Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils

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21. November (4.12.)

EINZUG
der
ALLERHEILIGSTEN GOTTESGEBÄRERIN
in den
TEMPEL
~ WWEDENJE ~    ~ EISODIA~    ~ INTRAREA~

Der reinste Tempel des Erlösers,
das kostbare Brautgemach,
die Jungfrau, die heilige Schatzkammer
der Herrlichkeit Gottes
 
wird heute eingeführt
in das Haus des Herrn

und führt mit ein
die Gnade im göttlichen Geiste.
 
die Engel besingen sie:
Sie selbst ist das himmlische Zelt.
Festtagsikone, griechisch

weitere Texte zum Fest:
aus: The Year of Grace
Die Kirchenväter zu Apokryphen und Vorverkündigung
Prof. Larentzakis: Marienverehrung in der Orthodoxie
Prof. Lothar Heiser: Quellen der Freude, zum Fest

Der Sinn des Festes erschließt sich nicht, wenn man den Text des Protoevangeliums des Pseudo-Jakobus geschichtlich-faktisch verstehen will. Die Bedeutung für uns wurzelt im Symbolisch-Poetischen:

Die Gottesmutter steht hier -wie so oft- vorbildhaft für alle Menschen.
Es geht um unsere Bereitschaft uns zur Heiligung der menschlichen Natur führen zu lassen.
Die Stufen dieser Heiligung, die Phasen der Annäherung an Gott, werden im Bilde verdeutlicht:
Einführung in die Sphäre Gottes (als Vorbild die kindliche Empfänglichkeit), das stetige Verweilen in dieser Sphäre über die Jahre bis zur Reife, der stufenweise Aufstieg zur Gotteserkenntnis, genährt durch die himmlische Speise, der vertraute Umgang mit Engeln.

Dies alles geschieht jedoch nicht aus dem starken Willen und als Ergebnis der Leistung des typisch männlichen Charakters sondern in der Ergebenheit und im Vertrauen eines Kindes, das geführt wird und sich führen lässt.





 

Einzug der Allheiligen Gottesmutter in den Tempel

Einige Tage nach dem Beginn der Vorweihnachtlichen Fastenzeit feiert unsere Kirche das Fest des Einzugs der Hl. Jungfrau in den Tempel.
Es passt gut, dass am Anfang der Vorbereitungszeit für Weihnachten unsere Gedanken sich der Gottesmutter zuwenden, deren demütige und stille Erwartung ein Vorbild für unsere eigene Erwartungen im Advent sein sollten. Je näher wir der Gottesmutter durch das Gebet, unseren Gehorsam und unsere Reinheit kommen, desto mehr wird in uns der geformt, der in Kürze geboren werden wird.
Dass die Jungfrau als ganz kleines Kind in den Tempel von Jerusalem eingeführt wurde und dort lebte, wird heute als historisch nicht belegt dem Reich der Legende zugerechnet. Trotzdem bildet diese Legende ein anmutiges Symbol aus dem wir tiefe geistliche Einsichten beziehen können.


Zur Vesper am Abend des 20. November (d.h. also zum Beginn des 21. November) beziehen sich die drei Lesungen aus dem Alten Testament auf den Tempel.
Die erste Lesung (Ex 40) gibt die Anweisungen wider, die Gott Mose über den Bau und die innere Anordnung des Allerheiligsten gab.
Die zweite Lesung (1Kön 7,51-8,11) beschreibt die Weihe des Tempels Salomos.
Die dritte Lesung (Ez 43,27-44,4), die auch am Fest Mariae Geburt am 8. September gelesen wird, spricht vom Osttor des Heiligtums, das für alle Menschen verschlossen ist, weil Gott durch dieses Tor eingezogen war.
Diese drei Perikopen haben symbolisch als ihr Thema die Gottesmutter, die der lebendige und perfekte Tempel ist.

Die Perikopen, die beim Orthros und in der Liturgie gelesen werden sind die gleichen wie für das Fest am 8. September. Wir hören die zusammengezogenen Teile Lk 10,38-42 und 11,27-28, die die Kirche an allen Marienfesten liest und deren besonderes Gewicht durch die Wiederholung betont wird. Jesus lobt Maria von Bethanien, die zu Seinen Füßen sitzt und Seiner Rede lauscht mit den Worten "Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden" denn "nur eines ist notwendig".
Der Herr tadelte Martha nicht, weil sie so in Anspruch genommen war für ihn zu sorgen, sondern weil sie sich "viele Sorgen und Mühe" machte. Die Kirche nimmt die Zustimmung, die Maria von Bethanien durch Jesus erfahren hat, als Zustimmung zum kontemplativen Leben, insofern es verschieden (wir sagen nicht: entgegengesetzt) zum aktiven Leben ist.
Die Kirche nimmt diese Zustimmung auch für Maria, die Mutter des Herrn, die als Vorbild für das kontemplative Leben betrachtet wird, denn wir lesen an anderer Stelle im Lukas-Evangelium: "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
... Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen" (Lk 2,19.51). Vergessen wir auch nicht, dass die Jungfrau Maria sich schon vorher und in viel höherem Maße dem Dienst an Jesus geweiht hatte, denn sie hat den Retter genährt und aufgezogen.

Im zweiten Teil der Tagesperikope hören wir, dass eine Frau Jesus zurief: "Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat", der Er antwortete: "Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." Diese Worte dürfen nicht als Zurückweisung des Lobes, das die Frau der Gottesgebärerin erweist missverstanden werden, oder als Geringschätzung ihrer Heiligkeit, vielmehr bringen sie die Dinge ins rechte Lot und zeigen wo das wahre Verdienst Marias liegt.
Dass Maria die Mutter Christi wurde, war ein Geschenk, ein Privileg, das sie akzeptierte, aber ihr persönlicher Wille war nicht Teil der Ursache. Andererseits war es ihr eigenes Bemühen, dass sie das Wort Gottes hörte und bewahrte. Darin liegt die eigentliche Größe Marias.
Sicher, Maria ist heilig, aber nicht ursächlich weil sie Jesus gebar und nährte, vor allem ist sie heilig, weil sie in einzigartiger Weise gehorsam und treu war. Maria ist die Mutter des Herrn; sie ist die Beschützerin der Menschen, aber zuerst und vor allem: sie ist die Frau, die dem WORT lauschte und Es bewahrte.

Hierin liegt die ‚evangelische’ Begründung unserer Marienverehrung. Der Psalmvers, der nach der Epistel gesungen wird, drückt das sehr gut aus: "Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr" (Ps 44,11).


Die Epistel die heute gelesen wird (Hebr 9,1-7) spricht von den Vorschriften für das Heiligtum und dem ‚Allerheiligsten’: dieser Text bezieht sich wieder symbolisch auf Maria. Die spirituelle Bedeutung des Fests wird in den verschiedenen Texten der Gottesdienste und der Liturgie entwickelt. Die beiden Hauptthemen, die wir dort finden sind folgende: erstens, die Heiligkeit Marias. Das kleine Kind, das der Welt entzogen wird und in einem Tempel lebt, ruft den Gedanken an ein besonderes Leben hervor, ein ‚dem Tempel geweihtes’ Leben; ein Leben inniger Verbundenheit mit Gott: ‚Heute betritt die Allreine und Allheilige das Allerheiligste’. Es ist klar, dass hier die Kirche eine besondere Anspielung auf die Jungfrauenschaft macht, aber das ganze menschliche Leben, in seinen unterschiedlichen Begrenzungen, kann ‚dem Tempel geweiht’ werden, ein Leben vor Gott, heilig und rein.

Das zweite Thema ist der Vergleich des Tempels aus Stein mit dem lebendigen Tempel: "Der reinste Tempel des Erretters ... heute wird sie eingeführt in das Haus des Herrn und sie führt mit sich hinein die Gnade im Göttlichen Geiste..." (Kondakion zum Fest). Maria, die den Gottmenschen in Ihrem Schoß tragen wird, ist ein Tempel, der heiliger ist als der Tempel in Jerusalem; es passt, dass die beiden Tempel sich begegnen, aber hier ist es der lebendige Tempel, der den erbauten Tempel heiligt. Dass der lebendige Tempel dem Tempel aus Stein überlegen ist, ist bei Maria in besonderer Weise wahr, denn sie war das Werkzeug der Fleischwerdung.

Aber allgemeiner ist dieses Bild auf jeden anzuwenden, der mit Gott vereint ist:
"Wisst ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid ..?
.. Oder wisst ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist ...?" (1Kor 3,16.6,19).

(A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace, Crestwood N.Y. 1992, p. 52ff.; Übers. G. Wolf)

hier aus St.Andreas-Bote


 

Das Fest des Einzugs der Allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel

in der traditionellen Geschichte aus den Apokryphen
und die
Vorverkündigung in der Heilsgeschichte des Volkes Gottes im Alten Bund

- wie es die Kirchenväter sahen -

"Zunächst wollen wir von denen, die über Maria berichten, erfahren, wer sie ist und woher sie stammt. Ich habe einen Bericht apokrypher Art vernommen, welcher folgendes von ihr erzählt: Ein im öffentlichen Leben und in der Treue zum Bundesgesetz ausgezeichneter Mann, anerkannt unter den Besten, der Vater der Jungfrau, alterte kinderlos, weil seine Gattin keine Kinder bekommen konnte. Auf Grund des Bundesgesetzes kam den Müttern eine Würdestellung zu, an der die Kinderlosen keinen Anteil hatten. Darum folgt seine Frau dem Beispiel, das von der Mutter des Samuel erzählt wird (vgl. 1 Sam 1,9-18): Sie begibt sich in das Allerheiligste und fleht zu Gott, sie möge doch nicht vom Bundessegen ausgeschlossen werden, da sie ja in nichts gegen die Bundestreue gefehlt habe; sie möge Mutter werden, und sie wolle Gott das Kind weihen. In seinem Wohlwollen gab Gott ihr Zuversicht, und sie empfing die Gnade, um die sie gebeten hatte. Als das Kind geboren war, nannte sie es Maria [hebr.: Mirjam, d.h. die Begnadete], um auch durch die Namensgebung anzudeuten, daß es ein Gnadengeschenk Gottes sei. Als das Mädchen herangewachsen und der Mutterbrust entwöhnt war, legte sie großen Wert darauf, es Gott zu übergeben, das Versprechen einzulösen und es in den Tempel zu führen. Die Priester aber hätten eine Zeitlang das Mädchen ähnlich wie Samuel im Heiligtum aufgezogen; als sie aber herangewachsen war, hätten sie sich überlegt, was sie mit diesem heiligen Leib anfangen sollten, um nicht gegen Gott zu sündigen. Denn sie dem Gesetz der Natur zu unterwerfen und sie durch die Ehe der Herrschaft eines Gatten zu unterstellen, war völlig abwegig. Man hätte es geradezu für einen Tempelraub gehalten, wenn ein Mensch über ein göttliches Weihegeschenk Herr würde; denn der Mann war auf Grund der Gesetze beauftragt, über seine Ehefrau zu herrschen. Dass aber eine Frau sich zusammen mit den Priestern im Gotteshaus aufhalte und sich im Heiligtum blicken lasse, entsprach weder dem Bundesgesetz, noch vertrug die Ehrbarkeit diesen Zustand. Als die Priester hierüber Beratung hielten, gab Gott ihnen den Rat ein, sie zur Verlobung einem Manne zu geben; dieser müsse geeignet sein, ihre Jungfräulichkeit zu schützen. Man fand Josef, der der Bedingung entsprach, aus demselben Stamm und Geschlecht wie die Jungfrau. Er nahm nach dem Rat der Priester das Mädchen zur Braut; ihre Gemeinschaft war nur ein bräutliches Verhältnis."

Homilie des Hl. GREGOR von Nyssa auf Christi Geburt; PG 46, 1137 C-1140 B

Für die Väter sind die Verheißungen des Alten Testamentes in Christus in Erfüllung gegangen, und was sie von Maria und ihrer Bedeutung im Heilswerk aussagen wollen, finden sie besser als in den Apokryphen in den Vorbildern der göttlich inspirierten Schriften des Alten Bundes vorgegeben.
Sie müssen nur die Schätze heben und die Bilder in ihrem Zeichencharakter erkennen, sie den Gemeinden deuten und fruchtbar machen.
Denn seitdem Jesus in der Synagoge von Nazareth das Jesaja-Wort: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; er hat mich gesalbt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen die Befreiung und den Blinden das Augenlicht zu verkünden, um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen.« (Lk 4,18-19; vgl. Jes 61,1 f.) ausdrücklich auf sich bezogen hat mit der Feststellung; »Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt« (Lk 4,21), können alttestamentliche Texte nicht mehr verkündet und interpretiert werden ohne Blick auf Christus und seine Heilssendung.

Wer das Alte Testament ohne diesen messianischen Bezug verstehen will, verirrt sich in unfruchtbarer Textanalyse und stößt nicht zu seiner Heilsbedeutung vor. So haben nach der Überzeugung der Väter die Bilder, Zeichenhandlungen, Erzählungen und Psalmenworte bereits ihre Erfüllung gefunden und müssen von Christus her und seiner Botschaft und seinem Werk verstanden werden.


Der Rückgriff auf das Alte Testament erweist sich zuweilen geradezu als notwendig, damit die geistige und nicht leicht erfassbare Botschaft des Neuen Testamentes durch einfache Bilder und Symbole aus dem Alten Bund veranschaulicht werden kann. Schließlich wird die menschliche Erwartungen übersteigende neue Botschaft vom Heilshandeln Gottes leichter angenommen, wenn man erfährt, daß Gott im voraus schon Hinweise seiner künftigen Güter gegeben hat. Allerdings sind diese Hinweise noch nicht das Gemeinte selbst, sie sind nur Schatten der wahren Heilsgaben.

"Was bedeutet der Ausspruch: Geistiges beurteilen wir mit Geistigem (1Kor 2,13)?
Wenn etwas geistig und nicht erfassbar ist, so führen wir Zeugnisse dafür aus geistigem Bereich an;
so z. B. wenn ich davon spreche daß Christus auferstanden ist, daß er von einer Jungfrau geboren wurde. Ich führe dann Zeugnisse, Vorbilder und Hinweise an: des Jonas Aufenthalt im großen Fisch und seine spätere Rettung, das Gebären durch unfruchtbare Frauen, durch Sara, Rebekka und andere, das Wachsen der Bäume im Paradies, obwohl kein Same ausgestreut, kein Regen auf den Boden gefallen und keine Furche gezogen wurde. Denn die künftigen Güter wurden schattenhaft vorgebildet und entworfen durch frühere Ereignisse, damit man an sie glaubte, wenn sie eintraten. Ferner weise ich darauf hin, wie aus der Erde ein Mensch und wie aus einem einzigen Menschen ohne Zeugung die Frau, ja wie die Erde selbst aus nichts entstanden ist, da die Macht des Schöpfers überall und zu allem genügt. So beurteile ich Geistiges mit Geistigem und bedarf nirgends der weltlichen Weisheit, weder der Beweise noch der kunstfertigen Rede."

(Hl. JOHANNES Chrysostomos, 7. Homilie zum 1. Korintherbrief, 4; PG 61,59)


Aus: Heiser, Lothar, Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres, Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.), Sophia, Quellen östlicher Theologie, Bd. 20, Trier 1981, S. 100ff.

hier aus St.Andreas-Bote

Die Marienfeste in der koptischen Kirche

Die Verkündigung an ihre Eltern (7. Misra):

Dieses Fest erinnert an die Empfängnis Mariens, der lebenden Bundeslade,

der Wohnung des Allerheiligsten
und des zweiten Himmels.




Ihre Geburt (1. Baschans):

Die Kopten feiern, wie auch die übrigen Kirchen, üblicherweise Heiligenfeste,
um dabei an den Tod bzw. das Martyrium oder die Aufnahme ins Paradies des betreffenden Heiligen zu erinnern;
Maria wird jedoch auch am Tag ihrer Geburt
gefeiert.
(Anmerkung: Wegen ihrer Bedeutung für unsere Erlösung wird die Gottesmutter auch am Tag ihrer Geburt gefeiert)



Ihre Vorstellung im Tempel (3. Kiyahk):

Nach der Überlieferung wurde Maria durch ein Gelübde ihrer Mutter Anna Gott geweiht, weil diese versprochen hatte, ihre erstgeborene Tochter oder ihren ersten Sohn dem Herrn zu schenken, damit dieses Kind ihm jeden Tag seines Lebens dienen sollte.



Der Tod Mariens (21. Tubah):

Der Tod und die Himmelfahrt Mariens werden in der koptischen Kirche an zwei verschiedenen Tagen gefeiert.

Zum Tod Mariens meint Augustinus: „Maria starb als Spross Adams als Folge der Sünde (Adams). Adam starb als Folge der Sünde; das Fleisch des Herrn, das aus Maria entspross, starb zur Zerstörung der Sünde“

Nach dem koptischen Diskurs des Theodosius von Alexandrien „Über den Tod Mariens“ beantwortet die Gottesmutter die Klagen der Apostel über ihr Sterben:
Steht nicht geschrieben, dass alles Fleisch des Todes ist?
Ich muss wie alle Erdenbewohner zur Erde zurückkehren“ 135



133 Vgl. auch Chr. Schaffer, Koimesis. Das Entschlafungsbild in seiner Abhängigkeit von Legende und Theologie (=Studia patristica et liturgica 15, Regensburg 1985) 47ff.
134 Germanus von Konst., Über das Sterben der Theotokos (PG 98, 345 B).
135 Augustinus, In Joh. Ev. 8, 9.


Zitate aus der koptischen Kirche - hier aus:
Die Gottesmutter bei den Kirchenvätern und im orthodoxen Verständnis Tadros Y. Malaty
Titel Die heilige Jungfrau Maria, die Gottesmutter Ti-theo-tokos bei den Kirchenvätern, in der koptischen Kirche und im orthodoxen Verständnis
Autor Vater Tadros Yakoub Malaty
Übersetzung Übersetzung aus dem Englischen von Vater Tawadros und
Marianne Hermann. Titel des Originals: „St. Mary in the Orthodox Concept“
Hinweis Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt (Copyright). Alle Rechte liegen, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei:Herausgeber Koptisch-orthodoxes St.Antonius Kloster
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Auflage 4. Auflage September 2018
© / Copyright 2018 Koptisch-orthodoxes St.Antonius Kloster Kröffelbach
ISBN 3-7917-1235-7



 

Zur Marienverehrung in unserer Kirche

Prof. Dr. Grigorios Larentzakis, Graz


In unserer Orthodoxen Kirche ist der liturgische, der doxologische, der theologische und der dogmatische Bereich mit dem Leben der Gläubigen sehr eng verbunden.

Allerdings muss gesagt werden, daß in der Sprache der Liturgie und in der poetischen Formulierung, im Jubel und Enthusiasmus, gelegentlich Übertreibungen vorkommen können, die, isoliert betrachtet, zu Einseitigkeiten und zu falschen Interpretationen führen können.

Trotzdem ist der unmittelbare Bezug der Kirche bzw. das Empfinden der Christen zu Maria wichtiger. In diesem Sinn hat für die Orthodoxe Kirche und Theologie die Person und die Rolle Mariens vom Anfang an eine zentrale Bedeutung. Das religiöse Leben der Christen ist von der Mutter Gottes (Theodokos) gerade aufgrund des Mysteriums der Menschwerdung Gottes erfasst. Wir betrachten sie als unsere eigene Mutter mit allen Konsequenzen und Beziehungen, die Kinder zu ihrer Mutter haben. Das wirkt sich zum Beispiel so aus: Wenn einem Christen etwas Unangenehmes oder etwas Schlimmes widerfährt, ruft er spontan und unmittelbar die Hilfe Marias, der Allheiligen (Panhagia), an.

Deshalb können die orthodoxen Christen mit Festen, Feiern und Hymnen Maria würdigen und verehren. Dabei werden die in überschwänglichen Gefühlen und in dichterischer Sprache vorkommenden Übertreibungen nicht als störend empfunden. Wenn man aber mit den Mitteln und den Methoden einer rationalen Zeit alles zu untersuchen und zu analysieren beginnt, und wenn man diese Atmosphäre des inneren Verhältnisses und der feierlichen Stimmung nicht miterlebt, den Hintergrund mancher Formulierungen nicht kennt, die andere Mentalität und die soziokulturellen Verhältnisse nicht berücksichtigt, dann wird vieles auf das rational Verstehbare und Begründbare reduziert oder als überflüssiger Ballast abgelehnt und weggeworfen.

Ein Kanon, ein Gesetz und eine erklärende endgültige Definition, ja eine dogmatische Definition waren und sind dann notwendig, wenn das harmonische Verhältnis in Frage gestellt wird und wenn der Inhalt oder das Wesen der Sache selbst gefährdet wird. Wo das "Göttliche" und das "Menschliche" eine harmonische Gemeinschaft bilden, ist es nicht notwendig, negative oder positive Regelungen zu treffen. Anders gesagt: Wo die Liebe erkaltet, beginnt das Misstrauen. Wo das Misstrauen beginnt, wächst die Angst. Und wo die Angst wächst, werden Gesetze und Bestimmungen für notwendig gehalten, in der irrigen Annahme, daß sie die liebende Gemeinschaft garantieren oder sogar ersetzen. Die Dynamik des Lebens hat den Vorzug vor allen Rationalisierungen und Reglementierungen. Allerdings hat die Theologie eine wichtige Aufgabe, korrigierend zu wirken, wenn Übertreibungen und Missbräuche im kirchlichen Leben sich breit machen, die das Wesentliche des christlichen Glaubens verunstalten können.

Wie in der allgemeinen Theologie eine Isolierung von Christologie, Pneumatologie, Soteriologie, d. h. von der Lehre über Christus, über den Hl. Geist und über das Heil, in der Orthodoxen Kirche nicht möglich ist, so ist auch für die Rolle Mariens als Vermittlerin zwischen dem Gläubigen und Gott keine Verabsolutierung eingetreten. Im großen Glaubensbekenntnis von Konstantinopel (381), übrigens dem einzigen ökumenischen Glaubensbekenntnis, das allen Christen gemeinsam ist, heißt es: "Der (d. h. Jesus Christus) für uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist und Fleisch angenommen hat aus dem Heiligen Geist und Maria, der Jungfrau, und Mensch geworden ist." In dieser Formulierung der Konzilsväter drückt sich richtig das Verhältnis der Mutter Gottes zu Christus, zu ihrem Sohn, und zum Hl. Geist aus. Damit wird die christologische und pneumatologische Dimension für uns und für unser Heil deutlich. Das sind die Voraussetzungen, warum die Mutter Gottes auch "Mutter des Lebens" genannt wird und unsere Fürsprecherin und "Vermittlerin" sein kann. Es muss gleich gesagt werden, daß nur in diesem Sinn die Mutter Gottes als Fürbitterin bei ihrem Sohn verstanden werden kann, jedoch nicht im Sinn der westlichen Auffassung von der "Mittlerin" (Commediatrix) oder sogar "Miterlöserin" (Corredemptrix).

Und während Eva nach der Erzählung der Bibel das Menschengeschlecht belastete, nahm Maria, die Mutter Gottes, alle Menschen als ihre Kinder auf. Sie bringt deren Nöte und Bitten vor ihren Sohn, wie sie es bei der Hochzeit zu Kana getan hat. So wird auch das Gespräch vor dem Kreuz zwischen dem gekreuzigten Jesus und seiner Mutter interpretiert: "Als Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dastehen sah, sagte er zu der Mutter: Frau, das ist dein Sohn" (Joh19,26). Mit Johannes sind alle Menschen gemeint, interpretiert z. B. Origenes.

Eine zusätzliche Begründung der Sinnhaftigkeit der Fürbitte Marias ergibt sich auch aus der allgemeinen Position der Heiligen in der Kirche, an deren erster Stelle Maria steht. Die Gemeinschaft in der Kirche nimmt einen besonderen Platz ein. Diese Stellung der Heiligen in der Kirche, deren Verehrung und Anrufung, als "Vermittler" und "Fürbitter" bei Gott zu wirken, wird deutlich durch die Stelle im Jakobusbrief 5,16: "Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Das inständige Bitten eines Gerechten hat große Kraft." Darin liegt ein wichtiges Fundament auch der christlichen Solidarität der Glieder des einen Leibes Christi, wonach "alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit" (1Kor 12,25-26).

Die Verbindung der Verehrung und der Fürbitte Marias mit der der Heiligen beschloss das VII. Ökumenische Konzil von Nizäa: "Wir wurden gelehrt, zu ehren und zu preisen zunächst und vornehmlich und wahrhaftig die Gottesmutter, die höher ist als andere himmlische Kräfte; die Heiligen und Himmelskräfte, die seligen Apostel, die Propheten, ... alle, die um Christi willen den Märtyrertod fanden. Wir wurden gelehrt, deren Fürbitten anzuflehen, weil sie uns mit dem König aller, Gott, in eine familiäre Gemeinschaft bringen können." Das ist die Lehre der Gesamtkirche des Ostens und des Westens, wie sie in einem gemeinsamen ökumenischen Konzil ausgedrückt wird.

Dieses Grundvertrauen der Gläubigen Maria gegenüber kommt auch im gottesdienstlichen Leben zum Ausdruck. Viele Gebete, Fürbitten und Hymnen dokumentieren dies.

So schneidet etwa bei der Vorbereitung der eucharistischen Gaben (Proskomide) der Priester zum Gedenken an die Mutter Gottes einen dreieckigen Teil aus dem eucharistischen Brot heraus und sagt: "Zu Ehren und zum Gedächtnis unserer ... Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria. Auf ihre Fürbitten, Herr, nimm dieses Opfer auf deinem überhimmlischen Altar an." Auch für uns Gläubige wird z. B. bei jeder Eucharistiefeier in den Antiphonen gesungen: "Durch die Fürbitten der Gottesgebärerin rette uns, Retter." Beim Abschluss jedes Gottesdienstes betet der Priester u. a.: "... Christus, unser wahrer Gott, möge in seiner Güte und Menschenliebe sich unser erbarmen und uns retten, durch die Fürbitte seiner allerreinsten und makellosen heiligen Mutter ..."

Schließlich, weil die Christen überzeugt sind, dass Maria "die in Fürbitten unermüdliche Gottesgebärerin" ist (Kontakion, Fest der Entschlafung Marias), feiern sie zwei Wochen lang vor dem 15. August in Abwechslung zwei Bittgottesdienste, den sogenannten "großen Bittkanon" und den "kleinen Bittkanon", während der Fastenzeit feiern sie jeden Tag nach der Vesper. Eine Darstellung und Analyse dieser Gottesdienste würde hinsichtlich der Rolle Mariens als Fürbitterin für alle sehr aufschlussreich sein. Es zeigt sich, daß diese Rolle Mariens nicht eine Gleichstellung mit Gott bzw. mit Christus bedeutet, sondern die Stellung nach ihm.

Außerdem muss noch erwähnt werden, daß nicht nur die Gottesgebärerin Maria für uns bei Gott bzw. bei ihrem Sohn spricht, sondern daß auch wir für Maria beten. Nach der Epiklese, der Anrufung des Heiligen Geistes und der Wandlung der eucharistischen Gaben in der Chrysostomosliturgie, betet der Priester u. a.: "Wir bringen Dir (Gott) diesen geistlichen Gottesdienst auch dar für ... Vorväter, Väter, Patriarchen, Propheten, Apostel, Prediger, Evangelisten, Märtyrer ... Insbesondere aber für unsere allheilige, unbefleckte, hochgepriesene und ruhmreiche Gebieterin, die Gottesmutter und immerwährende Jungfrau Maria". Dadurch wird deutlich, daß Maria nicht an die Stelle ihres Sohnes tritt, daß sie der großen Schar der Gemeinschaft der Heiligen angehört.

Dieses Grundvertrauen auf Maria gilt in der Orthodoxen Kirche für alle Schichten der Gläubigen, von den einfachen Christen einer Dorfgemeinde bis zu den Mönchen und Einsiedlern von Athos, deren "Herz tatsächlich marianisch ist".

Larentzakis, Gregorios, Die Orthodoxe Kirche, Ihr Leben und ihr Glaube, Graz, Wien, Köln 2000,
S. 115ff (ohne Fußnoten)

hier aus St.Andreas-Bote



15. November (28.11.)
Am Vorabend beginnt die 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit: nur vegetarische Speisen bis 24. Dezember
Die erste und letzte Woche nur gekochte Speisen !

Erleichterungen: Dienstag und Donnerstag Krustentiere, Öl und Wein erlaubt
Samstags, Sonntags und am Fest des Einzugs der Allhl. Gottesgebärerin und besonders verehrter Heiliger wie des Hl. Niklaus (6.(19.)Dezember) könnte Fisch zubereitet werden;
sollte aber als Abschlachten eines Lebewesens minimiert werden !
(da wir für das Reich Gottes "üben":  "... wo Löwe und Lamm nebeneinander leben ...")

mehr zum Thema

 

 

Warum wir fasten ?

Prof. Dr. John Breck
Charleston,USA - Paris,St.Serge

übersetzt von G. Wolf
St.Andreas-Bote

Viele Christen haben die überkommene Fastenpraxis aufgegeben.
In vielen heutigen westlichen Kirchengemeinschaften scheint sie mühsam und unwesentlich.
Für diejenigen aber, die die heilende (eschatologische) und heiligende (sakramentale) Bedeutung des Fastens schätzen, ist es so wesentlich wie Essen und Trinken.
Warum fasten also die orthodoxen Christen ?
Für die meisten ist das Leben schon herausfordernd genug
ohne selbstauferlegte Schranken für das, was wir an gewissen Wochentagen und während langer Perioden des Kirchenjahres essen, trinken und tun. Sorgt sich Gott wirklich darum ob wir freitags Fleisch essen oder den Kühlschrank während der Fastenzeit von Milchprodukten befreien ?
Ist das wirklich wichtig ?
Zusätzlich haben manche noch Bedenken wegen der Scheinheiligkeit, die das Fasten manchmal begleitet.
Wir weigern uns aus spirituellen Gründen manche Lebensmittel zu essen,
tun aber wenig oder gar nichts dafür, unser Verhalten gegenüber Anderen zu ändern.
Eine mit der Fastenzeit verbundene Klage (sowohl vom Hl. BASILIOS dem Grossen,
wie vom Hl. CHRYSOSTOMOS überliefert und von Metropolit Simeon von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche auch in unserer Zeit wiederholt gelehrt, Anm. des Herausgebers dieser Internet-Seite) fasst das mit erschreckender Genauigkeit zusammen:

" DU ENTHÄLTST DICH DER FLEISCHSPEISE - ABER DU VERSCHLINGST DEINE NÄCHSTEN !"


Der Hl.JOHANNES vom Sinai hat uns die wirkliche spirituelle Gefahr aufgezeigt, die im übermässigen Genuss liegt:
...Essen soll den Körper gesund erhalten;
aber nicht durch un-überlegte  -oft von aussen suggerierte-  Wünsche versklaven     und uns von der Sorge um unser Heil ablenken !

Die pastoralen Erfahrungen der Kirchenväter ergänzen die biblischen Mahnungen, wie die des Hl. Apostels PAULUS:
" ... sorgt nicht so für euren Leib, dass unsinnige Begierden erwachen " (Röm. 13,14).

Die asketische Tradition der Alten Kirche kennt mehrere Gründe für das Fasten.
Richtiges Fasten reinigt den Körper von Giften, es erleichtert das Gebet,
es hilft LEIDENschaften und Versuchungen zu beherrschen,
und es hilft Solidarität mit den Armen dieser Welt zu fühlen.

Diese Tradition aber besteht auf einem Zugang zum Fasten, der heute oft vergessen wird:

Ausgewogenheit und Masshalten.


Wir können uns zwanghaftes "Etikettenlesen" von allen gekauften Lebensmitteln auferlegen,
nur um sicher zu sein, dass sie auch nicht eine Spur von Milch enthalten;
wir können hungern bis unsere Gesundheit in Gefahr ist;
wir können uns hämisch freuen über unseren "Erfolg" und die weniger Eifrigen unter uns verurteilen.

Das aber macht die Fastendisziplin zu einer Farce.

Viele Orthodoxe, die im Westen leben, stehen vor einem Dilemma, wenn sie von Nicht-Orthodoxen eingeladen werden,
die unsere Fastenpraxis nicht kennen, oder auch von Orthodoxen, die sich nicht darum scheren.

In diesen Fällen sind Ausgewogenheit und Masshalten besonders gefragt.
Um Stolz auf unser Fasten zu vermeiden, ist es gesund und vernünftig, das Gebot zur richtigen Zeit zu lockern.

" Durch die Lockerung unserer gewöhnlichen Praxis, " rät der Hl. DIODOKOS von Photiki,
" können wir unsere Selbstbeherrschung in Demut verborgen halten ".

Wenn wir in Gefahr sind andere mit unseren Fasten zu beleidigen, ist der Rat des Hl. PAULUS eine gesunde Daumenregel:
" ... esst, was euch vorgesetzt wird " (1Kor 10:27)

Doch beantwortet solcher Rat nicht die Frage, warum wir gerufen -eingeladen- sind, Fastenregeln zu akzeptieren,
sei es eine totale Abstinenz für kurze Zeit oder eingeschränkte Nahrung während längerer Fastenzeiten.

Evagrios Pontikos, ein georgischer Mönch, der 399 in der Abgeschiedenheit der ägyptischen Wüste starb,
beschreibt uns die richtigen Gründe, warum das Fasten im christlichen Leben so wichtig ist:
" Faste vor dem Herrn so gut du kannst, " rät er,
" denn damit wirst du von deinen Lastern und Sünden gereinigt;
es erhöht die Seele,
heiligt den Geist,
treibt Dämonen aus
und bereitet dich auf die Gegenwart Gottes vor
...
Sich der Nahrung zu enthalten, sollte dann deine eigene Wahl sein und asketisches Bemühen ".

Elias, der Presbyter, ein Priestermönch des 11./12. Jahrhunderts,
verdeutlicht dieses Ziel mit dem Bild des kommenden Reiches.
"Wer Fasten und das unablässige Gebet praktiziert,  das eine zusammen mit dem anderen,
wird sein Ziel, die Stätte aus der ´Kummer und Seufzen entfliehen´ (Jes 35:10 LXX) erreichen ".

Fasten dient dem Heil nur wenn es in Beziehung auf das Reich Gottes gehalten wird.
Wenn es auch dazu dienen mag den Leib zu entgiften
und uns hilft unsere Versuchungen zu Völlerei und Genusssucht in den Griff zu bekommen,
rechtfertigt dies keineswegs ihre Strenge.

Die Fastendisziplin hat nur einen grundlegenden Zweck: uns auf das Fest vorzubereiten.
 
Wir enthalten uns völlig des Essens bevor wir die Heilige Kommunion empfangen,
nicht nur um den Bauch zu leeren,
sondern um Hunger für die wahre Eucharistie zu schaffen,
das Himmlische Mahl, das für uns bereitet wurde vor der Erschaffung der Welt.

Das gleiche gilt für die langen Fastenzeiten unseres Kirchenjahres.
Sie helfen sehr bei der lebenswichtigen Aufgabe, die "Zeit zu heiligen",
Herz und Geist der überweltlichen Wirklichkeit und dem Versprechen der erfüllten Hoffnung zu öffnen.

Fasten hat seine wahre Grundlage im gesamten sakramentalen Leben der Kirche,
das den Gläubigen nährt und zum ewigen Leben, zu Freude und Frieden im Himmelreich führt.

Es erhebt uns über die täglichen Sorgen unserer irdischen Existenz,
um uns sicher auf die Flugbahn zu setzen,
die uns von diesem Leben ins nächste bringt.

Fasten ist kein Sakrament im strikten Sinne, aber es ist zutiefst "sakramental".
Sakramental und eschatologisch, weil es unser gegenwärtiges Leben und unser Tun heiligt,
unser Gebet -das persönliche, wie das gemeinschaftliche- vertieft und verstärkt,
und in unserem innersten Sein einen entscheidenden Durst nach dem versprochenen Mahl schafft, dem kommenden ewigen Fest.

Fasten ist die Mahnung, dass der Weg zur Herrlichkeit der Weg des Kreuzes ist.
Fasten mag kleinere Unannehmlichkeiten auferlegen:
unseren Drang nach sofortiger Befriedigung enttäuschen
und uns schmerzlich daran zu erinnern, wieviele der Menschen dieser Erde jede Nacht hungrig zu Bett gehen.

Aber das alles hat sein Gutes.
Denn diese Unannehmlichkeiten führen den Leib, den Geist und die Seele zu dem, was wirklich wichtig ist:

zum himmlischen Jerusalem
in dem die Seele erhöht wird,
der Geist geheiligt
und die Dämonen besiegt,

und wir alle auf ewig in der Gegenwart Gottes weilen.

Quelle:  http://www.holyapostles.org

 

19.Oktober (1.11.) Hl. JOHANNES von R I L A, Himmlischer Füsprecher von Bulgarien, Mönchsvater des Balkans |

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19. Oktober (1.11.)



Hl.
J O H A N N E S

von
R I L A


Himmlischer Fürsprecher der BULGAREN
Mönchsvater des Balkans
Vorbild des Hl.JOHANNES von Kronstadt in Russland
 

 Engl.: Tropar, Icon
 
 The LIFE of the SAINT

Lehrer der Umkehr,
Erheller der Schrift,
Fundament der Gedanken,
Geistlich wirkend im Gebet

Du hast Dich mit Erfolg bemüht,
Dein Leben

nach dem Vorbild der Engel zu gestalten,

stetig hast Du Dich Gott angenähert;

Vater JOHANNES

der du im Fasten und Gebet gewachsen bist,

bete bei Christos Gott
für unsere Seelen.

 
Bulgar. Ikone, 17.Jhdt.

Geboren 876 kurze Zeit nach der Taufe Bulgariens unter Fürst BORIS-MICHAEL wurde er zum überzeugten Christen. Vor der Einbeziehung in die neue herschende Schicht flüchtete er in die Einöde des RILA-Gebirges und ermahnte die Fürsten durch seine Askese zu Bescheidenheit und Umkehr.

Er wurde zum leuchtenden Vorbild seines Volkes und zum Mönchsvater der ganzen Balkanhalbinsel.

Bis in unser Jahrhundert behielt sein Vorbild die Leuchtkraft.
 
Der grosse Erneuerer des auch sozial engagierten orthodoxen Priestertums, der Hl. JOHANNES von Kronstadt, erstrebte eine zeitgemässe Umsetzung der ewigen Werte des Hl. Johannes von Rila.
In der Russischen Orthodoxen Kirche werden deshalb beide zusammen am 1. November gefeiert.


Sein Kloster: Das RILA-Kloster, Nationalheiligtum Bulgariens
 

Bulgar. Ikone, 18.Jhdt.


14. OKTOBER (27.10.)

HL. PARASKEWA (PETKA)

Am 14. Oktober (27.10.) wird der Gedenktag der Hl. PARASKEVA der Jüngeren gefeiert.

Ihr heiligmäßiges Leben verbindet die Balkanländer Bulgarien, Serbien und Rumänien.
Deshalb nennt man sie in Bulgarien heilige PETKA von Tarnowo oder von Bulgarien, in Serbien heilige PETKA von Serbien, in Rumänien heilige PARASCHEVA von Iași.

Petka ist die slawische Form des griechischen Paraskeva und leitet sich vom Freitag, dem Wochentag der Kreutigung her.
Die hl. Petka wurde zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert in einer bulgarischen Adelsfamilie in der thrakischen Stadt Epivat am Marmara-Meer geboren.
Ihre Eltern lebten ein Leben geschmückt durch die christlichen Tugenden von Barmherzigkeit und Wohltätigkeit. In diesem Geist wuchs die kleine Petka und ihr Bruder Evtimiy (der später Mönch und Bischof von Matidia wurde) heran.
Von klein auf fühlte sie sich zu einem enthaltsamen Leben hingezogen.

Als ihre Eltern starben, verschenkte sie ihren Besitz und nahm im Alter von 15 Jahren die Tonsur zur Monialin. Um ihre Träume nach dem Heiligen Land zu verwirklichen zog sie über Konstantinopel nach Jerusalem, um sich nach Besuch der Heiligen Stätten letztendlich für ein Leben in der Wüste von Jordanien zu entscheiden, Sie nährte sich einmalig am Tag von Kräutern und ertrug Hitze und Kälte ohne zu klagen.

Im Alter von 25 Jahren erschien ihr ein Erzengel und wies sie an, in die Heimat zurückzukehren. In Thrakien ließ sie sich in der Nähe der Kirche "Heilige Apostel" nieder und lebte dort als Einsiedlerin. 2 Jahre später übergab sie ihre Seele in die Hände der heiligen Engel,
die sie in die ewige Heimat hinaufführten. Ihren leblosen Körper und setzen man in der Kirche der „Heiligen Apostel“ bei.
Als sich nach Gebeten an ihrem Grab mehrere Wunder ereigneten, stellte man fest, daß die Reliquien noch völlig unverwest waren.

In der Blüte des 2. Bulgarischen Reiches im Frühmittelalter holte der bulgarische Zar IVAN ASSEN im Jahre 1238 ihre Gebeine in seine Hauptstadt Tarnovgrad wo sie bald in einer nach ihr benannten neu gebauten Kirche als Beschützerin des bulgarischen Volkes verehrt wurde.
So lesen wir in der Heiligengeschichte des Hl. Bulgarischen Patriarchen EVTIMIY (1375-1393). Der Hl. NIKODIM übertrug den Text 1809 in seine Heiligengeschichte am Heiligen Berg Athos.
Nach dem Fall der bulgarischen Hauptstadt 1391 an die Türken kamen die Reliquien der Hl.Petka über Nikopol und Vidin an die Grenze,
wo sie vor den eingedrungenen Ungarn nicht sicher waren, bis sie der rumänische Fürst MIRCEA der Ältere erwarb.
Danach sorgte die serbische König MILIZA für ihre Überführung nach Belgrad, wo sie in 125 Jahren besonders viele Wunder wirkte.
Von dort gelangten sie nach der Eroberung durch die Türken für 120 Jahre in die Patriarchenkathedrale von Konstantinopel.
1641 brachte sie der moldawische Fürsten VASILIY VOEVOD in das Kloster der 3 Hierarchen in Iași.
Nachdem sie dort 1888 ein Feuer überstanden ruhen die unverwesten wunderwirkenden Reliquien heute in der neuen Kathedrale von Iași im Nordosten Rumäniens.

WIR LERNEN:

Das Leben der Hl. PARASCHEVA (PETKA) zeigt uns, daß auch schon vor vielen Jahrhunderten Jugendliche mutige Entscheidungen treffen konnten  
- und "auf Weltreise" Thrakien - Konstantinopel - Jerusalem - Konstantinopel - Thrakien gehen konnten.
Bei weiser Selbstbeschränkung kann der Mensch darauf vertrauen, dass Gott alles zu einem guten Ende führt.

Auch nach dem Heimgang in die Ewigkeit wirkt Gott immer noch durch unsere stofflichen Überreste.
So wie die Hl. Petka in ihrem Leben an vielen Orten gottgefällig lebte, entschied Gott dass auch ihre Reliquien an vielen Orten unter unter verschiedenen Völkern WUNDER zum Wohle der Menschen WIRKEN.

(nachempfunden nach dem VORBILD von:
Mönchspriester Johann Krammer:
"ORTHODOX LEBEN" Ein Glaubensbuch für junge orthodoxe Christen und Christinnen und alle Interessenten
ISBN 978-3-85205-802-3
Österr. Bibelgesellschaft, 1070 Wien, www.bibelgesellschaft.at
Das Orthodoxe Schulamt für Österreich empfiehlt das Glaubensbuch "Orthodox leben" als Unterrichtsmittel eigener Wahl (UeW) im Orthodoxen Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II)



27. OKTOBER (9.11.)
feiern wir das Gedächtnis des Hl.DIMITeR von Bassarbovo
Er wurde im 17. Jahrhundert im Dorf Bassarbovo in der Nähe der heutigen Stadt Russe an der Donau in Bulgarien geboren.
Er besaß einige Schafe und einen kleinen Weingarten am Fluss Lom und lebte sehr einfach. Eine Überlieferung berichtet, dass er verheiratet war, aber kinderlos blieb.
Nach dem Tode seiner Frau sei er in das schon bestehende Felsenkloster in der Nähe seines Heimatortes gezogen, wo er zum Mönch geweiht wurde und ein strenges asketisches Leben führte. Als er seinen Tod voraussah, verliess er das Kloster und legte sich zwischen zwei grossen Steinen zum Sterben.
Der heilige Mönch Paisiy vom Hilandarkloster überliefert uns in seinem Werk "Slawisch-bulgarische Geschichte" 1685 als sein wahrscheinliches Todesjahr.
Seine Reliquien wurden erst nach einem Hochwasser des Flusses Lom entdeckt. Während des Russisch-türkischen Krieges wurden seine Wunder wirkenden Reliquien im Jahr 1874 nach Bukarest übertragen, wo sie seither in der Patriarchatskathedrale der Hll. Konstantin und Helena ruhen.
Der Hl. Dimiter von Bassarabovo wird heute als Schutzpatron der rumänischen Hauptstadt hoch verehrt.

WIR LERNEN:

Das Leben des Hl. DIMITeR war ein stilles und verborgenes.
Während seines Lebens hören wir nichts von grossen und wunderbaren Ereignissen.
ERST NACH SEINEM TODE offenbarte der Herr seine echte Heiligkeit und bestätigte sie durch VIELE WUNDER.

Der Hl. DIMITeR von Bassarovo ist so ein Vorbild für uns im Leben einfache Christen.
Wir sollen in Stille und ohne Aufsehen die Gebote unseres Herrn Jesus Christus erfüllen. Von Ihm werden wir zur rechten Zeit den Siegeskranz erhalten.

(grossteils übernommen aus:
Mönchspriester Johann Krammer:
"ORTHODOX LEBEN" Ein Glaubensbuch für junge orthodoxe Christen und Christinnen und alle Interessenten
ISBN 978-3-85205-802-3
Österr. Bibelgesellschaft, 1070 Wien, www.bibelgesellschaft.at
Das Orthodoxe Schulamt für Österreich empfiehlt das Glaubensbuch "Orthodox leben" als Unterrichtsmittel eigener Wahl (UeW) im Orthodoxen Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II)




 

Mehr zu den 4 Erzengeln aus dem Ikonenprogramm der Klausurkapelle im Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeits-Klosters in Buchhagen
 

8. November (21.11.)

SYNAXIS
der
Heiligen Erzengel
MICHAEL und GABRIEL
und
aller HIMMLISCHEN KÖRPERLOSEN MÄCHTE

~ SaBOR na Sv.ARCHAN. MICHAIL ~
~ Synaxis Pan. TAXIARCHON ~
~ Soborul Sf. ARHANGHELI ~

Anführer der Himmlischen Scharen
wir -auf Erden- bitten euch:

beschirmt uns
durch euer Eintreten für uns
im Schatten der Flügel
eurer unstofflichen Herrlichkeit.

Voll Vertrauen rufen wir inständig
erreicht unser Freiheit
von den Gefahren
ihr Ersten der überirdischen Mächte !

 
Festtagsikone, griechisch

 

weitere Texte:
Erzpriester SERGEJ (Prof. Bulgakow): Ausgesandt, den Willen Gottes zu tun ...
Die "Himmlischen Körperlosen Mächte"

Dieses Fest ruft uns in Erinnerung, dass wir, als Glieder des Leibes Christi, ausser mit Christos selbst und allen Heiligen auch verbunden sind mit den geistigen Mächten der Schöpfung, die sich nicht wie wir durch Sündenfall von Gott trennen lassen, sondern Ihm in selbstloser Demut und Liebe verbunden geblieben sind.

Symbolisiert sind sie durch die beiden Erzengel:
MICHAEL, der Bekämpfer der widergöttlichen Mächte und
GABRIEL, der Bote der göttlichen Gnade.

Denn nach biblischer Tradition sind die himmlischen Mächte, die Gottes Thron preisend und dienend umgeben, in doppelter Hinsicht auch den Menschen zugewandt:
als Übermittler von Gewissheit und Unterstützer in der Anstrengung vor dem endgültigen Richter
(Num 22,22-35; 2 Koen 24,16; 4 Koen 1,3.15; 19,35; Mt 13,41 f; 16,27; Apg 12,23)

und als Verkünder und Bringer der göttlichen Gnade
(Gen 18,1-16; 3 Koen 19,4-8; Tob 5,5-6,22; Lk 1,11.26; 2,9.13-15; Mt 1,20-24; 18,10; 28,2; Apg 1,10; 5,19f; 12,8f)


Die Engel vermitteln uns daher durch das Bewusstsein ihrer Anwesenheit Schutz vor den Einflüssen der widergöttlichen Mächten und die Sicherheit der Geborgenheit in der Hut Gottes.

In ihrem selbstlosen Dienst sind sie aber auch immer neue Ermutigung zur Hingabe an Gott und zum anbetenden Verweilen in Seiner Gemeinschaft und in Seiner Nähe.

Zu wissen, dass auch sie vor Gott für uns eintreten, bedeutet für uns in der Gemeinschaft des Teiles der Kirche,
der sich noch auf der irdischen Wanderschaft und im Kampf mit dem Bösen befindet,
eine hilfreiche Erinnerung und Gewissheit der Gottesnähe und der Hoffnung auf den Sieg des Guten über das Böse.

(Vater SERGI Heitz +)


 

 

Die "Himmlischen Körperlosen Mächte"

Da Er die wahre, grenzenlose Liebe ist, schuf Gott „alles Sichtbare und Unsichtbare“ so, dass es an Ihm teilhaben kann.
Der Hl. Gregor der Theologe schrieb: ‚Da es Gott in Seiner Güte nicht genügte nur mit der Betrachtung Seinerselbst beschäftigt zu sein, sondern da es nötig war, dass das Gute sich weiter und weiter ausbreiten sollte, sodass die Zahl derer, die Gnade erhalten so groß wie möglich würde (denn das ist charakteristisch für die größte Güte) – deshalb also ersann Gott als Erstes die himmlischen Engelsmächte; und der Gedanke wurde Tat, die vom Wort erfüllt und durch den Geist vervollkommnet wurde [...] und da Er an den ersten Geschöpfen Gefallen fand, ersann Er noch eine Welt, materiell und sichtbar, in ordnungsgemäßer Gestaltung, Himmel und Erde, und was zwischen ihnen ist.’

Das Unsichtbare – einschließlich des Himmels und der Körperlosen Mächte – wurde von Gott vor der Welt, in der wir leben, erschaffen.
Die himmlischen Heerscharen waren sogar Zeugen und priesen die Schöpfung der materiellen Welt, wie der Herr dem Hiob erklärte:
‚Als die Sterne geschaffen wurden, priesen mich mit lauter Stimme alle Meine Engel.’ (Hiob 38,7 LXX).
Die Körperlosen Mächte lobpreisen und dienen Gott und sind zusätzlich die Ausführenden Seines Willens: sie verwalten die Schöpfung, beschützen die Menschheit und bitten für sie und versuchen die Menschheit und die Völker zu Ihm zu führen – manchmal indem sie unsere Taten in die rechten Wege leiten, manchmal indem sie uns den Willen Gottes lehren oder offenbaren.

Die Körperlosen Mächte wurden von Gott ohne Form oder leibliche Materie (unkörperlich) gemacht.
Der Hl. Johannes von Damaskus erläutert: ‚Wenn es der Wille Gottes ist, dass Engel denen erscheinen sollen, die würdig sind, erscheinen sie nicht ihrem Wesen nach, sondern nehmen, verwandelt, eine solche Erscheinung an, dass sie den leiblichen Augen sichtbar sind.’
Durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit sind die Körperlosen Mächte von ihrer Beschaffenheit her unsterblich, aber (ungleich Gott Selbst) auf Ort und Zeit beschränkt: sie können nicht gleichzeitig im Himmel und auf Erden sein.

Gott begabte die Körperlosen Mächte mit Intelligenz, Vernunft und freiem Willen – wie auch später den Menschen – aber sie sind ‚die vollkommensten Geister, dem Menschen in ihren Geistesgaben überlegen’ und ‚so weit über uns, dass sie unerfassbar sind.’ Die Engel im Himmel sind vollkommene Schönheit in ihrer Liebe zu Gott und ihrem Dienst an Gott. Fortwährend vor Seinem Angesicht, sind die Körperlosen Mächte ‚so erfüllt von Gottes Gnade, dass sie in keiner Weise daran denken zu sündigen.’

Alle Körperlosen Mächte haben den Namen ‚Engel’ gemeinsam – er bedeutet ‚Bote’ im Griechischen – auf Grund ihres Dienstes: sie ‚stehen vor dem Angesicht des Schöpfers und dienen Ihm.’ Dieser einfache Name beschreibt auch recht gut, wie der Mensch oft den Körperlosen Mächten begegnet: als Verkünder oder Boten Gottes.


Die Heilige Tradition teilt die Engel in 3 Hierarchien zu je 3 Stufen ein.


In der höchsten Hierarchie sind die Seraphim, Cherubim und Throne.

Am nächsten sind die sechsflügeligen SERAPHIM der heiligsten Dreieinigkeit, die in ihrer Liebe zu Gott erstrahlen und diese Liebe auch in anderen fördern. In der Ikonographie der Kirche werden sie als Gesichter gezeigt, die von flammend-rot und rot-orange leuchtenden Flügeln umgeben sind.

Die vieläugigen CHERUBIM sind die nächsten. Durch diese Heere werden Weisheit und Erleuchtung in der göttlichen Erkenntnis zur Schöpfung gesandt und ihr Name bedeutet ‚Ausgießen der Weisheit’ und ‚Erleuchtung’. Cherubim werden veranschaulicht als Gesichter, die von vier (oder manchmal sechs) blaugrünen, mit alles erkennenden Augen bedeckten Flügeln umgeben sind.

Schließlich findet man die THRONE (in Ez 1,15-21 beschrieben) am Fuße des himmlischen Thrones Gottes, wie sie Ihn geheimnisvoll stützen. Sie dienen der Rechtschaffenheit der Gerechtigkeit Gottes. Die ‚sich drehenden Räder’, die der Prophet Ezechiel gesehen hat, die Throne, werden auf den Ikonen als zwei gelbrote ineinander greifende Ringe mit je vier Flügeln gezeigt. Die Ringe sind mit alles erkennenden Augen bedeckt.


Die mittlere Hierarchie umfasst die Fürstentümer, Mächte und Herrschaften, die – nach dem hl. Athenagoras – ‚den Elementen, den Himmeln, der Erde und allem was darin ist befehlen.’

Die FÜRSTENTÜMER belehren und leiten unsere irdischen Behörden ( - wenn sie darauf hören ! ) zum weisen Regieren. Sie können die irdische Ordnung durch Wunder beeinflussen, sündhafte Regungen dämpfen und die Willenskraft stärken um Versuchungen zu widerstehen.

Die MÄCHTE (bekannt aus 1Petrus 3,22) bringen die Gnade Wunder zu wirken und geisliche Urteilskraft zu Heiligen, die Gott gefallen. Sie helfen der Menschheit gehorsam und geduldig zu sein und dem Willen Gottes zu dienen. Sie werden in der Ikonographie der Kirche als leuchtende kristallene Kugeln, mit einem ‚X’ oder ‚XC’ darauf, dargestellt, die meist von Engeln in menschlicher Gestalt hochgehoben werden.

Die HERRSCHAFTEN (auch ‚Tugenden’ genannt) widerstehen der Macht des Satans und halten die Menschen davon ab, dämonischen Versuchungen nachzugeben. Sie stärken und schützen die Asketen.


In der untersten Hierarchie sind die Körperlosen Mächte, denen der Mensch am öftesten begegnet:

Die GEWALTEN befehlen den niederen Engeln und lehren sie die Erfüllung des Willens Gottes. Nach der Mutter Martha von Pskov ‚leiten sie das Weltall und beschützen Land, Völker und Menschen. Gewalten lehren Menschen jedem die Ehre zu erweisen, die seiner Stellung entspricht. Sie lehren die Regierenden ihre notwendigen Verpflichtungen zu erfüllen, nicht zu persönlicher Ehre und eigenem Vorteil, sondern aus Achtung vor Gott und zum Nutzen des Nächsten.’

Die ERZENGEL verkünden oder bringen Botschaften über Gott und Seine Werke zu unserem Heil.
Wegen dieser Rolle werden die Engel in der Heiligen Schrift auch einzeln benannt oder sind nach der Heiligen Tradition bekannt:

MICHAEL (‚wie Gott’, der Anführer der Engelsheere) Er wird oft in Rüstung mit einem Flammenschwert oder einem Banner mit rotem Kreuz dargestellt,
GABRIEL (‚die Kraft Gottes’ nach Dan 8,16 und Lk 1,26);
RAPHAEL (‚die Heilung Gottes’ Tobit 3,16.12,15),
URIEL (‚Feuer Gottes , 3Esdras 5,20),
SELAPHIEL (‚Gebet Gottes’, 3Esdras 5,16);
JEHUDIEL (‚die Verehrung Gottes’);
BARACHIEL (,der Verteiler des Segens Gottes für gute Taten'; und
JEREMIEL (‚die Erhebung zu Gott’, 3Esdras 4,36).

Erzengel werden dem Menschen in schönen, leuchtenden, geflügelten, menschlichen Gestalten offenbart. Erzengel ‚offenbaren die Geheimnisse des Glaubens, der Prophetie und des Erkennens des Willens Gottes; sie verstärken den Glauben im Menschen und erleuchten sein Herz mit dem Licht des heiligen Evangeliums.’

Die ENGEL (oft als ‚SCHUTZENGEL’ bezeichnet) sind dem Menschen am nächsten. Sie offenbaren ihnen die Absichten und Weisungen Gottes und leiten sie an, ein frommes auf Christus gerichtetes Leben zu führen. Sie versuchen die Menschen vor dem Fall (geistlich wie körperlich) zu bewahren und sind da, wenn sie Hilfe brauchen ‚aufzustehen’, wenn sie doch fallen. Engel werden dem Menschen in leuchtender menschlicher Gestalt, mit oder ohne Flügel, offenbart. Als Geschöpfe, die vor das Angesicht Gottes treten, sind Engel mächtige Fürbitter, d.h. sie sprechen zu Gunsten des Menschen zu Ihm. Als Christus Seine Jünger über die Sorge für die, die ihm folgten – die Schafe Seiner Herde – belehrte, sagte Er:
‚Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters’ (Mt 18,10).

Wegen ihres treuen und nie endenden Dienstes für Gott – und auf Seinen Befehl für die ganze Schöpfung – werden die Engel als das Vorbild für den Dienst des Diakonats gesehen – sie sind das ‚Rollenmodell’ für die Diakone unserer Kirche. Die Erzengel Michael und Gabriel werden gewöhnlich auf dem Diakontüren (die Nord- und Südtüre) der Ikonostase abgebildet.

Nichola Toda Krause 1999 by Orthodox Family Life; http://www.theologic.com; Übers. G. Wolf

hier aus:
St. Andreas-Bote:
 

Der himmlischen Heere Erzanführer,
wir flehen euch an, wir Unwürdigen:
Durch eure Fürbitten umgebt uns,
im Schutz der Flügel eurer unstofflichen Herrlichkeit, wie mit einer Mauer,
die wir uns ausgestreckt niederwerfen und rufen:
Aus den Gefahren erlöset uns als Anführer der Mächte droben.

Apolytikion vom Fest im 4. Ton
 

 

 

Geistliches Wort zum Festtag der Erzengel Michael und Gabriel und der Synaxis aller Himmlischen Körperlosen Mächte
am 8. November
von

Erzpriester SERGEJ (Prof. Bulgakow)
 

Ausgesandt, den Willen Gottes zu tun ...


Es ist die Zeit, den Tag des Erzengels Michael und aller heiligen Engel, unserer himmlischen Bewahrer, Fürsprecher und Beschützer zu begehen.
Erneut bitten wir sie, daß sie uns um unserer Gebete willen unter den Schutz ihrer Flügel nehmen.

Wiederum bekennen wir uns zum Glauben an die heiligen Himmelsbewohner, die am Thron des Herrn stehen, die Gottesdiener, die die Welt und die gesamte Schöpfung in diesem und im zukünftigen Leben bewahren. Offen bekennen wir, daß die Engel nach Gottes Willen die irdischen Schicksale der Völker lenken: in Krieg und Frieden, in Freude und Leid, beim Zusammenbruch von Königreichen und beim Untergang von Völkern ebenso wie bei ihrer Erlösung.

Wir glauben daran, daß wir in Tagen der Not und der Prüfung nicht ohne ihre Hilfe bleiben. Die himmlischen Heerscharen werden für uns und mit uns streiten, die Kräfte des Himmels mit den Kräften der Lüfte, und dort, im Himmel, entscheiden sich die irdischen Schicksale der Völker.

"Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten wider den Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel ..." (Offb. 12,7).

Dieser Krieg fand statt und findet auch heute noch statt. Man weiß nicht, wem, wie und worin im Himmel Hilfe und Sieg zuteil werden, aber wir Menschen sind nicht allein gelassen mit unseren irdischen Schicksalen, die, wenn sie auch auf der Erde, so doch nicht allein mit menschlichen Kräften entschieden werden. Dieser Gedanke gibt uns Zuversicht angesichts dessen, was auf der Welt geschieht, obwohl wir sowohl das Schicksal heute als auch die künftige Vollendung nicht verstehen.

"Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen" (Dan 12,1).

Wir wissen nicht, auf welche Zeit sich diese Vorhersage bezieht, auf unsere oder eine uns ferne Zukunft, aber die Vergangenheit ist ihr ähnlich und bestimmt auch die nachfolgenden Geschehnisse. Aber wie es auch sei, diese prophetischen Visionen beziehen sich auf uns; der Erzengel Michael wacht zusammen mit den anderen heiligen Engeln besonders über das Schicksal seines Volkes und über alle Menschen. Möge er jetzt und heute unsere Herzen nicht verwirren.

Diese Offenbarungen über die Welt der Engel überliefert uns das Wort Gottes, und die Kirche verkündet sie.
Wir lauschen ihnen, werden getröstet und sind zugleich verwirrt.
Die Botschaft dringt nur in den Verstand, darum wirkt sie kraftlos und kalt, wie aus der Ferne und gelangt nicht in unsere Herzen. So wird sie im Leben leicht vergessen, wenn auch nicht immer und von allen, so doch oft und von vielen.
Ratlos und mit einer gewissen Verlegenheit, im Bewußtsein der Sünde gegenüber unseren Schutzengeln und allen heiligen Engeln erscheinen wir, um an diesem Tag ihrer im Gebet zu gedenken.

Aber weshalb und warum?
Reichen unsere Kräfte nicht um die Glaubensmüdigkeit zu überwinden, um das dunkle Reich des Bösen zu durchdringen, damit wir zum himmlischen Licht gelangen?
Hilfe erhält, wer sie sucht, und Kraft der, der darum bittet.
Das ist unser Leid, daß wir mit unseren Gefühlen und Gedanken dem Irdischen verhaftet sind. Dabei wurden wir auserwählt, den Himmel in uns zu tragen und geistig die himmlischen Kräfte zu schauen. In unserer Verweltlichung und im geistlichen Fall sind wir unfähig, mit dem Herzen den Tag der heiligen Engel zu feiern. Wir empfinden nicht ihre Nähe, nicht die Kraft und die Stärkung, die wir von ihnen erwarten.
Was tun, und wie können wir uns helfen?
Ja können wir uns überhaupt helfen?
Wenn wir selbst es nicht vermögen, so können die heiligen Engel uns helfen, zu denen wir unsere geistigen Augen im Gebet um Hilfe erheben.
Aber auch das geschieht nicht automatisch, ohne unser Wollen und Bemühen: Man muß danach verlangen, dürsten und nach dem geistigen Frieden trachten, sich danach sehnen und nicht satt sein an der Sattheit dieser Welt. Als Antwort auf dieses Verlangen gibt der Herr sein Versprechen: "Du wirst gesättigt werden."

Die Liebe zu den Engeln erwärmt sich im herzlichen Gedenken an sie, im Begreifen ihrer Natürlichkeit, im Gebet zu ihnen. Die meisten Menschen haben dazu keine Muße, ebenso wie sie die Gottesweisheit als überflüssig für ihre Frömmigkeit halten. Finden sich in dem ganzen Reichtum von Gedanken und Offenbarungen, die uns die Kirche über die Engel überliefert, nicht ein Gedanke, der unser Herz rührt und erwärmt, uns an jene Welt erinnert, von der aus wir auf die Erde kamen?
Ein Gedanke wird bleiben - das Gedenken an den Schutzengel, der dich auch dann nicht verläßt, wenn du ihn verlassen und vergessen hast!
Wird das nicht auch der Gedanke an die Lobpreisungen der Engel sein, von denen die Kirche in Psalmen und Gesängen verkündet?
Erwachen wir nicht, wenn wir die Schönheit der Welt betrachten, in deren Durchsichtigkeit sich die Flügel der Engel ahnen lassen?
Werden wir nicht durch die gewaltigen Kräfte der Natur, Sturm, Flut und Schrecken des Krieges erschüttert, denn auch in ihnen wird unsichtbar und unbegreiflich das Wirken der Diener Gottes deutlich?!

Wir werden die Nähe der Engel auch durch die KRAFT des GEBETES suchen. Unser Gebet mag vielleicht nicht nur arm, trocken und zerstreut, sondern auch eigennützig sein. Wir verfolgen darin unsere eigenen Ziele, wünschen die Erfüllung unseres Willens, die Befriedigung unserer Bedürfnisse. Unsere Bitten um Irdisches und Menschliches werden nicht verurteilt. "Bittet und euch wird gegeben werden", aber auch eine andere Art des Gebetes ist möglich, hinführend zum Gebet der Engel, zu Lob, zum Preis und zur Liebe. Dies ist keine weltliche, sondern eine himmlische Liebe, sie ruft und führt uns zur Sonne der Liebe, an den Thron des Dreieinigen Gottes.

Möge bei diesem Fest der Engel unser Herz sich ihnen zuwenden und im Geiste ihre Antwort vernehmen.
Heiliger Erzengel Michael und alle heiligen Engel!
Helft den Leidenden, laßt euch erkennen, lehrt uns beten!
Mögen wir die Furcht in unserem Leben abstreifen und unser Glaube und unsere Zuversicht gefestigt werden!
Seid uns nahe in unseren irdischen Nöten und Sorgen und erleuchtet unsere Herzen mit dem himmlischen Licht!


Quelle:
Stimme der Orthodoxie 11/88
Herausgeber und Chefredaktion Erzpriester Vladimir Ivanov
Verlag Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat)


den Abdruck hier übernommen aus:
St. Andreas-Bote:

empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de
St.Andreas-Bote 11/98



 

 

4 Erzengel
aus dem
Ikonenprogramm der Klausurkapelle im Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeits-Klosters in Buchhagen



 



Michael
steht an der Pforte des Kirchenschiffs, wie einst als Führer der Cherubim an der Pforte des Paradieses (1.Mose 3.24).
Als Streiter Gottes und Führer der himmlischen Scharen führt er das dreiflammige Feuerschwert mit seiner Rechten und pflanzt die heilige Lanze mit seiner Linken als Standarte zur Versammlung des Volkes Gottes auf.
 

Gabriel
trägt als Engel der Verkündigung des Ratschlusses Gottes in der Welt das Medaillon bzw. die Glaskugel mit dem Bild Christi als Emanuel, das Bild Gottes bei Seinem Kommen in die Welt.
 

Uriel
als Engel unserer Führung in der Welt trägt einen Stab

Hinter den beiden mittleren Erzengeln erhebt sich auf einem Berg das himmlische Jerusalem.
Letzteres nimmt Motive der Klosterarchitektur auf und mahnt so die Mönche daran, dass das Kloster ein irdisches Abbild des himmlischen Jerusalems sein muß und sie aufgerufen sind, eine möglichst weitgehende Übereinstimmung ihrer konkreten Gemeinschaft an dem konkreten Ort des Klosters mit dem himmlischen Jerusalem, dem ewigen Urbild im Ratschluss Gottes, anzustreben.

 

Raffael
als heilender und so in das Allerheiligste führender Erzengel
steht bereits über einer Seitenwand des Altarraums, wo das allerheiligste Mysterium der Kirche vollzogen wird.
Als unseren Zugang dazu weist er mit seiner rechten Hand auf das Herz als Sitz der geistigen Wahrnehmung, der Empfängnisfähigkeit des Menschen für Gott und das Geheimnis der Wandlung. Er und trägt mit der linken eine goldene Schale dort, wo sich nach der Überlieferung bei der Übung des Herzensgebetes zunächst das menschliche Bewusstsein sammelt und dann allmählich der Einklang mit dem Willen Gottes entsteht.
Neben dem Erzengel steht auf einem Sockel ein Kelch, der dem sogenannten Athos-Gral nachgebildet ist, der im Kloster Watopädi als heilige Reliquie aufbewahrt und nur einmal im Jahr, nämlich in der Osternacht als Abendmahlskelch verwendet wird.

mehr zum Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeits-Kloster in Buchhagen, Bodenwerder/Weserbergland




21. November (4.12.)

EINZUG
der
ALLERHEILIGSTEN GOTTESGEBÄRERIN
in den
TEMPEL
~ WWEDENJE ~    ~ EISODIA~    ~ INTRAREA~

Der reinste Tempel des Erlösers,
das kostbare Brautgemach,
die Jungfrau, die heilige Schatzkammer
der Herrlichkeit Gottes
 
wird heute eingeführt
in das Haus des Herrn

und führt mit ein
die Gnade im göttlichen Geiste.
 
die Engel besingen sie:
Sie selbst ist das himmlische Zelt.
Festtagsikone, griechisch

weitere Texte zum Fest:
aus: The Year of Grace
Die Kirchenväter zu Apokryphen und Vorverkündigung
Prof. Larentzakis: Marienverehrung in der Orthodoxie
Prof. Lothar Heiser: Quellen der Freude, zum Fest

Der Sinn des Festes erschließt sich nicht, wenn man den Text des Protoevangeliums des Pseudo-Jakobus geschichtlich-faktisch verstehen will. Die Bedeutung für uns wurzelt im Symbolisch-Poetischen:

Die Gottesmutter steht hier -wie so oft- vorbildhaft für alle Menschen.
Es geht um unsere Bereitschaft uns zur Heiligung der menschlichen Natur führen zu lassen.
Die Stufen dieser Heiligung, die Phasen der Annäherung an Gott, werden im Bilde verdeutlicht:
Einführung in die Sphäre Gottes (als Vorbild die kindliche Empfänglichkeit), das stetige Verweilen in dieser Sphäre über die Jahre bis zur Reife, der stufenweise Aufstieg zur Gotteserkenntnis, genährt durch die himmlische Speise, der vertraute Umgang mit Engeln.

Dies alles geschieht jedoch nicht aus dem starken Willen und als Ergebnis der Leistung des typisch männlichen Charakters sondern in der Ergebenheit und im Vertrauen eines Kindes, das geführt wird und sich führen lässt.





 

Einzug der Allheiligen Gottesmutter in den Tempel

Einige Tage nach dem Beginn der Vorweihnachtlichen Fastenzeit feiert unsere Kirche das Fest des Einzugs der Hl. Jungfrau in den Tempel.
Es passt gut, dass am Anfang der Vorbereitungszeit für Weihnachten unsere Gedanken sich der Gottesmutter zuwenden, deren demütige und stille Erwartung ein Vorbild für unsere eigene Erwartungen im Advent sein sollten. Je näher wir der Gottesmutter durch das Gebet, unseren Gehorsam und unsere Reinheit kommen, desto mehr wird in uns der geformt, der in Kürze geboren werden wird.
Dass die Jungfrau als ganz kleines Kind in den Tempel von Jerusalem eingeführt wurde und dort lebte, wird heute als historisch nicht belegt dem Reich der Legende zugerechnet. Trotzdem bildet diese Legende ein anmutiges Symbol aus dem wir tiefe geistliche Einsichten beziehen können.


Zur Vesper am Abend des 20. November (d.h. also zum Beginn des 21. November) beziehen sich die drei Lesungen aus dem Alten Testament auf den Tempel.
Die erste Lesung (Ex 40) gibt die Anweisungen wider, die Gott Mose über den Bau und die innere Anordnung des Allerheiligsten gab.
Die zweite Lesung (1Kön 7,51-8,11) beschreibt die Weihe des Tempels Salomos.
Die dritte Lesung (Ez 43,27-44,4), die auch am Fest Mariae Geburt am 8. September gelesen wird, spricht vom Osttor des Heiligtums, das für alle Menschen verschlossen ist, weil Gott durch dieses Tor eingezogen war.
Diese drei Perikopen haben symbolisch als ihr Thema die Gottesmutter, die der lebendige und perfekte Tempel ist.

Die Perikopen, die beim Orthros und in der Liturgie gelesen werden sind die gleichen wie für das Fest am 8. September. Wir hören die zusammengezogenen Teile Lk 10,38-42 und 11,27-28, die die Kirche an allen Marienfesten liest und deren besonderes Gewicht durch die Wiederholung betont wird. Jesus lobt Maria von Bethanien, die zu Seinen Füßen sitzt und Seiner Rede lauscht mit den Worten "Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden" denn "nur eines ist notwendig".
Der Herr tadelte Martha nicht, weil sie so in Anspruch genommen war für ihn zu sorgen, sondern weil sie sich "viele Sorgen und Mühe" machte. Die Kirche nimmt die Zustimmung, die Maria von Bethanien durch Jesus erfahren hat, als Zustimmung zum kontemplativen Leben, insofern es verschieden (wir sagen nicht: entgegengesetzt) zum aktiven Leben ist.
Die Kirche nimmt diese Zustimmung auch für Maria, die Mutter des Herrn, die als Vorbild für das kontemplative Leben betrachtet wird, denn wir lesen an anderer Stelle im Lukas-Evangelium: "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
... Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen" (Lk 2,19.51). Vergessen wir auch nicht, dass die Jungfrau Maria sich schon vorher und in viel höherem Maße dem Dienst an Jesus geweiht hatte, denn sie hat den Retter genährt und aufgezogen.

Im zweiten Teil der Tagesperikope hören wir, dass eine Frau Jesus zurief: "Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat", der Er antwortete: "Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." Diese Worte dürfen nicht als Zurückweisung des Lobes, das die Frau der Gottesgebärerin erweist missverstanden werden, oder als Geringschätzung ihrer Heiligkeit, vielmehr bringen sie die Dinge ins rechte Lot und zeigen wo das wahre Verdienst Marias liegt.
Dass Maria die Mutter Christi wurde, war ein Geschenk, ein Privileg, das sie akzeptierte, aber ihr persönlicher Wille war nicht Teil der Ursache. Andererseits war es ihr eigenes Bemühen, dass sie das Wort Gottes hörte und bewahrte. Darin liegt die eigentliche Größe Marias.
Sicher, Maria ist heilig, aber nicht ursächlich weil sie Jesus gebar und nährte, vor allem ist sie heilig, weil sie in einzigartiger Weise gehorsam und treu war. Maria ist die Mutter des Herrn; sie ist die Beschützerin der Menschen, aber zuerst und vor allem: sie ist die Frau, die dem WORT lauschte und Es bewahrte.

Hierin liegt die ‚evangelische’ Begründung unserer Marienverehrung. Der Psalmvers, der nach der Epistel gesungen wird, drückt das sehr gut aus: "Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr" (Ps 44,11).


Die Epistel die heute gelesen wird (Hebr 9,1-7) spricht von den Vorschriften für das Heiligtum und dem ‚Allerheiligsten’: dieser Text bezieht sich wieder symbolisch auf Maria. Die spirituelle Bedeutung des Fests wird in den verschiedenen Texten der Gottesdienste und der Liturgie entwickelt. Die beiden Hauptthemen, die wir dort finden sind folgende: erstens, die Heiligkeit Marias. Das kleine Kind, das der Welt entzogen wird und in einem Tempel lebt, ruft den Gedanken an ein besonderes Leben hervor, ein ‚dem Tempel geweihtes’ Leben; ein Leben inniger Verbundenheit mit Gott: ‚Heute betritt die Allreine und Allheilige das Allerheiligste’. Es ist klar, dass hier die Kirche eine besondere Anspielung auf die Jungfrauenschaft macht, aber das ganze menschliche Leben, in seinen unterschiedlichen Begrenzungen, kann ‚dem Tempel geweiht’ werden, ein Leben vor Gott, heilig und rein.

Das zweite Thema ist der Vergleich des Tempels aus Stein mit dem lebendigen Tempel: "Der reinste Tempel des Erretters ... heute wird sie eingeführt in das Haus des Herrn und sie führt mit sich hinein die Gnade im Göttlichen Geiste..." (Kondakion zum Fest). Maria, die den Gottmenschen in Ihrem Schoß tragen wird, ist ein Tempel, der heiliger ist als der Tempel in Jerusalem; es passt, dass die beiden Tempel sich begegnen, aber hier ist es der lebendige Tempel, der den erbauten Tempel heiligt. Dass der lebendige Tempel dem Tempel aus Stein überlegen ist, ist bei Maria in besonderer Weise wahr, denn sie war das Werkzeug der Fleischwerdung.

Aber allgemeiner ist dieses Bild auf jeden anzuwenden, der mit Gott vereint ist:
"Wisst ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid ..?
.. Oder wisst ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist ...?" (1Kor 3,16.6,19).

(A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace, Crestwood N.Y. 1992, p. 52ff.; Übers. G. Wolf)

hier aus St.Andreas-Bote


 

Das Fest des Einzugs der Allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel

in der traditionellen Geschichte aus den Apokryphen
und die
Vorverkündigung in der Heilsgeschichte des Volkes Gottes im Alten Bund

- wie es die Kirchenväter sahen -

"Zunächst wollen wir von denen, die über Maria berichten, erfahren, wer sie ist und woher sie stammt. Ich habe einen Bericht apokrypher Art vernommen, welcher folgendes von ihr erzählt: Ein im öffentlichen Leben und in der Treue zum Bundesgesetz ausgezeichneter Mann, anerkannt unter den Besten, der Vater der Jungfrau, alterte kinderlos, weil seine Gattin keine Kinder bekommen konnte. Auf Grund des Bundesgesetzes kam den Müttern eine Würdestellung zu, an der die Kinderlosen keinen Anteil hatten. Darum folgt seine Frau dem Beispiel, das von der Mutter des Samuel erzählt wird (vgl. 1 Sam 1,9-18): Sie begibt sich in das Allerheiligste und fleht zu Gott, sie möge doch nicht vom Bundessegen ausgeschlossen werden, da sie ja in nichts gegen die Bundestreue gefehlt habe; sie möge Mutter werden, und sie wolle Gott das Kind weihen. In seinem Wohlwollen gab Gott ihr Zuversicht, und sie empfing die Gnade, um die sie gebeten hatte. Als das Kind geboren war, nannte sie es Maria [hebr.: Mirjam, d.h. die Begnadete], um auch durch die Namensgebung anzudeuten, daß es ein Gnadengeschenk Gottes sei. Als das Mädchen herangewachsen und der Mutterbrust entwöhnt war, legte sie großen Wert darauf, es Gott zu übergeben, das Versprechen einzulösen und es in den Tempel zu führen. Die Priester aber hätten eine Zeitlang das Mädchen ähnlich wie Samuel im Heiligtum aufgezogen; als sie aber herangewachsen war, hätten sie sich überlegt, was sie mit diesem heiligen Leib anfangen sollten, um nicht gegen Gott zu sündigen. Denn sie dem Gesetz der Natur zu unterwerfen und sie durch die Ehe der Herrschaft eines Gatten zu unterstellen, war völlig abwegig. Man hätte es geradezu für einen Tempelraub gehalten, wenn ein Mensch über ein göttliches Weihegeschenk Herr würde; denn der Mann war auf Grund der Gesetze beauftragt, über seine Ehefrau zu herrschen. Dass aber eine Frau sich zusammen mit den Priestern im Gotteshaus aufhalte und sich im Heiligtum blicken lasse, entsprach weder dem Bundesgesetz, noch vertrug die Ehrbarkeit diesen Zustand. Als die Priester hierüber Beratung hielten, gab Gott ihnen den Rat ein, sie zur Verlobung einem Manne zu geben; dieser müsse geeignet sein, ihre Jungfräulichkeit zu schützen. Man fand Josef, der der Bedingung entsprach, aus demselben Stamm und Geschlecht wie die Jungfrau. Er nahm nach dem Rat der Priester das Mädchen zur Braut; ihre Gemeinschaft war nur ein bräutliches Verhältnis."

Homilie des Hl. GREGOR von Nyssa auf Christi Geburt; PG 46, 1137 C-1140 B

Für die Väter sind die Verheißungen des Alten Testamentes in Christus in Erfüllung gegangen, und was sie von Maria und ihrer Bedeutung im Heilswerk aussagen wollen, finden sie besser als in den Apokryphen in den Vorbildern der göttlich inspirierten Schriften des Alten Bundes vorgegeben.
Sie müssen nur die Schätze heben und die Bilder in ihrem Zeichencharakter erkennen, sie den Gemeinden deuten und fruchtbar machen.
Denn seitdem Jesus in der Synagoge von Nazareth das Jesaja-Wort: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; er hat mich gesalbt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen die Befreiung und den Blinden das Augenlicht zu verkünden, um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen.« (Lk 4,18-19; vgl. Jes 61,1 f.) ausdrücklich auf sich bezogen hat mit der Feststellung; »Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt« (Lk 4,21), können alttestamentliche Texte nicht mehr verkündet und interpretiert werden ohne Blick auf Christus und seine Heilssendung.

Wer das Alte Testament ohne diesen messianischen Bezug verstehen will, verirrt sich in unfruchtbarer Textanalyse und stößt nicht zu seiner Heilsbedeutung vor. So haben nach der Überzeugung der Väter die Bilder, Zeichenhandlungen, Erzählungen und Psalmenworte bereits ihre Erfüllung gefunden und müssen von Christus her und seiner Botschaft und seinem Werk verstanden werden.


Der Rückgriff auf das Alte Testament erweist sich zuweilen geradezu als notwendig, damit die geistige und nicht leicht erfassbare Botschaft des Neuen Testamentes durch einfache Bilder und Symbole aus dem Alten Bund veranschaulicht werden kann. Schließlich wird die menschliche Erwartungen übersteigende neue Botschaft vom Heilshandeln Gottes leichter angenommen, wenn man erfährt, daß Gott im voraus schon Hinweise seiner künftigen Güter gegeben hat. Allerdings sind diese Hinweise noch nicht das Gemeinte selbst, sie sind nur Schatten der wahren Heilsgaben.

"Was bedeutet der Ausspruch: Geistiges beurteilen wir mit Geistigem (1Kor 2,13)?
Wenn etwas geistig und nicht erfassbar ist, so führen wir Zeugnisse dafür aus geistigem Bereich an;
so z. B. wenn ich davon spreche daß Christus auferstanden ist, daß er von einer Jungfrau geboren wurde. Ich führe dann Zeugnisse, Vorbilder und Hinweise an: des Jonas Aufenthalt im großen Fisch und seine spätere Rettung, das Gebären durch unfruchtbare Frauen, durch Sara, Rebekka und andere, das Wachsen der Bäume im Paradies, obwohl kein Same ausgestreut, kein Regen auf den Boden gefallen und keine Furche gezogen wurde. Denn die künftigen Güter wurden schattenhaft vorgebildet und entworfen durch frühere Ereignisse, damit man an sie glaubte, wenn sie eintraten. Ferner weise ich darauf hin, wie aus der Erde ein Mensch und wie aus einem einzigen Menschen ohne Zeugung die Frau, ja wie die Erde selbst aus nichts entstanden ist, da die Macht des Schöpfers überall und zu allem genügt. So beurteile ich Geistiges mit Geistigem und bedarf nirgends der weltlichen Weisheit, weder der Beweise noch der kunstfertigen Rede."

(Hl. JOHANNES Chrysostomos, 7. Homilie zum 1. Korintherbrief, 4; PG 61,59)


Aus: Heiser, Lothar, Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres, Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.), Sophia, Quellen östlicher Theologie, Bd. 20, Trier 1981, S. 100ff.

hier aus St.Andreas-Bote

Die Marienfeste in der koptischen Kirche

Die Verkündigung an ihre Eltern (7. Misra):

Dieses Fest erinnert an die Empfängnis Mariens, der lebenden Bundeslade,

der Wohnung des Allerheiligsten
und des zweiten Himmels.



Ihre Geburt (1. Baschans):

Die Kopten feiern, wie auch die übrigen Kirchen, üblicherweise Heiligenfeste,
um dabei an den Tod bzw. das Martyrium oder die Aufnahme ins Paradies des betreffenden Heiligen zu erinnern;
Maria wird jedoch auch am Tag ihrer Geburt
gefeiert.
(Anmerkung: Wegen ihrer Bedeutung für unsere Erlösung wird die Gottesmutter auch am Tag ihrer Geburt gefeiert)



Ihre Vorstellung im Tempel (3. Kiyahk):

Nach der Überlieferung wurde Maria durch ein Gelübde ihrer Mutter Anna Gott geweiht, weil diese versprochen hatte, ihre erstgeborene Tochter oder ihren ersten Sohn dem Herrn zu schenken, damit dieses Kind ihm jeden Tag seines Lebens dienen sollte.



Der Tod Mariens (21. Tubah):

Der Tod und die Himmelfahrt Mariens werden in der koptischen Kirche an zwei verschiedenen Tagen gefeiert.

Zum Tod Mariens meint Augustinus: „Maria starb als Spross Adams als Folge der Sünde (Adams). Adam starb als Folge der Sünde; das Fleisch des Herrn, das aus Maria entspross, starb zur Zerstörung der Sünde“

Nach dem koptischen Diskurs des Theodosius von Alexandrien „Über den Tod Mariens“ beantwortet die Gottesmutter die Klagen der Apostel über ihr Sterben:
Steht nicht geschrieben, dass alles Fleisch des Todes ist?
Ich muss wie alle Erdenbewohner zur Erde zurückkehren“ 135



133 Vgl. auch Chr. Schaffer, Koimesis. Das Entschlafungsbild in seiner Abhängigkeit von Legende und Theologie (=Studia patristica et liturgica 15, Regensburg 1985) 47ff.
134 Germanus von Konst., Über das Sterben der Theotokos (PG 98, 345 B).
135 Augustinus, In Joh. Ev. 8, 9.


Zitate aus der koptischen Kirche - hier aus:
Die Gottesmutter bei den Kirchenvätern und im orthodoxen Verständnis Tadros Y. Malaty
Titel Die heilige Jungfrau Maria, die Gottesmutter Ti-theo-tokos bei den Kirchenvätern, in der koptischen Kirche und im orthodoxen Verständnis
Autor Vater Tadros Yakoub Malaty
Übersetzung Übersetzung aus dem Englischen von Vater Tawadros und
Marianne Hermann. Titel des Originals: „St. Mary in the Orthodox Concept“
Hinweis Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt (Copyright). Alle Rechte liegen, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei:Herausgeber Koptisch-orthodoxes St.Antonius Kloster
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Auflage 4. Auflage September 2018
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Zur Marienverehrung in unserer Kirche

Prof. Dr. Grigorios Larentzakis, Graz


In unserer Orthodoxen Kirche ist der liturgische, der doxologische, der theologische und der dogmatische Bereich mit dem Leben der Gläubigen sehr eng verbunden.

Allerdings muss gesagt werden, daß in der Sprache der Liturgie und in der poetischen Formulierung, im Jubel und Enthusiasmus, gelegentlich Übertreibungen vorkommen können, die, isoliert betrachtet, zu Einseitigkeiten und zu falschen Interpretationen führen können.

Trotzdem ist der unmittelbare Bezug der Kirche bzw. das Empfinden der Christen zu Maria wichtiger. In diesem Sinn hat für die Orthodoxe Kirche und Theologie die Person und die Rolle Mariens vom Anfang an eine zentrale Bedeutung. Das religiöse Leben der Christen ist von der Mutter Gottes (Theodokos) gerade aufgrund des Mysteriums der Menschwerdung Gottes erfasst. Wir betrachten sie als unsere eigene Mutter mit allen Konsequenzen und Beziehungen, die Kinder zu ihrer Mutter haben. Das wirkt sich zum Beispiel so aus: Wenn einem Christen etwas Unangenehmes oder etwas Schlimmes widerfährt, ruft er spontan und unmittelbar die Hilfe Marias, der Allheiligen (Panhagia), an.

Deshalb können die orthodoxen Christen mit Festen, Feiern und Hymnen Maria würdigen und verehren. Dabei werden die in überschwänglichen Gefühlen und in dichterischer Sprache vorkommenden Übertreibungen nicht als störend empfunden. Wenn man aber mit den Mitteln und den Methoden einer rationalen Zeit alles zu untersuchen und zu analysieren beginnt, und wenn man diese Atmosphäre des inneren Verhältnisses und der feierlichen Stimmung nicht miterlebt, den Hintergrund mancher Formulierungen nicht kennt, die andere Mentalität und die soziokulturellen Verhältnisse nicht berücksichtigt, dann wird vieles auf das rational Verstehbare und Begründbare reduziert oder als überflüssiger Ballast abgelehnt und weggeworfen.

Ein Kanon, ein Gesetz und eine erklärende endgültige Definition, ja eine dogmatische Definition waren und sind dann notwendig, wenn das harmonische Verhältnis in Frage gestellt wird und wenn der Inhalt oder das Wesen der Sache selbst gefährdet wird. Wo das "Göttliche" und das "Menschliche" eine harmonische Gemeinschaft bilden, ist es nicht notwendig, negative oder positive Regelungen zu treffen. Anders gesagt: Wo die Liebe erkaltet, beginnt das Misstrauen. Wo das Misstrauen beginnt, wächst die Angst. Und wo die Angst wächst, werden Gesetze und Bestimmungen für notwendig gehalten, in der irrigen Annahme, daß sie die liebende Gemeinschaft garantieren oder sogar ersetzen. Die Dynamik des Lebens hat den Vorzug vor allen Rationalisierungen und Reglementierungen. Allerdings hat die Theologie eine wichtige Aufgabe, korrigierend zu wirken, wenn Übertreibungen und Missbräuche im kirchlichen Leben sich breit machen, die das Wesentliche des christlichen Glaubens verunstalten können.

Wie in der allgemeinen Theologie eine Isolierung von Christologie, Pneumatologie, Soteriologie, d. h. von der Lehre über Christus, über den Hl. Geist und über das Heil, in der Orthodoxen Kirche nicht möglich ist, so ist auch für die Rolle Mariens als Vermittlerin zwischen dem Gläubigen und Gott keine Verabsolutierung eingetreten. Im großen Glaubensbekenntnis von Konstantinopel (381), übrigens dem einzigen ökumenischen Glaubensbekenntnis, das allen Christen gemeinsam ist, heißt es: "Der (d. h. Jesus Christus) für uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist und Fleisch angenommen hat aus dem Heiligen Geist und Maria, der Jungfrau, und Mensch geworden ist." In dieser Formulierung der Konzilsväter drückt sich richtig das Verhältnis der Mutter Gottes zu Christus, zu ihrem Sohn, und zum Hl. Geist aus. Damit wird die christologische und pneumatologische Dimension für uns und für unser Heil deutlich. Das sind die Voraussetzungen, warum die Mutter Gottes auch "Mutter des Lebens" genannt wird und unsere Fürsprecherin und "Vermittlerin" sein kann. Es muss gleich gesagt werden, daß nur in diesem Sinn die Mutter Gottes als Fürbitterin bei ihrem Sohn verstanden werden kann, jedoch nicht im Sinn der westlichen Auffassung von der "Mittlerin" (Commediatrix) oder sogar "Miterlöserin" (Corredemptrix).

Und während Eva nach der Erzählung der Bibel das Menschengeschlecht belastete, nahm Maria, die Mutter Gottes, alle Menschen als ihre Kinder auf. Sie bringt deren Nöte und Bitten vor ihren Sohn, wie sie es bei der Hochzeit zu Kana getan hat. So wird auch das Gespräch vor dem Kreuz zwischen dem gekreuzigten Jesus und seiner Mutter interpretiert: "Als Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dastehen sah, sagte er zu der Mutter: Frau, das ist dein Sohn" (Joh19,26). Mit Johannes sind alle Menschen gemeint, interpretiert z. B. Origenes.

Eine zusätzliche Begründung der Sinnhaftigkeit der Fürbitte Marias ergibt sich auch aus der allgemeinen Position der Heiligen in der Kirche, an deren erster Stelle Maria steht. Die Gemeinschaft in der Kirche nimmt einen besonderen Platz ein. Diese Stellung der Heiligen in der Kirche, deren Verehrung und Anrufung, als "Vermittler" und "Fürbitter" bei Gott zu wirken, wird deutlich durch die Stelle im Jakobusbrief 5,16: "Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Das inständige Bitten eines Gerechten hat große Kraft." Darin liegt ein wichtiges Fundament auch der christlichen Solidarität der Glieder des einen Leibes Christi, wonach "alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit" (1Kor 12,25-26).

Die Verbindung der Verehrung und der Fürbitte Marias mit der der Heiligen beschloss das VII. Ökumenische Konzil von Nizäa: "Wir wurden gelehrt, zu ehren und zu preisen zunächst und vornehmlich und wahrhaftig die Gottesmutter, die höher ist als andere himmlische Kräfte; die Heiligen und Himmelskräfte, die seligen Apostel, die Propheten, ... alle, die um Christi willen den Märtyrertod fanden. Wir wurden gelehrt, deren Fürbitten anzuflehen, weil sie uns mit dem König aller, Gott, in eine familiäre Gemeinschaft bringen können." Das ist die Lehre der Gesamtkirche des Ostens und des Westens, wie sie in einem gemeinsamen ökumenischen Konzil ausgedrückt wird.

Dieses Grundvertrauen der Gläubigen Maria gegenüber kommt auch im gottesdienstlichen Leben zum Ausdruck. Viele Gebete, Fürbitten und Hymnen dokumentieren dies.

So schneidet etwa bei der Vorbereitung der eucharistischen Gaben (Proskomide) der Priester zum Gedenken an die Mutter Gottes einen dreieckigen Teil aus dem eucharistischen Brot heraus und sagt: "Zu Ehren und zum Gedächtnis unserer ... Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria. Auf ihre Fürbitten, Herr, nimm dieses Opfer auf deinem überhimmlischen Altar an." Auch für uns Gläubige wird z. B. bei jeder Eucharistiefeier in den Antiphonen gesungen: "Durch die Fürbitten der Gottesgebärerin rette uns, Retter." Beim Abschluss jedes Gottesdienstes betet der Priester u. a.: "... Christus, unser wahrer Gott, möge in seiner Güte und Menschenliebe sich unser erbarmen und uns retten, durch die Fürbitte seiner allerreinsten und makellosen heiligen Mutter ..."

Schließlich, weil die Christen überzeugt sind, dass Maria "die in Fürbitten unermüdliche Gottesgebärerin" ist (Kontakion, Fest der Entschlafung Marias), feiern sie zwei Wochen lang vor dem 15. August in Abwechslung zwei Bittgottesdienste, den sogenannten "großen Bittkanon" und den "kleinen Bittkanon", während der Fastenzeit feiern sie jeden Tag nach der Vesper. Eine Darstellung und Analyse dieser Gottesdienste würde hinsichtlich der Rolle Mariens als Fürbitterin für alle sehr aufschlussreich sein. Es zeigt sich, daß diese Rolle Mariens nicht eine Gleichstellung mit Gott bzw. mit Christus bedeutet, sondern die Stellung nach ihm.

Außerdem muss noch erwähnt werden, daß nicht nur die Gottesgebärerin Maria für uns bei Gott bzw. bei ihrem Sohn spricht, sondern daß auch wir für Maria beten. Nach der Epiklese, der Anrufung des Heiligen Geistes und der Wandlung der eucharistischen Gaben in der Chrysostomosliturgie, betet der Priester u. a.: "Wir bringen Dir (Gott) diesen geistlichen Gottesdienst auch dar für ... Vorväter, Väter, Patriarchen, Propheten, Apostel, Prediger, Evangelisten, Märtyrer ... Insbesondere aber für unsere allheilige, unbefleckte, hochgepriesene und ruhmreiche Gebieterin, die Gottesmutter und immerwährende Jungfrau Maria". Dadurch wird deutlich, daß Maria nicht an die Stelle ihres Sohnes tritt, daß sie der großen Schar der Gemeinschaft der Heiligen angehört.

Dieses Grundvertrauen auf Maria gilt in der Orthodoxen Kirche für alle Schichten der Gläubigen, von den einfachen Christen einer Dorfgemeinde bis zu den Mönchen und Einsiedlern von Athos, deren "Herz tatsächlich marianisch ist".

Larentzakis, Gregorios, Die Orthodoxe Kirche, Ihr Leben und ihr Glaube, Graz, Wien, Köln 2000,
S. 115ff (ohne Fußnoten)

hier aus St.Andreas-Bote



15. November (28.11.)
Am Vorabend beginnt die 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit: nur vegetarische Speisen bis 24. Dezember
Die erste und letzte Woche nur gekochte Speisen !

Erleichterungen: Dienstag und Donnerstag Krustentiere, Öl und Wein erlaubt
Samstags, Sonntags und am Fest des Einzugs der Allhl. Gottesgebärerin und besonders verehrter Heiliger wie des Hl. Niklaus (6.(19.)Dezember) könnte Fisch zubereitet werden;
sollte aber als Abschlachten eines Lebewesens minimiert werden !
(da wir für das Reich Gottes "üben":  "... wo Löwe und Lamm nebeneinander leben ...")

mehr zum Thema

 

 

Warum wir fasten ?

Prof. Dr. John Breck
Charleston,USA - Paris,St.Serge

übersetzt von G. Wolf
St.Andreas-Bote

Viele Christen haben die überkommene Fastenpraxis aufgegeben.
In vielen heutigen westlichen Kirchengemeinschaften scheint sie mühsam und unwesentlich.
Für diejenigen aber, die die heilende (eschatologische) und heiligende (sakramentale) Bedeutung des Fastens schätzen, ist es so wesentlich wie Essen und Trinken.
Warum fasten also die orthodoxen Christen ?
Für die meisten ist das Leben schon herausfordernd genug
ohne selbstauferlegte Schranken für das, was wir an gewissen Wochentagen und während langer Perioden des Kirchenjahres essen, trinken und tun. Sorgt sich Gott wirklich darum ob wir freitags Fleisch essen oder den Kühlschrank während der Fastenzeit von Milchprodukten befreien ?
Ist das wirklich wichtig ?
Zusätzlich haben manche noch Bedenken wegen der Scheinheiligkeit, die das Fasten manchmal begleitet.
Wir weigern uns aus spirituellen Gründen manche Lebensmittel zu essen,
tun aber wenig oder gar nichts dafür, unser Verhalten gegenüber Anderen zu ändern.
Eine mit der Fastenzeit verbundene Klage (sowohl vom Hl. BASILIOS dem Grossen,
wie vom Hl. CHRYSOSTOMOS überliefert und von Metropolit Simeon von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche auch in unserer Zeit wiederholt gelehrt, Anm. des Herausgebers dieser Internet-Seite) fasst das mit erschreckender Genauigkeit zusammen:

" DU ENTHÄLTST DICH DER FLEISCHSPEISE - ABER DU VERSCHLINGST DEINE NÄCHSTEN !"


Der Hl.JOHANNES vom Sinai hat uns die wirkliche spirituelle Gefahr aufgezeigt, die im übermässigen Genuss liegt:
...Essen soll den Körper gesund erhalten;
aber nicht durch un-überlegte  -oft von aussen suggerierte-  Wünsche versklaven     und uns von der Sorge um unser Heil ablenken !

Die pastoralen Erfahrungen der Kirchenväter ergänzen die biblischen Mahnungen, wie die des Hl. Apostels PAULUS:
" ... sorgt nicht so für euren Leib, dass unsinnige Begierden erwachen " (Röm. 13,14).

Die asketische Tradition der Alten Kirche kennt mehrere Gründe für das Fasten.
Richtiges Fasten reinigt den Körper von Giften, es erleichtert das Gebet,
es hilft LEIDENschaften und Versuchungen zu beherrschen,
und es hilft Solidarität mit den Armen dieser Welt zu fühlen.

Diese Tradition aber besteht auf einem Zugang zum Fasten, der heute oft vergessen wird:

Ausgewogenheit und Masshalten.


Wir können uns zwanghaftes "Etikettenlesen" von allen gekauften Lebensmitteln auferlegen,
nur um sicher zu sein, dass sie auch nicht eine Spur von Milch enthalten;
wir können hungern bis unsere Gesundheit in Gefahr ist;
wir können uns hämisch freuen über unseren "Erfolg" und die weniger Eifrigen unter uns verurteilen.

Das aber macht die Fastendisziplin zu einer Farce.

Viele Orthodoxe, die im Westen leben, stehen vor einem Dilemma, wenn sie von Nicht-Orthodoxen eingeladen werden,
die unsere Fastenpraxis nicht kennen, oder auch von Orthodoxen, die sich nicht darum scheren.

In diesen Fällen sind Ausgewogenheit und Masshalten besonders gefragt.
Um Stolz auf unser Fasten zu vermeiden, ist es gesund und vernünftig, das Gebot zur richtigen Zeit zu lockern.

" Durch die Lockerung unserer gewöhnlichen Praxis, " rät der Hl. DIODOKOS von Photiki,
" können wir unsere Selbstbeherrschung in Demut verborgen halten ".

Wenn wir in Gefahr sind andere mit unseren Fasten zu beleidigen, ist der Rat des Hl. PAULUS eine gesunde Daumenregel:
" ... esst, was euch vorgesetzt wird " (1Kor 10:27)

Doch beantwortet solcher Rat nicht die Frage, warum wir gerufen -eingeladen- sind, Fastenregeln zu akzeptieren,
sei es eine totale Abstinenz für kurze Zeit oder eingeschränkte Nahrung während längerer Fastenzeiten.

Evagrios Pontikos, ein georgischer Mönch, der 399 in der Abgeschiedenheit der ägyptischen Wüste starb,
beschreibt uns die richtigen Gründe, warum das Fasten im christlichen Leben so wichtig ist:
" Faste vor dem Herrn so gut du kannst, " rät er,
" denn damit wirst du von deinen Lastern und Sünden gereinigt;
es erhöht die Seele,
heiligt den Geist,
treibt Dämonen aus
und bereitet dich auf die Gegenwart Gottes vor
...
Sich der Nahrung zu enthalten, sollte dann deine eigene Wahl sein und asketisches Bemühen ".

Elias, der Presbyter, ein Priestermönch des 11./12. Jahrhunderts,
verdeutlicht dieses Ziel mit dem Bild des kommenden Reiches.
"Wer Fasten und das unablässige Gebet praktiziert,  das eine zusammen mit dem anderen,
wird sein Ziel, die Stätte aus der ´Kummer und Seufzen entfliehen´ (Jes 35:10 LXX) erreichen ".

Fasten dient dem Heil nur wenn es in Beziehung auf das Reich Gottes gehalten wird.
Wenn es auch dazu dienen mag den Leib zu entgiften
und uns hilft unsere Versuchungen zu Völlerei und Genusssucht in den Griff zu bekommen,
rechtfertigt dies keineswegs ihre Strenge.

Die Fastendisziplin hat nur einen grundlegenden Zweck: uns auf das Fest vorzubereiten.
 
Wir enthalten uns völlig des Essens bevor wir die Heilige Kommunion empfangen,
nicht nur um den Bauch zu leeren,
sondern um Hunger für die wahre Eucharistie zu schaffen,
das Himmlische Mahl, das für uns bereitet wurde vor der Erschaffung der Welt.

Das gleiche gilt für die langen Fastenzeiten unseres Kirchenjahres.
Sie helfen sehr bei der lebenswichtigen Aufgabe, die "Zeit zu heiligen",
Herz und Geist der überweltlichen Wirklichkeit und dem Versprechen der erfüllten Hoffnung zu öffnen.

Fasten hat seine wahre Grundlage im gesamten sakramentalen Leben der Kirche,
das den Gläubigen nährt und zum ewigen Leben, zu Freude und Frieden im Himmelreich führt.

Es erhebt uns über die täglichen Sorgen unserer irdischen Existenz,
um uns sicher auf die Flugbahn zu setzen,
die uns von diesem Leben ins nächste bringt.

Fasten ist kein Sakrament im strikten Sinne, aber es ist zutiefst "sakramental".
Sakramental und eschatologisch, weil es unser gegenwärtiges Leben und unser Tun heiligt,
unser Gebet -das persönliche, wie das gemeinschaftliche- vertieft und verstärkt,
und in unserem innersten Sein einen entscheidenden Durst nach dem versprochenen Mahl schafft, dem kommenden ewigen Fest.

Fasten ist die Mahnung, dass der Weg zur Herrlichkeit der Weg des Kreuzes ist.
Fasten mag kleinere Unannehmlichkeiten auferlegen:
unseren Drang nach sofortiger Befriedigung enttäuschen
und uns schmerzlich daran zu erinnern, wieviele der Menschen dieser Erde jede Nacht hungrig zu Bett gehen.

Aber das alles hat sein Gutes.
Denn diese Unannehmlichkeiten führen den Leib, den Geist und die Seele zu dem, was wirklich wichtig ist:

zum himmlischen Jerusalem
in dem die Seele erhöht wird,
der Geist geheiligt
und die Dämonen besiegt,

und wir alle auf ewig in der Gegenwart Gottes weilen.

Quelle:  http://www.holyapostles.org

 


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14. OKTOBER (27.10.)

HL. PARASKEWA (PETKA)

Am 14. Oktober (27.10.) wird der Gedenktag der Hl. PARASKEVA der Jüngeren gefeiert.

Ihr heiligmäßiges Leben verbindet die Balkanländer Bulgarien, Serbien und Rumänien.
Deshalb nennt man sie in Bulgarien heilige PETKA von Tarnowo oder von Bulgarien, in Serbien heilige PETKA von Serbien, in Rumänien heilige PARASCHEVA von Iași.

Petka ist die slawische Form des griechischen Paraskeva und leitet sich vom Freitag, dem Wochentag der Kreutigung her.
Die hl. Petka wurde zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert in einer bulgarischen Adelsfamilie in der thrakischen Stadt Epivat am Marmara-Meer geboren.
Ihre Eltern lebten ein Leben geschmückt durch die christlichen Tugenden von Barmherzigkeit und Wohltätigkeit. In diesem Geist wuchs die kleine Petka und ihr Bruder Evtimiy (der später Mönch und Bischof von Matidia wurde) heran.
Von klein auf fühlte sie sich zu einem enthaltsamen Leben hingezogen.

Als ihre Eltern starben, verschenkte sie ihren Besitz und nahm im Alter von 15 Jahren die Tonsur zur Monialin. Um ihre Träume nach dem Heiligen Land zu verwirklichen zog sie über Konstantinopel nach Jerusalem, um sich nach Besuch der Heiligen Stätten letztendlich für ein Leben in der Wüste von Jordanien zu entscheiden, Sie nährte sich einmalig am Tag von Kräutern und ertrug Hitze und Kälte ohne zu klagen.

Im Alter von 25 Jahren erschien ihr ein Erzengel und wies sie an, in die Heimat zurückzukehren. In Thrakien ließ sie sich in der Nähe der Kirche "Heilige Apostel" nieder und lebte dort als Einsiedlerin. 2 Jahre später übergab sie ihre Seele in die Hände der heiligen Engel,
die sie in die ewige Heimat hinaufführten. Ihren leblosen Körper und setzen man in der Kirche der „Heiligen Apostel“ bei.
Als sich nach Gebeten an ihrem Grab mehrere Wunder ereigneten, stellte man fest, daß die Reliquien noch völlig unverwest waren.

In der Blüte des 2. Bulgarischen Reiches im Frühmittelalter holte der bulgarische Zar IVAN ASSEN im Jahre 1238 ihre Gebeine in seine Hauptstadt Tarnovgrad wo sie bald in einer nach ihr benannten neu gebauten Kirche als Beschützerin des bulgarischen Volkes verehrt wurde.
So lesen wir in der Heiligengeschichte des Hl. Bulgarischen Patriarchen EVTIMIY (1375-1393). Der Hl. NIKODIM übertrug den Text 1809 in seine Heiligengeschichte am Heiligen Berg Athos.
Nach dem Fall der bulgarischen Hauptstadt 1391 an die Türken kamen die Reliquien der Hl.Petka über Nikopol und Vidin an die Grenze,
wo sie vor den eingedrungenen Ungarn nicht sicher waren, bis sie der rumänische Fürst MIRCEA der Ältere erwarb.
Danach sorgte die serbische König MILIZA für ihre Überführung nach Belgrad, wo sie in 125 Jahren besonders viele Wunder wirkte.
Von dort gelangten sie nach der Eroberung durch die Türken für 120 Jahre in die Patriarchenkathedrale von Konstantinopel.
1641 brachte sie der moldawische Fürsten VASILIY VOEVOD in das Kloster der 3 Hierarchen in Iași.
Nachdem sie dort 1888 ein Feuer überstanden ruhen die unverwesten wunderwirkenden Reliquien heute in der neuen Kathedrale von Iași im Nordosten Rumäniens.

WIR LERNEN:

Das Leben der Hl. PARASCHEVA (PETKA) zeigt uns, daß auch schon vor vielen Jahrhunderten Jugendliche mutige Entscheidungen treffen konnten  
- und "auf Weltreise" Thrakien - Konstantinopel - Jerusalem - Konstantinopel - Thrakien gehen konnten.
Bei weiser Selbstbeschränkung kann der Mensch darauf vertrauen, dass Gott alles zu einem guten Ende führt.

Auch nach dem Heimgang in die Ewigkeit wirkt Gott immer noch durch unsere stofflichen Überreste.
So wie die Hl. Petka in ihrem Leben an vielen Orten gottgefällig lebte, entschied Gott dass auch ihre Reliquien an vielen Orten unter unter verschiedenen Völkern WUNDER zum Wohle der Menschen WIRKEN.

(nachempfunden nach dem VORBILD von:
Mönchspriester Johann Krammer:
"ORTHODOX LEBEN" Ein Glaubensbuch für junge orthodoxe Christen und Christinnen und alle Interessenten
ISBN 978-3-85205-802-3
Österr. Bibelgesellschaft, 1070 Wien, www.bibelgesellschaft.at
Das Orthodoxe Schulamt für Österreich empfiehlt das Glaubensbuch "Orthodox leben" als Unterrichtsmittel eigener Wahl (UeW) im Orthodoxen Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II)





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