Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils
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1. Oktober (14.10.)

POKROV PRESW. BOGOROD. (slaw.)
ACOPERAMANTUL MAICII DOMNULUI (rum.)

P O K R O V
(Kirche von Griechenland: 28.Oktober = Befreiungstag)


SCHUTZFEST
der
ALLERHEILIGSTEN
GOTTESMUTTER
 

 

Deines Schutzes
Gnadenfülle

besingen wir,
o Jungfrau,

da du
-über alles Verstehen-
wie eine lichtvolle Wolke
deinen Schleier ausgebreitet hast,
um zu schützen dein Volk
vor der Widersacher Arglist.


Durch dich haben wir Schutz,
Beistand und Hilfe
und rufen dir zu:

Ehre deiner Grossmut, Allheilige !
Ehre deinem göttlichen Schutz !
Ehre deiner Fürsorge für uns, Allreine !
 

 



In diesem Fest feiern wir die Gottesgebärerin als Schutzherrin der Welt. Auf der Festtagsikone sind stellvertretend für uns Menschen verschiedener Herkunft und Standes zu sehen. Auf fast allen Ikonen wird der geistige Asket (russ. "Gottesnarr") ANDREAS (936) zu finden. Er hatte in der der Gottesmutter geweihten Blachernenkirche von Konstantinopel eine Erscheinung der Gottesgebärerin hatte und sah, wie diese in einem Vigilgottesdienst ihr Maphorion (Schleier) über das betende Volk ausbreitete. Man sieht ihn als Büsser, wie er auf die Erscheinung der Gottesmutter hinweist und zu seinem Freund und Schüler Epiphanios sagt: "Siehst du die Gebieterin und Königin der Welt ?" Der 1. Oktober ist auch der Gedenktag des Hl. Hymnendichters ROMANOS des Meloden und des Hl. JOHANNES Kukuzel des grössten spätbyzantinischen Hymnographen bulgarischer Herkunft. Am Beispiel des Hl. Romanos wird gezeigt, dass sein musischer Erfolg nicht Verdienst sondern Geschenk Gottes, hier vermittelt durch die Gottesmutter, ist. Man findet auf den meisten Festtagsikonen den jungen Romanos, wie er nachdem es die Gottesmutter angefleht hatte, bei seiner Aufgabe im Gottesdienst nicht zu versagen und sich ins Kloster zurückgezogen hatte, auf dem Ambo vor seinem Chor mit neugeschenkter Stimme seine bis heute unerreichten Kondakien und Iken vorträgt.

 

Das Fest ist im 10. Jahrhundert in Byzanz entstanden, geriet jedoch bald wieder in Vergessenheit.
Im 12. Jahrhundert hat es Fürst Andrej Bogoljubskij (1174) in Wladimir-Susdal eingeführt. Von hier aus verbreitete es sich wieder in der übrigen orthodoxen Welt.

Die Kirche von Hellas hat auf Beschluss des Hl. Synods von 1952 das Schutzfest auf den Nationalfeiertag, den Tag der Befreiung vom osmanischen Joch, am 28. Oktober verlegt.

Wir feiern dieses Fest im Wissen darum, dass die Welt der Fürbitte der Gottesmutter, der Kirche und ihrer Heiligen bedarf.


 

das Folgende aus:
 

St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de



 

 

Geistliches Wort von + Pfarrer Oekon. HERAKLIT Dimaratos:
Ins Himmelreich heimgegangener Pfarrer der Münchner deutschsprachigen Andreas-Gemeinde
in der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland
Griechisch-orthodoxes bischöfliches Vikariat in Bayern
 


 

"Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und Sein Name ist heilig."
Lk 1,49
 


Liebe Gemeindemitglieder und Freunde der Orthodoxen Kirche !

Die Jungfrau Maria ist die Mutter der ganzen Welt, weil alle aufgefordert werden"zur Erkenntnis der Wahrheit [zu] gelangen" (1Tim 2,4), das heißt Glieder Christi in der Kirche zu werden. In der Kirche reicht uns Christus Seinen kostbaren Leib, welchen Er von Natur und Wesen Seiner Mutter, der unbefleckten Jungfrau, erhalten hat. "Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen" (Joh 1,16), nämlich Gnade von Seiner Gottheit. Auf diese Art werden auch wir Kinder der Gottesgebärerin, Seiner Mutter, und Brüder Christi. Folglich sind alle Heiligen Diener der Jungfrau Maria in dem Sinn, daß diese die Mutter ihres Herrn ist, aber auch wir sind ihre Söhne, weil wir vom Leib und Blut ihres Sohnes kommunizieren, was auch ihr Leib und ihr Blut ist. Auch war sie es, die Christus empfangen hat und die erlösende Bindung zwischen Gott und den Menschen bewirkte. Deswegen haben wir sie zur Koryphäe (Größte) der Kirche und Mutter der Welt erhoben.

 

"Wahrhaftig würdig ist es, dich seligzupreisen, die Gottesgebärerin,
die Immerseligste und ganz Unbefleckte, und Mutter unseres Gottes.
Du bist ehrwürdiger als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim.
Unversehrt hast du Gott, das Wort, geboren,
wahrhafte Gottesgebärerin, dich preisen wir hoch."

Ist die Ehre der Gottesgebärerin nun eine wesentliche Voraussetzung für unsere Erlösung? Gewiß. Wer die persönliche Mitwirkung der Jungfrau Maria am Werk unserer Erlösung leugnet und der Gottesgebärerin nicht die ihr gebührende Ehre gibt, bewegt sich nicht in der neuen Schöpfung Christi, sondern befindet sich in der Zeit des Falls und des Verderbens, in der Zeit des alten Adam, der die Wurzel der Sünde ist. Für diesen Menschen ist es so, als wäre Christus nicht geboren. Mit anderen Worten wer die Jungfrau Maria nicht als Gottesgebärerin anerkennt, verleugnet die Gottmenschheit Christi. Er hat von der Lesung der Heiligen Schrift keinen Vorteil und für die Gebote Christi keine Verwendung. Denn nicht die Heilige Schrift errettet uns, sondern allein Christus, den die Heilige Schrift verkündet (vergl. Joh 5,39). An der Bezeichnung Marias als Gottesgebärerin erkennt man "das ganze Mysterium der göttlichen Ökonomie; denn wenn die Gebärende Gottesgebärerin ist, dann ist auch der von ihr Geborene, Gott wie auch Mensch" (Johannes von Damaskus). Wer aber die Jungfrau Maria als Gottesgebärerin anerkennt und an die Gottmenschheit Christi glaubt, muß der Maria die entsprechende Ehre geben und sie als Seine Mutter anerkennen. Daher hat die Ehrerbietung, die wir der Gottesgebärerin entgegenbringen unmittelbare Beziehung zu unserer Erlösung.

So ist die Jungfrau Maria "Gefäß" und "Mitwirkende" Gottes für die Erlösung des Menschen geworden. Mit ihrer Einwilligung hat sie der Heilige Geist überstrahlt, Er hat sie veredelt und zum geeignetem Gefäß gemacht, durch ihr Fleisch wurde die menschliche Natur des Sohnes und Wortes Gottes geboren. Auf diese Weise ist Er nicht nur Gott, sondern wahrhafter Gott im Fleisch.

Die Jungfrau Maria hat nicht die Gottheit, sondern die menschliche Natur geboren, welche zu der einen Person Jesu Christi gehörte, und deshalb ist sie "Mutter des Herrn", nämlich wahrhafte Gottesgebärerin. Durch diese Wahrheit wird die Erlösung des Menschen bewirkt und wer den Glauben, daß Maria die wahrhafte Gottesgebärerin ist verwirft, leugnet auch die Erlösung in Christus.

Christus ist die "neue Wurzel", weil Er nicht von der Wurzel Adams stammt. Er ist "ohne Samen" geboren, von der Jungfrau. Durch Seine Geburt wird die Jungfräulichkeit Seiner Mutter nicht aufgehoben und sie bleibt auch nach der Geburt Jungfrau, und Christus ihr einziggeborener Sohn. Joseph war "Vater" Jesu "nach dem Gesetz" und die sogenannten "Brüder" waren Brüder "nach dem Gesetz".

Die Kirche ehrt Maria als Gottesgebärerin und Immerjungfrau und verkündet, daß im Schoß der Jungfrau die Natur des Menschen erneuert wurde und wir somit Teilhaber des Göttlichen Lebens wurden. So ist Maria die "Brücke", welche die Erde mit dem Himmel verbindet und sie wird von den Gläubigen entsprechend geehrt. Derjenige, der als erster die Jungfrau Maria ehrte, war Gott selbst. Maria wurde die "Begnadete" und die "Gesegnete", die "Mutter des Herrn", die "alle Geschlechter" seligpreisen sollen (vgl. Lk 1,48b).

Aber die orthodoxen Christen stellen die Gottesgebärerin nicht über die Kirche, sondern in sie. Maria hat die kranke Natur geerbt, sie war ein echtes Kind der Welt, welche mit ihrer Einwilligung den Plan Gottes vertreten hat. In ihrem Schoß wuchs die neue Wurzel, aus welcher auch sie selbst ihre Erlösung erhalten hat. Deswegen wird sie als "Allheilige" im Verhältnis zu den übrigen Geschöpfen Gottes und als Koryphäe der Kirche angesehen.

Der heilige Leib des Herrn war auch Leib der Maria, und alle Christen, die sich in den Leib Christi einordnen, werden Brüder des Herrn. Die Jungfrau Maria wird zur Mutter der ganzen Menschheit. Wir betrachten die Jungfrau Maria nicht unabhängig von Christus, sondern immer in Verbindung mit der Voraussetzung unserer Erlösung "in Christus Jesus".

Die Kirche formuliert das in einzigartiger Weise in der göttlichen Eucharistie:

"...Ferner bringen wir diesen geistigen Gottesdienst dar für die im Glauben ruhenden Urväter, Väter, Patriarchen, Apostel, Verkünder, Evangelisten, Martyrer, Bekenner, Asketen und für jeden gerechten Geist, der im Glauben sein Leben vollendet hat.

Insbesondere für unsere allheilige, makellose, hochgelobte und ruhmreiche Herrin,
die Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria."

Wer ihr diese Ehre verwehrt, befolgt die Prophezeiung der Heiligen Schrift "...von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1,48) nicht, sondern lebt vor der Geburt des Erlösers. Denn das Mysterium unserer Erlösung äußert sich mit dem Ausdruck "Gottesgebärerin", vereinigt sich mit der Ehre, die aus dieser Bezeichnung herrührt, und der Person der Jungfrau Maria zugeschrieben wird.

Außerdem betrachtet die orthodoxe Christenheit die Allheilige Gottesgebärerin als ihre Beschützerin bei Gefahren, Bedrängnis und Not. Sie ist unsere Fürsprecherin und Beistand beim Herrn, ihrem Sohn und unserem Gott. Deswegen hat die Orthodoxie ihr mit dichterischer Dynamik viele Hymnen gewidmet:

"Der unbesiegbaren Heerführerin Siegesgesang,
dir, Gottesgebärerin, Dankeslieder
bringt, aus Gefahren befreit, deine Stadt.
Da du unüberwindliche Macht besitzt,
befreie mich aus allen möglichen Gefahren,
damit ich dir zujuble: Sei gegrüßt, unvermählt Vermählte".

"Du, der der Schutz der Christen keine Schande bedeutet,
unverrückbare Fürbitterin beim Schöpfer,
verachte nicht die Stimme der Gebete von Sündern,
sondern eile als Gütige uns zu Hilfe, die dich voll Vertrauen rufen.
Eile auf unser Gebet, sei schnell auf unser Flehen,
die du immer beschützt, die dich, Gottesgebärerin, verehren."


 

 

Der hl. Romanos der Melode

 

Dieser stammte aus Syrien, aus der Stadt der Emeser, er wurde Diakon der heiligen Kirche Gottes in Berytos, die den Namen der Auferstehung trägt. Zur Zeit des Kaisers Anastasios kam er nach Konstantinopel und wohnte in der Kyros-Stiftung bei der Kirche der überaus heiligen Gottesgebärerin, wo er auch die Gnadengabe empfing, Kontakion zu komponieren. Es erschien ihm nämlich die heilige Gottesgebärerin am Abend der Geburt Christi im Traum, reichte ihm ein Papyrusblatt und befahl ihm, dieses hinunterzuschlingen. Nachdem er es verschlungen hatte, erwachte er sogleich, bestieg den Ambon und begann zu singen und höchst melodisch "Die Jungfrau gebiert heute den über dem Sein Seienden" zu rezitieren. Seit damals also schuf er Kontakia auf die Herrenfeste und auf die Gedenkfeste verschiedener Heiliger, etwa tausend an der zahl, von denen die meisten in seiner eigenhändigen Niederschrift in der Kyros-Stiftung aufbewahrt sind. Er starb in Frieden und wurde in selbiger Kirche begraben; dort wird auch seine Gedächtnisfeier begangen."

So lautet der Synaxarbericht, also der biographische Kurztext, welcher unter dem Datum des Todestages des Romanos des Meloden (griech. melodós, ‘Melode, Liedermacher, Sänger’), dem 1. Oktober, zugleich seinem Gedächtnistag, in den byzantinischen Synaxarhandschriften tradiert wird. Eine ausführliche Biographie dieses größten Dichters der Orthodoxie ist leider nicht erhalten. In den orthodoxen Kirchen ist seine Verehrung seit der Zeit des Kaisers Herakleios (610-641) nachweisbar. Dem Synaxar, sowie indirekten Hinweisen aus seinen Hymnen kann man also entnehmen, daß Romanos im letzten Viertel des 5. Jahrhunderts, wohl um 485, in Emesa (heute Homs in Syrien) geboren und daß er, noch in seiner Jugend, in Berytos (heute Beirut, Libanon) zum Diakon geweiht wurde. Da in seiner Heimat neben dem Syrischen das Griechische weit verbreitet war, darf man annehmen, daß Romanos selbst ebenfalls zweisprachig aufgewachsen ist. er kam in der zeit des - die Monophysiten unterstützenden - Kaisers Anastasios I. (491-518) nach Konstantinopel, wo er sich (als Mönch?) in der Marien-Kirche in der Stiftung eines sonst nicht bekannten Patriziers Kyros niederließ; sie ist vielleicht mit dem späteren Kyriotissa-Kloster zu identifizieren, an dessen Stelle in Istanbul heute die Kalenderhane-Moschee steht.

Über die Angaben des Synaxars hinaus läßt sich zu Romanos’ Leben wenig in Erfahrung bringen: Als wahrscheinlich gilt, daß er - ausgenommen vielleicht eine Reise nach Thessalonike - sein weiteres Leben in der Reichshauptstadt verbrachte und daß er den Kaiser Justinian I. (527-565), den Neffen des Kaisers Justin I. (518-527), zu seinen Auftraggebern zählte, was beispielsweise im Hymnus "Auf jegliches Erdbeben und Feuer" deutlich wird, den Romanos anläßlich der Vollendung des Neubaues der Hagia Sophia (537) schuf. Schließlich darf man vermuten, daß Romanos vor Ende 562 starb, da der ‘offizielle’ Hymnus auf die zweite Einweihung der Sophienkirche am 24. Dezember 652 - nach einem teilweisen Kuppeleinsturz im Jahre 558 war eine Erneuerung notwendig geworden - von einem anderen Meloden verfaßt wurde.

Für das Wunder, das Romanos die Gabe der Dichtung, Komposition und Rezitation der Kontakia verlieh, lassen sich Vorbilder feststellen: Der alttestamentliche Prophet Ezechiel empfing seine Sehergabe in ähnlicher Form, der Evangelist Johannes berichtet in seiner Offenbarung über ein gleichartiges Wunder, und auch über den syrischen Kirchenvater Ephraim (ca. 300-373) gibt es einen solchen Bericht.

Das Wenige, was über die Biographie des Romanos bekannt ist, hat Spätere zu legendärer Erweiterung angeregt, ohne zum konkreten Wissen über seine Persönlichkeit beizutragen. Einen berührenden, volksnahen Text, der vor 1300 entstanden sein muß, enthält eine Handschrift auf dem Heiligen Berg Athos. Aus ihm seien Teile des Dialogs zwischen der Muttergottes und Romanos zitiert, die besonders ansprechend sind; der Dialog entspinnt sich in einer Nacht, die Romanos - verzweifelt über seine Unmusikalität, die ihm auch den Spott anderer Kleriker einbringt - im Gebet durchwacht. Da erscheint ihm Maria: Was hast du, Romanos, gesegnetes Kind, was betrübt sich? - Es ist wegen meiner Unmusikalität, Herrscherin, Herrin, weil ich von allen ausgelacht werde. - Und wenn ich dir eine helle Stimme schenke, was versprichst du mir? Wirst du Mönch? - Ja, meine Herrin, das ist ja mein Herzensbedürfnis! - Auch ich habe deine Seelenneigung erkennt, doch freilich, diese Gabe kann denen Schaden bringen, die nicht behutsam damit umgehen. Wenn du also die Gabe erhalten willst, so hüte das Geheimnis, keiner soll es erfahren! Gib all deinen Besitz den Armen und geh in meinen lieben Palast, ich meine das Abassos-Kloster, und werde Mönch! Und dann will ich kommen und dich heimsuchen." Maria hält dann auch ihr Versprechen und verleiht Romanos die Gabe, Hymnen zu verfassen.

Der Legende nach schuf Romanos Melodos tausend Hymnen. Tatsächlich sind in spätbyzantinischen Sammelhandschriften unter dem Namen des Romanos etwas neunzig Hymnen überliefert, von denen die Forschung heute etwas sechzig als echt anerkennt. Über ihre Entstehung im Einzelnen ist ebenso wenig bekannt wie über eine Datierung, die meist nicht konkreter sein kann, als der ungefähre zeitliche Rahmen, mit dem die Schaffenszeit des Romanos bemessen ist, also etwa die erste Hälfte und die Mitte des 6. Jahrhunderts.

In seiner der Koiné des 6. Jahrhunderts nahestehenden Sprache ist Romanos um Schlichtheit und Bildhaftigkeit bemüht. Seine Quellen bzw. Vorlagen sind das Alte und das Neue Testament, die Chrysostomus-Liturgie, Apokryphen, Märtyrer- und Heiligenviten, Ephraim der Syrer und griechische Kirchenväter, insbesondere Athanasios und Kyrillos von Alexandreia, Johannes Chrysostomos, Proklos von Konstantinopel, Basileios von Seleukia und die Kappadokier Basileios von Kaisareia, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa. Dementsprechend ist auch seine Sprache durch das biblische und patristische Griechisch geprägt, wobei Semitismen erkennbar sind, welche mit seiner Herkunft aus dem syrischsprachigen Ambiente und seiner Kenntnis der syrischen Väter, insbes. Ephraims, erklärt werden.

Ausschnitt aus dem auch als Weihnachtsgeschenk empfehlenswerten, weil literarisch und theologisch vorbildlichen Buch:

Johannes Koder:
" Mit der Seele Augen sah er deines Lichtes Zeichen "
Romanos der Melode
Hymnen des orthodoxen Kirchenjahres
(Wien 1996)


 

14. September (27.9.)

IPSOSIS tou timion zoopoidon Stavrou (gr.)
WSDWISH. SW. KRST. GOSPOD. (slaw.)
Înălţarea Sfintei Cruci (rum.)

ERHÖHUNG
des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S

 

Rette, Herr, Dein Volk
und segne Dein Erbe !

Verleihe Deinen Gläubigen
Sieg über die Widersacher !
Und behüte Deine Gemeinde
mit Deinem Kreuz !

Gewähre Sieg über das Böse,
Frieden in Deiner Gemeinschaft
durch die Waffe des Kreuzes,
des unüberwindlichen Siegeszeichens !
 

Festtagsikone, zeitgen. 20.Jhdt., Adam Russak

 

Lesungen:
1 Kor 2: 6-9
Gal 6: 11-18
Hebr 3: 1-4
1 Kor 1: 18-24
Gal 2: 16-20

Evangelien:
Mt 10:37-11:1
Joh 3: 13-17
Joh 12:25-36
Joh 19: 6-11, 13-20, 25-28, 30-35
Mt 8:34 - 9:1

Dein Kreuz, o Gebieter, beten wir an,
und Deine heilige Auferstehung verherrlichen wir.

 

Erzählungen zum Fest
Metr. ANTHONY: Predigt zum Fest
Heiser: Das KREUZ CHRISTI in Geschichte und Gottesdienst:


Das Fest unterstreicht die Zeitenwende des neuen Kirchenjahres:
Die nachpfingstliche Zeit der Erfüllung schlägt um in die vorösterliche Zeit der Erwartung.
 

Seit dem 7. Jahrhunderts, als Kaiser Heraklios am 3. Mai 628 die Reliquie des Hl. Kreuzes von den Persern zurückholte, wird der Gedenktag der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die Hl. HELENA (Mutter des Kaisers Konstantin) im Jahre 326 in Jerusalem, in der gesamten christlichen Welt gefeiert.
Am Vortag ist das Kirchweihfest der Auferstehungs-Basilika über dem Hl. Grab in Jerusalem, bei deren Bau das Kreuz wiedergefunden wurde und die am 13. September 355 geweiht wurde.
 


Am heutigen Tag steht im Zentrum der Zeremonien das blumengeschmückte Kreuz, das nach allgemeinen Fürbitten unter "Herr erbarme Dich" - Gebet durch den Bischof oder seinen Vertreter von ganz tief am Boden bis in die höchste erreichbare Höhe gehoben wird und damit der Segen in alle Himmelsrichtungen erteilt wird.
Man gedenkt des "Holz des Kreuzes" und des "Zeichen des Kreuzes" in dem das Heilsgeschehen durch das Kreuz Christi, -d.h. Seinen Tod und Seine Auferstehung- seinen Mittelpunkt gefunden hat, seiner Bedeutung in der Offenbarung des Heilswerkes Gottes für Sein Volk:



- Das Holz des Kreuzes des Baumes im Garten Eden:
Am Kreuz sprießt das neue Leben des himmlischen Paradieses (Gen 2:9-15)


- Das Holz der Arche Noah:
Das Holz des Kreuzes rettet die Sünder, bewahrt sie vom Ertrinken in den Fluten des Todes; birgt sie in der neugestalteten Welt Gottes (Gen 6:9 -9:17)


- Jakob kreuzt die Arme, um die Söhne des Joseph zu segnen:
Aller Segen geht vom Kreuz aus (Gen 48: 8-20)


- Mose streckt seine Arme aus, um das Meer zu öffnen und zu schliessen:
Der Gekreuzigte öffnet durch Sein Pas´cha den Weg in das Reich Gottes und verschliesst die Pforten der Unterwelt (Ex 14: 21 - 29)


- Mose wirft Holz in die Quelle von Mara, um ihr die Bitterkeit zu nehmen:
Das Holz des Kreuzes nimmt die Bitterkeit des Todes (Ex 15: 25-26)


- Moses schlägt mit dem Holz seines Stabes auf den Felsen, aus dem sogleich Wasser hervorströmt:
Wunderbares Leben entspringt dem Kreuz des Herrn (Ex 17: 1-7)


- Der Stab Aarons erblühte:
Am Kreuzesholz erblüht uns das Hohepriestertum Christi (Num 17: 1-10)


- Die eherne Schlange wurde in der Wüste auf einem Pfahl erhöht, so dass jeder von einer Schlange Gebissene, der sie anschaute, nicht starb, sondern am Leben blieb:
Wer auf den gekreuzigten Christus schaut und an Ihn glaubt, wird nicht sterben, sondern das ewige Leben haben (Num 21: 4-9, Joh 19:37)


- Das Volk Israel lagerte am Berge Sinai kreuzförmig um das Bundeszelt:
Das Kreuz ist die Lebensordnung des neuen Gottesvolkes (Num 2: 3-31)

 

Über diese reiche Tradition soll aber der Zielpunkt, das Opfer des als Mensch im Fleisch geborenen Sohnes Gottes, nicht vergessen sondern hervorgehoben werden.

Siehe dazu:
Predigt
von
Metropolit ANTHONY (Bloom) von SOUROSH (London)

 



 

Heute wird erhöht,
der in der Erde verborgen gewesene Baum des Lebens
an den Christus geheftet war.
So wird gefestigt unser Glaube an die Auferstehung.
Hoch erhoben durch des Priesters Hand,
verkündet das Kreuz Seine Auffahrt in die Himmel.
Durch sie wird unsere gefallene Natur erhöht
und in die himmlische Heimat versetzt.
Lasset uns danksagen und rufen:
"O Herr, der Du auf das Kreuz erhöht wardst,
Du hast mit Dir Selbst auch uns erhöht.
Würdige der himmlischen Freude
die Dich in Liebe preisen !"

(aus den Stichirien zu den Laudespsalmen des Festes)



 


 

 

zeitgen.Ikone, Adam Russak bulgarische volkstüml. Ikone;18.Jhdt;Sw.Georgi/Belowo;Schule v.Trjawna

 

 

Erzählungen zum Fest

ERHÖHUNG
des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S

 


Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"
 

Zeichen am Himmel vor Rom und Byzanz
Auffindung und Geschichte um das Hl. Kreuz in Jerusalem
 


In der Kirche wird das Zeichen des Kreuzes schon sehr früh verwendet. Bereits im 2. Jahrhundert ist verbürgt, dass sich Christen mit dem Kreuzzeichen segnen. Das Kreuz, das in vorchristlicher Zeit ein Zeichen für einen schmachvollen Tod war, wurde für die gläubigen Christen zum Zeichen des Sieges über den Tod, den Satan und alle seine Macht.

Die besondere Verehrung des Kreuzes Christi wurde im IV. Jahrhundert unter dem apostelgleichen Kaiser KONSTANTIN dem Großen und seiner Mutter HELENA eingeführt. Das Kreuz des Herrn erschien ihm dreimal im Leben.

 

  Das erste Mal sah er das Zeichen des Kreuzes während des Krieges gegen den ruchlosen Maxentius, dem Herrscher von Rom, der viel menschliches Blut bei der Wahrsagerei vergoss und den Dämonen eine große Zahl von Kindern, Mädchen und schwangeren Frauen zum Opfer brachte, um seinen trügerischen Göttern zu gefallen. Maxentius führte ein zügelloses und abscheuliches Leben und war in ganz Rom verhasst.
Als Konstantin gegen Maxentius zog, setzte er seine ganze Hoffnung auf Gott. Konstantin hatte nur 25.000 Soldaten, Maxentius ungefähr 200.000. Da er wusste, dass Satan mit seiner Macht auf der Seite des Maxentius stand, begann Konstantin zu dem einen Gott zu beten, der im Himmel und auf Erden herrscht und den alle Christen verehren. Er bat Gott um ein Zeichen dafür, dass der Krieg gegen den ruchlosen Maxentius erfolgreich sein werde.
Als er inständig betete, erschien zu Mittag am Himmel ein aus Sternen bestehendes Kreuz des Herrn, das heller schien als die Sonne. Zusammen mit dem Kreuz war eine Schrift am Himmel zu sehen: " In diesem Zeichen wirst du siegen ", d.h. " Durch das Kreuz wirst du siegen. " Diese wundersame Erscheinung sahen alle Soldaten. Alle waren sehr erstaunt und erschrocken. Viele Soldaten waren Heiden, und für Heiden war das Kreuz ein Zeichen für Unglück und Tod, weil zu jener Zeit auf dem Kreuz Verbrecher und Missetäter starben. Die Krieger fürchteten, dass die Erscheinung des Kreuzes Unglück bedeutete. Konstantin selbst war sehr verwirrt. In der Nacht erschien ihm Christus selbst und wies wieder auf das Kreuz und sagte: " Fertige so ein Kreuz an und lass es vor deinen Kriegern einhertragen, dann wirst du nicht nur Maxentius besiegen, sondern auch alle deine Feinde. quot;
Der Kaiser erzählte seinen Vertrauten von diesem Traum und befahl den Goldschmieden ein Kreuz herzustellen, so wie es vor allen am Himmel erschienen war. Das Kreuz wurde aus Gold gemacht und mit Perlen und Edelsteinen geschmückt. Allen Soldaten befahl er, ein solches Kreuz auf die Waffen, Helme und Schilder zu malen.
Trotz seiner übermacht wurde Maxentius besiegt. Nachdem Konstantin in Rom eingezogen war, dankte er Gott für den errungenen Sieg und befahl, zum Gedächtnis daran in der Mitte der Stadt auf einer hohen steinernen Säule ein Kreuz aufzustellen. Auf dem frequentiertesten Platz der Stadt wurde für Konstantin ein Denkmal mit einem Kreuz in seiner rechten Hand errichtet. Konstantin ließ auf ihm eine Inschrift auf lateinischer Sprache anbringen: " Durch dieses erlösende Zeichen, den wahren Erweis von Mut, errettete und befreite ich eure Stadt vom Joch des Tyrannen und gab nach ihrer Befreiung dem römischen Senat und dem Volk ihren früheren Glanz und ihr Ansehen zurück. "

Das zweite Mal sah Konstantin das Kreuz am Himmel, als er die kleine Stadt Byzanz, das spätere Konstantinopel, belagerte, das dritte Mal als er gegen die Skythen kämpfte. Alle diese großen und siegbringenden Erscheinungen überzeugten Konstantin später, dem Beispiel seiner Mutter, der Kaiserin HELENA zu folgen und sich taufen zu lassen.

 

  Die fromme Kaiserin HELENA beschloss, sich mit einer grossen Geldsumme nach Jerusalem zu begeben, um dort nach dem Kreuz des Herrn zu suchen. Unterwegs besuchte Helena viele heilige Orte, reinigte sie von der Entweihung durch Götzenbilder und entdeckte die Reliquien vieler Heiliger. Der damalige Patriarch von Jerusalem MAKARIOS empfing die Kaiserin mit gebührenden Ehren. Die selige Helena rief bei der Suche nach dem Kreuz des Herrn Juden zu sich und befragte sie, wo das Kreuz versteckt sei. Alle winkten ab und sagten, dass sie es nicht wüssten. Schließlich zeigte man ihr einen alten Mann namens Judas, den Sohn eines geachteten Propheten, und meinte, er müsse wissen, wo sich das Kreuz befinde. Judas weigerte sich ebenfalls lange, den Ort zu zeigen. Aber schließlich entschloß er sich dazu und brachte alle zu einem großen Hügel aus Erde und Steinen, auf dem der römische Kaiser Hadrian schon vor jener Zeit einen Tempel für die Göttin Venus errichtet hatte. Judas gab an, dass sich genau unter diesem Tempel das Kreuz befinde.
Helena befahl sogleich, den Tempel abzureißen, die Steine wegzuräumen und die Erde aufzugraben. Der Patriarch Makarios verrichtete an dieser Stelle ein Gebet, und in der Luft verbreitete sich ein Wohlgeruch. An dieser Stelle, ein wenig weiter östlich dieses Tempels, wurden das Grab Christi, die Schädelstätte Golgota, drei Kreuze und auch die Kreuzigungsnägel gefunden. Alle waren fassungslos, da sie nicht wussten, welches der drei Kreuze das Kreuz Christi war. Es geschah, dass man zu jener Zeit einen Toten zum Begräbnis vorbeitrug. Der Patriarch Makarios befahl den Trägern stehen zu bleiben, und die Kreuze wurden der Reihe nach auf den Toten gelegt. Als das Kreuz Christi auf ihn gelegt wurde, erwachte der Tote; er wurde durch die Kraft des göttlichen Kreuzes zum Leben erweckt. Die Kaiserin Helena ergriff das ehrwürdige Kreuz mit Freude, küsste es und verneigte sich vor ihm. Dasselbe taten auch alle Kriegsherren und Würdenträgern, Krieger und Bürger. Da aber rings herum viele Leute standen, die das Kreuz des Herrn sehen wollten, befahl die Kaiserin Helena, es allen zu zeigen. Der Patriarch Makarios stellte sich auf den höchsten Platz, erhob das Kreuz und zeigte es allen. Alle Versammelten riefen dabei: " Herr, erbarme Dich ! "

Seit jener Zeit, dem 14. September 335, wird das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert.

Helena nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel an sich, das Kreuz selbst legte sie in eine silberne Truhe und übergab sie dem Patriarchen Makarios, damit er das Kreuz für die kommenden Generationen aufbewahre.
Judas, welcher der Kaiserin Helena den Ort des Kreuzes des Herrn gezeigt hatte, und viele Menschen mit ihm bekehrten sich zum Glauben an Christus. Er ließ sich taufen und nahm den Namen Kyriakos an, d.h. dem Herrn angehörend. Später wurde Kyriakos Patriarch von Jerusalem und erlitt unter der Herrschaft Julians des Apostaten den Märtyrertod.
Die heilige Helena befahl, an den heiligen Stätten in Jerusalem Kirchen zu bauen. Vor allen anderen wurde die Kirche der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus an der Stelle gebaut, wo das Grab Christi und Sein ehrwürdiges Kreuz gefunden worden waren. Sie befahl auch, eine Kirche in Getsemani zu bauen, wo sich das Grab der Gottesmutter befand. Die Kirche wurde zu Ehren ihrer Entschlafung geweiht. Danach ließ die fromme Helena noch achtzehn Kirchen bauen, schmückte sie reich aus, beschenkte sie mit allem für die Verrichtung der Gottesdienste notwendigen Gerät und kehrte erst dann nach Byzanz zurück. Sie nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel mit sich, mit denen die Hände und Füße des Herrn durchbohrt worden waren.
Es muss noch erwähnt werden, wie das Kreuz des Herrn am Beginn des VII. Jahrhunderts durch die Perser geraubt und später zur Freude der Gläubigen wieder nach Jerusalem zurückgegeben wurde.
In Persien herrschte zu jener Zeit Chosrau. Er war sehr kriegerisch und in seinen Schlachten erfolgreich. Chosrau unterwarf Ägypten, Afrika, Palästina und nahm Jerusalem ein, wobei er viele Christen tötete. Die Krieger Chosraus plünderten Jerusalem und entwendeten die kirchlichen Schätze und Geräte. Es wurde auch die Truhe mit dem Kreuz Christi geraubt. Die byzantinischen Herrscher bemühten sich, Chosrau zu besiegen, erlitten dabei aber mehrere Niederlagen. Der Kaiser Herakleios bat Chosrau um Frieden, dieser jedoch lehnte hochmütig ab. Herakleios wurde sehr betrübt und begann, Gott um Seinen Schutz zu bitten. Er befahl allen Gläubigen zu beten, zu fasten und zu wachen, damit sie der Herr vom Feind befreie, der sich stolz damit rühmte, alle Christen zu vernichten, und den Namen Gottes lästerte. Alle beteten darum, dass die Heiden verstünden, dass es nur einen Gott gibt, und nicht sagen könnten: "Wir und unsere Götter sind stark." Die Heiden sollten verstehen, dass niemand der Macht unseres Gottes widerstehen kann. Der Kaiser Herakleios betete selbst unter Tränen und fastete. Dann sammelte er alle Soldaten und zog mit Zuversicht auf Gottes Hilfe gegen die Perser in den Krieg. Herakleios besiegte Chosrau, schlug ihn in die Flucht und siegte im Laufe von sieben Jahren immer wieder über die zahlreichen Reste seines Heeres, die sich weiter zur Wehr setzten. Bald darauf wurde Chosrau von seinem eigenen Sohn ermordet, der selbst Herrscher werden wollte und sogleich einen Boten zu Herakleios schickte, um bei ihm um Frieden zu bitten. Der Friede wurde geschlossen, der Kaiser Heraakleios kehrte als Sieger heim und brachte die Teile des Kreuzes Christi wieder zurück, die vorher von den Persern geraubt worden waren. Das Kreuz hatte sich etwa 14 Jahre bei ihnen befunden. Der Kaiser Herakleios freute sich und pries Gott für Seine Hilfe.
Nachdem er nach Jerusalem gekommen war, legte er die Teile des Kreuzes auf seine Schultern, um sie an ihren früheren Ort zu bringen; er trug das Kreuz, selbst in kostbare, mit Gold und Edelsteinen geschmückte Purpurgewänder gekleidet. Auf seinem Haupt trug er die Kaiserkrone. Als die Prozession zum Tor gekommen war, das auf die Schädelstätte Golgota führte, fühlte Herakleios zu seinem Erstaunen, dass er keinen Schritt weitergehen konnte. Den Kaiser begleitete der Patriarch von Jerusalem Zacharias. Er war mit den Bewohnern der Stadt mit Zweigen von Feigenpalmen der Prozession entgegengekommen und hatte sich ihr angeschlossen. Der Patriarch sah plötzlich einen Engel des Herrn, der im Tor stand und den Kaiser am Weitergehen hinderte.
Der Engel sprach zum Patriarchen:
" Nicht SO hat unser Schöpfer das Kreuz hierher getragen, wie ihr es jetzt tragt. "
Der Patriarch war über diese Worte sehr erschrocken und sagte zu Herakleios: " Wisse, dem, der reich gekleidet und mit kaiserlichen Prunk geschmückt ist, ist es unmöglich, dieses heilige Kreuz zu tragen, das Christus getragen hat, der unseretwegen arm und erniedrigt war. Wenn du das Kreuz tragen willst, so tue es wie der Erlöser. " Der fromme Kaiser legte sein kaiserliches Gewand ab, legte ein einfaches armseliges Gewand an und durchschritt nun ungehindert das Tor mit dem Kreuz und trug es in die Kirche, von wo es von den Persern geraubt worden war, und stellte es auf seinem früheren Platz wieder auf.

 

 

HL. EPHRAIM, DER SYRER:
 

Durch das HL. K R E U Z...
 

 

Unser Herr ging uns voran und unterwarf Sich dem Tod aus freien Stücken.
Dies um den Tod gegen dessen Willen unterzutreten.
Weil es der Tod so wollte, ging unser Herr hinaus und trug sein Kreuz. Aber dann erhob Er am Kreuz Seine Stimme und führte die Toten aus der Herrschaft des Todes aus der Unterwelt herauf, sosehr auch der Tod sich dagegen wehrte.

Er, der Sohn des Zimmermanns, richtete Sein Kreuz auf über dem alles verschlingenden Abgrund des Todes und trug das Menschengeschlecht hinüber in das Haus des Lebens.

Weil das Menschengeschlecht beim Verlust des Paradieses durch das Holz des Baumes tief gefallen war, führte Er es nun über das Holz des Kreuzes in das Haus des Lebens.

Dir sei Ehre !
 
Du hast Dein Kreuz gezimmert als Brücke über den Abgrund des Todes
damit die Seelen vom Land des Todes -zu dem des Lebens hinüberschreiten können.
 

Dir sei Ehre !

Du nahmst den Leib eines sterblichen Menschen an
und machtest ihn für alle Sterblichen zur Ursache des Lebens.

Ja, du lebst !

Denn deine Mörder taten mit dir, wie die Bauern tun:
Sie säten Dein Leben wie Weizen in die Erde.
Aus ihr musstest Du auferstehen,
um viele Menschen zugleich mit Dir zu erwecken.


Kommt, lasset uns unsere Liebe als grosses und allumfassendes Opfer darbringen.
Volltönende, reiche Lieder lasset uns singen und Gebete an Den richten,
Der Sein Opfer am Kreuz Gott darbrachte,
um uns alle durch Sein Kreuz reich zu machen.
AMIN !


 

6. August (19.8.)

METAMORPHOSIS (gr.) 
PREOBRAZHENIE (slaw.) 
SCHIMBAREA (rum.)
 


VERKLÄRUNG 

unseres Herrn, Gottes und Erlösers
 

JESUS CHRISTUS

 

Du wurdest verklärt 
auf dem Berge, 
Christus Gott,
und zeigtest Deinen Jüngern 
Deine Herrlichkeit, 
soweit sie diese 
zu ertragen vermochten.

Lass strahlen 
auch uns Sündern 
Dein ewiges Licht,
auf die Fürbitten 
der Gottesgebärerin,

Lichtstrahlender
Ehre Dir !





 

 




 

Evangelium:

Mt 17: 1-9 
 

Das Hochfest der "Methamorphosis" geht vermutlich auf die Kirchweihe der im 4. Jahrhundert von der Kaiser-Mutter, der Hl. HELENA, 
gestifteten Kirche auf dem Berg Tabor zurück. 

Als Zeichen der Hoffnung auf eine verklärte Schöpfung bringen heute die Gläubigen die gereiften Früchte, 
die in der Kirche gesegnet 
und nach dem Gottesdienst grosszügig an alle verteilt werden. 


Verklärte Natur  :  KLOSTER VERKLÄRUNG CHRISTI, BULGARIEN

 

 

Festtagsgottesdienst in Sofia, Bulgarien


So wie 2003 hier in der Kathedrale Sv. NEDELJA in SOFIA, BULGARIEN haben die Gläubigen die verklärte Natur in Form von Früchten zum Dank an den Schöpfer und zum Segnen zum Wohle der Menschen in die Festtagsliturgie mitgebracht. 
Im Norden segnet man Äpfel, im Süden Trauben.
(Pressefoto der bulgarischen Zeitung STANDARD; Fotograf: Viktor Levi)

 

Das Hochfest der Verklärung weist uns auf Sinn und Ziel unseres Lebens und der ganzen Schöpfung hin 
und macht uns wie den Aposteln Mut mit diesem Ziel vor Augen 
auch schmerzhafte Schicksalsschläge überstehen zu können.


 

Die Jünger schauten Deine Herrlichkeit, soweit sie diese zu ertragen vermochten, 
auf dass sie das freiwillige Leiden zu erkennen vermöchten, 
wenn sie Dich gekreuzigt sähen, 
der Welt aber verkündend, 
dass Du in Wahrheit bist der Abglanz des Vaters. 

 

Festtagsikone, Syrien-Libanon, 19.Jhdt,mit arab.Schrift


Wie bei einer Bergwanderung im Nebel bisweilen der blaue Himmel durchbricht und einen Blick auf den noch zu erklimmenden sonnenbestrahlten Gipfel freigibt, so wurde den Jüngern hier auf dem Berg Tabor für einen kurzen Augenblick etwas von der Herrlichkeit der Schau Gottes erfahrbar, zu der zu gelangen die Bestimmung und die Sehnsucht unseres christlichen Lebens ist. 
Diese werden wir erreichen, wenn wir im geduldigen Aufstieg durch Leiden und Mühen das Ziel nicht aus dem Sinne lassen, auch wenn es uns meist durch die Nebel unseres Alltags verdeckt ist. Was aber im Nebel zumeist verborgen bleibt, ist jetzt schon und nicht erst in Zukunft die unvergängliche Wirklichkeit. 
Darum war es den orthodoxen Mönchsvätern im 14.Jahrhundert (u.a. der Hl. GREGOR PALAMAS) wichtig, 
in Auseinandersetzungen mit westlichen pseudohumanistischen Realismusideen festzuhalten, dass das von den Jüngern auf dem Berg Tabor geschaute Licht nicht nur ein psychologisch erklärbares Phänomen war, sondern Gott, das ungeschaffene Licht Selbst, das am Ende unseres Lebens von uns allen erfahren werden wird - in dem Masse, wie ein jeder dazu bereit sein wird.
Darauf spielt unser Festtropar an, und der Hl.EPHRAIM der Syrer (306-373) bezeugt es in einer seiner Hymnen mit den Worten:

 

+ 
Wie ein jeder das Auge im Diesseits gereinigt hat, 
so wird er dort schauen können die Herrlichkeit des Allerhöchsten. 
+ 
Wie ein jeder das Ohr im Diesseits geöffnet hat, 
so wird er dort vernehmen Seine Weisheit. 
+ 
Wie ein jeder sein Inneres im Diesseits weit gemacht hat, 
so wird er dort aufnehmen können von Seinen Schätzen.
 

Hirmos der Oden des Kosmas Monachos im Orthros zum Fest der Verklärung Christi 
 



Schimbatu-Te-ai la fata, in munte, Hristoase Dumnezeule, 
aratand ucenicilor Tai slava Ta, pe cat li se putea; 
straluceasca si noua, pacatosilor, lumina ta cea pururea fiitoare, 
pentru rugaciunile Nascatoarei de Dumnezeu, 

Datatorule de lumina, slava Tie!

 

 

Verklärte Natur: KLOSTER VERKLÄRUNG CHRISTI, BULGARIEN 
zu ähnlichen Beispielen von Harmonie zwischen Natur und Kirche

 

 


 

 


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20. Juli (2.8.)

Hl. Prophet ELIAS

 

 

ELIAS, den Thesbiter, 
hast Du, 
Barmherziger,
von der Erde hinweggenommen, 
auf dem Feuerwagen,
o Logos 


Auf seine Bitten 
errette uns, 
die wir 
gläubig Dich lobpreisen 
und in Freude begehen 
sein gotterfülltes und 
ehrwürdiges Gedächtnis.



 
Festtagsikone Bulgarisch .Jhdt.

 

Prophet ELIJA in der Ikonenmalerei




 

Nicht im Beben der Erde, 
sondern im linden Hauche, 
hast du geschaut das Kommen Gottes, gottseligster ELIAS, 
das einstens dich hat erleuchtet. 
 

 

Auf dem Wagen aber bist du vierspännig einhergefahren 
und hast den Himmel durchquert 
auf ungekannte Weise. 
Gottbegeisterter, mit Staunen betrachtet.




 

Der Hl. ELIAS (eli-JA: " Mein Gott ist JAHWE )" war ein mutiger Kämpfer für den Glauben an JAHWE, den einen wahren Gott. 
Er wird auch Thesbiter genannt, weil er aus Tischbe in Gilead kam, einem rauhen Bergland im heutigen Ostjordanland beidseits des Flusses Jabbok. 
Er lebte im 9. Jahrhundert v. Chr. zur Zeit des Königs Ahab (871 - 852 v.Chr.). 
Von seinem Leben und Kampf gegen den " Baalkult " berichten uns die Bücher der Könige des Alten Testaments. König Ahab hatte, unter dem Einfluss seiner heidnischen Frau, in der Hauptstadt Samarias einen Baalstempel errichten lassen und war vom Glauben an den einen Gott der Väter abgefallen. Der Hl. Prophet ELIAS kündigte dem König eine grosse Dürre als Strafe Gottes an und kämpfte sein ganzes Leben lang für den einen Gott des Volkes Gottes und mit Gottes Hilfe gegen die vom Glauben abgefallenen Machthaber und falsche Propheten des Heidentums. Mehrmals auf der Flucht vor der Staatsmacht, wurde er immer wieder vom Herrn bestärkt, von Raben und später sogar von Engeln des Herrn versorgt. 
Dieses mutige Auftreten gegenüber den Mächtigen und Gottes an ihm erwiesene Fürsorge machte den Heiligen ELIAS zu einem in allen orthodoxen Völkern sehr verehrten Volksheiligen. 
Am Jordan gebietet der Hl. Elias, wie Moses in Gottes Namen dem Wasser, ein Zeichen, dessen wir orthodoxe Christen auch heute bei jeder grossen Wasserweihe gedenken. Am Ende seines Lebens sandte ihm Gott einen feuriger Wagen, von feurigen Rossen gezogen und der Hl. ELIAS fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.



 

Festtagsikone Bulgarisch .Jhdt.



 

Folgender Text 
von Hypodiakon NIKOLAUS Thon: "Vierspännig auf dem Feuerwagen, der Prophet ELIJA und seine Darstellung in der Ikonenmalerei" in: Hagiographie, Studien zum Heiligenbild der Orthodoxen Kirche, Typos-Verlag, Herten 1992


hier aus:
St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de



 

 

Hl. Prophet ELIAS 
- Heiliger der Christenheit nach dem Zeugnis der Kirchenväter



Die Verehrung des alttestamentlichen Propheten ist nicht allein auf volksreligiöse Überlieferung beschränkt, sondern korrespondiert mit der Aufmerksamkeit, die seiner Gestalt schon die meisten der altkirchlichen Theologen widmeten, und zwar sowohl die griechischen wie die orientalischen wie auch die lateinischen Kirchenväter. 
So lassen sich in der gesamten patristischen Literatur ungefähr 3000 auf den Hl. ELIJA hinweisende Stellen nachweisen. Einige zählen ihn einfach in einer langen Reihe anderer biblischer Personen - besonders Propheten - auf, etliche aber beschäftigen sich ausführlich mit seinem Leben und Wirken und vor allem mit dessen christlicher Deutung. Allein beim hl. Gregorios dem Theologen (329/330-390) finden wir 40 solcher Erwähnungen. Die wohl früheste christliche Würdigung des Propheten finden sich im 1. Klemensbrief (17:1): 
" Wir wollen Nachahmer sein auch derjenigen, die in Ziegen- und Schaffellen einherzogen und die Ankunft Christi verkündeten: Wir meinen die Propheten Elija, Elischa und dazu noch Ezechiel, die von Gott ein gutes Zeugnis erhalten haben. "

 


Auch nach dem Abschluss der patristischen Zeit im engeren Sinne haben immer wieder bedeutende Autoren - vor allem im griechisch-byzantinischen Raum - ihre Aufmerksamkeit dem Tischbiter zugewandt, so beispielsweise Kaiser Leo VI. der Weise (886-912), der nicht genau zu datierende Metropolit Theophanes Protothronos, ein nicht näher identifizierter Mönch Joannes oder der Kämpfer gegen die Pseudo-Union von Florenz und Bischof von Ephesos, der Hl. MARKOS EUGENIKOS (um 1380 - nach 1453), von denen alle - teilweise bis heute nicht editierte - Homilien, Enkomien oder Kommentare zum Hl. ELIJA, dem Tischbiter stammen. Sieben nehmen einen besonderen Platz ein, die von verschiedenen Manuskripten byzantinischer Homiliare als Lesungen für den Festtag des Hl. Elija, den 20. Juli, angegeben werden: je eine dem Hl. JOHANNES von DAMASKOS, dem Hl. EPHRÄM dem SYRER und dem Hl. BASILEIOS von SELEUKIA sowie vier dem Hl. JOANNES CHRYSOSTOMOS zugeschriebene Homilien. Dabei gehen die Autoren nicht nur in ihren theologischen Ausdeutungen von Gestalt und Werk des Propheten über den biblischen Textbefund hinaus, sondern auch in ihren biographischen Angaben zum Hl. ELIJA. Quelle hierfür dürften neben lokalen Überlieferungen auch ausser- oder nachbiblische jüdische Traditionen gewesen sein, die in den Midraschim Aufnahme gefunden haben.


So zur Geburt des Propheten (dem Hl. JOHANNES von DAMASKOS oder dem Hl. EPIPHANIOS von KRETA zugeschrieben, aus dem 11. Jahrhundert):
" Dieser aber, der heilige Mann Gottes, gehörte zum Stamme Aarons und war in Arabien geboren. Im Augenblick seiner Geburt, da er begann hervorzukommen in das Licht, schaute sein Vater weissgekleidete Männer, die ihn in feurige Windeln wickelten und ihm eine Feuerflamme zu essen gaben. Als er dieses den Priestern erzählte, antworteten sie ihm: ´ Das Kind wird gross werden für Gott, wird immer von Licht erfüllt sein, und er wird Israel richten mit dem Schwert und dem Feuer. ´ Und sie nannten ihn den Tischbiter, da Tischbe die Stadt war, die bei der Teilung den Priestern zugefallen war. Dort also lebte er und übte die Tugend von Kindheit an und liess seine Seele durch die brennende Gnade des Geistes einer Flamme ähnlich werden. Niemand konnte bestreiten, dass dieser Mann so machtvoll wurde wie eine Flamme, ein Schwert, das Feuer und das Wasser und all die anderen Wundertaten; für sich konnte er sie erlangen, und anderen konnte er sie senden nach seinem Wohlgefallen. "

In anderen Quellen wird der Vater des Hl. Elija ´Sobak´ genannt, und vor allem die syrische Tradition sieht - ausgehend von dem persischen Weisen Aphrahat (Darlegungen 15,5) - in Elija selbst einen Angehörigen des Priesterstandes. Auch hier dürfte der Ursprung der Überlieferung im Judentum zu suchen sein, wo die Priesterschaft des Propheten von einigen, allerdings nicht von allen rabbinischen Schriften behauptet wird, die ihn als Nachkommen Levis sehen und seine Genealogie auf Lea zurückführen. 

Die verschiedenen Ereignisse aus dem Leben des Propheten werden von etlichen Vätern allegorisch bzw. typologisch gedeutet: So sieht man: 

- im vertrockneten Bach Kerit einen Hinweis auf das seiner Lebenskraft beraubte Gesetz Israels 

- im Gang nach Sarepta den Weg des Evangeliums zu den Heiden 

- Elija´s Fortgehen aus Israel als Zeichen der Abkehr Gottes vom jüdischen Volk 

Die übergabe des Mantels an Elischa wird als Präfiguration der Ausspendung der Gnade Christi an Seine Jünger interpretiert und 

die Teilung des Jordanwassers als ein Hinweis auf die christliche Taufe. 

Besonders reiche symbolische Deutung erfahren naturgemäss das Opfer auf dem Karmel, der Aufenthalt auf dem Horeb und die Auffahrt. 

Das Opfer auf dem Karmels wird - so beispielsweise von Gregorios von Nyssa in seinem Tauftraktat - als ein Hinweis auf die Taufe verstanden:
Das Feuer ist der lebendigmachende Geist, der die Gottlosen verbrennt und die Gläubigen erleuchtet. 

über die Auffahrt in ihrer prophetischen Funktion sagt schon Irenaios von Lyon:
"Auch ELIJA wurde in seiner leiblichen Wesenheit hinweggenommen, prophetisch hinzeigend auf die Himmelfahrt der Geistigen !"
ähnlich vergleichen auch Papst Gregorius der Dialoge und Isidorus die Auffahrt des Propheten mit derjenigen Christi. 
Allerdings verweisen auch einige Väter deutlich auf die wesensmässigen Unterschiede beider Auffahrten. So betonen sowohl Joh.Chrysostomos wie Gregorius die grundlegende Differenz:
Während ELIJA nur mit fremder Hilfe emporgeführt wurde, nämlich als "Knecht" mit Hilfe des Wagens, fuhr CHRISTUS aus eigener Kraft und ohne ein entsprechendes Gefährt zum Vater empor. 

Auch der am Ende der Zeiten wiederkehrende ELIJA findet gelegentlich bei den Vätern Beachtung. So bemerkt Johannes Chrysostomos in seiner 57. Homilie zum Matthäus-Evangelium - und sicherlich in Kenntnis der eschatologischen Deutung des Propheten durch die rabbinische Literatur - unter Bezugnahme auf die Maleachi-Stelle, dies sei gesagt, "um anzudeuten, dass der Thesbiter vor jener Ankunft, auf welche das Gericht folgt, kommen werde; belehrt uns aber auch zugleich über die Ursache seiner Ankunft. Welches ist diese Ursache ? Er wird kommen, um die Juden zum Glauben an Christum zu bewegen, damit sie nicht bei Seiner Ankunft samt und sonders zugrunde gehen.
...Ebendeshalb spricht auch Malachias auf das Allerbestimmteste, denn er sagt nicht ´er wird das Herz des Sohnes zum Vater wenden´, sondern ´des Vaters zum Sohne´. Weil die Juden die Väter der Apostel waren, so sagt Christus, Elias werde zu den Lehrern ihrer Söhne, d.h. der Apostel, die Herzen der Väter, d.h. des jüdischen Volkes, wenden
...Wenn Er [CHRISTUS] sagt, ELIAS werde kommen und alles wiederherstellen, dann meint Er den Elias selbst und die durch ihn zu bewirkende Bekehrung der Juden"

 

 




 


 

bulgar.18.Jhdt,Kirche Sw.Georgi,Belowo;Schule v. Trjawna

27. Juli (9.August) 


Hl.Gr.Martyrer und Arzt PANTALEIMON
im Westen: PANTALEON 
Uneigennützig bis zum Blutzeugnis 
pflegte er die ihm von Gott verliehene 
Gabe der Heilung 

Auf die Fürbitten des Hl. PANTELEIMON 
Schöpfer, HEILE uns !

E N P 1997 Moskau

2. August (15.August) 
Auffindung der Hl.Reliquien 
Jerusalem - Konstantinopel (428) 
. 
Hl. Erstmartyrer und Erzdiakon STEFAN
Erster Blutzeuge für den Glauben der Kirche:
"...Ich sehe den Himmel offen 
und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen ."
Apg 6:5 -7:60

 

 

Sonntag
A L L E R H E I L I G E N

und
Sonntag der
HEILIGEN der LAENDER


Ikone zum Gottesdienst: Alle Bulgarischen Heiligen



"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen.
Mit Ausdauer wollen wir laufen in dem Wettkampf, der vor uns liegt"

(Hebr 12,1)

Geistliches Wort des heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos
Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos: Die Fruechte des Pfingstereignisses
Vater Serafim Pâtrunjel: Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Die Heiligkeit ist die grundlegende Eigenschaft Gottes, die Eigenschaft aller uebrigen Eigenschaften,
die sie in sich schliesst, wie das weisse Licht alle Farben des Regenbogens.
Das Leben in Gott, die Vergoettlichung (Theosis), ist Heiligkeit;
ohne sie kann es in der Kirche keinerlei geistliche Gaben geben."
schreibt der grosse orthodoxe Denker Vater SERGEJ Bulgakov.

In der Goettlichen Liturgie ruft der Geistliche vom Altar unmittelbar vor der Teilung des Lammes der Allerheiligsten Gaben: "Das Heilige den Heiligen!" und die Glaeubigen antworten: "Einer nur ist heilig, Einer nur der Herr: Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Amen."
Von Heiligen kann man in der Kirche also nur reden, weil der Herr der Kirche heilig ist und durch Seine Herrschaft die heiligt, die Er sich auserwaehlt hat.
Dies aber bedeutet, dass grundsaetzlich jeder Getaufte zur Heiligkeit berufen ist, weil er in der Taufe "Christus angezogen hat" (wie wir singen) und fortan Ihm gehoert. Denn nur in diesem Sinne kann man Heiligkeit dem jederzeit auch zur Suende offenen Menschen zuschreiben: nicht als selbst erzeugte Qualitaet, sondern als gnadenhaftes Anteilerhalten an der Heiligkeit des DreiEinen Gottes.
Aber nur Wenige lassen die Heiligung an sich geschehen und "laufen in dem Wettkampf mit Ausdauer"; nicht alle vermoegen gleichermassen in dieser Herrlichkeit ihres Herrn zu stehen und sie wiederum auszustrahlen. Diejenigen aber, die so von der Gemeinschaft und Heiligkeit Christi erfuellt sind, dass sie diese ausstrahlen wie die Erde nach einem heissen Sommertag die Waerme, sie werden in der Kirche als Heilige verehrt.
 

das Folgende aus:
 

St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de

 

 

Geistliches Wort des in die Ewigkeit heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos:
ehemaliger Pfarrer der Muenchner deutschsprachigen Andreas-Gemeinde
in der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland
Griechisch-orthodoxes bischoefliches Vikariat in Bayern
 


 

"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen."

(Hebr 12,1)
 


Liebe Gemeindemitglieder und Freunde der Orthodoxen Kirche !

Die Heiligen unserer Kirche

Das Wort "heilig" wird in der Heiligen Schrift hauptsaechlich fuer den Dreieinigen Gott verwendet. Er ist der Dreiheilige (Jes 6,3) und "Heiliger und Wahrhaftiger" (Offb 6,10). Deshalb singt unsere Kirche: "Einer ist heilig, einer der Herr, Jesus Christus ..."
Aber wenn Gott allein heilig ist, wie ist dann die Stellung der Heiligen?
Haben sie eine eigene Heiligkeit?
Wie stehen sie zu dem einen Heiligen und zu uns, ihren Bruedern und Schwestern?

Die Heiligkeit des Menschen gruendet in der Heiligkeit Gottes, weil der Mensch nach dem Ebenbild des Dreieinigen Gottes geschaffen wurde. Das hat Gott selbst Seinem Volk erklaert: "Denn ich bin der Herr, euer Gott. Erweist euch als heilig, und seid heilig, weil ich heilig bin." (Lev 11,44). Die Berufung des Menschen ist die Heiligung, welche in Erfuellung geht durch die Teilnahme am Leben Gottes in Jesus Christus. Christus hat uns Glaeubigen verbuergt, dass Er "das Licht der Welt" ist und wer Ihm nachfolgt wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern er wird das "Licht des Lebens" haben (Joh 8,12). Christus ist der "Abglanz Seiner Herrlichkeit" (Hebr 1,3), naemlich die Ausstrahlung der Herrlichkeit des Vaters. Aber auch der Mensch soll "erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) durch die unerschaffene goettliche Energie. Er wird naemlich Teilhaber der goettlichen Herrlichkeit (Joh 17,22) und "Anteil an Seiner Heiligkeit gewinnen" (Hebr 12,10), "Licht der Welt" (Mt 5,14) und "Herrlichkeit Christi" (2 Kor 8,23). Der Apostel Paulus sagt: "Wir alle spiegeln mit enthuelltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in Sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn" (2 Kor 3,18)

Der Herr bestaetigt uns, dass jeder der Seiner Liebe mit eigener Liebe begegnet, zum "Tempel Gottes", zum "Tempel des Heiligen Geistes" zur "Wohnung Gottes durch den Geist" (1 Kor 3:16,6,19; 2 Kor 6,16; Eph 2,22; Joh 14,23) wird.
Jeder Christ, der in Gottes Gnade lebt, wird "zu demselben Leib gehoeren und an derselben Verheissung in Christus Jesus teilhaben" (Eph 3,6). "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20), "Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) und wir sollen werden "Kinder Gottes ohne Makel" (Phil 2,15), sagt der hl. Paulus.

Die Heiligen unserer Kirche hielten daran fest und lebten ihr Leben in Christus. Deswegen ermahnt uns der Apostel: "Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme" (1 Kor 11,1). Die Heiligen sind die "treuen Zeugen Christi". Ihr Leben ist dasselbe Leben Christi, welches sich zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Art an jedem Einzelnen von ihnen wiederholt. Sie sind die Menschen, welche durch "den Geist leben" und "in dem Geist" (Gal 5,25) wandelten; sie waren unverkennbar "ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern - wie auf Tafeln - in Herzen von Fleisch" (2 Kor 3,3). Die Heiligen unserer Kirche, verbunden mit Christus und uebergossen mit dem Licht des Heiligen Geistes, lebten wie eine Miniatur das Leben Christi. Ihre Gedanken, ihre Worte, ihr Handeln, waren Gedanken, Worte und Handeln Christi. Ihr ganzes Leben bestand aus der tatkraeftigen Fuelle des Heiligen Geistes in ihren Seelen. So sind die Heiligen in Christus "eine neue Schoepfung" (2 Kor 5,17). Sie sind die Taten Gottes im Leben des Menschen.

Die Lebensweise der Heiligen unserer Kirche ist der menschlichen Natur nach, so wie sie Gott geschaffen hat, angemessen. Demnach zeigen uns die Heiligen, wie in Wirklichkeit der Mensch ist und wie er leben soll. Das Leben der Heiligen also ist Teilhabe am Leben Christi; ihre eigene Heiligkeit besteht in der Heiligkeit Christi.

Die goettliche Ehre mit welcher die Heiligen unserer Kirche umgeben sind, ist ein Geschenk Gottes, unerschaffene Gnade, das unerschaffene goettliche Licht. Dieses Licht offenbart die Praesenz und die Wirkung des Dreieinigen Gottes in der Welt.
Beim Propheten Daniel sehen wir, dass die Ehre Gottes vom Throne Gottes als "loderndes Feuer" ausstroemt.
Das gleiche sehen wir im Buch Exodus, "da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht" (Ex 3,2; Ex 24,17; Ex 34, 29-30) und das Feuer wurde auf Mose uebertragen und sein Gesicht strahlte so, "dass die Israeliten das Gesicht des Mose nicht anschauen konnten" (2 Kor 3,7)

Die gleiche Herrlichkeit umhuellte den Propheten Elias, wie er gen Himmel fuhr (2 Koen 2,11).
Das ist das unerschaffene Licht, welches die Apostel auf dem Berge der Verklaerung sahen: "Petrus und seine Begleiter... sahen Jesus in strahlendem Licht" (Lk 9,32).
"Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiss wie das Licht" (Mt 17,2).
Das unerschaffene Licht umstrahlte die Engel am leeren Grabe Christi (Mt 28,3; Mk 16,5; Lk 24,4), erschien dem Erstmaertyrer Stephanos (Apg 7,55), dem Apostel Paulus (Apg 9,3) und uebertraegt sich zu den Menschen Christi (Mt 5,14; Joh 17,22; 2 Kor 3,18)

Charakteristisch ist der nachfolgende Bericht ueber das Gespraech des heiligen Serafim von Sarov mit Motowilov, als das Licht, welches den Heiligen umhuellte, auf seinen Gespraechspartner uebertragen wurde:

Wie kann ich wissen, fragte ich Vaeterchen Serafim, ob ich mich auch in der Gnade des Heiligen Geistes befinde?
Das ist sehr einfach, antwortete er mir, weil der Herr sagte, dass alles einfach ist fuer denjenigen, der die Erkenntnis erwirbt. Die Apostel stuetzten sich auf diese Erkenntnis und konnten damit erkennen, ob der Geist Gottes sich in ihnen befaende oder nicht und sie behaupteten, dass ihr Tun in allem heilig und Gott gefaellig sei. Auf diesen Grundsatz stuetzten sich die Apostel und erkannten in ihren Herzen die Praesenz des goettlichen Geistes.
Trotz allem verstehe ich nicht, wie ich sicher sein kann, dass ich im Heiligen Geist bin. Wie kann ich in mir seine Praesenz erkennen?
Vaeterchen Serafim fragte, was willst du denn mein Sohn, ich habe es dir doch erklaert.
Ich will, sagte ich, es besser erkennen!
Dann packte mich Vater Serafim fest an den Schultern und sagte: Jetzt, mein Sohn, sind wir alle beide drinnen im Heiligen Geist Gottes. Warum schaust du mein Gesicht nicht an?
Ich kann dich nicht anblicken, Vaeterchen, amtwortete ich ihm; aus deinen Augen strahlen Flammen, dein Gesicht ist heller als die Sonne, du blendest mich!
Habe keine Angst, du strahlst jetzt wie ich; auch du hast nun die Fuelle des Heiligen Geistes."

Wir sehen also, dass die Heiligen keine eigene Heiligkeit besitzen, sondern Anteil haben an der Heiligkeit Christi. Sie sind "Tempel Gottes" und "Wohnstaette Gottes durch den Heiligen Geist". Deshalb ist die Ehre der Heiligen das unerschaffene goettliche Licht, die grosse Gabe und Gnade Gottes im Leben der Heiligen. Die Liebe der Heiligen bleit nicht ohne Erfolg vor Gott. Die Heiligen bitten fuer uns und fuer die ganze Schoepfung zu Gott, welcher wiederum mit Seiner Liebe entgegenkommt. Durch die Fuerbitten und durch die Liebe der Heiligen werden die Grenzen der Natur aufgehoben und die Liebe Gottes greift wohltuend in unser Leben ein.

 

Ihr Pfr. Oekon. HERAKLIT Dimaratos

 




 

 

Die Fruechte des Pfingstereignisses
von Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos
 


Der erste Sonntag nach Pfingsten ist allen Heiligen gewidmet, denn die erste Frucht nach Pfingsten sind die Heiligen. Die Kirche besteht in der Welt, "um die Heiligen fuer die Erfuellung ihres Dienstes zu ruesten, fuer den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen" (Eph 4,12-13).
Diese bedeutsamen Worte des Apostels Paulus offenbaren das Ziel des Lebens in der Kirche: die Einheit aller im Glauben. Das bedeutet hier die Gegenwart des Heiligen Geistes im Herzen. Denn nur im Heiligen Geist gelangen wir zur Erkenntnis Christi und werden zu wahren Gliedern des kirchlichen Leibes.

Das Hindernis zur Heiligung ist der Suendenfall. Wie mit dem Suendenfall des Menschengeschlechtes die menschliche Natur erkrankte, so verwirklicht die Heiligung unsere Vergoettlichung. "Denn dieses Vergaengliche muss sich mit Unvergaenglichkeit bekleiden und dieses sterbliche mit Unsterblichkeit" (1 Kor 15,33). Unsere Natur kehrt nicht nur "zur urspruenglichen Schoenheit" zurueck, zum Zustand vor dem Suendenfall, sondern zur Vergoettlichung.
Die Vergoettlichung, die Heiligung der menschlichen Existenz, ist das Ziel des Menschen und die Hauptaufgabe der Kirche in dieser Welt. Sonst haette die Existenz der Kirche als Leib Christi in dieser Welt keinen Sinn. Die Kirche existiert in dieser Welt, um die ganze Welt zu heiligen und die Menschen zu vergoettlichen.

Die orthodoxe Tradition bezeichnet jene Personen als heilig, die zur Vergoettlichung gelangt sind und diese in der Geschichte bezeugen (die Vergoettlichung). Nach dem Hl.Johannes von Damaskus "ehren wir die Heiligen als diejenigen, die sich mit Gott aus freiem Willen vereint, Ihm in sich Wohnung gegeben haben und - durch Sein Teilhaben der Gnade nach - das wurden, was Er von Natur her ist". Die Heiligen werden Gott; nicht Goetter, sondern Gott der Gnade nach. Die Heiligen sind "die beseelten Tempel Gottes, die beseelte Wohnstaette Gottes, durch den Heiligen Geist, der in ihren Koerpern ein Tempel ist" (Hl.Johannes von Damaskus). Der hl. Johannes, der im 8. Jahrhundert die ganze konkrete kirchliche Tradition zusammenfasste, betrachtet nur diejenigen als lebendige Glieder der Kirche, die in einer lebendigen Gemeinschaft mit Gott stehen, die je nach ihrer Empfaenglichkeit an der unerschaffenen Gnade Anteil haben. Genau diese sind die Heiligen, die wirklichen Glieder des Leibes Christi, die zu dem gelangt sind, was das Wort des Apostels Paulus bekennt: "nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20).
Nach der orthodoxen Tradition "macht die unsagbare Vergoettlichung diejenigen, die an ihr Anteil haben, zu Unerschaffenen, Anfanglosen und Unbeschreiblichen, obwohl sie ihrer Natur nach aus dem Nichtsein geschaffen wurden", sagt der hl. Maximos der Bekenner (PG 91,114 4). In der Vervollkommnung gelangt der Glaeubige zur Gottaehnlichkeit, zur Vollendung seiner Natur, zur Verherrlichung. Nach dem hl. Dionysios dem Aeropagiten "ist die Vergoettlichung das groesstmoegliche Aehnlichwerden und die Vereinigung mit Gott". Zur Person des hl. Apostels Paulus betont der hl. Gregor Palamas dessen Wandlung in Christo mit seinem Aufstieg bis zum dritten Himmel (2 Kor 12,2), dessen Vergoettlichung auf folgende Weise: "Solange Paulus das Leben lebte, das auf den Befehl Gottes hin aus dem Nichts geschaffen wurde, war er geschaffen; als er (Paulus) jedoch nicht mehr dieses, sondern jenes Leben lebte, das mit der Reinigung durch Gott gewaehrt wird, wurde er durch die Gnade unerschaffen".

Von einem Menschen zu sprechen und zu sagen, dass er unerschaffen ist, ist ein Aergernis, ein Skandal fuer die heutige Welt. Das aber ist die Sprache der Orthodoxie, die ihrer mystischen Erfahrung entspricht.

Die Vergoettlichung in dieser Welt beschraenkt der hl. Gregor Palamas aber nicht nur auf Paulus oder die Apostel, sondern er betont, "dass auch jeder, der Gott Logos erworben hat, und zwar lebend und wirkend, zum gleichen Punkt gelangt". So verstehen wir, warum in der Bibel die Heiligen "Freunde Gottes" und "Kinder Gottes", nicht aber "Knechte" genannt werden (Joh 1,12).

In der staendigen Praxis der Kirche werden die Heiligen nicht auf der Basis moralischer und innerweltlicher Kriterien anerkannt, sondern erst nach der Offenbarung ihrer Heiligkeit von Gott Selbst. Die "offizielle" Heiligsprechung in der Orthodoxen Kirche bedeutet also nicht irgendeine Ehrenbezeugung oder Belohnung fuer gewisse Verdienste. Es handelt sich vielmehr um die Bestaetigung und offizielle Proklamation der Wirklichkeit ihrer Vergoettlichung.

(wird fortgesetzt)


 

 

Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Ut omnes unum sint." (Joh 17,21)

In der Geschichte ist durch die himmlische Kirche der Heiligen eine neue Realität zum Vorschein gekommen. In der Welt jenseits des gewöhnlichen biologischen Lebens des Menschen erschien das Leben des menschgewordenen Gottessohnes. Von Pfingsten an macht der Geist die Gläubigen zu Gliedern des Leibes Christi, welche die Kirche bilden. Die Kirche Christi ist gleichzeitig sicht- und unsichtbar, ist der mystische Leib des Herrn, hierarchische Institution und soziale Gemeinschaft. Das göttliche und das menschliche Element bilden eine einzige theandrische Realität, einen Leib in Christus (Röm 12,15). Diese Verbindung unter dem himmlischen und dem menschlichen Teil führt dazu, dass die Engel und die Heiligen für die Lebenden Fürsprecher sind und die Lebenden die Gebete jener anrufen. So haben die Heiligen einen wichtigen Platz in der orthodoxen Spiritualität.

Am ersten Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest "Allerheiligen auf der Welt, in Asien, Libyen, Europa, im Norden und Süden". Dieser Sonntag ist das Fest der Fülle der Kirche. Die vollkommene Kirche der DreiEinheit endet in der vollkommenen Kirche der Heiligen (Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion). Über die Bedeutung dieses Festes und über die Gründe seiner Feier an diesem Sonntag gibt uns das Tagessynaxarion eine ausführliche Erklärung:
"Unsere gotttragenden Väter haben angeordnet, dass wir nach der Herabkunft des Heiligen Geistes das heutige Fest feiern, denn sie wollten zeigen, dass die Herabkunft des Heiligen Geistes so große Wunder bewirkt hatte, dass sie, die aus gleichem Teig [gemeint ist die menschliche aus Fleisch bestehende Natur] wie wir geschaffen, geheiligt und zu Weisen gemacht wurden, und dass sie an Stelle der gefallenen Schar eingesetzt und durch Jesus Christus zu Gott geführt wurden; die einen durch Martyrium und Blut, die anderen durch tugendhaftes Leben, weil der Heilige Geist Wunder bewirkt hatte...
Einerseits ehren wir, indem wir das Fest feiern, viele andere, die, auch wenn sie durch ihre Tugend gottgefällig lebten, aus unbekannten Gründen (vielleicht wegen menschlichen Umständen) niemand bekannt wurden, obwohl sie vielleicht nun viel von  Gottes Herrlichkeit gelebt haben.
Andererseits gab es viele, die gottgefällig in Indien, Ägypten, Arabien, Mesopotamien, um das Schwarze Meer sowie überall im Westen, sogar bis zu den britannischen Inseln, und, kurz gesagt, in Ost und West gelebt hatten, deren Gedächtnis sich nach der Sitte der Kirche wegen ihrer Vielzahl nicht leicht feiern laesst. Damit wir auch die Hilfe derer, die irgendwo auf Erden gottgefällig waren, bekommen und auch die künftigen Heiligen berücksichtigen, ordneten die gotttragenden Väter das Fest Allerheiligen an, das alle, von den ersten bis zu den letzten Heiligen, enthält, die bekannten oder unbekannten, die vom Heiligen Geist, der in ihnen wohnte, geheiligt wurden.
Drittens sollten die einzelnen Feste der Heiligen auch zusammen an einem Tag gefeiert werden, um zu zeigen, dass sie für denselben Christus gekämpft haben, dass sie sich alle auf demselben Weg der Tugend befanden und nach Verdienst gekrönt wurden, als Diener desselben Gottes. Sie bilden die Kirche, sie ergänzen die jenseitige Welt hier bei uns und ermahnen uns zum gleichen Kampf, der verschieden nach dem Zustand jedes einzelnen ist."

(Pentekostarion: Allerheiligensonntag)

Das Fest Allerheiligen ist die letzte im Pentekostarion enthaltene Feier.
Seine Position will uns zeigen, dass das Ziel des ganzen erlösenden Werkes Jesu Christi und der Zweck der ganzen Spiritualität der Kirche die Heiligkeit -unsere Vereinigung mit Gott- ist.
Das Tagessynaxarion zeigt, dass die Feier "als Triodionsschluss“ eingesetzt wurde (darunter verstehen wir die beiden Bücher: das "Fasten-Triodion", für die Hymnen der großen Fastenzeit, und "Pentekostarion" für die Zeit im Jubel der Auferstehung),
und wie ein Rahmen alle Feste umschliesst.
Das Triodion enthält die sorgfältige Auslegung aller für uns von Gott gewirkten Heilstaten:
Die Verstossung der Teufel  aus dem Himmel wegen des ersten Unheils, der Sünde und die Vertreibung Adams aus dem Paradies, die ganze Oikonomia Gottes des Wortes und die Weise, in welcher wir wieder zu den Himmeln durch den Heiligen Geist erhoben werden, und wie wir dort gemäß den heiligen Vätern die gefallene Schar ersetzen.
Jetzt feiern wir alle, die durch das Wohlwollen des Heiligen Geistes geheiligt wurden:
Die herrlichen und heiligen Geister, das heißt die neun Scharen; die Urahnen und Patriarchen, die Propheten und die heiligen Apostel, die Märtyrer und die Hierarchen, die heiligen Bekenner und die ehrwürdigen Mönche, die Gerechten und die ganze Schar der heiligen Frauen und alle anderen unbekannten Heiligen.
Über, unter und mit allen Heiligen feiern wir aber die Heilige der Heiligen, die Allheilige und unsagbar mehr Geehrtere als der Engel Scharen, unsere Frau und Gebieterin und immerwährende Jungfrau Maria."
(Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion)
An dieser Feier freut sich Christus selbst, weil er den Glanz der Früchte seines Opfers sieht, freut sich die Kirche, welche ihre Erfüllung schaut, sind selig alle Heiligen vor dem himmlischen Thron und freuen wir uns alle, die wir das Beispiel ihres Lebens anschauen. Wir versuchen ihrem Glauben zu folgen, um am Ende der Laufbahn unseres Lebens (vgl. 1Kor 9,24) mit ihnen zusammen zu sein, und beten dafür.

Durch ihre Annäherung an Gott und durch die Nähe zu ihm sind die Heiligen unaufhörliche Mittler für unsere Erlösung.
Die Dankdoxologie für die Heiligen und ihre Anrufung in Bittgebeten für Lebende und Verstorbene bilden eine sehr alte christliche Praxis in welcher Gott in und unter uns verherrlicht wird.

Weil wir wissen, dass die Heiligen Menschen wie wir waren und dieselben dem Menschen zugehörenden Schwächen hatten, dass sie deswegen auch unsere Schwächen und Verfehlungen verstehen können, haben wir großes Vertrauen auf ihre Gebete für uns.
Die Heiligen sind folglich unsere Freunde, die wir bitten, bei Gott für unsere Erlösung zu vermitteln, damit wir ewig zusammen mit ihnen sein können.

 

QUELLE:
Bischof SOFIAN von Brasov (p. Serafim Pâtrunjel)
Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit (Kommentar zum Pentekostarion)
Würzburg 1998, S. 119ff     (hier aus
* St.Andreas-Bote *)

 

Wolf

 

 


 



9.6. 2016

HIMMELFAHRT CHRISTI




Auf zum Vater
steigt Christus empor


stellt vor Ihn
unsere menschliche Natur

die Er annahm
für uns




Festtagsikone Weissrussisch 17.Jhdt.




Mit der Himmelfahrt unseres Herrn und Erloesers Jesus Christus ist die oesterliche Zeit abgeschlossen und es beginnt die Vorbereitung auf Pfingsten. In der Kirche werden nicht mehr die Gesaenge des Osterjubels gesungen; die Glaeubigen begruessen einander nicht mehr mit dem Ostergruss. Dennoch empfinden wir keinen traurigen Abschied vom Herrn, sondern stellen uns viel mehr in freudiger Erwartung auf die verheissene Sendung des Heiligen Geistes ein. So faehrt Christus auf in die Herrlichkeit des Vaters, ohne sich von uns zu trennen. Mit Ihm wird auch unsere menschliche Natur der göttlichen Herrlichkeit teilhaftig.
Hier beginnt, was sich einst auch an uns und am ganzen Kosmos vollenden wird:
die Rückführung der von Gott getrennten Schöpfung !


Nachdem Du fuer uns die Heilsordnung erfuellt
und das Irdische mit dem Himmlischen vereint hast,
bist Du aufgefahren in Herrlichkeit,
Christus, unser Gott.
Ohne uns zu verlassen, ungetrennt,
rufst Du denen, die Dich lieben zu:
Ich bin mit euch,
und niemand kann wider euch sein !


Wie Du Selbst gewollt, wurdest Du geboren.
Und wieder erschienst Du, wie Du Selbst beschlossen,
und littest als Mensch.

Doch als Gott standest Du auf,
und zu den Himmeln in Herrlichkeit stiegest Du empor
und führtest hinauf der Menschen Natur,
und mit Herrlichkeit schmücktest Du sie.

 

 17.Jhdt.

CHRISTI HIMMELFAHRT
Festabschluss der Osterzeit
* Quellenhinweis *

Der Mittwoch, der dem fünften Sonntag nach Ostern folgt, ist der Tag, an dem wir die Osterzeit abschließen. Wir gedenken des letzten Tages der tatsächlichen Gegenwart des auferstandenen Christus unter Seinen Jüngern; und zur Ehre dieser Seiner Gegenwart, und um die Auferstehung noch einmal zu ehren, wiederholt die Kirche an diesem Mittwoch den gesamten Gottesdienst des Oster-Sonntags. Und nun kommen wir zum vierzigsten Tag nach Ostern, zu dem Donnerstag, an dem die Kirche das Fest der Auffahrt feiert (Lk 24,51).

Zur Vesper der Himmelfahrt am Mittwoch Abend werden drei Lesungen aus dem Alten Testament gelesen. Die erste Lesung (Jes 2,2-3) spricht vom Berg: "Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge ... zu ihm strömen alle Völker ... Viele Nationen machen sich auf den Weg ... Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn." Dies bezieht sich auf dem Ölberg, von dem Christus zu Seinem Vater aufstieg. Die zweite Lesung (Jes 62,10-63,3.7-9) wurde wegen der folgenden Worte gewählt: "Zieht durch die Tore ein und aus, und bahnt dem Volk einen Weg ... In seiner Liebe und seinem Mitleid hat er selbst sie erlöst. Er hat sie emporgehoben und sie getragen ...". Christus, aufgefahren in den Himmel, öffnet Seinem Volk die Tore, Er bereitet ihm den Weg, Er trägt es und hebt es mit sich empor. Die dritte Lesung (Sach 14,1.4.8-11) redet ebenso von dem Berg, der den Hintergrund für den letztendlichen Triumph Christi abgab: "Siehe, es kommt ein Tag für den Herrn ... Seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der im Osten gegenüber von Jerusalem liegt. ... An jenem Tag wird aus Jerusalem lebendiges Wasser fließen ..."
Die Gesänge für den Orthros von Himmelfahrt sind bereits erfüllt mit Andeutungen, die sich auf den Geist, den Tröster beziehen, den Christus senden wird. Himmelfahrt ist das Vorspiel für Pfingsten.

Bei der Liturgie wird der Anfang der Apostelgeschichte (Apg 1,1-12) gelesen. Jesus wird, nach einem letzten gemeinsamen Mahl mit Seinen Aposteln, emporgehoben und in einer Wolke aufgenommen. Die Gegenwart einer Wolke zeigt klar den symbolischen Charakter dessen, was man den physischen Aspekt der Himmelfahrt nennen könnte. Die Wolke, die das Offenbarungszelt, die Stiftshütte, umhüllte und die Israel durch die Wüste führte bildete das sichtbare Zeichen der göttlichen Gegenwart. Die Aufnahme Christi in eine Wolke ist keine banale Bildersprache: es bedeutet, dass das Ende des irdischen Lebens unseres Herrn die Aufnahme Seines verklärten Leibes in den Schoß Gottes ist.

Das Evangelium für die Liturgie (Lk 24,36-53) berichtet von den Geschehnissen, beginnend bei der ersten Erscheinung des auferstandenen Jesus bei den versammelten Jüngern, bis zu Seiner Himmelfahrt.
Wenn man die Osterfreude ernsthaft durchlebt hat, empfindet man schon einen gewissen Abschiedsschmerz, wenn der Himmelfahrtstag sich nähert. Wir wissen natürlich, dass er einer der großen christlichen Festtage ist, und doch erscheint er wie eine Trennung, ein Abschied und danach ist unser Herr nicht mehr in ganz derselben Weise bei uns. Die Jünger aber empfanden das nicht so. Sie hätten von Trauer überwältigt sein können, aber das Gegenteil war der Fall, denn "dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück" (Lk 24,52). Auch wir können zu dieser Freude der Himmelfahrt gelangen. Warum sollen sich Christen über die Himmelfahrt freuen?

Erstens, die Herrlichkeit unseres Herrn muss uns kostbar sein und die Himmelfahrt ist die Krönung Seiner irdischen Sendung. Er hat Seine Sendung, die Ihm der Vater aufgetragen hat, erfüllt. Sein ganzes Wesen verlangt nach dem Vater. Nun wird Er vom Vater willkommen geheißen für Seinen Sieg über Sünde und Tod ein Sieg, der so bitter erkauft wurde. Nun wird Er im Himmel verherrlicht. Die Herrlichkeit und das Verlangen unseres Herrn sind für uns sicher wichtiger als die Art sichtbarer Tröstungen, die wir von Seiner Gegenwart erfahren könnten. Wir sollten lernen unseren Herrn genug zu lieben, um uns über Seine Freude zu freuen.

Zweitens zeigt uns die Himmelfahrt, dass Gott das ganze Werk der Wiedergutmachung Seines Sohnes annimmt. Die Auferstehung war das erste glänzende Zeichen dieser Annahme und Pfingsten wird das letzte Zeichen sein. Die Wolke, die heute Jesus Christus einhüllt und mit Ihm zum Himmel emporsteigt, stellt den Rauch des Opfers dar, der vom Altar zu Gott emporsteigt. Das Opfer ist angenommen und der Geopferte wird in die Gegenwart Gottes empfangen, wo Er weiter in ewiger und himmlischer Weise dargebracht wird. Das Werk unserer Erlösung ist vollendet und gesegnet.

Es kehrt aber nicht nur eine Natur Christi zum Vater zurück. Zu den Menschen kam der unkörperliche Logos herab. Aber heute tritt das fleischgewordene Wort, wahrer Gott und wahrer Mensch, in das Königreich des Himmels ein. Christus bringt die menschliche Natur, die Er angenommen hat, mit. Er öffnet der Menschheit die Tür. Wie als Stellvertreter nehmen wir die Wohltaten, die uns angeboten und ermöglicht werden, in Besitz. "[Gott] hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben." (Eph 2,6) Wenn wir glauben, sind für uns Plätze im Himmel vorbestimmt. Unsere Gegenwart ist erwünscht und erwartet.

Die Himmelfahrt lässt unsere Vorstellungen über den Himmel näher und realer erscheinen. Und was ist Himmel genau? Theologisch wäre es nicht unmöglich, dass der Himmel ein Ortist, ein Ort, der unseren Erfahrungsraum transzendiert. Jedenfalls ist Himmel aber ein Zustand: ein Zustand vollkommenen Glücks. Zuallererst und ganz wesentlich besteht diese Glückseligkeit in der Schau Gottes und in der engen Gemeinschaft mit den Personen der Heiligen Dreieinigkeit und ihrem Leben in Liebe. Teil zu sein des göttlichen Lebens, Quelle des Vollkommenen und aller Glückseligkeit, ist unendliche Freude. Auch finden wir in Gott und bei Ihm alle die Personen und Dinge dessen Ursprung Er ist. Das können wir mit Sicherheit über den Himmel sagen der ein Mysterium bleibt. Einfacher gesagt, stellen wir uns vor, wie es wäre, wenn wir unseren Herrn immer sehen könnten, Ihm immer nahe wären, ein Leben lebten das von Seinem durchdrungen und darin für immer festgemacht ist.

Denken wir an unsere letzte Heimat oft genug? Für die meisten Christen ist das Leben im Himmel nicht mehr als eine Ergänzung des irdischen Lebens, von der sie nur eine recht vage Vorstellung haben. Das Leben im Himmel wird als eine Art Postscriptum, ein Anhang zu einem Buch gesehen, dessen Text durch das irdische Leben geformt wird. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Unser irdisches Leben ist nur das Vorwort zum Buch. Das Leben im Himmel ist das Hauptkapitel und sein Text ist unendlich. Um mit einem anderen Bild zu sprechen, unser irdisches Leben ist nur ein Tunnel, eng, dunkel und sehr kurz der sich auf eine großartige, sonnenbeschienene Landschaft öffnet. Wir denken viel zu sehr an unser jetziges Leben. Wir denken viel zu wenig daran, wie das Leben sein wird. "Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen." (Jes 64,3)

Zum Orthros haben wir gesungen: "Wie Engel wollen wir Bewohner der Welt ein Fest feiern ..." (1. Stichos der Aines). Das soll besagen: öffnen wir unser Herz den Engeln und versuchen ihre Gefühle nachzuempfinden; dadurch können wir etwas von dem erfahren was sie erleben, wenn der Sohn zum Vater zurückkehrt; im Geiste sollten wir weitergehen und der Immerjungfrau Maria und den verherrlichten Heiligen nahe sein, die unsere wahren Mitbürger sein werden: "Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter" (Phil 3,20). Unser Leben würde umgestaltet, wenn, ab jetzt, unser Herz hinüberreichen würde in das Himmelreich, wo sich nicht nur das Gute für uns, sondern auch für unsere Lieben findet.

Als die Jünger von Christus getrennt wurden, blieben sie doch voller Hoffnung, denn sie wussten, dass sie den Geist empfangen würden. "Beim gemeinsamen Mahl gebot Er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters" (Apg 1,4). Die Wolke umgibt Christus, aber diese Wolke ist schon gefärbt durch die pfingstlichen Feuerzungen. Christus geht von uns, aber Er lässt uns in einer Haltung zurück, die nicht Bedauern ist, sondern eher frohes und vertrauensvolles Erwarten.

Der Weggang Jesu war sowohl ein Akt der Segnung als auch ein Akt der Anbetung, beide voneinander abhängig: "Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück." (Lk 24,51.52) Das sollte auch für uns das Fest Christi Himmelfahrt sein. Wenn Christus uns mit einer Segnung verlässt und wenn wir dabei vor Ihm niederfallen (bildlich gesprochen), werden wir mit neuer Kraft erfüllt die von der Anbetung, vom Segen kommt und wir werden wie die Apostel "in großer Freude" zurückkehren.

 

QUELLE:
A Monk of the Eastern Church:
" THE YEAR OF GRACE OF THE LORD "
A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church
Crestwood N.Y., 1992, p. 198-201

hier:   Übers.: G. Wolf   in

* St.Andreas-Bote *

 


19.6. 2016
 

P F I N G S T E N


Allheilige
DreiEinigkeit
und
Mitfest des
Heiligen Geistes


Gepriesen bist Du,
Christus unser Gott,

der Du
zu Allweisen
die Fischer
gemacht hast,

indem Du ihnen sandtest
den Heiligen Geist,

und durch sie
den
Erdkreis eingefangen
hast,

Menschenliebender,
Ehre Dir !



Festtagsikone /Bulgarisch 18.Jhdt, Belowo, Schule v. Trjawna




Als Er herabfuhr, die Sprachen zu verwirren,
schied der Hoechste die Voelker;

als Er des Feuers Zungen verteilte,
berief Er zur Einheit
alle !

Einstimmig verherrlichen wir den Heiligen Geist.

PFINGSTEN in der Apostelgeschichte und nach den Kirchenvätern
Prof.Skaballanovitsch: Der HEILIGE GEIST in unseren täglichen Gebeten
Kniebeugungsgebete der Pfingstvesper
Hl. Kyrillos von Jerusalem: Geist-Taufe am Pfingstfest
Metropolit STYLIANOS von Australien: Gedanken zur Frucht des Geistes
Metropolit MICHAEL: Realitaet des Heiligen Geistes

Das obige Gebet knuepft an die Verwirrung der Sprachen beim Turmbau zu Babel an. (Genesis 11) Waehrend dort menschliche Hochmut zur "Teilung der Zungen" fuehrte, vereinen die aus einer Quelle kommenden "Zungen des Feuers" des Heiligen Geistes die Menschen. In der Festtagsikone sehen wir die Schoepfung als "Kosmos" (griechische Wurzel: Ordnung,Harmonie) am unteren Bildrand den ausgegossenen Heiligen Geist auffangend. Der Turm zu Babel steht fuer die sich ueberschaetzenden Menschen, die himmelshohes Menschenwerk errichten wollen (wie die Ideologien in unserem Jahrhundert) aber durch ihren Absolutheitsanspruch die Menschheit zerreissen. Demgegenueber ist unser Troester, Erhalter und Lebensspender der eine und einigende Heilige Geist, der schon seit der Schoepfung (wo er ueber allen Wassern schwebte) allen Menschen gemeinsam ist.

Fuer die Kirche ist Pfingsten das Fest ihres Neubeginns. Die Ausgiessung des Heiligen Geistes macht aus den Juengern, die vorher mehrheitlich ungebildete Fischer waren, Allweise, die vor aller Welt predigen und die Kirche leiten.

Damit besiegelt Pfingsten die Heilsbotschaft der Auferstehung; der oesterlichen Gotteserkenntnis folgt die abschliessende Offenbarung der Dreieinheit Gottes.

Mit Pfingsten beginnt die Glaubensverkuendigung der Apostel und die Feier des Mysteriums der Erloesung in den Versammlungen der Glaeubigen. Erst dadurch wird das praktische Wachsen in der Heiligung, der Theosis, der Vergoettlichung, den Menschen ermoeglicht, nachdem sie durch Christi Opfertod und Auferstehung von Suende und Tod erloest wurden.

Der Kirchenraum wird in der Aufbruchsstimmung des Gedaechtnisses des Neuanfanges der Kirche mit Knospen und gruenen Zweigen geschmueckt, und die ringsum aufbluehende Schoepfung so in den Gottesdienst einbezogen, ein Brauch der an das alttestamentarischen Ernte- und Laubhuettenfest anknuepft. Die Glaeubigen schmuecken auch ihre Wohnungen mit Gruen und Blumen und tragen mancherorts auch waehrend der Liturgie die erstmals aufgebluehten Blumen in den Haenden entsprechend den Erstlingsopfern des Alten Bundes.

Mit Pfingsten beginnt auch im Kirchenjahr eine neue Phase, indem nach der auf Ostern bezogenen Zeit wieder der datumsgebundene Festkreis die Fuehrung uebernimmt: Die nachpfingstliche Offenbarung ruht auf den Gedaechtnissfesten der Heiligen, die den Glaeubigen daran erinnern, dass er zur Theosis, zur Ergoettlichung, berufen ist.
Dazu ist die Sendung und Erneuerung des Heiligen Geistes unbedingte Voraussetzung.

Daher wird nun am Abend des Pfingsttages zur Vesper (oder aus praktischen Gruenden gleich im Anschluss an die Liturgiefeier der Gemeinde) die Gabe des Heiligen Geistes in 3 feierlichen Gebeten erfleht:

 

Pfingsten

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“

Apg 2,1-11



Beachte, ich bitte dich, wie der Geist genau zu der Zeit kommt, da sie im Gebet versammelt sind, da sie Liebe zueinander haben.

Hl. Johannes Chrysostomos


OHNE DEN HEILIGEN GEIST
- IST GOTT FERN
- BLEIBT CHRISTOS IN DER VERGANGENHEIT
-
IST DAS EVANGELIUM VOLL TOTER BUCHSTABEN
- DIE KIRCHE EIN BLOSSER VEREIN
- DIE AUTORITÄT EINE HERRSCHAFTSFORM
- DIE MISSION PROPAGANDA
- BLEIBT LITURGIE BLOSSES RITUAL
- WIRD CHRISTLICHES ZUSAMMENLEBEN VON SKLAVENMORAL BESTIMMT.

Hl. Athenagoras aus Athen (2.Jhdt.)

 

Durch jenen Sturmwind wurden die geistigen Kräfte der Boshaftigkeit und alle unreinen Dämonen aus der Luft ausgetrieben und zerstreut.

Hl. Gregor Dialogos

 

Es heißt: "wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Winde".  Das zeigt, daß ihnen (den Aposteln) nichts in der Lage sein wird zu widerstehen, sondern daß sie alle ihre Feinde wie Staub zerstreuen werden.

Hl.  Johannes Chrysostomos



Entsprechend erschien der Geist in Gestalt des Feuers, denn Er treibt aus einem jeden Herzen, das Er erfüllt, die Gefühlskälte und entflammt es mit der Liebe zum Ewigen.

Hl. Gregor Dialogos



Weshalb erschien er im Bilde von Zungen? – Um zu zeigen, dass Er mit dem göttlichen Wort verwandt ist, denn dem Wort ist nichts so verwandt wie die Zunge; zugleich aber auch zur Gnadengabe des Lehrens, denn der Lehrer in Christus braucht eine begnadete Zunge. Weshalb erschien Er in feurigen Zungen? - Nicht nur wegen des einen Wesens des Geistes mit dem Vater und dem Sohn (denn unser Gott ist ein Feuer, das das Böse verzehrt), sondern auch wegen der Doppelwirkung der apostolischen Predigt, die beides zugleich bewirkt – die Wohltat und die Strafe

Hl.  Gregor Palamas


 

Du kannst den Geist nicht erzeugen.

Du kannst ihn nur  EMPFANGEN !


Johann Wolfgang Goethe


 

Kniebeugungsgebete der Pfingstvesper:
(hier wird seit Ostern zum erstenmal wieder gekniet; daher "Kniebeugungsgebet")

1)

a)

Allerreinster, makelloser, anfangloser, unsichtbarer, unbegreiflicher, unerforschlicher, unveraenderlicher, unueberwindlicher, unermesslicher,
langmuetiger Herr !

Du allein hast Unsterblichkeit und wohnst im unzugaenglichen Lichte !

Du hast den Himmel geschaffen
und die Erde und das Meer
und alle Geschoepfe in ihnen !

Du gewaehrst allen die Bitten - noch bevor Du gebeten wirst !

Dich bitten wir und Dich rufen wir an,
menschenliebender Gebieter,
Dich, den Vater unseres Herrn und Gottes und Erloesers Jesus Christus,
Der fuer uns Menschen und zu unserem Heile
aus den Himmeln herabgekommen ist
und Fleisch angenommen hat
von dem Heiligen Geiste
und aus der Immerjungfrau und ruhmreichen Gottesgebaererin Maria.

Er belehrte uns zuerst durch Worte,
spaeter unterwies Er aber auch durch Taten,
als Er das heilbringende Leiden erduldete.
Er gab uns ein Vorbild,
Deinen Dienern hier unten, obwohl sie sich Deine Gnade nicht verdient haben,
Dir Gebete darzubringen,
indem wir Nacken und Knie beugen
wegen unserer eigenen Suenden und den unwissentlichen Vergehen allen Volkes !

Du selbst, gnadenreicher und menschenliebender Gott, erhoere uns nun
an welchem Tag auch immer wir Dich anrufen,
besonders aber an diesem Tage des Pfingstfestes,
an welchem unser Herr Jesus Christus, nachdem Er gen Himmel gefahren war,
und sich zu Deiner, des Gottes und Vaters, Rechten gesetzt hatte,
den Heiligen Geist auf Seine heiligen Juenger und Aposteln herabgesandt hat;
dieser liess sich auch auf einen jeden von ihnen nieder
und sie wurden alle erfuellt mit Seiner unerschoepflichen Gnade
und verkuendeten in fremden Zungen Deine Grosstaten und weissagten.

Nun also erhoere uns, die wir Dich bitten,
und gedenke unser, die wir ansonsten hier unten hilflos und hoffnungslos sind,
und hebe auf die Gefangenschaft unserer Seelen,
der Du Milde hast fuer uns.

Nimm uns an,
die wir vor Dir niederfallen und rufen:

Wir haben gesuendigt !

Zu Dir kommen wir vom Mutterschosse an,
denn vom Mutterschosse an bist Du unser Gott.
Doch unsere Tage sind verflossen in Nichtigkeiten.
Wir haben Deine Hilfe verspielt und jede Rechtfertigung verloren;
dennoch rufen wir voll Zuversicht auf Dein Erbarmen:

Der Suenden unserer Unreife und unseres Unverstandes gedenke nicht,
und reinige uns von unseren verborgenen Suenden;
lass uns nicht im Alter verloren sein, wenn unsere Kraefte schwinden,
verlasse uns nicht ehe wir in die Erde zurueckkehren,
mache uns wuerdig der Umkehr zu Dir,
und sei uns geneigt in Huld und Gnade;
lege an unsere Suenden den Massstab Deiner Milde
und stelle die Unerschoepflichkeit Deiner Erbarmungen
der Menge unserer Suenden gegenueber.

Blicke herab, o Herr,
von Deiner heiligen Hoehe auf Dein vor Dir stehendes Volk,
welches reichliche Gnade von Dir erwartet.
Komm zu uns mit Deiner Gnade,
reisse uns aus der Gewalt des Teufels;
staerke unser Leben durch Deine heiligen und goettlichen Gebote;
einem treuen Schutzengel vertraue Dein Volk an;
versammle uns alle in Deinem Reich:
gewaehre Verzeihung denen, die auf Dich hoffen;
vergib ihnen und uns die Suenden;
reinige uns durch die Wirksamkeit Deines Heiligen Geistes
und vernichte die gegen uns gerichteten Raenke des Feindes !
 


b)

Gepriesen bist Du,
Herr, Gebieter, Allherrscher,
der Du den Tag durch das Strahlen der Sonne erleuchtet,
und die Nacht erhellt hast mit dem Abglanz.
Du hast uns gewaehrt,
den Lauf des Tages zu durcheilen
und uns zu naehern dem Beginn der Nacht;
erhoere unsere Bitten und die Deines ganzen Volkes;
vergib uns alle die absichtlichen oder unabsichtlichen Suenden;
nimm an unsere Abendgebet,
und sende ueber Dein Erbe die Fuelle Deiner Gnade und Deiner Erbarmungen.
Umschirme uns mit Deinen heiligen Engeln,
wappne uns mit den Waffen Deiner Gerechtigkeit;
umgib uns mit der Bastion Deiner Wahrheit;
bewahre uns mit Deiner Macht,
errette uns von jeder Bedraengnis
und vor jedem Anschlag des Widersachers,
verleihe uns auch,
dass der gegenwaertige Abend und die folgende Nacht
vollkommen, heilig und ohne Suende sei,
frei von Kummer und Anfechtungen,
so wie auch alle Tage unseres Lebens

auf die Fuerbitten der heiligen Gottesgebaererin und aller Heiligen
die Dir von Ewigkeit an wohlgefallen haben !

2)

a)

Herr Jesus Christus, unser Gott,
der Du Deinen Frieden den Menschen geschenkt hast,
und die Gabe des Allheiligen Geistes noch im Leben uns gegenwaertig und immerfort darbietest,
den Glaeubigen als unentreissbares Erbe,
sichtbarer aber dieselbe Gnade Deinen Juengern und Aposteln heute herabgesandt hast
und ihre Lippen durch feurige Zungen gekraeftigt hast,
durch welche wir Menschen die Erkenntnis Gottes in eigener Mundart im Gehoere empfangend,
mit dem Lichte des Geistes erleuchtet
und dem Irrtum, wie aus der Finsternis, entzogen sind
und durch die Verteilung der wahrnehmbaren und feurigen Zungen
und durch uebernatuerliche Wirksamkeit den Glauben an Dich erlernt haben
und Dich mit dem Vater und dem Heiligen Geiste
in einer Gottheit und Macht und Gewalt als Gott zu bekennen angefacht sind !


Du nun,
Abglanz des Vaters,
Seines Wesens und Seiner Natur unveraenderliches und unbewegliches Ebenbild,
Quelle der Erloesung und der Gnade,
oeffne auch mir Suender die Lippen und lehre mich,
wie und wofuer ich beten soll:
Denn Du kennst die Fuelle meiner Suenden,
Deine Barmherzigkeit aber wird die Unzahl derselben ueberwinden.

Siehe,
in Furcht stehe ich vor Dir,
in das unerschoepfliche Meer Deines Erbarmens werfe ich die Verzweiflung meiner Seele.
Leite mein Leben,
der Du durch Dein Wort
 jegliches Geschoepf mit der unbeschreibbaren Macht Deiner Weisheit leitest,
o stiller Hafen der vom Sturm Bedraengten,
und
weise mir den Weg, den ich wandeln soll.

Den Geist Deiner Wahrheit gib meinen Gedanken;
den Geist des Verstandes schenke meiner Unvernunft;
mit dem Geiste der Gottesfurcht erhelle meine Werke;
erneuere auch den rechten Geist in meinem Inneren,
und mit dem Geist Deiner Herrschaft staerke auch meine ausgleitenden Gedanken,
damit ich jeden Tag zu dem, was da frommt, durch Deinen guten Geist gefuehrt,
gewuerdigt sei,
Deine Gebote zu erfuellen
und ewig zu gedenken
Deiner herrlichen, ueber unsere Handlungen Rechenschaft fordernden Wiederkunft.

Lass mich nicht anschmiegen an die vergaengliche Reize,
sondern staerke mich, zu streben nach dem Genuss der zukuenftigen Schaetze.

Denn Du hast gesagt, o Gebietender,
dass ein jeglicher, was er auch bitten werde in Deinem Namen,
es unverwehrt empfangen werde von Deinem mitewigen Gott und Vater;
darum,
so flehe ich Suender Deine Guete an
am Tage des Herabkommens Deines Heiligen Geistes:
Um was ich gebeten, gib mir zum Heil.

Ja, Herr,
Du alle Wohltat reichlich darbietender Geber des Guten,
der Du ueberschwaenglich gibst, um was wir bitten,
Du bist der Mitleidige, der Erbarmende,
der Du suendlos teilgenommen hast an unserem Fleische,
und zu denen, die ihre Kniee vor Dir beugen, Dich mildherzig neigest,
auch zu Suehnung geworden bist fuer unsere Suenden,
so schenke denn, o Herr, Deinem Volke Deine Erbarmungen;
erhoere uns aus Deinem heiligen Himmel;
heilige uns mit der Kraft der Erloesung Deiner Rechten;
decke uns mit dem Schirme der Fluegel Deiner Engel,
verschmaehe nicht die Werke Deiner Haende.
Dir allein suendigen wir,
doch Dir allein dienen wir auch;
wir wollen nicht einen fremden Gott anbeten,
noch zu einem anderen Gott, o Gebietender, unsere Haende ausstrecken.
Verzeihe uns die Uebertretungen
und nimm die Bitten unseres Kniefalls an,
strecke nach uns allen Deine hilfreiche Hand aus.
Nimm an das Gebet aller, als ein wohlgefaelliges Rauchopfer,
welches vor Deinem huldreichen Throne aufgenommen wird !

b)

Herr, Herr, der Du uns errettest vor jedem Pfeil, der am Tage fliegt,
errette uns auch von jedem Ungemach, das im Finstern einherschleicht.
Nimm an das abendliche Opfer, das Aufheben unserer Haende.
Wuerdige uns auch,
die Strecke der Nacht tadellos zurueckzulegen, ohne Versuchung boeser Dinge
und erloese uns von aller Unruhe und Angst, die in uns vom Teufel erregt wird.
Verleihe unseren Seelen die Zerknirrschung
und unseren Gedanken die Besorgnis
ob der Pruefung in Deinem furchtbaren und gerechten Gerichte.
Festige an der Gottesfurcht unser Fleisch und ertoete unsere Bindung an Irdisches,
auf dass wir auch waehrend der Ruhe des Schlafes erleuchtet werden
durch die Betrachtung Deiner Gerichte.
Entferne auch von uns jede unziemende Einbildung und schaendliche Begierde.
Lass uns aber aufstehen zur Zeit des Gebetes,
nachdem wir uns im Glauben gestaerkt haben
und fortgeschritten sind in Deinen Geboten ! 


3)

a)

Du, ewig stroemende Quelle des Lebens und des Lichtes,
Du, mitewige schoepferische Kraft des Vaters,
Der Du die ganze Heilsordnung zur Erloesung der Sterblichen so herrlich erfuellt hast,
Christus unser Gott !
Der Du die unloesbaren Bande des Todes und die Riegel der Hoelle zersprengt
und die Menge der boesen Geister niedergetreten;
Der Du Dich selbst als tadelloses Schlachtopfer fuer uns dargebracht hast,
Deinen reinen, von aller Sünde unberuehrten und ihr unzugaenglichen Leib zum Opfer hingebend
und durch diesen furchtbaren und unaussprechlichen Priesterdienst uns das ewige Leben geschenkt hast,
Der Du zur Hoelle hinuntergestiegen bist,
die ewigen Riegel zertruemmert und den in der Tiefe Sitzenden den Aufgang gewiesen hast,
den urboesen Drachen des Abgrundes aber mit goettlich weiser Lockung gefangen genommen,
mit Ketten der Finsternis im Tartaros gebunden
und in unausloeschlichem Feuer und aeusserstem Dunkel gefesselt hast;
Du Weisheit des Vaters, deren Name gross ist,
Der Du den Bedraengten als grosser Helfer erscheinst
und erleuchtest diejenigen, die im Dunkel sitzen und im Schatten des Todes;
Du Herr der ewigen Herrlichkeit
und des hoechsten Vaters geliebter Sohn !
Ewiges Licht vom ewigen Lichte !
Sonne der Gerechtigkeit,
erhoere uns, die wir Dich bitten,
und lass ruhen die Seelen Deiner Diener,
unserer vordem entschlafenen Vaeter und Brueder und der uebrigen Blutsverwandten,
ja aller Glaubensverwandten aller Zeiten, deren Gedaechtnis wir jetzt feiern:
Denn Du hast Gewalt ueber alles und haeltst in Deiner Hand alle Enden der Erde,
Allgebieter, Allherrscher, Gott der Vaeter und Herr des Erbarmens,
Schoepfer des sterblichen und unsterblichen Geschlechts und aller menschlichen Natur,
der entstehenden und wieder vergehenden,
des Lebens und des Hinscheidens, des Hierweilens und der Versetzung in das Jenseits !
Der Du die Jahre den Lebenden bemissest und die Zeit des Todes bestimmst,
in das Totenreich hineinfuehrest und wieder herausfuehrest,
bindest in Schwaeche und loesest in Kraft,
das Gegenwaertige zum Nutzen einrichtest und das Zukuenftige zutraeglich anordnest,
der Du die mit dem Stachel des Todes Verwundeten
durch die Hoffnung der Auferstehung belebest;
Du Gebieter des Alls, Gott, unser Heiland, Du Hoffnung aller Enden der Erde
und derer die weit auf dem Meere sind,
der Du auch an diesem letzten und grossen und heilbringenden Tage des Pfingstfestes
uns das Geheimnis der heiligen und einwesentlichen und mitewigen und unteilbaren und unvermischten DreiEinigkeit offenbart hast
und das Ueberkommen und die Ankunft Deines heiligen und lebendigschaffenden Geistes in Gestalt feuriger Zungen ueber Deine Apostel gegossen
und sie zu Freudenboten unseres frommen Glaubens eingesetzt
und als Bekenner und Verkuendiger der wahren Gotteslehre erwiesen hast;
der Du auch an Deinem hocherhabenen und heilbringenden Feste das Flehen um Versoehnung fuer die, so in der Hoelle gehalten werden, anzunehmen geruhest
und uns die grosse Hoffnung gewaerest,
den von ihren Qualen Umfangenen Nachlass und Erquickung von Dir herabzusenden:
Erhoere uns Niedrige und Elende, die wir Dich bitten,
und lass die Seelen deiner entschlafenen Diener ruhen
an dem Orte des Lichtes, an dem Orte der Wonne, an dem Orte der Erfrischung,
von wo hinwegflieht aller Schmerz, alle Trauer und alles Seufzen,
versetze ihre Geister in die Gezelte der Gerechten
und wuerdige sie des Friedens und der Erholung;
denn nicht die Toten werden Dich preisen, o Herr,
noch werden sich erkuehnen, die Danksagungen darzubieten,
diejenigen so in der Unterwelt sind;
wir aber, die wir leben, preisen Dich und beten Dich an
und bringen Dir dar suehnende Gebete und Opfer fuer ihre Seelen !


b)

O Gott, Du Grosser und Ewiger, Heiliger und Menschenliebender,
der Du uns gewuerdigt hast,
auch in dieser Stunde zu stehen vor Deiner unnahbaren Herrlichkeit
zur Besingung und zum Lobe Deiner Wunder,
versoehne Dich uns, Deinen unwuerdigen Dienern,
und verleihe uns die Gnade, zerknirschten Herzens und ohne Hochmut
Dir den dreimalheiligen Lobgesang und die Danksagung darzubringen
fuer Deine grossen Wohltaten, die Du an uns getan hast und immerfort an uns noch tust.
Gedenke, Herr, unserer Schwachheit und vertilge uns nicht in unseren Suenden,
sondern uebergrosse Gnade nach unserer Demut,
auf dass wir, der Finsternis der Suenden entronnen,
am Tage der Gerechtigkeit wandeln moegen
und, angetan mit der Ruestung des Lichtes,
unangefochten verbleiben von jeglicher Arglist des Boesen
und Dich, den einzigen wahren und menschenliebenden Gott,
fuer alles voll Zuversicht preisen.
Denn Dein ist das wahrhaft und wirklich grosse Geheimnis,
o Gebieter und Schoepfer des Alls,
sowohl die zeitliche Aufloesung Deiner Geschoepfe,
als auch die spaetere Wiederherstellung und die Ruhe in Ewigkeit.
Wir sagen Dir Dank fuer alles, fuer unseren Eingang in die Welt und fuer unseren Ausgang,
welcher uns verheisst die Hoffnung auf die Auferstehung
und auf das unsterbliche Leben nach Deiner untrueglichen Offenbarung,
welches wir erlangen werden bei Deiner zweiten dereinstigen Ankunft.
Denn Du bist sowohl der Urheber unserer Auferstehung,
als auch der unbestechliche und menschenliebende Richter derer, die gelebt haben,
und der Vergeltung Gebieter und Herr !
Da Du auch in hoechster Herablassung in unseres Fleisches und Blutes verwandschaftliche Gemeinschaft getreten bist und unsere unvermeidlichen Leiden,
indem Du sie freiwillig erduldetest, aus innerstem Erbarmen angenommen hast,
so bist Du uns in dem, was Du selbst versuchend erlitten,
ein erfahrener Helfer geworden, wenn wir in Versuchung geraten.
Deshalb hast Du uns auch in Deine Freiheit von Leiden mit eingefuehrt.
Nimm denn nun an unsere Bitten und unser Flehen, Gebieter,
und lass ruhen alle Vaeter eines Jeden und Muetter und Kinder
und Brueder und Schwestern und sonstige Bluts- und Stammesverwandten,
auch alle Seelen, die in der Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben
vordem entschlafen sind, und versetze ihre Geister und Namen in das Buch des Lebens,
in den Schoss Abrahams, Isaaks und Jakobs,
in das Land der Lebendigen, in das Himmelreich, in das Paradies der Wonne,
einfuehrend sie alle durch Deine Lichtengel in Deine heiligen Wohnungen;
und erwecke auch unsere Leiber auf an dem Tage, den Du bestimmt hast
nach Deinen heiligen und untrueglichen Verheissungen.

So ist das nun, o Herr, kein Tod fuer Deine Diener,
wenn wir aus dem Leibe ausgehen und zu Dir, unserem Gott, eingehen,
sondern eine Hinuebersetzung von truebseligen
zu besseren und froehlicheren Umstaenden, Frieden und Freude.
Und wie wir auch wie andere gesuendigt haben,
sei gnaedig sowohl uns als auch ihnen;
denn niemand ist rein von Befleckung vor Dir,
auch nicht an einem Tag seines Lebens,
als Du allein, der Du ohne Suende auf Erden erschienen, unser Herr Jesu Christe,
durch den wir alle die Gnade und die Vergebung der Suenden zu erlangen hoffen.
Darum so erlasse und vergib und verzeihe uns und ihnen
als der guetige und menschenliebende Gott,
unsere Uebertretungen, die vorsaetzlichen und die unvorsaetzlichen,
die bewussten und unbewussten, die offenbaren und die geheimen,
welche wir in Taten und in Gedanken, in Worten
und in allen unseren Lebensaeusserungen und Bewegungen begangen haben.

Denen nun, die vorangegangen, schenke Du die Befreiung und Erquickung,
uns aber, die wir noch anwesend sind, segne;
gib uns ein gutes und friedliches Ende, sowohl uns, wie auch Deinem ganzen Volke;
oeffne uns auch den Schoss Deiner Barmherzigkeit und Menschenliebe
an dem schrecklichen und furchtbaren Tage deiner Wiederkunft
und mache uns wuerdig Deines Reiches !

 

c)

O Gott, Du Grosser und Allerhoechster, der Du allein die Unsterblichkeit hast
und wohnest in unnahbarem Lichte,
der Du die ganze Schoepfung in Weisheit erschaffen,
das Licht von der Finsternis geschieden
und gesetzt hast die Sonne zur Herrschaft ueber den Tag,
den Mond aber und die Sterne zur Herrschaft ueber die Nacht,
der Du uns Suender gewuerdigt hast,
auch am gegenwaertigen Tage mit Bekenntnis vor Dein Angesicht zu treten
und Dir die Abendverehrung darzubringen,
Du menschenliebender Gott, lass unser Gebet vor Dich kommen wie Weihrauch
und nimm es an als duftenden Wohlgeruch.
Lass uns die gegenwaertige Abendzeit und die kommende Nacht friedlich sein;
bekleide uns mit der Ruestung des Lichtes,
bewahre uns vor dem naechtlichen Grauen und vor jedem Ungemach,
welches im Finstern schleicht
und gib uns den Schlaf, den Du zur Erholung unserer Schwachheit geschenkt hast,
frei von allen teuflischen Traeumen.

Ja, Du Gebieter des Alls, Spender des Guten,
auf dass wir auch auf unseren Schlafstaetten Reue fuehlen,
auch bei Nacht Deines allheiligen Namens gedenken
und durch die Beobachtung Deiner Gebote erleuchtet,
in der Freude unserer Seelen zur Lobpreisung Deiner Huld aufstehen
und Gebete und Flehen Deiner Barmherzigkeit darbringen moegen
fuer unsere eigenen Suenden und fuer Dein ganzes Volk,
welches Du
um der Fuerbitten willen der heiligen Gottesgebaererin
heimsuchen moegest mit Gnade !
 


 

Die Geist-Taufe der Jünger am Pfingstfest

Predigt des Hl. Kyrillos von Jerusalem (313 386)
* Quellenhinweis *



Jesus stieg in den Himmel hinauf und erfüllte Seine Verheißung, die Er den Jüngern gegeben hatte:
»Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben« (Joh 14,16).
Die Jünger blieben (in Jerusalem) und erwarteten die Ankunft des Heiligen Geistes.
»Als der Pfingsttag gekommen war« hier in dieser Stadt Jerusalem - auch diese Ehre wurde uns hier zuteil; deshalb sprechen wir nicht von Wohltaten, die auch andere erhalten haben, sondern von Gunsterweisen, die nur uns gewährt wurden. Am Pfingstfest also waren die Jünger hier, und vom Himmel kam der Beistand herab,
der Wächter und Heiligmacher der Kirche,
der Hüter der Seelen,
der Steuermann in Stürmen,
der Lichtbringer für die Irrenden,
der Kampfrichter für die Kämpfenden,
der Preisverleiher für die Siegenden
.

Der Geist kam herab, um die Apostel mit Kraft zu bekleiden und sie zu taufen. Denn der Herr sagt:
»Ihr werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft« (Apg 1,5).

Nicht Flickwerk war die Gnade, Vollendung war die Kraft.

Wie der, der bei der Taufe ins Wasser eintaucht, und von allen Seiten vom Wasser umspült wird, so wurden auch die Apostel vollkommen vom Geist getauft. Während das Wasser uns nur von außen umfließt, tauft der Geist die Seele unaufhörlich von innen her.
Du wunderst dich darüber? Du sollst ein Beispiel aus der Erfahrungswelt dafür bekommen, ein kleines und schlichtes, doch für einfachere Leute durchaus lehrreich: Wenn das Feuer in das feste Eisen bis nach innen eindringt, wird das ganze Eisen zu Feuer. Wird das kalte und schwarze Eisen heiß und leuchtend, wenn das Feuer, selbst materiell, in die Materie des Eisens eindringt, was wunderst du dich dann, wenn der Heilige Geist in das Innerste der Seele einkehrt?

Damit man wusste, wie bedeutend die herabkommende Gnadengabe war, erscholl gewissermaßen eine Himmelsposaune:
»Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt.«
Er zeigte die Ankunft dessen an, der den Menschen die Gnade verleiht, »das Reich Gottes mit Gewalt an sich zu reißen« (Mt 11,12); die Augen sollten die Feuerzungen sehen und die Ohren das Brausen wahrnehmen.
»Es erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.« Das Haus wurde zum Becken für das geistige Wasser. Die Jünger saßen in dem Haus, das ganz erfüllt wurde, und wurden vollständig getauft, wie ihnen verheißen war. Sie wurden an Seele und Leib mit dem göttlichen und heilbringenden Gewand bekleidet. »Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten, auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.« Feuer empfingen sie, doch kein verbrennendes, sondern ein heilwirkendes Feuer, das die Dornen der Sünde verzehrt und die Seele erleuchtet. - Dieses Feuer wird auch jetzt auf euch herabkommen, eure dornigen Sünden verzehren und vernichten, den kostbaren Schatz eurer Seele noch mehr erglänzen lassen und euch Gnade schenken; auch damals hat es den Aposteln Gnade geschenkt. - In Gestalt feuriger Zungen ließ sich die Gnade auf die Apostel herab, um ihr Haupt durch die feurigen Zungen mit ganz neuartigen und geistigen Diademen zu krönen.
Einst hatte ein feuriges Schwert das Tor zum Paradies versperrt; eine feurige, rettende Zunge brachte die Gnade zurück....

Bestürzung entstand in der Menge der Zuhörer, eine neue Verwirrung, entgegengesetzt zur ersten schlimmen in Babylon. Während bei der Verwirrung der Sprachen die Pläne durchkreuzt wurden, da sich das Trachten gegen Gott richtete, erfolgte hier eine Wiederherstellung und Einigung der Gesinnung, da das Streben gottesfürchtig war. Bei denen (in Babylon) kam es zum Fall, bei diesen (in Jerusalem) zum Auferstehen. ... Andere aber spotteten: »Sie sind vom süßen Wein betrunken.« Damit sagten sie spottend die Wahrheit. Tatsächlich war der Wein, die Gnade des Neuen Bundes, noch jung. Doch dieser junge Wein kam vom geistigen Weinstock, der oft schon in den Propheten Früchte getragen hatte und im Neuen Bund junge Triebe hervorbrachte. Wie in der sichtbaren Natur der Weinstock immer gleich bleibt und zur entsprechenden Zeit neue Früchte trägt, so hat auch der gleiche Geist, der bleibt, was Er ist und der oft schon in den Propheten gewirkt hat, jetzt etwas Neues und Wundervolles erstehen lassen. Auch über die Väter war die Gnade gekommen, doch jetzt kam sie im Übermaß. Damals erhielten sie Anteil am Heiligen Geist, jetzt aber wurden die Jünger völlig in ihn hineingetaucht.

Petrus, der den Geist empfangen hatte und sich dessen bewusst war, sprach: ... Trunken sind diese Männer in nüchterner Trunkenheit, die die Sünden abtötet und die Herzen mit Leben erfüllt, in einer Trunkenheit, die das Gegenteil vom leiblichen Betrunkensein ist. Sie macht vergessen, was man gewusst hat; diese aber verleiht Kenntnis von dem, was man nicht gewusst hat. Trunken sind sie, da sie den Wein des geistigen Weinstocks genossen haben, der sagt: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben« (Joh 15,5). ... »Es ist erst die dritte Stunde des Tages.« Der, welcher um die dritte Stunde gekreuzigt wurde, wie Markus (15,25) sagt, hat jetzt zur dritten Stunde die Gnadengabe gesandt. Keine andere Gnade ist es hier wie dort (am Kreuz). Jener, der damals gekreuzigt wurde und die Verheißung gegeben hat, hat seine Verheißung erfüllt.

 

QUELLE:
Kyrillos von Jerusalem:
17. Taufkatechese, 13-15.17-19; PG 33, 985 B-992 A
übersetzt in:
Heiser, Lothar:
JESUS CHRISTUS, das LICHT aus der HÖHE
Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche
(Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia Oriens; Bd. 47), St. Ottilien 1998, S. 714ff.
hier:   Übers.: G. Wolf   in

* St.Andreas-Bote *

Einige Gedanken zur Frucht des Geistes von Erzbischof STYLIANOS(geb. in Kreta, Metropolit von Australien, Sydney):
(anlaesslich der 7.Vollversammlung des Weltkirchenrates in Canberra)
"Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Sittenlosigkeit, ausschweifendes Leben, Goetzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jaehzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und aehnliches mehr"
(Gal 5, 19-22)
im Gegensatz dazu:
"Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Guete, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung" (Gal 5,22-23)

Der unvollstaendigen Aufzaehlung der ueblen Werke der gefallenen Welt setzt der Apostel die unendliche Zahl 9 der Frucht des Geistes entgegen...
Vielleicht taeten die kranken und belasteten Christen unserer Zeit gut daran, sich wieder den wahren Quellen der christlichen Spiritualitaet im Blick auf die "Erneuerung der Schoepfung" zuzuwenden, wo uns verheissen wird, dass der Geist in uns als Troester wirkt. ...
Die Beschreibung der Frucht dieses troestenden Geistes beginnt mit der Liebe und endet mit der Selbstbeherrschung... Der Liebe (Selbsthingabe), als die erforderliche zentrifugale Kraft, die den Christen zu bewegen beginnt, steht die Selbstbeherrschung als zentripetale Kraft gegenueber, die ihn auf seiner Bahn haelt... Als Christen duerfen uns dieser Wirkung sicher sein: der Heilige Geist ist nicht der "unbekannte" Gott, ... der Heilige Geist wirkt in jedem Augenblick als wahrer Gott in jeder Seele und zugleich ueberall in der Schoepfung !




 

Einige Gedanken zur Realitaet des Heiligen Geistes von Metropolit MICHAEL (geb. in Athen, Metropolit von Austria, Wien):
(Fachtagung 1998 der roem.-kathol. Erzdioezese Wien)
"Der Heilige Geist weht, wo Er will," deshalb kann er auch nicht als zu verwaltender Besitz betrachtet und es ist nicht sinnvoll "das Wirken des Heiligen Geistes ausserhalb der Grenzen der eigenen Kirche in Frage zu stellen."
Die Orthodoxe Kirche wird vielfach als "Spezialistin der Pneumatologie", der Lehre vom Heiligen Geist, betrachtet.
Dadurch wird sie aber bedauerlicherweise einerseits oft als Vorbild zur Schwaermerei hingestellt und andererseits als weltfremd und an den konkreten Problemen der Menschen ganz uninteressiert beurteilt. Tatsaechlich aber stellt in der Orthodoxie die "erfahrbare Heilsgeschichte" den Ausgangspunkt fuer jede Theologie dar: Das konkrete Wirken im konkreten Leben in der konkreten Geschichte steht im Vordergrund und nicht abstrakte, erkenntnistheoretische, metaphysische Spekulation zur Gottesfrage. Gerade deshalb sind wir ueberzeugt davon, dass es keine Zeit in der Menschheitsgeschichte ausserhalb der Wirkung des Heiligen Geistes gab, gibt und geben wird.

Ein Grundvertrauen auf den Heiligen Geist muessen die einzelnen Christen fuer ihr konkretes Leben haben, aber auch die Gesamtkirche auf Erden und deren Verantwortungstraeger bei Entscheidungen innerhalb der Kirche koennen und muessen auf den Heiligen Geist vertrauen. Fuer den Heiligungsprozess innerhalb der Kirche ist die Wirkung des Heiligen Geistes sogar unerlaesslich.

Der Heilige Geist wirkt in jedem Augenblick als wahrer Gott in jeder Seele und zugleich ueberall in der Schoepfung !


 

26.6. 2016


Sonntag
A L L E R H E I L I G E N

und

 

3.7. 2016


Sonntag der
HEILIGEN der LAENDER


Ikone zum Gottesdienst: Alle Bulgarischen Heiligen

"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen.
Mit Ausdauer wollen wir laufen in dem Wettkampf, der vor uns liegt"

(Hebr 12,1)

Geistliches Wort des heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos
Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos: Die Fruechte des Pfingstereignisses
Vater Serafim Pâtrunjel: Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Die Heiligkeit ist die grundlegende Eigenschaft Gottes, die Eigenschaft aller uebrigen Eigenschaften,
die sie in sich schliesst, wie das weisse Licht alle Farben des Regenbogens.
Das Leben in Gott, die Vergoettlichung (Theosis), ist Heiligkeit;
ohne sie kann es in der Kirche keinerlei geistliche Gaben geben."
schreibt der grosse orthodoxe Denker Vater SERGEJ Bulgakov.

In der Goettlichen Liturgie ruft der Geistliche vom Altar unmittelbar vor der Teilung des Lammes der Allerheiligsten Gaben: "Das Heilige den Heiligen!" und die Glaeubigen antworten: "Einer nur ist heilig, Einer nur der Herr: Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Amen."
Von Heiligen kann man in der Kirche also nur reden, weil der Herr der Kirche heilig ist und durch Seine Herrschaft die heiligt, die Er sich auserwaehlt hat.
Dies aber bedeutet, dass grundsaetzlich jeder Getaufte zur Heiligkeit berufen ist, weil er in der Taufe "Christus angezogen hat" (wie wir singen) und fortan Ihm gehoert. Denn nur in diesem Sinne kann man Heiligkeit dem jederzeit auch zur Suende offenen Menschen zuschreiben: nicht als selbst erzeugte Qualitaet, sondern als gnadenhaftes Anteilerhalten an der Heiligkeit des DreiEinen Gottes.
Aber nur Wenige lassen die Heiligung an sich geschehen und "laufen in dem Wettkampf mit Ausdauer"; nicht alle vermoegen gleichermassen in dieser Herrlichkeit ihres Herrn zu stehen und sie wiederum auszustrahlen. Diejenigen aber, die so von der Gemeinschaft und Heiligkeit Christi erfuellt sind, dass sie diese ausstrahlen wie die Erde nach einem heissen Sommertag die Waerme, sie werden in der Kirche als Heilige verehrt.

das Folgende aus:
St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de

Geistliches Wort des in die Ewigkeit heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos:
ehemaliger Pfarrer der Muenchner deutschsprachigen Andreas-Gemeinde
in der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland
Griechisch-orthodoxes bischoefliches Vikariat in Bayern

"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen."

(Hebr 12,1)

Liebe Gemeindemitglieder und Freunde der Orthodoxen Kirche !

Die Heiligen unserer Kirche

Das Wort "heilig" wird in der Heiligen Schrift hauptsaechlich fuer den Dreieinigen Gott verwendet. Er ist der Dreiheilige (Jes 6,3) und "Heiliger und Wahrhaftiger" (Offb 6,10). Deshalb singt unsere Kirche: "Einer ist heilig, einer der Herr, Jesus Christus ..."
Aber wenn Gott allein heilig ist, wie ist dann die Stellung der Heiligen?
Haben sie eine eigene Heiligkeit?
Wie stehen sie zu dem einen Heiligen und zu uns, ihren Bruedern und Schwestern?

Die Heiligkeit des Menschen gruendet in der Heiligkeit Gottes, weil der Mensch nach dem Ebenbild des Dreieinigen Gottes geschaffen wurde. Das hat Gott selbst Seinem Volk erklaert: "Denn ich bin der Herr, euer Gott. Erweist euch als heilig, und seid heilig, weil ich heilig bin." (Lev 11,44). Die Berufung des Menschen ist die Heiligung, welche in Erfuellung geht durch die Teilnahme am Leben Gottes in Jesus Christus. Christus hat uns Glaeubigen verbuergt, dass Er "das Licht der Welt" ist und wer Ihm nachfolgt wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern er wird das "Licht des Lebens" haben (Joh 8,12). Christus ist der "Abglanz Seiner Herrlichkeit" (Hebr 1,3), naemlich die Ausstrahlung der Herrlichkeit des Vaters. Aber auch der Mensch soll "erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) durch die unerschaffene goettliche Energie. Er wird naemlich Teilhaber der goettlichen Herrlichkeit (Joh 17,22) und "Anteil an Seiner Heiligkeit gewinnen" (Hebr 12,10), "Licht der Welt" (Mt 5,14) und "Herrlichkeit Christi" (2 Kor 8,23). Der Apostel Paulus sagt: "Wir alle spiegeln mit enthuelltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in Sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn" (2 Kor 3,18)

Der Herr bestaetigt uns, dass jeder der Seiner Liebe mit eigener Liebe begegnet, zum "Tempel Gottes", zum "Tempel des Heiligen Geistes" zur "Wohnung Gottes durch den Geist" (1 Kor 3:16,6,19; 2 Kor 6,16; Eph 2,22; Joh 14,23) wird.
Jeder Christ, der in Gottes Gnade lebt, wird "zu demselben Leib gehoeren und an derselben Verheissung in Christus Jesus teilhaben" (Eph 3,6). "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20), "Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) und wir sollen werden "Kinder Gottes ohne Makel" (Phil 2,15), sagt der hl. Paulus.

Die Heiligen unserer Kirche hielten daran fest und lebten ihr Leben in Christus. Deswegen ermahnt uns der Apostel: "Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme" (1 Kor 11,1). Die Heiligen sind die "treuen Zeugen Christi". Ihr Leben ist dasselbe Leben Christi, welches sich zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Art an jedem Einzelnen von ihnen wiederholt. Sie sind die Menschen, welche durch "den Geist leben" und "in dem Geist" (Gal 5,25) wandelten; sie waren unverkennbar "ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern - wie auf Tafeln - in Herzen von Fleisch" (2 Kor 3,3). Die Heiligen unserer Kirche, verbunden mit Christus und uebergossen mit dem Licht des Heiligen Geistes, lebten wie eine Miniatur das Leben Christi. Ihre Gedanken, ihre Worte, ihr Handeln, waren Gedanken, Worte und Handeln Christi. Ihr ganzes Leben bestand aus der tatkraeftigen Fuelle des Heiligen Geistes in ihren Seelen. So sind die Heiligen in Christus "eine neue Schoepfung" (2 Kor 5,17). Sie sind die Taten Gottes im Leben des Menschen.

Die Lebensweise der Heiligen unserer Kirche ist der menschlichen Natur nach, so wie sie Gott geschaffen hat, angemessen. Demnach zeigen uns die Heiligen, wie in Wirklichkeit der Mensch ist und wie er leben soll. Das Leben der Heiligen also ist Teilhabe am Leben Christi; ihre eigene Heiligkeit besteht in der Heiligkeit Christi.

Die goettliche Ehre mit welcher die Heiligen unserer Kirche umgeben sind, ist ein Geschenk Gottes, unerschaffene Gnade, das unerschaffene goettliche Licht. Dieses Licht offenbart die Praesenz und die Wirkung des Dreieinigen Gottes in der Welt.
Beim Propheten Daniel sehen wir, dass die Ehre Gottes vom Throne Gottes als "loderndes Feuer" ausstroemt.
Das gleiche sehen wir im Buch Exodus, "da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht" (Ex 3,2; Ex 24,17; Ex 34, 29-30) und das Feuer wurde auf Mose uebertragen und sein Gesicht strahlte so, "dass die Israeliten das Gesicht des Mose nicht anschauen konnten" (2 Kor 3,7)

Die gleiche Herrlichkeit umhuellte den Propheten Elias, wie er gen Himmel fuhr (2 Koen 2,11).
Das ist das unerschaffene Licht, welches die Apostel auf dem Berge der Verklaerung sahen: "Petrus und seine Begleiter... sahen Jesus in strahlendem Licht" (Lk 9,32).
"Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiss wie das Licht" (Mt 17,2).
Das unerschaffene Licht umstrahlte die Engel am leeren Grabe Christi (Mt 28,3; Mk 16,5; Lk 24,4), erschien dem Erstmaertyrer Stephanos (Apg 7,55), dem Apostel Paulus (Apg 9,3) und uebertraegt sich zu den Menschen Christi (Mt 5,14; Joh 17,22; 2 Kor 3,18)

Charakteristisch ist der nachfolgende Bericht ueber das Gespraech des heiligen Serafim von Sarov mit Motowilov, als das Licht, welches den Heiligen umhuellte, auf seinen Gespraechspartner uebertragen wurde:

Wie kann ich wissen, fragte ich Vaeterchen Serafim, ob ich mich auch in der Gnade des Heiligen Geistes befinde?
Das ist sehr einfach, antwortete er mir, weil der Herr sagte, dass alles einfach ist fuer denjenigen, der die Erkenntnis erwirbt. Die Apostel stuetzten sich auf diese Erkenntnis und konnten damit erkennen, ob der Geist Gottes sich in ihnen befaende oder nicht und sie behaupteten, dass ihr Tun in allem heilig und Gott gefaellig sei. Auf diesen Grundsatz stuetzten sich die Apostel und erkannten in ihren Herzen die Praesenz des goettlichen Geistes.
Trotz allem verstehe ich nicht, wie ich sicher sein kann, dass ich im Heiligen Geist bin. Wie kann ich in mir seine Praesenz erkennen?
Vaeterchen Serafim fragte, was willst du denn mein Sohn, ich habe es dir doch erklaert.
Ich will, sagte ich, es besser erkennen!
Dann packte mich Vater Serafim fest an den Schultern und sagte: Jetzt, mein Sohn, sind wir alle beide drinnen im Heiligen Geist Gottes. Warum schaust du mein Gesicht nicht an?
Ich kann dich nicht anblicken, Vaeterchen, amtwortete ich ihm; aus deinen Augen strahlen Flammen, dein Gesicht ist heller als die Sonne, du blendest mich!
Habe keine Angst, du strahlst jetzt wie ich; auch du hast nun die Fuelle des Heiligen Geistes."

Wir sehen also, dass die Heiligen keine eigene Heiligkeit besitzen, sondern Anteil haben an der Heiligkeit Christi. Sie sind "Tempel Gottes" und "Wohnstaette Gottes durch den Heiligen Geist". Deshalb ist die Ehre der Heiligen das unerschaffene goettliche Licht, die grosse Gabe und Gnade Gottes im Leben der Heiligen. Die Liebe der Heiligen bleit nicht ohne Erfolg vor Gott. Die Heiligen bitten fuer uns und fuer die ganze Schoepfung zu Gott, welcher wiederum mit Seiner Liebe entgegenkommt. Durch die Fuerbitten und durch die Liebe der Heiligen werden die Grenzen der Natur aufgehoben und die Liebe Gottes greift wohltuend in unser Leben ein.

Ihr Pfr. Oekon. HERAKLIT Dimaratos




Die Fruechte des Pfingstereignisses
von Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos

Der erste Sonntag nach Pfingsten ist allen Heiligen gewidmet, denn die erste Frucht nach Pfingsten sind die Heiligen. Die Kirche besteht in der Welt, "um die Heiligen fuer die Erfuellung ihres Dienstes zu ruesten, fuer den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen" (Eph 4,12-13).
Diese bedeutsamen Worte des Apostels Paulus offenbaren das Ziel des Lebens in der Kirche: die Einheit aller im Glauben. Das bedeutet hier die Gegenwart des Heiligen Geistes im Herzen. Denn nur im Heiligen Geist gelangen wir zur Erkenntnis Christi und werden zu wahren Gliedern des kirchlichen Leibes.

Das Hindernis zur Heiligung ist der Suendenfall. Wie mit dem Suendenfall des Menschengeschlechtes die menschliche Natur erkrankte, so verwirklicht die Heiligung unsere Vergoettlichung. "Denn dieses Vergaengliche muss sich mit Unvergaenglichkeit bekleiden und dieses sterbliche mit Unsterblichkeit" (1 Kor 15,33). Unsere Natur kehrt nicht nur "zur urspruenglichen Schoenheit" zurueck, zum Zustand vor dem Suendenfall, sondern zur Vergoettlichung.
Die Vergoettlichung, die Heiligung der menschlichen Existenz, ist das Ziel des Menschen und die Hauptaufgabe der Kirche in dieser Welt. Sonst haette die Existenz der Kirche als Leib Christi in dieser Welt keinen Sinn. Die Kirche existiert in dieser Welt, um die ganze Welt zu heiligen und die Menschen zu vergoettlichen.

Die orthodoxe Tradition bezeichnet jene Personen als heilig, die zur Vergoettlichung gelangt sind und diese in der Geschichte bezeugen (die Vergoettlichung). Nach dem Hl.Johannes von Damaskus "ehren wir die Heiligen als diejenigen, die sich mit Gott aus freiem Willen vereint, Ihm in sich Wohnung gegeben haben und - durch Sein Teilhaben der Gnade nach - das wurden, was Er von Natur her ist". Die Heiligen werden Gott; nicht Goetter, sondern Gott der Gnade nach. Die Heiligen sind "die beseelten Tempel Gottes, die beseelte Wohnstaette Gottes, durch den Heiligen Geist, der in ihren Koerpern ein Tempel ist" (Hl.Johannes von Damaskus). Der hl. Johannes, der im 8. Jahrhundert die ganze konkrete kirchliche Tradition zusammenfasste, betrachtet nur diejenigen als lebendige Glieder der Kirche, die in einer lebendigen Gemeinschaft mit Gott stehen, die je nach ihrer Empfaenglichkeit an der unerschaffenen Gnade Anteil haben. Genau diese sind die Heiligen, die wirklichen Glieder des Leibes Christi, die zu dem gelangt sind, was das Wort des Apostels Paulus bekennt: "nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20).
Nach der orthodoxen Tradition "macht die unsagbare Vergoettlichung diejenigen, die an ihr Anteil haben, zu Unerschaffenen, Anfanglosen und Unbeschreiblichen, obwohl sie ihrer Natur nach aus dem Nichtsein geschaffen wurden", sagt der hl. Maximos der Bekenner (PG 91,114 4). In der Vervollkommnung gelangt der Glaeubige zur Gottaehnlichkeit, zur Vollendung seiner Natur, zur Verherrlichung. Nach dem hl. Dionysios dem Aeropagiten "ist die Vergoettlichung das groesstmoegliche Aehnlichwerden und die Vereinigung mit Gott". Zur Person des hl. Apostels Paulus betont der hl. Gregor Palamas dessen Wandlung in Christo mit seinem Aufstieg bis zum dritten Himmel (2 Kor 12,2), dessen Vergoettlichung auf folgende Weise: "Solange Paulus das Leben lebte, das auf den Befehl Gottes hin aus dem Nichts geschaffen wurde, war er geschaffen; als er (Paulus) jedoch nicht mehr dieses, sondern jenes Leben lebte, das mit der Reinigung durch Gott gewaehrt wird, wurde er durch die Gnade unerschaffen".

Von einem Menschen zu sprechen und zu sagen, dass er unerschaffen ist, ist ein Aergernis, ein Skandal fuer die heutige Welt. Das aber ist die Sprache der Orthodoxie, die ihrer mystischen Erfahrung entspricht.

Die Vergoettlichung in dieser Welt beschraenkt der hl. Gregor Palamas aber nicht nur auf Paulus oder die Apostel, sondern er betont, "dass auch jeder, der Gott Logos erworben hat, und zwar lebend und wirkend, zum gleichen Punkt gelangt". So verstehen wir, warum in der Bibel die Heiligen "Freunde Gottes" und "Kinder Gottes", nicht aber "Knechte" genannt werden (Joh 1,12).

In der staendigen Praxis der Kirche werden die Heiligen nicht auf der Basis moralischer und innerweltlicher Kriterien anerkannt, sondern erst nach der Offenbarung ihrer Heiligkeit von Gott Selbst. Die "offizielle" Heiligsprechung in der Orthodoxen Kirche bedeutet also nicht irgendeine Ehrenbezeugung oder Belohnung fuer gewisse Verdienste. Es handelt sich vielmehr um die Bestaetigung und offizielle Proklamation der Wirklichkeit ihrer Vergoettlichung.

(wird fortgesetzt)


Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Ut omnes unum sint." (Joh 17,21)

In der Geschichte ist durch die himmlische Kirche der Heiligen eine neue Realität zum Vorschein gekommen. In der Welt jenseits des gewöhnlichen biologischen Lebens des Menschen erschien das Leben des menschgewordenen Gottessohnes. Von Pfingsten an macht der Geist die Gläubigen zu Gliedern des Leibes Christi, welche die Kirche bilden. Die Kirche Christi ist gleichzeitig sicht- und unsichtbar, ist der mystische Leib des Herrn, hierarchische Institution und soziale Gemeinschaft. Das göttliche und das menschliche Element bilden eine einzige theandrische Realität, einen Leib in Christus (Röm 12,15). Diese Verbindung unter dem himmlischen und dem menschlichen Teil führt dazu, dass die Engel und die Heiligen für die Lebenden Fürsprecher sind und die Lebenden die Gebete jener anrufen. So haben die Heiligen einen wichtigen Platz in der orthodoxen Spiritualität.

Am ersten Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest "Allerheiligen auf der Welt, in Asien, Libyen, Europa, im Norden und Süden". Dieser Sonntag ist das Fest der Fülle der Kirche. Die vollkommene Kirche der DreiEinheit endet in der vollkommenen Kirche der Heiligen (Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion). Über die Bedeutung dieses Festes und über die Gründe seiner Feier an diesem Sonntag gibt uns das Tagessynaxarion eine ausführliche Erklärung:
"Unsere gotttragenden Väter haben angeordnet, dass wir nach der Herabkunft des Heiligen Geistes das heutige Fest feiern, denn sie wollten zeigen, dass die Herabkunft des Heiligen Geistes so große Wunder bewirkt hatte, dass sie, die aus gleichem Teig [gemeint ist die menschliche aus Fleisch bestehende Natur] wie wir geschaffen, geheiligt und zu Weisen gemacht wurden, und dass sie an Stelle der gefallenen Schar eingesetzt und durch Jesus Christus zu Gott geführt wurden; die einen durch Martyrium und Blut, die anderen durch tugendhaftes Leben, weil der Heilige Geist Wunder bewirkt hatte...
Einerseits ehren wir, indem wir das Fest feiern, viele andere, die, auch wenn sie durch ihre Tugend gottgefällig lebten, aus unbekannten Gründen (vielleicht wegen menschlichen Umständen) niemand bekannt wurden, obwohl sie vielleicht nun viel von  Gottes Herrlichkeit gelebt haben.
Andererseits gab es viele, die gottgefällig in Indien, Ägypten, Arabien, Mesopotamien, um das Schwarze Meer sowie überall im Westen, sogar bis zu den britannischen Inseln, und, kurz gesagt, in Ost und West gelebt hatten, deren Gedächtnis sich nach der Sitte der Kirche wegen ihrer Vielzahl nicht leicht feiern laesst. Damit wir auch die Hilfe derer, die irgendwo auf Erden gottgefällig waren, bekommen und auch die künftigen Heiligen berücksichtigen, ordneten die gotttragenden Väter das Fest Allerheiligen an, das alle, von den ersten bis zu den letzten Heiligen, enthält, die bekannten oder unbekannten, die vom Heiligen Geist, der in ihnen wohnte, geheiligt wurden.
Drittens sollten die einzelnen Feste der Heiligen auch zusammen an einem Tag gefeiert werden, um zu zeigen, dass sie für denselben Christus gekämpft haben, dass sie sich alle auf demselben Weg der Tugend befanden und nach Verdienst gekrönt wurden, als Diener desselben Gottes. Sie bilden die Kirche, sie ergänzen die jenseitige Welt hier bei uns und ermahnen uns zum gleichen Kampf, der verschieden nach dem Zustand jedes einzelnen ist."

(Pentekostarion: Allerheiligensonntag)

Das Fest Allerheiligen ist die letzte im Pentekostarion enthaltene Feier.
Seine Position will uns zeigen, dass das Ziel des ganzen erlösenden Werkes Jesu Christi und der Zweck der ganzen Spiritualität der Kirche die Heiligkeit -unsere Vereinigung mit Gott- ist.
Das Tagessynaxarion zeigt, dass die Feier "als Triodionsschluss“ eingesetzt wurde (darunter verstehen wir die beiden Bücher: das "Fasten-Triodion", für die Hymnen der großen Fastenzeit, und "Pentekostarion" für die Zeit im Jubel der Auferstehung),
und wie ein Rahmen alle Feste umschliesst.
Das Triodion enthält die sorgfältige Auslegung aller für uns von Gott gewirkten Heilstaten:
Die Verstossung der Teufel  aus dem Himmel wegen des ersten Unheils, der Sünde und die Vertreibung Adams aus dem Paradies, die ganze Oikonomia Gottes des Wortes und die Weise, in welcher wir wieder zu den Himmeln durch den Heiligen Geist erhoben werden, und wie wir dort gemäß den heiligen Vätern die gefallene Schar ersetzen.
Jetzt feiern wir alle, die durch das Wohlwollen des Heiligen Geistes geheiligt wurden:
Die herrlichen und heiligen Geister, das heißt die neun Scharen; die Urahnen und Patriarchen, die Propheten und die heiligen Apostel, die Märtyrer und die Hierarchen, die heiligen Bekenner und die ehrwürdigen Mönche, die Gerechten und die ganze Schar der heiligen Frauen und alle anderen unbekannten Heiligen.
Über, unter und mit allen Heiligen feiern wir aber die Heilige der Heiligen, die Allheilige und unsagbar mehr Geehrtere als der Engel Scharen, unsere Frau und Gebieterin und immerwährende Jungfrau Maria."
(Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion)
An dieser Feier freut sich Christus selbst, weil er den Glanz der Früchte seines Opfers sieht, freut sich die Kirche, welche ihre Erfüllung schaut, sind selig alle Heiligen vor dem himmlischen Thron und freuen wir uns alle, die wir das Beispiel ihres Lebens anschauen. Wir versuchen ihrem Glauben zu folgen, um am Ende der Laufbahn unseres Lebens (vgl. 1Kor 9,24) mit ihnen zusammen zu sein, und beten dafür.

Durch ihre Annäherung an Gott und durch die Nähe zu ihm sind die Heiligen unaufhörliche Mittler für unsere Erlösung.
Die Dankdoxologie für die Heiligen und ihre Anrufung in Bittgebeten für Lebende und Verstorbene bilden eine sehr alte christliche Praxis in welcher Gott in und unter uns verherrlicht wird.

Weil wir wissen, dass die Heiligen Menschen wie wir waren und dieselben dem Menschen zugehörenden Schwächen hatten, dass sie deswegen auch unsere Schwächen und Verfehlungen verstehen können, haben wir großes Vertrauen auf ihre Gebete für uns.
Die Heiligen sind folglich unsere Freunde, die wir bitten, bei Gott für unsere Erlösung zu vermitteln, damit wir ewig zusammen mit ihnen sein können.

 

QUELLE:
Bischof SOFIAN von Brasov (p. Serafim Pâtrunjel)
Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit (Kommentar zum Pentekostarion)
Würzburg 1998, S. 119ff     (hier aus
* St.Andreas-Bote *)





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24. Juni

Geburt
des hl. Propheten, Vorlaeufers und Taeufers
JOHANNES



Die vormals Unfruchtbare
gebiert heute den Vorlaeufer Christi.

Dieser aber ist die Fuelle aller Weissagung:

Er wurde von den Propheten vorhergesagt,
er, der im Jordan durch Handauflegung bezeugte
die Erscheinung des Wortes Gottes,

er,
der Prophet,
Verkuender und
Vorlaeufer
ist.



Festtagsikone /Bulgarisch 17.Jhdt





 

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