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Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils

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Mehr zu den 4 Erzengeln aus dem Ikonenprogramm der Klausurkapelle im Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeits-Klosters in Buchhagen
 

8. November (21.11.)

SYNAXIS
der
Heiligen Erzengel
MICHAEL und GABRIEL
und
aller HIMMLISCHEN KÖRPERLOSEN MÄCHTE
~ SaBOR na Sv.ARCHAN. MICHAIL ~
~ Synaxis Pan. TAXIARCHON ~
~ Soborul Sf. ARHANGHELI ~

Anführer der Himmlischen Scharen
wir -auf Erden- bitten euch:

beschirmt uns
durch euer Eintreten für uns
im Schatten der Flügel
eurer unstofflichen Herrlichkeit.

Voll Vertrauen rufen wir inständig
erreicht unser Freiheit
von den Gefahren
ihr Ersten der überirdischen Mächte !
 
Festtagsikone, griechisch

 

weitere Texte:
Erzpriester SERGEJ (Prof. Bulgakow): Ausgesandt, den Willen Gottes zu tun ...
Die "Himmlischen Körperlosen Mächte"
ПРАВОСЛАВНОТО УЧЕНИЕ ЗА АНГЕЛСКИЯ СВЯТ
 

Dieses Fest ruft uns in Erinnerung, dass wir, als Glieder des Leibes Christi, ausser mit Christos selbst und allen Heiligen auch verbunden sind mit den geistigen Mächten der Schöpfung, die sich nicht wie wir durch Sündenfall von Gott trennen lassen, sondern Ihm in selbstloser Demut und Liebe verbunden geblieben sind.

Symbolisiert sind sie durch die beiden Erzengel:
MICHAEL, der Bekämpfer der widergöttlichen Mächte und
GABRIEL, der Bote der göttlichen Gnade.

Denn nach biblischer Tradition sind die himmlischen Mächte, die Gottes Thron preisend und dienend umgeben, in doppelter Hinsicht auch den Menschen zugewandt:
als Übermittler von Gewissheit und Unterstützer in der Anstrengung vor dem endgültigen Richter
(Num 22,22-35; 2 Koen 24,16; 4 Koen 1,3.15; 19,35; Mt 13,41 f; 16,27; Apg 12,23)

und als Verkünder und Bringer der göttlichen Gnade
(Gen 18,1-16; 3 Koen 19,4-8; Tob 5,5-6,22; Lk 1,11.26; 2,9.13-15; Mt 1,20-24; 18,10; 28,2; Apg 1,10; 5,19f; 12,8f)


Die Engel vermitteln uns daher durch das Bewusstsein ihrer Anwesenheit Schutz vor den Einflüssen der widergöttlichen Mächten und die Sicherheit der Geborgenheit in der Hut Gottes.

In ihrem selbstlosen Dienst sind sie aber auch immer neue Ermutigung zur Hingabe an Gott und zum anbetenden Verweilen in Seiner Gemeinschaft und in Seiner Nähe.

Zu wissen, dass auch sie vor Gott für uns eintreten, bedeutet für uns in der Gemeinschaft des Teiles der Kirche,
der sich noch auf der irdischen Wanderschaft und im Kampf mit dem Bösen befindet,
eine hilfreiche Erinnerung und Gewissheit der Gottesnähe und der Hoffnung auf den Sieg des Guten über das Böse.

(Vater SERGI Heitz +)

 

 

 

Die "Himmlischen Körperlosen Mächte"

Da Er die wahre, grenzenlose Liebe ist, schuf Gott „alles Sichtbare und Unsichtbare“ so, dass es an Ihm teilhaben kann.
Der Hl. Gregor der Theologe schrieb: ‚Da es Gott in Seiner Güte nicht genügte nur mit der Betrachtung Seinerselbst beschäftigt zu sein, sondern da es nötig war, dass das Gute sich weiter und weiter ausbreiten sollte, sodass die Zahl derer, die Gnade erhalten so groß wie möglich würde (denn das ist charakteristisch für die größte Güte) – deshalb also ersann Gott als Erstes die himmlischen Engelsmächte; und der Gedanke wurde Tat, die vom Wort erfüllt und durch den Geist vervollkommnet wurde [...] und da Er an den ersten Geschöpfen Gefallen fand, ersann Er noch eine Welt, materiell und sichtbar, in ordnungsgemäßer Gestaltung, Himmel und Erde, und was zwischen ihnen ist.’

Das Unsichtbare – einschließlich des Himmels und der Körperlosen Mächte – wurde von Gott vor der Welt, in der wir leben, erschaffen.
Die himmlischen Heerscharen waren sogar Zeugen und priesen die Schöpfung der materiellen Welt, wie der Herr dem Hiob erklärte:
‚Als die Sterne geschaffen wurden, priesen mich mit lauter Stimme alle Meine Engel.’ (Hiob 38,7 LXX).
Die Körperlosen Mächte lobpreisen und dienen Gott und sind zusätzlich die Ausführenden Seines Willens: sie verwalten die Schöpfung, beschützen die Menschheit und bitten für sie und versuchen die Menschheit und die Völker zu Ihm zu führen – manchmal indem sie unsere Taten in die rechten Wege leiten, manchmal indem sie uns den Willen Gottes lehren oder offenbaren.

Die Körperlosen Mächte wurden von Gott ohne Form oder leibliche Materie (unkörperlich) gemacht.
Der Hl. Johannes von Damaskus erläutert: ‚Wenn es der Wille Gottes ist, dass Engel denen erscheinen sollen, die würdig sind, erscheinen sie nicht ihrem Wesen nach, sondern nehmen, verwandelt, eine solche Erscheinung an, dass sie den leiblichen Augen sichtbar sind.’
Durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit sind die Körperlosen Mächte von ihrer Beschaffenheit her unsterblich, aber (ungleich Gott Selbst) auf Ort und Zeit beschränkt: sie können nicht gleichzeitig im Himmel und auf Erden sein.

Gott begabte die Körperlosen Mächte mit Intelligenz, Vernunft und freiem Willen – wie auch später den Menschen – aber sie sind ‚die vollkommensten Geister, dem Menschen in ihren Geistesgaben überlegen’ und ‚so weit über uns, dass sie unerfassbar sind.’ Die Engel im Himmel sind vollkommene Schönheit in ihrer Liebe zu Gott und ihrem Dienst an Gott. Fortwährend vor Seinem Angesicht, sind die Körperlosen Mächte ‚so erfüllt von Gottes Gnade, dass sie in keiner Weise daran denken zu sündigen.’

Alle Körperlosen Mächte haben den Namen ‚Engel’ gemeinsam – er bedeutet ‚Bote’ im Griechischen – auf Grund ihres Dienstes: sie ‚stehen vor dem Angesicht des Schöpfers und dienen Ihm.’ Dieser einfache Name beschreibt auch recht gut, wie der Mensch oft den Körperlosen Mächten begegnet: als Verkünder oder Boten Gottes.


Die Heilige Tradition teilt die Engel in 3 Hierarchien zu je 3 Stufen ein.


In der höchsten Hierarchie sind die Seraphim, Cherubim und Throne.

Am nächsten sind die sechsflügeligen SERAPHIM der heiligsten Dreieinigkeit, die in ihrer Liebe zu Gott erstrahlen und diese Liebe auch in anderen fördern. In der Ikonographie der Kirche werden sie als Gesichter gezeigt, die von flammend-rot und rot-orange leuchtenden Flügeln umgeben sind.

Die vieläugigen CHERUBIM sind die nächsten. Durch diese Heere werden Weisheit und Erleuchtung in der göttlichen Erkenntnis zur Schöpfung gesandt und ihr Name bedeutet ‚Ausgießen der Weisheit’ und ‚Erleuchtung’. Cherubim werden veranschaulicht als Gesichter, die von vier (oder manchmal sechs) blaugrünen, mit alles erkennenden Augen bedeckten Flügeln umgeben sind.

Schließlich findet man die THRONE (in Ez 1,15-21 beschrieben) am Fuße des himmlischen Thrones Gottes, wie sie Ihn geheimnisvoll stützen. Sie dienen der Rechtschaffenheit der Gerechtigkeit Gottes. Die ‚sich drehenden Räder’, die der Prophet Ezechiel gesehen hat, die Throne, werden auf den Ikonen als zwei gelbrote ineinander greifende Ringe mit je vier Flügeln gezeigt. Die Ringe sind mit alles erkennenden Augen bedeckt.


Die mittlere Hierarchie umfasst die Fürstentümer, Mächte und Herrschaften, die – nach dem hl. Athenagoras – ‚den Elementen, den Himmeln, der Erde und allem was darin ist befehlen.’

Die FÜRSTENTÜMER belehren und leiten unsere irdischen Behörden ( - wenn sie darauf hören ! ) zum weisen Regieren. Sie können die irdische Ordnung durch Wunder beeinflussen, sündhafte Regungen dämpfen und die Willenskraft stärken um Versuchungen zu widerstehen.

Die MÄCHTE (bekannt aus 1Petrus 3,22) bringen die Gnade Wunder zu wirken und geisliche Urteilskraft zu Heiligen, die Gott gefallen. Sie helfen der Menschheit gehorsam und geduldig zu sein und dem Willen Gottes zu dienen. Sie werden in der Ikonographie der Kirche als leuchtende kristallene Kugeln, mit einem ‚X’ oder ‚XC’ darauf, dargestellt, die meist von Engeln in menschlicher Gestalt hochgehoben werden.

Die HERRSCHAFTEN (auch ‚Tugenden’ genannt) widerstehen der Macht des Satans und halten die Menschen davon ab, dämonischen Versuchungen nachzugeben. Sie stärken und schützen die Asketen.


In der untersten Hierarchie sind die Körperlosen Mächte, denen der Mensch am öftesten begegnet:

Die GEWALTEN befehlen den niederen Engeln und lehren sie die Erfüllung des Willens Gottes. Nach der Mutter Martha von Pskov ‚leiten sie das Weltall und beschützen Land, Völker und Menschen. Gewalten lehren Menschen jedem die Ehre zu erweisen, die seiner Stellung entspricht. Sie lehren die Regierenden ihre notwendigen Verpflichtungen zu erfüllen, nicht zu persönlicher Ehre und eigenem Vorteil, sondern aus Achtung vor Gott und zum Nutzen des Nächsten.’

Die ERZENGEL verkünden oder bringen Botschaften über Gott und Seine Werke zu unserem Heil.
Wegen dieser Rolle werden die Engel in der Heiligen Schrift auch einzeln benannt oder sind nach der Heiligen Tradition bekannt:

MICHAEL (‚wie Gott’, der Anführer der Engelsheere) Er wird oft in Rüstung mit einem Flammenschwert oder einem Banner mit rotem Kreuz dargestellt,
GABRIEL (‚die Kraft Gottes’ nach Dan 8,16 und Lk 1,26);
RAPHAEL (‚die Heilung Gottes’ Tobit 3,16.12,15),
URIEL (‚Feuer Gottes , 3Esdras 5,20),
SELAPHIEL (‚Gebet Gottes’, 3Esdras 5,16);
JEHUDIEL (‚die Verehrung Gottes’);
BARACHIEL (,der Verteiler des Segens Gottes für gute Taten'; und
JEREMIEL (‚die Erhebung zu Gott’, 3Esdras 4,36).

Erzengel werden dem Menschen in schönen, leuchtenden, geflügelten, menschlichen Gestalten offenbart. Erzengel ‚offenbaren die Geheimnisse des Glaubens, der Prophetie und des Erkennens des Willens Gottes; sie verstärken den Glauben im Menschen und erleuchten sein Herz mit dem Licht des heiligen Evangeliums.’

Die ENGEL (oft als ‚SCHUTZENGEL’ bezeichnet) sind dem Menschen am nächsten. Sie offenbaren ihnen die Absichten und Weisungen Gottes und leiten sie an, ein frommes auf Christus gerichtetes Leben zu führen. Sie versuchen die Menschen vor dem Fall (geistlich wie körperlich) zu bewahren und sind da, wenn sie Hilfe brauchen ‚aufzustehen’, wenn sie doch fallen. Engel werden dem Menschen in leuchtender menschlicher Gestalt, mit oder ohne Flügel, offenbart. Als Geschöpfe, die vor das Angesicht Gottes treten, sind Engel mächtige Fürbitter, d.h. sie sprechen zu Gunsten des Menschen zu Ihm. Als Christus Seine Jünger über die Sorge für die, die ihm folgten – die Schafe Seiner Herde – belehrte, sagte Er:
‚Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters’ (Mt 18,10).

Wegen ihres treuen und nie endenden Dienstes für Gott – und auf Seinen Befehl für die ganze Schöpfung – werden die Engel als das Vorbild für den Dienst des Diakonats gesehen – sie sind das ‚Rollenmodell’ für die Diakone unserer Kirche. Die Erzengel Michael und Gabriel werden gewöhnlich auf dem Diakontüren (die Nord- und Südtüre) der Ikonostase abgebildet.

Nichola Toda Krause 1999 by Orthodox Family Life; http://www.theologic.com; Übers. G. Wolf

hier aus:
St. Andreas-Bote:
 

Der himmlischen Heere Erzanführer,
wir flehen euch an, wir Unwürdigen:
Durch eure Fürbitten umgebt uns,
im Schutz der Flügel eurer unstofflichen Herrlichkeit, wie mit einer Mauer,
die wir uns ausgestreckt niederwerfen und rufen:
Aus den Gefahren erlöset uns als Anführer der Mächte droben.

Apolytikion vom Fest im 4. Ton
 

 

 

Geistliches Wort zum Festtag der Erzengel Michael und Gabriel und der Synaxis aller Himmlischen Körperlosen Mächte
am 8. November
von
Erzpriester SERGEJ (Prof. Bulgakow)
 

Ausgesandt, den Willen Gottes zu tun ...


Es ist die Zeit, den Tag des Erzengels Michael und aller heiligen Engel, unserer himmlischen Bewahrer, Fürsprecher und Beschützer zu begehen.
Erneut bitten wir sie, daß sie uns um unserer Gebete willen unter den Schutz ihrer Flügel nehmen.

Wiederum bekennen wir uns zum Glauben an die heiligen Himmelsbewohner, die am Thron des Herrn stehen, die Gottesdiener, die die Welt und die gesamte Schöpfung in diesem und im zukünftigen Leben bewahren. Offen bekennen wir, daß die Engel nach Gottes Willen die irdischen Schicksale der Völker lenken: in Krieg und Frieden, in Freude und Leid, beim Zusammenbruch von Königreichen und beim Untergang von Völkern ebenso wie bei ihrer Erlösung.

Wir glauben daran, daß wir in Tagen der Not und der Prüfung nicht ohne ihre Hilfe bleiben. Die himmlischen Heerscharen werden für uns und mit uns streiten, die Kräfte des Himmels mit den Kräften der Lüfte, und dort, im Himmel, entscheiden sich die irdischen Schicksale der Völker.

"Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten wider den Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel ..." (Offb. 12,7).

Dieser Krieg fand statt und findet auch heute noch statt. Man weiß nicht, wem, wie und worin im Himmel Hilfe und Sieg zuteil werden, aber wir Menschen sind nicht allein gelassen mit unseren irdischen Schicksalen, die, wenn sie auch auf der Erde, so doch nicht allein mit menschlichen Kräften entschieden werden. Dieser Gedanke gibt uns Zuversicht angesichts dessen, was auf der Welt geschieht, obwohl wir sowohl das Schicksal heute als auch die künftige Vollendung nicht verstehen.

"Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen" (Dan 12,1).

Wir wissen nicht, auf welche Zeit sich diese Vorhersage bezieht, auf unsere oder eine uns ferne Zukunft, aber die Vergangenheit ist ihr ähnlich und bestimmt auch die nachfolgenden Geschehnisse. Aber wie es auch sei, diese prophetischen Visionen beziehen sich auf uns; der Erzengel Michael wacht zusammen mit den anderen heiligen Engeln besonders über das Schicksal seines Volkes und über alle Menschen. Möge er jetzt und heute unsere Herzen nicht verwirren.

Diese Offenbarungen über die Welt der Engel überliefert uns das Wort Gottes, und die Kirche verkündet sie.
Wir lauschen ihnen, werden getröstet und sind zugleich verwirrt.
Die Botschaft dringt nur in den Verstand, darum wirkt sie kraftlos und kalt, wie aus der Ferne und gelangt nicht in unsere Herzen. So wird sie im Leben leicht vergessen, wenn auch nicht immer und von allen, so doch oft und von vielen.
Ratlos und mit einer gewissen Verlegenheit, im Bewußtsein der Sünde gegenüber unseren Schutzengeln und allen heiligen Engeln erscheinen wir, um an diesem Tag ihrer im Gebet zu gedenken.

Aber weshalb und warum?
Reichen unsere Kräfte nicht um die Glaubensmüdigkeit zu überwinden, um das dunkle Reich des Bösen zu durchdringen, damit wir zum himmlischen Licht gelangen?
Hilfe erhält, wer sie sucht, und Kraft der, der darum bittet.
Das ist unser Leid, daß wir mit unseren Gefühlen und Gedanken dem Irdischen verhaftet sind. Dabei wurden wir auserwählt, den Himmel in uns zu tragen und geistig die himmlischen Kräfte zu schauen. In unserer Verweltlichung und im geistlichen Fall sind wir unfähig, mit dem Herzen den Tag der heiligen Engel zu feiern. Wir empfinden nicht ihre Nähe, nicht die Kraft und die Stärkung, die wir von ihnen erwarten.
Was tun, und wie können wir uns helfen?
Ja können wir uns überhaupt helfen?
Wenn wir selbst es nicht vermögen, so können die heiligen Engel uns helfen, zu denen wir unsere geistigen Augen im Gebet um Hilfe erheben.
Aber auch das geschieht nicht automatisch, ohne unser Wollen und Bemühen: Man muß danach verlangen, dürsten und nach dem geistigen Frieden trachten, sich danach sehnen und nicht satt sein an der Sattheit dieser Welt. Als Antwort auf dieses Verlangen gibt der Herr sein Versprechen: "Du wirst gesättigt werden."

Die Liebe zu den Engeln erwärmt sich im herzlichen Gedenken an sie, im Begreifen ihrer Natürlichkeit, im Gebet zu ihnen. Die meisten Menschen haben dazu keine Muße, ebenso wie sie die Gottesweisheit als überflüssig für ihre Frömmigkeit halten. Finden sich in dem ganzen Reichtum von Gedanken und Offenbarungen, die uns die Kirche über die Engel überliefert, nicht ein Gedanke, der unser Herz rührt und erwärmt, uns an jene Welt erinnert, von der aus wir auf die Erde kamen?
Ein Gedanke wird bleiben - das Gedenken an den Schutzengel, der dich auch dann nicht verläßt, wenn du ihn verlassen und vergessen hast!
Wird das nicht auch der Gedanke an die Lobpreisungen der Engel sein, von denen die Kirche in Psalmen und Gesängen verkündet?
Erwachen wir nicht, wenn wir die Schönheit der Welt betrachten, in deren Durchsichtigkeit sich die Flügel der Engel ahnen lassen?
Werden wir nicht durch die gewaltigen Kräfte der Natur, Sturm, Flut und Schrecken des Krieges erschüttert, denn auch in ihnen wird unsichtbar und unbegreiflich das Wirken der Diener Gottes deutlich?!

Wir werden die Nähe der Engel auch durch die KRAFT des GEBETES suchen. Unser Gebet mag vielleicht nicht nur arm, trocken und zerstreut, sondern auch eigennützig sein. Wir verfolgen darin unsere eigenen Ziele, wünschen die Erfüllung unseres Willens, die Befriedigung unserer Bedürfnisse. Unsere Bitten um Irdisches und Menschliches werden nicht verurteilt. "Bittet und euch wird gegeben werden", aber auch eine andere Art des Gebetes ist möglich, hinführend zum Gebet der Engel, zu Lob, zum Preis und zur Liebe. Dies ist keine weltliche, sondern eine himmlische Liebe, sie ruft und führt uns zur Sonne der Liebe, an den Thron des Dreieinigen Gottes.

Möge bei diesem Fest der Engel unser Herz sich ihnen zuwenden und im Geiste ihre Antwort vernehmen.
Heiliger Erzengel Michael und alle heiligen Engel!
Helft den Leidenden, laßt euch erkennen, lehrt uns beten!
Mögen wir die Furcht in unserem Leben abstreifen und unser Glaube und unsere Zuversicht gefestigt werden!
Seid uns nahe in unseren irdischen Nöten und Sorgen und erleuchtet unsere Herzen mit dem himmlischen Licht!


Quelle:
Stimme der Orthodoxie 11/88
Herausgeber und Chefredaktion Erzpriester Vladimir Ivanov
Verlag Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat)


den Abdruck hier übernommen aus:
St. Andreas-Bote:

empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de
St.Andreas-Bote 11/98



 

 

4 Erzengel
aus dem
Ikonenprogramm der Klausurkapelle im Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeits-Klosters in Buchhagen


Die 4 Erzengel, Michael, Gabriel, Uriel und Raffael
in der Reihenfolge
- vom Eintritt aus der Welt in den Tempel
- bis zum Allerheiligsten des Tempels
 



Michael
steht an der Pforte des Kirchenschiffs, wie einst als Führer der Cherubim an der Pforte des Paradieses (1.Mose 3.24).
Als Streiter Gottes und Führer der himmlischen Scharen führt er das dreiflammige Feuerschwert mit seiner Rechten und pflanzt die heilige Lanze mit seiner Linken als Standarte zur Versammlung des Volkes Gottes auf.
 

Gabriel
trägt als Engel der Verkündigung des Ratschlusses Gottes in der Welt das Medaillon bzw. die Glaskugel mit dem Bild Christi als Emanuel, das Bild Gottes bei Seinem Kommen in die Welt.
 

Uriel
als Engel unserer Führung in der Welt trägt einen Stab

Hinter den beiden mittleren Erzengeln erhebt sich auf einem Berg das himmlische Jerusalem.
Letzteres nimmt Motive der Klosterarchitektur auf und mahnt so die Mönche daran, dass das Kloster ein irdisches Abbild des himmlischen Jerusalems sein muß und sie aufgerufen sind, eine möglichst weitgehende Übereinstimmung ihrer konkreten Gemeinschaft an dem konkreten Ort des Klosters mit dem himmlischen Jerusalem, dem ewigen Urbild im Ratschluss Gottes, anzustreben.

 

Raffael
als heilender und so in das Allerheiligste führender Erzengel
steht bereits über einer Seitenwand des Altarraums, wo das allerheiligste Mysterium der Kirche vollzogen wird.
Als unseren Zugang dazu weist er mit seiner rechten Hand auf das Herz als Sitz der geistigen Wahrnehmung, der Empfängnisfähigkeit des Menschen für Gott und das Geheimnis der Wandlung. Er und trägt mit der linken eine goldene Schale dort, wo sich nach der Überlieferung bei der Übung des Herzensgebetes zunächst das menschliche Bewusstsein sammelt und dann allmählich der Einklang mit dem Willen Gottes entsteht.
Neben dem Erzengel steht auf einem Sockel ein Kelch, der dem so genannten Athos-Gral nachgebildet ist, der im Kloster Vatopedi als heilige Reliquie aufbewahrt und nur einmal im Jahr, nämlich in der Osternacht als Abendmahlskelch verwendet wird.

mehr zum Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeits-Kloster in Buchhagen, Bodenwerder/Weserbergland

 

 

ПРАВОСЛАВНОТО УЧЕНИЕ ЗА АНГЕЛСКИЯ СВЯТ

( ПАТРИАРШИЯ )   2011-11-04, автор: Румяна ХРИСТОВА, рубрика: Теология

ARXANGELI.jpg

Най-високото място в стълбицата на тварното битие заемат безплътните сили. А как са произлезли те, каква е тяхната природа и назначение, изобщо какво ни е дадено да знаем за тях?

Православната църква, ръководейки се от възгледите на древните църковни писатели и св. отци на Църквата, е оформила православното учение за ангелите. Според него ангелите имат началото на своето битие в Божията творческа и промислителна воля - те не са безначални същества. Безначален е само Бог.

Относно времепроизхода на духовния свят Православната църква учи, че той е създаден преди видимия или веществения свят. Указание за това има още в първите думи на Божественото Откровение. „В начало Бог сътвори небето и земята" (Бит. 1:1), като под „небе" според тълкуванията на църковните отци трябва да се разбира именно безплътния, безтелесния ангелски свят.

Подбудата, Бог да сътвори както ангелите, така и другото творение, е преизобилната Божия благост и голямата любов, от която да се възползват колкото се може повече същества.

Много от светите отци, като например св. Василий Велики, св. Григорий Богослов, св. Йоан Дамаскин и други, излагат в съчиненията си учението за природата на ангелите. Като творение, имащо начало на битието си, ангелският свят стои на известна дистанция от вечния и всесъвършен Творец. Все пак и като същества, близки на Бога, ангелите не са отдалечени и чужди Нему. Поставени в отношение към Бога и човека те заемат средно положение - стоят по-ниско от Бога и по-високо от човека. Когато светите отци сравняват ангелската природа с Божията, те примесват нейната духовност с елементи на някаква телесност. Тази „телесност" обаче не е нещо материално, а нещо огнено, ефирно и неуловимо, но все пак нарушаващо абсолютната безплътност в ангелската природа. Така ангелската и божествената природа не могат да бъдат отъждествени, защото, ако биха били признати за еднакви по същност, излиза, че Творецът и сътвореното от Него се изравняват и покриват - нещо недопустимо и съвсем чуждо на православната християнска мисъл.

Като чисто духовни по природа същества ангелите имат способността да се явяват навсякъде, невъзпрепятствани от стени, врати, ключалки... Но макар че стоят над условията на пространството и времето, те се съобразяват с тях. По този повод св. Йоан Дамаскин пише, че ангелите „не могат едновременно да бъдат и тук, и там и да действат... Когато се намират на небето, няма ги на земята, и когато от Бога се изпращат на земята, те не остават на небето".

Ангелите не са всезнаещи, макар да се надарени с разум. Техните знания имат предел - знаят това, което Бог им открие. Ангелите са същества със свободна воля. Така най-висшият сред тях, носителят на светлината Денница се възгордял и въстанал срещу Бога, като увлякъл със себе си и други ангели. Те отпаднали от Бога и пребъдват в мрак и злоба. Останалите продължават да служат на Твореца в святост.

Безплътните сили, като вестоносци на Божията воля и като посредници между Бога и хората, могат да приемат различен вид и да се превъплъщават в различни образи с оглед на мисията, която изпълняват. Те приемат образ, какъвто Бог им заповяда, и така се явяват на хората, за да им открият божествени тайни или поръчки.

По свидетелствата на Божественото Откровение броят на небесните ангелски същества е извънредно голям и определянето му е извън човешките възможности. В едно от своите видения пророк Даниил забелязва: „Бидоха поставени престоли, и седна Старият по дни... хиляда хиляди Му служеха, и десетки хиляди по десет хиляди стояха пред Него" (Дан. 7:8-10).

Православната църква, позовавайки се на възгледите на древните църковни отци, а в частност и на съчинението на св. Дионисий Ареопагит „За небесната йерархия", разделя ангелския свят на девет чина, в които влизат по три степени.

Небесните сили от първата йерархическа степен - серафими, херувими и престоли, са в най-голяма близост до Бога. По силата на тази близост те знаят много от онова, което се отнася до Бога, и това знание предават на следващите след тях чинове.

В следващата йерархическа степен на ангелските чинове влизат господства, сили и власти. Тази средна степен се просвещава чрез чиновете на предходната.

В последната степен на небесната йерархия влизат началства, архангели и ангели. Небесни същества от тази степен са най-близо до света и хората.

Според св. Дионисий Ареопагит създаденото от Бога степенуване на ангелските чинове не приключва с последната трета степен, а продължава и има връзка със земната йерархия.

В Свещеното Писание някои от ангелите са назовани със собствени имена. Всеки от тях има свое особено служение: св. Архистратиг Михаил - вожд на небесните сили и войнстващ против духовете на тъмнината, архангел Гавриил - известител на Божиите тайни, Рафаил - целител на недъзите, Уриил - просветител на душите, Салатиил - застъпник пред Бога, Йехудиил - прославител на Бога, Варахиил - подател на Божиите благословения.

Ангелските сили имат задължението да „песнословят Божието величие", но като преки изпълнители на Неговата воля и разпоредби имат отношение и към видимия свят с всичките му обитатели. Всички ангелски чинове получават от Бога множество поръчения, които се изразяват в грижа към различните държави, народи, отделни лица или в изпълнение на особени по характера си действия, като лечение, молитви, миротворство и други. Но трябва да се знае, че ангелското ръководство и грижи към хората не нарушават човешката свободна воля - когато ги желаят, ще се възползват от тях, а когато не ги желаят, няма да бъдат принуждавани. Светите ангели пребивават в Бога, а следователно и в постоянна, действаща любов, защото „Бог е любов, и който пребъдва в любовта, пребъдва в Бога, и Бог - в него" (1 Йоан- 4:16). По силата на тази любов Божиите ангели изпитват състрадание към нас, молят се за нас пред Бога и ни помагат.

Ето защо и ние, живите членове на съборната Христова църква, като „съграждани на светиите" (Еф. 2:19) трябва не само да прославяме ангелите, трябва не само да ги споменаваме и възхваляваме, но и да молим тяхното застъпничество за нас пред Бога. И да помним, че „голяма сила има усърдната молитва на праведника" (Як. 5:16), понеже „Господните очи са обърнати към праведниците и Неговите уши - към техния вопъл" (Ис. 33:16).

Църквата е определила 8 ноември за празник в чест на светите ангели и най-вече на св. Архистратиг Михаил, който е водител на небесните сили. А при всяка служба на просителната ектения ние молим Бога да ни даде „ангел мирен (ангел на мира), верен наставник, пазител на нашите души и тела".

 „Църковен вестник", бр. 45/1995 г.





21. November (4.12.)

EINZUG
der
ALLERHEILIGSTEN GOTTESGEBÄRERIN
in den
TEMPEL
~ WWEDENJE ~    ~ EISODIA~    ~ INTRAREA~

Der reinste Tempel des Erlösers,
das kostbare Brautgemach,
die Jungfrau, die heilige Schatzkammer
der Herrlichkeit Gottes
 
wird heute eingeführt
in das Haus des Herrn

und führt mit ein
die Gnade im göttlichen Geiste.
 
die Engel besingen sie:
Sie selbst ist das himmlische Zelt.
Festtagsikone, griechisch

weitere Texte zum Fest:
aus: The Year of Grace
Die Kirchenväter zu Apokryphen und Vorverkündigung
Prof. Larentzakis: Marienverehrung in der Orthodoxie
Prof. Lothar Heiser: Quellen der Freude, zum Fest

Der Sinn des Festes erschließt sich nicht, wenn man den Text des Protoevangeliums des Pseudo-Jakobus geschichtlich-faktisch verstehen will. Die Bedeutung für uns wurzelt im Symbolisch-Poetischen:

Die Gottesmutter steht hier -wie so oft- vorbildhaft für alle Menschen.
Es geht um unsere Bereitschaft uns zur Heiligung der menschlichen Natur führen zu lassen.
Die Stufen dieser Heiligung, die Phasen der Annäherung an Gott, werden im Bilde verdeutlicht:
Einführung in die Sphäre Gottes (als Vorbild die kindliche Empfänglichkeit), das stetige Verweilen in dieser Sphäre über die Jahre bis zur Reife, der stufenweise Aufstieg zur Gotteserkenntnis, genährt durch die himmlische Speise, der vertraute Umgang mit Engeln.

Dies alles geschieht jedoch nicht aus dem starken Willen und als Ergebnis der Leistung des typisch männlichen Charakters sondern in der Ergebenheit und im Vertrauen eines Kindes, das geführt wird und sich führen lässt.




 

Einzug der Allheiligen Gottesmutter in den Tempel

 

Einige Tage nach dem Beginn der Vorweihnachtlichen Fastenzeit feiert unsere Kirche das Fest des Einzugs der Hl. Jungfrau in den Tempel.
Es passt gut, dass am Anfang der Vorbereitungszeit für Weihnachten unsere Gedanken sich der Gottesmutter zuwenden, deren demütige und stille Erwartung ein Vorbild für unsere eigene Erwartungen im Advent sein sollten. Je näher wir der Gottesmutter durch das Gebet, unseren Gehorsam und unsere Reinheit kommen, desto mehr wird in uns der geformt, der in Kürze geboren werden wird.
Dass die Jungfrau als ganz kleines Kind in den Tempel von Jerusalem eingeführt wurde und dort lebte, wird heute als historisch nicht belegt dem Reich der Legende zugerechnet. Trotzdem bildet diese Legende ein anmutiges Symbol aus dem wir tiefe geistliche Einsichten beziehen können.


Zur Vesper am Abend des 20. November (d.h. also zum Beginn des 21. November) beziehen sich die drei Lesungen aus dem Alten Testament auf den Tempel.
Die erste Lesung (Ex 40) gibt die Anweisungen wider, die Gott Mose über den Bau und die innere Anordnung des Allerheiligsten gab.
Die zweite Lesung (1Kön 7,51-8,11) beschreibt die Weihe des Tempels Salomos.
Die dritte Lesung (Ez 43,27-44,4), die auch am Fest Mariae Geburt am 8. September gelesen wird, spricht vom Osttor des Heiligtums, das für alle Menschen verschlossen ist, weil Gott durch dieses Tor eingezogen war.
Diese drei Perikopen haben symbolisch als ihr Thema die Gottesmutter, die der lebendige und perfekte Tempel ist.

Die Perikopen, die beim Orthros und in der Liturgie gelesen werden sind die gleichen wie für das Fest am 8. September. Wir hören die zusammengezogenen Teile Lk 10,38-42 und 11,27-28, die die Kirche an allen Marienfesten liest und deren besonderes Gewicht durch die Wiederholung betont wird. Jesus lobt Maria von Bethanien, die zu Seinen Füßen sitzt und Seiner Rede lauscht mit den Worten "Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden" denn "nur eines ist notwendig".
Der Herr tadelte Martha nicht, weil sie so in Anspruch genommen war für ihn zu sorgen, sondern weil sie sich "viele Sorgen und Mühe" machte. Die Kirche nimmt die Zustimmung, die Maria von Bethanien durch Jesus erfahren hat, als Zustimmung zum kontemplativen Leben, insofern es verschieden (wir sagen nicht: entgegengesetzt) zum aktiven Leben ist.
Die Kirche nimmt diese Zustimmung auch für Maria, die Mutter des Herrn, die als Vorbild für das kontemplative Leben betrachtet wird, denn wir lesen an anderer Stelle im Lukas-Evangelium: "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
... Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen" (Lk 2,19.51). Vergessen wir auch nicht, dass die Jungfrau Maria sich schon vorher und in viel höherem Maße dem Dienst an Jesus geweiht hatte, denn sie hat den Retter genährt und aufgezogen.

Im zweiten Teil der Tagesperikope hören wir, dass eine Frau Jesus zurief: "Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat", der Er antwortete: "Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." Diese Worte dürfen nicht als Zurückweisung des Lobes, das die Frau der Gottesgebärerin erweist missverstanden werden, oder als Geringschätzung ihrer Heiligkeit, vielmehr bringen sie die Dinge ins rechte Lot und zeigen wo das wahre Verdienst Marias liegt.
Dass Maria die Mutter Christi wurde, war ein Geschenk, ein Privileg, das sie akzeptierte, aber ihr persönlicher Wille war nicht Teil der Ursache. Andererseits war es ihr eigenes Bemühen, dass sie das Wort Gottes hörte und bewahrte. Darin liegt die eigentliche Größe Marias.
Sicher, Maria ist heilig, aber nicht ursächlich weil sie Jesus gebar und nährte, vor allem ist sie heilig, weil sie in einzigartiger Weise gehorsam und treu war. Maria ist die Mutter des Herrn; sie ist die Beschützerin der Menschen, aber zuerst und vor allem: sie ist die Frau, die dem WORT lauschte und Es bewahrte.

Hierin liegt die ‚evangelische’ Begründung unserer Marienverehrung. Der Psalmvers, der nach der Epistel gesungen wird, drückt das sehr gut aus: "Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr" (Ps 44,11).


Die Epistel die heute gelesen wird (Hebr 9,1-7) spricht von den Vorschriften für das Heiligtum und dem ‚Allerheiligsten’: dieser Text bezieht sich wieder symbolisch auf Maria. Die spirituelle Bedeutung des Fests wird in den verschiedenen Texten der Gottesdienste und der Liturgie entwickelt. Die beiden Hauptthemen, die wir dort finden sind folgende: erstens, die Heiligkeit Marias. Das kleine Kind, das der Welt entzogen wird und in einem Tempel lebt, ruft den Gedanken an ein besonderes Leben hervor, ein ‚dem Tempel geweihtes’ Leben; ein Leben inniger Verbundenheit mit Gott: ‚Heute betritt die Allreine und Allheilige das Allerheiligste’. Es ist klar, dass hier die Kirche eine besondere Anspielung auf die Jungfrauenschaft macht, aber das ganze menschliche Leben, in seinen unterschiedlichen Begrenzungen, kann ‚dem Tempel geweiht’ werden, ein Leben vor Gott, heilig und rein.

Das zweite Thema ist der Vergleich des Tempels aus Stein mit dem lebendigen Tempel: "Der reinste Tempel des Erretters ... heute wird sie eingeführt in das Haus des Herrn und sie führt mit sich hinein die Gnade im Göttlichen Geiste..." (Kondakion zum Fest). Maria, die den Gottmenschen in Ihrem Schoß tragen wird, ist ein Tempel, der heiliger ist als der Tempel in Jerusalem; es passt, dass die beiden Tempel sich begegnen, aber hier ist es der lebendige Tempel, der den erbauten Tempel heiligt. Dass der lebendige Tempel dem Tempel aus Stein überlegen ist, ist bei Maria in besonderer Weise wahr, denn sie war das Werkzeug der Fleischwerdung.

Aber allgemeiner ist dieses Bild auf jeden anzuwenden, der mit Gott vereint ist:
"Wisst ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid ..?
.. Oder wisst ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist ...?" (1Kor 3,16.6,19).

(A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace, Crestwood N.Y. 1992, p. 52ff.; Übers. G. Wolf)

hier aus St.Andreas-Bote

 

 

 


 

Das Fest des Einzugs der Allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel

in der traditionellen Geschichte aus den Apokryphen
und die
Vorverkündigung in der Heilsgeschichte des Volkes Gottes im Alten Bund

- wie es die Kirchenväter sahen -

"Zunächst wollen wir von denen, die über Maria berichten, erfahren, wer sie ist und woher sie stammt. Ich habe einen Bericht apokrypher Art vernommen, welcher folgendes von ihr erzählt: Ein im öffentlichen Leben und in der Treue zum Bundesgesetz ausgezeichneter Mann, anerkannt unter den Besten, der Vater der Jungfrau, alterte kinderlos, weil seine Gattin keine Kinder bekommen konnte. Auf Grund des Bundesgesetzes kam den Müttern eine Würdestellung zu, an der die Kinderlosen keinen Anteil hatten. Darum folgt seine Frau dem Beispiel, das von der Mutter des Samuel erzählt wird (vgl. 1 Sam 1,9-18): Sie begibt sich in das Allerheiligste und fleht zu Gott, sie möge doch nicht vom Bundessegen ausgeschlossen werden, da sie ja in nichts gegen die Bundestreue gefehlt habe; sie möge Mutter werden, und sie wolle Gott das Kind weihen. In seinem Wohlwollen gab Gott ihr Zuversicht, und sie empfing die Gnade, um die sie gebeten hatte. Als das Kind geboren war, nannte sie es Maria [hebr.: Mirjam, d.h. die Begnadete], um auch durch die Namensgebung anzudeuten, daß es ein Gnadengeschenk Gottes sei. Als das Mädchen herangewachsen und der Mutterbrust entwöhnt war, legte sie großen Wert darauf, es Gott zu übergeben, das Versprechen einzulösen und es in den Tempel zu führen. Die Priester aber hätten eine Zeitlang das Mädchen ähnlich wie Samuel im Heiligtum aufgezogen; als sie aber herangewachsen war, hätten sie sich überlegt, was sie mit diesem heiligen Leib anfangen sollten, um nicht gegen Gott zu sündigen. Denn sie dem Gesetz der Natur zu unterwerfen und sie durch die Ehe der Herrschaft eines Gatten zu unterstellen, war völlig abwegig. Man hätte es geradezu für einen Tempelraub gehalten, wenn ein Mensch über ein göttliches Weihegeschenk Herr würde; denn der Mann war auf Grund der Gesetze beauftragt, über seine Ehefrau zu herrschen. Dass aber eine Frau sich zusammen mit den Priestern im Gotteshaus aufhalte und sich im Heiligtum blicken lasse, entsprach weder dem Bundesgesetz, noch vertrug die Ehrbarkeit diesen Zustand. Als die Priester hierüber Beratung hielten, gab Gott ihnen den Rat ein, sie zur Verlobung einem Manne zu geben; dieser müsse geeignet sein, ihre Jungfräulichkeit zu schützen. Man fand Josef, der der Bedingung entsprach, aus demselben Stamm und Geschlecht wie die Jungfrau. Er nahm nach dem Rat der Priester das Mädchen zur Braut; ihre Gemeinschaft war nur ein bräutliches Verhältnis."

Homilie des Hl. GREGOR von Nyssa auf Christi Geburt; PG 46, 1137 C-1140 B


Für die Väter sind die Verheißungen des Alten Testamentes in Christus in Erfüllung gegangen, und was sie von Maria und ihrer Bedeutung im Heilswerk aussagen wollen, finden sie besser als in den Apokryphen in den Vorbildern der göttlich inspirierten Schriften des Alten Bundes vorgegeben.
Sie müssen nur die Schätze heben und die Bilder in ihrem Zeichencharakter erkennen, sie den Gemeinden deuten und fruchtbar machen.
Denn seitdem Jesus in der Synagoge von Nazareth das Jesaja-Wort: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; er hat mich gesalbt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen die Befreiung und den Blinden das Augenlicht zu verkünden, um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen.« (Lk 4,18-19; vgl. Jes 61,1 f.) ausdrücklich auf sich bezogen hat mit der Feststellung; »Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt« (Lk 4,21), können alttestamentliche Texte nicht mehr verkündet und interpretiert werden ohne Blick auf Christus und seine Heilssendung.

Wer das Alte Testament ohne diesen messianischen Bezug verstehen will, verirrt sich in unfruchtbarer Textanalyse und stößt nicht zu seiner Heilsbedeutung vor. So haben nach der Überzeugung der Väter die Bilder, Zeichenhandlungen, Erzählungen und Psalmenworte bereits ihre Erfüllung gefunden und müssen von Christus her und seiner Botschaft und seinem Werk verstanden werden.


Der Rückgriff auf das Alte Testament erweist sich zuweilen geradezu als notwendig, damit die geistige und nicht leicht erfassbare Botschaft des Neuen Testamentes durch einfache Bilder und Symbole aus dem Alten Bund veranschaulicht werden kann. Schließlich wird die menschliche Erwartungen übersteigende neue Botschaft vom Heilshandeln Gottes leichter angenommen, wenn man erfährt, daß Gott im voraus schon Hinweise seiner künftigen Güter gegeben hat. Allerdings sind diese Hinweise noch nicht das Gemeinte selbst, sie sind nur Schatten der wahren Heilsgaben.

"Was bedeutet der Ausspruch: Geistiges beurteilen wir mit Geistigem (1Kor 2,13)?
Wenn etwas geistig und nicht erfassbar ist, so führen wir Zeugnisse dafür aus geistigem Bereich an;
so z. B. wenn ich davon spreche daß Christus auferstanden ist, daß er von einer Jungfrau geboren wurde. Ich führe dann Zeugnisse, Vorbilder und Hinweise an: des Jonas Aufenthalt im großen Fisch und seine spätere Rettung, das Gebären durch unfruchtbare Frauen, durch Sara, Rebekka und andere, das Wachsen der Bäume im Paradies, obwohl kein Same ausgestreut, kein Regen auf den Boden gefallen und keine Furche gezogen wurde. Denn die künftigen Güter wurden schattenhaft vorgebildet und entworfen durch frühere Ereignisse, damit man an sie glaubte, wenn sie eintraten. Ferner weise ich darauf hin, wie aus der Erde ein Mensch und wie aus einem einzigen Menschen ohne Zeugung die Frau, ja wie die Erde selbst aus nichts entstanden ist, da die Macht des Schöpfers überall und zu allem genügt. So beurteile ich Geistiges mit Geistigem und bedarf nirgends der weltlichen Weisheit, weder der Beweise noch der kunstfertigen Rede."

(Hl. JOHANNES Chrysostomos, 7. Homilie zum 1. Korintherbrief, 4; PG 61,59)


Aus: Heiser, Lothar, Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres, Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.), Sophia, Quellen östlicher Theologie, Bd. 20, Trier 1981, S. 100ff.

hier aus St.Andreas-Bote

 

 

 


 

Zur Marienverehrung in unserer Kirche

Prof. Dr. Grigorios Larentzakis, Graz


In unserer Orthodoxen Kirche ist der liturgische, der doxologische, der theologische und der dogmatische Bereich mit dem Leben der Gläubigen sehr eng verbunden.

Allerdings muss gesagt werden, daß in der Sprache der Liturgie und in der poetischen Formulierung, im Jubel und Enthusiasmus, gelegentlich Übertreibungen vorkommen können, die, isoliert betrachtet, zu Einseitigkeiten und zu falschen Interpretationen führen können.

Trotzdem ist der unmittelbare Bezug der Kirche bzw. das Empfinden der Christen zu Maria wichtiger. In diesem Sinn hat für die Orthodoxe Kirche und Theologie die Person und die Rolle Mariens vom Anfang an eine zentrale Bedeutung. Das religiöse Leben der Christen ist von der Mutter Gottes (Theodokos) gerade aufgrund des Mysteriums der Menschwerdung Gottes erfasst. Wir betrachten sie als unsere eigene Mutter mit allen Konsequenzen und Beziehungen, die Kinder zu ihrer Mutter haben. Das wirkt sich zum Beispiel so aus: Wenn einem Christen etwas Unangenehmes oder etwas Schlimmes widerfährt, ruft er spontan und unmittelbar die Hilfe Marias, der Allheiligen (Panhagia), an.

Deshalb können die orthodoxen Christen mit Festen, Feiern und Hymnen Maria würdigen und verehren. Dabei werden die in überschwänglichen Gefühlen und in dichterischer Sprache vorkommenden Übertreibungen nicht als störend empfunden. Wenn man aber mit den Mitteln und den Methoden einer rationalen Zeit alles zu untersuchen und zu analysieren beginnt, und wenn man diese Atmosphäre des inneren Verhältnisses und der feierlichen Stimmung nicht miterlebt, den Hintergrund mancher Formulierungen nicht kennt, die andere Mentalität und die soziokulturellen Verhältnisse nicht berücksichtigt, dann wird vieles auf das rational Verstehbare und Begründbare reduziert oder als überflüssiger Ballast abgelehnt und weggeworfen.

Ein Kanon, ein Gesetz und eine erklärende endgültige Definition, ja eine dogmatische Definition waren und sind dann notwendig, wenn das harmonische Verhältnis in Frage gestellt wird und wenn der Inhalt oder das Wesen der Sache selbst gefährdet wird. Wo das "Göttliche" und das "Menschliche" eine harmonische Gemeinschaft bilden, ist es nicht notwendig, negative oder positive Regelungen zu treffen. Anders gesagt: Wo die Liebe erkaltet, beginnt das Misstrauen. Wo das Misstrauen beginnt, wächst die Angst. Und wo die Angst wächst, werden Gesetze und Bestimmungen für notwendig gehalten, in der irrigen Annahme, daß sie die liebende Gemeinschaft garantieren oder sogar ersetzen. Die Dynamik des Lebens hat den Vorzug vor allen Rationalisierungen und Reglementierungen. Allerdings hat die Theologie eine wichtige Aufgabe, korrigierend zu wirken, wenn Übertreibungen und Missbräuche im kirchlichen Leben sich breit machen, die das Wesentliche des christlichen Glaubens verunstalten können.

Wie in der allgemeinen Theologie eine Isolierung von Christologie, Pneumatologie, Soteriologie, d. h. von der Lehre über Christus, über den Hl. Geist und über das Heil, in der Orthodoxen Kirche nicht möglich ist, so ist auch für die Rolle Mariens als Vermittlerin zwischen dem Gläubigen und Gott keine Verabsolutierung eingetreten. Im großen Glaubensbekenntnis von Konstantinopel (381), übrigens dem einzigen ökumenischen Glaubensbekenntnis, das allen Christen gemeinsam ist, heißt es: "Der (d. h. Jesus Christus) für uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist und Fleisch angenommen hat aus dem Heiligen Geist und Maria, der Jungfrau, und Mensch geworden ist." In dieser Formulierung der Konzilsväter drückt sich richtig das Verhältnis der Mutter Gottes zu Christus, zu ihrem Sohn, und zum Hl. Geist aus. Damit wird die christologische und pneumatologische Dimension für uns und für unser Heil deutlich. Das sind die Voraussetzungen, warum die Mutter Gottes auch "Mutter des Lebens" genannt wird und unsere Fürsprecherin und "Vermittlerin" sein kann. Es muss gleich gesagt werden, daß nur in diesem Sinn die Mutter Gottes als Fürbitterin bei ihrem Sohn verstanden werden kann, jedoch nicht im Sinn der westlichen Auffassung von der "Mittlerin" (Commediatrix) oder sogar "Miterlöserin" (Corredemptrix).

Und während Eva nach der Erzählung der Bibel das Menschengeschlecht belastete, nahm Maria, die Mutter Gottes, alle Menschen als ihre Kinder auf. Sie bringt deren Nöte und Bitten vor ihren Sohn, wie sie es bei der Hochzeit zu Kana getan hat. So wird auch das Gespräch vor dem Kreuz zwischen dem gekreuzigten Jesus und seiner Mutter interpretiert: "Als Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dastehen sah, sagte er zu der Mutter: Frau, das ist dein Sohn" (Joh19,26). Mit Johannes sind alle Menschen gemeint, interpretiert z. B. Origenes.

Eine zusätzliche Begründung der Sinnhaftigkeit der Fürbitte Marias ergibt sich auch aus der allgemeinen Position der Heiligen in der Kirche, an deren erster Stelle Maria steht. Die Gemeinschaft in der Kirche nimmt einen besonderen Platz ein. Diese Stellung der Heiligen in der Kirche, deren Verehrung und Anrufung, als "Vermittler" und "Fürbitter" bei Gott zu wirken, wird deutlich durch die Stelle im Jakobusbrief 5,16: "Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Das inständige Bitten eines Gerechten hat große Kraft." Darin liegt ein wichtiges Fundament auch der christlichen Solidarität der Glieder des einen Leibes Christi, wonach "alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit" (1Kor 12,25-26).

Die Verbindung der Verehrung und der Fürbitte Marias mit der der Heiligen beschloss das VII. Ökumenische Konzil von Nizäa: "Wir wurden gelehrt, zu ehren und zu preisen zunächst und vornehmlich und wahrhaftig die Gottesmutter, die höher ist als andere himmlische Kräfte; die Heiligen und Himmelskräfte, die seligen Apostel, die Propheten, ... alle, die um Christi willen den Märtyrertod fanden. Wir wurden gelehrt, deren Fürbitten anzuflehen, weil sie uns mit dem König aller, Gott, in eine familiäre Gemeinschaft bringen können." Das ist die Lehre der Gesamtkirche des Ostens und des Westens, wie sie in einem gemeinsamen ökumenischen Konzil ausgedrückt wird.

Dieses Grundvertrauen der Gläubigen Maria gegenüber kommt auch im gottesdienstlichen Leben zum Ausdruck. Viele Gebete, Fürbitten und Hymnen dokumentieren dies.

So schneidet etwa bei der Vorbereitung der eucharistischen Gaben (Proskomide) der Priester zum Gedenken an die Mutter Gottes einen dreieckigen Teil aus dem eucharistischen Brot heraus und sagt: "Zu Ehren und zum Gedächtnis unserer ... Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria. Auf ihre Fürbitten, Herr, nimm dieses Opfer auf deinem überhimmlischen Altar an." Auch für uns Gläubige wird z. B. bei jeder Eucharistiefeier in den Antiphonen gesungen: "Durch die Fürbitten der Gottesgebärerin rette uns, Retter." Beim Abschluss jedes Gottesdienstes betet der Priester u. a.: "... Christus, unser wahrer Gott, möge in seiner Güte und Menschenliebe sich unser erbarmen und uns retten, durch die Fürbitte seiner allerreinsten und makellosen heiligen Mutter ..."

Schließlich, weil die Christen überzeugt sind, dass Maria "die in Fürbitten unermüdliche Gottesgebärerin" ist (Kontakion, Fest der Entschlafung Marias), feiern sie zwei Wochen lang vor dem 15. August in Abwechslung zwei Bittgottesdienste, den sogenannten "großen Bittkanon" und den "kleinen Bittkanon", während der Fastenzeit feiern sie jeden Tag nach der Vesper. Eine Darstellung und Analyse dieser Gottesdienste würde hinsichtlich der Rolle Mariens als Fürbitterin für alle sehr aufschlussreich sein. Es zeigt sich, daß diese Rolle Mariens nicht eine Gleichstellung mit Gott bzw. mit Christus bedeutet, sondern die Stellung nach ihm.

Außerdem muss noch erwähnt werden, daß nicht nur die Gottesgebärerin Maria für uns bei Gott bzw. bei ihrem Sohn spricht, sondern daß auch wir für Maria beten. Nach der Epiklese, der Anrufung des Heiligen Geistes und der Wandlung der eucharistischen Gaben in der Chrysostomosliturgie, betet der Priester u. a.: "Wir bringen Dir (Gott) diesen geistlichen Gottesdienst auch dar für ... Vorväter, Väter, Patriarchen, Propheten, Apostel, Prediger, Evangelisten, Märtyrer ... Insbesondere aber für unsere allheilige, unbefleckte, hochgepriesene und ruhmreiche Gebieterin, die Gottesmutter und immerwährende Jungfrau Maria". Dadurch wird deutlich, daß Maria nicht an die Stelle ihres Sohnes tritt, daß sie der großen Schar der Gemeinschaft der Heiligen angehört.

Dieses Grundvertrauen auf Maria gilt in der Orthodoxen Kirche für alle Schichten der Gläubigen, von den einfachen Christen einer Dorfgemeinde bis zu den Mönchen und Einsiedlern von Athos, deren "Herz tatsächlich marianisch ist".

Larentzakis, Gregorios, Die Orthodoxe Kirche, Ihr Leben und ihr Glaube, Graz, Wien, Köln 2000,
S. 115ff (ohne Fußnoten)

hier aus St.Andreas-Bote


 


6. Dezember (19.12.)

Unser Vater unter den Heiligen
der
Hl. N I K O L A U S

ERZBISCHOF von MYRA in Lykien
der
Wunderwirker

~ Sv. NIKOLAJ ~    ~ Aj. NIKOLAOU ~

Lehrer im Glauben,
Vorbild in der Milde,
Beispiel in der Enthaltsamkeit
bist Du Deiner Herde
wahrhaft gewesen.

Deshalb wurde
deiner Demut -
die Erhoehung
zuteil
und deiner Armut
- der Reichtum.

Heiliger Vater NIKOLAUS
bitte Christus,
unseren Gott,
dass gerettet werden
auch unsere Seelen.
 
Vita-Ikone aus Bulgarien 16.Jhdt.


Der Hl. Nikolaus von Myra in Kleinasien gehoert zu den Bischofsgestalten der Alten Kirche, die sich bei allen Voelkern bis heute ausserordentlicher Beliebtheit erfreuen. Er hat die ihm anvertraute Kirche durch die Verfolgungen durch Diokletian hindurchgefuehrt und hat als einer der 318 Vaeter des Oikumenischen Konzils von Nikaea die heilsbedrohenden Irrlehren des Arius besiegt.

Doch in der Erinnerung wird nicht nur seines Glaubensmutes gedacht, in den Voelkern ist vor allem das Gedaechtnis an seine vielfaeltige spontane Hilfe an Menschen in Not verankert. Durch diese Hilfe hat er das Evangelium vorgelebt und den Menschen aller Zeiten grosses Vetrauen auf seine Hilfsbereitschaft durch Fuerbitten und das Erwirken der uebernatuerlichen Hilfe Gottes gegeben.
Durch seine Guete und milde Fuersorge in der Ausuebung seines hohen Amtes ist er zum Idealtypos des orthodoxen Bischofs geworden, von dem erwartet werden darf, dass er auch als Hirte einer grossen Herde sich immer die Not des Einzelnen angelegen sein laesst, sich fuer die unschuldig Verfolgten einsetzt und der Gerechtigkeit mit Guete und Milde Geltung verschafft.

So ist er sowohl Abbild der Menschenliebe Christi wie auch Vorbild christlicher Glaubensexistenz.
 
In der ganzen christlichen Welt wird NIKO-LAOS, ("der die Voelker Gewinnende") der Heilige von Myra als ein ganz Vertrauter und "bodenständiger" Begleiter empfunden und bis heute um Fuerbitte angerufen. Unzaehlige Glaeubige haben seinen Beistand erfahren und an allen Plaetzen der Welt zahllose Kirchen und Kapellen seinem Gedaechtnis erbaut.

Am Donnerstag jeder Woche rufen wir ihn neben den Hl.Aposteln im Gebet als Fuersprecher an.


14. September (27.9.)

IPSOSIS tou timion zoopoidon Stavrou (gr.)
WSDWISH. SW. KRST. GOSPOD. (slaw.)
Înălţarea Sfintei Cruci (rum.)


ERHÖHUNG
des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S


Rette, Herr, Dein Volk
und segne Dein Erbe !

Verleihe Deinen Gläubigen
Sieg über die Widersacher !
Und behüte Deine Gemeinde
mit Deinem Kreuz !

Gewähre Sieg über das Böse,
Frieden in Deiner Gemeinschaft
durch die Waffe des Kreuzes,
des unüberwindlichen Siegeszeichens !

Festtagsikone, zeitgen. 20.Jhdt., Adam Russak

Lesungen:
1 Kor 2: 6-9
Gal 6: 11-18
Hebr 3: 1-4
1 Kor 1: 18-24
Gal 2: 16-20

Evangelien:
Mt 10:37-11:1
Joh 3: 13-17
Joh 12:25-36
Joh 19: 6-11, 13-20, 25-28, 30-35
Mt 8:34 - 9:1




Dein Kreuz, o Gebieter, beten wir an,
und Deine heilige Auferstehung verherrlichen wir.

Erzählungen zum Fest
Metr. ANTHONY: Predigt zum Fest
Heiser: Das KREUZ CHRISTI in Geschichte und Gottesdienst:

Das Fest unterstreicht die Zeitenwende des neuen Kirchenjahres:
Die nachpfingstliche Zeit der Erfüllung schlägt um in die vorösterliche Zeit der Erwartung.

Seit dem 7. Jahrhunderts, als Kaiser Heraklios am 3. Mai 628 die Reliquie des Hl. Kreuzes von den Persern zurückholte, wird der Gedenktag der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die Hl. HELENA (Mutter des Kaisers Konstantin) im Jahre 326 in Jerusalem, in der gesamten christlichen Welt gefeiert.
Am Vortag ist das Kirchweihfest der Auferstehungs-Basilika über dem Hl. Grab in Jerusalem, bei deren Bau das Kreuz wiedergefunden wurde und die am 13. September 355 geweiht wurde.


Am heutigen Tag steht im Zentrum der Zeremonien das blumengeschmückte Kreuz, das nach allgemeinen Fürbitten unter "Herr erbarme Dich" - Gebet durch den Bischof oder seinen Vertreter von ganz tief am Boden bis in die höchste erreichbare Höhe gehoben wird und damit der Segen in alle Himmelsrichtungen erteilt wird.
Man gedenkt des "Holz des Kreuzes" und des "Zeichen des Kreuzes" in dem das Heilsgeschehen durch das Kreuz Christi, -d.h. Seinen Tod und Seine Auferstehung- seinen Mittelpunkt gefunden hat, seiner Bedeutung in der Offenbarung des Heilswerkes Gottes für Sein Volk:

- Das Holz des Kreuzes des Baumes im Garten Eden:
Am Kreuz sprießt das neue Leben des himmlischen Paradieses (Gen 2:9-15)

- Das Holz der Arche Noah:
Das Holz des Kreuzes rettet die Sünder, bewahrt sie vom Ertrinken in den Fluten des Todes; birgt sie in der neugestalteten Welt Gottes (Gen 6:9 -9:17)

- Jakob kreuzt die Arme, um die Söhne des Joseph zu segnen:
Aller Segen geht vom Kreuz aus (Gen 48: 8-20)

- Mose streckt seine Arme aus, um das Meer zu öffnen und zu schliessen:
Der Gekreuzigte öffnet durch Sein Pas´cha den Weg in das Reich Gottes und verschliesst die Pforten der Unterwelt (Ex 14: 21 - 29)

- Mose wirft Holz in die Quelle von Mara, um ihr die Bitterkeit zu nehmen:
Das Holz des Kreuzes nimmt die Bitterkeit des Todes (Ex 15: 25-26)

- Moses schlägt mit dem Holz seines Stabes auf den Felsen, aus dem sogleich Wasser hervorströmt:
Wunderbares Leben entspringt dem Kreuz des Herrn (Ex 17: 1-7)

- Der Stab Aarons erblühte:
Am Kreuzesholz erblüht uns das Hohepriestertum Christi (Num 17: 1-10)

- Die eherne Schlange wurde in der Wüste auf einem Pfahl erhöht, so dass jeder von einer Schlange Gebissene, der sie anschaute, nicht starb, sondern am Leben blieb:
Wer auf den gekreuzigten Christus schaut und an Ihn glaubt, wird nicht sterben, sondern das ewige Leben haben (Num 21: 4-9, Joh 19:37)

- Das Volk Israel lagerte am Berge Sinai kreuzförmig um das Bundeszelt:
Das Kreuz ist die Lebensordnung des neuen Gottesvolkes (Num 2: 3-31)

Über diese reiche Tradition soll aber der Zielpunkt, das Opfer des als Mensch im Fleisch geborenen Sohnes Gottes, nicht vergessen sondern hervorgehoben werden.

 




Siehe dazu:
Predigt
von
Metropolit ANTHONY (Bloom) von SOUROSH (London)

Heute wird erhöht,
der in der Erde verborgen gewesene Baum des Lebens
an den Christus geheftet war.
So wird gefestigt unser Glaube an die Auferstehung.
Hoch erhoben durch des Priesters Hand,
verkündet das Kreuz Seine Auffahrt in die Himmel.
Durch sie wird unsere gefallene Natur erhöht
und in die himmlische Heimat versetzt.
Lasset uns danksagen und rufen:
"O Herr, der Du auf das Kreuz erhöht wardst,
Du hast mit Dir Selbst auch uns erhöht.
Würdige der himmlischen Freude
die Dich in Liebe preisen !"


(aus den Stichirien zu den Laudespsalmen des Festes)


zeitgen.Ikone, Adam Russak bulgarische volkstüml. Ikone;18.Jhdt;Sw.Georgi/Belowo;Schule v.Trjawna

 

 

Erzählungen zum Fest
ERHÖHUNG
des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S


Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"

Zeichen am Himmel vor Rom und Byzanz
Auffindung und Geschichte um das Hl. Kreuz in Jerusalem


In der Kirche wird das Zeichen des Kreuzes schon sehr früh verwendet. Bereits im 2. Jahrhundert ist verbürgt, dass sich Christen mit dem Kreuzzeichen segnen. Das Kreuz, das in vorchristlicher Zeit ein Zeichen für einen schmachvollen Tod war, wurde für die gläubigen Christen zum Zeichen des Sieges über den Tod, den Satan und alle seine Macht.

Die besondere Verehrung des Kreuzes Christi wurde im IV. Jahrhundert unter dem apostelgleichen Kaiser KONSTANTIN dem Großen und seiner Mutter HELENA eingeführt. Das Kreuz des Herrn erschien ihm dreimal im Leben.

  Das erste Mal sah er das Zeichen des Kreuzes während des Krieges gegen den ruchlosen Maxentius, dem Herrscher von Rom, der viel menschliches Blut bei der Wahrsagerei vergoss und den Dämonen eine große Zahl von Kindern, Mädchen und schwangeren Frauen zum Opfer brachte, um seinen trügerischen Göttern zu gefallen. Maxentius führte ein zügelloses und abscheuliches Leben und war in ganz Rom verhasst.
Als Konstantin gegen Maxentius zog, setzte er seine ganze Hoffnung auf Gott. Konstantin hatte nur 25.000 Soldaten, Maxentius ungefähr 200.000. Da er wusste, dass Satan mit seiner Macht auf der Seite des Maxentius stand, begann Konstantin zu dem einen Gott zu beten, der im Himmel und auf Erden herrscht und den alle Christen verehren. Er bat Gott um ein Zeichen dafür, dass der Krieg gegen den ruchlosen Maxentius erfolgreich sein werde.
Als er inständig betete, erschien zu Mittag am Himmel ein aus Sternen bestehendes Kreuz des Herrn, das heller schien als die Sonne. Zusammen mit dem Kreuz war eine Schrift am Himmel zu sehen: " In diesem Zeichen wirst du siegen ", d.h. " Durch das Kreuz wirst du siegen. " Diese wundersame Erscheinung sahen alle Soldaten. Alle waren sehr erstaunt und erschrocken. Viele Soldaten waren Heiden, und für Heiden war das Kreuz ein Zeichen für Unglück und Tod, weil zu jener Zeit auf dem Kreuz Verbrecher und Missetäter starben. Die Krieger fürchteten, dass die Erscheinung des Kreuzes Unglück bedeutete. Konstantin selbst war sehr verwirrt. In der Nacht erschien ihm Christus selbst und wies wieder auf das Kreuz und sagte: " Fertige so ein Kreuz an und lass es vor deinen Kriegern einhertragen, dann wirst du nicht nur Maxentius besiegen, sondern auch alle deine Feinde. quot;
Der Kaiser erzählte seinen Vertrauten von diesem Traum und befahl den Goldschmieden ein Kreuz herzustellen, so wie es vor allen am Himmel erschienen war. Das Kreuz wurde aus Gold gemacht und mit Perlen und Edelsteinen geschmückt. Allen Soldaten befahl er, ein solches Kreuz auf die Waffen, Helme und Schilder zu malen.
Trotz seiner übermacht wurde Maxentius besiegt. Nachdem Konstantin in Rom eingezogen war, dankte er Gott für den errungenen Sieg und befahl, zum Gedächtnis daran in der Mitte der Stadt auf einer hohen steinernen Säule ein Kreuz aufzustellen. Auf dem frequentiertesten Platz der Stadt wurde für Konstantin ein Denkmal mit einem Kreuz in seiner rechten Hand errichtet. Konstantin ließ auf ihm eine Inschrift auf lateinischer Sprache anbringen: " Durch dieses erlösende Zeichen, den wahren Erweis von Mut, errettete und befreite ich eure Stadt vom Joch des Tyrannen und gab nach ihrer Befreiung dem römischen Senat und dem Volk ihren früheren Glanz und ihr Ansehen zurück. "

Das zweite Mal sah Konstantin das Kreuz am Himmel, als er die kleine Stadt Byzanz, das spätere Konstantinopel, belagerte, das dritte Mal als er gegen die Skythen kämpfte. Alle diese großen und siegbringenden Erscheinungen überzeugten Konstantin später, dem Beispiel seiner Mutter, der Kaiserin HELENA zu folgen und sich taufen zu lassen.

  Die fromme Kaiserin HELENA beschloss, sich mit einer grossen Geldsumme nach Jerusalem zu begeben, um dort nach dem Kreuz des Herrn zu suchen. Unterwegs besuchte Helena viele heilige Orte, reinigte sie von der Entweihung durch Götzenbilder und entdeckte die Reliquien vieler Heiliger. Der damalige Patriarch von Jerusalem MAKARIOS empfing die Kaiserin mit gebührenden Ehren. Die selige Helena rief bei der Suche nach dem Kreuz des Herrn Juden zu sich und befragte sie, wo das Kreuz versteckt sei. Alle winkten ab und sagten, dass sie es nicht wüssten. Schließlich zeigte man ihr einen alten Mann namens Judas, den Sohn eines geachteten Propheten, und meinte, er müsse wissen, wo sich das Kreuz befinde. Judas weigerte sich ebenfalls lange, den Ort zu zeigen. Aber schließlich entschloß er sich dazu und brachte alle zu einem großen Hügel aus Erde und Steinen, auf dem der römische Kaiser Hadrian schon vor jener Zeit einen Tempel für die Göttin Venus errichtet hatte. Judas gab an, dass sich genau unter diesem Tempel das Kreuz befinde.
Helena befahl sogleich, den Tempel abzureißen, die Steine wegzuräumen und die Erde aufzugraben. Der Patriarch Makarios verrichtete an dieser Stelle ein Gebet, und in der Luft verbreitete sich ein Wohlgeruch. An dieser Stelle, ein wenig weiter östlich dieses Tempels, wurden das Grab Christi, die Schädelstätte Golgota, drei Kreuze und auch die Kreuzigungsnägel gefunden. Alle waren fassungslos, da sie nicht wussten, welches der drei Kreuze das Kreuz Christi war. Es geschah, dass man zu jener Zeit einen Toten zum Begräbnis vorbeitrug. Der Patriarch Makarios befahl den Trägern stehen zu bleiben, und die Kreuze wurden der Reihe nach auf den Toten gelegt. Als das Kreuz Christi auf ihn gelegt wurde, erwachte der Tote; er wurde durch die Kraft des göttlichen Kreuzes zum Leben erweckt. Die Kaiserin Helena ergriff das ehrwürdige Kreuz mit Freude, küsste es und verneigte sich vor ihm. Dasselbe taten auch alle Kriegsherren und Würdenträgern, Krieger und Bürger. Da aber rings herum viele Leute standen, die das Kreuz des Herrn sehen wollten, befahl die Kaiserin Helena, es allen zu zeigen. Der Patriarch Makarios stellte sich auf den höchsten Platz, erhob das Kreuz und zeigte es allen. Alle Versammelten riefen dabei: " Herr, erbarme Dich ! "

Seit jener Zeit, dem 14. September 335, wird das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert.

Helena nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel an sich, das Kreuz selbst legte sie in eine silberne Truhe und übergab sie dem Patriarchen Makarios, damit er das Kreuz für die kommenden Generationen aufbewahre.
Judas, welcher der Kaiserin Helena den Ort des Kreuzes des Herrn gezeigt hatte, und viele Menschen mit ihm bekehrten sich zum Glauben an Christus. Er ließ sich taufen und nahm den Namen Kyriakos an, d.h. dem Herrn angehörend. Später wurde Kyriakos Patriarch von Jerusalem und erlitt unter der Herrschaft Julians des Apostaten den Märtyrertod.
Die heilige Helena befahl, an den heiligen Stätten in Jerusalem Kirchen zu bauen. Vor allen anderen wurde die Kirche der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus an der Stelle gebaut, wo das Grab Christi und Sein ehrwürdiges Kreuz gefunden worden waren. Sie befahl auch, eine Kirche in Getsemani zu bauen, wo sich das Grab der Gottesmutter befand. Die Kirche wurde zu Ehren ihrer Entschlafung geweiht. Danach ließ die fromme Helena noch achtzehn Kirchen bauen, schmückte sie reich aus, beschenkte sie mit allem für die Verrichtung der Gottesdienste notwendigen Gerät und kehrte erst dann nach Byzanz zurück. Sie nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel mit sich, mit denen die Hände und Füße des Herrn durchbohrt worden waren.
Es muss noch erwähnt werden, wie das Kreuz des Herrn am Beginn des VII. Jahrhunderts durch die Perser geraubt und später zur Freude der Gläubigen wieder nach Jerusalem zurückgegeben wurde.
In Persien herrschte zu jener Zeit Chosrau. Er war sehr kriegerisch und in seinen Schlachten erfolgreich. Chosrau unterwarf Ägypten, Afrika, Palästina und nahm Jerusalem ein, wobei er viele Christen tötete. Die Krieger Chosraus plünderten Jerusalem und entwendeten die kirchlichen Schätze und Geräte. Es wurde auch die Truhe mit dem Kreuz Christi geraubt. Die byzantinischen Herrscher bemühten sich, Chosrau zu besiegen, erlitten dabei aber mehrere Niederlagen. Der Kaiser Herakleios bat Chosrau um Frieden, dieser jedoch lehnte hochmütig ab. Herakleios wurde sehr betrübt und begann, Gott um Seinen Schutz zu bitten. Er befahl allen Gläubigen zu beten, zu fasten und zu wachen, damit sie der Herr vom Feind befreie, der sich stolz damit rühmte, alle Christen zu vernichten, und den Namen Gottes lästerte. Alle beteten darum, dass die Heiden verstünden, dass es nur einen Gott gibt, und nicht sagen könnten: "Wir und unsere Götter sind stark." Die Heiden sollten verstehen, dass niemand der Macht unseres Gottes widerstehen kann. Der Kaiser Herakleios betete selbst unter Tränen und fastete. Dann sammelte er alle Soldaten und zog mit Zuversicht auf Gottes Hilfe gegen die Perser in den Krieg. Herakleios besiegte Chosrau, schlug ihn in die Flucht und siegte im Laufe von sieben Jahren immer wieder über die zahlreichen Reste seines Heeres, die sich weiter zur Wehr setzten. Bald darauf wurde Chosrau von seinem eigenen Sohn ermordet, der selbst Herrscher werden wollte und sogleich einen Boten zu Herakleios schickte, um bei ihm um Frieden zu bitten. Der Friede wurde geschlossen, der Kaiser Heraakleios kehrte als Sieger heim und brachte die Teile des Kreuzes Christi wieder zurück, die vorher von den Persern geraubt worden waren. Das Kreuz hatte sich etwa 14 Jahre bei ihnen befunden. Der Kaiser Herakleios freute sich und pries Gott für Seine Hilfe.
Nachdem er nach Jerusalem gekommen war, legte er die Teile des Kreuzes auf seine Schultern, um sie an ihren früheren Ort zu bringen; er trug das Kreuz, selbst in kostbare, mit Gold und Edelsteinen geschmückte Purpurgewänder gekleidet. Auf seinem Haupt trug er die Kaiserkrone. Als die Prozession zum Tor gekommen war, das auf die Schädelstätte Golgota führte, fühlte Herakleios zu seinem Erstaunen, dass er keinen Schritt weitergehen konnte. Den Kaiser begleitete der Patriarch von Jerusalem Zacharias. Er war mit den Bewohnern der Stadt mit Zweigen von Feigenpalmen der Prozession entgegengekommen und hatte sich ihr angeschlossen. Der Patriarch sah plötzlich einen Engel des Herrn, der im Tor stand und den Kaiser am Weitergehen hinderte.
Der Engel sprach zum Patriarchen:
" Nicht SO hat unser Schöpfer das Kreuz hierher getragen, wie ihr es jetzt tragt. "
Der Patriarch war über diese Worte sehr erschrocken und sagte zu Herakleios: " Wisse, dem, der reich gekleidet und mit kaiserlichen Prunk geschmückt ist, ist es unmöglich, dieses heilige Kreuz zu tragen, das Christus getragen hat, der unseretwegen arm und erniedrigt war. Wenn du das Kreuz tragen willst, so tue es wie der Erlöser. " Der fromme Kaiser legte sein kaiserliches Gewand ab, legte ein einfaches armseliges Gewand an und durchschritt nun ungehindert das Tor mit dem Kreuz und trug es in die Kirche, von wo es von den Persern geraubt worden war, und stellte es auf seinem früheren Platz wieder auf.

 

 

HL. EPHRAIM, DER SYRER:
Durch das HL. K R E U Z...
 

Unser Herr ging uns voran und unterwarf Sich dem Tod aus freien Stücken.
Dies um den Tod gegen dessen Willen unterzutreten.
Weil es der Tod so wollte, ging unser Herr hinaus und trug sein Kreuz. Aber dann erhob Er am Kreuz Seine Stimme und führte die Toten aus der Herrschaft des Todes aus der Unterwelt herauf, sosehr auch der Tod sich dagegen wehrte.

Er, der Sohn des Zimmermanns, richtete Sein Kreuz auf über dem alles verschlingenden Abgrund des Todes und trug das Menschengeschlecht hinüber in das Haus des Lebens.

Weil das Menschengeschlecht beim Verlust des Paradieses durch das Holz des Baumes tief gefallen war, führte Er es nun über das Holz des Kreuzes in das Haus des Lebens.

 

Dir sei Ehre !
 
Du hast Dein Kreuz gezimmert als Brücke über den Abgrund des Todes
damit die Seelen vom Land des Todes -zu dem des Lebens hinüberschreiten können.
 

Dir sei Ehre !

Du nahmst den Leib eines sterblichen Menschen an
und machtest ihn für alle Sterblichen zur Ursache des Lebens.
 

Ja, du lebst !

Denn deine Mörder taten mit dir, wie die Bauern tun:
Sie säten Dein Leben wie Weizen in die Erde.
Aus ihr musstest Du auferstehen,
um viele Menschen zugleich mit Dir zu erwecken.
 


Kommt, lasset uns unsere Liebe als grosses und allumfassendes Opfer darbringen.
Volltönende, reiche Lieder lasset uns singen und Gebete an Den richten,
Der Sein Opfer am Kreuz Gott darbrachte,
um uns alle durch Sein Kreuz reich zu machen.
AMIN !


HL. EPHRAIM DER SYRER, Diakon und Hymnendichter aus Nisibis, heimgegangen 373 in Edessa


 

Das KREUZ CHRISTI in Geschichte und Gottesdienst:

Die Erhöhung
des
ehrwürdigen und lebenspendenden Kreuzes
für alle Welt

zum Fest des 14. September

Die Schande der in Nacktheit erfolgten Hinrichtung und die unmenschlichen Qualen der Kreuzigung geboten den frühen Christen, ihren gekreuzigten Herrn nur mit Worten zu verkündigen: „Während die Juden Zeichen fordern und die Griechen Weisheit suchen, predigen wir Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein ärgernis (skandalon), den Heiden eine Torheit; den Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit" (1 Kor 1, 22-24). Erst nachdem Kaiser Konstantin im Jahr 320 im Hinblick auf Christi Kreuzigung diese Strafe verboten hatte, konnte man daran denken, Christus am Kreuz abzubilden. Doch die Scheu, den Gekreuzigten in seiner Schmach darzustellen, hielt noch lange an. Die älteste erhaltene Darstellung im Westen befindet sich auf der aus afrikanischem Zedernholz um 432 geschnitzten Portaltür von Santa Sabina auf dem Aventin in Rom. Christus steht hier, mit einem schmalen Lendentuch bekleidet, groß und erhaben zwischen den beiden kleiner dargestellten Räubern. Der Ausdruck des Leidens ist gemildert; die geöffneten Augen und die wie zum Gebet ausgebreiteten Arme zeigen ihn als siegreichen, göttlichen Mittler. Aus dem Osten ist als älteste Darstellung des Gekreuzigten eine Buchillustration in dem in Syrien gefertigten Rabbula-Kodex von 586 (heute in der Bibliothek Laurenziana, Florenz) erhalten. Christus trägt dort eine mit Goldstreifen verzierte ärmellose Purpurtunika. Sein seitlich geneigtes Haupt ist vom Schmerz gezeichnet, aus der von der Lanze durchstoßenen Seite fließt Blut; doch die Augen des Toten sind weit geöffnet, um anzudeuten, dass seine Gottheit vom Tod nicht getroffen werden kann.

Anders verhielt es sich mit der Darstellung des Kreuzes ohne die Gestalt des Gekreuzigten, die mit dem Erstarken des Christentums seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts immer häufiger anzutreffen ist. Als Kaiser Konstantin den Sieg über seinen Schwager und Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke bei Rom im Jahre 312 errungen hatte, ließ er ab 315 auch Münzen mit dem Zeichen des Kreuzes prägen, und ab 321 erscheint das Monogramm Christi nach seinen griechischen Anfangsbuchstaben als X P oder in der Form -P- auf den Feldzeichen des Heeres. Besonders das sog. griechische Kreuz mit seinen vier gleich langen Armen fand als Zeichen des Sieges Christi, mit Ornamenten und Gemmen geschmückt, vielfache Verwendung. Als Triumphkreuz zierte es Kirchen, Taufkapellen und Sarkophage. Auch Fußböden wurden reichlich und in großer Vielfalt mit Kreuzen geschmückt, bis Kaiser Theodosios II. (408-450) im Jahr 427 Kreuze auf Fußböden anzubringen verbot, damit niemand auf das Zeichen der Erlösung trete. Doch wurde dem kaiserlichen Dekret nicht überall Folge geleistet. Denn das 6. ökumenische Konzil in Konstantinopel, das sog. Trullanum von 691/2, schärfte im 73. Kanon dieses Verbot unter Androhung des Kirchenausschlusses noch einmal nachdrücklich ein.

Dem Wunsch seiner christlichen Mutter Helena entsprechend, die im Jahr 324 das Heilige Land besucht hatte, ließ Kaiser Konstantin in Palästina mehrere Kirchen errichten, in Jerusalem eine Doppelkirche, die durch einen Atriumshof verbundene Martyrion- und Anastasis-Kirche, durch welche Tod und Auferstehung Christi verherrlicht werden sollte. Die fünfschiffige Martyrion-Basilika wurde am 13. September 335 in Anwesenheit von Kaiser Konstantin von vielen Bischöfen, die von einer Synode in Tyrus (Libanon) gekommen waren, als Mutterkirche aller christlichen Kirchen eingeweiht. Der Fatimiden-Kalif al-Hakim (996-1021), Sohn einer christlichen Sklavin und erfüllt vom Hass gegen alles Christliche, ließ im Jahr 1009 die Doppelkirche plündern und das Grab Christi vollständig zerstören. Um 1048 ließ Patriarch Nikephoros von Jerusalem über der Grabanlage eine neue Rotunde errichten und den Atriumshof zur Kirche umgestalten; sie ist heute die Bischofskirche des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem. Die Kreuzfahrer haben sie nach ihrer Eroberung der Stadt im Jahre 1099 weiter ausgeschmückt. Doch die große Martyrion-Kirche ist bis heute eine unter Schutt und Läden verborgene und von einem koptischen und äthiopischen Kloster überbaute Ruine geblieben.

Um den Golgotha-Felsen neben dem Atrium ist durch Kaiser Konstantin eine Kapelle erbaut worden; offenbar wurde auf dem Felsen ein Kreuz zur Verehrung aufgestellt, von dem man bald annahm, es sei Christi wirkliches Kreuz. Bischof Kyrillos von Jerusalem erwähnt um 348 in seinen Taufkatechesen nicht nur die Verehrung dieses Kreuzes, sondern auch die Verbreitung von Partikeln des Kreuzes in die ganze Welt. Erst um 395 bietet Bischof Ambrosius von Mailand einen legendären Bericht von der Auffindung des Kreuzes Christi durch die Kaisermutter Helena: Unter Schutt und Geröll neben dem Golgotha-Felsen seien drei Kreuze gefunden worden; nachdem sie einer todkranken Frau nacheinander aufgelegt worden seien, erlangte sie Heilung bei der Berührung mit dem wahren Kreuz Christi. Weitere Kreuzeslegenden kamen hinzu: Das georgische Kreuzkloster am Rande von Jerusalem sei an jener Stelle errichtet worden, wo aus einem Schössling von dem Lebensbaum des Paradieses, den Adam mitgenommen habe, jener Baum erwachsen sei, aus welchem Christi Kreuz gezimmert wurde. Durch diese Legende wird symbolhaft und schön die Einheit von Lebensbaum und Kreuzesbaum zum Ausdruck gebracht. Eine weitere Legende deutet die Bezeichnung der Richtstätte von Jerusalem: Auf Golgotha, Schädelstätte, seien die Gebeine und der Schädel Adams beigesetzt worden und das Blut Christi, des neuen Adam, sei, wie häufig auf Ikonen zu sehen, auf sie herabgeflossen, um durch seine Kraft Adam und seine Nachkommen mit neuem Leben zu beschenken.

Nach der Eroberung Jerusalems durch die Perser im Jahr 614 führte König Chosroes II. Abharwez das Kreuz Christi als Trophäe nach Babylon fort. Der oströmische Kaiser Herakleios (610-641) brachte es nach seinem Sieg über die Perser im Jahr 628 feierlich nach Jerusalem zurück. In der Schlacht der Kreuzfahrer gegen das arabische Heer Salah ed-Dins (Saladins) im Jahr 1187 bei Hittim in Galiläa, in der es der Bischof von Bethlehem trug, ging die Kreuzreliquie endgültig verloren. Die Kreuzverehrung aber hatte von Jerusalem aus den Weg in alle morgen- und abendländischen Kirchen gefunden, die am 14. September, am Tag nach der Weihe der konstantinischen Basilika, das Fest der Auffindung des Kreuzes und seiner feierlichen Aufrichtung, seiner Erhöhung, feiern.

Die Feier und die biblische Botschaft

Jede Verehrung des kostbaren Kreuzes gründet im Erlösungsleiden Christi. Vornehmlich im Frühling in der Karwoche und am Karfreitag gedenkt die Kirche dieses Mysteriums und begeht dabei auch die Verehrung des Kreuzes als eines Symbols für Christus selbst. Etwa ein halbes Jahr später am 13. und 14. September feiert sie das Doppelfest der Einweihung der Basilika in Jerusalem und der Aufstellung (Erhöhung) des heiligen Kreuzes auf dem Golgotha-Felsen neben der Martyrion-Kirche.

Am Sonntag vor dem Fest wird die Gemeinde eingestimmt auf das Mysterium des Kreuzes. In der Lesung ruft Paulus den Gläubigen zu, dass es für den Jünger Christi kein Rühmen gebe außer im Kreuz des Herrn (Gal 6, 11-18). Der Menschensohn kündet im Evangelium an, dass er erhöht werden müsse, damit jeder ewiges Leben habe (Joh 3, 13-17).

Am 13. September wird die Schönheit der durch Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena veranlassten Doppelkirche im Festtroparion besungen:

Wie dort oben des Firmamentes Zierde
so hast Du auch hier unten uns die Schönheit
der heiligen Wohnung deiner Herrlichkeit vor Augen gestellt, Herr.
Festige sie für alle Ewigkeit und nimm unsere Gebete an,
welche in ihr ohne Unterlass an Dich gerichtet werden,
 auf die Fürbitte der Gottesgebärerin,
Du unser aller Leben und Auferstehung!

Troparion am 13. September; Anthologion I, 652 f.

Es folgt ein zweites Troparion zu Ehren des heiligen Kreuzes:

Das lebenspendende Kreuz Deiner Güte,
welches Du uns Unwürdigen geschenkt hast, Herr,
tragen wir zu Dir hin als unsere Fürbitte.
Bewahre die Könige und Deine Stadt,
die sich um den Frieden bemühen,
durch die Gottesgebärerin,
Du allein Menschenliebender!
Troparion; Anthologion I, 653

Am Abend zum 14. September beginnt mit dem Großen Esperinos, seinen Hymnen und Lesungen das Hochfest der Erhöhung des heiligen Kreuzes, um dessentwillen dieser Festtag als Fasttag ausgewiesen ist.

Die alttestamentlichen Lesungen weisen typologisch auf die Bedeutung des Kreuzes Christi hin: Mit einem Holz hat Mose beim Zug durch die Wüste das bittere Wasser von Mara für das Volk genießbar gemacht (Exodus 15, 22-16, 1). Jahwes Weisungen, kostbarer als Gold und Silber, sind ein Lebensbaum; sie gewähren langes Leben und Ehre (Sprüche 3, 11-18). Nach Jerusalem, dessen Heiligtum aus Zypressen, Zedern und Fichten vom Libanon errichtet wurde, ziehen die Völker, um Jahwe dort zu verehren (Jesaja 60, 11-16). Aus diesen drei Bäumen, so eine Volksmeinung, war Christi Kreuz gefertigt worden.

Der Esperinos wird fortgesetzt mit der Liti, dem nächtlichen Bittgottesdienst. Zum Altar wird ein Kreuz getragen und dort an die Stelle des Evangelium-Buches aufgestellt. In meditierenden Hymnen des Andreas von Kreta, Andreas von Jerusalem, Theophanes, Anatolios, des Kaisers Leon des Weisen betrachtet die Gemeinde das heilbringende Leiden Christi und seinen Sieg am Kreuz. Zum Abschluss wird das Troparion gesungen; es ist als Bitte formuliert und geht auf die Bedeutung der Hauptstadt des Römischen Reiches ein, deren Könige (Kaiser) seit dem 6. Jahrhundert im Kampf gegen die nichtchristlichen Nachbarvölker, Perser, Araber und Slawen, standen und sich für das Wohl der christlichen Welt verantwortlich wussten:

Rette, Herr, dein Volk und segne dein Erbe!
Sieg verleihe den Königen über die barbarischen Völker
und behüte durch dein Kreuz deinen Staat. 

(Apolytikion; Anthologion 1, 663)

heute beten wir:

Rette, Herr, dein Volk und segne dein Erbe!
Sieg verleihe den Gläubigen über die Widerstände des Bösen
und behüte durch dein Kreuz dein Volk. 

(Apolytikion; Anthologion 1, 663)

Im Orthros erklingen die Hymnen, die das Mysterium des Kreuzes und der an ihm gewirkten Erlösung preisen. Das Evangelium weist hin auf die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen: Die Stimme des Vaters kündet von der Verherrlichung des Sohnes, und er spricht von seiner Erhöhung, durch die er alle an sich zieht (Joh 12, 28-36).

Das Synaxarion bedient sich der legendären Berichte von der KreuzErscheinung vor Kaiser Konstantin und der Auffindung des Kreuzes:

Konstantin der Große, der erste christliche Kaiser, führte einst Krieg um die Herrschaft, wie einige Historiker meinen, bei Rom gegen Maxentius; andere meinen, es sei an der Donau gewesen beim Kampf gegen die Skythen. Als er sah, dass das feindliche Heer stärker war als das eigene, erfasste ihn Ratlosigkeit und Furcht. In dieser Verfassung schaute er am hellen Tage das aus Sternen gebildete Zeichen des Kreuzes am Himmel und eine Schrift in lateinischen Buchstaben; auch sie war aus Sternen gebildet und lautete. In diesem Zeichen siege!

Aus Gold ließ er sogleich das Kreuz, das ihm erschienen war, nachfertigen und seinem Heer vorantragen. Er stieß mit den Feinden zusammen und gewann die Oberhand; die meisten wurden getötet, die anderen ergriffen die Flucht. Da erkannte er die im Kreuz liegende Macht und glaubte an den einzigen wahren Gott.

Nachdem er diesen Glauben durch die Taufe zusammen mit seiner Mutter besiegelt hatte, sandte er sie nach Jerusalem, damit sie das Kreuz Christi auffinde. Sie fand es auch, obwohl es verborgen war, und ebenfalls die beiden anderen Kreuze, an denen die Räuber gekreuzigt worden waren, dazu auch die Nägel. Da die Kaiserin aber im Unklaren war, welches das Kreuz des Herrn sei, wurde es ihr durch eine Wundertat an einer todkranken Witwe offenbart; bei der Berührung mit ihm konnte sie wieder aufstehen. Die beiden anderen Kreuze der Räuber dagegen hatten in dieser Hinsicht nichts erwiesen, kein Anzeichen einer Wunderkraft. Das in der Tat kostbare Kreuz verehrte und küsste die Kaiserin samt ihrer ganzen Begleitung. Das Volk wünschte es auch zu verehren, doch gelang es ihm nicht; aber es forderte, es zu sehen. Da trat Makarios, Patriarch von Jerusalem, hinzu und hob das ehrwürdige Kreuz auf einer Kanzel in die Höhe; das Volk begann da zu rufen. Herr, erbarme dich! Seither gibt es das Fest der Erhöhung.

Dreihundert Jahre später entriss Kaiser Herakleios das ehrwürdige Kreuz den Händen der Perser, die es bei der Eroberung Jerusalems geraubt hatten. Der Kaiser kehrte als Sieger im Triumphzug in die Hauptstadt zurück und erhöhte zudem ein weiteres lebenspendendes Kreuz in der Großen Kirche (Hagia Sophia) in Gegenwart und unter dem Beifall des Volkes von Konstantinopel.  September-Menaion, 139 f.

In den Kirchen der slawischen Tradition folgt nun nach dem Morgenlob die Verehrung des kostbaren Kreuzes, in der griechischen Kirche am Ende der Eucharistiefeier. In der Eucharistiefeier wird anstelle des Dreiheilig gesungen:

Dein Kreuz verehren wir, Herr,
und Deine heilige Auferstehung preisen wir!

Die Lesung bietet den hymnischen Text des Paulus über die Bedeutung des gekreuzigten Herrn: „Wir predigen Christus, den Gekreuzigten ... als Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1, 18-24). Das Evangelium kündet von der Verurteilung Christi zum Kreuzestod und von seiner Hinrichtung (Joh 19, 6-35).

In einer abbildlichen Feier der ersten Kreuzerhöhung in Jerusalem findet vor dem Schlusssegen die Verehrung des kostbaren Kreuzes statt. Der Priester beräuchert mit Weihrauch das Kreuz, das auf einem mit Blumen geschmückten Tablett auf dem Altar liegt, und trägt es, hoch über sein Haupt erhebend, dreimal durch die Kirche, während die Gemeinde das Festtroparion singt. Vor der Ikonostase bleibt der Priester stehen und ruft den Gläubigen zu: Weisheit. Steht aufrecht! Die Gemeinde wiederholt das Festtroparion und ruft ständig wie einst die Jerusalemer Gläubigen: Kyrie eleison!
Der Priester segnet nun, das Kreuz in die vier Himmelsrichtungen von oben herab senkend, die Gemeinde und den ganzen Erdkreis. So wird in diesem feierlichen Segen der Titel des Festes als einer Erhöhung des kostbaren Kreuzes „für alle Welt“ bekundet. Dann wird das Kreuz in der Mitte der Kirche auf das Proskynetarion gelegt, auf dem sonst die Tagesikone zur Verehrung liegt. Die Gläubigen küssen es wie einst zu Jerusalem die Kaisermutter Helena und nehmen eine Blume als Zeichen des Segens mit nach Hause.

Am Sonntag nach dem Fest wird noch einmal das Kreuzmysterium gefeiert. In der Lesung der Eucharistiefeier verkündet Paulus den Galatern, dass der Christ im Glauben an den Sohn Gottes lebt, der ihn geliebt und sich für ihn hingegeben hat (Gal 6, 11-18). Im Evangelium mahnt Christus selbst, dass jeder, der ihm folgen wolle, sich verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen müsse (Mk 8, 34-9, 1).

Heiser,  Lothar, Quellen der Freude, die Hochfeste der orthodoxen Christen (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 52), Gersau CH 2002, S. 295 ff.
Text hier aus: St.-Andreas-Bote


















8. September (21.9.)

To GENETHLION tis IPERAGIAS DESPINIS IMON, THEOTOKOU kai AEIPARTHENOU MARIAS (gr.) 
ROSHD. PRESW. BOGORODIZ. (slaw.) 
NAŞTEREA MAICII DOMNULUI (rum.) 

G E B U R T 
der Allerheiligsten Gottesgebaererin 
und steten Jungfrau Maria

Deine Geburt,
Gottesgebärerin,
hat Freude verkündet 
der ganzen Welt.

Denn aus dir ist aufgestrahlt 
die Sonne der Gerechtigkeit, 
Christos unser Gott.

Da Er löste den Fluch, 
gab Er den Segen.
Da Er überwand den Tod, 
gab Er das ewige Leben.

Festtagsikone russisch 17.Jhdt.

Texte und Predigten zum Fest ...

 

Das apokryphe Protoevangelium des Pseudo-Jakobus erzählt, dass Joachim und Anna lange kinderlos waren und darunter sehr litten. Ihre Gebete wurden intensiver, Joachim fastete in der Wüste, Anna im Haus. Da verhiess ihnen ein Engel des Herrn gesegnete Nachkommenschaft. 
 

Das Geburtsfest der Gottesgebärerin wurde in Konstantinopel bereits im 6.Jhdt. gefeiert. 
Seinen Ursprung hat es vermutlich in der Kirchweihfeier der Kirche der Hl. ANNA in Jerusalem, die im 5.Jhdt. errichtet worden ist.
 

Als erster Fest innerhalb des Kirchenjahres weist es voraus auf die Feier der Geburt Christi.
Zum Thema gemacht wird Gottes Heilsplan, 
der 
wieder einmal 
die scheinbare Hoffnungslosigkeit der Menschen 
durch Sein Geschenk 
zu freudigem Triumph verwandelt. 

Nicht durch menschliche Leistung "verdienen wir uns Erlösung", 
sondern allein durch Gebet um göttliche Gnade, 

die dann als Wunder in unser pseudo-objektives Umfeld einbricht, 
und es verherrlicht (=dem "Herrn" ähnlicher macht).

Die Gebete des heutigen Tages behandeln wie das erwähnte apokryphe Protoevangelium, 
das auch Grundlage unser Festtagsikone ist, 
die Kernaussage des Festes:


Es geht um unsere menschliche Natur als solche:
 
Durch unsere Sünden unfruchtbar geworden, 
so dass sie in keiner Weise mehr aus sich selbst heil werden kann, 
hat sie -durch Fasten und Beten gefördert- dennoch Teil an Gottes Heilswerk. 

Den Menschen wird die Gottesgeburt zuteil, 
dadurch dass Gott Selbst Sich unser in Seiner annimmt und unsere Unfruchtbarkeit im Irdischen 
zu Fruchtbarkeit im Heilsgeschehen wandelt.

 

Joachim und Anna 
wurden von der Schmach der Kinderlosigkeit befreit, 
Adam und Eva, 
befreit von der Verwesung des Todes 
durch deine Geburt.

Erlöst von der Schuld der Verfehlungen, 
feiert dies dein Volk, 
o Allreine, 
und ruft dir zu: 
"Die Unfruchtbare gebiert die Gebärerin Gottes, 
die Nährerin unseres Lebens". 


Heute 
wird nach Gottes Willen 
aus einer Unfruchtbaren geboren Maria, 
die Jungfrau und Mutter Gottes 
das unbetretbare Brautgemach 
des himmlischen Bräutigams, 
bestimmt zum Gefährt des Wortes Gottes. 
Deshalb wurde sie vorausersehen 
als göttliche Pforte und Mutter des Lebens. 

 

 

Texte und Predigten zum Fest:
Geburt unserer hochheiligen Herrin, der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

(8. September) 

Den Reigen der zwölf Hochfeste eröffnet das Fest der Geburt Mariens. 

Im Unterschied zu allen anderen Heiligen, deren Feste in Anlehnung an die Martyrerverehrung an ihrem Todestag, ihrem Geburtsfest für den Himmel, begangen werden, feiert die Kirche den Tag der Geburt Mariens — wie auch den des Wegbereiters und Täufers Johannes —, weil bei ihrem Eintritt in die Welt der Menschheit ein heilsgeschichtlicher Neubeginn geschenkt wurde. Nach dem Verständnis der heiligen Schrift ist in den Anfang bereits das Ganze und seine Vollendung keimhaft hineingelegt. 

Das Geburtsfest Mariens ist das erste der Feste in dem am 1. September beginnenden Kirchenjahr, dem „Jahreskranz der Güte Gottes“. So soll deutlich werden, dass dieses Fest über alle historischen Erinnerungen hinaus als Markstein in der Heilsgeschichte verstanden werden will. In Mariens Geburt liegt der Beginn des ganzen Heils und der Ausblick auf seine Vollendung. 

Im Weihefest der Kirche der heiligen Anna in Jerusalem ist der Ursprung dieses Festes zu suchen. Die Jerusalemer Gemeinde hatte im 5. Jahrhundert an dem vermeintlichen Ort, wo das Haus von Joachim und Anna gestanden haben soll, eine Kirche errichtet. Sie stand über einer Wohngrotte, die als Geburtsstatte Mariens verehrt wurde. 
Im 6. Jahrhundert gelangte das Weihefest der Kirche als Fest der Geburt Mariens nach Konstantinopel und von dort im 7. Jahrhundert nach Rom und ins Abendland. Die heutige Kirche der Hl. Anna, in der Nahe des Stephanustores gelegen, das die Palastinenser auch Marientor nennen, wurde um 1142 von den Kreuzfahrern erbaut. Sie ist wohl die schönste Kirche Jerusalems und erhebt sich über einer Krypta, die seit byzantinischer Zeit als Geburtsort Mariens im Wohnhaus Joachims und Annas bezeichnet wird. Die Kirche liegt direkt neben dem im Johannes-Evangelium erwähnten Teich Bethesda (Haus des Erbarmens), auch Schafteich genannt, weil dort die Schafe für die Opfer im Tempel gewaschen wurden.
Dort heilte Jesus am Sabbat einen seit 38 Jahren gelähmten Mann (Joh 5,2-9).

Die Lokalisation der Wohnung Joachims am Schafteich geht wohl auf die Bemerkung des Protoevangeliums des Jakobus zurück, dass der Vater Mariens Schafhirt gewesen sei. Dieses um die Mitte des 2. Jahrhunderts entstandene apokryphe Kindheitsevangelium, das durchaus historische Begebenheiten verarbeitet, dient der Verherrlichung Mariens; es überliefert auch die Namen ihrer Eltern und erzählt folgendes von ihrer Empfängnis und Geburt:

Als der grosse Tag des Herrn nahte und die Kinder Israels ihre Opfergaben darbrachten, traten sie vor Joachim, und Ruben sprach zu ihm: Es ziemt dir nicht, deine Opfergaben als Erster darzubringen; denn du hast in Israel keine Nachkommen erzeugt! ...

Da wurde Joachim sehr traurig und er zeigte sich seiner Frau nicht, sondern begab sich in die Wüste; dort schlug er sein Zelt auf und fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. ...

Anna, seine Frau, stimmte indessen ein zweifaches Klagelied an und erhob ein zweifaches Jammern: Meine Witwenschaft will ich bejammern und meine Kinderlosigkeit dazu! — Nun kam der grosse Tag des Herrn, und ihre Dienerin Judith sprach zu ihr: Wie lange beugst du deine Seele, da doch der grosse Tag des Herrn nahe ist; da darfst du nicht trauern! ... Anna legte jetzt ihre Trauerkleider ab, wusch sich das Haupt, zog ihre Brautkleider an und ging um die neunte Stunde in ihrem Garten spazieren. Unter einen Lorbeerbaum setzte sie sich und flehte den Herrn an:

Gott unser Vater, segne mich und erhöre meine Bitte, wie du den Mutterleib Saras gesegnet und ihr den Sohn Isaak geschenkt hast! ...

Ein Engel des Herrn trat da zu ihr und sprach: Anna, Anna, der Herr hat deine Bitte erhort. Du wirst empfangen und gebären, und deine Nachkommenschaft wird in der ganzen Welt genannt werden! Da sagte Anna: So wahr der Herr, mein Gott, lebt: Wenn ich gebären werde, sei es ein Junge oder ein Madchen, so will ich das Kind dem Herrn als Opfergabe darbringen, und es soll ihm dienen alle Tage seines Lebens!— Nun kamen zwei Boten und sprachen zu ihr: Joachim, dein Mann, kommt mit seinen Herden; denn ein Engel des Herrn ist zu ihm herabgestiegen und hat ihm gesagt: Joachim, Joachim, Gott, der Herr, hat deine Bitte erhört. Anna, deine Frau, wird empfangen! ... Joachim kam mit seinen Herden, Anna stand vor der Tür; sie sah ihn kommen, lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und sprach: Jetzt weis ich, dass Gott, der Herr, uns reich gesegnet hat. Denn die Witwe ist nicht mehr Witwe, und ich, die Kinderlose, werde empfangen! So geschah es, als Joachim am ersten Tag wieder in seinem Hause ruhte.

Es erfüllten sich Annas Monate, wie der Engel gesagt hatte, und im neunten gebar sie. Sie fragte die Hebamme: Was habe ich geboren? Die antwortete: Ein Mädchen! Da sprach Anna: Erhöht wurde meine Seele an diesem Tag! Als die Tage erfüllt waren, reinigte sich Anna von ihrem Wochenbett, gab dem Kind die Brust und nannte es Maria.

Das Kind wurde von Tag zu Tag kräftiger, und als es sechs Monate alt war, stellte es seine Mutter auf den Boden, um zu sehen, ob es schon stehen könne. Es machte sieben Schritte und kehrte dann zu ihrem Schoss zurück. ... Am ersten Geburtstag des Kindes veranstaltete Joachim ein grosses Festmahl und lud dazu die

Hohenpriester, die Priester und Schriftgelehrten, die Ältesten und das ganze Volk Israel ein. Er brachte das Kind vor die Priester, und sie segneten es: Gott unserer Vater, segne dieses Kind und verleihe ihm einen unter allen Geschlechtern ewig gerühmten Namen! 
Und das ganze Volk sprach: 
So sei es. Amen!

(Jakobus-Evangelium, 1-6; Hennecke-Schneemelcher, I, 280-282)


Der griechischen Namensform „Maria“ liegt das hebräische „Mirjam“ zugrunde. Moses und Aarons Schwester trug diesen Namen, dessen Bedeutung unsicher ist. Nimmt man einen hebräischen Ursprung des Namens an, konnte er „die Schöne“ bedeuten; leitet man ihn vom Ägyptischen her konnte „die Geliebte“ gemeint sein. Bei orthodoxen Theologen findet sich für Maria die Deutung „Herrin“.

Seit dem Anfang des 8. Jahrhunderts feiert die Kirche am 9. Dezember auch „die Empfängnis der heiligen Anna, der Mutter der Gottesgebärerin“. Von Konstantinopel gelangte dieses Fest im 11. Jahrhundert in das Abendland, wo es in Angleichung an den Tag der Geburt Mariens am 8. Dezember begangen wird und nach der vom 2. Vatikanischen Konzil eingeleiteten Liturgiereform den Titel „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ trägt. Die orthodoxe Christenheit kennt den Glaubenssatz, dass Maria seit ihrer Empfängnis von der Erbsunde bewahrt gewesen sei, nicht, da sie die von Augustinus (354-430) geprägte Erbsündenlehre nie übernommen hat. Auch für die östliche Christenheit ist Maria die „All-heilige“, die durch des Heiligen Geistes Wirken „Begnadete“, wie sie der Engel begrüsste (Lk 1, 28), doch wurde ihr die Heiligkeit entsprechend ihres „Reifens“ gewahrt; selbst unter dem Kreuz wurde sie vom Heiligen Geist geformt, doch die Fülle der Heiligkeit wird ihr erst bei der Vollendung der Schöpfung zuteil. Die orthodoxe Liturgie am 9. Dezember hat vielmehr die von Gott heraufgeführte Zeitenwende zum Inhalt: Die Empfängnis der unfruchtbaren Anna kündet das Ende des alten „unfruchtbaren“ Zeitalters an und den Beginn der neuen Welt- und Heilsordnung, die Gott mit der Zeugung und Empfängnis Mariens eingeleitet hat.

 

Predigt des Hl. Andreas von Kreta

Die heutige Feier ist der Beginn unserer Feste; sie ist das erste der Feste, die auf das Gesetz und die Schatten (des Alten Testamentes) zurückweisen, und zugleich das Tor zu den Festen, welche auf die Gnade und die Wahrheit hinweisen.  …  Geburtstag wird gefeiert und die Neuschöpfung des Menschengeschlechtes. Eine Jungfrau wird geboren, aufgezogen und ausgebildet, und Gott, dem Allkönig der Ewigkeiten wird eine Mutter bereitet.  …  Jede edeldenkende Seele soll sich zum Reigen einfinden, und die Natur soll die Schöpfung zu ihrer Erneuerung und Neugestaltung herbeirufen. 
Die Unfruchtbaren sollen schnell herbeieilen; denn die kinderlose und unfruchtbare Anna hat ein Gotteskind bekommen: die Jungfrau. Die Mütter sollen jubeln; denn die unfruchtbare Mutter hat die unversehrte Mutter und Jungfrau geboren.
Die Jungfrauen sollen sich freuen; denn die unbesäte Erde hat auf wunderbare Weise Den geboren, der, ohne sich zu ändern, aus dem Vater hervorgeht.
Die Frauen sollen selbstbewusst sein: denn die Frau, die einst Anlass zur Sünde gab, hat jetzt den Beginn der Erlösung ermöglicht, und die, die einst verurteilt wurde, ist jetzt von Gott erwählt und angenommen worden, die Mutter ohne Zeugung, die Auserwählte für den Schöpfer, die Erhebung des Menschengeschlechtes. Die ganze Schöpfung soll Lieder singen und einen Reigen bilden und ein Geschenk mitbringen, das diesem Tag würdig ist. Eine gemeinsame Feier sollen heute Himmlische und Irdische begehen, und alles, was in der Welt ist, soll sich vereinen bei dem gemeinsamen Fest. Denn heute ist des Allerschaffers erschaffener Tempel erbaut worden, und das Geschöpf wird für den Schöpfer in neuer und angemessener Weise zum göttlichen Palast bereitet. … Wir aber, Gottes Volk, eine heilige Gemeinschaft, eine geweihte Schar, wollen nach väterlicher Sitte das Fest begehen und das Geheimnis und seine Bedeutung in Ehren halten. …

(Andreas von Kreta, Lobrede zu Mariae Geburt; PG 97, 805 A – 817 D)

 

Die Tochter der Gnade

Joachim nahm die ehrwürdige und lobenswerte Anna zur Ehe. Aber wie die Anna im Alten Testament unfruchtbar war und auf Grund ihres Gebetes und göttlicher Zusage Samuel geboren hat (1Sam 1), so empfangt auch diese Anna durch ihr Flehen und auf Grund göttlicher Verheissung die Gottesgebärerin, damit sie keiner der berühmten Frauen nachstehe. So gebiert also die Gnade — denn dies heisst übersetzt Anna — die Herrin, was der Name Maria bedeutet. Sie ist wirklich Herrin geworden über alle Geschöpfe, da sie des Weltenschöpfers Mutter wurde.

(Johannes von Damaskus, Darlegung des orthodoxen Glaubens, IV, 14; PG 4, 157 B)


ALLES seit "Predigt zum Fest" AUS:

Heiser, Lothar: Quellen der Freude (Die Hochfeste der orthodoxen Christen)  (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums

Koinonia – Oriens; Bd. 52), c 2002 Verlag Vluheck, ISBN 3-909103-19-7

 

Text hier aus St.-Andreas-Bote

 




1. September (14.9.)


ARCHI tis INDIKTOU, itoi tou Neon Ekklisiastikon etous (griechisch)
Zrkovn. Nov. God. (slawisch)
Începutul anului bisericesc (rumänisch)

B E G I N N
des
NEUEN KIRCHENJAHRES

Bildner der Schöpfung,
der Du
die Zeiten der Jahre
und der Welt
in der Dir eigenen Vollkommenheit
festgesetzt hast,

segne den Zeitenkranz
in Deiner Güte !
Bewahre Dein Volk
und Dein Land,
auf die Fürbitten
der Gottesgebärerin
und errette uns !





 
Subjektive Darstellung (bulgarisch) 17.Jhdt.

Gedanken zum Fest ...

S. Allhl. Patriarch BARTHOLOMAIOS  2014
(beim offiziellen Empfang durch den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg in Stuttgart)
(zusammengestellt und veröffentlicht in fb CHRISTENTUM in ORTHODOXER TRADITION in DEUTSCHER SPRACHE
von vtr. Diakon SERGIOS Kuckhoff)


S. Allhl. Patriarch BARTHOLOMAIOS  2005
(ENGLISH)

 

Zur Christlichen Umwelt-Ethik
unterzeichnet vom Oekumenischen und Papst JOHANNES-PAUL II.
(aus KOKID)
S.Allhl. Patriarch BARTHOLOMAIOS zum Fest
Gedanken einer orthodoxen Theologin zum Fest ...
All-Orthodoxe Botschaft und Gebet d.Höchstgew. NIKODEMUS, Metropolit v. Patras für die Erhaltung der Schöpfung Gottes
Idiomela v. Vater GERASIMOS v. Heiligen Berg Athos für Umwelt und Wohlbestand der ganzen Schöpfung
Prof. Dr. Georgios I. MANTZARIDIS: Die ÖKOLOGISCHE KRISE

 

 

Erster Tag des Kirchenjahres
dem Gebet und dem Flehen für die Rettung der Schöpfung Gottes gewidmet

In der all-orthodoxen "BOTSCHAFT der VORSTEHER der HEILIGEN ORTHODOXEN KIRCHEN" vom 15. März 1992 werden die Gläubigen der Orthodoxie in aller Welt aufgerufen, den 1. September eines jeden Jahres, den Tag des Anfangs des Kirchenjahres dem Gebet und dem Flehen für die Rettung der Schöpfung Gottes und dem Erreichen jener Haltung zur Natur zu widmen, welche die Göttliche Eucharistie und die asketische Tradition der Kirche gebieten.

Auch für dieses Kirchenjahr gilt wieder, was Vater ELIAS Herter in seinen Texten zu den Gebeten sagt:

Das Filigranwerk des Kirchenjahres fängt gleichsam in gröberen und feineren Netzen jeden unserer Tage ein:

Ostern, das Auferstehungsfest, mit seiner allwöchentlichen Vergegenwärtigung am Sonntag und die "Zwölf Grossen Feste" Christi und der Gottesmutter überstrahlen gleich Sonne und Mond die Tage.

Wie Planeten folgen ihnen die Gedächtnisse des Heiligen Kreuzes und der Gottesgebärerin am Mittwoch und Freitag, der Heiligen Engel am Montag, des Vorläufers und Täufers Johannes am Dienstag, der Heiligen Apostel und des Heiligen Nikolaus am Donnerstag, der Märtyrer und der Entschlafenen am Samstag

- während am Firmament jedes Kirchenjahres aufs neue die fast unzähligen Fixsterne der, an den verschiedenen Tagen, an ihrem "Geburtstag für den Himmel", gefeierten Heiligen als grössere und kleinere Lichter erstrahlen.

Die Indiktion, ein Zeitabschnitt von 15 Jahren, begann unter Konstantin dem Grossen um 312 n. Chr. und war für die byzantinische Zeitrechnung die massgebliche Größe. Gleichzeitig mit der Einführung unserer Zeitrechnung (n.Chr.="nach Christi Geburt") wurde auch der Beginn des Kirchenjahres auf den 1. September festgelegt.
Die Texte dieses Festes werden in unseren Gemeinden auch oft für den 1. Januar benutzt.

 

Die Wiederholung der Feste
Das Leben im
KIRCHENJAHR

Wieder und wieder endet und beginnt ein neues Kirchenjahres. Der Zyklus des alten Kirchenjahres ist vollendet, ein neuer Zyklus beginnt am 1. September.

Viele Gläubige sehen das Ende des Jahreskreises, in dem sie Jesus von der Geburt bis zu seiner Verherrlichung gefolgt sind, mit einer gewissen Trauer. Wenn man dem österlichen Triumph und dem Geist vom Pfingsten so nahe war, könnte die Rückkehr zu den bescheidenen Anfängen, die Vorahnung der Geburt Christi, wie ein Abstieg erscheinen. Wenn die Fülle erreicht ist, warum soll man wieder zum Ausgangspunkt zurück?

Es liegt in der menschliche Natur, dass wir nicht dauernd in Höchstform bleiben können. Wir müssen wieder die Grundlagen dessen lernen, was wir glauben zu wissen. Nur durch eine ständig erneuerte und ständig aufmerksame Betrachtung des Lebens unseres Herrn, in allen seinen Aspekten, in seiner ganzen Folge menschlichen Wandels, können wir vielleicht wenigstens einen kurzen Blick auf den Widerschein des Geheimnisses Christi erhaschen. Dann sind da ja auch unsere Sünden, unsere Verfehlungen. Eine beschmutzte Seele könnte den Glanz der Herrlichkeit Gottes nicht ertragen. Es ist gut, es ist notwendig, dass sie zu der Zeit der Reue und Buße zurückkehrt.

Die Wiederkehr im Jahreskreis erinnert uns auch daran, dass ‚Heil’ im christlichen Sinne des Wortes nicht von seinem historischen und personellen Kontext getrennt werden kann. Es gehört nicht zu einer rein metaphysischen Kategorie. Es ist nicht die Vermittlung einer abstrakten Lehre.

Wir werden gerettet, weil ‚etwas geschehen ist’, weil gewisse Ereignisse stattgefunden haben. Das Kirchenjahr gedenkt ihrer und erneuert diese Geschehnisse auf geheimnisvolle Weise.

Wir würden es missverstehen, wenn wir die Fülle des Kirchenjahres nur mit seinem Ende voll Herrlichkeit gleichsetzen würden. Das Geheimnis der liturgischen Zeit ist das Geheimnis der Zeit selbst: Zeit ‚verzerrt’ und macht die ewige göttliche Realität unvollständig, vielfach und aufeinanderfolgend. In Gott gibt es nur einen Augenblick, in dem alles eingeschlossen ist. Die Fülle des Kirchenjahres besteht nicht darin, dass das Leben Christi, der Kreis der Herrenfeste, beschlossen oder vollendet wird, denn die Vollendung einer Folge beinhaltet, dass es eine Folge, eine Serie von Einzelelementen gibt.
Die Fülle des Kirchenjahres ergibt sich nicht aus der Zahl der Feste, sondern aus der Gnade, die es insgesamt vermitteln kann: wir fühlen sie, wenn wir fähig werden - an einem beliebigen Tag des Kirchenjahres, durch das besondere Geschehen, dessen wir gedenken - Christus als Ganzes zu fühlen, die Fülle seines Lebens, die Fülle seines Heilswerkes, die Fülle des Wortes.
Jedes Fest, sogar jeder Tag des Jahres, wird zur Fülle des ganzen liturgischen Kreises des Kirchenjahres. Dieser Kreis wiederholt sich nicht; jede seiner Facetten spiegelt die unerschöpfliche Tiefe und Fülle Christi und wird, als Ergebnis, neu für uns in einer Weise, dass wir ihn besser verstehen.

Das Kirchenjahr ist ein Prisma, welches das weiße Licht Christi empfängt und in unterschiedliche Farben aufteilt.

Die Farben sind die Feste - Christus ist wie die Fülle des weißen Lichtes, wie die Fülle des Jahres.

unter Verwendung von Ausschnitten aus: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p. 242 ff.

Text hier aus St.-Andreas-Bote



 

Protocol No. 847
 

+ B A R T H O L O M E W

BY THE MERCY OF GOD

ARCHBISHOP OF CONSTANTINOPLE,
 NEW ROME AND ECUMENICAL PATRIARCH

TO THE PLENITUDE OF THE CHURCH

GRACE AND PEACE
FROM THE CREATOR OF THE ENTIRE UNIVERSE
OUR LORD, GOD AND SAVIOUR JESUS CHRIST


“The earth, having no tongue cries out sighing, why are you people polluting me with many evil things? ”
Troparion - 9th ode - for the earthquake of October 26.

Beloved brethren and children in the Lord,

In a very pictorial way, the holy hymnographer Joseph presents the earth as grieving and protesting voicelessly for the many evils with which we burden her.? If this holy hymnographer thought back then that the pollution of earth by humankind would cause the wrath of God, today, humanity in its entirety should all the more realize our ultimate destructive behaviour against the creation of God.

Certainly, the earth was created well-equipped to offer shelter to the human beings and was ordered by God to cover their needs. However, we do not draw from earth’s resources what we need in moderation, so that we allow its productive ability to remain sound and intact; instead, we are depleting her natural resources.? We draw so much to such excess and in such rough ways that we weaken her abilities and destroy all future production of natural resources. In doing so, we resemble those who act greedily, and who, when in need of collecting wood, destroy both the trees and the forest and, thus, deprive themselves of the opportunity to collect more wood in the future. It is a known historic fact that many areas of the earth that had once been sites of developed civilizations, ended up in total devastation.

This phenomenon of devastation, which unfolded slowly in earlier times, is progressing in our times at a high speed. Vast expanses around polluting factories and industrial zones that emit toxic waste have already been deadened, and the number of such dead expanses is constantly growing. Huge regions have been made subject to deforestation in order to be used as cultivation grounds, but the utilization of toxic pesticides has destroyed any form of sprouting, except for the object needed. These non-biodegradable toxic pesticides enter the water-air cycle and pollute the springs and rivers causing severe problems to human health. In regard to the consequences of these methods employed and materials used, greed and negligence take their revenge. While we work hard to increase the productive ability of our planet, we, on the other hand, destroy it. The astronauts who recently saw the whole earth from a distance while in orbit, drew humankind’s attention to the fact that huge expanses of it have been deforested and will end up in devastation.

The aforementioned holy hymnographer Joseph personifies earth, which, addressing man, complains that the Master of humankind and God whips her instead of him, for God wants to spare the human being; the earth, however, bemoans her suffering due to humankind’s mistakes and cries to people: “Come to your senses and appease God in repentance.” This invitation is quite timely. We must realize the forthcoming danger; we must understand its causes and acknowledge our responsibility.? We must aim to appease God, not through words and small sacrifices, but through courageous acts and large sacrifices. For the promise of the Lord that we will receive back in multiple that which we sacrifice, applies here as well.? ?
?
The Mother Church is fully aware of the dangers that threaten the earth and our surrounding natural environment brought about by both the natural ramifications of human acts but, mostly, by the moral consequences of human crimes; therefore, the Mother Church established the 1st of September as a day of prayer for the environment. Prayer appeases God, however there is also a validity in the saying of ancient Greeks “In addition to asking for help from goddess Athena offer also your own effort.” This saying is similar to the biblical phrase “The effectual fervent prayer of a righteous man availeth much” (James 5:16).? The importance of this sentence lies on the word “effectual”, which means that the prayer is more powerful when accompanied by actions for the one for whom we are praying. For there is no vindication for the one who says “Lord, Lord”, but rather for the one who does the will of God. In our discussion, it is evident that the will of God mandates the preservation of the eternal yielding of our natural resources, respect toward the natural creation of God and our future generations, and the reversal of our destructive behaviour against the very good natural environment that was given to us by God.


May the grace of God and His abundant mercy be with you all.
 

September 1, 2005 A.D.
Your beloved brother in Christ
and fervent supplicant before God,
+ BARTHOLOMEW of Constantinople
 

 

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Die Sorge der Orthodoxen Kirche


 um die ökologische Krise

 

 

 

REDE

SEINER ALLHEILIGKEIT DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN BARTHOLOMAIOS

BEIM OFFIZIELLEN EMPFANG

DURCH DEN MINISTERPRÄSIDENTEN

VON BADEN-WÜRTTEMBERG

IN STUTTGART

10. Mai 2014

 

 

Eure Exzellenz, sehr geehrter Herr Kretschmann, Minister-präsident von Baden-Württemberg,

Sehr geehrte Mitglieder und Mitarbeiter der Landesregierung,

Sehr geehrte Anwesende bei dieser für das Ökumenische Patriarchat und unsere geringe Person so ehrenvollen Veranstaltung,

Hochwürdigster Mitbruder Metropolit Augoustinos von Deutschland,

Meine Damen und Herren!

 

„Alle Werke <Gottes> sind im Glauben und in rechter Entscheidung geschaffen... (...)

Wenn du den Himmel siehst und die Ordnung in ihm, ist dies ein Wegweiser zum Glauben, denn er weist durch sich auf den Künstler hin...

Mit der Kraft des Geistes sehen wir durch die sichtbaren Dinge das Unsichtbare...

Oft ist auch in den kleinsten Dingen die Weisheit Gottes erkennbar“ sagt hochaktuell in seiner Homilie zum 32. Psalm (P.G. 30,329B-C) der Kirchenvater Basilius der Große, von dem es in seinem Festhymnus (Apolytikion) heißt, dass er „das Wesen der Dinge erklärte und die Sitten der Menschen zierte“.


Gerne haben wir dem Wunsch Eurer Exzellenz, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, und Ihrer erlesenen Gäste entsprochen, heute ein aktuelles Wort über das Zeugnis der orthodoxen Kirche, aber auch über ihre Anstrengungen zur Bewahrung der natürlichen Umwelt an Sie zu richten. Wir bedienen uns für dieses Wort beim unerschöpflichen Schatz der Weisheit der Kirchenväter unserer orthodoxen Kirche.

Basilius der Große, der, wie gesagt, «das Wesen der Dinge«, d.h. der Schöpfung Gottes deutet, geht von drei Begriffen aus, wenn er über die Schöpfung Gottes spricht und den harmonischen Zusammenhalt der Dinge, die rechte Entscheidung, die Kraft und die Weisheit. Diese orthodoxe Schöpfungstheologie und diese Rede von der Notwendigkeit nicht nur der Bewahrung, sondern auch des Schutzes der Schöpfung vor jedem schädlichen Eingriff des Menschen möchten wir Ihnen vorstellen und gleichzeitig auch kurz über unsere eigenen Bemühungen in dieser Sache berichten.

 

***

 

Zunächst aber freuen wir uns, dass uns die Gelegenheit der Begegnung mit Ihnen gegeben wird, dies geschieht anlässlich unseres offiziellen Besuchs bei der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, die zu unserem Ökumenischen Patriarchat gehört und ein halbes Jahrhundert lang existiert, Zeugnis ablegt und den orthodoxen Christen Deutschlands dient, ebenso wie den übrigen Christen; in dieser Zeit war sie für die Einheit der Christen tätig und generell für die deutsche Gesellschaft, für Kultur und Forschung, für die weitere Verbreitung der Hoffnung, welche in der orthodoxen Kirche lebt.

Wir danken Ihnen weiterhin für diesen freundlichen und ehrenvollen Empfang und für Ihr Interesse und Ihren Respekt gegenüber dem Ökumenischen Patriarchat, dessen Rolle und Dienst durch die Jahrhunderte hindurch in allen Bereichen des geistlichen, sozialen und sonstigen Lebens Sie kennen und anerkennen.

 

***

 

Es ist sicherlich weithin in der öffentlichen Meinung bekannt, dass der Beitrag zur Bewältigung des so genannten ökologischen Problems als eine der unmittelbaren Prioritäten der Orthodoxie gilt, die von der Kirche von Konstantinopel und unserer geringen Person ganz persönlich aufgegriffen worden ist, wodurch wir das lebendige und tätige Interesse unseres seligen Vorgängers, des Ökumenischen Patriarchen Dimitrios fortführen. Diese Aktivitäten führten dazu und gipfelten darin, dass der erste Tag des orthodoxen Kirchenjahres, also der 1. September eines jeden Jahres, zum Tag des Gebetes für die Rettung der Umwelt und der Bewahrung der Schöpfung erklärt wurde.

Durch die Abhaltung internationaler Symposien über die Umweltprobleme der Meere in Patmos im Jahr 1995, auf dem Schwarzen Meer im Jahre 1997 und anderer entsprechender Tagungen auf der Ostsee, der Adria, im Amazonasgebiet und an anderen Orten, haben wir von Anfang an persönlich den Dialog und die Zusammenarbeit der Religionen und der Fachwissenschaftler gefördert, um gemeinsam die ökologische Krise in Angriff zu nehmen.

Im Jahre 1999 wurden durch das damals gegründete Umwelt- Institut von Chalki Seminare organisiert, welche die Unterstützung kirchlicher, journalistischer und wissenschaftlicher Gruppen zum Ziel hatte, um die Umweltkrise gemeinsam und koordiniert anzugehen.

Nach dem Beispiel des Ökumenischen Patriarchats und aufgrund unserer persönlichen Ermahnungen und Vorschläge haben viele der Klöster, die unter unserer kirchlichen Jurisdiktion stehen, begonnen, in der Praxis die Vereinbarkeit der orthodoxen Tradition und des Naturschutzes zu beweisen. So werden etwa im Kloster Chrisopigi in Chania auf Kreta ökologische Pflanzungen durchgeführt, die Beforstung der Wälder des Klosters geschieht nach ökologischen Methoden, gleichzeitig werden Müllmanagementprogramme durchgeführt und das Umweltbewusstsein und die entsprechende Erziehung gefördert. Ähnliche Anstrengungen werden auch von anderen Klöstern unternommen, um den weltweit einmaligen Raum natürlichen, historischen und kulturellen Erbes der natürlichen Umwelt zu schützen, wofür sich viele internationale Organisationen interessieren.

Bereits seit den ersten Jahren unseres patriarchalen Dienstes haben wir uns an entsprechenden ökologischen und Umwelt-Initiativen beteiligt. Stellvertretend nennen wir nur unsere Unterstützung des WWF Griechenland bei der Frage der Umleitung des Acheloos, eines großen Flusses in Thessalien, welche Umleitung negative Auswirkungen auf die Natur gehabt hätte.

Über diese Aktivitäten hinaus haben wir selbst als erster Bischof der orthodoxen Kirche immer und überall praktisch und theoretisch durch konkrete Handlungen, aber auch unsere jeweiligen Vorträge und Reden auf den geistigen Hintergrund der gegenwärtigen Umweltkrise hingewiesen und hervorgehoben, dass ein vorbildhaftes Leben des Menschen eine Antwort, ja die Lösung des Problems darstellt, wenn die Welt sich die drei erwähnten Prinzipien der Natur der Dinge klarmacht, die der große Kirchenvater Basilius beschreibt, dass also die Schöpfung in rechter Entscheidung, in Weisheit und in Kraft erschaffen wurde und dass deshalb der Mensch die Verantwortung hat, die Weisheit und die Kraft dieser Harmonie zu erkennen und die Schöpfung in rechter Entscheidung zu bewahren.

 

***

 

Wir wissen aus der Heiligen Schrift, dass Gott die Welt aus Liebe zum Menschen geschaffen hat, zu seinem Wohlergehen und zu seiner Freude. Er hat sie als Paradies erschaffen, das heißt vollkommen, „ohne Flecken, Falten oder andere Fehler“ (vgl. Eph 5, 27). Gleichzeitig hat Gott die Welt dem vollkommensten seiner Geschöpfe, dem Menschen, Adam und Eva, zur Verfügung gestellt »damit er ihn bebaue und hüte» (Gen 2, 15) und geboten “von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen, denn sobald du davon ißt, wirst du sterben” (Gen 2,16-17).

Daneben erschuf Gott, wie gesagt, die Welt in Weisheit und Harmonie, allein durch sein Wort, das heißt durch seine Kraft, die jede Erkenntnis und jede Vernunft übersteigt, aber auch in rechter Entscheidung, in Besonnenheit also.

Die schöpferische Kraft Gottes, die Weisheit Gottes und die rechte Entscheidung Gottes stellen gleichzeitig auch einen Auftrag an den Menschen dar, der die Erde bebauen und bewahren soll, die ihn mit ihren Früchten ernährt. Dieser Auftrag besteht darin, durch die sichtbaren Dinge die unsichtbaren zu sehen, »seine ewige Macht und Gottheit«, aber auch seine gerechte Entscheidung, denn »in Weisheit«, »in Besonnenheit« und in «rechter Entscheidung» hat er alles für uns erschaffen. Der Mensch aber, »als Teilhaber des Bildes» (Gottes), das er nicht bewahrt hat, fiel heraus aus der göttlichen Herrlichkeit und der Weisheit Gottes; er wurde dadurch «vergänglich» und «sterblich» und musste sich auf die «vergängliche» menschliche Erkenntnis und Entscheidung beschränken. Weil er vergänglich und «klein» ist, fürchtet der Mensch den Tod. Von Todesangst beherrscht und in seinem Bemühen den «Tod zu besiegen« greift er ständig durch unbesonnene Handlungen, todbringend könnte man sagen, in die Harmonie der Schöpfung und in die Sicherheit seines eigenen Lebens und seines Daseins ein, so dass wir allmählich oder fortschreitend zur heutigen ökologischen Krise gelangt sind. Für diese Schöpfung und dieses Dasein, für ihren Schutz und ihre Bewahrung setzen wir, die wir dies wollen und können, uns ein, «damit das Böse nicht unsterblich werde».

Die Bemühungen und das Interesse der orthodoxen Kirche für die Schöpfung sind also ein Ergebnis ihrer Liebe für den vorübergehenden Gast auf Erden, den Menschen also (ständiger Bewohner und Herr »aller Enden der Erde und derer, die auf dem Meere entfernt sind« ist allein der Schöpfergott,; sie sind eine Folge ihres Interesses für die Befriedigung seiner vitalen Bedürfnisse, die zum einen den Erhalt seines «Fleisches» betreffen, aber letztendlich »durch göttliche und lebensschaffende Inspiration» die Rettung seiner Seele zum Ziel haben.

 

***

 

Gewiss müssen wir vor uns selbst und den Anderen in Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit bekennen, dass für die drohende ökologische Katastrophe sicherlich nicht, oder nicht nur, der technologische Fortschritt verantwortlich ist, sondern insbesondere und hauptsächlich der Mensch, der durch die Versuchung und durch seine allgemeinen Herrscherinstinkte verfremdet und deshalb «gottesfremd» geworden ist, er, der nach seinem Fall und der Vertreibung aus dem «Paradies der Wonne“ seine Orientierung und seinen Lebenshauch verloren hat, er bewegt sich nun in Unvernunft und sucht seine Vervollkommnung im «Besitzen» und «Haben», nicht aber im «recht leben» («εὖ εἶναι»).

Wie aktuell klingen also auch heute die Worte des anderen großen Kirchenvaters unserer orthodoxen Kirche, des hl. Gregor des Theologen: «Fürchte nicht den Fortschritt [...] fürchte die Entfremdung» (25. Homilie, PG 35, 1224).

Leider weigern sich viele der heutigen Menschen Gott als Schöpfer und Herrn, als Lenker des Alls und Ursprung seiner Existenz anzuerkennen. Sie begründen dies damit, dass sie nicht in der Lage sind, ihn durch ihre Sinne zu begreifen. Wir Menschen vergessen dabei, dass wirklich wahr ist, was durch das inspirierte, soeben zitierte Wort zum Ausdruck gebracht wird, dass wir nämlich »mit der Kraft des Geistes durch die sichtbaren Dinge das Unsichtbare... sehen.“

Dieses Phänomen beschreibt sehr plastisch und über jeden Zweifel erhaben auch der Völkerapostel Paulus mit folgenden Worten: «Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar. Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren. Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen und fliegende, vierfüßige und kriechende Tiere darstellen. (...) Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers - gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen.“ (Röm 1,20-26).

Die orthodoxe Kirche verkündet und lehrt durch das Ökumenische Patriarchat diese apostolische und patristische Wahrheit. Das ist alles. Und sie unternimmt Anstrengungen, dass die seufzende und in Geburtswehen liegende Schöpfung mit dem hier vorübergehenden Gast, dem Menschen, «zur Ähnlichkeit» (Gottes) zurückfindet, die verloren gegangen ist; sie soll also den wertvollen Schatz wieder finden, der den Menschen in Gnaden geschenkt worden ist.

Es ist also vonnöten, dass der Mensch sich heutzutage abwendet von jener Hauptursache, die der Umweltkatastrophe zu Grunde liegt. Und diese Ursache ist der Egozentrismus, die Sünde, wie wir in der Sprache der Theologie sagen. Leider verbirgt sich diese manchmal auch in den Bemühungen der Menschen diese Krise zu meistern. Obwohl wir alle unsere Kräfte bündeln müssten und gemeinsam kämpfen müssten fü die Rettung aus dieser großen Gefahr, beobachten wir häufig das Phänomen, dass jeder diese Gefahr aus Sicht seiner eigenen Fachrichtung sieht und der Auffassung ist, dass nur aus dieser eigenen Fachrichtung eine Lösung kommen kann. So schaffen wir eine eigene Sprache und einen eigenen Raum, in den die Spezialisten der anderen Gebiete nicht eindringen können, so dass die babylonische Sprachverwirrung der Bibel wieder auftaucht und wiederum Egozentrismus und Verständnislosigkeit auftreten. Es gelingt uns also nicht einmal auf dem Gebiet dieser Bemühungen, uns selbst und unser überhebliches Ego nützlich zu machen, so dass wir uns in unserer Naivität an die Stelle des allmächtigen Gottes setzen.

 

Liebe Mitstreiter für die Bewahrung der Schöpfung,

 

Unsere Welt lebt leider in einer Zeit der Verwirrung und des Aufruhrs. Der Mensch, der von Streben nach Glück und Indifferenz, von Heuchelei und Lüge, von Selbstsucht und Mangel an geistigen Werten und moralischen Prinzipien geprägt ist, der Mensch auf unserem Planeten, wird täglich gefährlicher für sich selbst, für seine Mitmenschen aber auch für seine Umwelt. Die Welt befindet sich bereits vor dem Abgrund einer ökologischen Katastrophe und wird täglich von neuem dahin geführt, dies geschieht wegen der Tatenlosigkeit der Menge und jener, welche ihre Geschicke leiten und sich selbst zu «von Menschenhand gemachten Göttern» (vgl. Ju 8,18) machen. Gleichzeitig sind jene Mächte der Dunkelheit losgelassen, welche das Buch der Offenbarung beschreibt, diese können zur nuklearen Vernichtung der Welt führen, wie dies der Apostel Petrus beschreibt: «Die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden nicht mehr gefunden“ (2 Petr 3,10).

 

***

 

Die Welt ist, wir wiederholen es noch einmal, das Werk der Liebe, der Fürsorge oder Menschenliebe Gottes und nur mit der Liebe des Menschen und seiner rechten Entscheidung, d.h. ihrer besonnenen Nutzung, welche die Weisheit und die Macht Gottes widerspiegelt, kann sie gerettet werden und ihren Zweck erfüllen.

Die Orthodoxie gibt dem Menschen die Möglichkeit, die Probleme zu überwinden, auch das Problem der ökologischen Krise, indem eine andere Sicht der Dinge angestrebt wird. Es geht darum, den Teufelskreis des Willens, der in einer egoistischen Anhäufung von Dingen zur Lustbefriedigung besteht und unweigerlich zum Schmerz und zu neuen Begierden führt, zu durchbrechen, indem man freiwillig und gern den Verzicht und den Schmerz annimmt, was zur Ursache eines Strebens nach den göttlichen Dingen führt, welches ständig und unendlich größer wird. Das orthodoxe Leben und die orthodoxe Askese sind nicht so sehr eine Summe tugendhafter Handlungsweisen, wie man sich häufig das christliche Leben vorstellt, sondern eine neue Existenzweise, welche die Anziehungskraft der Götzen dieser Welt zurückweist und sich Gott zuwendet. Wenn also jemand fastet und die Begierden freiwillig abtötet, wie dies in der Orthodoxie praktiziert wird, kann er die Lebensweise des Paradieses wiederfinden, kann nach Kräften den körperlosen Engeln nachahmen und von jeder Leidenschaft befreit werden, welche der Gesellschaft und seiner Umwelt schadet.

Die Folgen der Sünde und des Missbrauchs der Natur zu einem widernatürlichen Zustand sind nicht nur auf den einzelnen Menschen beschränkt, der so handelt. Sie sind ontologisch und kosmologisch und beeinflussen die gesamte Menschheit.

Folglich ist das orthodoxe asketische Leben schon in sich ein Standpunkt und eine Antwort auf das so genannte ökologische Problem. Wenn es uns Menschen, ausgehend natürlich von den Christen, gelingt, dieses Leben zu verinnerlichen und anzuwenden, ist das Problem als solches überwunden. Die Askese bringt durch ein freiwilliges, nicht krankhaftes Erdulden sozusagen »zwangsweise« das natürliche Gesetz in den Körper zurück, der unter dem «widernatürlichen« Gesetz des Todes leidet; sie gibt ihm die Möglichkeit, das Gefühl der Ordnung und der Schönheit der Schöpfung wiederzufinden. Wenn der Mensch ganz auf Gott ausgerichtet ist, beginnt er eine neue Beziehung mit seiner natürlichen Umwelt, die nicht mehr der Ausbeutung zur Befriedigung seiner Wünsche dient, sondern der harmonischen Nutzung nach dem Maß seiner nötigen Bedürfnisse.

Diese besonnene und vorsichtige Nutzung der Natur und ihrer Möglichkeiten, die Enthaltsamkeit und das einfache Leben, sowie der Respekt vor der Umwelt sind für die orthodoxe Kirche nicht das Ergebnis einer Ideologie, sondern die Folge einer veränderten Denkweise und eines veränderten Lebensstils, nämlich der Rückkehr aller Kräfte der Seele zur Versöhnung mit Gott und seiner Schöpfung.

 

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Dieses Prinzip haben wir als Patriarchat bis heute nie aufgegeben und verkünden es weiterhin, auch was das drängende Problem der ökonomischen Krise betrifft, die heute viele Länder Europas getroffen hat und sogar die Einheit des Kontinents bedroht. Immer und überall haben wir erklärt, dass für die Überwindung dieser Krise, die oft auswegslos erscheint, ein Wandel der Denkweise und des Ethos von Nöten ist.

Für die Politiker ist dies einsichtig, denn es geht für sie um die Wiederherstellung der Vertrauensbeziehung zwischen den Bürgern und dem Staat, etwa um die Überwindung des Phänomens der Steuerflucht, darum dass dem Kaiser gegeben wird, was des Kaisers ist. Große Anstrengungen werden heutzutage unternommen, damit die Bürger eine neue Einstellung in ihren Beziehungen zum Staat einnehmen, wobei die Länder Westeuropas und sicherlich Deutschland Vorbildfunktion einnehmen. Dass dies nicht einfach ist, weil es große Unterschiede in der historischen Entwicklung, in den gesellschaftlichen Bedingungen und so weiter gibt, liegt auf der Hand.

Das Wichtigste allerdings, um Auswege aus der Krise zu finden, ist jedoch nicht nur die Änderung der Einstellung, was die Beziehung zum Staat betrifft. Es ist die Änderung des Lebensstils und des Ethos. Bezeichnend ist, dass man dem heutigen Menschen beigebracht hat, häufig mehr zu verbrauchen, als er benötigt und gierig und unbesonnen immer mehr zu besitzen und zu genießen, und nicht das harmonische »rechte Leben« im Sinn zu haben. Er versucht durch diese ihm nicht bewusste Schwäche, die Kraft Gottes zu besiegen und in seinem eigenem Mangel an Weisheit, die Weisheit Gottes zu ignorieren, die „ihr Haus gebaut hat“ (Vgl. Spr 9,1); dieses Haus ist unsere Welt.

Darüber hinaus vergisst der heutige Mensch, dass das höchste Ideal für ihn nicht der wirtschaftliche Komfort oder der Wohlstand ist, sondern die Freiheit. Wenn die Freiheit mit Trauer oder Unglück verbunden ist, ist sie keine Freiheit, sondern Sklaverei.

Die große Wahrheit, welche das Christentum täglich verkündet, ist, dass alles nach seinem Wert zu bewerten ist, nicht nach seiner Farbe oder Form, sondern nach seinem Sinn, also nicht nach der äußeren Erscheinung, sondern nach seinem Wesen.

Auch der Mensch wird also nicht nach seiner Eigenschaft oder seinen Besitzverhältnissen bewertet werden, nicht nach äußerem Anschein also, sondern nach seinem Herzen, das die «rechte Entscheidung» ist, er wird also durch jene innere Freiheit beschrieben, welche ihm seine Nähe zu Gott schenkt.

Folglich zieht die orthodoxe Kirche es vor, die Frage der persönlichen Verantwortung eines jeden Menschen für die ökologische und die ökonomische Krise aus der Sicht ihrer soteriologischen und spirituellen Dimension zu beurteilen. Hier wird die Mitwirkung des Menschen ein stilles und gelebtes Zeugnis für die mögliche Wiederherstellung einer harmonischen Beziehung zur Natur sein, wenn er sein Leben beispielhaft führt.

 

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Im Hinblick auf die große Zahl für alle Menschen gefährlicher Schadstoffe gibt es nur eine einzige Macht, die ihnen widerstehen kann: das Gewissen des Menschen. Das Gewissen ist die einzige Macht, die den Menschen daran hindern kann, eine heimliche Verschmutzung vorzunehmen oder kleine oder große Aktivitäten, welche die Umwelt zerstören, zu entwickeln.

Die Aufgabe des Ökumenischen Patriarchats ist es, für dieses Bewusstsein zu sensibilisieren. Wir haben nicht die Möglichkeit, administrative oder juristische Maßnahmen zu ergreifen, um den Schaden an der Umwelt zu reduzieren. Wir haben sicherlich nicht die materiellen Mittel, um die bereits der Umwelt zugefügten Schäden zu reparieren. Folglich versuchen wir, das Gewissen jener Mitmenschen aufzurütteln, welche die entsprechenden Mittel und die Möglichkeiten haben, sowie jener, welche die Macht besitzen, das zu tun, was ihnen auf diesem Feld möglich ist, sei es persönlich oder im Rahmen einer kollektiven Anstrengung einer Regierung oder eines internationalen oder lokalen Trägers.

Wir beenden unsere Worte mit dem Gebet der orthodoxen Liturgie »Lasst uns geziemend stehen, lasst uns stehen mit Ehrfurcht« vor der Ungewissheit der Dinge und bitten den Schöpfer der gesamten Schöpfung seine gewaltige Hand zu öffnen und die Welt heimzusuchen; dann und nur dann werden alle Dinge «satt an Gutem» (Ps 103,28 LXX). Amen.

Wir danken Ihnen für Ihre Geduld und wünschen Ihnen allen die Erleuchtung Gottes, dass ein jeder nach dem Maße seiner Möglichkeiten zur Lösung dieses lebenswichtigen Problems beitragen kann, in der Hoffnung dass eine bessere und verheissungsvolle Zukunft für die Menschheit aufscheinen möge für die zukünftigen Generationen.

 

 

 

ΟΜΙΛΙΑ
ΤΗΣ Α.Θ.ΠΑΝΑΓΙΟΤΗΤΟΣ ΤΟΥ ΟΙΚΟΥΜΕΝΙΚΟΥ ΠΑΤΡΙΑΡΧΟΥ κ.κ. ΒΑΡΘΟΛΟΜΑΙΟΥ
ΚΑΤΑ ΤΗΝ ΜΕΤΑ ΤΗΝ ΥΠΟΔΟΧΗΝ ΑΥΤΟΥ

ΕΠΙΣΗΜΟΝ ΕΚΔΗΛΩΣΙΝ ΕΝΩΠΙΟΝ ΠΡΟΣΚΕΚΛΗΜΕΝΩΝ

ΥΠΟ ΤΟΥ ΠΡΩΘΥΠΟΥΡΓΟΥ ΤΟΥ ΚΡΑΤΙΔΙΟΥ

ΤΗΣ ΒΑΔΗΣ - ΒΥΡΤΤΕΜΒΕΡΓΗΣ

(10 Μαΐου 2014)

 

 

«Ἡ μέριμνα τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας

διά τήν οἰκολογικήν κρίσιν»

 

Ἐξοχώτατε κύριε Πρωθυπουργέ Βάδης-Βυρττεμβέργης κύριε Winfried Kretschmann μετά τῶν ἐκλεκτῶν συνεργατῶν σας, καί πάντες οἱ μετέχοντες εἰς τήν τιμητικήν ταύτην ἐκδήλωσιν διά τό Οἰκουμενικόν Πατριαρχεῖον καί διά τήν ἡμετέραν Μετριότητα,

Ἱερώτατε ἀδελφέ Μητροπολῖτα Γερμανίας κύριε Αὐγουστῖνε,

 

«Πάντα τά ἔργα αὐτοῦ ἐν κρίσει...

Ἐάν δέ ἴδῃς τόν οὐρανόν καί τήν ἐν αὐτῷ τάξιν, πίστεώς ἐστιν ὁδηγός· δείκνυσι γάρ τόν τεχνίτην δι᾿ ἑαυτοῦ...

Τῇ τοῦ νοῦ δυνάμει διά τῶν ὁρωμένων τό ἀόρατον καθορῶμεν...

Πολλάκις καί ἐν τοῖς μικροτάτοις ἡ σοφία τοῦ Θεοῦ καταφαίνεται», λέγει ἐπικαίρως ὁ Μέγας Βασίλειος (Εἰς τόν ΛΒ΄ Ψαλμόν, P.G. 30,329B-C), ὁ «τρανώσας τήν φύσιν τῶν ὄντων καί κατακοσμήσας τά ἤθη τῶν ἀνθρώπων» (ἀπολυτίκιον τῆς ἑορτῆς του).


Ἀνταποκρινόμενοι εἰς τήν ἐπιθυμίαν τῆς ὑμετέρας Ἐξοχότητος, ἀγαπητέ κύριε Πρωθυπουργέ, καί πάντων τῶν ἐκλεκτῶν παρισταμένων μας, ὅπως σᾶς ἀπευθύνωμεν λόγον ἐπίκαιρον περί τῆς μαρτυρίας τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας ἀλλά καί τῶν καταβαλλομένων ὑπ᾿ αὐτῆς προσπαθειῶν ὑπέρ τῆς προστασίας τοῦ φυσικοῦ περιβάλλοντος, δανειζόμεθα τόν λόγον ἐκ τοῦ ἀκενώτου θησαυροῦ τῆς Πατερικῆς σοφίας τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας μας.

Ὁ Μέγας Βασίλειος ἑρμηνεύων, ἐπαναλαμβάνομεν, τήν «φύσιν τῶν ὄντων», τῆς Θείας δηλαδή δημιουργίας, ἐπικεντρώνει τήν οἰκολογικήν προσπάθειαν εἰς τρεῖς ἐννοίας: εἰς τήν δημιουργίαν ὑπό τοῦ Θεοῦ καί εἰς τήν ἐν ἁρμονίᾳ συνοχήν τῶν ὄντων πρός ἄλληλα, ἐν κρίσει, ἐν σοφίᾳ, καί ἐν δυνάμει. Τήν θεολογίαν ταύτην τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας τῆς δημιουργίας καί τῆς ἀναγκαιότητος οὐχί μόνον συντηρήσεως ἀλλά καί διατηρήσεως τῆς κτίσεως ἀλωβήτου ἀπό πάσης βλαπτικῆς τοῦ ἀνθρώπου ἐπηρείας, θά ἐκθέσωμεν πρός τήν ἀγάπην σας, ἐνημεροῦντες ἐν συνόψει καί περιλήψει καί διά τάς ἡμετέρας προσπαθείας ἐπί τοῦ προκειμένου.

 

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Χαιρόμεθα, λοιπόν, πρωτίστως, διότι δίδεται εἰς ἡμᾶς ἡ δυνατότης ἐπικοινωνίας μαζί σας, μέ ἀφορμήν τήν ἐπίσημον ἐπίσκεψίν μας εἰς τήν ὑπό τό Οἰκουμενικόν Πατριαρχεῖον Ἱεράν Μητρόπολιν Γερμανίας, τήν συμπληρώσασαν ἥμισυν αἰῶνα ζωῆς, μαρτυρίας καί προσφορᾶς πρός τόν ἐν Γερμανίᾳ Ὀρθόδοξον λαόν, πρός τόν Χριστιανισμόν καί τάς καταβαλλομένας προσπαθείας ὑπέρ τῆς ἑνότητος αὐτοῦ καί ἐν γένει πρός τήν Γερμανικήν κοινωνίαν, τόν πολιτισμόν καί τήν ἔρευναν, διά τῆς εὐρυτέρας διαφωτίσεως περί τῆς ἐν τῇ Ὀρθοδόξῳ Ἐκκλησίᾳ ἐλπίδος.

Σᾶς εὐχαριστοῦμεν, εἶτα, διά τήν φιλόφρονα καί τιμητικήν ὑποδοχήν σας καί διά τό ἐνδιαφέρον καί τόν σεβασμόν μέ τά ὁποῖα περιβάλλετε τό Οἰκουμενικόν Πατριαρχεῖον, ἀναγνωρίζοντες καί τιμῶντες ἐν τῇ πράξει τόν ρόλον καί τήν μακραίωνα εἰς πάντας τούς τομεῖς τῆς πνευματικῆς, κοινωνικῆς καί ἀνθρωπιστικῆς ζωῆς προσφοράν αὐτοῦ.

 

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Εἶναι εὐρύτερον ἀσφαλῶς γνωστόν εἰς τήν παγκόσμιον κοινήν γνώμην, ὅτι ἡ συμβολή εἰς τήν ἀντιμετώπισιν τοῦ οἰκολογικοῦ λεγομένου προβλήματος ἐτέθη ὡς μία ἐκ τῶν ἀμέσων προτεραιοτήτων τῆς Ὀρθοδοξίας διά τῆς Ἐκκλησίας τῆς Κωνσταντινουπόλεως καί τῆς ἡμετέρας Μετριότητος προσωπικῶς, συνεχισάσης τό ἤδη ἐπιδειχθέν ζωηρόν καί ἔμπρακτον ἐνδιαφέρον τοῦ ἀοιδίμου προκατόχου ἡμῶν Οἰκουμενικοῦ Πατριάρχου Δημητρίου, δραστηριοποιηθέντος καί εἰς τοῦτο, μέ ἀποκορύφωσιν τήν ἀνακήρυξιν τῆς ἡμέρας ἐνάρξεως τοῦ ἐκκλησιαστικοῦ ἔτους, τῆς 1ης Σεπτεμβρίου ἑκάστου ἔτους, ὡς ἡμέρας ἀφιερωμένης εἰς τήν προσευχήν διά τήν διάσωσιν τοῦ περιβάλλοντος καί εἰς τήν διαφύλαξιν τῆς δημιουργίας.

Διά τῆς διοργανώσεως διεθνῶν συνεδρίων ἐπί τῶν περιβαλλοντικῶν προβλημάτων τῶν θαλασσῶν εἰς Πάτμον, ἐν ἔτει 1995, καί Μαύρην Θάλασσαν, ἐν ἔτει 1997, ἀλλά καί ἑτέρων ἀναλόγων ἐν συνεχείᾳ προσπαθειῶν ἐν Βαλτικῇ, ἐν Ἀδριατικῇ, ἐν Ἀμαζονίῳ καί ἀλλαχοῦ, ἐνισχύσαμεν προσωπικῶς ἐξ ἀρχῆς τήν προσπάθειαν διαλόγου καί συνεργασίας τῶν θρησκειῶν καί τῶν εἰδικῶν ἐπιστημόνων, μέ στόχον τήν ἀπό κοινοῦ ἀντιμετώπισιν τῆς οἰκολογικῆς κρίσεως.

Τό ἔτος 1999, διά τοῦ τότε ἱδρυθέντος Οἰκολογικοῦ Ἰνστιτούτου τῆς Χάλκης, διωργανώσαμεν σεμινάρια, τά ὁποῖα εἶχον ὡς σκοπόν τήν ἐνίσχυσιν τῶν ἐκκλησιαστικῶν, δημοσιογραφικῶν καί ἐπιστημονικῶν κοινοτήτων διά τήν ἀπό κοινοῦ καί ἐν συντονισμῷ ἀντιμετώπισιν τῆς περιβαλλοντικῆς κρίσεως.

Ἀκολουθοῦσαι τό παράδειγμα τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου καί τῇ παροτρύνσει καί προτροπῇ ἡμῶν προσωπικῶς, πολλαί ὑπαγόμεναι ὑπό τήν ἐκκλησιαστικήν δικαιοδοσίαν αὐτοῦ Ἱεραί Μοναί ἀποδεικνύουν ἐμπράκτως τήν συμβατότητα τῆς Ὀρθοδόξου παραδόσεως καί τῆς προστασίας τῆς φύσεως. Ἐπί παραδείγματι, εἰς τήν Ἱεράν Μονήν Χρυσοπηγῆς εἰς Χανιά Κρήτης πραγματοποιοῦνται οἰκολογικαί καλλιέργειαι, ἡ διαχείρισις τῶν ἀνηκουσῶν εἰς αὐτήν δασικῶν ἐκτάσεων γίνεται μέ οἰκολογικάς μεθόδους, ἐνῷ ἐκ παραλλήλου ἐφαρμόζονται προγράμματα διαχειρίσεως ἀπορριμμάτων καί προωθεῖται ἡ περιβαλλοντική εὐαισθησία καί ἐκπαίδευσις. Ἀνάλογοι προσπάθειαι καταβάλλονται καί ὑπό ἄλλων Ἱερῶν Μονῶν διά τήν προστασίαν τοῦ μοναδικοῦ παγκοσμίως χώρου φυσικῆς, ἱστορικῆς καί πολιτιστικῆς κληρονομίας τοῦ φυσικοῦ περιβάλλοντος, περί τοῦ ὁποίου ἔχουν ἐκδηλώσει ζωηρόν ἐνδιαφέρον πολλοί διεθνεῖς ὀργανισμοί.

Σημειωτέον, ὅτι ἤδη ἀπό τῶν πρώτων ἐτῶν τῆς Πατριαρχικῆς ἡμῶν διακονίας παρέσχομεν τήν συμβολήν ἡμῶν εἰς στοχευμένας σχετικάς οἰκολογικάς καί περιβαλλοντολικάς προσπαθείας. Ἐνδεικτικῶς, ἀναφέρομεν τήν ὑποστήριξιν τῆς κινήσεως τοῦ «Παγκοσμίου Ταμείου διά τήν Φύσιν», «WWF Ἑλλάς» ἐναντίον τῆς ἐκτροπῆς τοῦ Ἀχελώου, ἑνός μεγάλου ποταμοῦ εἰς τήν περιοχήν τῆς Θεσσαλίας, ἡ ὁποία θά εἶχε ἐπιπτώσεις εἰς τήν φύσιν.

Ὅμως, πέραν τῶν δραστηριοτήτων τούτων, πάντοτε ὡς ὁ πρῶτος Ἐπίσκοπος τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας, ὑπομιμνήσκομεν πανταχοῦ καί πάντοτε, διά πράξεως καί θεωρίας, διά συγκεκριμένων ἐνεργειῶν ἀλλά καί δι᾿ ἡμετέρων ἑκάστοτε ὁμιλιῶν, τό πνευματικόν ὑπόβαθρον τῆς συγχρόνου περιβαλλοντικῆς κρίσεως καί ἐπισημαίνομεν ὅτι τό πρότυπον ζωῆς καί ἀνθρώπου, ἀποτελεῖ καί τήν ἀπάντησιν ἀλλά καί τήν λύσιν τοῦ προβλήματος, ἐφ᾿ ὅσον ἤθελε συνειδητοποιήσει ὁ κόσμος τάς τρεῖς ἀνωτέρω περιγραφομένας ὑπό τοῦ μεγάλου Πατρός Βασιλείου ἀρχάς τῆς φύσεως τῶν ὄντων, δηλαδή τῆς ἐν κρίσει, ἐν σοφίᾳ καί ἐν δυνάμει δημιουργίας αὐτῶν καί τῆς εὐθύνης τοῦ ἀνθρώπου ὅπως, ἐν κατανοήσει τῆς σοφίας καί τῆς δυνάμεως τῆς ἁρμονίας ταύτης συντηρήσῃ αὐτά ἐν συνέσει κρίσεως.

 

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Γνωρίζομεν ἐκ τῆς Βίβλου, ὅτι ὁ Θεός ἔπλασε τόν κόσμον ἐξ ἀγάπης πρός τόν ἄνθρωπον καί διά τήν εὐημερίαν καί εὐφροσύνην αὐτοῦ. Τόν ἐδημιούργησεν ὡς παράδεισον, δηλαδή τέλειον, μή ἔχοντα «σπῖλον ἤ ρυτίδα ἤ τι τῶν τοιούτων» (πρβλ. Ἐφεσ. ε΄ 27). Συγχρόνως ὁ Θεός ἔθεσε τόν κόσμον εἰς τήν διάθεσιν τοῦ τελειοτέρου τῶν δημιουργημάτων Του, τοῦ ἀνθρώπου, τοῦ Ἀδάμ καί τῆς Εὔας, «ἐργάζεσθαι καί φυλάσσειν αὐτόν» (Γεν. β΄ 15), μετά τῆς ἐντολῆς «ἀπό παντός ξύλου τοῦ ἐν τῷ παραδείσῳ φάγῃ, ἀπό δέ τοῦ ξύλου τοῦ γινώσκειν καλόν καί πονηρόν οὐ φάγεσθε ἀπ᾿ αὐτοῦ, ἧ δ᾿ ἄν ἡμέρᾳ φάγητε ἀπ᾿ αὐτοῦ θανάτῳ ἀποθανεῖσθε» (ὅ. π. β΄ 15-17).

Παραλλήλως, ἐπαναλαμβάνομεν, ὅτι ὁ Θεός ἐδημιούργησε τόν κόσμον ἐν σοφίᾳ καί ἐν ἁρμονίᾳ, διά μόνου τοῦ Λόγου Του, διά τῆς δυνάμεώς Του δηλαδή, τῆς ὑπερβαινούσης πᾶσαν γνῶσιν καί ἔννοιαν, ἀλλά καί ἐν κρίσει, ἐν συνέσει δηλαδή.

Ἡ δημιουργική Θεία Δύναμις, ἡ Σοφία τοῦ Θεοῦ, καί ἡ Κρίσις τοῦ Θεοῦ ἀποτελοῦν συγχρόνως καί μίαν ἐντολήν τοῦ Θεοῦ πρός τόν ἐργάτην καί φύλακα τοῦ κόσμου ἄνθρωπον νά διαχειρίζηται τά τῆς περιβαλλούσης καί τρεφούσης αὐτόν «διά τῶν καρπῶν αὐτῆς» κτίσεως, καθορῶν ἐκ τῶν ὁρωμένων τόν Ἀόρατον, «τήν ἀϊδιον αὐτοῦ δύναμιν καί θεότητα», ἀλλά καί τήν κρίσιν Αὐτοῦ, ὅτι «ἐν σοφίᾳ», «ἐν συνέσει» καί «κρίσει ἀληθινῇ» ἐπήγαγεν ἡμῖν καί δι᾿ ἡμᾶς τά πάντα. Ὁ ἄνθρωπος ὅμως «μεταλαβών τῆς εἰκόνος» (τοῦ Θεοῦ) καί μή φύλαξας» αὐτήν, ἐξέπεσε τῆς θείας δόξης καί τῆς θείας σοφίας, μέ ἀποτέλεσμα νά καταστῇ «φθαρτός» καί «θνητός» καί νά περιορισθῇ εἰς τήν «πεπερασμένην» ἀνθρωπίνην γνῶσιν καί κρίσιν. Διά τοῦτο καί ὡς «φθαρτός» καί «μικρός» ὁ ἄνθρωπος φοβεῖται τόν θάνατον. Ἐκ τοῦ φόβου τοῦ θανάτου κυριευμένος καί ἐν τῇ προσπαθείᾳ του νά «νικήσῃ τόν θάνατον», παρεμβαίνει συνεχῶς διά ἀσυνέτων ἐνεργειῶν αὐτοῦ, θανατηφόρως θά ἐλέγομεν, ἐπί τῆς ἁρμονίας τῆς κτίσεως ἀλλά καί τῆς ἀσφαλείας τῆς ἰδίας τῆς ζωῆς καί ὑποστάσεώς του, μέ ἀποτέλεσμα νά ἔχωμεν ὁδηγηθῆ σταδιακῶς εἰς τήν σημερινήν οἰκολογικήν κρίσιν, διά τήν προστασίαν καί διαφύλαξιν τῆς ὁποίας κτίσεως καί ὑποστάσεως καταβάλλομεν οἱ βουλόμενοι καί δυνάμενοι «προσπαθείας», «ἵνα μή τό κακόν ἀθάνατον γένηται».

Ἡ προσπάθεια, λοιπόν, καί τό ἐνδιαφέρον τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας διά τό περιβάλλον εἶναι ἀπόρροια ἀγάπης καί ἐνδιαφέροντος διά τόν πάροικον –μόνιμος κάτοικος καί Κύριος "πάντων τῶν περάτων τῆς γῆς καί τῶν ἐν θαλάσσῃ μακράν" εἶναι ὁ Δημιουργός Θεός καί μόνον- πολίτην τῆς γῆς, τόν ἄνθρωπον, καί διά τήν ἱκανοποίησιν τῶν βιοτικῶν ἀναγκῶν του, αἱ ὁποῖαι πηγάζουν μέν ἀπό τήν συντήρησιν «τῆς σαρκός», ἀποβλέπουν ὅμως εἰς τήν σωτηρίαν τῆς ψυχῆς, «τῇ θείᾳ καί ζωοποιῷ ἐμπνεύσει».

 

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Ἀσφαλῶς, ὀφείλομεν νά ὁμολογήσωμεν, πρός ἑαυτούς καί ἀλλήλους, ἐν εἰλικρινείᾳ καί ἐντιμότητι, ὅτι διά τήν ἀπειλουμένην οἰκολογικήν καταστροφήν δέν εὐθύνεται ἀσφαλῶς ἡ τεχνολογική πρόοδος, ἤ μόνον αὐτή, ἀλλά πρωτίστως καί κυρίως ὁ ἀλλοτριωθείς ὑπό τοῦ πειρασμοῦ καί τῶν ἐνστίκτων κυριαρχίας ἐπί τῶν πάντων καί, ὡς ἐκ τούτου, «ξένος τοῦ Θεοῦ» καταστάς, ἄνθρωπος, ὁ ὁποῖος, μετά τήν «πτῶσιν» καί τήν ἀποπομπήν ἐκ τοῦ «παραδείσου τῆς τρυφῆς», ἔχει ἀπολέσει τόν προσανατολισμόν αὐτοῦ καί τήν «ζωοποιόν πνεῦσιν» καί κινούμενος διά τῆς καί ἐκ τῆς «ἀ-λογίας» αὐτοῦ ἀναζητεῖ τήν ὁλοκλήρωσιν αὐτοῦ εἰς τό «κτᾶσθαι» καί εἰς τό «ἔχειν» καί ὄχι εἰς τό «εὖ εἶναι».

Ἠχοῦν, λοιπόν, λίαν ἐπίκαιροι καί σήμερον οἱ λόγοι τοῦ ἑτέρου μεγάλου Πατρός τῆς Ὀρθοδόξου ἡμῶν Ἐκκλησίας, τοῦ Γρηγορίου τοῦ Θεολόγου «μή φοβηθῇς τήν πρόοδον[...] φοβήθητι τήν ἀλλοτρίωσιν» (Λόγος ΚΕ΄, PG 35, 1224).

Δυστυχῶς, πολλοί τῶν σημερινῶν ἀνθρώπων ἀρνοῦνται νά δεχθοῦν τόν Θεόν ὡς δημιουργόν καί κυρίαρχον καί κυβερνήτην τοῦ σύμπαντος καί πηγήν τῆς ζωῆς αὐτοῦ, μέ τήν αἰτιολογίαν ὅτι δέν δύνανται νά Τόν συλλάβουν διά τῶν αἰσθήσεων αὐτῶν. Λησμονοῦμεν οἱ ἄνθρωποι τήν μόνην πραγματικότητα, τήν διά τοῦ ἐμπνευσμένου φθόγγου ἐκφραζομένην, ὅτι «τῇ τοῦ νοῦ δυνάμει διά τῶν ὁρωμένων τόν ἀόρατον καθορῶμεν».

Τό φαινόμενον τοῦτο περιγράφει ἐπίσης ἀναγλύφως καί πέραν πάσης ἀμφισβητήσεως καί ὁ Ἀπόστολος τῶν Ἐθνῶν Παῦλος διά τῶν ἑξῆς χαρακτηριστικῶν: «τά γάρ ἀόρατα αὐτοῦ ἀπό κτίσεως κόσμου τοῖς ποιήμασι νοούμενα καθορᾶται, ἥ τε ἀΐδιος αὐτοῦ δύναμις καί θειότης, εἰς τό εἶναι αὐτούς ἀναπολογήτους, διότι γνόντες τόν Θεόν οὐχ ὡς Θεόν ἐδόξασαν ἤ εὐχαρίστησαν, ἀλλ᾿ ἐματαιώθησαν ἐν τοῖς διαλογισμοῖς αὐτῶν, καί ἐσκοτίσθη ἡ ἀσύνετος αὐτῶν καρδία· φάσκοντες εἶναι σοφοί ἐμωράνθησαν, καί ἤλλαξαν τήν δόξαν τοῦ ἀφθάρτου Θεοῦ ἐν ὁμοιώματι εἰκόνος φθαρτοῦ ἀνθρώπου καὶ πετεινῶν καί τετραπόδων καί ἑρπετῶν.[...] οἵτινες μετήλλαξαν τήν ἀλήθειαν τοῦ Θεοῦ ἐν τῷ ψεύδει, καί ἐσεβάσθησαν καί ἐλάτρευσαν τῇ κτίσει παρά τόν κτίσαντα, ὅς ἐστιν εὐλογητός εἰς τούς αἰῶνας· ἀμήν» (Ρωμ. α΄ 20-26).

Ἡ Ὀρθόδοξος Ἐκκλησία διά τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου αὐτήν τήν ἀποστολικήν καί πατερικήν ἀλήθειαν κηρύττει καί διδάσκει. Οὐδέν πλέον. Καταβάλλει δέ προσπαθείας διά νά ἐπανέλθῃ ἡ συστενάζουσα καί συνωδίνουσα κτίσις, μαζί μέ τόν ἐπ᾿ αὐτῆς παροικοῦντα ἄνθρωπον, εἰς τό «καθ᾿ ὁμοίωσιν», τό ὁποῖον ἀπωλέσθη, νά ἐπανεύρῃ δηλαδή τόν πολύτιμον «θησαυρόν», ὁ ὁποῖος ἐχαρίσθη καί ἐδωρήθη εἰς τόν ἄνθρωπον.

Εἶναι ἀνάγκη, λοιπόν, σήμερον ὁ ἄνθρωπος νά ἀπομακρυνθῇ ἀπό τήν βασικήν αἰτίαν, ἡ ὁποία εὐθύνεται διά τήν καταστροφήν τοῦ περιβάλλοντος. Καί ἡ αἰτία αὕτη εἶναι ὁ ἐγωκεντρισμός, ἡ ἁμαρτία εἰς τήν θεολογικήν γλῶσσαν. Δυστυχῶς, ἡ αἰτία αὕτη ὑπεισέρχεται ἐνίοτε καί εἰς τήν προσπάθειαν τῶν ἀνθρώπων νά ἀντιμετωπίσουν τήν κρίσιν αὐτήν. Ἐνῷ θά ἔπρεπε ἅπαντες νά συστρατεύσωμεν τάς δυνάμεις ἡμῶν καί νά ἀγωνισθῶμεν ἡνωμένοι πρός τήν κατεύθυνσιν τῆς σωτηρίας ἐκ τοῦ μεγάλου τούτου κινδύνου, συχνάκις βλέπομεν τό φαινόμενον ἕκαστος καί τό αὐτονομοῦμεν εἰς τήν περιοχήν τῆς εἰδικότητος ἡμῶν, ἔχοντες τήν πεποίθησιν ὅτι μόνον ἐκ τοῦ ἰδικοῦ μας χώρου θά προέλθῃ ἡ σωτηρία· οὕτω δημιουργοῦμεν τήν ἰδίαν ἡμῶν γλῶσσαν καί τόν ἴδιον ἡμῶν χῶρον, εἰς τόν ὁποῖον δέν εἶναι δυνατόν νά εἰσέλθουν οἱ εἰδικοί ἄλλων περιοχῶν, μέ ἀποτέλεσμα νά δημιουργῆται ἡ σύγχυσις τῆς Βιβλικῆς Βαβέλ καί νά κυριαρχῇ πάλιν ὁ ἐγωκεντρισμός καί ἡ ἀσυνεννοησία. Δέν δυνάμεθα δηλαδή καί εἰς τόν τομέα τῆς προσπαθείας αὐτῆς νά τιθασεύσωμεν ἑαυτούς καί τό ὑπερφίαλον «ἐγώ» μας, τοποθετοῦντες ἑαυτούς ἐν τῇ ἀφελότητι ἡμῶν εἰς τήν θέσιν «τοῦ πάντα δυναμένου Θεοῦ».

 

Φίλοι συμπορευόμενοι εἰς τόν ἀγῶνα τῆς προστασίας τῆς κτίσεως,

 

Ὁ κόσμος μας, ἀτυχῶς, ζῇ καί πορεύεται εἰς μίαν περίοδον συγχύσεως καί ταραχῆς. Ὁ κυριαρχούμενος ὑπό τοῦ εὐδαιμονισμοῦ καί τῆς ἀδιαφορίας, τῆς ὑποκρισίας καί τοῦ ψεύδους, τῆς φιλαυτίας καί τῆς ἐλλείψεως πνευματικῶν ἀξιῶν καί ἠθικῶν ἀρχῶν ἄνθρωπος τοῦ πλανήτου μας, καθίσταται ὁσημέραι ἐπικίνδυνος διά τόν ἑαυτόν του, διά τόν συνάνθρωπόν του, ἀλλά καί διά τό περιβάλλον του. Ὁ κόσμος εὑρίσκεται καί ὁδηγεῖται καθημερινῶς, λόγῳ τῆς ἀκηδίας τῶν πολλῶν καί τῶν ἰθυνόντων τάς τύχας του ἡγετῶν καί τοποθετούντων ἑαυτούς εἰς τήν θέσιν «χειροποιήτων θεῶν», εἰς τό χεῖλος μιᾶς οἰκολογικῆς καταστροφῆς. Συγχρόνως ἔχουν ἀπελευθερωθῆ αἱ δυνάμεις ἐκεῖναι τοῦ σκότους, ὡς τάς περιγράφει τό Βιβλίον τῆς Ἀποκαλύψεως, αἱ ὁποῖαι δύνανται νά φέρουν τόν πυρηνικόν ὄλεθρον, κατά τούς λόγους τοῦ Ἀποστόλου Πέτρου: «στοιχεῖα δέ καυσούμενα λυθήσονται, καί γῆ καί τά ἐν αὐτῇ ἔργα κατακαήσεται» (Β΄Πέτρ. γ΄ 10).

 

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Ὁ κόσμος, ἐπαναλαμβάνομεν διά πολλοστήν φοράν, εἶναι ἔργον τῆς ἀγάπης, τῆς προνοίας καί τῆς φιλανθρωπίας τοῦ Θεοῦ καί μόνον μέ τήν ἀγάπην τοῦ ἀνθρώπου καί μέ τήν «ἐν κρίσει», δηλαδή ἐν συνέσει, χρῆσιν αὐτοῦ, -ὡς ἀπαύγασμα τῆς σοφίας καί τῆς δυνάμεως τοῦ Θεοῦ-, δύναται νά σωθῇ καί νά ἐκπληρώσῃ τόν προορισμόν αὐτοῦ.

Ἡ Ὀρθοδοξία παρέχει εἰς τόν ἄνθρωπον τήν δυνατότητα τῆς ἐξόδου ἀπό ὅλα τά προβλήματα, καί ἀπό τό πρόβλημα τῆς οἰκολογικῆς κρίσεως, μέσῳ μιᾶς διαφορετικῆς θεωρήσεως τῶν πραγμάτων. Διαρρηγνύων τόν φαῦλον κύκλον τῆς ἐπιθυμίας διά τήν ἐγωϊστικήν ἀπόκτησιν πραγμάτων μέ σκοπόν τήν ἡδονήν, ἥτις ἀναποφεύκτως θά καταλήξῃ εἰς τόν πόνον καί εἰς νέας ἐπιθυμίας, ὁ ἄνθρωπος ἀναλαμβάνει μέ χαράν τόν ἑκούσιον πόνον, τόν ὁποῖον μετατρέπει εἰς πηγήν ἐπιθυμίας τῶν θείων πραγμάτων, ἐπιθυμίαν διαρκῆ καί αὐξανομένην ἐπ᾿ ἄπειρον. Ἡ Ὀρθόδοξος ζωή καί ἄσκησις δέν εἶναι τόσον ἕν σύνολον ἐναρέτων πράξεων, ὅπως συχνάκις φρονοῦμεν ὅτι εἶναι ἡ χριστιανική ζωή, ὅσον εἷς νέος τρόπος ὑπάρξεως, ὅστις ἀποστρέφεται τήν ἕλξιν τῶν εἰδώλων τοῦ κόσμου τούτου, διά νά στραφῇ πρός τόν Θεόν. Ὅταν λοιπόν ἀσκῇ τις τήν νηστείαν καί τήν ἑκούσιον νέκρωσιν τῶν ἡδονῶν εἰς τήν ὀρθόδοξον πρακτικήν, ὡς τρόπον ζωῆς, δύναται νά ἐπανεύρῃ τόν παραδείσιον τρόπον ζωῆς, νά μιμηθῇ τό κατά δύναμιν τούς ἀσωμάτους ἀγγέλους καί νά ἀπαλλαγῇ ἀπό κάθε ἐπιβλαβές διά τήν κοινωνίαν καί τό περιβάλλον του πάθος.

Αἱ συνέπειαι τῆς ἁμαρτίας καί τῆς καταστρατηγήσεως τῆς φύσεως εἰς τήν «παρά-φύσιν» δέν περιορίζονται μόνον εἰς τόν διαπράττοντα αὐτήν ἄνθρωπον. Εἶναι ὀντολογικαί καί κοσμολογικαί καί ἐπηρεάζουν ὁλόκληρον τήν ἀνθρωπότητα.

Συνεπῶς, ἡ Ὀρθόδοξος ἀσκητική ζωή εἶναι ἀφ᾿ ἑαυτῆς μία τοποθέτησις καί μία ἀπάντησις εἰς τό λεγόμενον οἰκολογικόν πρόβλημα. Ἐάν οἱ ἄνθρωποι, ἀρχίζοντες βεβαίως ἐκ τῶν χριστιανῶν, ἐγκολπωθῶμεν καί ἐφαρμόσωμεν τήν ζωήν ταύτην, δέν θά ὑφίσταται τοιοῦτον πρόβλημα. Ἡ ἄσκησις, μέσῳ τῆς ἑκουσίας καί ὄχι νοσηρᾶς κακοπαθείας, ἐμβάλλει «βιαίως» τόν κατά φύσιν ἔλλογον νόμον εἰς τό σῶμα, τό ὁποῖον πάσχει τόν «παρά φύσιν» νόμον τοῦ θανάτου καί τοῦ δίδει τήν δυνατότητα νά ἐπανεύρῃ τήν αἴσθησιν τῆς εὐταξίας καί τῆς ὡραιότητος τῆς δημιουργίας. Ἐξ ὁλοκλήρου ἐστραμμένος πρός τόν Θεόν ὁ ἄνθρωπος ἐγκαινιάζει μίαν νέαν σχέσιν μέ τό φυσικόν περιβάλλον αὐτοῦ, ἡ ὁποία δέν εἶναι πλέον μία ἐκμετάλλευσις διά τήν ἱκανοποίησιν τῆς ἐπιθυμίας αὐτοῦ, ἀλλά μία ἁρμονική χρῆσις κατά τό μέτρον τῆς ἀναγκαίας χρείας.

Ἡ συνετή αὐτή καί προσεκτική χρῆσις τῆς φύσεως καί τῶν δυνατοτήτων της, ἡ ἐγκράτεια καί ἡ λιτότης, ὁ σεβασμός εἰς τό περιβάλλον, ἐντός τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας, δέν εἶναι ἀπόρροια μιᾶς ἰδεολογίας, ἀλλά συνέπεια τῆς ἀλλαγῆς νοοτροπίας καί τρόπου ζωῆς καί τῆς ἐπιστροφῆς ὅλων τῶν δυνάμεων τῆς ψυχῆς εἰς συγκαταλλαγήν μετά τοῦ Θεοῦ καί τῆς δημιουργίας του.

 

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Τήν ἀρχήν ταύτην οὐδέποτε ἔχομεν παύσει μέχρι σήμερον νά διακηρύττωμεν καί νά ἐπισημαίνωμεν ἀπό τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου καί διά τό φλέγον πρόβλημα τῆς οἰκονομικῆς κρίσεως, ἡ ὁποία πλήττει σήμερον πολλάς χώρας τῆς Εὐρώπης, ἀπειλοῦσα τήν ἑνότητα αὐτῆς. Πάντοτε καί πανταχοῦ κηρύττομεν καί ἐπισημαίνομεν ὅτι διά τήν ἔξοδον ἐκ τῆς ὡς ἀδιεξόδου πολλάκις ἐμφανιζομένης ἤ παρουσιαζομένης κρίσεως ταύτης εἶναι ἀπαραίτητος ἡ ἀλλαγή νοοτροπίας καί ἤθους.

Καί τοῦτο, διά τούς πολιτικούς ἄνδρας εἶναι κατανοητόν ὡς ἀποκατάστασις τῆς σχέσεως ἐμπιστοσύνης πολίτου καί κράτους, τῆς ἀπαλλαγῆς ἀπό τοῦ συνδρόμου τῆς φοροαπαλλαγῆς, τῆς ἀποδόσεως εἰς τόν Καίσαρα τῶν τοῦ Καίσαρος. Σήμερον γίνεται μία τεραστία προσπάθεια διά νά ἀποκτήσουν οἱ πολῖται μίαν νέαν νοοτροπίαν εἰς τάς σχέσεις των μετά τοῦ κράτους, εἰς τήν ὁποίαν αἱ χῶραι τῆς Δυτικῆς Εὐρώπης, καί ἀσφαλῶς ἡ Γερμανία, ἀποτελοῦν ἀξιομίμητα ὑποδείγματα. Βεβαίως τοῦτο δέν εἶναι εὐχερές, διότι ὑπάρχουν καί τεράστιαι διαφοραί εἰς τάς ἱστορικάς καταβολάς, τάς κοινωνικάς συνθήκας κλπ.

Ὅμως, τό βασικώτερον διά τήν ἔξοδον ἀπό τήν κρίσιν δέν εἶναι μόνον ἡ ἀλλαγή νοοτροπίας ὡς πρός τάς σχέσεις μέ τό κράτος. Εἶναι ἡ ἀλλαγή τρόπου ζωῆς καί ἤθους. Εἶναι χαρακτηριστικόν ὅτι ὁ σύγχρονος ἄνθρωπος ἔχει διδαχθῆ νά καταναλίσκῃ συχνάκις περισσότερον τῶν ὅσων χρειάζεται καί νά ἀποβλέπῃ ἀπλήστως καί ἀσυνέτως εἰς τό συνεχῶς «κτᾶσθαι» καί «ἀπολαμβάνειν» καί ὄχι εἰς τό ἁρμονικόν «εὖ εἶναι», προσπαθῶν διά τῆς ἀσυναισθήτου εἰς αὐτόν ἀδυναμίας του νά νικήσῃ τήν δύναμιν τοῦ Θεοῦ καί ἐν τῇ ἀ-σοφίᾳ του τήν Σοφίαν τοῦ Θεοῦ, ἥτις «ἐθεμελίωσε τόν οἶκον» (πρβλ. Παροιμ. θ΄ 1), τόν κόσμον μας.

Ἐπί πλέον, λησμονεῖ ὁ σύγχρονος ἄνθρωπος, ὅτι τό ὑπέρτατον ἰδανικόν δι᾿ αὐτόν δέν εἶναι ἡ οἰκονομική ἄνεσις καί ἡ εὐημερία, ἀλλά ἡ ἐλευθερία. Ἡ ἐλευθερία, ἡ ὁποία, ὅταν εἶναι συνυφασμένη μέ τήν λύπην καί τήν δυστυχίαν, δέν εἶναι ἐλευθερία, ἀλλά δουλεία. Ἡ μεγάλη ἀλήθεια τήν ὁποίαν εὐαγγελίζεται καθ᾿ ἡμέραν ὁ Χριστιανισμός εἶναι ὅτι τά πάντα ἀξιολογοῦνται συμφώνως πρός τήν ἀξίαν των, ὄχι ἐκ τοῦ χρώματος ἤ τοῦ σχήματός των, ἀλλά ἀναλόγως πρός τό νόημά των καί κρίνονται ὄχι ὡς πρός τά ἐξωτερικά φαινόμενα, ἀλλά ὡς πρός τήν οὐσίαν.

Ὁ ἄνθρωπος κρίνεται ὄχι ἐκ τῆς ἰδιότητος ἤ τῆς περιουσίας του, ὄχι «κατ᾿ ὄψιν» δηλαδή, ἀλλά «κατά τήν καρδίαν» αὐτοῦ, ἡ ὁποία εἶναι ἡ «δικαία κρίσις». Ταυτίζεται, δηλαδή, μέ τήν ἐσωτερικήν ἐλευθερίαν, τήν ὁποίαν προσφέρει ἡ παραμονή πλησίον τοῦ Θεοῦ.

Συνεπῶς, ἡ Ὀρθόδοξος Ἐκκλησία προτιμᾷ νά λύσῃ τό πρόβλημα τῆς προσωπικῆς εὐθύνης ἑκάστου ἀνθρώπου διά τήν οἰκολογικήν καί τήν οἰκονομικήν κρίσιν, τοποθετοῦσα τοῦτο εἰς τήν σωτηριολογικήν καί πνευματικήν αὐτοῦ διάστασιν. Ἡ συμμετοχή τοῦ ἀνθρώπου εἰς τήν κίνησιν αὐτήν εἶναι μία σιωπηρά καί βιωματική μαρτυρία διά τήν δυνατότητα ἀποκαταστάσεως ἁρμονικῆς σχέσεως μέ τήν φύσιν, προσφέροντος τό παράδειγμα τῆς ζωῆς αὐτοῦ.

 

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Ἐνώπιον τοῦ ὄγκου τῶν ἐπικινδύνων δι᾿ ὅλους τούς ἀνθρώπους ρυπογόνων παραγόντων μία καί μόνη δύναμις εἶναι δυνατόν νά ἀντισταθῇ: Ἡ συνείδησις τοῦ ἀνθρώπου. Ἡ συνείδησις εἶναι ἡ μόνη δύναμις, ἡ ὁποία ἠμπορεῖ νά συγκρατήσῃ τόν ἄνθρωπον ἀπό τῆς διαπράξεως μιᾶς κρυφῆς ρυπογόνου πράξεως ἤ μιᾶς μικρᾶς ἤ μεγάλης καταστροφικῆς τοῦ περιβάλλοντος ἐνεργείας.

Ὁ ρόλος τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου εἶναι νά εὐαισθητοποιήσῃ αὐτήν τήν συνείδησιν. Δέν ἔχομεν τήν δυνατότητα νά λάβωμεν διοικητικά ἤ νομικά μέτρα περιορισμοῦ τῆς βλάβης τοῦ περιβάλλοντος. Δέν ἔχομεν προφανῶς τά ὑλικά μέσα νά ἐπανορθώσωμεν τάς ἤδη γενομένας εἰς τό φυσικόν περιβάλλον βλάβας. Προσπαθοῦμεν λοιπόν νά ἀφυπνίσωμεν τήν συνείδησιν τῶν ἐχόντων τά μέσα καί τόν τρόπον συνανθρώπων μας καί τῶν ἐν ὑπεροχῇ ἐξουσίας ὄντων νά πράξουν ὅ,τι δύνανται, εἴτε μικρόν ἐν τῷ πλαισίῳ τῆς ἀτομικῆς ἐνεργείας εἴτε μέγα ἐν τῷ πλαισίῳ τῆς συλλογικῆς προσπαθείας μιᾶς Κυβερνήσεως ἤ ἄλλου διεθνοῦς καί τοπικοῦ φορέως.

Καί κατακλείομεν τόν λόγον μέ τήν προσευχήν: «στῶμεν καλῶς, στῶμεν μετά φόβου» ἐνώπιον τῆς ἀβεβαιότητος τῆς ὕλης, καί παρακαλοῦμεν τόν Δημιουργόν πάσης τῆς κτίσεως νά ἀνοίξῃ τήν κραταιάν Αὐτοῦ χεῖρα καί νά ἐπισκεφθῇ τόν κόσμον. Τότε, καί μόνον τότε, «τά σύμπαντα πλησθήσονται χρηστότητος» (Ψάλμ. ργ΄ 28). Ἀμήν.

Σᾶς εὐχαριστοῦμεν διά τήν ὑπομονήν καί εὐχόμεθα εἰς ὅλους τόν φωτισμόν τοῦ Θεοῦ διά νά συμβάλῃ ἕκαστος κατά τό μέτρον τῶν δυνατοτήτων αὐτοῦ εἰς τήν ἐπίλυσιν τοῦ ζωτικοῦ τούτου προβλήματος, μέ τήν ἐλπίδα νά ἀνατείλῃ ἕν καλλίτερον καί πλέον εὐοίωνον μέλλον διά τήν ἀνθρωπότητα, διά τάς γενεάς τοῦ αὔριον.

 

 

 

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„Das Deine vom Deinigen“
Orthodoxie und Ökologie
Es ist wohl kaum eine Übertreibung von der „Rettung der Erde“ zu sprechen. Die globale Erwärmung der Erde verursacht Überschwemmungen, die große Küstengebiete bedrohen. Man schätzt, dass ca. 10 % aller Tierarten von der Ausrottung bedroht sind. Unwiederbringliche Wälder verschwinden Hektar für Hektar jede Sekunde. Große Ströme erreichen das Meer nicht mehr, weil ihr Wasser umgeleitet wird zur Bewässerung von Feldern, für die Industrie oder zur Bewässerung des Rasens im Vorgarten.

Diese Fakten zeigen uns die Schöpfung als etwas Kostbares und Verletzliches. Aber der sprichwörtliche Mars-Mensch, der in den USA landet, könnte zu dem Schluss kommen, dass die Bodenschätze so unbegrenzt sind, dass sie nicht einmal Respekt verdienen. Ungefähr 50 % des Papiers und 30 % der Plastikmaterialien, die auf Kosten der Umwelt produziert werden, werden nur für Verpackung verbraucht – sie werden produziert um weggeworfen zu werden. Ganze Stadtviertel werden so gebaut, dass das Auto optimal genutzt werden kann. Jeden Tag werden Millionen von Tüten und andere Behältnisse weggeworfen, weil haltbarer und wiederverwendbarer Ersatz unbequemer ist. Nahrungsmittel wie Rindfleisch, das mit immensen Kosten von Futter, Wasser und Energie hergestellt wird, gilt als Grundnahrungsmittel. Wenn es Umweltprobleme gibt, heißt das nur, dass man sein Haus besser isoliert (und damit Heizöl spart) und einigen Abfall in die Recycling-Tonne wirft statt in die Mülltonne.

Müssen wir wirklich die Erde retten – oder nur unsere Abhängigkeit vom importierten Öl verringern?

Für manche bedeutet die Umweltkrise nur eine kleine technische Störung des „Fortschritts“, die bald durch die Riesenernten der gentechnisch manipulierten Pflanzen und durch saubere Energiequellen Überwunden sein wird. Andere sind etwas realistischer und rufen nach einer Änderung des Lebensstils der reichen Länder. Die begrenzten natürlichen Ressourcen und die umweltverschmutzenden Energiequellen werden verschwendet, während die wachsende Bevölkerung der Erde immer noch der Befriedigung der grundlegendsten Bedürfnisse entbehrt. Deshalb ist es nur gerecht, wenn die größten Verbraucher auch die größten Einschnitte hinnehmen müssen.

Immer mehr glauben, dass der Ausweg aus der Krise auch einer geistigen Erneuerung bedarf: nicht bloss eine Änderung der Gewohnheiten, sondern eine Änderung in den Herzen – christlich ausgedrückt, Umkehr - Buße. Leider wird die innige Verbindung zwischen Glaube und Umwelt so wenig verstanden, dass die Kirche für die meisten wohl an letzter Stelle steht, wenn nach geistigen Lösungen gesucht wird. Viel wahrscheinlicher wenden sie sich der Verehrung der Mutter Erde zu oder Eingeborenenreligionen oder der Magie oder der Esoterik. Und doch stellt die Erkenntnis, dass die Welt Erlösung braucht, was eine Änderung in den Herzen nötig macht, eine Herausforderung für die Kirche dar. Sie gibt uns die Gelegenheit zu einer Missionierung, wie sie vielleicht nicht mehr gegeben war, seit der hl. Apostel Paulus den Altar der Athener sah, der „dem unbekannten Gott“ geweiht war.

Im Jahre 1989 hat der heimgegangene Ökumenische Patriarch Dimitrios eine wichtige Initiative ergriffen, als er verlangte, den ersten September zu einem Tag des Dankens und der besonderen Gebete für die Errettung und den Schutz der Schöpfung Gottes zu machen. Das hat so viel Interesse erweckt, dass im November 1991 eine interorthodoxe Konferenz zum Schutz der Umwelt nach Kreta einberufen wurde. Ihre Empfehlungen sprechen von „der wachsenden Belastung der natürlichen Umwelt durch den menschlichen Missbrauch, den die Kirche Sünde nennt und für den sie alle Menschen zu Umkehr und Buße aufruft,“ und fährt fort, dass die Orthodoxe Kirche glaubt, dass „die Lösung im liturgischen, eucharistischen und asketischen Ethos der orthodoxen Überlieferung zu finden ist.“

Eucharistischer Ethos bedeutet vor allem, dass die natürlichen Ressourcen mit Dankbarkeit genutzt und Gott wieder zurückgegeben werden sollen. Solch eine Haltung kann Verschwendung nicht dulden. Ähnlich lassen uns die Fastenpraxis sogar die einfachsten Nahrungsmittel und andere einfache Bequemlichkeiten als Gaben erscheinen, die uns zur Befriedigung unserer Bedürfnisse bereit gestellt werden. Wir dürfen sie nicht missbrauchen oder verschwenden nur weil wir sie bezahlen können.

Wir beten als Gemeinschaft, nicht als Einzelpersonen; also ist ein liturgischer Ethos auch eines des miteinander Teilens. Lange bevor die Erde aus dem Weltraum als Ganzes gesehen werden konnte, wusste die Kirche, dass wir alle zusammen vor Gott stehen und dass uns gemeinsam die Segnungen und Schätze der Erde gehören, die Er den Menschen und allen Geschöpfen geschenkt hat. „Unseren eigenen Reichtum nicht mit den Armen zu teilen bedeutet von den Armen zu stehlen und sie ihrer Lebensgrundlagen zu berauben. Wir besitzen nicht unseren eigenen Reichtum sondern den ihren,“ erinnert uns der Hl. Johannes Chrysostomos.

Dieses Prinzip, angewandt auf die ganze Breite der natürlichen Ressourcen, ist besonders wichtig, weil die natürliche Umwelt von zwei Seiten in die Zange genommen wird:
durch zu großen Verbrauch, Gier und Verschwendung der Reichen
und
durch die dringenden Nöte der Armen, die oft gezwungen sind ihr Land kurzfristig nach Nahrung und Energie auszubeuten.

Gerechte Verteilung heißt nicht nur weniger der endlichen Ressourcen zu verbrauchen. Es schließt auch aus, dass man sich der Bequemlichkeiten und Luxusgüter erfreut, für die andere den versteckten Preis für die Schädigung der Umwelt zahlen müssen, nämlich mit Giften zu leben, die zu ihrer Produktion benötigt werden und die Verschmutzung durch ihren Gebrauch und die Entsorgung.

Ethos der Kirche bedeutet Ehrfurcht vor der Materie – der Welt um uns, anderen Geschöpfen, unserem eigenen Körper. Man kann diese Haltung im Gebet der Kirche kaum Übersehen: wir bekreuzigen uns, wir verehren Ikonen, wir kommunizieren Christus Selbst in der Eucharistie. Aber es scheint recht einfach zu sein das alles mit einer Geringschätzung der Materie im nicht-liturgischen Bereich zu verbinden, sogar in der Kirche: so wird das Wasser gesegnet und dann trinken wir es aus Plastikbechern, die anschließend auf den Müll geworfen werden! Was die Kretakonferenz verlangt ist einfach eine durchgängige Haltung des Respekts in allen unseren Handlungen, die die Welt betreffen. Wir können nicht erwarten, dass wir in unserer Umwelt keine Spuren hinterlassen. Wir können wählen, ob sie unsere Gier und Hässlichkeit – die Berge gebrauchter Verpackung, die verseuchten Flüsse mit ihren toten oder mutierten Fischen, die kahlen erodierten Berghänge – widerspiegelt, oder ob wir sie in einer Weise nutzen, dass das Werk Gottes sich in unserem durch seine Schönheit zeigt. Die Kretakonferenz erkennt an, dass die kirchliche Gemeinschaft die Führung Übernehmen sollte diesen Ethos der Kirche sichtbar zu machen und macht eine Reihe von Vorschlägen:

•   Programme christlicher Umwelterziehung auf allen Ebenen zu initiieren.

•   Gemeinden sollen sich örtlich engagieren: z.B. Recycling-Programme organisieren,
       für Energiesparen in Gebäuden und für weniger autofahren werben.

•   Ausbildungsprogramme organisieren, die die Bandbreite
       von der Theologie bis zu Umweltwissenschaften abdecken,
       um die Kirche bei ihrem weiteren praktischen Engagement
       für die Umwelt und in der Bioethik zu unterstützen.
       Hier sollten sich sowohl Kirchenmitglieder als auch nicht-orthodoxe Experten
       in den wissenschaftlichen und ökologischen Themen engagieren.

•   Die orthodoxe Jugend dazu aufrufen, die Initiative für Umweltprojekte zu ergreifen.

•   Praktische Schritte wie diese sind wesentlich, wenn auch begrenzt.
       Die zu Grunde liegende Botschaft muss deutlich werden:
       „die Kirche sollte ihren eigenen Gläubigen, wie auch der übrigen Welt,
       wieder diese einfache, doch erfüllte Art des Lebens anbieten.
       Die Menschheit braucht um der Umwelt willen eine einfachere Art des Lebens,
       ein erneuertes asketisches Denken.“


Die Autorin, Dr. Elizabeth Theokritoff, ist orthodoxe Theologin und Schriftstellerin aus England. Sie war Schriftführerin der orthodoxen Bruderschaft von St. Alban und St. Sergius. übers.: G. Wolf
.


In der all-orthodoxen "BOTSCHAFT der VORSTEHER der HEILIGEN ORTHODOXEN KIRCHEN" vom 15. März 1992 werden die Gläubigen der Orthodoxie in aller Welt aufgerufen, den 1. September eines jeden Jahres, den Tag des Anfangs des Kirchenjahres dem Gebet und dem Flehen für die Rettung der Schöpfung Gottes und dem Erreichen jener Haltung zur Natur zu widmen, welche die Göttliche Eucharistie und die asketische Tradition der Kirche gebieten.

Bereits 1990 hatte der höchstgeweihte NIKODEMOS, Metropolit von Patras entsprechende Texte für die Gebetsordnung entworfen, die wir in der Folge in Ausschnitten widergeben:


Welch staunengebietendes Wunder,
der Weisheit Gottes überwältigend schönes Kunstwerk,
die sichtbare Schöpfung,
die mitteilt die Herrlichkeit des allmächtigen Schöpfers des Himmels und der Erde,
der alles Sichtbare und Unsichtbare durch Sein Wort vollbrachte.
Herr, wie sind Deine Werke so gross,
rufen wir Gläubigen und verherrlichen Dich,
Anfangloser !

Wie schön sind deine wunderbaren Werke,
Christos, Logos des Vaters und wirkende Weisheit,
ewig von Anfang an.
Das Weltall ist durch Dich,
durch allmächtige Anordnung geworden.
Alle Erdgeborenen sind erfüllt von Deinen Gaben.
Herr, wie sind Deine Werke so gross,
rufen wir ehrfürchtig und preisen Deine Macht !

In dem durch Deine göttliche Unterweisung gelernten Gebet ,
lasst uns täglich dem Schöpfer zurufen:
Vater unser,
der Du im Himmel wohnst,
gib uns das tägliche Brot.
Heile unsere Fehler,
gib uns Weisheit und Besonnenheit,
nur das Nötige zu nehmen,
mit diesem Geschenk uns zu begnügen
und nicht zu übertreten
die Grenzen der von Dir geschaffenen Natur.



 

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Idiomela zur Liti am 1. September aus der

"Ordnung des Bittgottesdienstes
zu unserem menschenliebenden Gott und Retter
Jesus Christus
für unsere Umwelt
und den Wohlbestand der ganzen Schöpfung"

von
Vater GERASIMOS (Mikrayannanitis)
Mönch vom Heiligen Berge Athos
im Dezember 1991

 

Der Du im Anfang das Weltall geschaffen
und einem jeglichen die entsprechende Ordnung gesetzt,
verachte nicht die Werke Deiner Hände,
sondern schau mit barmherzigen Augen vom Himmel,
Herr,
nach diesem Weinberg
und bereit’ ihn nach Deinem Willen,
wend’ ab von ihm jeglichen schädlichen Gedanken und jeden Zerstörer,
denn Du bist unser Hirte und Retter und Heiland, und von Dir empfangen wir
die Hilfe in Erbarmen und Mitleid
und preisen Dich, o Herrscher.

Der Du den Ort der Erde umschanztest,
Herr,
und ihn auch mit Schutz umkleidet hast,
rette, Herrscher, vor Schaden und Zerstörung seinen Bestand,
denn Du bist der Stärke Hort und Quell’ des Lebens,
und auf Deinen Wink, Herr, dient und fügt sich alles Dir gehorsam,
daher zeig’ uns Dein Erbarmen,
wend’ ab von uns jegliches Unheil
und rette unsere Seelen,
Du Menschenliebender.

Nimm die Geißeln hinweg und Untergang,
die drohend über uns schweben
wegen unserer vielen Vergehen,
Herr,
denn gesündigt haben wir,
gefehlt und uns von Dir entfernt,
dem Widerwärtigen haben wir uns verschworen und zugesellt;
aber rett’ uns,
Herr,
vor kommenden Gefahren,
und der Erde Bestand behüt’
ohn’ Schad’, lass’ gleichmäßig die Winde wehen
und stetig die Wasserwellen fließen
zu unsrer Pfleg’ und Rettung,
Menschenliebender.

Ehre ...

Doxastikon:

Der Du der Erden Kreis erfüllst
und ihren Grund befestigst nach des Propheten Wort,
nimm an von uns,
o Herr,
die flehentlichen Bitten
als unser Pfleger, Fürsorg und Heiland;
denn wir sind Dein Volk
und Schafe Deiner Weide,
und aus den erwarteten Gefahren wirst Du uns erretten
durch Dein unendliches Erbarmen;
nun, Herr,
zermalm’ uns nicht,
lass’ Deine Güte siegen
über die Menge unserer Vergehen,
damit wir alle rühmen
Deines Erbarmens Meer.

Jetzt ...

Theotokion:

Vor allen Gefahren
Deine Herd’ behüt’,
gepriesene Gottesgebärerin,
auf dass wir rühmen
die Hoffnung unsrer Seelen.

Idiomela zur Liti am 1. September nach der "Ordnung des Bittgottesdienstes zu unserem menschenliebenden Gott und Retter Jesus Christus für unsere Umwelt und den Wohlbestand der ganzen Schöpfung" von Vater GERASIMOS (Mikrayannanitis), Mönch vom Heiligen Berge Athos, † im Dezember 1991.


Zum downloaden stellt die Gebetstexte dankenswerterweise der St.-Andreas-Bote der Münchner Gemeinde des Bayrischen Vikariates der Metropolie von Deutschland und Exarchats von Zentraleuropa des Oekumenischen Patriarchats (Konstantinopel) zur Verfügung:

download des vollständigen Gebetstextes

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Prof. Dr. Georgios I. MANTZARIDIS - Professor an den Universitäten THESSALONIKI und MÜNCHEN

Die ÖKOLOGISCHE KRISE

Dankenswerterweise wurde dieser hochaktuelle und trotzdem voll aus den originären Urquellen der orthodoxen Tradition schöpfende Beitrag dem Andreas-Boten (München) vom Autor zur Verfügung gestellt. Basierend auf der griechischen Ausgabe des Buches von Professor Mantzaridis "Christliche Ethik" ist der Inhalt Teil der Vorlesung "Grundlinien christlicher Ethik", die er im Sommer-Semester 1997 an der Ludwig-Maximilian-Universität in München gehalten hat.

Die ökologische Krise spiegelt die innere Krise des Menschen wieder, der alles tut, um die Vollkommenheit als Person zu erreichen, aber daran scheitert. Dieses Scheitern ist nicht zufällig, sondern entspringt seiner falschen Auffassung über das, was seine Vollendung als Person ist. Die Person (Hypostase) wird nicht durch die Konfrontation mit dem "was nicht Ich ist" zur Vollendung geführt, sondern vielmehr durch die Einheit mit allem "ad intra". So ist die wirkliche Vollkommenheit für den Menschen sein gnadenhaftes ähnlichwerden mit der vollkommenen Person, Gott, der "das ganze Sein in sich faßt".

Im Hintergrund der ökologischen Krise steht das Verlangen des Menschen, mit allen Mitteln die Vollkommenheit zu erlangen, ohne jedoch den Willen Gottes zu berücksichtigen oder persönliche Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Die Geschichte von der Ursünde im Alten Testament stellt diese Wahrheit deutlich dar. Der Mensch, das göttliche Gebot verachtend, ißt vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und spürt seine Nacktheit. Im folgenden übernimmt er nicht etwa die Verantwortung für sein Tun, sondern wälzt diese ab: "Die Frau die du mir beigegeben hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und ich aß", oder "die Schlange hat mich verführt" . Adam distanziert sich von Gott und seinem Nächsten und schiebt ihm die Schuld für seine Taten zu, Eva wiederum beschuldigt die Schlange.

Ein jeder von uns wiederholt die Ursünde durch sein egozentrisches Tun und die Weigerung, Verantwortung für das in der Welt angehäufte Böse zu übernehmen. Indem wir unser Selbst allem "was nicht Ich ist" gegenüberstellen, werden wir unfähig, den Nächsten und die Umwelt zu lieben. Diese Sünde bildet die Grundursache und die zentrale Achse der ökologischen Krise.

Die ökologische Krise ist kein selbständiges Phänomen, sondern verbindet sich unmittelbar mit dem persönlichen und gesellschaftlichen Leben des Menschen. Sie offenbart die Krise seiner Gesinnung und seiner Moral, seiner Wissenschaft und seiner Technologie, seiner Wirtschaft, seiner Politik, seines Rechtes und seiner Religion. Sie ist der äußere Ausdruck der inneren Krise des Menschen, wie auch aller seiner Taten und Handlungen. Die ökologische Krise kann als Metastase der geistigen und moralischen Krise vom Menschen zur Schöpfung, vom Mikrokosmos zum Makrokosmos charakterisiert werden.

Der Mensch, als eine "große Welt im kleinen" , umfaßt die ganze Schöpfung in seiner natürlichen Konsistenz. Gleichzeitig ist er berufen, als ein Geschöpf "nach dem Bild und der ähnlichkeit Gottes" , die ganze Schöpfung durch sich selbst dem Schöpfer darzubringen. Er ist berufen, das Geschaffene mit dem Ungeschaffenem zu verbinden .

Das Geschaffene ist seiner Natur nach wandelbar; die erste Wandlung ist seine eigene Entstehung. Es ist also unvermeidlich, daß sich das Geschaffene immer entweder auf dem Wege zum schlechteren oder zum besseren befindet. Das einzige Geschöpf aber, das die Richtung dieser Wandlung letztendlich entscheiden kann, ist der sich selbst bestimmende Mensch . Sein Gang führt zur Entwicklung und Vollendung, aber auch zu Dekadenz und Verderbnis.

Kriterium, von dem die Richtung dieser Wandlung des Menschen und der ganzen Natur von Anfang an abhing, ist die Beziehung des Menschen zur Welt. Diese Beziehung wird durch die Fähigkeit zu verzichten kontrolliert. Deswegen wird das Fasten in der orthodoxen Tradition als ein "Lebensgebot von gleichem Alter wie die menschliche Natur" bezeichnet . Das Gebot Gottes für den Menschen war: "Von Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon ißt, wirst du sterben" . Die vernünftige Benutzung der Schöpfung ist also mit dem Fasten verbunden. Das Fasten, das das Wissen um die Abhängigkeit von Außen aktualisiert, ist zugleich Ausdruck des Gehorsams und bedeutet, daß der Mensch bereit ist, Gott ähnlich zu werden, indem er seine eigene Geschaffenheit anerkennt; indem er auch akzeptiert, daß ihm "das Sein verliehen ward" . Dagegen drückt die unvernünftige Benutzung der Schöpfung Ungehorsam aus und leugnet die Tatsache der Geschaffenheit des Menschen. Dies führte den Menschen zur Entfremdung von Gott.

Die ökologische Krise ist auf die Entfremdung des geschaffenen Menschen vom ungeschaffenen Gott zurückzuführen; auf die Trennung nämlich der Seienden von dem wirklichen Sein und damit der Quelle des Lebens. Daraus entspringt außerdem jede menschliche Krise und alles Böse. Wie Basileios der Große schreibt, "das ist das Böse: die Entfremdung von Gott" . Diese Entfremdung führt den Menschen zum Gegensatz zur Welt und zu sich selbst.

Alle Geschöpfe, zusammen mit dem Menschen, sind Werke des göttlichen Willens. Alle Geschöpfe, außer dem Menschen, sind absolut dem Willen Gottes unterworfen, da sie sein Wort vollbringen . Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das den Willen Gottes zu übertreten vermag und sich unabhängig von Ihm bewegen kann. Da er aber selbst aus dem göttlichen Willen hervorging, bereitet bereits das übertreten desselben eine Krise in seiner Hypostase; es verfälscht und vernichtet sie. "Ich bin im Schlamm der Sünden verstrickt und meine Hypostase ist verloren", schreibt ein Hymnendichter der Kirche . Darin besteht auch die Identitätskrise des Menschen.

Der Mensch existiert und agiert als Mensch nur in Zusammenhang mit und in Bezug auf seinen Schöpfer. Seine Hypostase bekommt Sinn und Inhalt, wenn sie sein Urbild annimmt und ausdrückt, wenn sie mit dem göttlichen Willen in Einklang kommt. Die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der harmonischen Beziehung des Menschen zu sich selbst, seinem Nächsten und der Welt kann deswegen nur im Rahmen seiner harmonischen Beziehungen zu Gott, der die Liebe ist, verstanden werden.
Diese These scheint vielleicht sehr theoretisch oder gar utopisch. Das hat seinen Grund darin, daß die rechte Sicht des Menschen und der Natur verloren gegangen ist. Wenn die Natur und der Mensch jeweils für sich betrachtet werden, ohne jede Verbindung oder Bezug zu der Ursache ihrer Existenz, so scheint folglich auch die Zurückführung des Bösen auf sein wahres Prinzip merkwürdig oder unangemessen. Wenn nun aber der Mensch und die Natur in Verbindung und in Bezug zu Gott betrachtet werden, bekommen die Dinge wieder ihre wirklichen Dimensionen. In diesem Fall erhalten selbst die für die Sinne unangenehmen und schmerzlichen Erfahrungen einen positiven Charakter und dienen der Realisierung des menschlichen Ziels.

Die ökologische Krise als anthropologische Konsequenz kann nur durch den Menschen und im Menschen selbst angemessen angegangen werden. Ohne eine Veränderung des Menschen kann keine Veränderung in der Entwicklung der Ökologie stattfinden. Wenn der Mensch die ökologische Krise nicht in Verbindung mit seiner geistlichen und moralischen Krise sieht, Übersieht er ihre wahren Dimensionen und bleibt unfähig, ihren eigentlichen Sinn zu erfassen. In diesem Fall erweisen sich auch die Maßnahmen, die er für den Umweltschutz ergreift, gleich wie nützlich sie auch erscheinen mögen, als oberflächlich oder sogar als verlogen, weil sie die Wurzel der Krise nicht treffen.

Hier muß sich die Stimme der Kirche erheben. Ziel der Kirche ist natürlich nicht, mit den staatlichen Verwaltungen in Konkurrenz zu treten oder deren Leistungen zu ergänzen, und das noch mit den geringen Möglichkeiten und den wenigen Mitteln über die sie verfügt. Die Kirche besteht nicht, um dem Staat zu dienen, sondern den Menschen das zu bieten, was weder der Staat noch irgend eine andere weltliche Einrichtung zu bieten vermögen. Nur dann versucht die Kirche sich mit weltlichen und kalkulierbaren Leistungen zu messen, wenn sie ihr Selbstbewußtsein verliert oder wenn sie an die Bedeutung ihrer Mission nicht mehr glaubt. Ziel der Kirche ist die Erneuerung der Schöpfung, die Sünde und Tod besiegt; eine Erneuerung nämlich, die Verheißung ist, und die doch schon im täglichen Leben anwesend bleibt. Es ist eine Erneuerung, die den Menschen geistig regeneriert und sein Ethos und sein Verhalten gegenüber der Welt und den Dingen der Welt verwandelt. Eine Erneuerung, die eine andere Lebensqualität bewirkt.

Der Mensch findet mit dem Glauben an Gott und der Erfüllung Seiner Gebote sein wahres Sein und seine rechte Beziehung zu seinem Nächsten und der Welt. Er nimmt an der Liebe Gottes teil und achtet darauf, daß er keinesfalls seinem Nächsten schadet oder die Dinge der Welt schlecht anwendet. Es ist bemerkenswert, daß die Kirche zu einer Zeit, als keine Rede von ökologischer Krise oder ökologischen Problemen war, das gute Gewissen des Menschen in unmittelbarer Verbindung zur Umwelt sah. So schreibt der hl. Dorotheos über die Position des Gläubigen gegenüber den Dingen folgendes: "Richtiges Gewissen des Menschen gegenüber den Dingen bedeutet, daß er keinen Mißbrauch von diesen macht, er nichts von diesen zerstört oder wegwirft. Auch dann, wenn er sieht, daß etwas von diesen Dingen weggeworfen wurde, übersieht er es nicht, selbst wenn es unbedeutend ist, sondern bringt es wieder an seinen Ort" . Und der hl. Isaak der Syrer schreibt: "Ein barmherziges Herz bedeutet ein Herz, das für die ganze Schöpfung brennt, das heißt für Menschen und Vögel, für Tiere und Dämonen und für ein jedes Geschöpf" .

Die Bekämpfung der ökologischen Krise darf nicht als eine allgemeine und abstrakte Angelegenheit betrachtet werden. Es ist nicht etwas, was auf eine unbestimmte Art die Menschheit oder die Menschen betrifft, sondern jeden einzelnen, aber auch alle zusammen. Wenn wir uns unserer persönlichen Verantwortung für die Krise, die in uns selbst und um uns herum stattfindet, nicht bewußt werden, dann können wir der ökologischen Krise auch nicht richtig gegenübertreten. Dieses Bewußtwerden ist eine Frage, die nicht nur die persönliche Sensibilität, sondern auch die soziale Erziehung betrifft. Um so mehr betrifft sie die Erziehung, für die die Kirche zuständig ist. Es ist eine Frage der Metanoia, der Umkehr des Menschen zu seiner richtigen Beziehung zu Gott, der Welt und den Dingen der Welt. Wenn diese Erziehung entgleist ist, wie heute oft der Fall, dann wird auch die Sensibilität der Personen abgestumpft.
In einem Hymnus der Orthodoxen Kirche heißt es: "Ich bin Gift für die Luft, die Erde und das Wasser geworden" (13a). Die Vergiftung der Umwelt spiegelt die innere Vergiftung des Menschen wieder. Und diese Vergiftung beginnt beim Geist des Menschen. Er ist es, der zuerst mit leidenschaftlichen Sinngehalten vergiftet wird; deswegen wird der Geist des Menschen als "erstleidend" bezeichnet (14). Diese leidenschaftliche Sinngehalte, die aus Sinngehalten und Leidenschaften zusammengesetzten Gedanken (15), nämlich die Obsession der Gier und Selbstsucht, führen zum Mißbrauch der Welt und ihrer Dinge. Ohne Reinigung des Geistes von diesen leidenschaftlichen Sinngehalten kann keine rechte Beziehung des Menschen zur Welt und ihren Dingen in Gang kommen. Wenn das übel nicht im Geist des Menschen angegangen wird, kann es keine wirkliche und zukunftsfähige Hilfe geben. Alle anderen Bemühungen, so sehr sie auch nützlich oder praktisch scheinen, sind in der Tat äußerlich und oberflächlich, weil sie die Wurzel des übels, das heißt die schlechte Beziehung des Menschen zur Welt und den Dingen der Welt nicht erreichen.

Wichtig ist auch eine vermehrte Aufnahme der ökologischen Krise in alle menschlichen Handlungsbereiche: in die Wissenschaft, in die Kunst, in die Wirtschaft, in die Politik usw. Weil diese Krise keine bestimmten Länder oder Gebiete der Erde betrifft, sondern die gesamte, ist eine internationale Zusammenarbeit und Koordinierung der Bemühungen erforderlich. Die Wiederherstellung einer Balance zum friedlichen Zusammenleben der Menschen, die Förderung guter Beziehungen in Wirtschaft und ökologie, die Vermeidung von Verschwendung bei der Nutzung von Energie, die Kontrolle der unbesonnenen Entwicklung der Technik - besonders der Biotechnik, die unvorhersehbare Folgen haben kann -, die Ergreifung von Maßnahmen zur Begrenzung der Umweltverschmutzung, der Tier- und Pflanzenschutz und anderer ähnlicher Themen bedürfen institutioneller Regelungen auf nationaler und internationaler Ebene.

Die Bemühungen, die bis heute gemacht wurden, haben keine befriedigenden Ergebnisse erbracht. Und das ist nicht paradox, denn die Ursache des übels befindet sich hier nicht in den verschiedenen Aktionsgebieten des Menschen. Sie befindet sich weder in der Wissenschaft oder Technik, noch in der Wirtschaft - mögen noch so viele sie als Umweltzerstörer ansehen - auch nicht in der Politik, hat diese sich wegen auch noch so vieler Fehler oder Versäumnisse zu verantworten. Die Ursache des Übels befindet sich auch hier im menschlichen Geist, der dies alles lenkt. Und dieser Geist wird durch die eindimensionale Ideologie der Wirtschaftsentwicklung geprägt, die mit religiöser Demut auf allen Längen und Breiten der Erde, im Osten und im Westen, in Ländern des Sozialismus’ und des Kapitalismus’, in den sogenannten Industriestaaten und der Dritten Welt angenommen und kultiviert wurde.

Diese Ideologie hatte vernichtende Folgen für den Menschen und die Welt. Die Entwicklung der Wirtschaft, die mit der Entwicklung im allgemeinen identifiziert wurde, schwang sich in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts zu einem universalen Ideal hinauf, an das alle Mensch als Ziel ihres Lebens glaubten und es vertraten. Der Glaube an eine eindimensionale Entwicklung, der zu einem großen Teil den religiösen Glauben ersetzte, erzeugte ein falsches Gefühl der Hoffnung, daß alle Probleme des Menschen endgültig lösbar seien und schuf dementsprechend eine eindimensionale Entwicklungsethik. Diese Ethik behielt die Oberhand, weil sie messianischen Charakter annahm, und als Antiethik funktionierte für die je nach Ort unterschiedlichen Ethiken der Völker.

Diese Ethik der eindimensionalen Entwicklung, frei von jeder Religions-, Gefühls-, Traditions-, oder auch Wertegrundlage, schaffte es, die Menschen auf der Ebene der wirtschaftlichen Zielsetzung zu verbinden. Dies ist das niedrigst mögliche Niveau auf das die Menschen fallen können, einer vom anderen getrennt bleibend. All die tiefsten Schichten des menschlichen Gewissens zur Seite schiebend und uninteressiert für sein kollektives Selbstbewußtsein und seine soziale Tradition, setzt sie alles auf die Ebene der Zweckrationalität, mit der die Wirtschaft funktioniert. Im Rahmen einer solchen Ethik zeigt es sich, daß zu Gunsten des Gewinns alles, was auch immer, geschehen kann. Das führt wiederum dementsprechend zur Reduzierung des Menschen auf wirtschaftliche Dimensionen und zu seiner ethischen und geistlichen Verstümmelung. Wert hat nur, was finanziellen Charakter hat und zählbar ist. Und man bemüht sich sogar, auch die natürlichen Schönheiten in zählbare finanzielle Werte zu übersetzen. Das paradoxe daran ist, daß diese Haltung selbst zum Schutz der Umwelt vertreten wird. Das Ideal der Entwicklung der Wirtschaft ist auch in sich selbst aus vielen Aspekten betrügerisch. Das heißt natürlich nicht, daß die vielen Vorzüge die sie für ein komfortables und freieres Leben bietet, in Frage gestellt werden müssen. Diese Vorzüge allerdings haben auch ernste Nebenwirkungen, die in naher Zukunft sich als katastrophal herausstellen können. Heute sucht der Mensch ausschließlich Leichtigkeit, Bequemlichkeit und Genuß, während er gleichzeitig den Wert der Anstrengung, der Geduld und des Opfers, jene Voraussetzungen für seine ethische und geistliche Entwicklung, vergißt. Diese Lebensart birgt die Verschmutzung seines Geistes und die Vergrößerung seiner leidenschaftlichen Sinngehalte und Gefühle.

Vor etwa zwanzig Jahren fand in Moskau ein wissenschaftlicher Kongreß über die Gründe der ökologischen Krise statt, bei dem auch der hochgeehrte Kapitsa anwesend war. Während der Dauer des Kongresses blieb er schweigsam. Als dann der Kongreß sich dem Ende zu neigte und der Vorsitzende sich zu einer Zusammenfassung anschickte, ersuchte Kapitsa um das Wort und sagte: "Sehr geehrter Vorsitzende, sehr viele interessante Dinge über verschiedene Ursachen der ökologischen Krise konnten wir während dieser Tage hören, doch wir hörten gar nichts über deren wahre Ursache." Und auf die Frage des Vorsitzenden, welche diese denn sei, antwortete er: "Der Geist des Menschen."

Wenn wir uns nicht darum sorgen, unseren Geist von den andauern anwachsenden Verschmutzungen durch leidenschaftliche Sinngehalte zu reinigen, können wir unsere Umwelt nicht sauber machen. Wie kann jedoch diese Reinigung des Geistes von den leidenschaftlichen Sinngehalten und Phantasien realisiert werden?

Der hl. Maximos der Bekenner bemerkt: Es gibt das Ding, den Sinngehalt und die Leidenschaft. Das Ding ist z.B. der Mann, die Frau, das Gold usw. Der Sinngehalt ist die einfache Erinnerung an eines von diesen. Die Leidenschaft ist die unüberlegte Liebe oder der urteilslose Haß zu einem davon. Der leidenschaftliche Sinngehalt ist schließlich der Sinngehalt, der aus Leidenschaft und Sinngehalt zusammengesetzt wird. Wenn die Leidenschaft vom Sinngehalt getrennt wird, bleibt der einfache Sinngehalt übrig (16).
Die Voraussetzungen für die richtige Einstellung des Menschen zur Welt ist also die Reinigung des Geistes und der Sinngehalte des Menschen von den Leidenschaften. Sie ist nämlich die Wiederherstellung des reinen Geistes und der reinen Sinngehalte. Je mehr der Mensch seinen Geist und seine Sinngehalte von Leidenschaften trennt, desto richtiger verhält er sich selbst zur Welt und ihren Dingen. Um es zu schaffen, braucht man Askese und selbstlose Liebe, die die ganze Schöpfung umarmt. Man braucht auch eine dem asketischen Geist und der wahren Liebe gemäße Erziehung. Dies ereignet sich sowohl auf persönlicher als auch auf kollektiver Ebene. Um dies zu verwirklichen, bedarf es der Askese und der Liebe gegenüber den Dingen, die die ganze Schöpfung umarmt. Es bedarf auch einer Erziehung, in übereinstimmung mit dem Geist der Kirche, die Verantwortung und Sozialgefühl kultiviert.

Heutzutage ist unsere Stellung gegenüber der Umwelt eindeutig schizophren. Auf der einen Seite sehen wir die Gefahren und ergreifen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt, während wir auf der anderen die Augen verschließen und die positiven Maßnahmen, die unternommen werden so untergraben. Das Interesse an der Umwelt ist nicht nur mit der Sorge um die essentielle Reinheit und die wahre Liebe verbunden, sondern geht auch mit der systematischen Bemühung um eine Infektion des menschlichen Geistes mit leidenschaftlichen Sinngehalten und Phantasien einher. Das Hauptziel des Interesses, das international hervorgerufen wird, ist der finanzielle Gewinn. Für seine Verfolgung werden die Begriffe der Personen und der Dinge, also die Sinngehalte der Menschen, mit verschiedenen Leidenschaften und Phantasien verbunden. Es reicht, an die tagtägliche Werbung zu denken.

Ihr Ziel ist nämlich nicht, die Dinge bekannt zu machen oder ihre Nützlichkeit aufzuzeigen, sondern ihre Sinngehalte mit irrationalen und urteilslosen Sehnsüchten, die die Menschen reizen, zu verbinden, um ihn zum Konsum zu verführen. Selbst da, wo der Schutz des Staates eingreift, bleibt die Vergiftung der Sinngehalte unvermindert. Das sieht man zum Beispiel bei der Zigarettenwerbung; Dort, wo ausdrücklich steht, "Rauchen gefährdet die Gesundheit", sieht man freundliche und kerngesunde Personen, die in einer angenehmen Umgebung Zigaretten rauchen. So wird die Schönheit, die Sorglosigkeit, die Gesundheit, die freundliche Umgebung mit der Leidenschaft des Rauchens verbunden.

Es ist nicht möglich eine saubere Umwelt zu haben, wenn wir unseren Geist und unsere Phantasie dem vielgestaltigen Schmutz aussetzen. Es ist Heuchelei, wenn wir unsere Umwelt vor dem Müll schützen und unseren Geist unter einem Haufen Unrat begraben. Wir glauben, wir seien Praktiker, wenn wir das tun was sichtbar ist, und Utopisten, was nicht sichtbar ist. Dies ist ein großer Fehler. Das Christentum ist nicht utopistisch, sondern praktisch. Es schwebt nicht in der Luft, sondern wird selbst die reine Luft, der Geist, der weht und der das Leben und unsere Atmung möglich macht. Deshalb müssen wir die vielseitigen und vergiftenden Handlungen, die rings um uns vorgenommen werden, mißbilligen. Es ist nötig, daß wir uns der Vergiftung unserer Gesellschaft im Namen der Information mit unserem eigenen Beitrag widersetzen. Es ist Zeit den Kanälen der verdorbenen Angebote die Schätze der christlichen Tradition entgegenzustellen.

Die Zeit bleibt nicht stehen. Wenn der Mensch nicht schnellstens mithilft, seinen Verstand und seine Sinngehalte zu reinigen, wenn er nicht Selbstenthaltung und wahre Liebe gelehrt wird, wenn er nicht in die rechte Beziehung geführt wird, mit der Welt und ihren Dingen, die richtige Beziehung zu Gott aufzubauen, kann es keine grundlegende Veränderung in der ökologischen Frage geben. Damit dieses jedoch geschieht, müssen wir die Wahrheit, die uns die Kirche darbringt, nutzen, und auf sie unser persönliches und soziales Leben stützen.

hier aus:
St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217;
gerhard.wolf@t-online.de
 




8. September (21.9.)

To GENETHLION tis IPERAGIAS DESPINIS IMON, THEOTOKOU kai AEIPARTHENOU MARIAS (gr.)
ROSHD. PRESW. BOGORODIZ. (slaw.)
Naşterea Maicii Domnului (rum.)

G E B U R T
der Allerheiligsten Gottesgebaererin
und steten Jungfrau Maria

Deine Geburt,
Gottesgebärerin,
hat Freude verkündet
der ganzen Welt.

Denn aus dir ist aufgestrahlt
die Sonne der Gerechtigkeit,
Christos unser Gott.

Da Er löste den Fluch,
gab Er den Segen.
Da Er überwand den Tod,
gab Er das ewige Leben.

Festtagsikone russisch 17.Jhdt.

Texte und Predigten zum Fest ...

 

Das apokryphe Protoevangelium des Pseudo-Jakobus erzählt, dass Joachim und Anna lange kinderlos waren und darunter sehr litten. Ihre Gebete wurden intensiver, Joachim fastete in der Wüste, Anna im Haus. Da verhiess ihnen ein Engel des Herrn gesegnete Nachkommenschaft.
 

Das Geburtsfest der Gottesgebärerin wurde in Konstantinopel bereits im 6.Jhdt. gefeiert.
Seinen Ursprung hat es vermutlich in der Kirchweihfeier der Kirche der Hl. ANNA in Jerusalem, die im 5.Jhdt. errichtet worden ist.
 

Als erster Fest innerhalb des Kirchenjahres weist es voraus auf die Feier der Geburt Christi.
Zum Thema gemacht wird Gottes Heilsplan,
der
wieder einmal
die scheinbare Hoffnungslosigkeit der Menschen
durch Sein Geschenk
zu freudigem Triumph verwandelt.

Nicht durch menschliche Leistung "verdienen wir uns Erlösung",
sondern allein durch Gebet um göttliche Gnade,

die dann als Wunder in unser pseudo-objektives Umfeld einbricht,
und es verherrlicht (=dem "Herrn" ähnlicher macht).

Die Gebete des heutigen Tages behandeln wie das erwähnte apokryphe Protoevangelium,
das auch Grundlage unser Festtagsikone ist,
die Kernaussage des Festes:


Es geht um unsere menschliche Natur als solche:

Durch unsere Sünden unfruchtbar geworden,
so dass sie in keiner Weise mehr aus sich selbst heil werden kann,
hat sie -durch Fasten und Beten gefördert- dennoch Teil an Gottes Heilswerk.

Den Menschen wird die Gottesgeburt zuteil,
dadurch dass Gott Selbst Sich unser in Seiner annimmt und unsere Unfruchtbarkeit im Irdischen
zu Fruchtbarkeit im Heilsgeschehen wandelt.

 

Joachim und Anna
wurden von der Schmach der Kinderlosigkeit befreit,
Adam und Eva,
befreit von der Verwesung des Todes
durch deine Geburt.

Erlöst von der Schuld der Verfehlungen,
feiert dies dein Volk,
o Allreine,
und ruft dir zu:
"Die Unfruchtbare gebiert die Gebärerin Gottes,
die Nährerin unseres Lebens".


Heute
wird nach Gottes Willen
aus einer Unfruchtbaren geboren Maria,
die Jungfrau und Mutter Gottes
das unbetretbare Brautgemach
des himmlischen Bräutigams,
bestimmt zum Gefährt des Wortes Gottes.
Deshalb wurde sie vorausersehen
als göttliche Pforte und Mutter des Lebens.

 

 

Texte und Predigten zum Fest:
Geburt unserer hochheiligen Herrin, der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

(8. September) 

Den Reigen der zwölf Hochfeste eröffnet das Fest der Geburt Mariens.

Im Unterschied zu allen anderen Heiligen, deren Feste in Anlehnung an die Martyrerverehrung an ihrem Todestag, ihrem Geburtsfest für den Himmel, begangen werden, feiert die Kirche den Tag der Geburt Mariens — wie auch den des Wegbereiters und Täufers Johannes —, weil bei ihrem Eintritt in die Welt der Menschheit ein heilsgeschichtlicher Neubeginn geschenkt wurde. Nach dem Verständnis der heiligen Schrift ist in den Anfang bereits das Ganze und seine Vollendung keimhaft hineingelegt.

Das Geburtsfest Mariens ist das erste der Feste in dem am 1. September beginnenden Kirchenjahr, dem „Jahreskranz der Güte Gottes“. So soll deutlich werden, dass dieses Fest über alle historischen Erinnerungen hinaus als Markstein in der Heilsgeschichte verstanden werden will. In Mariens Geburt liegt der Beginn des ganzen Heils und der Ausblick auf seine Vollendung. 

Im Weihefest der Kirche der heiligen Anna in Jerusalem ist der Ursprung dieses Festes zu suchen. Die Jerusalemer Gemeinde hatte im 5. Jahrhundert an dem vermeintlichen Ort, wo das Haus von Joachim und Anna gestanden haben soll, eine Kirche errichtet. Sie stand über einer Wohngrotte, die als Geburtsstatte Mariens verehrt wurde.
Im 6. Jahrhundert gelangte das Weihefest der Kirche als Fest der Geburt Mariens nach Konstantinopel und von dort im 7. Jahrhundert nach Rom und ins Abendland. Die heutige Kirche der Hl. Anna, in der Nahe des Stephanustores gelegen, das die Palastinenser auch Marientor nennen, wurde um 1142 von den Kreuzfahrern erbaut. Sie ist wohl die schönste Kirche Jerusalems und erhebt sich über einer Krypta, die seit byzantinischer Zeit als Geburtsort Mariens im Wohnhaus Joachims und Annas bezeichnet wird. Die Kirche liegt direkt neben dem im Johannes-Evangelium erwähnten Teich Bethesda (Haus des Erbarmens), auch Schafteich genannt, weil dort die Schafe für die Opfer im Tempel gewaschen wurden.
Dort heilte Jesus am Sabbat einen seit 38 Jahren gelähmten Mann (Joh 5,2-9).

Die Lokalisation der Wohnung Joachims am Schafteich geht wohl auf die Bemerkung des Protoevangeliums des Jakobus zurück, dass der Vater Mariens Schafhirt gewesen sei. Dieses um die Mitte des 2. Jahrhunderts entstandene apokryphe Kindheitsevangelium, das durchaus historische Begebenheiten verarbeitet, dient der Verherrlichung Mariens; es überliefert auch die Namen ihrer Eltern und erzählt folgendes von ihrer Empfängnis und Geburt:

Als der grosse Tag des Herrn nahte und die Kinder Israels ihre Opfergaben darbrachten, traten sie vor Joachim, und Ruben sprach zu ihm: Es ziemt dir nicht, deine Opfergaben als Erster darzubringen; denn du hast in Israel keine Nachkommen erzeugt! ...

Da wurde Joachim sehr traurig und er zeigte sich seiner Frau nicht, sondern begab sich in die Wüste; dort schlug er sein Zelt auf und fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. ...

Anna, seine Frau, stimmte indessen ein zweifaches Klagelied an und erhob ein zweifaches Jammern: Meine Witwenschaft will ich bejammern und meine Kinderlosigkeit dazu! — Nun kam der grosse Tag des Herrn, und ihre Dienerin Judith sprach zu ihr: Wie lange beugst du deine Seele, da doch der grosse Tag des Herrn nahe ist; da darfst du nicht trauern! ... Anna legte jetzt ihre Trauerkleider ab, wusch sich das Haupt, zog ihre Brautkleider an und ging um die neunte Stunde in ihrem Garten spazieren. Unter einen Lorbeerbaum setzte sie sich und flehte den Herrn an:

Gott unser Vater, segne mich und erhöre meine Bitte, wie du den Mutterleib Saras gesegnet und ihr den Sohn Isaak geschenkt hast! ...

Ein Engel des Herrn trat da zu ihr und sprach: Anna, Anna, der Herr hat deine Bitte erhort. Du wirst empfangen und gebären, und deine Nachkommenschaft wird in der ganzen Welt genannt werden! Da sagte Anna: So wahr der Herr, mein Gott, lebt: Wenn ich gebären werde, sei es ein Junge oder ein Madchen, so will ich das Kind dem Herrn als Opfergabe darbringen, und es soll ihm dienen alle Tage seines Lebens!— Nun kamen zwei Boten und sprachen zu ihr: Joachim, dein Mann, kommt mit seinen Herden; denn ein Engel des Herrn ist zu ihm herabgestiegen und hat ihm gesagt: Joachim, Joachim, Gott, der Herr, hat deine Bitte erhört. Anna, deine Frau, wird empfangen! ... Joachim kam mit seinen Herden, Anna stand vor der Tür; sie sah ihn kommen, lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und sprach: Jetzt weis ich, dass Gott, der Herr, uns reich gesegnet hat. Denn die Witwe ist nicht mehr Witwe, und ich, die Kinderlose, werde empfangen! So geschah es, als Joachim am ersten Tag wieder in seinem Hause ruhte.

Es erfüllten sich Annas Monate, wie der Engel gesagt hatte, und im neunten gebar sie. Sie fragte die Hebamme: Was habe ich geboren? Die antwortete: Ein Mädchen! Da sprach Anna: Erhöht wurde meine Seele an diesem Tag! Als die Tage erfüllt waren, reinigte sich Anna von ihrem Wochenbett, gab dem Kind die Brust und nannte es Maria.

Das Kind wurde von Tag zu Tag kräftiger, und als es sechs Monate alt war, stellte es seine Mutter auf den Boden, um zu sehen, ob es schon stehen könne. Es machte sieben Schritte und kehrte dann zu ihrem Schoss zurück. ... Am ersten Geburtstag des Kindes veranstaltete Joachim ein grosses Festmahl und lud dazu die

Hohenpriester, die Priester und Schriftgelehrten, die Ältesten und das ganze Volk Israel ein. Er brachte das Kind vor die Priester, und sie segneten es: Gott unserer Vater, segne dieses Kind und verleihe ihm einen unter allen Geschlechtern ewig gerühmten Namen!
Und das ganze Volk sprach:
So sei es. Amen!
(Jakobus-Evangelium, 1-6; Hennecke-Schneemelcher, I, 280-282)


Der griechischen Namensform „Maria“ liegt das hebräische „Mirjam“ zugrunde. Moses und Aarons Schwester trug diesen Namen, dessen Bedeutung unsicher ist. Nimmt man einen hebräischen Ursprung des Namens an, konnte er „die Schöne“ bedeuten; leitet man ihn vom Ägyptischen her konnte „die Geliebte“ gemeint sein. Bei orthodoxen Theologen findet sich für Maria die Deutung „Herrin“.

Seit dem Anfang des 8. Jahrhunderts feiert die Kirche am 9. Dezember auch „die Empfängnis der heiligen Anna, der Mutter der Gottesgebärerin“. Von Konstantinopel gelangte dieses Fest im 11. Jahrhundert in das Abendland, wo es in Angleichung an den Tag der Geburt Mariens am 8. Dezember begangen wird und nach der vom 2. Vatikanischen Konzil eingeleiteten Liturgiereform den Titel „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ trägt. Die orthodoxe Christenheit kennt den Glaubenssatz, dass Maria seit ihrer Empfängnis von der Erbsunde bewahrt gewesen sei, nicht, da sie die von Augustinus (354-430) geprägte Erbsündenlehre nie übernommen hat. Auch für die östliche Christenheit ist Maria die „All-heilige“, die durch des Heiligen Geistes Wirken „Begnadete“, wie sie der Engel begrüsste (Lk 1, 28), doch wurde ihr die Heiligkeit entsprechend ihres „Reifens“ gewahrt; selbst unter dem Kreuz wurde sie vom Heiligen Geist geformt, doch die Fülle der Heiligkeit wird ihr erst bei der Vollendung der Schöpfung zuteil. Die orthodoxe Liturgie am 9. Dezember hat vielmehr die von Gott heraufgeführte Zeitenwende zum Inhalt: Die Empfängnis der unfruchtbaren Anna kündet das Ende des alten „unfruchtbaren“ Zeitalters an und den Beginn der neuen Welt- und Heilsordnung, die Gott mit der Zeugung und Empfängnis Mariens eingeleitet hat.

 

Predigt des Hl. Andreas von Kreta

Die heutige Feier ist der Beginn unserer Feste; sie ist das erste der Feste, die auf das Gesetz und die Schatten (des Alten Testamentes) zurückweisen, und zugleich das Tor zu den Festen, welche auf die Gnade und die Wahrheit hinweisen.  …  Geburtstag wird gefeiert und die Neuschöpfung des Menschengeschlechtes. Eine Jungfrau wird geboren, aufgezogen und ausgebildet, und Gott, dem Allkönig der Ewigkeiten wird eine Mutter bereitet.  …  Jede edeldenkende Seele soll sich zum Reigen einfinden, und die Natur soll die Schöpfung zu ihrer Erneuerung und Neugestaltung herbeirufen.
Die Unfruchtbaren sollen schnell herbeieilen; denn die kinderlose und unfruchtbare Anna hat ein Gotteskind bekommen: die Jungfrau. Die Mütter sollen jubeln; denn die unfruchtbare Mutter hat die unversehrte Mutter und Jungfrau geboren.
Die Jungfrauen sollen sich freuen; denn die unbesäte Erde hat auf wunderbare Weise Den geboren, der, ohne sich zu ändern, aus dem Vater hervorgeht.
Die Frauen sollen selbstbewusst sein: denn die Frau, die einst Anlass zur Sünde gab, hat jetzt den Beginn der Erlösung ermöglicht, und die, die einst verurteilt wurde, ist jetzt von Gott erwählt und angenommen worden, die Mutter ohne Zeugung, die Auserwählte für den Schöpfer, die Erhebung des Menschengeschlechtes. Die ganze Schöpfung soll Lieder singen und einen Reigen bilden und ein Geschenk mitbringen, das diesem Tag würdig ist. Eine gemeinsame Feier sollen heute Himmlische und Irdische begehen, und alles, was in der Welt ist, soll sich vereinen bei dem gemeinsamen Fest. Denn heute ist des Allerschaffers erschaffener Tempel erbaut worden, und das Geschöpf wird für den Schöpfer in neuer und angemessener Weise zum göttlichen Palast bereitet. … Wir aber, Gottes Volk, eine heilige Gemeinschaft, eine geweihte Schar, wollen nach väterlicher Sitte das Fest begehen und das Geheimnis und seine Bedeutung in Ehren halten. …

(Andreas von Kreta, Lobrede zu Mariae Geburt; PG 97, 805 A – 817 D)

 

Die Tochter der Gnade

Joachim nahm die ehrwürdige und lobenswerte Anna zur Ehe. Aber wie die Anna im Alten Testament unfruchtbar war und auf Grund ihres Gebetes und göttlicher Zusage Samuel geboren hat (1Sam 1), so empfangt auch diese Anna durch ihr Flehen und auf Grund göttlicher Verheissung die Gottesgebärerin, damit sie keiner der berühmten Frauen nachstehe. So gebiert also die Gnade — denn dies heisst übersetzt Anna — die Herrin, was der Name Maria bedeutet. Sie ist wirklich Herrin geworden über alle Geschöpfe, da sie des Weltenschöpfers Mutter wurde.

(Johannes von Damaskus, Darlegung des orthodoxen Glaubens, IV, 14; PG 4, 157 B)


ALLES seit "Predigt zum Fest" AUS:

Heiser, Lothar: Quellen der Freude (Die Hochfeste der orthodoxen Christen)  (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums

Koinonia – Oriens; Bd. 52), c 2002 Verlag Vluheck, ISBN 3-909103-19-7

 

Text hier aus St.-Andreas-Bote

 



14. September (27.9.)

IPSOSIS tou timion zoopoidon Stavrou (gr.)
WSDWISH. SW. KRST. GOSPOD. (slaw.)
Înălţarea Sfintei Cruci (rum.)

ERHÖHUNG
des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S



Rette, Herr, Dein Volk
und segne Dein Erbe !

Verleihe Deinen Gläubigen
Sieg über die Widersacher !
Und behüte Deine Gemeinde
mit Deinem Kreuz !

Gewähre Sieg über das Böse,
Frieden in Deiner Gemeinschaft
durch die Waffe des Kreuzes,
des unüberwindlichen Siegeszeichens !

Festtagsikone, zeitgen. 20.Jhdt., Adam Russak

Lesungen:
1 Kor 2: 6-9
Gal 6: 11-18
Hebr 3: 1-4
1 Kor 1: 18-24
Gal 2: 16-20

Evangelien:
Mt 10:37-11:1
Joh 3: 13-17
Joh 12:25-36
Joh 19: 6-11, 13-20, 25-28, 30-35
Mt 8:34 - 9:1

Dein Kreuz, o Gebieter, beten wir an,
und Deine heilige Auferstehung verherrlichen wir.

Erzählungen zum Fest
Metr. ANTHONY: Predigt zum Fest
Heiser: Das KREUZ CHRISTI in Geschichte und Gottesdienst:


Das Fest unterstreicht die Zeitenwende des neuen Kirchenjahres:
Die nachpfingstliche Zeit der Erfüllung schlägt um in die vorösterliche Zeit der Erwartung.

Seit dem 7. Jahrhunderts, als Kaiser Heraklios am 3. Mai 628 die Reliquie des Hl. Kreuzes von den Persern zurückholte, wird der Gedenktag der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die Hl. HELENA (Mutter des Kaisers Konstantin) im Jahre 326 in Jerusalem, in der gesamten christlichen Welt gefeiert.
Am Vortag ist das Kirchweihfest der Auferstehungs-Basilika über dem Hl. Grab in Jerusalem, bei deren Bau das Kreuz wiedergefunden wurde und die am 13. September 355 geweiht wurde.


Am heutigen Tag steht im Zentrum der Zeremonien das blumengeschmückte Kreuz, das nach allgemeinen Fürbitten unter "Herr erbarme Dich" - Gebet durch den Bischof oder seinen Vertreter von ganz tief am Boden bis in die höchste erreichbare Höhe gehoben wird und damit der Segen in alle Himmelsrichtungen erteilt wird.
Man gedenkt des "Holz des Kreuzes" und des "Zeichen des Kreuzes" in dem das Heilsgeschehen durch das Kreuz Christi, -d.h. Seinen Tod und Seine Auferstehung- seinen Mittelpunkt gefunden hat, seiner Bedeutung in der Offenbarung des Heilswerkes Gottes für Sein Volk:

- Das Holz des Kreuzes des Baumes im Garten Eden:
Am Kreuz sprießt das neue Leben des himmlischen Paradieses (Gen 2:9-15)

- Das Holz der Arche Noah:
Das Holz des Kreuzes rettet die Sünder, bewahrt sie vom Ertrinken in den Fluten des Todes; birgt sie in der neugestalteten Welt Gottes (Gen 6:9 -9:17)

- Jakob kreuzt die Arme, um die Söhne des Joseph zu segnen:
Aller Segen geht vom Kreuz aus (Gen 48: 8-20)

- Mose streckt seine Arme aus, um das Meer zu öffnen und zu schliessen:
Der Gekreuzigte öffnet durch Sein Pas´cha den Weg in das Reich Gottes und verschliesst die Pforten der Unterwelt (Ex 14: 21 - 29)

- Mose wirft Holz in die Quelle von Mara, um ihr die Bitterkeit zu nehmen:
Das Holz des Kreuzes nimmt die Bitterkeit des Todes (Ex 15: 25-26)

- Moses schlägt mit dem Holz seines Stabes auf den Felsen, aus dem sogleich Wasser hervorströmt:
Wunderbares Leben entspringt dem Kreuz des Herrn (Ex 17: 1-7)

- Der Stab Aarons erblühte:
Am Kreuzesholz erblüht uns das Hohepriestertum Christi (Num 17: 1-10)

- Die eherne Schlange wurde in der Wüste auf einem Pfahl erhöht, so dass jeder von einer Schlange Gebissene, der sie anschaute, nicht starb, sondern am Leben blieb:
Wer auf den gekreuzigten Christus schaut und an Ihn glaubt, wird nicht sterben, sondern das ewige Leben haben (Num 21: 4-9, Joh 19:37)

- Das Volk Israel lagerte am Berge Sinai kreuzförmig um das Bundeszelt:
Das Kreuz ist die Lebensordnung des neuen Gottesvolkes (Num 2: 3-31)

Über diese reiche Tradition soll aber der Zielpunkt, das Opfer des als Mensch im Fleisch geborenen Sohnes Gottes, nicht vergessen sondern hervorgehoben werden.

Siehe dazu:
Predigt
von
Metropolit ANTHONY (Bloom) von SOUROSH (London)



Heute wird erhöht,
der in der Erde verborgen gewesene Baum des Lebens
an den Christus geheftet war.
So wird gefestigt unser Glaube an die Auferstehung.
Hoch erhoben durch des Priesters Hand,
verkündet das Kreuz Seine Auffahrt in die Himmel.
Durch sie wird unsere gefallene Natur erhöht
und in die himmlische Heimat versetzt.
Lasset uns danksagen und rufen:
"O Herr, der Du auf das Kreuz erhöht wardst,
Du hast mit Dir Selbst auch uns erhöht.
Würdige der himmlischen Freude
die Dich in Liebe preisen !"

(aus den Stichirien zu den Laudespsalmen des Festes)



zeitgen.Ikone, Adam Russak bulgarische volkstüml. Ikone;18.Jhdt;Sw.Georgi/Belowo;Schule v.Trjawna

 

 

Erzählungen zum Fest
ERHÖHUNG
des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S


Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"

Zeichen am Himmel vor Rom und Byzanz
Auffindung und Geschichte um das Hl. Kreuz in Jerusalem


In der Kirche wird das Zeichen des Kreuzes schon sehr früh verwendet. Bereits im 2. Jahrhundert ist verbürgt, dass sich Christen mit dem Kreuzzeichen segnen. Das Kreuz, das in vorchristlicher Zeit ein Zeichen für einen schmachvollen Tod war, wurde für die gläubigen Christen zum Zeichen des Sieges über den Tod, den Satan und alle seine Macht.

Die besondere Verehrung des Kreuzes Christi wurde im IV. Jahrhundert unter dem apostelgleichen Kaiser KONSTANTIN dem Großen und seiner Mutter HELENA eingeführt. Das Kreuz des Herrn erschien ihm dreimal im Leben.

  Das erste Mal sah er das Zeichen des Kreuzes während des Krieges gegen den ruchlosen Maxentius, dem Herrscher von Rom, der viel menschliches Blut bei der Wahrsagerei vergoss und den Dämonen eine große Zahl von Kindern, Mädchen und schwangeren Frauen zum Opfer brachte, um seinen trügerischen Göttern zu gefallen. Maxentius führte ein zügelloses und abscheuliches Leben und war in ganz Rom verhasst.
Als Konstantin gegen Maxentius zog, setzte er seine ganze Hoffnung auf Gott. Konstantin hatte nur 25.000 Soldaten, Maxentius ungefähr 200.000. Da er wusste, dass Satan mit seiner Macht auf der Seite des Maxentius stand, begann Konstantin zu dem einen Gott zu beten, der im Himmel und auf Erden herrscht und den alle Christen verehren. Er bat Gott um ein Zeichen dafür, dass der Krieg gegen den ruchlosen Maxentius erfolgreich sein werde.
Als er inständig betete, erschien zu Mittag am Himmel ein aus Sternen bestehendes Kreuz des Herrn, das heller schien als die Sonne. Zusammen mit dem Kreuz war eine Schrift am Himmel zu sehen: " In diesem Zeichen wirst du siegen ", d.h. " Durch das Kreuz wirst du siegen. " Diese wundersame Erscheinung sahen alle Soldaten. Alle waren sehr erstaunt und erschrocken. Viele Soldaten waren Heiden, und für Heiden war das Kreuz ein Zeichen für Unglück und Tod, weil zu jener Zeit auf dem Kreuz Verbrecher und Missetäter starben. Die Krieger fürchteten, dass die Erscheinung des Kreuzes Unglück bedeutete. Konstantin selbst war sehr verwirrt. In der Nacht erschien ihm Christus selbst und wies wieder auf das Kreuz und sagte: " Fertige so ein Kreuz an und lass es vor deinen Kriegern einhertragen, dann wirst du nicht nur Maxentius besiegen, sondern auch alle deine Feinde. quot;
Der Kaiser erzählte seinen Vertrauten von diesem Traum und befahl den Goldschmieden ein Kreuz herzustellen, so wie es vor allen am Himmel erschienen war. Das Kreuz wurde aus Gold gemacht und mit Perlen und Edelsteinen geschmückt. Allen Soldaten befahl er, ein solches Kreuz auf die Waffen, Helme und Schilder zu malen.
Trotz seiner übermacht wurde Maxentius besiegt. Nachdem Konstantin in Rom eingezogen war, dankte er Gott für den errungenen Sieg und befahl, zum Gedächtnis daran in der Mitte der Stadt auf einer hohen steinernen Säule ein Kreuz aufzustellen. Auf dem frequentiertesten Platz der Stadt wurde für Konstantin ein Denkmal mit einem Kreuz in seiner rechten Hand errichtet. Konstantin ließ auf ihm eine Inschrift auf lateinischer Sprache anbringen: " Durch dieses erlösende Zeichen, den wahren Erweis von Mut, errettete und befreite ich eure Stadt vom Joch des Tyrannen und gab nach ihrer Befreiung dem römischen Senat und dem Volk ihren früheren Glanz und ihr Ansehen zurück. "

Das zweite Mal sah Konstantin das Kreuz am Himmel, als er die kleine Stadt Byzanz, das spätere Konstantinopel, belagerte, das dritte Mal als er gegen die Skythen kämpfte. Alle diese großen und siegbringenden Erscheinungen überzeugten Konstantin später, dem Beispiel seiner Mutter, der Kaiserin HELENA zu folgen und sich taufen zu lassen.

  Die fromme Kaiserin HELENA beschloss, sich mit einer grossen Geldsumme nach Jerusalem zu begeben, um dort nach dem Kreuz des Herrn zu suchen. Unterwegs besuchte Helena viele heilige Orte, reinigte sie von der Entweihung durch Götzenbilder und entdeckte die Reliquien vieler Heiliger. Der damalige Patriarch von Jerusalem MAKARIOS empfing die Kaiserin mit gebührenden Ehren. Die selige Helena rief bei der Suche nach dem Kreuz des Herrn Juden zu sich und befragte sie, wo das Kreuz versteckt sei. Alle winkten ab und sagten, dass sie es nicht wüssten. Schließlich zeigte man ihr einen alten Mann namens Judas, den Sohn eines geachteten Propheten, und meinte, er müsse wissen, wo sich das Kreuz befinde. Judas weigerte sich ebenfalls lange, den Ort zu zeigen. Aber schließlich entschloß er sich dazu und brachte alle zu einem großen Hügel aus Erde und Steinen, auf dem der römische Kaiser Hadrian schon vor jener Zeit einen Tempel für die Göttin Venus errichtet hatte. Judas gab an, dass sich genau unter diesem Tempel das Kreuz befinde.
Helena befahl sogleich, den Tempel abzureißen, die Steine wegzuräumen und die Erde aufzugraben. Der Patriarch Makarios verrichtete an dieser Stelle ein Gebet, und in der Luft verbreitete sich ein Wohlgeruch. An dieser Stelle, ein wenig weiter östlich dieses Tempels, wurden das Grab Christi, die Schädelstätte Golgota, drei Kreuze und auch die Kreuzigungsnägel gefunden. Alle waren fassungslos, da sie nicht wussten, welches der drei Kreuze das Kreuz Christi war. Es geschah, dass man zu jener Zeit einen Toten zum Begräbnis vorbeitrug. Der Patriarch Makarios befahl den Trägern stehen zu bleiben, und die Kreuze wurden der Reihe nach auf den Toten gelegt. Als das Kreuz Christi auf ihn gelegt wurde, erwachte der Tote; er wurde durch die Kraft des göttlichen Kreuzes zum Leben erweckt. Die Kaiserin Helena ergriff das ehrwürdige Kreuz mit Freude, küsste es und verneigte sich vor ihm. Dasselbe taten auch alle Kriegsherren und Würdenträgern, Krieger und Bürger. Da aber rings herum viele Leute standen, die das Kreuz des Herrn sehen wollten, befahl die Kaiserin Helena, es allen zu zeigen. Der Patriarch Makarios stellte sich auf den höchsten Platz, erhob das Kreuz und zeigte es allen. Alle Versammelten riefen dabei: " Herr, erbarme Dich ! "

Seit jener Zeit, dem 14. September 335, wird das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert.

Helena nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel an sich, das Kreuz selbst legte sie in eine silberne Truhe und übergab sie dem Patriarchen Makarios, damit er das Kreuz für die kommenden Generationen aufbewahre.
Judas, welcher der Kaiserin Helena den Ort des Kreuzes des Herrn gezeigt hatte, und viele Menschen mit ihm bekehrten sich zum Glauben an Christus. Er ließ sich taufen und nahm den Namen Kyriakos an, d.h. dem Herrn angehörend. Später wurde Kyriakos Patriarch von Jerusalem und erlitt unter der Herrschaft Julians des Apostaten den Märtyrertod.
Die heilige Helena befahl, an den heiligen Stätten in Jerusalem Kirchen zu bauen. Vor allen anderen wurde die Kirche der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus an der Stelle gebaut, wo das Grab Christi und Sein ehrwürdiges Kreuz gefunden worden waren. Sie befahl auch, eine Kirche in Getsemani zu bauen, wo sich das Grab der Gottesmutter befand. Die Kirche wurde zu Ehren ihrer Entschlafung geweiht. Danach ließ die fromme Helena noch achtzehn Kirchen bauen, schmückte sie reich aus, beschenkte sie mit allem für die Verrichtung der Gottesdienste notwendigen Gerät und kehrte erst dann nach Byzanz zurück. Sie nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel mit sich, mit denen die Hände und Füße des Herrn durchbohrt worden waren.
Es muss noch erwähnt werden, wie das Kreuz des Herrn am Beginn des VII. Jahrhunderts durch die Perser geraubt und später zur Freude der Gläubigen wieder nach Jerusalem zurückgegeben wurde.
In Persien herrschte zu jener Zeit Chosrau. Er war sehr kriegerisch und in seinen Schlachten erfolgreich. Chosrau unterwarf Ägypten, Afrika, Palästina und nahm Jerusalem ein, wobei er viele Christen tötete. Die Krieger Chosraus plünderten Jerusalem und entwendeten die kirchlichen Schätze und Geräte. Es wurde auch die Truhe mit dem Kreuz Christi geraubt. Die byzantinischen Herrscher bemühten sich, Chosrau zu besiegen, erlitten dabei aber mehrere Niederlagen. Der Kaiser Herakleios bat Chosrau um Frieden, dieser jedoch lehnte hochmütig ab. Herakleios wurde sehr betrübt und begann, Gott um Seinen Schutz zu bitten. Er befahl allen Gläubigen zu beten, zu fasten und zu wachen, damit sie der Herr vom Feind befreie, der sich stolz damit rühmte, alle Christen zu vernichten, und den Namen Gottes lästerte. Alle beteten darum, dass die Heiden verstünden, dass es nur einen Gott gibt, und nicht sagen könnten: "Wir und unsere Götter sind stark." Die Heiden sollten verstehen, dass niemand der Macht unseres Gottes widerstehen kann. Der Kaiser Herakleios betete selbst unter Tränen und fastete. Dann sammelte er alle Soldaten und zog mit Zuversicht auf Gottes Hilfe gegen die Perser in den Krieg. Herakleios besiegte Chosrau, schlug ihn in die Flucht und siegte im Laufe von sieben Jahren immer wieder über die zahlreichen Reste seines Heeres, die sich weiter zur Wehr setzten. Bald darauf wurde Chosrau von seinem eigenen Sohn ermordet, der selbst Herrscher werden wollte und sogleich einen Boten zu Herakleios schickte, um bei ihm um Frieden zu bitten. Der Friede wurde geschlossen, der Kaiser Heraakleios kehrte als Sieger heim und brachte die Teile des Kreuzes Christi wieder zurück, die vorher von den Persern geraubt worden waren. Das Kreuz hatte sich etwa 14 Jahre bei ihnen befunden. Der Kaiser Herakleios freute sich und pries Gott für Seine Hilfe.
Nachdem er nach Jerusalem gekommen war, legte er die Teile des Kreuzes auf seine Schultern, um sie an ihren früheren Ort zu bringen; er trug das Kreuz, selbst in kostbare, mit Gold und Edelsteinen geschmückte Purpurgewänder gekleidet. Auf seinem Haupt trug er die Kaiserkrone. Als die Prozession zum Tor gekommen war, das auf die Schädelstätte Golgota führte, fühlte Herakleios zu seinem Erstaunen, dass er keinen Schritt weitergehen konnte. Den Kaiser begleitete der Patriarch von Jerusalem Zacharias. Er war mit den Bewohnern der Stadt mit Zweigen von Feigenpalmen der Prozession entgegengekommen und hatte sich ihr angeschlossen. Der Patriarch sah plötzlich einen Engel des Herrn, der im Tor stand und den Kaiser am Weitergehen hinderte.
Der Engel sprach zum Patriarchen:
" Nicht SO hat unser Schöpfer das Kreuz hierher getragen, wie ihr es jetzt tragt. "
Der Patriarch war über diese Worte sehr erschrocken und sagte zu Herakleios: " Wisse, dem, der reich gekleidet und mit kaiserlichen Prunk geschmückt ist, ist es unmöglich, dieses heilige Kreuz zu tragen, das Christus getragen hat, der unseretwegen arm und erniedrigt war. Wenn du das Kreuz tragen willst, so tue es wie der Erlöser. " Der fromme Kaiser legte sein kaiserliches Gewand ab, legte ein einfaches armseliges Gewand an und durchschritt nun ungehindert das Tor mit dem Kreuz und trug es in die Kirche, von wo es von den Persern geraubt worden war, und stellte es auf seinem früheren Platz wieder auf.

 

 

HL. EPHRAIM, DER SYRER:
Durch das HL. K R E U Z...
 

Unser Herr ging uns voran und unterwarf Sich dem Tod aus freien Stücken.
Dies um den Tod gegen dessen Willen unterzutreten.
Weil es der Tod so wollte, ging unser Herr hinaus und trug sein Kreuz. Aber dann erhob Er am Kreuz Seine Stimme und führte die Toten aus der Herrschaft des Todes aus der Unterwelt herauf, sosehr auch der Tod sich dagegen wehrte.

Er, der Sohn des Zimmermanns, richtete Sein Kreuz auf über dem alles verschlingenden Abgrund des Todes und trug das Menschengeschlecht hinüber in das Haus des Lebens.

Weil das Menschengeschlecht beim Verlust des Paradieses durch das Holz des Baumes tief gefallen war, führte Er es nun über das Holz des Kreuzes in das Haus des Lebens.

 

Dir sei Ehre !
 
Du hast Dein Kreuz gezimmert als Brücke über den Abgrund des Todes
damit die Seelen vom Land des Todes -zu dem des Lebens hinüberschreiten können.
 

Dir sei Ehre !

Du nahmst den Leib eines sterblichen Menschen an
und machtest ihn für alle Sterblichen zur Ursache des Lebens.
 

Ja, du lebst !

Denn deine Mörder taten mit dir, wie die Bauern tun:
Sie säten Dein Leben wie Weizen in die Erde.
Aus ihr musstest Du auferstehen,
um viele Menschen zugleich mit Dir zu erwecken.
 


Kommt, lasset uns unsere Liebe als grosses und allumfassendes Opfer darbringen.
Volltönende, reiche Lieder lasset uns singen und Gebete an Den richten,
Der Sein Opfer am Kreuz Gott darbrachte,
um uns alle durch Sein Kreuz reich zu machen.
AMIN !


HL. EPHRAIM DER SYRER, Diakon und Hymnendichter aus Nisibis, heimgegangen 373 in Edessa


 

Das KREUZ CHRISTI in Geschichte und Gottesdienst:

Die Erhöhung
des
ehrwürdigen und lebenspendenden Kreuzes
für alle Welt

zum Fest des 14. September

Die Schande der in Nacktheit erfolgten Hinrichtung und die unmenschlichen Qualen der Kreuzigung geboten den frühen Christen, ihren gekreuzigten Herrn nur mit Worten zu verkündigen: „Während die Juden Zeichen fordern und die Griechen Weisheit suchen, predigen wir Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein ärgernis (skandalon), den Heiden eine Torheit; den Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit" (1 Kor 1, 22-24). Erst nachdem Kaiser Konstantin im Jahr 320 im Hinblick auf Christi Kreuzigung diese Strafe verboten hatte, konnte man daran denken, Christus am Kreuz abzubilden. Doch die Scheu, den Gekreuzigten in seiner Schmach darzustellen, hielt noch lange an. Die älteste erhaltene Darstellung im Westen befindet sich auf der aus afrikanischem Zedernholz um 432 geschnitzten Portaltür von Santa Sabina auf dem Aventin in Rom. Christus steht hier, mit einem schmalen Lendentuch bekleidet, groß und erhaben zwischen den beiden kleiner dargestellten Räubern. Der Ausdruck des Leidens ist gemildert; die geöffneten Augen und die wie zum Gebet ausgebreiteten Arme zeigen ihn als siegreichen, göttlichen Mittler. Aus dem Osten ist als älteste Darstellung des Gekreuzigten eine Buchillustration in dem in Syrien gefertigten Rabbula-Kodex von 586 (heute in der Bibliothek Laurenziana, Florenz) erhalten. Christus trägt dort eine mit Goldstreifen verzierte ärmellose Purpurtunika. Sein seitlich geneigtes Haupt ist vom Schmerz gezeichnet, aus der von der Lanze durchstoßenen Seite fließt Blut; doch die Augen des Toten sind weit geöffnet, um anzudeuten, dass seine Gottheit vom Tod nicht getroffen werden kann.

Anders verhielt es sich mit der Darstellung des Kreuzes ohne die Gestalt des Gekreuzigten, die mit dem Erstarken des Christentums seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts immer häufiger anzutreffen ist. Als Kaiser Konstantin den Sieg über seinen Schwager und Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke bei Rom im Jahre 312 errungen hatte, ließ er ab 315 auch Münzen mit dem Zeichen des Kreuzes prägen, und ab 321 erscheint das Monogramm Christi nach seinen griechischen Anfangsbuchstaben als X P oder in der Form -P- auf den Feldzeichen des Heeres. Besonders das sog. griechische Kreuz mit seinen vier gleich langen Armen fand als Zeichen des Sieges Christi, mit Ornamenten und Gemmen geschmückt, vielfache Verwendung. Als Triumphkreuz zierte es Kirchen, Taufkapellen und Sarkophage. Auch Fußböden wurden reichlich und in großer Vielfalt mit Kreuzen geschmückt, bis Kaiser Theodosios II. (408-450) im Jahr 427 Kreuze auf Fußböden anzubringen verbot, damit niemand auf das Zeichen der Erlösung trete. Doch wurde dem kaiserlichen Dekret nicht überall Folge geleistet. Denn das 6. ökumenische Konzil in Konstantinopel, das sog. Trullanum von 691/2, schärfte im 73. Kanon dieses Verbot unter Androhung des Kirchenausschlusses noch einmal nachdrücklich ein.

Dem Wunsch seiner christlichen Mutter Helena entsprechend, die im Jahr 324 das Heilige Land besucht hatte, ließ Kaiser Konstantin in Palästina mehrere Kirchen errichten, in Jerusalem eine Doppelkirche, die durch einen Atriumshof verbundene Martyrion- und Anastasis-Kirche, durch welche Tod und Auferstehung Christi verherrlicht werden sollte. Die fünfschiffige Martyrion-Basilika wurde am 13. September 335 in Anwesenheit von Kaiser Konstantin von vielen Bischöfen, die von einer Synode in Tyrus (Libanon) gekommen waren, als Mutterkirche aller christlichen Kirchen eingeweiht. Der Fatimiden-Kalif al-Hakim (996-1021), Sohn einer christlichen Sklavin und erfüllt vom Hass gegen alles Christliche, ließ im Jahr 1009 die Doppelkirche plündern und das Grab Christi vollständig zerstören. Um 1048 ließ Patriarch Nikephoros von Jerusalem über der Grabanlage eine neue Rotunde errichten und den Atriumshof zur Kirche umgestalten; sie ist heute die Bischofskirche des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem. Die Kreuzfahrer haben sie nach ihrer Eroberung der Stadt im Jahre 1099 weiter ausgeschmückt. Doch die große Martyrion-Kirche ist bis heute eine unter Schutt und Läden verborgene und von einem koptischen und äthiopischen Kloster überbaute Ruine geblieben.

Um den Golgotha-Felsen neben dem Atrium ist durch Kaiser Konstantin eine Kapelle erbaut worden; offenbar wurde auf dem Felsen ein Kreuz zur Verehrung aufgestellt, von dem man bald annahm, es sei Christi wirkliches Kreuz. Bischof Kyrillos von Jerusalem erwähnt um 348 in seinen Taufkatechesen nicht nur die Verehrung dieses Kreuzes, sondern auch die Verbreitung von Partikeln des Kreuzes in die ganze Welt. Erst um 395 bietet Bischof Ambrosius von Mailand einen legendären Bericht von der Auffindung des Kreuzes Christi durch die Kaisermutter Helena: Unter Schutt und Geröll neben dem Golgotha-Felsen seien drei Kreuze gefunden worden; nachdem sie einer todkranken Frau nacheinander aufgelegt worden seien, erlangte sie Heilung bei der Berührung mit dem wahren Kreuz Christi. Weitere Kreuzeslegenden kamen hinzu: Das georgische Kreuzkloster am Rande von Jerusalem sei an jener Stelle errichtet worden, wo aus einem Schössling von dem Lebensbaum des Paradieses, den Adam mitgenommen habe, jener Baum erwachsen sei, aus welchem Christi Kreuz gezimmert wurde. Durch diese Legende wird symbolhaft und schön die Einheit von Lebensbaum und Kreuzesbaum zum Ausdruck gebracht. Eine weitere Legende deutet die Bezeichnung der Richtstätte von Jerusalem: Auf Golgotha, Schädelstätte, seien die Gebeine und der Schädel Adams beigesetzt worden und das Blut Christi, des neuen Adam, sei, wie häufig auf Ikonen zu sehen, auf sie herabgeflossen, um durch seine Kraft Adam und seine Nachkommen mit neuem Leben zu beschenken.

Nach der Eroberung Jerusalems durch die Perser im Jahr 614 führte König Chosroes II. Abharwez das Kreuz Christi als Trophäe nach Babylon fort. Der oströmische Kaiser Herakleios (610-641) brachte es nach seinem Sieg über die Perser im Jahr 628 feierlich nach Jerusalem zurück. In der Schlacht der Kreuzfahrer gegen das arabische Heer Salah ed-Dins (Saladins) im Jahr 1187 bei Hittim in Galiläa, in der es der Bischof von Bethlehem trug, ging die Kreuzreliquie endgültig verloren. Die Kreuzverehrung aber hatte von Jerusalem aus den Weg in alle morgen- und abendländischen Kirchen gefunden, die am 14. September, am Tag nach der Weihe der konstantinischen Basilika, das Fest der Auffindung des Kreuzes und seiner feierlichen Aufrichtung, seiner Erhöhung, feiern.

Die Feier und die biblische Botschaft

Jede Verehrung des kostbaren Kreuzes gründet im Erlösungsleiden Christi. Vornehmlich im Frühling in der Karwoche und am Karfreitag gedenkt die Kirche dieses Mysteriums und begeht dabei auch die Verehrung des Kreuzes als eines Symbols für Christus selbst. Etwa ein halbes Jahr später am 13. und 14. September feiert sie das Doppelfest der Einweihung der Basilika in Jerusalem und der Aufstellung (Erhöhung) des heiligen Kreuzes auf dem Golgotha-Felsen neben der Martyrion-Kirche.

Am Sonntag vor dem Fest wird die Gemeinde eingestimmt auf das Mysterium des Kreuzes. In der Lesung ruft Paulus den Gläubigen zu, dass es für den Jünger Christi kein Rühmen gebe außer im Kreuz des Herrn (Gal 6, 11-18). Der Menschensohn kündet im Evangelium an, dass er erhöht werden müsse, damit jeder ewiges Leben habe (Joh 3, 13-17).

Am 13. September wird die Schönheit der durch Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena veranlassten Doppelkirche im Festtroparion besungen:

Wie dort oben des Firmamentes Zierde
so hast Du auch hier unten uns die Schönheit
der heiligen Wohnung deiner Herrlichkeit vor Augen gestellt, Herr.
Festige sie für alle Ewigkeit und nimm unsere Gebete an,
welche in ihr ohne Unterlass an Dich gerichtet werden,
 auf die Fürbitte der Gottesgebärerin,
Du unser aller Leben und Auferstehung!

Troparion am 13. September; Anthologion I, 652 f.

Es folgt ein zweites Troparion zu Ehren des heiligen Kreuzes:

Das lebenspendende Kreuz Deiner Güte,
welches Du uns Unwürdigen geschenkt hast, Herr,
tragen wir zu Dir hin als unsere Fürbitte.
Bewahre die Könige und Deine Stadt,
die sich um den Frieden bemühen,
durch die Gottesgebärerin,
Du allein Menschenliebender!
Troparion; Anthologion I, 653

Am Abend zum 14. September beginnt mit dem Großen Esperinos, seinen Hymnen und Lesungen das Hochfest der Erhöhung des heiligen Kreuzes, um dessentwillen dieser Festtag als Fasttag ausgewiesen ist.

Die alttestamentlichen Lesungen weisen typologisch auf die Bedeutung des Kreuzes Christi hin: Mit einem Holz hat Mose beim Zug durch die Wüste das bittere Wasser von Mara für das Volk genießbar gemacht (Exodus 15, 22-16, 1). Jahwes Weisungen, kostbarer als Gold und Silber, sind ein Lebensbaum; sie gewähren langes Leben und Ehre (Sprüche 3, 11-18). Nach Jerusalem, dessen Heiligtum aus Zypressen, Zedern und Fichten vom Libanon errichtet wurde, ziehen die Völker, um Jahwe dort zu verehren (Jesaja 60, 11-16). Aus diesen drei Bäumen, so eine Volksmeinung, war Christi Kreuz gefertigt worden.

Der Esperinos wird fortgesetzt mit der Liti, dem nächtlichen Bittgottesdienst. Zum Altar wird ein Kreuz getragen und dort an die Stelle des Evangelium-Buches aufgestellt. In meditierenden Hymnen des Andreas von Kreta, Andreas von Jerusalem, Theophanes, Anatolios, des Kaisers Leon des Weisen betrachtet die Gemeinde das heilbringende Leiden Christi und seinen Sieg am Kreuz. Zum Abschluss wird das Troparion gesungen; es ist als Bitte formuliert und geht auf die Bedeutung der Hauptstadt des Römischen Reiches ein, deren Könige (Kaiser) seit dem 6. Jahrhundert im Kampf gegen die nichtchristlichen Nachbarvölker, Perser, Araber und Slawen, standen und sich für das Wohl der christlichen Welt verantwortlich wussten:

Rette, Herr, dein Volk und segne dein Erbe!
Sieg verleihe den Königen über die barbarischen Völker
und behüte durch dein Kreuz deinen Staat. 

(Apolytikion; Anthologion 1, 663)

heute beten wir:

Rette, Herr, dein Volk und segne dein Erbe!
Sieg verleihe den Gläubigen über die Widerstände des Bösen
und behüte durch dein Kreuz dein Volk. 

(Apolytikion; Anthologion 1, 663)

Im Orthros erklingen die Hymnen, die das Mysterium des Kreuzes und der an ihm gewirkten Erlösung preisen. Das Evangelium weist hin auf die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen: Die Stimme des Vaters kündet von der Verherrlichung des Sohnes, und er spricht von seiner Erhöhung, durch die er alle an sich zieht (Joh 12, 28-36).

Das Synaxarion bedient sich der legendären Berichte von der KreuzErscheinung vor Kaiser Konstantin und der Auffindung des Kreuzes:

Konstantin der Große, der erste christliche Kaiser, führte einst Krieg um die Herrschaft, wie einige Historiker meinen, bei Rom gegen Maxentius; andere meinen, es sei an der Donau gewesen beim Kampf gegen die Skythen. Als er sah, dass das feindliche Heer stärker war als das eigene, erfasste ihn Ratlosigkeit und Furcht. In dieser Verfassung schaute er am hellen Tage das aus Sternen gebildete Zeichen des Kreuzes am Himmel und eine Schrift in lateinischen Buchstaben; auch sie war aus Sternen gebildet und lautete. In diesem Zeichen siege!

Aus Gold ließ er sogleich das Kreuz, das ihm erschienen war, nachfertigen und seinem Heer vorantragen. Er stieß mit den Feinden zusammen und gewann die Oberhand; die meisten wurden getötet, die anderen ergriffen die Flucht. Da erkannte er die im Kreuz liegende Macht und glaubte an den einzigen wahren Gott.

Nachdem er diesen Glauben durch die Taufe zusammen mit seiner Mutter besiegelt hatte, sandte er sie nach Jerusalem, damit sie das Kreuz Christi auffinde. Sie fand es auch, obwohl es verborgen war, und ebenfalls die beiden anderen Kreuze, an denen die Räuber gekreuzigt worden waren, dazu auch die Nägel. Da die Kaiserin aber im Unklaren war, welches das Kreuz des Herrn sei, wurde es ihr durch eine Wundertat an einer todkranken Witwe offenbart; bei der Berührung mit ihm konnte sie wieder aufstehen. Die beiden anderen Kreuze der Räuber dagegen hatten in dieser Hinsicht nichts erwiesen, kein Anzeichen einer Wunderkraft. Das in der Tat kostbare Kreuz verehrte und küsste die Kaiserin samt ihrer ganzen Begleitung. Das Volk wünschte es auch zu verehren, doch gelang es ihm nicht; aber es forderte, es zu sehen. Da trat Makarios, Patriarch von Jerusalem, hinzu und hob das ehrwürdige Kreuz auf einer Kanzel in die Höhe; das Volk begann da zu rufen. Herr, erbarme dich! Seither gibt es das Fest der Erhöhung.

Dreihundert Jahre später entriss Kaiser Herakleios das ehrwürdige Kreuz den Händen der Perser, die es bei der Eroberung Jerusalems geraubt hatten. Der Kaiser kehrte als Sieger im Triumphzug in die Hauptstadt zurück und erhöhte zudem ein weiteres lebenspendendes Kreuz in der Großen Kirche (Hagia Sophia) in Gegenwart und unter dem Beifall des Volkes von Konstantinopel.  September-Menaion, 139 f.

In den Kirchen der slawischen Tradition folgt nun nach dem Morgenlob die Verehrung des kostbaren Kreuzes, in der griechischen Kirche am Ende der Eucharistiefeier. In der Eucharistiefeier wird anstelle des Dreiheilig gesungen:

Dein Kreuz verehren wir, Herr,
und Deine heilige Auferstehung preisen wir!

Die Lesung bietet den hymnischen Text des Paulus über die Bedeutung des gekreuzigten Herrn: „Wir predigen Christus, den Gekreuzigten ... als Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1, 18-24). Das Evangelium kündet von der Verurteilung Christi zum Kreuzestod und von seiner Hinrichtung (Joh 19, 6-35).

In einer abbildlichen Feier der ersten Kreuzerhöhung in Jerusalem findet vor dem Schlusssegen die Verehrung des kostbaren Kreuzes statt. Der Priester beräuchert mit Weihrauch das Kreuz, das auf einem mit Blumen geschmückten Tablett auf dem Altar liegt, und trägt es, hoch über sein Haupt erhebend, dreimal durch die Kirche, während die Gemeinde das Festtroparion singt. Vor der Ikonostase bleibt der Priester stehen und ruft den Gläubigen zu: Weisheit. Steht aufrecht! Die Gemeinde wiederholt das Festtroparion und ruft ständig wie einst die Jerusalemer Gläubigen: Kyrie eleison!
Der Priester segnet nun, das Kreuz in die vier Himmelsrichtungen von oben herab senkend, die Gemeinde und den ganzen Erdkreis. So wird in diesem feierlichen Segen der Titel des Festes als einer Erhöhung des kostbaren Kreuzes „für alle Welt“ bekundet. Dann wird das Kreuz in der Mitte der Kirche auf das Proskynetarion gelegt, auf dem sonst die Tagesikone zur Verehrung liegt. Die Gläubigen küssen es wie einst zu Jerusalem die Kaisermutter Helena und nehmen eine Blume als Zeichen des Segens mit nach Hause.

Am Sonntag nach dem Fest wird noch einmal das Kreuzmysterium gefeiert. In der Lesung der Eucharistiefeier verkündet Paulus den Galatern, dass der Christ im Glauben an den Sohn Gottes lebt, der ihn geliebt und sich für ihn hingegeben hat (Gal 6, 11-18). Im Evangelium mahnt Christus selbst, dass jeder, der ihm folgen wolle, sich verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen müsse (Mk 8, 34-9, 1).

Heiser,  Lothar, Quellen der Freude, die Hochfeste der orthodoxen Christen (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 52), Gersau CH 2002, S. 295 ff.
Text hier aus: St.-Andreas-Bote











15. August (28.8.)

KOIMISIS tis IPERAGIAS, ENDOXOU, DESPINIS IMON, THEOTOKOU kai AEIPARTHENOU MARIAS (gr.)
USPENIJE PRESW. BOGORODIZ. (slaw.)
ADORMIREA MAICII DOMNULUI (rum.)

ENTSCHLAFEN
der
ALLHEILIGEN GOTTESGEBÄRERIN

Im Gebären
hast du die Jungfräulichkeit bewahrt,

im Entschlafen
die Welt nicht verlassen,

o Gottesgebärerin.

Du bist hinübergegangen zum Leben
die du bist des Lebens Mutter
und durch deine Fürbitten
erlösest du vom Tode unsere Seelen.




Festtagsikone, Syrien-Libanon, Kloster Balamand, Schule v.Aleppo, 18.Jhdt

 

Gedanken zum Fest ...
Ikone und Gebete zum Fest ...
Erzählung zum Fest ...

Dieses Hochfest der Gottesmutter ist für uns Gläubige ein Fest der Überwindung des Todes im Herrn:
Der Tod ist nach seinem Besiegtwerden durch Christus in der Auferstehung nicht einfach aufgehoben.
Er gehört vielmehr als Abschluss des irdischen Lebens zur irdischen Wirklichkeitserfahrung der Gläubigen.
Aber er hat nicht mehr das letzte Wort, sondern ist zum Mittel der Vollendung geworden
- in der Hand dessen, der über Leben und Tod herrscht.

Die in Fürbitten unermüdliche Gottesgebärerin
und in der Fürsprache unerschütterliche Hoffnung
haben Grab und Tod nicht überwältigt;

denn

als die Mutter des Lebens
hat sie zum Leben hinübergeführt,
Er,
der einst in ihrem jungfräulichen Schoße Wohnung nahm.



Das letzte Hochfest des Kirchenjahres wurde zwischen 588 und 602 im byzantinischen Reich allgemein verbreitet.
Es ist das Kirchweihfest der bis heute erhaltenen unterirdischen Kirche im Tal Josaphat in Jerusalem.

Das "Grabtuch" mit der Darstellung der Gottesmutter wird von der Mitte der Kirche nach einer Prozession rund um die Kirche in den Altar gebracht.
Viele jetzt blühende Sommerblumen schmücken die Kirche. Es ist vielerorts in der Orthodoxie ein Volksfest des Jubels und der Lebensfreude.
Denn wirklich freuen kann man sich erst, wenn man selbst dem Tod mit dem Bewusstsein begegnen kann, dass er nicht mehr das letzte Wort hat.


Tausende Gläubige sind auch 2003 wieder zum Festtag des Batschkovo-Klosters gekommen. 
Tausende verbrachten die Nacht vor dem Festtag auf den Wiesen rund um das Kloster und füllten die Kirche und den Hof des Klosters zur Liturgie des Festtags. Trotz seiner angegriffenen Gesundheit zelebrierte Vater Igumen NAUM die Göttliche Liturgie und verteilte danach tausende kleine Ikonen der Gottesmutter an die Gläubigen.
Grosse Freude nehmen die Menschen von diesem Festtag des Klosters mit in ihr Alltagsleben.


 

 

 

  
Bilder vom BATSCHKOVO-Kloster       Information BATSCHKOVO-Kloster       BATSCHKOVO-Kloster

Festtags im Batschkovo-Kloster, Bulgarien
(Pressefoto Vasko Hadzhiivanov von der bulgarischen Zeitung STANDART )

In den Kalendern der orthodoxen Christenheit trägt das Fest nicht den Namen "Himmelfahrt"
wie in der lateinischen Kirche.

Diese Bezeichnung ist ja auch sehr missverständlich.
Nicht vergleichbar ist das Geschehen um die Gottesmutter mit der Himmelfahrt Christi,
des Gottessohnes.



Der Glaube an das Entschlafen der Gottesmutter  - die Beendigung des irdischen Lebens und die Aufnahme in das ewige Leben -   beruht nicht auf einer biblischen Erzählung oder auf einem historischen Zeugnis, das wissenschaftlich nachprüfbar wäre.



Die Orthodoxie hat es nie dogmatisch formuliert.


Die Kirche hat keine Notwendigkeit gesehen, auf dem Glauben an die leibliche Aufnahme des Leibes der Gottesmutters zu bestehen.


Aber auch wenn die Kirche nicht auf einer solchen (inneren oder äußeren) Bekräftigung besteht, so kann man doch sagen, dass das orthodoxe Gewissen eine tatsächliche Verneinung der leiblichen Aufnahme in den Himmel nicht nur als leichtsinnig sondern als eine Gotteslästerung ansehen würde:

Wie kann man auch eine Tatsache leugnen, die über jeder historischen Verifizierung steht ?


Glaube beruht nicht auf dokumentierten Beweisen.


Gläubiges Denken, erleuchtet vom Heiligen Geist, wurde Schritt für Schritt davon überzeugt, dass, wenn "der Lohn der Sünde der Tod" ist,  
Maria einen besonderen Sieg über den Tod verdient hat.


Die Verherrlichung der allreinen und allheiligen Gottesmutter in Seele und Leib   
- und nicht der eine oder andere Symbolismus oder die historischen Umstände -   
sind der eigentliche Gegenstand des Festes.  


Es ist nicht nur das Fest der Gottesmutter,  sondern der ganzen menschlichen Natur.


Denn in Maria hat die menschliche Natur ihr Ziel erreicht.


Dieses Hochfest der Gottesmutter ist für uns Gläubige ein Fest der Überwindung des Todes:


Der Tod ist nach seinem Besiegtwerden durch Christus in der Auferstehung nicht einfach aufgehoben.
Er gehört vielmehr als Abschluss des irdischen Lebens zur irdischen Wirklichkeitserfahrung der Gläubigen.


Grosse Freude nehmen die Menschen von diesem Festtag in den vielen Klöstern   - die dem Entschlafen der Gottesmutter besonders gedenken -   mit in ihr Alltagsleben.

Denn wirklich freuen kann man sich erst, wenn man selbst dem Tod mit dem Bewusstsein begegnen kann, dass er nicht mehr das letzte Wort hat.

Er hat nicht mehr das letzte Wort, sondern ist zum Mittel der Vollendung geworden
- in der Hand dessen, der über Leben und Tod herrscht.


 

Die Tradition dieses Festes schöpft aus einem apokryphen Evangelium
Transitus Mariae Kap. 6-17
ausführlich

Dort wird folgendes erzählt: Kurz vor dem Entschlafen der Gottesmutter sind die in alle Welt zerstreuten Apostel auf wunderbare Weise an das Sterbebett gebracht worden, so dass sie noch mit der Mutter des Herrn wachen und beten konnten.
Auch für uns wichtig ist, dass auch die allheilige Gottesmutter in ihrer Todesnot der Fürbitte ihrer Brüder im Glauben bedürftig war, wie sie dies in dieser Erzählung ausdrückt: "Der Herr hat euch hierher geführt, um mich zu trösten in den Ängsten, welche mich bedrängen müssen. Ich bitte euch, dass ihr alle, ohne zu erschlaffen, mit mir wachen möget bis zur Stunde, da der Herr kommen wird und ich diesen Leib verlassen werde" (Trans Mar 6)

Nach ihrem Dahinscheiden hatten sie die Gottesmutter dann nach dem Befehl des Herrn im Tal Josaphat in einem neuen Grab beigesetzt.
Doch kaum war das Grab mit einem grossen Stein verschlossen, ist der Herr Selbst mit Seinen Heerscharen erschienen, hat den Stein wegwälzen lassen und Seine Mutter mit den Worten ins Leben zurückgerufen: "Erhebe dich, Meine Freundin, du, die du nicht versehrt wurdest durch die Berührung eines Mannes, du wirst auch nicht die Zerstörung des Leibes im Grabe erfahren." (Trans Mar 17)
So hält der Herr auf der Festtagsikone Seine noch in Leichentücher gewickelte Mutter im Arm.
Er ist auch der Herr über das Leben nach dem Tod !


 

Die Entschlafung unserer allheiligen Gebieterin
der Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria

Das dritte der großen Feste des Sommers ist das Gedächtnis der Beendigung des irdischen Lebens und die Aufnahme in das ewige Leben der allheiligen Gottesmutter Maria, das in der liturgischen Sprache "Entschlafung" genannt wird.
Schon in den 2 Wochen vorher werden wir durch eine Fastenzeit (1.-14. August nach neuem Stil, 14.-27. August nach altem Stil) auf das Fest hingeführt. Wenn wir die liturgischen Texte des Festtages hören, dann bekommen wir den Eindruck, dass wir in dem bedeutendsten der Feste stehen, die der Gottesmutter gewidmet sind.

Das Fest fasst das Heilsgeschehen rund um die Gottesmutter noch einmal zusammen. So erzählt uns das Evangelium im Orthros vom Besuch der Gottesmutter bei Elisabeth (Lk 1,39-56). Lesung (Phil 2,5-11) und Evangelium (Lk 10,38-42 und 11,27-28) in der Liturgie sind die gleichen wie am 8. September, dem Tag der Geburt Marias. Man wird bemerken, dass die Perikopen, die am Fest gelesen werden, den Tod der Allheiligen nicht erwähnen. Nur in den Gesängen zu Vesper und Orthros findet man die besondere Bedeutung, die die Kirche dem Fest zuschreibt.

Die Bedeutung ist zweifach und wird genau durch einen Satz ausgedrückt, der zur Vesper gesungen wird:

"DIE QUELLE DES LEBENS WIRD BESTATTET IN EINEM GRABE
- und -
EINE LEITER ZUM HIMMEL WIRD IHR GRAB".


Der erste Teil des Satzes - "die Quelle des Lebens wird bestattet in einem Grabe" - zeigt, dass wir konkret des irdischen Ablebens der Allheiligen gedenken. Wenn wir im Jahr der Kirche jedes Jahr an den entsprechenden Tagen die Gedächtnisse des Ablebens des Vorläufers JOHANNES, der Apostel und der Martyrer begehen, so gibt es noch viel mehr Gründe das Ende des irdischen Lebens der Mutter Gottes zu feiern, die ja auch unsere Mutter ist und deren Heiligkeit und Herrlichkeit viel größer ist als die der Auserwählten.

Aber das Fest ist viel mehr als ein Gedenken an den Tod.

Der zweite Teil des Satzes lautet: "EINE LEITER ZUM HIMMEL WIRD IHR GRAB". Jedes Grab, derer, die uns in ihrem Weg zu Christus vorangegangen sind, kann uns in gewisser Weise eine Leiter werden, die auch uns zum Himmel führt.

Aber im Fall der Gottesmutter Maria kommt noch Außergewöhnliches hinzu. Die gesungenen liturgischen Texte weisen uns darauf hin:


"ERHEBET DIE TORE UND EMPFANGET SIE AUF ÜBERIRDISCHE WEISE,

SIE, DIE MUTTER DES EWIGEN LICHTES,

DENN HEUTE BREITET DER HIMMEL SEINE WÖLBUNGEN AUS, SIE AUFZUNEHMEN.

DIE ENGEL STEHEN IM KREISE UND BESINGEN DEINE ENTSCHLAFUNG, DIE WIR IM GLAUBEN FEIERN"


Hier wird klar, dass es um mehr geht, als nur darum, dass die Seele Marias in den Himmel aufgenommen wird.
Obwohl im byzantinischen Kalender das Fest nicht den Namen "Himmelfahrt" trägt (wie in der lateinischen Kirche), so drückt doch der Text den Glauben an die leibliche Himmelfahrt Marias aus. Nach diesem Glauben erlitt der Leib Marias nicht die Verwesung, die dem Tode folgt. Maria, von den Toten auferstanden, wurde von Engeln zum Himmel getragen (hier weicht die Himmelfahrt Mariae von der Jesu ab, denn Christus fuhr aus eigener Kraft zum Himmel).

Die Himmelfahrt Marias ist außerhalb - und über - der alltäglichen Natur. Der Glaube an die Himmelfahrt Marias beruht nicht auf einer biblischen Erzählung oder auf einem historischen Zeugnis, das wissenschaftlich nachprüfbar wäre. Sie ist auch nicht dogmatisch formuliert. Die Kirche hat bis jetzt noch keine Notwendigkeit gesehen, auf dem Glauben an die leibliche Himmelfahrt zu bestehen. Aber auch wenn die Kirche nicht auf einer solchen (inneren oder äußeren) Bekräftigung besteht, so kann man doch sagen, dass das orthodoxe Gewissen eine tatsächliche Verneinung der Himmelfahrt nicht nur als leichtsinnig sondern als eine Gotteslästerung ansehen würde. Wie kann man auch eine Tatsache leugnen, die nicht der historischen Verifizierung bedarf? Der Glaube an die Himmelfahrt beruht nicht auf dokumentierten Beweisen. Gläubiges Denken, erleuchtet vom Heiligen Geist, wurde Schritt für Schritt davon überzeugt, dass, wenn "der Lohn der Sünde der Tod" ist, Maria einen besonderen Sieg über den Tod errungen hat. In gleicher Weise wie Jesus (auch wenn man hier die Proportionen nicht verschieben darf) wurde sie in ihrem Leib verherrlicht. Die Verherrlichung der allreinen und allheiligen Gottesmutter in Seele und Leib - und nicht der eine oder andere Symbolismus oder die historischen Umstände - sind der eigentliche Gegenstand des Festes

Die Himmelfahrt ist das Fest nicht nur Marias, sondern der ganzen menschlichen Natur. Denn in Maria hat die menschliche Natur ihr Ziel erreicht. Eine Woche nach dem Beginn des liturgischen Jahres, werden wir die Geburt der allheiligen Jungfrau feiern. Jetzt, zwei Wochen vor dem Ende des liturgischen Jahres feiern wir den Tod und die Verherrlichung der allheiligen Gottesmutter.
So also macht der Zyklus des Marienlebens das Schicksal und die Entwicklung einer menschlichen Natur deutlich, die Gott völlig treu ist. Mit ihr wird das Menschengeschlecht erhoben und im Himmel aufgenommen. Die allheilige Gottesmutter hat in der Geschichte der Menschheit eine einzigartige Aufgabe erfüllt, die weit über unsere Vorstellungskraft hinaus geht. Aber die vollkommene Frucht der Gnade, die wir an der Gottesmutter so bewundern, zeigt uns die Entwicklung einer Seele, die sich geöffnet hat, um die Fülle der Gaben Gottes zu empfangen.

Nur zwei Wochen trennen das Fest der Entschlafung der Gottesmutter und das Ende des Kirchenjahres. Der Zyklus des vergangenen Kirchenjahres ist fast vollendet, ein neues Kirchenjahr beginnt am 1. September. Auch während dieses Kirchenjahres werden wieder die Feste von Weihnachten, Ostern, Pfingsten, der Gottesmutter und die Feste der vielen Heiligen auch auf uns zukommen. Machen auch wir uns wie die Gottesmutter bereit die Fülle der Gnade Gottes zu empfangen und sie in uns Frucht bringen zu lassen.

 

unter Verwendung von Ausschnitten aus:
A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace,
A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p. 242 ff.

Text hier aus St.-Andreas-Bote



Festtagsikone, zeitgen. bulgarisch aus Zerkowen Westnik


O welch unfassbares Wunder !
Die Quelle des Lebens wird bestattet in einem Grabe.
Doch das Grab wird eine Leiter zum Himmel.
Freue dich, Gethsemane, der Gottesgebärerin heiliger Garten.
Lasst uns rufen, ihr Gläubigen,
da wir Gabriel zum Anführer haben:
Du Begnadete, sei gegrüsst.
Mit dir ist der Herr,
der durch dich
der Welt gewährt
das grosse Erbarmen.
Sticheron automelon der grossen Vesper



Sie, die niemals ruht im Gebet
Sie, deren Führung und Schutz
uns untrügerische Hoffnung gibt,
die Gottesgebärerin,
durch ihr Sterben und Grab
wurde sie doch nicht überwunden +
Als Mutter des Lebens
hat Er sie in ein neues Leben gebracht,
der einst wohnte
in ihrem immerjungfräulichen Schoß +




O welch unfassbares Wunder !
Die Quelle des Lebens wird bestattet in einem Grabe.
Doch das Grab wird eine Leiter zum Himmel.
Freue dich, Gethsemane, der Gottesgebärerin heiliger Garten.
Lasst uns rufen, ihr Gläubigen,
da wir Gabriel zum Anführer haben:
Du Begnadete, sei gegrüsst.
Mit dir ist der Herr,
der durch dich
der Welt gewährt
das grosse Erbarmen.



Heilig bist Du durch deine Mysterien
als Königin der Himmel wirst du heute verkündet
o Thron des Allerhöchsten
da du nun von der Erde hinübertrittst zur himmlischen Herrlichkeit +
Würdig ist es
dich zu verherrlichen
die Du vom Glanze göttlichen Lichtes leuchtest
o du, voll der Gnade +
Erhebt euch, ihr Jungfrauen
mit der Mutter des Königs zu den Himmeln hinan
Freue Dich
o du, in der Fülle der Gnade
der Herr ist mit Dir
und bringet der Welt die große Gnade dar +




Deinen Tod
verherrlichen
Throne / Fürsten und Gewalten
Herrscher der Engel und geistigen Mächte
unnahbar hehre Cherubim
Schauder erregende Seraphim +

Wir aber
die Erdgeborenen
jubeln im Glanz deiner göttlichen Ehre +
Könige fallen nieder vor dir
und singen gemeinsam mit Engeln und Erzengeln dir den heiligen Gesang
Freue Dich
o Du in der Fülle der Gnade
der Herr ist mit dir
und bringt der Welt die große Gnade dar +



Auf göttlichen Wink
wurden von überall her
die Apostel wie auf Wolken gebracht +
Sie nahen sich deiner unberührbaren
weil Leben gebärenden Lagerstatt
und grüß sie voll Freude +
Es treten hervor
die hocherhabenen, geistigen Himmelsmächte
geleiten den Herrn selbst +
In heiliger Ehrfurcht geleiten sie
deinen makellosen gottempfangenden Leib +
Sie schreiten voran
in überirdischer Ordnung
und unwahrnehmbar rufen sie den himmlischen Mächten zu
Siehe,
die Allherscherin von Gottes Gnade,
ist da +
Öffnet die Tore weit
empfanget in überirdischem Glanze
sie
die Mutter des Lichtes +
Denn siehe,
durch sie
ist den Sterblichen
allgebärendes Heil widerfahren
Sie zu erkennen in Wahrheit
fehlt uns die Kraft
und wir vermögen nicht,
sie gebührend zu ehren +
Sie ist die Allüberragende,
sie übersteigt alles Begreifen +
Darum,
allheilige Gottesgebärerin
Allreine
die du in Ewigkeit lebst mit deinem Sohn
dem König des Lebens
tritt unablässig für uns ein
errette uns
von jedem Anschlag des Feindes
und bewahre dein heiliges / neuerwähltes Volk +

 

 

 


ROM:   Sta. MARIA MAGGIORE   (431-1296)  Konzil v. Ephesos - Jacopo Torriti

 

Die Entschlafung unserer allheiligen Gebieterin
der Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria

Erzählung
nach Transitus Mariae Kap. 6-17

.

Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"


Nachdem der Herr in den Himmel aufgefahren war, lebte die Allreine Jungfrau Maria, die Mutter Gottes und Fürsprecherin aller Christen vor Gott, noch lange inmitten der Apostel und ihrer Nachfolger. Sie freute sich, als sie die Verbreitung der Kirche Christi in der ganzen Welt sah, ihr Herz frohlockte darüber, dass der Ruhm ihres Sohnes bis an die Grenzen der entlegensten Länder drang, und überall, wo der Name Christi verehrt wurde, wurde auch ihrer gedacht, die Ihn geboren und sich in den Tagen des irdischen Lebens um Ihn gekümmert hatte. Alle priesen die Allreine Mutter Gottes, die noch unter den Menschen auf Erden lebte.

Obwohl ihr Leben lange währte, war sie sich dessen bewusst, dass der Zeitpunkt kommen würde, den sie so sehr erwartete - den Körper zu verlassen und zu Gott zu gehen. Es ist uns nicht genau bekannt, wie lange die Allreine Jungfrau gelebt hat: die einen sagen 57 Jahre, andere 63, wieder andere nennen die Zahl 72, aber es ist klar, dass sie ein hohes Alter erreichte. Die Seele der Gottesmutter war immer von einem Wunsch erfüllt - endlich wieder das Antlitz ihres Sohnes zu schauen, in der Herrlichkeit des Himmels. Sie betete unter Tränen zum Herrn, dass Er sie aus dieser Welt des Leids dorthin nehmen möge, wo mit Ihm alle Heiligen frohlocken.

Die Allreine Jungfrau lebte im Haus des heiligen Apostels Johannes, des Theologen auf dem Berg Zion, im Südwesten von Jerusalem, wo sich die Burg von Jerusalem erhob. Von da ging sie oft auf den Ölberg, zum Ort der Himmelfahrt ihres Sohnes. Hier betete sie inständig in Abgeschiedenheit.

Und eines Tages, während die Gottesmutter auf dem Ölberg wieder allein darum betete, dass der Herr ihr das Ende rascher schicken und sie zu Sich in den Himmel aufnehmen möge, erschien ihr der Erzengel Gabriel, welcher der Gottesmutter schon seit den ersten Tagen ihrer Kindheit diente: er hatte ihr Nahrung in den Tempel gebracht, er hatte ihr die Geburt des Sohnes Gottes verkündigt, er beschützte sie immer während ihres Lebens auf Erden. Der lichte und freudige Erzengel Gabriel überbrachte der Gottesmutter die schon lange von ihr ersehnte Kunde, dass sie in drei Tagen zu Christus, Gott gehen werde. Der Erzengel sagte, sie solle nicht betroffen sein und mit Freude seine Worte annehmen, denn dies werde kein Tod sein, sondern der Übergang in ein Leben der Unsterblichkeit, zum ewigen König der Herrlichkeit.

Die Mutter Gottes geriet durch die Worte des Erzengels in unaussprechliche Freude und Begeisterung, denn es war für sie das Freudigste und Angenehmste, im Himmel mit ihrem Sohn und Gott zu wohnen, in Seiner seligen Nähe, Ihn immer vor Augen zu haben.

Vor ihrer Entschlafung wollte die Allreine Gebieterin nochmals alle Apostel sehen, die in der ganzen Welt verstreut waren, um zu predigen. Sie bat den Herrn, dass sie in ihrer Todesstunde nicht den Fürsten der Finsternis - Satan - und seine furchtbaren Diener sehen, sondern dass der Herr selbst, Sein Versprechen erfüllend, kommen und ihre Seele in Seine heiligen Hände nehmen möge.

Nach dem Gebet kehrte die Allheilige Gottesmutter nach Hause zurück; hier erbebte alles, denn mit ihr kam unsichtbar die Herrlichkeit und Kraft Gottes, welche die Gottesmutter umgab, in das Haus. Ihr Gesicht strahlte von der Herrlichkeit Gottes heller als ehemals das Gesicht des Mose, als dieser vom Berg Sinai herabstieg, nachdem er gerade erst Gott gesehen und mit Ihm gesprochen hatte.

Die ruhmreiche Gebieterin begann sich auf ihr Ende vorzubereiten. Zuerst berichtete sie alles dem von ihr an Sohnes statt angenommenen Lieblingsjünger Christi, Johannes. Dann erzählte die Gottesmutter auch allen übrigen von ihrem bevorstehenden Heimgang.

Der heilige Johannes der Theologe schickte sofort Boten zum heiligen Jakobus, dem Apostel und Bischof von Jerusalem, und auch zu allen Verwandten und Bekannten und benachrichtigte sie über den bevorstehenden Heimgang der Gottesmutter und auch den Tag.

Der heilige Jakobus beeilte sich, davon alle Christen zu verständigen, die nicht nur in Jerusalem, sondern auch in dessen Umgebung und sogar in anderen Städten wohnten. So versammelten sich bei der Gottesmutter mit dem Bischof von Jerusalem eine Vielzahl von Menschen, Verwandten und gläubigen Christen, Männer wie Frauen.

Die Allreine Gebieterin vermachte ihre Gewänder zwei armen Witwen, die ihr zeit ihres Lebens gedient hatten, und bat, ihren Leib im Garten Getsemani zu begraben, am Fuße des Ölbergs, unweit von Jerusalem. Dort befanden sich das Grab Joachims und Annas, ihrer Eltern, und auch das Grab Josefs, mit dem sie verlobt gewesen war. Diese Gräber befanden sich am Rande des Tales Josafat, das zwischen Jerusalem und dem Ölberg lag. In diesem Tal wurden gewöhnlich arme Bürger bestattet.

Während die Gottesmutter diese Anweisungen gab, vernahm man plötzlich ein Tosen, das an Donnergrollen erinnerte, und Wolken hüllten das Haus Johannes des Theologen ein. Gemäß Gottes Befehl ergriffen Engel die Apostel in den verschiedenen Ländern, wohin sie gegangen waren, um das Evangelium zu predigen, und brachten sie nach Jerusalem zum Haus der Gottesmutter. Die Apostel freuten sich, als sie einander sahen, waren aber unschlüssig, wozu sie der Herr versammelt hatte. Der heilige Johannes der Theologe erklärte ihnen, dass für die Gottesmutter die Zeit gekommen sei, zum Herrn zu gehen.

Am dritten Tag, in der dritten Stufe erfüllte ein göttliches Licht das Zimmer, in dem die Gottesmutter auf ihren Heimgang wartete. In diesem Licht kam der Herr Jesus Christus selbst mit einer Vielzahl von Engeln und Erzengeln herab. In einem leichten Schlaf übergab die Allheilige Jungfrau ihre Seele in die Hände ihres Sohnes.

Nachdem die Apostel ihren Abschied von der Mutter Gottes auf Erden beweint hatten, schickten sie sich an, ihren allreinen Leib zu begraben. Der feierliche Begräbniszug ging von Zion durch ganz Jerusalem nach Getsemani. Auf dem Weg dorthin kam es zu einem Zwischenfall. Der jüdische Priester Jephonias wollte aus Eifersucht und Hass gegen die Gottesmutter die Bahre umwerfen, auf welcher der Leib der Allheiligen Jungfrau lag, aber ein Engel des Herrn hackte ihm unsichtbar die Hände ab.

Als er dieses Wunder sah, bereute Jephonias, seine Sünde wurde vergeben, und er wurde geheilt. Dieses Ereignis stellen die Ikonenmaler oft auf den Ikonen von Mariä Entschlafung dar.

Der Apostel Thomas, der nicht am Begräbnis teilgenommen hatte, kam erst am dritten Tag nach der Entschlafung der Mutter Gottes nach Jerusalem. Als er mit den Jüngern zum Grab in Getsemani kam, stellte sich heraus, dass der Leib der Allreinen Jungfrau nicht mehr dort war. Die Allreine Jungfrau war zusammen mit ihrem Leib von ihrem Sohn und Gott in den Himmel aufgenommen worden.


Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"

 

6. August (19.8.)


METAMORPHOSIS (gr.)
PREOBRAZHENIE (slaw.)
SCHIMBAREA (rum.)



VERKLÄRUNG

unseres Herrn, Gottes und Erlösers
JESUS CHRISTUS

 

Du wurdest verklärt
auf dem Berge,
Christus Gott,
und zeigtest Deinen Jüngern
Deine Herrlichkeit,
soweit sie diese
zu ertragen vermochten.

Lass strahlen
auch uns Sündern
Dein ewiges Licht,
auf die Fürbitten
der Gottesgebärerin,

Lichtstrahlender
Ehre Dir !





 

 

Evangelium:

Mt 17: 1-9
 

Das Hochfest der "Methamorphosis" geht vermutlich auf die Kirchweihe der im 4. Jahrhundert von der Kaiser-Mutter, der Hl. HELENA gestifteten Kirche auf dem Berg Tabor zurück.


Als Zeichen der Hoffnung auf eine verklärte Schöpfung bringen heute die Gläubigen die gereiften Früchte,
die in der Kirche gesegnet und nach dem Gottesdienst grosszügig an alle verteilt werden.


 

(Pressefoto der bulgarischen Zeitung STANDARD; Fotograf: Viktor Levi)
Festtagsgottesdienst in Sofia, Bulgarien


So wie 2003 hier in der Kathedrale Sv. NEDELJA in SOFIA, BULGARIEN haben die Gläubigen die verklärte Natur in Form von Früchten zum Dank an den Schöpfer und zum Segnen zum Wohle der Menschen in die Festtagsliturgie mitgebracht.
Im Norden Europas segnet man Äpfel, im Süden Trauben.

 


Das Hochfest der Verklärung weist uns auf Sinn und Ziel unseres Lebens und der ganzen Schöpfung hin
und macht uns wie den Aposteln Mut mit diesem Ziel vor Augen auch schmerzhafte Schicksalsschläge überstehen zu können.


 

Die Jünger schauten Deine Herrlichkeit, soweit sie diese zu ertragen vermochten,
auf dass sie das freiwillige Leiden zu erkennen vermöchten,
wenn sie Dich gekreuzigt sehen,
der Welt aber verkündend,
dass Du in Wahrheit bist
der
Abglanz des Vaters.

 

Festtagsikone, Syrien-Libanon, 19.Jhdt,mit arab.Schrift


Wie bei einer Bergwanderung im Nebel bisweilen der blaue Himmel durchbricht und einen Blick auf den noch zu erklimmenden sonnenbestrahlten Gipfel freigibt, so wurde den Jüngern hier auf dem Berg Tabor für einen kurzen Augenblick etwas von der Herrlichkeit der Schau Gottes erfahrbar, zu der zu gelangen die Bestimmung und die Sehnsucht unseres christlichen Lebens ist.

Diese werden wir erreichen, wenn wir im geduldigen Aufstieg durch Leiden und Mühen das Ziel nicht aus dem Sinne lassen, auch wenn es uns meist durch die Nebel unseres Alltags verdeckt ist. Was aber im Nebel zumeist verborgen bleibt, ist jetzt schon und nicht erst in Zukunft die unvergängliche Wirklichkeit.

Darum war es den orthodoxen Mönchsvätern im 14.Jahrhundert (u.a. der Hl. GREGOR PALAMAS) wichtig,
in Auseinandersetzungen mit westlichen pseudohumanistischen Realismusideen festzuhalten, dass das von den Jüngern auf dem Berg Tabor geschaute Licht nicht nur ein psychologisch erklärbares Phänomen war, sondern Gott, das ungeschaffene Licht Selbst, das am Ende unseres Lebens von uns allen erfahren werden wird - in dem Masse, wie ein jeder dazu bereit sein wird.

Darauf spielt unser Festtropar an, und der Hl.EPHRAIM der Syrer (306-373) bezeugt es in einer seiner Hymnen mit den Worten:

 

+
Wie ein jeder das Auge im Diesseits gereinigt hat,
so wird er dort schauen können
die Herrlichkeit des Allerhöchsten.
+
Wie ein jeder das Ohr im Diesseits geöffnet hat,
so wird er dort vernehmen
Seine Weisheit.
+
Wie ein jeder sein Inneres im Diesseits weit gemacht hat,
so wird er dort aufnehmen können
von Seinen Schätzen.
 

 

Hirmos der Oden des Kosmas Monachos im Orthros zum Fest der Verklärung Christi
 



Schimbatu-Te-ai la fata, in munte, Hristoase Dumnezeule,
aratand ucenicilor Tai slava Ta, pe cat li se putea;
straluceasca si noua, pacatosilor, lumina ta cea pururea fiitoare,
pentru rugaciunile Nascatoarei de Dumnezeu,

Datatorule de lumina, slava Tie!

 

 

Verklärte Natur: KLOSTER VERKLÄRUNG CHRISTI, BULGARIEN
zu ähnlichen Beispielen von Harmonie zwischen Natur und Kirche

 

 


 

 





27. Juli (10.8.)

Siebenzahl der Hl. Erleuchter Bulgariens
Sveti Sedmotschislenizi, die Siebenzahl der Erleuchter Bulgariens / 19.Jhdt, Hl.Alexander Nevski Kathedrale, Sofia, Bulgarien

Pluralität in den Heiligen: Viele Festtagsikonen zeigen eine Versammlung von Heiligen. Die Siebenzahl der Heiligen Erleuchter Bulgariens, Sveti Sedmotschislenizi, ist deutliches Beispiel. Schon die Heiligen Brüder KIRIL und METHODIJ ergänzen einander in ihrer Verschiedenheit: Kiril - der Philosoph und Hofgelehrte der Völkerkunde Konstantin / Methodij - der zivile Verwaltungsspezialist und spätere kirchliche Hirte und Bischof. Aber selbst diese ideale Konstellation menschlicher Qualitäten hätte nicht gereicht um das Evangelium unter den Slawen zum Sieg zu führen. Erst mußten die Heiligen Brüder ihre Weisheit an ihre Schüler weitergeben. Diese Schüler mußten aus Mähren vertrieben werden damit der Hl. KLIMENT und der Hl. NAUM das geistliche Erbe am See von Ochrid zur Reife bringen konnten. Der Hl. Bischof von Maehren GORASD wurde unter dem Einfluss der westlichen Kirche mit brutaler Gewalt vertrieben und starb kurz nachdem er das Bulgarische Gebiet erreicht hatte. Die Hl. Mönche ANGELARIJ und SAVA stehen stellvertretend für Tausende von begeisterten bulgarischen Christen, die unter dem ersten christlichen Zaren des ersten Bulgarenreiches das Fundament an geistlichen Texten in slawischer Sprache schufen, die dann die Christianisierung des weiten Raumes der Kiewer Rus´ ermöglichte.
All-Orthodoxe Versammlung, Sofia 1.10.1998

Pluralität in der Kirche:
Der Heilige Geist leitet wie heute (oben, beim All-Orthodoxen Konzil in Sofia, Bulgarien,
1.10.1998) seit der Zeit der Apostel im Prinzip der Pluralität die Kirche (unten, 1. Oekumenisches Konzil von Nikaia (325)).

Ikone: Väter des 1. Oekumen. Konzils / Bulgarien 1829

Wie auf der Ikone des Konzils dargestellt, wird das Kollegium der Bischöfe durch die vielgestaltigen Kirchenväter ergänzt, die nicht Bischöfe sind. Stellvertretend für sie sind auf der Ikone unter anderem der Hofgelehrte des Kalifen von Damaskus mit Turban - unser Heiliger Hymnograph Johannes von Damaskus und mit dem Korb als Kopfbedeckung und der feurigen Rede der Heilige Spyridon, der wortgewaltige Verteidiger des orthodoxen Glaubens zu erkennen.
Dass Pluralität auch bedeuten kann, dass ein einzelner Mensch eine solche Fülle nicht mehr fassen kann, mag uns das Beispiel des Kaisers, des weltlichen Herrschers der damaligen Oekumene zeigen, der sichtbar überfordert in der Mitte der Ikone zu erkennen ist.

Christi Auftrag an die Jünger
zum Fest
Versammlung der Heiligen Zwölf Apostel

nach einer Predigt Unseres Vaters unter den Heiligen JOHANNES CHRYSOSTOMOS (Mund der Goldenen Worte)
32,2.4.6f; 33,1; PG 57, 379-389


Der Herr ging in Städte und Dörfer und betrat die Synagogen der Juden ...
Er wartete nicht etwa, bis die Kranken zu ihm kamen, sondern ging selbst zu ihnen, um ihnen zwei ganz große Wohltaten zu erweisen:
Erstens, um ihnen (als Perpektive) die frohe Botschaft vom Gottesreich zu verkünden,
zweitens, um sie aus den Krankheiten der Welt aufzurichten . ...

Um nicht alle selbst an sich zu ziehen, sandte er seine Jünger aus; doch nicht nur deshalb; er wollte die Jünger auch unterweisen, sich in Palästina wie auf einem Sportfeld zu üben, um so für das Ringen in der ganzen Welt gerüstet zu sein...

Bei allen Verschiedenheiten in der Welt wird der Friede zum hohen Wert

Christus bezeugt mit den Worten: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27) dass der Friede etwas Großes ist.
Alles müssen wir tun, um des Frieden zu erhalten - in der Gemeinschaft und in der Kirche.
In der Kirche entströmt der Friede der Göttlichen Liturgie, in der wir mit Gott in Seiner Herrlichkeit aber auch vor Gott mit unseren Mitmenschen verbunden sind. Dieser Friede aus der Liturgie stärkt uns dafür den Frieden auch im Alltag zu bewahren.

Den Frieden der Göttlichen Liturgie soll man versuchen mit ganzem Herzen aufzunehmen, erst im Geist, dann im Mahl.
Wenn es schon ein schwerer Mangel ist, nicht für die Teilnahme am Mahl vorbereitet zu sein, um wieviel unverschämter ist es dann, den abzuweisen, der dir den Frieden zuspricht.

Deinetwegen ist der Priester hier; deinetwegen steht dort der Lehrer, arbeitet und müht sich ab. Welche Entschuldigung hast du, wenn du nicht einmal die Bereitschaft hast, ihm zuzuhören?

Die Kirche ist ja das gemeinsame Haus aller Gläubigen; doch erst wenn ihr vor uns eingetreten seid, ziehen wir ein; wir folgen damit dem Beispiel der Apostel. Deshalb entbieten wir gleich nach dem Einzug allen gemeinsam den Frieden entsprechend jener Vorschrift (im Evangelium).

Keiner stehe also gelangweilt da, keiner sei mit anderen Dingen beschäftigt, wenn Priester und Lehrer eintreten ...

Ich selbst möchte tausendmal lieber unbeachtet bleiben, wenn ich bei euch ins Haus eintrete, als daß man mir hier bei meinem Friedensgruß nicht zuhört; das wäre für mich viel schwerer zu ertragen.
Denn dieses Haus der Kirche ist bei weitem bedeutsamer. Hier sind uns ja die großen Schätze hinterlegt; hier werden uns die großen Hoffnungsgaben zuteil. Was ist denn hier unbedeutend?
Dieser Tisch des Altares ist weit wertvoller und teurer als jeder andere; diese Lampe erhabener als jede andere.
Das sollten wir alle wissen, die im Glauben und zur rechten Zeit mit Öl (aus ihr) gesalbt worden sind und von den Krankheiten der Welt befreit wurden...
Wenn wir auch in allen anderen Dingen Bettler und arme Menschen sind, so sind wir doch in diesen Gaben reich.

Deshalb nehmt uns hier mit Liebe auf, wenn wir bei euch eintreten.
Und wenn ich sage: »Der Friede sei mit euch !« dann antwortet: »Und mit deinem Geiste ! «
Antwortet nicht nur mit den Lippen, sondern auch mit dem Herzen, nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit der Gesinnung.

Wenn du hier sprichst: Friede auch mit deinem Geist !, draußen aber streitest, angreifst und verleumdest, hinterrücks mit tausendfachen Schmähungen einseifst, was ist das denn für ein Friede?

Magst du auch tausendmal schlecht über mich reden, ich gebe dir den Frieden mit reinem Herzen und in lauterer Gesinnung. Niemals kann ich Schlechtes über dich sagen; habe ich doch das Herz eines Vaters. Wenn ich einmal tadeln muss, tue ich es aus Sorge . ...

Beachtet mir auch, was für Menschen das waren, die diese strengen und schweren Gebote zu hören bekamen: Arme und einfache Männer, die nicht schreiben und lesen konnten, die nirgendwo bekannt waren, die sich nie mit den Gesetzen der Welt befassten, die sich vielleicht nicht mal in öffentlichen Versammlungen hervortaten, Fischer und Zöllner, mit tausenderlei Armseligkeiten behaftet.

Wenn aber ein solcher Auftrag schon die hohen und großen Leute verwirren kann, wie sollte er nicht jene niederschmettern und erschrecken, die völlig unerfahren waren und nie und nimmer von Amt und Würde geträumt hatten? ...

Was für ein Trost hatten sie bei alldem denn?

Die Macht dessen, der sie aussandte!
Deshalb hat auch der Herr in seiner Rede allem anderen dies vorangestellt: »Seht, ich sende euch!«

Das genüge zu eurer Beruhigung, das genüge zu eurer Ermutigung, damit ihr ohne Furcht seid vor denen, die euch anfeinden.



27. Juli (9.August)


Hl.Gr.Martyrer und Arzt PANTALEIMON
im Westen: PANTALEON
Uneigennützig bis zum Blutzeugnis
pflegte er die ihm von Gott verliehene
Gabe der Heilung

Auf die Fürbitten des Hl. PANTELEIMON
Schöpfer, HEILE uns !

2. August (15.August)
Auffindung der Hl.Reliquien
Jerusalem - Konstantinopel (428)
.
Hl. Erstmartyrer und Erzdiakon STEFAN
Erster Blutzeuge für den Glauben der Kirche:
"...Ich sehe den Himmel offen
und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen ."
Apg 6:5 -7:60




20. Juli (2.8.)

Hl. Prophet ELIAS

ELIAS, den Thesbiter,
hast Du,
Barmherziger,
von der Erde hinweggenommen,
auf dem Feuerwagen,
o Logos


Auf seine Bitten
errette uns,
die wir
gläubig Dich lobpreisen
und in Freude begehen
sein gotterfülltes und
ehrwürdiges Gedächtnis.



Festtagsikone Bulgarisch .Jhdt.

Prophet ELIJA in der Ikonenmalerei

Nicht im Beben der Erde,

sondern im linden Lufthauch,

hast du geschaut
gottseligster ELIAS, das Kommen Gottes,
das einstens dich hat erleuchtet.
 

 

Възнесението на св. пророк Илия и три сцени от живота му. Икона от 1850 г. от църквата "Св. Димитър" в с. Тешево край Банско

Auf dem Wagen aber bist du vierspännig einhergefahren
und hast den Himmel durchquert
auf ungekannte Weise.
Gottbegeisterter, mit Staunen betrachtet.




Der Hl. ELIAS (eli-JA: " Mein Gott ist JAHWE )" war ein mutiger Kämpfer für den Glauben an JAHWE, den einen wahren Gott.
Er wird auch Thesbiter genannt, weil er aus Tischbe in Gilead kam, einem rauhen Bergland im heutigen Ostjordanland beidseits des Flusses Jabbok.
Er lebte im 9. Jahrhundert v. Chr. zur Zeit des Königs Ahab (871 - 852 v.Chr.).
Von seinem Leben und Kampf gegen den " Baalkult " berichten uns die Bücher der Könige des Alten Testaments. König Ahab hatte, unter dem Einfluss seiner heidnischen Frau, in der Hauptstadt Samarias einen Baalstempel errichten lassen und war vom Glauben an den einen Gott der Väter abgefallen. Der Hl. Prophet ELIAS kündigte dem König eine grosse Dürre als Strafe Gottes an und kämpfte sein ganzes Leben lang für den einen Gott des Volkes Gottes und mit Gottes Hilfe gegen die vom Glauben abgefallenen Machthaber und falsche Propheten des Heidentums. Mehrmals auf der Flucht vor der Staatsmacht, wurde er immer wieder vom Herrn bestärkt, von Raben und später sogar von Engeln des Herrn versorgt.

Dieses mutige Auftreten gegenüber den Mächtigen und Gottes an ihm erwiesene Fürsorge machte den Heiligen ELIAS zu einem in allen orthodoxen Völkern sehr verehrten Volksheiligen.


Am Jordan gebietet der Hl. Elias, wie Moses in Gottes Namen dem Wasser, ein Zeichen, dessen wir orthodoxe Christen auch heute bei jeder grossen Wasserweihe gedenken. Am Ende seines Lebens sandte ihm Gott einen feuriger Wagen, von feurigen Rossen gezogen und der Hl. ELIAS fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.



Festtagsikone Bulgarisch .Jhdt.



Folgender Text
von Hypodiakon NIKOLAUS Thon: "Vierspännig auf dem Feuerwagen, der Prophet ELIJA und seine Darstellung in der Ikonenmalerei" in: Hagiographie, Studien zum Heiligenbild der Orthodoxen Kirche, Typos-Verlag, Herten 1992


hier aus:
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Hl. Prophet ELIAS
- Heiliger der Christenheit nach dem Zeugnis der Kirchenväter


Die Verehrung des alttestamentlichen Propheten ist nicht allein auf volksreligiöse Überlieferung beschränkt, sondern korrespondiert mit der Aufmerksamkeit, die seiner Gestalt schon die meisten der altkirchlichen Theologen widmeten, und zwar sowohl die griechischen wie die orientalischen wie auch die lateinischen Kirchenväter.
So lassen sich in der gesamten patristischen Literatur ungefähr 3000 auf den Hl. ELIJA hinweisende Stellen nachweisen. Einige zählen ihn einfach in einer langen Reihe anderer biblischer Personen - besonders Propheten - auf, etliche aber beschäftigen sich ausführlich mit seinem Leben und Wirken und vor allem mit dessen christlicher Deutung. Allein beim hl. Gregorios dem Theologen (329/330-390) finden wir 40 solcher Erwähnungen. Die wohl früheste christliche Würdigung des Propheten finden sich im 1. Klemensbrief (17:1):
" Wir wollen Nachahmer sein auch derjenigen, die in Ziegen- und Schaffellen einherzogen und die Ankunft Christi verkündeten: Wir meinen die Propheten Elija, Elischa und dazu noch Ezechiel, die von Gott ein gutes Zeugnis erhalten haben. "
Auch nach dem Abschluss der patristischen Zeit im engeren Sinne haben immer wieder bedeutende Autoren - vor allem im griechisch-byzantinischen Raum - ihre Aufmerksamkeit dem Tischbiter zugewandt, so beispielsweise Kaiser Leo VI. der Weise (886-912), der nicht genau zu datierende Metropolit Theophanes Protothronos, ein nicht näher identifizierter Mönch Joannes oder der Kämpfer gegen die Pseudo-Union von Florenz und Bischof von Ephesos, der Hl. MARKOS EUGENIKOS (um 1380 - nach 1453), von denen alle - teilweise bis heute nicht editierte - Homilien, Enkomien oder Kommentare zum Hl. ELIJA, dem Tischbiter stammen. Sieben nehmen einen besonderen Platz ein, die von verschiedenen Manuskripten byzantinischer Homiliare als Lesungen für den Festtag des Hl. Elija, den 20. Juli, angegeben werden: je eine dem Hl. JOHANNES von DAMASKOS, dem Hl. EPHRÄM dem SYRER und dem Hl. BASILEIOS von SELEUKIA sowie vier dem Hl. JOANNES CHRYSOSTOMOS zugeschriebene Homilien. Dabei gehen die Autoren nicht nur in ihren theologischen Ausdeutungen von Gestalt und Werk des Propheten über den biblischen Textbefund hinaus, sondern auch in ihren biographischen Angaben zum Hl. ELIJA. Quelle hierfür dürften neben lokalen Überlieferungen auch ausser- oder nachbiblische jüdische Traditionen gewesen sein, die in den Midraschim Aufnahme gefunden haben.

So zur Geburt des Propheten (dem Hl. JOHANNES von DAMASKOS oder dem Hl. EPIPHANIOS von KRETA zugeschrieben, aus dem 11. Jahrhundert):
" Dieser aber, der heilige Mann Gottes, gehörte zum Stamme Aarons und war in Arabien geboren. Im Augenblick seiner Geburt, da er begann hervorzukommen in das Licht, schaute sein Vater weissgekleidete Männer, die ihn in feurige Windeln wickelten und ihm eine Feuerflamme zu essen gaben. Als er dieses den Priestern erzählte, antworteten sie ihm: ´ Das Kind wird gross werden für Gott, wird immer von Licht erfüllt sein, und er wird Israel richten mit dem Schwert und dem Feuer. ´ Und sie nannten ihn den Tischbiter, da Tischbe die Stadt war, die bei der Teilung den Priestern zugefallen war. Dort also lebte er und übte die Tugend von Kindheit an und liess seine Seele durch die brennende Gnade des Geistes einer Flamme ähnlich werden. Niemand konnte bestreiten, dass dieser Mann so machtvoll wurde wie eine Flamme, ein Schwert, das Feuer und das Wasser und all die anderen Wundertaten; für sich konnte er sie erlangen, und anderen konnte er sie senden nach seinem Wohlgefallen. "


In anderen Quellen wird der Vater des Hl. Elija ´Sobak´ genannt, und vor allem die syrische Tradition sieht - ausgehend von dem persischen Weisen Aphrahat (Darlegungen 15,5) - in Elija selbst einen Angehörigen des Priesterstandes. Auch hier dürfte der Ursprung der Überlieferung im Judentum zu suchen sein, wo die Priesterschaft des Propheten von einigen, allerdings nicht von allen rabbinischen Schriften behauptet wird, die ihn als Nachkommen Levis sehen und seine Genealogie auf Lea zurückführen.

Die verschiedenen Ereignisse aus dem Leben des Propheten werden von etlichen Vätern allegorisch bzw. typologisch gedeutet: So sieht man:

- im vertrockneten Bach Kerit einen Hinweis auf das seiner Lebenskraft beraubte Gesetz Israels

- im Gang nach Sarepta den Weg des Evangeliums zu den Heiden

- Elija´s Fortgehen aus Israel als Zeichen der Abkehr Gottes vom jüdischen Volk

Die übergabe des Mantels an Elischa wird als Präfiguration der Ausspendung der Gnade Christi an Seine Jünger interpretiert und
die Teilung des Jordanwassers als ein Hinweis auf die christliche Taufe.

Besonders reiche symbolische Deutung erfahren naturgemäss das Opfer auf dem Karmel, der Aufenthalt auf dem Horeb und die Auffahrt.

Das Opfer auf dem Karmels wird - so beispielsweise von Gregorios von Nyssa in seinem Tauftraktat - als ein Hinweis auf die Taufe verstanden:

Das Feuer ist der lebendigmachende Geist, der die Gottlosen verbrennt und die Gläubigen erleuchtet.

über die Auffahrt in ihrer prophetischen Funktion sagt schon Irenaios von Lyon:

Auch ELIJA wurde in seiner leiblichen Wesenheit hinweggenommen, prophetisch hinzeigend auf die Himmelfahrt der Geistigen !"

ähnlich vergleichen auch Papst Gregorius der Dialoge und Isidorus die Auffahrt des Propheten mit derjenigen Christi.

Allerdings verweisen auch einige Väter deutlich auf die wesensmässigen Unterschiede beider Auffahrten.
So betonen sowohl Joh.Chrysostomos wie Gregorius die grundlegende Differenz:


Während ELIJA nur mit fremder Hilfe emporgeführt wurde, nämlich als "Knecht" mit Hilfe des Wagens,
fuhr CHRISTUS aus eigener Kraft und ohne ein entsprechendes Gefährt zum Vater empor.


Auch der am Ende der Zeiten wiederkehrende ELIJA findet gelegentlich bei den Vätern Beachtung. So bemerkt Johannes Chrysostomos in seiner 57. Homilie zum Matthäus-Evangelium - und sicherlich in Kenntnis der eschatologischen Deutung des Propheten durch die rabbinische Literatur - unter Bezugnahme auf die Maleachi-Stelle, dies sei gesagt, "um anzudeuten, dass der Thesbiter vor jener Ankunft, auf welche das Gericht folgt, kommen werde; belehrt uns aber auch zugleich über die Ursache seiner Ankunft. Welches ist diese Ursache ? Er wird kommen, um die Juden zum Glauben an Christum zu bewegen, damit sie nicht bei Seiner Ankunft samt und sonders zugrunde gehen.


...Ebendeshalb spricht auch Malachias auf das Allerbestimmteste, denn er sagt nicht ´er wird das Herz des Sohnes zum Vater wenden´, sondern ´des Vaters zum Sohne´. Weil die Juden die Väter der Apostel waren, so sagt Christus, Elias werde zu den Lehrern ihrer Söhne, d.h. der Apostel, die Herzen der Väter, d.h. des jüdischen Volkes, wenden

...Wenn Er [CHRISTUS] sagt, ELIAS werde kommen und alles wiederherstellen, dann meint Er den Elias selbst und die durch ihn zu bewirkende Bekehrung der Juden"

Възнесение на св. Илия, възрожденска икона от Варненско. Архив Pravoslavieto.com


"Св. пророк Илия". Икона от 1849 г. от габровския иконописец Гено Тихолов. Съхранява се в Плевенския музей. Източник: plevenmuseum.dir.bg








29. Juni (12.7.)


Hll. PETER und PAUL, Chorführer der Apostel

  30.Juni (13.7.)  Versammlung der 12 Hll. APOSTEL

Ihr
Erste unter den Aposteln
und
Lehrer des Erdkreises,


bittet den Gebieter des Alls,


für die Welt um Frieden

und für unsere Seelen
um die große Milde.


Gesegnet bist Du, Christus unser Gott

der Du zu Allweisen die Fischer gemacht hast,

indem Du ihnen sandtest den Heiligen Geist,

und durch sie den Erdkreis eingefangen hast.

Menschenliebender, Ehre Dir !




Hl. Peter und Paul / Schmuckikone Byzantinisch 14.Jhdt

Hl. 12 Apostel / Festtagsikone / Klaus Kegelmann 20.Jhdt

Hl.JOHANNES CHRYSOSTOMUS: Auftrag an die Jünger
Ohne apostolische Werte: Werte-Probleme unserer Zeit


PLURALITÄT ist nicht erst ein Schlagwort unserer Zeit.

CHRISTENTUM ist PLURALITÄT !


PLURALITÄT in den 3 Personen des Einen GOTTES, der Eines Wesens ist.
Mehr PLURALITÄT in den Energien des Einen GOTTES in Drei Personen.

Und erst recht PLURALITÄT in den Menschen, die uns das göttlichen Wort überliefern und in ihrem Leben von Gott Zeugnis geben.

 
Hl. 4 Evangelisten aus Ikonostasentür / russ. 17.Jhdt / heute in der Kirche des Orthodoxen Theologischen Instituts St.Serge, Paris
Pluralität in der Hl.Schrift:
Das Christentum leistet sich Einmaliges: 4 verschiedene Texte der göttlichen Botschaft.
Keine von Menschen erfundene "Heilslehre" leistet sich diesen Aufwand an Vielfalt.
Nur im Bewußtsein der Einen Botschaft Gottes kann man dies als Bereicherung sehen - und sich der Kritik stellen,
die manche Widersprüche im Nebensächlichen auslösen.
Diese Kritik ist nur zu blind das Wesentliche zu erkennen:
Durch die Auswahl von 4 Evangelien bringt die frühe Kirche klar zum Ausdruck:

Nur Gott allein ist "die" Wahrheit

Wir Menschen sollen uns nicht zu wichtig nehmen.
Selbst die Hl. 4 Evangelisten können uns - trotz ihrer unbedingten Bereitschaft auf Gottes Geist zu hören (wie es uns die obigen Ikonen meisterhaft zeigen) - nur den Teil der Wahrheit übermitteln, den sie in ihrer menschlichen Begrenztheit erkennen konnten.







Sonntag
A L L E R H E I L I G E N

und
Sonntag der
HEILIGEN der  LAENDER


Ikone zum Gottesdienst: Alle Bulgarischen Heiligen

"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen.
Mit Ausdauer wollen wir laufen in dem Wettkampf, der vor uns liegt"

(Hebr 12,1)

Geistliches Wort des heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos
Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos: Die Fruechte des Pfingstereignisses
Vater Serafim Pâtrunjel: Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Die Heiligkeit ist die grundlegende Eigenschaft Gottes, die Eigenschaft aller uebrigen Eigenschaften,
die sie in sich schliesst, wie das weisse Licht alle Farben des Regenbogens.
Das Leben in Gott, die Vergoettlichung (Theosis), ist Heiligkeit;
ohne sie kann es in der Kirche keinerlei geistliche Gaben geben."
schreibt der grosse orthodoxe Denker Vater SERGEJ Bulgakov.



In der Goettlichen Liturgie ruft der Geistliche vom Altar unmittelbar vor der Teilung des Lammes der Allerheiligsten Gaben: "Das Heilige den Heiligen!" und die Glaeubigen antworten:
"Einer nur ist heilig, Einer nur der Herr: Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Amen."

Von Heiligen kann man in der Kirche also nur reden, weil der Herr der Kirche heilig ist und durch Seine Herrschaft die heiligt, die Er sich auserwaehlt hat.
Dies aber bedeutet, dass grundsaetzlich jeder Getaufte zur Heiligkeit berufen ist, weil er in der Taufe "Christus angezogen hat" (wie wir singen) und fortan Ihm gehoert. Denn nur in diesem Sinne kann man Heiligkeit dem jederzeit auch zur Suende offenen Menschen zuschreiben: nicht als selbst erzeugte Qualitaet, sondern als gnadenhaftes Anteilerhalten an der Heiligkeit des DreiEinen Gottes.
Aber nur Wenige lassen die Heiligung an sich geschehen und "laufen in dem Wettkampf mit Ausdauer"; nicht alle vermoegen gleichermassen in dieser Herrlichkeit ihres Herrn zu stehen und sie wiederum auszustrahlen. Diejenigen aber, die so von der Gemeinschaft und Heiligkeit Christi erfuellt sind, dass sie diese ausstrahlen wie die Erde nach einem heissen Sommertag die Waerme, sie werden in der Kirche als Heilige verehrt.

das Folgende aus:
St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de

Geistliches Wort des in die Ewigkeit heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos:
ehemaliger Pfarrer der Muenchner deutschsprachigen Andreas-Gemeinde
in der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland
Griechisch-orthodoxes bischoefliches Vikariat in Bayern

"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen."

(Hebr 12,1)

Liebe Gemeindemitglieder und Freunde der Orthodoxen Kirche !

Die Heiligen unserer Kirche

Das Wort "heilig" wird in der Heiligen Schrift hauptsaechlich fuer den Dreieinigen Gott verwendet. Er ist der Dreiheilige (Jes 6,3) und "Heiliger und Wahrhaftiger" (Offb 6,10). Deshalb singt unsere Kirche: "Einer ist heilig, einer der Herr, Jesus Christus ..."
Aber wenn Gott allein heilig ist, wie ist dann die Stellung der Heiligen?
Haben sie eine eigene Heiligkeit?
Wie stehen sie zu dem einen Heiligen und zu uns, ihren Bruedern und Schwestern?

Die Heiligkeit des Menschen gruendet in der Heiligkeit Gottes, weil der Mensch nach dem Ebenbild des Dreieinigen Gottes geschaffen wurde. Das hat Gott selbst Seinem Volk erklaert: "Denn ich bin der Herr, euer Gott. Erweist euch als heilig, und seid heilig, weil ich heilig bin." (Lev 11,44). Die Berufung des Menschen ist die Heiligung, welche in Erfuellung geht durch die Teilnahme am Leben Gottes in Jesus Christus. Christus hat uns Glaeubigen verbuergt, dass Er "das Licht der Welt" ist und wer Ihm nachfolgt wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern er wird das "Licht des Lebens" haben (Joh 8,12). Christus ist der "Abglanz Seiner Herrlichkeit" (Hebr 1,3), naemlich die Ausstrahlung der Herrlichkeit des Vaters. Aber auch der Mensch soll "erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) durch die unerschaffene goettliche Energie. Er wird naemlich Teilhaber der goettlichen Herrlichkeit (Joh 17,22) und "Anteil an Seiner Heiligkeit gewinnen" (Hebr 12,10), "Licht der Welt" (Mt 5,14) und "Herrlichkeit Christi" (2 Kor 8,23). Der Apostel Paulus sagt: "Wir alle spiegeln mit enthuelltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in Sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn" (2 Kor 3,18)

Der Herr bestaetigt uns, dass jeder der Seiner Liebe mit eigener Liebe begegnet, zum "Tempel Gottes", zum "Tempel des Heiligen Geistes" zur "Wohnung Gottes durch den Geist" (1 Kor 3:16,6,19; 2 Kor 6,16; Eph 2,22; Joh 14,23) wird.
Jeder Christ, der in Gottes Gnade lebt, wird "zu demselben Leib gehoeren und an derselben Verheissung in Christus Jesus teilhaben" (Eph 3,6). "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20), "Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) und wir sollen werden "Kinder Gottes ohne Makel" (Phil 2,15), sagt der hl. Paulus.

Die Heiligen unserer Kirche hielten daran fest und lebten ihr Leben in Christus. Deswegen ermahnt uns der Apostel: "Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme" (1 Kor 11,1). Die Heiligen sind die "treuen Zeugen Christi". Ihr Leben ist dasselbe Leben Christi, welches sich zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Art an jedem Einzelnen von ihnen wiederholt. Sie sind die Menschen, welche durch "den Geist leben" und "in dem Geist" (Gal 5,25) wandelten; sie waren unverkennbar "ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern - wie auf Tafeln - in Herzen von Fleisch" (2 Kor 3,3). Die Heiligen unserer Kirche, verbunden mit Christus und uebergossen mit dem Licht des Heiligen Geistes, lebten wie eine Miniatur das Leben Christi. Ihre Gedanken, ihre Worte, ihr Handeln, waren Gedanken, Worte und Handeln Christi. Ihr ganzes Leben bestand aus der tatkraeftigen Fuelle des Heiligen Geistes in ihren Seelen. So sind die Heiligen in Christus "eine neue Schoepfung" (2 Kor 5,17). Sie sind die Taten Gottes im Leben des Menschen.

Die Lebensweise der Heiligen unserer Kirche ist der menschlichen Natur nach, so wie sie Gott geschaffen hat, angemessen. Demnach zeigen uns die Heiligen, wie in Wirklichkeit der Mensch ist und wie er leben soll. Das Leben der Heiligen also ist Teilhabe am Leben Christi; ihre eigene Heiligkeit besteht in der Heiligkeit Christi.

Die goettliche Ehre mit welcher die Heiligen unserer Kirche umgeben sind, ist ein Geschenk Gottes, unerschaffene Gnade, das unerschaffene goettliche Licht. Dieses Licht offenbart die Praesenz und die Wirkung des Dreieinigen Gottes in der Welt.
Beim Propheten Daniel sehen wir, dass die Ehre Gottes vom Throne Gottes als "loderndes Feuer" ausstroemt.
Das gleiche sehen wir im Buch Exodus, "da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht" (Ex 3,2; Ex 24,17; Ex 34, 29-30) und das Feuer wurde auf Mose uebertragen und sein Gesicht strahlte so, "dass die Israeliten das Gesicht des Mose nicht anschauen konnten" (2 Kor 3,7)

Die gleiche Herrlichkeit umhuellte den Propheten Elias, wie er gen Himmel fuhr (2 Koen 2,11).
Das ist das unerschaffene Licht, welches die Apostel auf dem Berge der Verklaerung sahen: "Petrus und seine Begleiter... sahen Jesus in strahlendem Licht" (Lk 9,32).
"Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiss wie das Licht" (Mt 17,2).
Das unerschaffene Licht umstrahlte die Engel am leeren Grabe Christi (Mt 28,3; Mk 16,5; Lk 24,4), erschien dem Erstmaertyrer Stephanos (Apg 7,55), dem Apostel Paulus (Apg 9,3) und uebertraegt sich zu den Menschen Christi (Mt 5,14; Joh 17,22; 2 Kor 3,18)

Charakteristisch ist der nachfolgende Bericht ueber das Gespraech des heiligen Serafim von Sarov mit Motowilov, als das Licht, welches den Heiligen umhuellte, auf seinen Gespraechspartner uebertragen wurde:

Wie kann ich wissen, fragte ich Vaeterchen Serafim, ob ich mich auch in der Gnade des Heiligen Geistes befinde?
Das ist sehr einfach, antwortete er mir, weil der Herr sagte, dass alles einfach ist fuer denjenigen, der die Erkenntnis erwirbt. Die Apostel stuetzten sich auf diese Erkenntnis und konnten damit erkennen, ob der Geist Gottes sich in ihnen befaende oder nicht und sie behaupteten, dass ihr Tun in allem heilig und Gott gefaellig sei. Auf diesen Grundsatz stuetzten sich die Apostel und erkannten in ihren Herzen die Praesenz des goettlichen Geistes.
Trotz allem verstehe ich nicht, wie ich sicher sein kann, dass ich im Heiligen Geist bin. Wie kann ich in mir seine Praesenz erkennen?
Vaeterchen Serafim fragte, was willst du denn mein Sohn, ich habe es dir doch erklaert.
Ich will, sagte ich, es besser erkennen!
Dann packte mich Vater Serafim fest an den Schultern und sagte: Jetzt, mein Sohn, sind wir alle beide drinnen im Heiligen Geist Gottes. Warum schaust du mein Gesicht nicht an?
Ich kann dich nicht anblicken, Vaeterchen, amtwortete ich ihm; aus deinen Augen strahlen Flammen, dein Gesicht ist heller als die Sonne, du blendest mich!
Habe keine Angst, du strahlst jetzt wie ich; auch du hast nun die Fuelle des Heiligen Geistes."

Wir sehen also, dass die Heiligen keine eigene Heiligkeit besitzen, sondern Anteil haben an der Heiligkeit Christi. Sie sind "Tempel Gottes" und "Wohnstaette Gottes durch den Heiligen Geist". Deshalb ist die Ehre der Heiligen das unerschaffene goettliche Licht, die grosse Gabe und Gnade Gottes im Leben der Heiligen. Die Liebe der Heiligen bleit nicht ohne Erfolg vor Gott. Die Heiligen bitten fuer uns und fuer die ganze Schoepfung zu Gott, welcher wiederum mit Seiner Liebe entgegenkommt. Durch die Fuerbitten und durch die Liebe der Heiligen werden die Grenzen der Natur aufgehoben und die Liebe Gottes greift wohltuend in unser Leben ein.

Ihr Pfr. Oekon. HERAKLIT Dimaratos




Die Fruechte des Pfingstereignisses
von Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos
Der erste Sonntag nach Pfingsten ist allen Heiligen gewidmet, denn die erste Frucht nach Pfingsten sind die Heiligen. Die Kirche besteht in der Welt, "um die Heiligen fuer die Erfuellung ihres Dienstes zu ruesten, fuer den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen" (Eph 4,12-13).
Diese bedeutsamen Worte des Apostels Paulus offenbaren das Ziel des Lebens in der Kirche: die Einheit aller im Glauben. Das bedeutet hier die Gegenwart des Heiligen Geistes im Herzen. Denn nur im Heiligen Geist gelangen wir zur Erkenntnis Christi und werden zu wahren Gliedern des kirchlichen Leibes.

Das Hindernis zur Heiligung ist der Suendenfall. Wie mit dem Suendenfall des Menschengeschlechtes die menschliche Natur erkrankte, so verwirklicht die Heiligung unsere Vergoettlichung. "Denn dieses Vergaengliche muss sich mit Unvergaenglichkeit bekleiden und dieses sterbliche mit Unsterblichkeit" (1 Kor 15,33). Unsere Natur kehrt nicht nur "zur urspruenglichen Schoenheit" zurueck, zum Zustand vor dem Suendenfall, sondern zur Vergoettlichung.
Die Vergoettlichung, die Heiligung der menschlichen Existenz, ist das Ziel des Menschen und die Hauptaufgabe der Kirche in dieser Welt. Sonst haette die Existenz der Kirche als Leib Christi in dieser Welt keinen Sinn. Die Kirche existiert in dieser Welt, um die ganze Welt zu heiligen und die Menschen zu vergoettlichen.

Die orthodoxe Tradition bezeichnet jene Personen als heilig, die zur Vergoettlichung gelangt sind und diese in der Geschichte bezeugen (die Vergoettlichung). Nach dem Hl.Johannes von Damaskus "ehren wir die Heiligen als diejenigen, die sich mit Gott aus freiem Willen vereint, Ihm in sich Wohnung gegeben haben und - durch Sein Teilhaben der Gnade nach - das wurden, was Er von Natur her ist". Die Heiligen werden Gott; nicht Goetter, sondern Gott der Gnade nach. Die Heiligen sind "die beseelten Tempel Gottes, die beseelte Wohnstaette Gottes, durch den Heiligen Geist, der in ihren Koerpern ein Tempel ist" (Hl.Johannes von Damaskus). Der hl. Johannes, der im 8. Jahrhundert die ganze konkrete kirchliche Tradition zusammenfasste, betrachtet nur diejenigen als lebendige Glieder der Kirche, die in einer lebendigen Gemeinschaft mit Gott stehen, die je nach ihrer Empfaenglichkeit an der unerschaffenen Gnade Anteil haben. Genau diese sind die Heiligen, die wirklichen Glieder des Leibes Christi, die zu dem gelangt sind, was das Wort des Apostels Paulus bekennt: "nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20).
Nach der orthodoxen Tradition "macht die unsagbare Vergoettlichung diejenigen, die an ihr Anteil haben, zu Unerschaffenen, Anfanglosen und Unbeschreiblichen, obwohl sie ihrer Natur nach aus dem Nichtsein geschaffen wurden", sagt der hl. Maximos der Bekenner (PG 91,114 4). In der Vervollkommnung gelangt der Glaeubige zur Gottaehnlichkeit, zur Vollendung seiner Natur, zur Verherrlichung. Nach dem hl. Dionysios dem Aeropagiten "ist die Vergoettlichung das groesstmoegliche Aehnlichwerden und die Vereinigung mit Gott". Zur Person des hl. Apostels Paulus betont der hl. Gregor Palamas dessen Wandlung in Christo mit seinem Aufstieg bis zum dritten Himmel (2 Kor 12,2), dessen Vergoettlichung auf folgende Weise: "Solange Paulus das Leben lebte, das auf den Befehl Gottes hin aus dem Nichts geschaffen wurde, war er geschaffen; als er (Paulus) jedoch nicht mehr dieses, sondern jenes Leben lebte, das mit der Reinigung durch Gott gewaehrt wird, wurde er durch die Gnade unerschaffen".

Von einem Menschen zu sprechen und zu sagen, dass er unerschaffen ist, ist ein Aergernis, ein Skandal fuer die heutige Welt. Das aber ist die Sprache der Orthodoxie, die ihrer mystischen Erfahrung entspricht.

Die Vergoettlichung in dieser Welt beschraenkt der hl. Gregor Palamas aber nicht nur auf Paulus oder die Apostel, sondern er betont, "dass auch jeder, der Gott Logos erworben hat, und zwar lebend und wirkend, zum gleichen Punkt gelangt". So verstehen wir, warum in der Bibel die Heiligen "Freunde Gottes" und "Kinder Gottes", nicht aber "Knechte" genannt werden (Joh 1,12).

In der staendigen Praxis der Kirche werden die Heiligen nicht auf der Basis moralischer und innerweltlicher Kriterien anerkannt, sondern erst nach der Offenbarung ihrer Heiligkeit von Gott Selbst. Die "offizielle" Heiligsprechung in der Orthodoxen Kirche bedeutet also nicht irgendeine Ehrenbezeugung oder Belohnung fuer gewisse Verdienste. Es handelt sich vielmehr um die Bestaetigung und offizielle Proklamation der Wirklichkeit ihrer Vergoettlichung.

(wird fortgesetzt)


Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Ut omnes unum sint." (Joh 17,21)

In der Geschichte ist durch die himmlische Kirche der Heiligen eine neue Realität zum Vorschein gekommen. In der Welt jenseits des gewöhnlichen biologischen Lebens des Menschen erschien das Leben des menschgewordenen Gottessohnes. Von Pfingsten an macht der Geist die Gläubigen zu Gliedern des Leibes Christi, welche die Kirche bilden. Die Kirche Christi ist gleichzeitig sicht- und unsichtbar, ist der mystische Leib des Herrn, hierarchische Institution und soziale Gemeinschaft. Das göttliche und das menschliche Element bilden eine einzige theandrische Realität, einen Leib in Christus (Röm 12,15). Diese Verbindung unter dem himmlischen und dem menschlichen Teil führt dazu, dass die Engel und die Heiligen für die Lebenden Fürsprecher sind und die Lebenden die Gebete jener anrufen. So haben die Heiligen einen wichtigen Platz in der orthodoxen Spiritualität.

Am ersten Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest "Allerheiligen auf der Welt, in Asien, Libyen, Europa, im Norden und Süden". Dieser Sonntag ist das Fest der Fülle der Kirche. Die vollkommene Kirche der DreiEinheit endet in der vollkommenen Kirche der Heiligen (Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion). Über die Bedeutung dieses Festes und über die Gründe seiner Feier an diesem Sonntag gibt uns das Tagessynaxarion eine ausführliche Erklärung:
"Unsere gotttragenden Väter haben angeordnet, dass wir nach der Herabkunft des Heiligen Geistes das heutige Fest feiern, denn sie wollten zeigen, dass die Herabkunft des Heiligen Geistes so große Wunder bewirkt hatte, dass sie, die aus gleichem Teig [gemeint ist die menschliche aus Fleisch bestehende Natur] wie wir geschaffen, geheiligt und zu Weisen gemacht wurden, und dass sie an Stelle der gefallenen Schar eingesetzt und durch Jesus Christus zu Gott geführt wurden; die einen durch Martyrium und Blut, die anderen durch tugendhaftes Leben, weil der Heilige Geist Wunder bewirkt hatte...
Einerseits ehren wir, indem wir das Fest feiern, viele andere, die, auch wenn sie durch ihre Tugend gottgefällig lebten, aus unbekannten Gründen (vielleicht wegen menschlichen Umständen) niemand bekannt wurden, obwohl sie vielleicht nun viel von  Gottes Herrlichkeit gelebt haben.
Andererseits gab es viele, die gottgefällig in Indien, Ägypten, Arabien, Mesopotamien, um das Schwarze Meer sowie überall im Westen, sogar bis zu den britannischen Inseln, und, kurz gesagt, in Ost und West gelebt hatten, deren Gedächtnis sich nach der Sitte der Kirche wegen ihrer Vielzahl nicht leicht feiern laesst. Damit wir auch die Hilfe derer, die irgendwo auf Erden gottgefällig waren, bekommen und auch die künftigen Heiligen berücksichtigen, ordneten die gotttragenden Väter das Fest Allerheiligen an, das alle, von den ersten bis zu den letzten Heiligen, enthält, die bekannten oder unbekannten, die vom Heiligen Geist, der in ihnen wohnte, geheiligt wurden.
Drittens sollten die einzelnen Feste der Heiligen auch zusammen an einem Tag gefeiert werden, um zu zeigen, dass sie für denselben Christus gekämpft haben, dass sie sich alle auf demselben Weg der Tugend befanden und nach Verdienst gekrönt wurden, als Diener desselben Gottes. Sie bilden die Kirche, sie ergänzen die jenseitige Welt hier bei uns und ermahnen uns zum gleichen Kampf, der verschieden nach dem Zustand jedes einzelnen ist."

(Pentekostarion: Allerheiligensonntag)

Das Fest Allerheiligen ist die letzte im Pentekostarion enthaltene Feier.
Seine Position will uns zeigen, dass das Ziel des ganzen erlösenden Werkes Jesu Christi und der Zweck der ganzen Spiritualität der Kirche die Heiligkeit -unsere Vereinigung mit Gott- ist.
Das Tagessynaxarion zeigt, dass die Feier "als Triodionsschluss“ eingesetzt wurde (darunter verstehen wir die beiden Bücher: das "Fasten-Triodion", für die Hymnen der großen Fastenzeit, und "Pentekostarion" für die Zeit im Jubel der Auferstehung),
und wie ein Rahmen alle Feste umschliesst.
Das Triodion enthält die sorgfältige Auslegung aller für uns von Gott gewirkten Heilstaten:
Die Verstossung der Teufel  aus dem Himmel wegen des ersten Unheils, der Sünde und die Vertreibung Adams aus dem Paradies, die ganze Oikonomia Gottes des Wortes und die Weise, in welcher wir wieder zu den Himmeln durch den Heiligen Geist erhoben werden, und wie wir dort gemäß den heiligen Vätern die gefallene Schar ersetzen.
Jetzt feiern wir alle, die durch das Wohlwollen des Heiligen Geistes geheiligt wurden:
Die herrlichen und heiligen Geister, das heißt die neun Scharen; die Urahnen und Patriarchen, die Propheten und die heiligen Apostel, die Märtyrer und die Hierarchen, die heiligen Bekenner und die ehrwürdigen Mönche, die Gerechten und die ganze Schar der heiligen Frauen und alle anderen unbekannten Heiligen.
Über, unter und mit allen Heiligen feiern wir aber die Heilige der Heiligen, die Allheilige und unsagbar mehr Geehrtere als der Engel Scharen, unsere Frau und Gebieterin und immerwährende Jungfrau Maria."
(Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion)
An dieser Feier freut sich Christus selbst, weil er den Glanz der Früchte seines Opfers sieht, freut sich die Kirche, welche ihre Erfüllung schaut, sind selig alle Heiligen vor dem himmlischen Thron und freuen wir uns alle, die wir das Beispiel ihres Lebens anschauen. Wir versuchen ihrem Glauben zu folgen, um am Ende der Laufbahn unseres Lebens (vgl. 1Kor 9,24) mit ihnen zusammen zu sein, und beten dafür.

Durch ihre Annäherung an Gott und durch die Nähe zu ihm sind die Heiligen unaufhörliche Mittler für unsere Erlösung.
Die Dankdoxologie für die Heiligen und ihre Anrufung in Bittgebeten für Lebende und Verstorbene bilden eine sehr alte christliche Praxis in welcher Gott in und unter uns verherrlicht wird.

Weil wir wissen, dass die Heiligen Menschen wie wir waren und dieselben dem Menschen zugehörenden Schwächen hatten, dass sie deswegen auch unsere Schwächen und Verfehlungen verstehen können, haben wir großes Vertrauen auf ihre Gebete für uns.
Die Heiligen sind folglich unsere Freunde, die wir bitten, bei Gott für unsere Erlösung zu vermitteln, damit wir ewig zusammen mit ihnen sein können.

 

QUELLE:
Bischof SOFIAN von Brasov (p. Serafim Pâtrunjel)
Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit (Kommentar zum Pentekostarion)
Würzburg 1998, S. 119ff     (hier aus
* St.Andreas-Bote *)


P F I N G S T E N


Allheilige Dreiheit
und Mitfest des Heiligen Geistes


Gepriesen bist Du, Christus unser Gott,

der Du zu Allweisen die Fischer gemacht hast,

indem Du ihnen sandtest den Heiligen Geist,

und durch sie den Erdkreis eingefangen hast,

Menschenliebender,  Ehre Dir !




Festtagsikone /Bulgarisch 18.Jhdt, Belowo, Schule v. Trjawna




Als Er herabfuhr, die Sprachen zu verwirren,
schied der Hoechste die Voelker;

als Er des Feuers Zungen verteilte,
berief Er zur Einheit
alle !

Einstimmig verherrlichen wir den Heiligen Geist.

PFINGSTEN in der Apostelgeschichte und nach den Kirchenvätern
Prof.Skaballanovitsch: Der HEILIGE GEIST in unseren täglichen Gebeten
Kniebeugungsgebete der Pfingstvesper
Hl. Kyrillos von Jerusalem: Geist-Taufe am Pfingstfest
Metropolit STYLIANOS von Australien: Gedanken zur Frucht des Geistes
Metropolit MICHAEL: Realitaet des Heiligen Geistes

Das obige Gebet knuepft an die Verwirrung der Sprachen beim Turmbau zu Babel an. (Genesis 11) Waehrend dort menschliche Hochmut zur "Teilung der Zungen" fuehrte, vereinen die aus einer Quelle kommenden "Zungen des Feuers" des Heiligen Geistes die Menschen. In der Festtagsikone sehen wir die Schoepfung als "Kosmos" (griechische Wurzel: Ordnung,Harmonie) am unteren Bildrand den ausgegossenen Heiligen Geist auffangend. Der Turm zu Babel steht fuer die sich ueberschaetzenden Menschen, die himmelshohes Menschenwerk errichten wollen (wie die Ideologien in unserem Jahrhundert) aber durch ihren Absolutheitsanspruch die Menschheit zerreissen. Demgegenueber ist unser Troester, Erhalter und Lebensspender der eine und einigende Heilige Geist, der schon seit der Schoepfung (wo er ueber allen Wassern schwebte) allen Menschen gemeinsam ist.

Fuer die Kirche ist Pfingsten das Fest ihres Neubeginns. Die Ausgiessung des Heiligen Geistes macht aus den Juengern, die vorher mehrheitlich ungebildete Fischer waren, Allweise, die vor aller Welt predigen und die Kirche leiten.

Damit besiegelt Pfingsten die Heilsbotschaft der Auferstehung; der oesterlichen Gotteserkenntnis folgt die abschliessende Offenbarung der Dreieinheit Gottes.

Mit Pfingsten beginnt die Glaubensverkuendigung der Apostel und die Feier des Mysteriums der Erloesung in den Versammlungen der Glaeubigen. Erst dadurch wird das praktische Wachsen in der Heiligung, der Theosis, der Vergoettlichung, den Menschen ermoeglicht, nachdem sie durch Christi Opfertod und Auferstehung von Suende und Tod erloest wurden.

Der Kirchenraum wird in der Aufbruchsstimmung des Gedaechtnisses des Neuanfanges der Kirche mit Knospen und gruenen Zweigen geschmueckt, und die ringsum aufbluehende Schoepfung so in den Gottesdienst einbezogen, ein Brauch der an das alttestamentarischen Ernte- und Laubhuettenfest anknuepft. Die Glaeubigen schmuecken auch ihre Wohnungen mit Gruen und Blumen und tragen mancherorts auch waehrend der Liturgie die erstmals aufgebluehten Blumen in den Haenden entsprechend den Erstlingsopfern des Alten Bundes.

Mit Pfingsten beginnt auch im Kirchenjahr eine neue Phase, indem nach der auf Ostern bezogenen Zeit wieder der datumsgebundene Festkreis die Fuehrung uebernimmt: Die nachpfingstliche Offenbarung ruht auf den Gedaechtnissfesten der Heiligen, die den Glaeubigen daran erinnern, dass er zur Theosis, zur Ergoettlichung, berufen ist.
Dazu ist die Sendung und Erneuerung des Heiligen Geistes unbedingte Voraussetzung.

Daher wird nun am Abend des Pfingsttages zur Vesper (oder aus praktischen Gruenden gleich im Anschluss an die Liturgiefeier der Gemeinde) die Gabe des Heiligen Geistes in 3 feierlichen Gebeten erfleht:

 

Pfingsten

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“

Apg 2,1-11



Beachte, ich bitte dich, wie der Geist genau zu der Zeit kommt, da sie im Gebet versammelt sind, da sie Liebe zueinander haben.

Hl. Johannes Chrysostomos


OHNE DEN HEILIGEN GEIST
- IST GOTT FERN
- BLEIBT CHRISTOS IN DER VERGANGENHEIT
-
IST DAS EVANGELIUM VOLL TOTER BUCHSTABEN
- DIE KIRCHE EIN BLOSSER VEREIN
- DIE AUTORITÄT EINE HERRSCHAFTSFORM
- DIE MISSION PROPAGANDA
- BLEIBT LITURGIE BLOSSES RITUAL
- WIRD CHRISTLICHES ZUSAMMENLEBEN VON SKLAVENMORAL BESTIMMT.

Hl. Athenagoras aus Athen (2.Jhdt.)

 

Durch jenen Sturmwind wurden die geistigen Kräfte der Boshaftigkeit und alle unreinen Dämonen aus der Luft ausgetrieben und zerstreut.

Hl. Gregor Dialogos

 

Es heißt: "wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Winde".  Das zeigt, daß ihnen (den Aposteln) nichts in der Lage sein wird zu widerstehen, sondern daß sie alle ihre Feinde wie Staub zerstreuen werden.

Hl.  Johannes Chrysostomos



Entsprechend erschien der Geist in Gestalt des Feuers, denn Er treibt aus einem jeden Herzen, das Er erfüllt, die Gefühlskälte und entflammt es mit der Liebe zum Ewigen.

Hl. Gregor Dialogos



Weshalb erschien er im Bilde von Zungen? – Um zu zeigen, dass Er mit dem göttlichen Wort verwandt ist, denn dem Wort ist nichts so verwandt wie die Zunge; zugleich aber auch zur Gnadengabe des Lehrens, denn der Lehrer in Christus braucht eine begnadete Zunge. Weshalb erschien Er in feurigen Zungen? - Nicht nur wegen des einen Wesens des Geistes mit dem Vater und dem Sohn (denn unser Gott ist ein Feuer, das das Böse verzehrt), sondern auch wegen der Doppelwirkung der apostolischen Predigt, die beides zugleich bewirkt – die Wohltat und die Strafe

Hl.  Gregor Palamas


 

Du kannst den Geist nicht erzeugen.

Du kannst ihn nur  EMPFANGEN !


Johann Wolfgang Goethe


 

Kniebeugungsgebete der Pfingstvesper:
(hier wird seit Ostern zum erstenmal wieder gekniet; daher "Kniebeugungsgebet")

1)

a)

Allerreinster, makelloser, anfangloser, unsichtbarer, unbegreiflicher, unerforschlicher, unveraenderlicher, unueberwindlicher, unermesslicher,
langmuetiger Herr !

Du allein hast Unsterblichkeit und wohnst im unzugaenglichen Lichte !

Du hast den Himmel geschaffen
und die Erde und das Meer
und alle Geschoepfe in ihnen !

Du gewaehrst allen die Bitten - noch bevor Du gebeten wirst !

Dich bitten wir und Dich rufen wir an,
menschenliebender Gebieter,
Dich, den Vater unseres Herrn und Gottes und Erloesers Jesus Christus,
Der fuer uns Menschen und zu unserem Heile
aus den Himmeln herabgekommen ist
und Fleisch angenommen hat
von dem Heiligen Geiste
und aus der Immerjungfrau und ruhmreichen Gottesgebaererin Maria.

Er belehrte uns zuerst durch Worte,
spaeter unterwies Er aber auch durch Taten,
als Er das heilbringende Leiden erduldete.
Er gab uns ein Vorbild,
Deinen Dienern hier unten, obwohl sie sich Deine Gnade nicht verdient haben,
Dir Gebete darzubringen,
indem wir Nacken und Knie beugen
wegen unserer eigenen Suenden und den unwissentlichen Vergehen allen Volkes !

Du selbst, gnadenreicher und menschenliebender Gott, erhoere uns nun
an welchem Tag auch immer wir Dich anrufen,
besonders aber an diesem Tage des Pfingstfestes,
an welchem unser Herr Jesus Christus, nachdem Er gen Himmel gefahren war,
und sich zu Deiner, des Gottes und Vaters, Rechten gesetzt hatte,
den Heiligen Geist auf Seine heiligen Juenger und Aposteln herabgesandt hat;
dieser liess sich auch auf einen jeden von ihnen nieder
und sie wurden alle erfuellt mit Seiner unerschoepflichen Gnade
und verkuendeten in fremden Zungen Deine Grosstaten und weissagten.

Nun also erhoere uns, die wir Dich bitten,
und gedenke unser, die wir ansonsten hier unten hilflos und hoffnungslos sind,
und hebe auf die Gefangenschaft unserer Seelen,
der Du Milde hast fuer uns.

Nimm uns an,
die wir vor Dir niederfallen und rufen:

Wir haben gesuendigt !

Zu Dir kommen wir vom Mutterschosse an,
denn vom Mutterschosse an bist Du unser Gott.
Doch unsere Tage sind verflossen in Nichtigkeiten.
Wir haben Deine Hilfe verspielt und jede Rechtfertigung verloren;
dennoch rufen wir voll Zuversicht auf Dein Erbarmen:

Der Suenden unserer Unreife und unseres Unverstandes gedenke nicht,
und reinige uns von unseren verborgenen Suenden;
lass uns nicht im Alter verloren sein, wenn unsere Kraefte schwinden,
verlasse uns nicht ehe wir in die Erde zurueckkehren,
mache uns wuerdig der Umkehr zu Dir,
und sei uns geneigt in Huld und Gnade;
lege an unsere Suenden den Massstab Deiner Milde
und stelle die Unerschoepflichkeit Deiner Erbarmungen
der Menge unserer Suenden gegenueber.

Blicke herab, o Herr,
von Deiner heiligen Hoehe auf Dein vor Dir stehendes Volk,
welches reichliche Gnade von Dir erwartet.
Komm zu uns mit Deiner Gnade,
reisse uns aus der Gewalt des Teufels;
staerke unser Leben durch Deine heiligen und goettlichen Gebote;
einem treuen Schutzengel vertraue Dein Volk an;
versammle uns alle in Deinem Reich:
gewaehre Verzeihung denen, die auf Dich hoffen;
vergib ihnen und uns die Suenden;
reinige uns durch die Wirksamkeit Deines Heiligen Geistes
und vernichte die gegen uns gerichteten Raenke des Feindes !
 


b)

Gepriesen bist Du,
Herr, Gebieter, Allherrscher,
der Du den Tag durch das Strahlen der Sonne erleuchtet,
und die Nacht erhellt hast mit dem Abglanz.
Du hast uns gewaehrt,
den Lauf des Tages zu durcheilen
und uns zu naehern dem Beginn der Nacht;
erhoere unsere Bitten und die Deines ganzen Volkes;
vergib uns alle die absichtlichen oder unabsichtlichen Suenden;
nimm an unsere Abendgebet,
und sende ueber Dein Erbe die Fuelle Deiner Gnade und Deiner Erbarmungen.
Umschirme uns mit Deinen heiligen Engeln,
wappne uns mit den Waffen Deiner Gerechtigkeit;
umgib uns mit der Bastion Deiner Wahrheit;
bewahre uns mit Deiner Macht,
errette uns von jeder Bedraengnis
und vor jedem Anschlag des Widersachers,
verleihe uns auch,
dass der gegenwaertige Abend und die folgende Nacht
vollkommen, heilig und ohne Suende sei,
frei von Kummer und Anfechtungen,
so wie auch alle Tage unseres Lebens

auf die Fuerbitten der heiligen Gottesgebaererin und aller Heiligen
die Dir von Ewigkeit an wohlgefallen haben !

2)

a)

Herr Jesus Christus, unser Gott,
der Du Deinen Frieden den Menschen geschenkt hast,
und die Gabe des Allheiligen Geistes noch im Leben uns gegenwaertig und immerfort darbietest,
den Glaeubigen als unentreissbares Erbe,
sichtbarer aber dieselbe Gnade Deinen Juengern und Aposteln heute herabgesandt hast
und ihre Lippen durch feurige Zungen gekraeftigt hast,
durch welche wir Menschen die Erkenntnis Gottes in eigener Mundart im Gehoere empfangend,
mit dem Lichte des Geistes erleuchtet
und dem Irrtum, wie aus der Finsternis, entzogen sind
und durch die Verteilung der wahrnehmbaren und feurigen Zungen
und durch uebernatuerliche Wirksamkeit den Glauben an Dich erlernt haben
und Dich mit dem Vater und dem Heiligen Geiste
in einer Gottheit und Macht und Gewalt als Gott zu bekennen angefacht sind !


Du nun,
Abglanz des Vaters,
Seines Wesens und Seiner Natur unveraenderliches und unbewegliches Ebenbild,
Quelle der Erloesung und der Gnade,
oeffne auch mir Suender die Lippen und lehre mich,
wie und wofuer ich beten soll:
Denn Du kennst die Fuelle meiner Suenden,
Deine Barmherzigkeit aber wird die Unzahl derselben ueberwinden.

Siehe,
in Furcht stehe ich vor Dir,
in das unerschoepfliche Meer Deines Erbarmens werfe ich die Verzweiflung meiner Seele.
Leite mein Leben,
der Du durch Dein Wort
 jegliches Geschoepf mit der unbeschreibbaren Macht Deiner Weisheit leitest,
o stiller Hafen der vom Sturm Bedraengten,
und
weise mir den Weg, den ich wandeln soll.

Den Geist Deiner Wahrheit gib meinen Gedanken;
den Geist des Verstandes schenke meiner Unvernunft;
mit dem Geiste der Gottesfurcht erhelle meine Werke;
erneuere auch den rechten Geist in meinem Inneren,
und mit dem Geist Deiner Herrschaft staerke auch meine ausgleitenden Gedanken,
damit ich jeden Tag zu dem, was da frommt, durch Deinen guten Geist gefuehrt,
gewuerdigt sei,
Deine Gebote zu erfuellen
und ewig zu gedenken
Deiner herrlichen, ueber unsere Handlungen Rechenschaft fordernden Wiederkunft.

Lass mich nicht anschmiegen an die vergaengliche Reize,
sondern staerke mich, zu streben nach dem Genuss der zukuenftigen Schaetze.

Denn Du hast gesagt, o Gebietender,
dass ein jeglicher, was er auch bitten werde in Deinem Namen,
es unverwehrt empfangen werde von Deinem mitewigen Gott und Vater;
darum,
so flehe ich Suender Deine Guete an
am Tage des Herabkommens Deines Heiligen Geistes:
Um was ich gebeten, gib mir zum Heil.

Ja, Herr,
Du alle Wohltat reichlich darbietender Geber des Guten,
der Du ueberschwaenglich gibst, um was wir bitten,
Du bist der Mitleidige, der Erbarmende,
der Du suendlos teilgenommen hast an unserem Fleische,
und zu denen, die ihre Kniee vor Dir beugen, Dich mildherzig neigest,
auch zu Suehnung geworden bist fuer unsere Suenden,
so schenke denn, o Herr, Deinem Volke Deine Erbarmungen;
erhoere uns aus Deinem heiligen Himmel;
heilige uns mit der Kraft der Erloesung Deiner Rechten;
decke uns mit dem Schirme der Fluegel Deiner Engel,
verschmaehe nicht die Werke Deiner Haende.
Dir allein suendigen wir,
doch Dir allein dienen wir auch;
wir wollen nicht einen fremden Gott anbeten,
noch zu einem anderen Gott, o Gebietender, unsere Haende ausstrecken.
Verzeihe uns die Uebertretungen
und nimm die Bitten unseres Kniefalls an,
strecke nach uns allen Deine hilfreiche Hand aus.
Nimm an das Gebet aller, als ein wohlgefaelliges Rauchopfer,
welches vor Deinem huldreichen Throne aufgenommen wird !

b)

Herr, Herr, der Du uns errettest vor jedem Pfeil, der am Tage fliegt,
errette uns auch von jedem Ungemach, das im Finstern einherschleicht.
Nimm an das abendliche Opfer, das Aufheben unserer Haende.
Wuerdige uns auch,
die Strecke der Nacht tadellos zurueckzulegen, ohne Versuchung boeser Dinge
und erloese uns von aller Unruhe und Angst, die in uns vom Teufel erregt wird.
Verleihe unseren Seelen die Zerknirrschung
und unseren Gedanken die Besorgnis
ob der Pruefung in Deinem furchtbaren und gerechten Gerichte.
Festige an der Gottesfurcht unser Fleisch und ertoete unsere Bindung an Irdisches,
auf dass wir auch waehrend der Ruhe des Schlafes erleuchtet werden
durch die Betrachtung Deiner Gerichte.
Entferne auch von uns jede unziemende Einbildung und schaendliche Begierde.
Lass uns aber aufstehen zur Zeit des Gebetes,
nachdem wir uns im Glauben gestaerkt haben
und fortgeschritten sind in Deinen Geboten ! 


3)

a)

Du, ewig stroemende Quelle des Lebens und des Lichtes,
Du, mitewige schoepferische Kraft des Vaters,
Der Du die ganze Heilsordnung zur Erloesung der Sterblichen so herrlich erfuellt hast,
Christus unser Gott !
Der Du die unloesbaren Bande des Todes und die Riegel der Hoelle zersprengt
und die Menge der boesen Geister niedergetreten;
Der Du Dich selbst als tadelloses Schlachtopfer fuer uns dargebracht hast,
Deinen reinen, von aller Sünde unberuehrten und ihr unzugaenglichen Leib zum Opfer hingebend
und durch diesen furchtbaren und unaussprechlichen Priesterdienst uns das ewige Leben geschenkt hast,
Der Du zur Hoelle hinuntergestiegen bist,
die ewigen Riegel zertruemmert und den in der Tiefe Sitzenden den Aufgang gewiesen hast,
den urboesen Drachen des Abgrundes aber mit goettlich weiser Lockung gefangen genommen,
mit Ketten der Finsternis im Tartaros gebunden
und in unausloeschlichem Feuer und aeusserstem Dunkel gefesselt hast;
Du Weisheit des Vaters, deren Name gross ist,
Der Du den Bedraengten als grosser Helfer erscheinst
und erleuchtest diejenigen, die im Dunkel sitzen und im Schatten des Todes;
Du Herr der ewigen Herrlichkeit
und des hoechsten Vaters geliebter Sohn !
Ewiges Licht vom ewigen Lichte !
Sonne der Gerechtigkeit,
erhoere uns, die wir Dich bitten,
und lass ruhen die Seelen Deiner Diener,
unserer vordem entschlafenen Vaeter und Brueder und der uebrigen Blutsverwandten,
ja aller Glaubensverwandten aller Zeiten, deren Gedaechtnis wir jetzt feiern:
Denn Du hast Gewalt ueber alles und haeltst in Deiner Hand alle Enden der Erde,
Allgebieter, Allherrscher, Gott der Vaeter und Herr des Erbarmens,
Schoepfer des sterblichen und unsterblichen Geschlechts und aller menschlichen Natur,
der entstehenden und wieder vergehenden,
des Lebens und des Hinscheidens, des Hierweilens und der Versetzung in das Jenseits !
Der Du die Jahre den Lebenden bemissest und die Zeit des Todes bestimmst,
in das Totenreich hineinfuehrest und wieder herausfuehrest,
bindest in Schwaeche und loesest in Kraft,
das Gegenwaertige zum Nutzen einrichtest und das Zukuenftige zutraeglich anordnest,
der Du die mit dem Stachel des Todes Verwundeten
durch die Hoffnung der Auferstehung belebest;
Du Gebieter des Alls, Gott, unser Heiland, Du Hoffnung aller Enden der Erde
und derer die weit auf dem Meere sind,
der Du auch an diesem letzten und grossen und heilbringenden Tage des Pfingstfestes
uns das Geheimnis der heiligen und einwesentlichen und mitewigen und unteilbaren und unvermischten DreiEinigkeit offenbart hast
und das Ueberkommen und die Ankunft Deines heiligen und lebendigschaffenden Geistes in Gestalt feuriger Zungen ueber Deine Apostel gegossen
und sie zu Freudenboten unseres frommen Glaubens eingesetzt
und als Bekenner und Verkuendiger der wahren Gotteslehre erwiesen hast;
der Du auch an Deinem hocherhabenen und heilbringenden Feste das Flehen um Versoehnung fuer die, so in der Hoelle gehalten werden, anzunehmen geruhest
und uns die grosse Hoffnung gewaerest,
den von ihren Qualen Umfangenen Nachlass und Erquickung von Dir herabzusenden:
Erhoere uns Niedrige und Elende, die wir Dich bitten,
und lass die Seelen deiner entschlafenen Diener ruhen
an dem Orte des Lichtes, an dem Orte der Wonne, an dem Orte der Erfrischung,
von wo hinwegflieht aller Schmerz, alle Trauer und alles Seufzen,
versetze ihre Geister in die Gezelte der Gerechten
und wuerdige sie des Friedens und der Erholung;
denn nicht die Toten werden Dich preisen, o Herr,
noch werden sich erkuehnen, die Danksagungen darzubieten,
diejenigen so in der Unterwelt sind;
wir aber, die wir leben, preisen Dich und beten Dich an
und bringen Dir dar suehnende Gebete und Opfer fuer ihre Seelen !


b)

O Gott, Du Grosser und Ewiger, Heiliger und Menschenliebender,
der Du uns gewuerdigt hast,
auch in dieser Stunde zu stehen vor Deiner unnahbaren Herrlichkeit
zur Besingung und zum Lobe Deiner Wunder,
versoehne Dich uns, Deinen unwuerdigen Dienern,
und verleihe uns die Gnade, zerknirschten Herzens und ohne Hochmut
Dir den dreimalheiligen Lobgesang und die Danksagung darzubringen
fuer Deine grossen Wohltaten, die Du an uns getan hast und immerfort an uns noch tust.
Gedenke, Herr, unserer Schwachheit und vertilge uns nicht in unseren Suenden,
sondern uebergrosse Gnade nach unserer Demut,
auf dass wir, der Finsternis der Suenden entronnen,
am Tage der Gerechtigkeit wandeln moegen
und, angetan mit der Ruestung des Lichtes,
unangefochten verbleiben von jeglicher Arglist des Boesen
und Dich, den einzigen wahren und menschenliebenden Gott,
fuer alles voll Zuversicht preisen.
Denn Dein ist das wahrhaft und wirklich grosse Geheimnis,
o Gebieter und Schoepfer des Alls,
sowohl die zeitliche Aufloesung Deiner Geschoepfe,
als auch die spaetere Wiederherstellung und die Ruhe in Ewigkeit.
Wir sagen Dir Dank fuer alles, fuer unseren Eingang in die Welt und fuer unseren Ausgang,
welcher uns verheisst die Hoffnung auf die Auferstehung
und auf das unsterbliche Leben nach Deiner untrueglichen Offenbarung,
welches wir erlangen werden bei Deiner zweiten dereinstigen Ankunft.
Denn Du bist sowohl der Urheber unserer Auferstehung,
als auch der unbestechliche und menschenliebende Richter derer, die gelebt haben,
und der Vergeltung Gebieter und Herr !
Da Du auch in hoechster Herablassung in unseres Fleisches und Blutes verwandschaftliche Gemeinschaft getreten bist und unsere unvermeidlichen Leiden,
indem Du sie freiwillig erduldetest, aus innerstem Erbarmen angenommen hast,
so bist Du uns in dem, was Du selbst versuchend erlitten,
ein erfahrener Helfer geworden, wenn wir in Versuchung geraten.
Deshalb hast Du uns auch in Deine Freiheit von Leiden mit eingefuehrt.
Nimm denn nun an unsere Bitten und unser Flehen, Gebieter,
und lass ruhen alle Vaeter eines Jeden und Muetter und Kinder
und Brueder und Schwestern und sonstige Bluts- und Stammesverwandten,
auch alle Seelen, die in der Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben
vordem entschlafen sind, und versetze ihre Geister und Namen in das Buch des Lebens,
in den Schoss Abrahams, Isaaks und Jakobs,
in das Land der Lebendigen, in das Himmelreich, in das Paradies der Wonne,
einfuehrend sie alle durch Deine Lichtengel in Deine heiligen Wohnungen;
und erwecke auch unsere Leiber auf an dem Tage, den Du bestimmt hast
nach Deinen heiligen und untrueglichen Verheissungen.

So ist das nun, o Herr, kein Tod fuer Deine Diener,
wenn wir aus dem Leibe ausgehen und zu Dir, unserem Gott, eingehen,
sondern eine Hinuebersetzung von truebseligen
zu besseren und froehlicheren Umstaenden, Frieden und Freude.
Und wie wir auch wie andere gesuendigt haben,
sei gnaedig sowohl uns als auch ihnen;
denn niemand ist rein von Befleckung vor Dir,
auch nicht an einem Tag seines Lebens,
als Du allein, der Du ohne Suende auf Erden erschienen, unser Herr Jesu Christe,
durch den wir alle die Gnade und die Vergebung der Suenden zu erlangen hoffen.
Darum so erlasse und vergib und verzeihe uns und ihnen
als der guetige und menschenliebende Gott,
unsere Uebertretungen, die vorsaetzlichen und die unvorsaetzlichen,
die bewussten und unbewussten, die offenbaren und die geheimen,
welche wir in Taten und in Gedanken, in Worten
und in allen unseren Lebensaeusserungen und Bewegungen begangen haben.

Denen nun, die vorangegangen, schenke Du die Befreiung und Erquickung,
uns aber, die wir noch anwesend sind, segne;
gib uns ein gutes und friedliches Ende, sowohl uns, wie auch Deinem ganzen Volke;
oeffne uns auch den Schoss Deiner Barmherzigkeit und Menschenliebe
an dem schrecklichen und furchtbaren Tage deiner Wiederkunft
und mache uns wuerdig Deines Reiches !

 

c)

O Gott, Du Grosser und Allerhoechster, der Du allein die Unsterblichkeit hast
und wohnest in unnahbarem Lichte,
der Du die ganze Schoepfung in Weisheit erschaffen,
das Licht von der Finsternis geschieden
und gesetzt hast die Sonne zur Herrschaft ueber den Tag,
den Mond aber und die Sterne zur Herrschaft ueber die Nacht,
der Du uns Suender gewuerdigt hast,
auch am gegenwaertigen Tage mit Bekenntnis vor Dein Angesicht zu treten
und Dir die Abendverehrung darzubringen,
Du menschenliebender Gott, lass unser Gebet vor Dich kommen wie Weihrauch
und nimm es an als duftenden Wohlgeruch.
Lass uns die gegenwaertige Abendzeit und die kommende Nacht friedlich sein;
bekleide uns mit der Ruestung des Lichtes,
bewahre uns vor dem naechtlichen Grauen und vor jedem Ungemach,
welches im Finstern schleicht
und gib uns den Schlaf, den Du zur Erholung unserer Schwachheit geschenkt hast,
frei von allen teuflischen Traeumen.

Ja, Du Gebieter des Alls, Spender des Guten,
auf dass wir auch auf unseren Schlafstaetten Reue fuehlen,
auch bei Nacht Deines allheiligen Namens gedenken
und durch die Beobachtung Deiner Gebote erleuchtet,
in der Freude unserer Seelen zur Lobpreisung Deiner Huld aufstehen
und Gebete und Flehen Deiner Barmherzigkeit darbringen moegen
fuer unsere eigenen Suenden und fuer Dein ganzes Volk,
welches Du
um der Fuerbitten willen der heiligen Gottesgebaererin
heimsuchen moegest mit Gnade !
 


 

Die Geist-Taufe der Jünger am Pfingstfest

Predigt des Hl. Kyrillos von Jerusalem (313 – 386)
* Quellenhinweis *



Jesus stieg in den Himmel hinauf und erfüllte Seine Verheißung, die Er den Jüngern gegeben hatte:
»Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben« (Joh 14,16).
Die Jünger blieben (in Jerusalem) und erwarteten die Ankunft des Heiligen Geistes.
»Als der Pfingsttag gekommen war« hier in dieser Stadt Jerusalem - auch diese Ehre wurde uns hier zuteil; deshalb sprechen wir nicht von Wohltaten, die auch andere erhalten haben, sondern von Gunsterweisen, die nur uns gewährt wurden. Am Pfingstfest also waren die Jünger hier, und vom Himmel kam der Beistand herab,
der Wächter und Heiligmacher der Kirche,
der Hüter der Seelen,
der Steuermann in Stürmen,
der Lichtbringer für die Irrenden,
der Kampfrichter für die Kämpfenden,
der Preisverleiher für die Siegenden
.

Der Geist kam herab, um die Apostel mit Kraft zu bekleiden und sie zu taufen. Denn der Herr sagt:
»Ihr werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft« (Apg 1,5).

Nicht Flickwerk war die Gnade, Vollendung war die Kraft.

Wie der, der bei der Taufe ins Wasser eintaucht, und von allen Seiten vom Wasser umspült wird, so wurden auch die Apostel vollkommen vom Geist getauft. Während das Wasser uns nur von außen umfließt, tauft der Geist die Seele unaufhörlich von innen her.
Du wunderst dich darüber? Du sollst ein Beispiel aus der Erfahrungswelt dafür bekommen, ein kleines und schlichtes, doch für einfachere Leute durchaus lehrreich: Wenn das Feuer in das feste Eisen bis nach innen eindringt, wird das ganze Eisen zu Feuer. Wird das kalte und schwarze Eisen heiß und leuchtend, wenn das Feuer, selbst materiell, in die Materie des Eisens eindringt, was wunderst du dich dann, wenn der Heilige Geist in das Innerste der Seele einkehrt?

Damit man wusste, wie bedeutend die herabkommende Gnadengabe war, erscholl gewissermaßen eine Himmelsposaune:
»Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt.«
Er zeigte die Ankunft dessen an, der den Menschen die Gnade verleiht, »das Reich Gottes mit Gewalt an sich zu reißen« (Mt 11,12); die Augen sollten die Feuerzungen sehen und die Ohren das Brausen wahrnehmen.
»Es erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.« Das Haus wurde zum Becken für das geistige Wasser. Die Jünger saßen in dem Haus, das ganz erfüllt wurde, und wurden vollständig getauft, wie ihnen verheißen war. Sie wurden an Seele und Leib mit dem göttlichen und heilbringenden Gewand bekleidet. »Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten, auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.« Feuer empfingen sie, doch kein verbrennendes, sondern ein heilwirkendes Feuer, das die Dornen der Sünde verzehrt und die Seele erleuchtet. - Dieses Feuer wird auch jetzt auf euch herabkommen, eure dornigen Sünden verzehren und vernichten, den kostbaren Schatz eurer Seele noch mehr erglänzen lassen und euch Gnade schenken; auch damals hat es den Aposteln Gnade geschenkt. - In Gestalt feuriger Zungen ließ sich die Gnade auf die Apostel herab, um ihr Haupt durch die feurigen Zungen mit ganz neuartigen und geistigen Diademen zu krönen.
Einst hatte ein feuriges Schwert das Tor zum Paradies versperrt; eine feurige, rettende Zunge brachte die Gnade zurück....

Bestürzung entstand in der Menge der Zuhörer, eine neue Verwirrung, entgegengesetzt zur ersten schlimmen in Babylon. Während bei der Verwirrung der Sprachen die Pläne durchkreuzt wurden, da sich das Trachten gegen Gott richtete, erfolgte hier eine Wiederherstellung und Einigung der Gesinnung, da das Streben gottesfürchtig war. Bei denen (in Babylon) kam es zum Fall, bei diesen (in Jerusalem) zum Auferstehen. ... Andere aber spotteten: »Sie sind vom süßen Wein betrunken.« Damit sagten sie spottend die Wahrheit. Tatsächlich war der Wein, die Gnade des Neuen Bundes, noch jung. Doch dieser junge Wein kam vom geistigen Weinstock, der oft schon in den Propheten Früchte getragen hatte und im Neuen Bund junge Triebe hervorbrachte. Wie in der sichtbaren Natur der Weinstock immer gleich bleibt und zur entsprechenden Zeit neue Früchte trägt, so hat auch der gleiche Geist, der bleibt, was Er ist und der oft schon in den Propheten gewirkt hat, jetzt etwas Neues und Wundervolles erstehen lassen. Auch über die Väter war die Gnade gekommen, doch jetzt kam sie im Übermaß. Damals erhielten sie Anteil am Heiligen Geist, jetzt aber wurden die Jünger völlig in ihn hineingetaucht.

Petrus, der den Geist empfangen hatte und sich dessen bewusst war, sprach: ... Trunken sind diese Männer in nüchterner Trunkenheit, die die Sünden abtötet und die Herzen mit Leben erfüllt, in einer Trunkenheit, die das Gegenteil vom leiblichen Betrunkensein ist. Sie macht vergessen, was man gewusst hat; diese aber verleiht Kenntnis von dem, was man nicht gewusst hat. Trunken sind sie, da sie den Wein des geistigen Weinstocks genossen haben, der sagt: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben« (Joh 15,5). ... »Es ist erst die dritte Stunde des Tages.« Der, welcher um die dritte Stunde gekreuzigt wurde, wie Markus (15,25) sagt, hat jetzt zur dritten Stunde die Gnadengabe gesandt. Keine andere Gnade ist es hier wie dort (am Kreuz). Jener, der damals gekreuzigt wurde und die Verheißung gegeben hat, hat seine Verheißung erfüllt.

 

QUELLE:
Kyrillos von Jerusalem:
17. Taufkatechese, 13-15.17-19; PG 33, 985 B-992 A
übersetzt in:
Heiser, Lothar:
JESUS CHRISTUS, das LICHT aus der HÖHE
Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche
(Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 47), St. Ottilien 1998, S. 714ff.
hier:   Übers.: G. Wolf   in

* St.Andreas-Bote *

Einige Gedanken zur Frucht des Geistes von Erzbischof STYLIANOS(geb. in Kreta, Metropolit von Australien, Sydney):
(anlaesslich der 7.Vollversammlung des Weltkirchenrates in Canberra)
"Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Sittenlosigkeit, ausschweifendes Leben, Goetzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jaehzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und aehnliches mehr"
(Gal 5, 19-22)
im Gegensatz dazu:
"Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Guete, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung" (Gal 5,22-23)

Der unvollstaendigen Aufzaehlung der ueblen Werke der gefallenen Welt setzt der Apostel die unendliche Zahl 9 der Frucht des Geistes entgegen...
Vielleicht taeten die kranken und belasteten Christen unserer Zeit gut daran, sich wieder den wahren Quellen der christlichen Spiritualitaet im Blick auf die "Erneuerung der Schoepfung" zuzuwenden, wo uns verheissen wird, dass der Geist in uns als Troester wirkt. ...
Die Beschreibung der Frucht dieses troestenden Geistes beginnt mit der Liebe und endet mit der Selbstbeherrschung... Der Liebe (Selbsthingabe), als die erforderliche zentrifugale Kraft, die den Christen zu bewegen beginnt, steht die Selbstbeherrschung als zentripetale Kraft gegenueber, die ihn auf seiner Bahn haelt... Als Christen duerfen uns dieser Wirkung sicher sein: der Heilige Geist ist nicht der "unbekannte" Gott, ... der Heilige Geist wirkt in jedem Augenblick als wahrer Gott in jeder Seele und zugleich ueberall in der Schoepfung !




 

Einige Gedanken zur Realitaet des Heiligen Geistes von Metropolit MICHAEL (geb. in Athen, Metropolit von Austria, Wien):
(Fachtagung 1998 der roem.-kathol. Erzdioezese Wien)
"Der Heilige Geist weht, wo Er will," deshalb kann er auch nicht als zu verwaltender Besitz betrachtet und es ist nicht sinnvoll "das Wirken des Heiligen Geistes ausserhalb der Grenzen der eigenen Kirche in Frage zu stellen."
Die Orthodoxe Kirche wird vielfach als "Spezialistin der Pneumatologie", der Lehre vom Heiligen Geist, betrachtet.
Dadurch wird sie aber bedauerlicherweise einerseits oft als Vorbild zur Schwaermerei hingestellt und andererseits als weltfremd und an den konkreten Problemen der Menschen ganz uninteressiert beurteilt. Tatsaechlich aber stellt in der Orthodoxie die "erfahrbare Heilsgeschichte" den Ausgangspunkt fuer jede Theologie dar: Das konkrete Wirken im konkreten Leben in der konkreten Geschichte steht im Vordergrund und nicht abstrakte, erkenntnistheoretische, metaphysische Spekulation zur Gottesfrage. Gerade deshalb sind wir ueberzeugt davon, dass es keine Zeit in der Menschheitsgeschichte ausserhalb der Wirkung des Heiligen Geistes gab, gibt und geben wird.

Ein Grundvertrauen auf den Heiligen Geist muessen die einzelnen Christen fuer ihr konkretes Leben haben, aber auch die Gesamtkirche auf Erden und deren Verantwortungstraeger bei Entscheidungen innerhalb der Kirche koennen und muessen auf den Heiligen Geist vertrauen. Fuer den Heiligungsprozess innerhalb der Kirche ist die Wirkung des Heiligen Geistes sogar unerlaesslich.

Der Heilige Geist wirkt in jedem Augenblick als wahrer Gott in jeder Seele und zugleich ueberall in der Schoepfung !

St.Andreas-Bote *)


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Stefan Gross