 6: 17 )
Als Petrus sagt: "Ich kenne diesen Menschen nicht !" hat er Ihn in diesem Augenblick tatsächlich nicht mehr gekannt. Er hat alles vergessen aus der existentiellen Bedrohung heraus.

So sind auch wir als Sünder meist nicht grundsätzlich gegen die Gebote Gottes eingestellt. Wir wollen meist auch seine göttliche Autorität nicht anfechten wie Lucifer, aber in der Stunde der Versuchung vergessen wir einfach, was vorher war, wie gut der Herr zu uns war. Die dunkle Nacht der Sünde hält uns gefangen.

Deshalb verwendet die Orthodoxie soviel Kraft auf die Heiligung der Sinne, auf die Vergöttlichung der sinnlichen Sphäre, um dem Menschen die Verführbarkeit durch die entsprechenden Anreize zu nehmen.

Die Heilige Schrift ist voll von Beispielen der Gottvergessenheit:
Adam und Eva "vergessen" Gottes Gebot / Kain vergisst seinen brüderlichen Auftrag / Noahs Zeitgenossen vergessen ihren Schöpfer / die Turmbauer zu Babylon vergessen Gottes Allmacht / Jakobs Brüder vergessen, dass Gott erwählt / die Israeliten vergessen Seine Führung und beten das goldene Kalb an / zwei Söhne des Aaron vergessen ihren priesterlichen Dienst und meinen "Feuer ist Feuer" / das Volk vergisst seinen Ernährer und wünscht sich zurück an die ägyptischen Fleischtöpfe / Aaron und Miriam vergessen, dass sie sich nicht mit Moses vergleichen können und dass Er -ihm- das Volk anvertraut hat / Korah und andere Gemeindevorsteher vergessen, dass Moses der von Gott erwählte Führer ist und bestreiten seine Autorität, mit dem Argument, die ganze Gemeinde sei heilig. / Vor der Schlangenplage vergessen die Leute Gottes Wohltaten und lästern gegen das Manna / im Gelobten Land vergessen sie wieder Gott und beten fremde Götter an, die Kanaaniter können sie besiegen.
Die Gottvergessenheit durchzieht die ganze Geschichte des Gottesvolkes.
Kaum ging es allen gut und sie lebten in Frieden vergassen sie Gott und kehrten erst durch die Umstände belehrt zurück.


Für uns ist es auch sehr wichtig, die Zeichen zu erkennen, mit denen Gott unsere Umkehr fordert, der Mensch kann durch allerhand Warnzeichen erkennen, dass er sich von Gott entfernt hat und kann durch Busse der drohenden Strafe entgehen. Er wird umkehren und Aufnahme finden wie der Verlorene Sohn.

Die Rückkehr ins Vaterhaus geschieht durch das Busssakrament. Joh 20: 19 - 23 berichtet seine Einsetzung.

Das Gebet des Priesters bei, bzw. vor der Beichte zitiert Mt 18: 22,
wo der Herr auf die Frage des Petrus hin sagt, dass die Sünden siebenundsiebzigmal vergeben werden sollen.
Der Neue Bund hat uns Gottes verzeihende Liebe nahegebracht und der Priester, der die Macht hat, zu binden und zu lösen,
wird sich in verantwortungsvoller Weise darauf einstellen .


 


 

"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"

 

Sonntag vom VERLUST des PARADIESES
VERGEBUNGSSONNTAG !

BUTTERENTSAGUNG !

- am Abend des Sonntags:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen FASTEN



"Über die Vergebung" von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Apostel: Rm 13:11 - 14:4
Evangelium: Mt 6: 14 - 21


Das Evangelium dieses Sonntags, an dessen Abend die Grossen Fasten beginnen, erinnert uns daran, dass wir Vergebung vom Herrn erst erwarten können, wenn wir nicht selbst bereit sind, unseren Mitmenschen zu vergeben, was sie uns an Verletzung zugefügt haben - und sie unsererseits um Vergebung zu bitten für das, was wir bewusst oder unbewusst an ihnen gefehlt haben.
Darum findet an diesem Sonntagabend nach der Vesper in die Handlung des Gegenseitigen Vergebens statt, wie sie am Schluss des Apodipnons in Klöstern täglich geübt wird. In manchen Kirchen wird dieser Ritus aus praktischen Gründen unmittelbar nach der Liturgie ausgeführt. In den Häusern ist die Vergebung als Abschluss der Karnevals- und Butterwoche mit einem Fest vor allem für die Kinder verbunden, dabei werden zum letzten Mal die Milch- und Butterspeisen genossen.
Die folgende Woche ist ganz dem intensiven Fasten gewidmet. Es beginnt die fortlaufende Lesung aus dem Buch Genesis, die im Sündenfall und dessen Folgen mündet. Mit dem Verlust des uns von Gott bereiteten Paradieses durch unsere selbstzerstörerischen Abwege beginnt auch die Sehnsucht nach dem Ende der widernatürlichen Sünden und dem neuen Paradies. Die dafür erforderliche Bereitschaft zur Umkehr wird in der kommenden Woche durch das Gebet des heilsamen Busskanons des Hl.Andreas von Kreta gefördert. Wir fühlen mit, dass wir mit unseren Sünden nicht allein sind, aber werden auch dazu ermutigt, uns den Figuren des Bibel anzuschliessen, die den Mut fanden, Gott um Vergebung zu bitten, und Ihm damit wieder nahe zu kommen.
Trotz -und vielleicht wegen- all unserer negativen Erfahrungen ruft uns die Apostellesung zu:

" Jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht "

(Rm 13:11 ff)


Für die Fastenzeit wird uns mitgegeben:

" Wer isst, soll den nicht verachten, der nicht isst;
und wer nicht isst, soll den nicht richten, der isst;
denn Gott hat ihn angenommen.
Wer bist du denn, dass du einen fremden Knecht richtest ?
Seinem eigenen Herrn steht oder fällt er - aber er wird stehen; denn der Herr hat die Macht, ihn aufrecht zu erhalten "

(Rm 14: 3-4)


Und so erbitten wir in allem für den bevorstehenden Weg der Umkehr in den Grossen 40-tägigen Fasten vom Herrn selbst Führung, Stärkung und Weisheit:

Führer auf dem Weg der Weisheit,
Urgrund des Verstandes,
Lenker der Unverständigen
und Beschützer der Armen,
festige, unterweise mein Herz, Gebieter.
Gib mir das Wort, Du Wort des Vaters !
Denn, siehe, nicht lassen ab
meine Lippen zu Dir zu schreien:
Barmherziger,
erbarme Dich meiner,
des Gefallenen !
(Kondakion)

 

 

Über die Vergebung
zum Sonntag der Vergebung
von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Zunächst: Verzeihen bedeutet nicht Vergessen; beides ist sogar im Grunde unvereinbar miteinander.
Wenn mir jemand ein Unrecht zugefügt hat, das ich vergebe und vergesse, dann sind wir beide in Gefahr, dass das gleiche sich wiederholt, denn einerseits entsteht und vergeht diese Verzeihung auf der Stelle: sie ist nichts Beständiges und auf die Zukunft hin Ausgerichtetes.
Etwas Vergangenes ist an eine Grenze gelangt, die es nicht überschreitet;
die Zukunft ist ohne Erfahrung aus der Vergangenheit.

Andererseits, wenn ich vergesse, vergesse ich zweierlei: wohl vergesse ich das Unrecht, das mir angetan wurde, gleichzeitig aber auch den Grund, aus dem es mir zugefügt wurde, und ich kann den Betreffenden niemals vor der Versuchung bewahren, in die gleiche Situation zurückzuverfallen.

Man muss sich erinnern, dass dieser Mitmensch, sobald er in jene bestimmte Lage versetzt wird, diese bestimmte Schwierigkeit hat; folglich darf man ihn nicht wieder in dieselbe Lage bringen; man muss die zurückbleibende Schwäche erkennen.
Darum ist es so wichtig, sich zu erinnern, denn das ist die einzige Möglichkeit das Verzeihen fortzusetzen. „Ich habe dir deine ungeduldige Handlung verziehen, aber ich habe dadurch entdeckt, dass diese bestimmte äußerung, jene Geste, diese besondere Situation sie hervorrufen können.“
Es gilt, den andern vor diesen Situationen zu bewahren, solange, bis man ihm geholfen hat die notwendige Kraft zu gewinnen, die Spannung zu überwinden. Andernfalls stoßen wir unsere Mitmenschen ständig neu in Situationen hinein, wo sie unfehlbar auf die gleiche Weise reagieren werden, wie sie das Problem hervorrief
.

Außerdem ist das Verzeihen eine besondere Weise, einen anderen Menschen anzunehmen.
Das beginnt in dem Augenblick in dem man sagt: „Ich nehme dich an, so wie du bist. So wie du bist trage ich dich, wie man ein Kind über eine schwierige Stelle hinwegträgt oder wie man ein Kreuz trägt, aber ich weise dich nicht zurück. Zu sagen, dass ich dich annehme, so wie du bist, heißt keineswegs, dass du bist wie du sein solltest.

Nur wenn man einen Menschen so annimmt, wie er ist, kann man ihm helfen sich zu ändern.
Aber man darf nicht zuerst fordern, er müsse sich ändern, um ihm zu versprechen, hernach werde man ihn lieben.
Im Russischen sagt man: „Liebe mich schwarz ! Wenn ich erst weiß bin, werden alle mich lieben.“
Es gibt nur Probleme wo der Mensch sie schafft. Ein Mensch aber, der Probleme schafft, muss so sehr geliebt werden, dass er im Vertrauen den Glauben an sich selber wiederfinden kann, die Selbstachtung und jene schöpferische Hoffnung, die ihm ermöglichen wird, sich zu ändern
.

Folglich übernimmt man mit dem Verzeihen die Verantwortung für einen Menschen, so wie er ist, mit der Hoffnung auf die Zukunft, jedoch ohne Bedingungen zu stellen!
Man verzeiht nicht unter Bedingungen. Es geht nicht an, einem Menschen „mit Bewährungsfrist“ zu verzeihen. Das zeigt sich sehr deutlich im Gleichnis vom Verlorenen Sohn.
Der Vater fordert nichts; ihm genügt es, den Sohn wiedergekehrt zu sehen, um zu wissen, dass er die Umkehr vollzogen hat, dass er verändert zurückqekehrt ist. Verändert bedeutet ganz und gar nicht vollkommen. Er mag sich verändert haben und dennoch für eine lange Zeit für die Familie schwer erträglich geworden sein. Dem Vater genügt es, dass sein Sohn wiedergekehrt ist; was noch zu tun bleibt, kann man gemeinsam überwinden
.

Das Verzeihen enthält vielerlei Elemente.
Zuerst muss einer kommen und um Verzeihung bitten oder doch wenigstens einen Schritt in diese Richtung tun;
es ist nicht schwer, zu verzeihen, wenn man glaubt, im Recht zu sein;
es ist auch nicht schwer, einen Schritt entgegen zu kommen, wenn man im Recht ist oder sich im Recht wähnt.
Darum muss derjenige, der im Recht zu sein glaubt, den ersten Schritt tun. Eine Gebärde, ein unmerklicher Hinweis, dass eine Aussöhnung erwünscht wäre, muss genügen, diesen Schritt zwingend zu machen.
Dann aber muss ein solcher Versuch zur Versöhnung bedingungslos angenommen werden, denn ein Mensch kann sich nur ändern im Maße der Hoffnung, die wir in ihn setzen, im Maße der Liebe, die wir ihm zu geben vermögen und im Maß unseres Glaubens an ihn
 .

In einer Gemeinschaft stellt sich das Problem anders.
Die Tatsache, dass ein Mensch Mitglied einer Gemeinschaft ist, kann ein Problem bedeuten, nicht nur für einen Einzelnen, sondern für eine ganze Gemeinschaft. Dann muss die Gemeinschaft zu der zugleich kranken und heilenden Gemeinschaft der Kirche werden: krank, weil jeder von uns ein Sünder ist und wir alle eine zutiefst beschädigte Gemeinschaft sind; dennoch aber auch eine Gemeinschaft, die fähig ist Gesundheit zu vermitteln, zu heilen, das ewige Leben mitzuteilen. 
Denn keine christliche Gemeinschaft besteht nur aus ihren sichtbaren Gliedern: Christus ist in ihrer Mitte, der Heilige Geist ist ihr gegeben, und ob es die Kirche in ihrer Gesamtheit oder eine kleine Kirchengemeinde ist – in der Gemeinschaft sind Gott und Mensch gänzlich für einander gegenwärtig, und wir können in Gott die Kraft finden, die wir als Menschen nicht besitzen.

Unrecht nicht völlig zu vergessen ermöglicht eine Erfahrung, die wie wenig andere den Weg zur Demut freilegt.
Die Erfahrung, geliebt zu werden in vollem Bewusstsein dessen wie wir sind
– nicht trotzdem, oder weil man nicht wüsste, wie wir sind – ist ein sehr herrliches Geschenk, das Anlass zu Dankbarkeit und Demut wird und das aus unserem Leben ein demütiges Voranschreiten im Gebet macht.
Doch muss die Verzeihung auch angenommen werden.
Oft meinen Menschen, keine Verzeihung annehmen zu können, weil sie sich selber nicht verzeihen können. Selber können wir uns nicht verzeihen, aber wir müssen von einem anderen Menschen die Verzeihung annehmen können, – mag vorgefallen sein was will – dass er uns zugetan bleibt; was eine wahrhaft unverdiente Gnade ist. Und das ist schwer.
Viele Menschen vermögen auch in der Absolution Gottes Verzeihung nicht anzunehmen und können nicht absolviert werden. Gott hat verziehen – aber sie haben die Absolution trotzdem nicht erhalten.

Es ist auch schwer, die Verzeihung unverdient anzunehmen.

Es kann demütigend sein. Aber wenn wir besser verstehen lernen, wenn wir zu geben lernen, lernen wir auch zu empfangen. Einer, der sich selbst nicht verzeihen lassen kann, vermag auch selbst niemals zu vergeben. Einer, der nicht annehmen kann, geliebt zu werden, anerkannt zu werden, Hingabe zu empfangen, kann auch seinerseits nicht lieben, anerkennen, Hingabe aufbringen, denn derlei geschieht wechselseitig. Unverdient zu empfangen lernt man in staunender Freude, Demut und Dankbarkeit, mit der wir eine unverdiente Gabe beantworten. Und haben wir das erst entdeckt, können auch wir zu schenken beginnen ohne uns darum dem Empfangenden gegenüber überlegen zu fühlen.

Natürlich ist unser Verzeihen nicht Gottes Verzeihen.
Doch müssten wir lange warten, bis wir so zu verzeihen vermöchten. Aber wir können damit beginnen zu lernen, uns gegenseitig in all unserer Begrenztheit anzunehmen. Es ist schwer, um Verzeihung zu bitten, es ist auch nicht leicht, zu verzeihen, doch Verzeihung zu verweigern ist ebenfalls schwer
.

Am Sonntag vor der Großen Fastenzeit, nach dem Verzeihungsgottesdienst, der ein Gottesdienst der Buße und der Hoffnung ist, sollen alle Glieder einer Gemeinschaft einander um Verzeihung bitten.

Jahrelang habe ich die Leute ermuntert, einander zu vergeben;
dann habe ich beobachtet, wie sie mit Wärme und Enthusiasmus Leute um Verzeihung baten, die sie niemals beleidigt hatten;
aber sie bewiesen sehr viel mehr Zurückhaltung bei anderen, von denen sie selber Verzeihung zu erhoffen hatten;
und schließlich sah ich sie denen den Rücken kehren, die keinerlei Bedürfnis hatten ihnen zu verzeihen, weil sie sich ihnen gegenüber tatsächlich allzu rüde verhalten hatten.
– Da habe ich zunächst verlangt, dass niemand Verzeihung von jemand erbitten sollte, den er nicht darum bitten wollte,
– weil er noch zu keinem Frieden mit ihm gefunden hatte.
Dann sollten sie sagen: „ich bitte Sie nicht um Verzeihung, weil meine Einstellung sich noch nicht geändert hat. Wenn Sie mir verzeihen ändert das nichts; ich verabscheue Sie und habe die Absicht, Sie auch weiterhin zu verabscheuen.“
Und von denen, deren Verzeihung man erbat, die sie nicht gewähren konnten dass sie antworten sollten:
„Ich bin sehr bekümmert, aber mein Herz ist noch zu schwer, ich bin noch zu bitter, ich kann Ihnen noch nicht verzeihen.“

Dann aber wurden beide Parteien aufgefordert, sich in der Beichte vor Gott hinzustellen und ihm zu sagen:
„Herr, ich erwarte von Dir jetzt Vergebung. Selber Vergebung zu gewähren, verweigere ich. Ich erwarte einen Schritt auf mich zu, lehne es aber selbst ab diesen Schritt zu tun .....“ Jemandem zu sagen, „Ich lehne es ab, zu verzeihen,“ wirkt so erschütternd, dass die Menschen zu denken beginnen. Gesagt zu bekommen, „ich kann dir nicht mit Überzeugung vergeben“ ist ebenfalls erschütternd
.

Wenn in einer Gemeinschaft der Mut aufgebracht wird, wenigstens so aufrichtig zu sein, dass man es fertig bringt, zu sagen: „Ich bin nicht imstande dir zu verzeihen;
das heißt nicht, dass du so schlimm bist, dass ich dir nicht verzeihen könnte, sondern, dass ich so schlimm bin, es nicht fertig zu bringen, dir zu verzeihen“, dann wird derjenige, der nicht verzeiht, Gegenstand der Sorge und der Fürbitte der Gemeinschaft, mehr als der andere, dem die Verzeihung verweigert wird – solange, bis er Verzeihung erbitten kann.

Wenn uns ein Mensch begegnet, so ist das niemals ein zufälliges Zusammentreffen.
Dieser Mensch muss in unserer Gegenwart, unserm Blick, der Art, wie wir ihn behandeln, der Art, wie wir auf der Straße an ihm vorübergehen, eine Gottesgegenwart, lebendiges Gebet spüren.

Jemand kommt, stets ist er mir ein Gesandter des Herrn: ob er mit einer Botschaft kommt oder mit ausgestreckter Hand – wir sind aufgerufen, eine Liebestat zu tun, eine Tat christlicher Liebe.

Jeder Umstand, dem wir im Leben begegnen, ist gottgewollt, wir sollen in die Situation eintreten und Gott gegenwärtig machen durch unsere Gegenwart und unser Gebet. Ob ein Leben erfolgreich ist oder nicht macht wenig aus im Hinblick auf das Gebet.
Was auch kommen möge, vor jeder neuen Situation können wir bitten:
Herr, gib mir Einsicht,
gib mir ein Herz, das fähig ist, zu antworten,
gibt mir den rechten Willen,
sei gegenwärtig in dem was hier geschieht
.

Wenn ein anderer spricht, können wir ständig beten und den Herrn bitten, uns verstehen zu lehren, nicht nur die Worte, die ausgesprochen werden, sondern das tiefe Bedürfen, die Wirklichkeit, die sich hinter den Worten oftmals verbirgt. Und wenn die Zeit gekommen ist und der andere nicht mehr spricht, kann man so lange schweigen und beten, bis man etwas zu sagen weiß; und wenn einem dann ein Gedanke gekommen ist, der die Klarheit und Gewissheit der Dinge hat, die von Gott kommen, – dann können wir ihn vorbringen und hernach Gott bitten, er möchte für den anderen Menschen bewirken, was wir nicht zu bewirken vermögen, er möchte, wenn wir einen Irrtum begingen, ihn uns verzeihen und ihn heilen, und wenn der Mensch gegangen ist, weiter für ihn beten.

Die Art, wie man eine Frage stellt, die Art, wie man zuhört, wie man eine Entfaltung möglich oder unmöglich macht, ist so wesentlich.
Einen Menschen, der nichts zu antworten weiß und sich schämt, – mit dem Gefühl zurückzuschicken, völlig versagt zu haben
- oder doch mit ein wenig Hoffnung und der Freude, jedenfalls als Mensch angenommen worden zu sein
.

Alles kann im Gebet verankert sein.
Man kann lernen, sich der Gegenwart Gottes ständig bewusst zu werden, mit einem klaren, lebendigen Gefühl, ihm zugewandt bleiben; jedoch immer mit voller Aufmerksamkeit; denn es ist vielfach Unaufmerksamkeit, die nach und nach die Wirklichkeit aller Dinge zerstört...

Übersetzung aus dem Englischen: Irene Hoening
hier aus St. Andreas Bote

Fastenregeln

Die Fastenregeln der Kirche sind im Kapitel 32 und 33 des Typikons dargelegt.
Vollständiges Fasten, wie in den Grossen 40-tägigen Fasten vor dem Auferstehungsfest vorgesehen, bedeutet Abstinenz von Fleisch, Eiern, allen Milchprodukten, Fisch, Wein und Öl. Der Speiseplan besteht also praktisch nur aus Gemüse, das ohne Öl zubereitet wird, Kartoffeln, Reis und Brot, wobei den Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen jeder Art, Linsen) besondere Bedeutung zur ausgewogenen Ernährung zukommt. An den Samstagen und Sonntagen dieser Fastenzeit ist laut Typikon zusätzlich Wein und Öl erlaubt, was die Zubereitung der Speisen erleichtert. An einem besonderen Feiertag, wie zum Fest der Verkündigung an die Gottesmutters am 25. März (7.4.) aber z.B. nicht am Sonntag der Orthodoxie ! sind auch Fischspeisen erlaubt.
Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass die Fasten keine Zwangsjacke darstellen, sondern eine Hilfe, die die Abhängigkeiten aufheben und uns auf das Gebet hin orientieren sollen.
Dadurch gehört auch weitestgehender Verzicht auf "Zeitvertreib" und Unterhaltungsmedien.
Ernsthafte Bemühungen in der Überwindung persönlicher Schwächen sind notwendige Begleiter sinnvollen Fastens.
Hingegen sollte bei gesundheitlichen Problemen wirklich nur Überflüssiges dem Fasten unterworfen werden.
Damit hier keine Willkür oder unheilsame Unsicherheit aufkommt, sollte man sich immer mit dem "Geistlichen Vater", zu dem ein jeder Christ für seinen Nächsten werden kann, absprechen !


F A S T E N

Jes 58: 4 ff

+++

Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr
und schlagt mit gottloser Faust drein.
Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr es jetzt tut,
wenn eure Stimme im Himmel gehört werden soll.


Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe:
Loese die Fesseln derer, die du mit Unrecht gebunden hast;
Loese die Stricke des Jochs !...
Teile mit den Hungrigen dein Brot,
und die im Elend ohne Obdach sind, fuehre in dein Haus..
.

Dann wird dein Licht hervorleuchten wie die Morgenroete,
und dein Heil wird schnell voranschreiten,
und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen,
und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschliessen.
Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten.
Wenn du schreist, wird ER sagen:
Siehe, hier bin ich !


Wenn du bei dir niemanden unterjochst
und nicht mit Fingern zeigst
und nicht uebel redest,
sondern den Hungrigen dein Herz finden laesst
und den Elenden seinen Mangel linderst,
dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis
und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.
Und der Herr wird dich immerdar fuehren
und dich satt werden lassen in der Duerre
und dein Gebein staerken.
Und du wirst sein
wie ein gut bewaesserter Garten
und wie eine Wasserquelle,
der es nie an Wasser fehlt
.

+++


So singen wir am Beginn der Fasten:

+++
Lasset uns ein Fasten halten,
welches dem Herrn gebuehrt und wohlgefaellig ist:

Entfremdung von boesen Taten,

Beherrschung der Zunge,

Enthaltung von Zorn,


Fernhalten von zwanghafter Begierde,
Verleumdung,
Luege und
Meineid
.

Die Freiheit von diesen Dingen
ist ein wahres Fasten.

+++

Fastest du?
Beweise es durch deine Werke:

 Wenn du einen armen Menschen siehst, habe Mitleid mit ihm.
Wenn du siehst, dass ein Freund geehrt wird, dann beneide ihn nicht.
Lass nicht nur deinen Mund fasten, sondern auch das Auge und das Ohr und die Füße und die Hände und alle Glieder des Körpers.
Die Hände sollen fasten, indem sie frei von Gier sind.
Lass die Füße fasten, indem sie aufhören, der Sünde hinterherzulaufen.
Die Augen fasten, indem sie lernen, nicht auf das zu blicken, was sündig ist.
Das Ohr soll fasten, indem es nicht auf böses Gerede und Klatsch hört.
Der Mund soll fasten, indem er sich von bösen Worten und ungerechter Kritik fernhält.

Denn was nützt es, wenn wir uns vom Essen von Hühnern und Fischen fernhalten,
aber unsere Brüder beißen und verschlingen? 

Hl. JOHANNES, der Mund Goldener Worte (Chrysostomus)

 

Warum wir fasten ?

Prof. Dr. John Breck
Charleston,USA - Paris,St.Serge

übersetzt von G. Wolf
St.Andreas-Bote

Viele Christen haben die überkommene Fastenpraxis aufgegeben.
In vielen heutigen westlichen Kirchengemeinschaften scheint sie mühsam und unwesentlich.
Für diejenigen aber, die die heilende (eschatologische) und heiligende (sakramentale) Bedeutung des Fastens schätzen, ist es so wesentlich wie Essen und Trinken.
Warum fasten also die orthodoxen Christen ?
Für die meisten ist das Leben schon herausfordernd genug
ohne selbstauferlegte Schranken für das, was wir an gewissen Wochentagen und während langer Perioden des Kirchenjahres essen, trinken und tun. Sorgt sich Gott wirklich darum ob wir freitags Fleisch essen oder den Kühlschrank während der Fastenzeit von Milchprodukten befreien ?
Ist das wirklich wichtig ?
Zusätzlich haben manche noch Bedenken wegen der Scheinheiligkeit, die das Fasten manchmal begleitet.
Wir weigern uns aus spirituellen Gründen manche Lebensmittel zu essen,
tun aber wenig oder gar nichts dafür, unser Verhalten gegenüber Anderen zu ändern.
Eine mit der Fastenzeit verbundene Klage (sowohl vom Hl. BASILIOS dem Grossen,
wie vom Hl. CHRYSOSTOMOS überliefert und von Metropolit Simeon von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche auch in unserer Zeit wiederholt gelehrt, Anm. des Herausgebers dieser Internet-Seite) fasst das mit erschreckender Genauigkeit zusammen:


" DU ENTHÄLTST DICH DER FLEISCHSPEISE - ABER DU VERSCHLINGST DEINE NÄCHSTEN !"

Der Hl.JOHANNES vom Sinai hat uns die wirkliche spirituelle Gefahr aufgezeigt, die im übermässigen Genuss liegt:
...Essen soll den Körper gesund erhalten;
aber nicht durch un-überlegte  -oft von aussen suggerierte-  Wünsche versklaven     und uns von der Sorge um unser Heil ablenken !


Die pastoralen Erfahrungen der Kirchenväter ergänzen die biblischen Mahnungen, wie die des Hl. Apostels PAULUS:
" ... sorgt nicht so für euren Leib, dass unsinnige Begierden erwachen " (Röm. 13,14)
.

Die asketische Tradition der Alten Kirche kennt mehrere Gründe für das Fasten.
Richtiges Fasten reinigt den Körper von Giften, es erleichtert das Gebet,
es hilft LEIDENschaften und Versuchungen zu beherrschen,
und es hilft Solidarität mit den Armen dieser Welt zu fühlen
.

Diese Tradition aber besteht auf einem Zugang zum Fasten, der heute oft vergessen wird:

Ausgewogenheit und Masshalten.

Wir können uns zwanghaftes "Etikettenlesen" von allen gekauften Lebensmitteln auferlegen,
nur um sicher zu sein, dass sie auch nicht eine Spur von Milch enthalten;
wir können hungern bis unsere Gesundheit in Gefahr ist;
wir können uns hämisch freuen über unseren "Erfolg" und die weniger Eifrigen unter uns verurteilen
.

Das aber macht die Fastendisziplin zu einer Farce.

Viele Orthodoxe, die im Westen leben, stehen vor einem Dilemma, wenn sie von Nicht-Orthodoxen eingeladen werden,
die unsere Fastenpraxis nicht kennen, oder auch von Orthodoxen, die sich nicht darum scheren
.

In diesen Fällen sind Ausgewogenheit und Masshalten besonders gefragt.
Um Stolz auf unser Fasten zu vermeiden, ist es gesund und vernünftig, das Gebot zur richtigen Zeit zu lockern
.

" Durch die Lockerung unserer gewöhnlichen Praxis, " rät der Hl. DIODOKOS von Photiki,
" können wir unsere Selbstbeherrschung in Demut verborgen halten "
.

Wenn wir in Gefahr sind andere mit unseren Fasten zu beleidigen, ist der Rat des Hl. PAULUS eine gesunde Daumenregel:
" ... esst, was euch vorgesetzt wird " (1Kor 10:27)


Doch beantwortet solcher Rat nicht die Frage, warum wir gerufen -eingeladen- sind, Fastenregeln zu akzeptieren,
sei es eine totale Abstinenz für kurze Zeit oder eingeschränkte Nahrung während längerer Fastenzeiten
.

Evagrios Pontikos, ein georgischer Mönch, der 399 in der Abgeschiedenheit der ägyptischen Wüste starb,
beschreibt uns die richtigen Gründe, warum das Fasten im christlichen Leben so wichtig ist:
" Faste vor dem Herrn so gut du kannst, " rät er,
" denn damit wirst du von deinen Lastern und Sünden gereinigt;
es erhöht die Seele,
heiligt den Geist,
treibt Dämonen aus
und bereitet dich auf die Gegenwart Gottes vor

...
Sich der Nahrung zu enthalten, sollte dann deine eigene Wahl sein und asketisches Bemühen ".

Elias, der Presbyter, ein Priestermönch des 11./12. Jahrhunderts,
verdeutlicht dieses Ziel mit dem Bild des kommenden Reiches.
"Wer Fasten und das unablässige Gebet praktiziert,  das eine zusammen mit dem anderen,
wird sein Ziel, die Stätte aus der ´Kummer und Seufzen entfliehen´ (Jes 35:10 LXX) erreichen "
.

Fasten dient dem Heil nur wenn es in Beziehung auf das Reich Gottes gehalten wird.
Wenn es auch dazu dienen mag den Leib zu entgiften
und uns hilft unsere Versuchungen zu Völlerei und Genusssucht in den Griff zu bekommen,
rechtfertigt dies keineswegs ihre Strenge
.

Die Fastendisziplin hat nur einen grundlegenden Zweck: uns auf das Fest vorzubereiten.
 
Wir enthalten uns völlig des Essens bevor wir die Heilige Kommunion empfangen,
nicht nur um den Bauch zu leeren,
sondern um Hunger für die wahre Eucharistie zu schaffen,
das Himmlische Mahl, das für uns bereitet wurde vor der Erschaffung der Welt
.

Das gleiche gilt für die langen Fastenzeiten unseres Kirchenjahres.
Sie helfen sehr bei der lebenswichtigen Aufgabe, die "Zeit zu heiligen",
Herz und Geist der überweltlichen Wirklichkeit und dem Versprechen der erfüllten Hoffnung zu öffnen
.

Fasten hat seine wahre Grundlage im gesamten sakramentalen Leben der Kirche,
das den Gläubigen nährt und zum ewigen Leben, zu Freude und Frieden im Himmelreich führt
.

Es erhebt uns über die täglichen Sorgen unserer irdischen Existenz,
um uns sicher auf die Flugbahn zu setzen,
die uns von diesem Leben ins nächste bringt
.

Fasten ist kein Sakrament im strikten Sinne, aber es ist zutiefst "sakramental".
Sakramental und eschatologisch, weil es unser gegenwärtiges Leben und unser Tun heiligt,
unser Gebet -das persönliche, wie das gemeinschaftliche- vertieft und verstärkt,
und in unserem innersten Sein einen entscheidenden Durst nach dem versprochenen Mahl schafft, dem kommenden ewigen Fest
.

Fasten ist die Mahnung, dass der Weg zur Herrlichkeit der Weg des Kreuzes ist.
Fasten mag kleinere Unannehmlichkeiten auferlegen:
unseren Drang nach sofortiger Befriedigung enttäuschen
und uns schmerzlich daran zu erinnern, wieviele der Menschen dieser Erde jede Nacht hungrig zu Bett gehen
.

Aber das alles hat sein Gutes.
Denn diese Unannehmlichkeiten führen den Leib, den Geist und die Seele zu dem, was wirklich wichtig ist
:

zum himmlischen Jerusalem
in dem die Seele erhöht wird,
der Geist geheiligt
und die Dämonen besiegt
,

und wir alle auf ewig in der Gegenwart Gottes weilen.




Quelle:  http://www.holyapostles.org

 

* St. Andreas Bote:
empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit ausgewählten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen und aktuellem Kalendarium
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de

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Herr und Gebieter meines Lebens,

Gib mir nicht den Geist des Müßiggangs, des Verzagens,der Herrschsucht und der Geschwätzigkeit.
Schenke vielmehr mir, Deinem Diener,  den Geist der Keuschheit, der Demut, der Geduld und der Liebe.  

(еine große Verneigung)

  Ja, Herr, mein König,
gewähre mir, meine Sünden zu sehen 
und meinen Bruder nicht zu verurteilen, 
denn gesegnet bist Du in alle Ewigkeit,
Amen
.

 
Das Gebet des Hl. Ephraim des Syrers


Aus der Schau der Größe des Menschen und der Herrlichkeit Gottes wird im Menschen die Demut geboren. Nicht aber aus dem ständigen Sich Bewusstmachen der eigenen Misserfolge oder der eigenen Unwürdigkeit. … Demut, im englischen humility, kommt vom lateinischen Wort humus. Fruchtbarer Boden. Dies ist ein sehr passendes Bild. Die Erde, der Boden ist immer da. Auf ihm gehen wir und er lässt mit sich machen, was wir wollen. Er nimmt unseren Müll auf, aber auch lebendigen Samen und Sonnenstrahlen und Regen. Er kann alles aufnehmen und daraus Früchte hervorbringen. Man denkt nicht an ihn. Er schweigt. Er hält alles aus und bringt doch Frucht. Darin besteht Demut.“Ich wollte noch einiges sagen über das besondere Gebet der Großen Fastenzeit, über das Gebet des Ephrem von Syrien, denn wir habe uns an den Wortlaut des Gebets zu sehr gewöhnt uns einiges verstehen wir nicht recht. In beidem liegt eine Gefahr. Der Beginn: Herr und Gebieter meines Lebens – ist ein Bekenntnis zur Existenz Gottes, ist ein Ausdruck dafür, dass wir Ihn als unseren Herrn ansehen, als Schöpfer aller Dinge, dass Er alles durch seine Vorsehung lenkt, dass Er es ist, der uns alles gibt, dass auch Er die Menschen richten wird, dass Er allmächtig ist und in der Herrlichkeit lebt. Wir sehen auf den Herrn in seiner Größe. Der Bezug zu Gott als Herr und Gebieter verstand Ephrem aber nicht nur auf dieser objektiven Ebene. Gott ist für ihn nicht nur formal der Herr und Gebieter. Ephrem hatte sich seinen Herrn selbst gewählt, als geistlichen Wegweiser, dessen Spuren er folgen wollte. Wenn er auch uns dazu aufruft, Christus als Herrn zu bekennen und Ihn Gebieter zu nennen, meint er wirklich manchmal noch mehr, als wir bereit sind, darunter zu verstehen. Wenn wir Christus unseren Gebieter nennen wollen, ohne dass uns dies einmal zur Last gelegt werden kann, reicht es nicht aus: „Herr! Herr!“ zu rufen. (davor warnt uns Christus selbst). Es kommt darauf an, Seinen Willen zu tun und nicht nur Seine Worte zu verkündigen.Wenn wir diese Worte aussprechen, wenn wir über sie nachdenken, dann sollten wir uns die Frage stellen, was diese Anerkennung Gottes als Herrn über unser Leben für unsere Leben bedeutet. Heißt dies, dass ich Ihn ganz objektiv als meinen Herrn ansehe? Erkenne ich an, dass wirklich alles in Seiner Hand liegt? Gebe ich zu, dass ER es war, Der uns aus dem Nichtsein in unsere Existenz berufen hat und wird deshalb irgendwann einmal vor Ihm Rechenschaft ablegen müssen, dass ER der Geber von allen ist und der Richter aller Menschen? Doch auch auf der Ebene der menschlichen Gesellschaft behauptet jeder Verbrecher, dass alle irdische Macht nur relativ ist. Wenn wir von Christus sprechen als unseren Gebieter, dann sollten wir uns der vollen Verantwortung unserer Worte bewusst sein und daran denken, dass wir irgendwann einmal für diese Worte einstehen müssen. Niemand hat uns gezwungen, Jesus Christus als unseren Herrn zu bekennen, Ihn Gebieter zu nennen. Wir sind frei, dies zu tun aber auch zu lassen. Doch wenn wir es für uns so entschieden haben, dass Jesus Christus unserer Herr ist, dann tragen wir dafür auch unsere Verantwortung.

1) Faulheit (Müssiggang)
Der Geist der Faulheit (man kann dieses Wort im Original sehr verschieden übersetzen) hat in erster Linie mit dem Zustand unserer Seele zu tun, wenn in ihr kein Leben ist, wenn sie so vor sich her schlummert und erkaltet ist. Er ist ein Ausdruck für Leere in uns. Es ist die Leere, die das Evangelium mit einem leeren Haus bezeichnet, aus dem der böse Geist vertrieben worden ist. Es ist aufgeräumt, sauber und bereit, Gäste zu empfangen. Und doch ist es leer. Und das Evangelium sagt weiter, wie dann der vorher vertriebene böse Geist zurückkehrt und, wenn er nun sieht, dass es sauber und aufgeräumt ist, andere sieben noch furchtbarere Geister ruft und diese sich wieder in dieses leere Haus einnisten (Mt. 12,43-45). Das ist eine Warnung an uns. Wenn unsere Seele leer ist, wenn unser Herz leer ist und unser Verstand, wenn unsere Worte leer sind, ohne Geist und Leben - das doch eigentlich Dem gehört, Den wir als unseren Herren und Gebieter bekennen - dann ergreift sie, dann erfüllt sie etwas anderes. Deshalb ist das erste, wovor uns der Herr bewahren soll, der Geist der Faulheit, der Schläfrigkeit, der Leere – wie viele Wörter bezeichnen ein dasselbe – der der Grund für jegliche Zerstörung ist.

2) Die Verzagtheit.
Wenn wir in uns diesen Zustand, den ich gerade beschrieben habe, feststellen, dann sollten wir irgendwie handeln. Dafür bedarf es Entschiedenheit und Mut. Doch wir verzagen. Es ist so einfach auf etwas Besseres zu hoffen und doch so schwer, sich von der Stelle zu rühren. Es ist viel einfacher auch weiterhin in einer Welt der Illusionen zu leben, als wirklich aufzuwachen. Doch ein wirklicher Held ist der, der aufgewacht, der von sich schüttelt alle Schläfrigkeit, wer wirklich wachsam ist. Es ist derjenige, der nach den Worten vom Heiligen Serafim von Sarow entschlossen ist, lieber seine Ruhe und alles, was ihm teuer ist, entbehren zu müssen, als ohne Gott zu leben. Darin besteht der einzige Unterschied zwischen einem Sünder, der an seiner Sünde zugrunde geht, und einem Heiligen, der seiner Berufung gerecht wird, weil er Verzagtheit und Trübsinn in sich überwindet.Trübsinn ist Schlummern sehr ähnlich. Man lässt alles laufen, wie es so geht. Man flüchtet sich lieber eine Traumwelt, in eine virtuelle Welt, in die Illusionen. Der Schlummer wartet nicht auf die Nacht. Man schließt die Augen und könnte denken, es ist Nacht und Zeit zum Schlafen. Und ist es nicht merkwürdig, dass gerade dann, wenn uns die Kraft nicht ausreicht, etwas zu tun, wir uns voller Stolz in eine Welt der Macht und des Erfolges träumen? Wenn wir aber beschäftigt sind mit einer Sache, die unsere gesamte Aufmerksamkeit erfordert, dann ist das erste, was wir uns erträumen, die Sache auch zu leiten, dann erwacht in uns der Hunger nach Macht, dann treibt uns der Stolz. Neben unserer Verzagtheit steht unsere Feigheit, stehen Schlaffheit und ein Leben in Illusionen. Und in diesen Illusionen träumen wir von Macht, von Stärke und die damit verbundene Grausamkeit und Grobheit.

3) Geschwätzigkeit.
Es geht nicht darum, dass wir viel reden. Natürlich ist auch das damit gemeint. Doch es geht vielmehr um die Nichtigkeit unserer Worte. Unsere Worte tragen keine Früchte. Diese Fruchtlosigkeit wurzelt in Verzagtheit, Trübsinn und Träumerei, die zu Machthunger führt. Und so reden wir, wenn es eigentlich nicht sein sollte und leben in unserer Phantasie, statt in der realen Welt. Dies ist sehr wichtig, denn die Welt Gottes ist die Welt der Wirklichkeit. Die Welt des Satans ist die Welt der Illusionen, die virtuelle Welt. Die Welt Gottes ist ganz real und in ihr bestehen all die Schwierigkeiten und die Grausamkeiten der realen Welt. Der Satan schlägt uns eine Welt vor, in der nichts wirklich ist, obwohl alles möglich erscheint. Wir fühlen uns dann stark. Unser Stolz ist befriedigt. Wir können uns innerlich rühmen. Wir können uns anders denken, als wir in Wirklichkeit sind. Wir sind wichtig und mutig, obwohl wir noch nichts getan haben. Wir schlafen und die wirkliche Welt gehört denen, die wach sind.So geht es in den ersten Worten des Gebets um das Allerwichtigste. Wenn ich Gott als meinen Herrn und Gebieter anerkenne, wenn ich mich bemühe, in der Wirklichkeit zu leben, wenn ich darum ringe, die dämonische Welt der Phantasie und Virtualität von mir zu stoßen, wenn ich mit allen Kräften versuche, wirklich zu leben, um dem Tod zu entkommen – denn Leben und Wirklichkeit gehen Hand in Hand, so wie der Tod zusammen mit der Illusion – dann sollte ich begreifen lernen, was konkret und ganz real diese Worte bedeuten: Sie beschrieben nicht nur einen Zustand in der Seele, sie sind vielmehr ein Programm zum Handeln, denn jedes dieser Worte sollte für uns eine Herausforderung darstellen, eine Losung, eine Devise, die uns dazu zwingt, auf bestimmte Weise zu agieren.Wie? – das verraten uns kurz die nächste Zeile: Gib mir, Deinem Knecht, vielmehr einen Geist der Keuschheit, der Demut, der Geduld und der Liebe.

4) Keuschheit ist nicht nur eng in ihrem Bezug auf unseren Leib zu verstehen, so wie auch Jungfräulichkeit nicht nur ein physischer Zustand ist. Keuschheit beginnt in dem Moment, in dem wir uns der erstrangigen Wertmaßstäbe bewusst werden und uns um sie bemühen: um Gott und um den Menschen, wenn wir in unserem Verhältnis zu Gott und zu dem Menschen (uns selbst eingeschlossen) ehrfürchtig auftreten, wenn wir unseren eigenen Leib so ehren, wie wir es mit dem Brot und Wein tun, die sich in den Leib und das Blut Christi verwandelt haben, wie wir den Leib des Mensch gewordenen Gottes verehren würden und daraus schlussfolgernd jeden ehren würden, dem wir begegnen. Keuschheit beginnt damit, dass wir begreifen, dass jeder Mensch zur Ewigkeit berufen ist, dass er wertvoll ist in den Augen Gottes, dass er das Heil erlangen aber auch ins Verderben stürzen kann. Der Mensch kann ein Objekt der Verehrung sein und wir sind dazu aufgerufen, wie Christus gesagt hat, als er Seinen Jüngern die Füße wusch, dass auch wir einander die Füße waschen, dass wir einander treu sein und einander in Demut und Liebe dienen sollten. Nur wenn wir in einem solchen Geist leben, können wir ihn im gesamten Menschen zum Blühen bringen: in der Seele, im Leib und einen solchen Zustand der Seele, des Verstandes und des Herzen erreichen, der uns zu einer völligen und ständigen Reinheit des Leibes führt, was wir dann als Keuschheit bezeichnen.

5) Demut ist etwas viel Größeres als die traurige Karikatur, die wir oft darstellen. Es scheint uns, dass Demut darin besteht, dass wir uns immer wieder einreden, keiner Beachtung durch andere würdig zu sein, obwohl wir in Wirklichkeit so nach ihr dürsten. Oder wir behaupten, dass wir etwas Unwichtiges geleistet haben, obwohl wir eigentlich wissen, dass wir etwas Gutes und Wichtiges getan haben. Es hätte aber keinen Wert, weil wir es getan haben. Das ist keine Demut. Wirkliche Demut heißt in erster Linie, sich selbst zu vergessen und sich dabei ernsthaft, tiefgreifend und kreativ um Gott und seinen Nächsten zu kümmern. So, dass wir gar kein Interesse daran haben, uns auf uns selbst zu konzentrieren. Es ist ein Zustand, in dem wir, wenn wir uns plötzlich wichtig nehmen, zu uns sagen: Geh mir aus dem Weg! Du bist kleinlich und niedrig und so uninteressant! Ich möchte mich mit sehr viel Wertvollerem beschäftigen!Demut hängt auch mit dem Sieg über unsere Sucht nach Anerkennung und über unseren Stolz zusammen.

6) Demut steht in Verbindung mit Ruhmsucht. Nicht nur, weil sie ganz offensichtlich ihr Gegenteil darstellt. Ehrsüchtig ist vielmehr der, der nach Anerkennung in den Augen der Menschen strebt, nicht aber von Gott. Wenn man aber bedenkt, von welchen Menschen wir uns Anerkennung erhoffen oder wofür wir gerne gelobt werden wollen, dann sehen wir, wie niedrig wir uns selber machen durch diese Sucht nach Anerkennung. Der Anlass für diese Ruhmsucht kann etwas sehr Unbedeutendes sein: ein Witz, ein Erfolg, der eigentlich in keinem Verhältnis zur eigentlichen Größe des Menschseins steht. Es kann sein, dass wir sogar denjenigen, die uns verachten, aber trotzdem beklatschen, noch dankbar sind für ihr Lob. In beiden Fällen, sei es nun wegen des Anlasses oder wegen der Leute, macht uns die Ehrsucht zu unwahrscheinlich kleinen, leeren Wesen, die eigentlich zu nichts Nütze sind. Sie führt uns zur Nichtigkeit. Demut beginnt vielmehr da, wenn wir anfangen, unsere Urteile nicht mit denen der Menschen zu vergleichen, mit den oberflächlichen und zufälligen Bemerkungen der Leute, sondern mit der wahren Größe des Menschseins, mit der Fülle der Wahrheit Gottes. Demut besteht darin, kein anderes Maß für sich anzunehmen, als nur die Größe des Menschseins vor dem Urteil Gottes.Das ist der Grund, warum die Heiligen demütig waren, warum sie begriffen hatte, wie groß der Mensch ist und gleichzeitig, wie weit sie selbst von ihrer Berufung entfernt waren. Denn sie wussten, dass uns die die wirkliche Größe des Menschen in Jesus Christus offenbart worden ist (Röm. 5,15). So konnten sie mit wahrer Demut sich eingestehen, wie unwürdig sie doch selbst waren. Denn sie wussten, dass Gott wollte, dass wir Seine Freunde seien, Seine engen Weggefährten. Und so konnten sie auch das ganze Ausmaß und die Tiefe unseres Falls begreifen und den Abgrund zwischen uns und Ihm ermessen und so ihrer Demut beweisen. Aus der Schau der Größe des Menschen und der Herrlichkeit Gottes wird im Menschen die Demut geboren. Nicht aber aus dem ständigen Sich Bewusstmachen der eigenen Misserfolge oder der eigenen Unwürdigkeit. Darüber habe ich schon einige Male gesprochen: Demut, im englischen humility kommt vom lateinischen Wort „humus“. Fruchtbarer Boden. Dies ist ein sehr passendes Bild. Die Erde, der Boden ist immer da. Auf ihm gehen wir und er lässt mit sich machen, was wir wollen. Er nimmt unseren Müll an, aber auch lebendigen Samen und Sonnenstrahlen und Regen. Er kann alles aufnehmen und daraus Früchte hervorbringen. Man denkt nicht an ihn. Er schweigt. Er hält alles aus und bringt doch Frucht. Darin besteht Demut.

7) Geduld ist ein anderes gehaltvolles Wort. Es ist nicht nur die Fähigkeit geduldig seinen Nächsten zu ertragen. Es ist die Fähigkeit, Leid auszuhalten, Schwierigkeiten, Einschränkungen, beliebige Lasten zu tragen, angefangen von sich selbst bis hin zum Tod am Kreuz. Geduld bedeutet Kraft, Glauben, Schweigen. Dies alles führt uns auch zur Liebe und beginnt in der Liebe. Liebe ist die Fähigkeit alles zu geben, was man hat: auch sich selbst. Es ist die Fähigkeit, den anderen voller Ehrfurcht in seinem Anderssein anzunehmen, voller Verehrung und Freude. Es ist die Fähigkeit, sein Leben für seine Freunde hinzugeben und Opfer zu bringen. Wenn hier Parallelen zu dem vorher Gesagten gezogen werden sollen – und das schlage ich euch vor, selber zu tun – kann man sehen, dass in der Liebe die Antwort auf die ersten vier Bitten enthalten ist. So lebt der, der für die Wirklichkeit erwacht ist, der vor dem Angesicht Gottes und des Menschen, vor sich selbst und vor seiner eigenen Berufung wandelt, der bereit ist, zu handeln und der all dies als Grund und als Endziel betrachtet, mit Liebe, denn sie ist die Fülle des Lebens.Und am Ende beten wir, obwohl wir damit auch hätten beginnen können, denn für Ephrem dem Syrer war dies vielleicht die gewohnteste Erfahrung des Lebens: Herr und König, lass mich meine eigenen Sünden erkennen und nicht meinen Bruder verurteilen!
Amin.
(Entnommen dem Buch: „Durch das Kirchenjahr“ von Metropolit Anthony (Bloom)



 
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