Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils

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6.August (19.8.) VERKLÄRUNG unseres Herrn, Gottes und Erlösers JESUS CHRISTUS
Metamorfosis / Preobrazhenie / Schimbarea
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15.August (28.8.) ENTSCHLAFEN der Allerheiligsten Gottesgebaererin und steten Jungfrau Maria
Koimisis tis IperAgias, Endoxou, Despinis Imon, Theotokou kai Aeiparthenou Marias
Uspenie PreSw. Bogorod. / Adormirea Maicii Domnului

1.September (14.9.)
B E G I N N des NEUEN KIRCHENJAHRES

Archi tis Indiktou, itoi tou Neon Ekklisiastikon etous

Zrkovn. Nov. God. / Inceperea Anului Bisericesc


8.September (21.9.) GEBURT der Allerheiligsten Gottesgebaererin und steten Jungfrau Maria
to Genethlion tis IperAgias Despinis Imon, Theotokou kai Aeiparthenou Marias

Roshd. Presw. Bogor. / Nasterea Sfintei Fecioare, Maicii Domnului


14.September (27.9.) ERHÖHUNG des Allehrwürdigen und Lebenspendenden KREUZES
IPSOSIS tou timion zoopoidon STAVROU

WSDWISH. Sw. KRST. GOSPOD.  /   Înălţarea Sfintei CRUCI


1.Oktober (14.10.) 28.Oktober(GR)  SCHUTZFEST der Allerheiligsten Gottesgebaererin und steten Jungfrau Maria
Skepis  IperAgias Theotokou
POKROV PreSw. BOGOROD.  /  Acoperamantul Maicii Domnului
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19.Oktober (1.11.) Hl. JOHANNES von R I L A, Himmlischer Füsprecher von Bulgarien, Mönchsvater des Balkans |


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1. Oktober (14.10.)

POKROV PRESW. BOGOROD. (slaw.)
ACOPERAMANTUL MAICII DOMNULUI (rum.)

P O K R O V
(Kirche von Griechenland: 28.Oktober = Befreiungstag)


SCHUTZFEST
der
ALLERHEILIGSTEN
GOTTESMUTTER

Deines Schutzes
Gnadenfülle

besingen wir,
o Jungfrau,
da du
-über alles Verstehen-
wie eine lichtvolle Wolke
deinen Schleier ausgebreitet hast,
um zu schützen dein Volk
vor der Widersacher Arglist.

Durch dich haben wir Schutz,
Beistand und Hilfe
und rufen dir zu:

Ehre deiner Grossmut, Allheilige !
Ehre deinem göttlichen Schutz !
Ehre deiner Fürsorge für uns, Allreine !

Festtagsikone, Palecher Malweise, Moskau 19.Jhdt.



In diesem Fest feiern wir die Gottesgebärerin als Schutzherrin der Welt. Auf der Festtagsikone sind stellvertretend für uns Menschen verschiedener Herkunft und Standes zu sehen. Auf fast allen Ikonen wird der geistige Asket (russ. "Gottesnarr") ANDREAS (936) zu finden. Er hatte in der der Gottesmutter geweihten Blachernenkirche von Konstantinopel eine Erscheinung der Gottesgebärerin hatte und sah, wie diese in einem Vigilgottesdienst ihr Maphorion (Schleier) über das betende Volk ausbreitete. Man sieht ihn als Büsser, wie er auf die Erscheinung der Gottesmutter hinweist und zu seinem Freund und Schüler Epiphanios sagt: "Siehst du die Gebieterin und Königin der Welt ?"
Der 1. Oktober ist auch der Gedenktag des Hl. Hymnendichters ROMANOS des Meloden und des Hl. JOHANNES Kukuzel des grössten spätbyzantinischen Hymnographen bulgarischer Herkunft. Am Beispiel des Hl. Romanos wird gezeigt, dass sein musischer Erfolg nicht Verdienst sondern Geschenk Gottes ist; hier vermittelt durch die Gottesmutter. 
Man findet auf den meisten Festtagsikonen den jungen Romanos, wie er nachdem es die Gottesmutter angefleht hatte, bei seiner Aufgabe im Gottesdienst nicht zu versagen und sich ins Kloster zurückgezogen hatte, auf dem Ambo vor seinem Chor mit neugeschenkter Stimme seine bis heute unerreichten Kondakien und Iken vorträgt.

Wir feiern dieses Fest im Wissen darum, dass die Welt der Fürbitte der Gottesmutter, der Kirche und ihrer Heiligen bedarf.



das Folgende aus:
St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de



Geistliches Wort von + Pfarrer Oekon. HERAKLIT Dimaratos:
Ins Himmelreich heimgegangener Pfarrer der Münchner deutschsprachigen Andreas-Gemeinde
in der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland
Griechisch-orthodoxes bischöfliches Vikariat in Bayern

"Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und Sein Name ist heilig."
Lk 1,49

Liebe Gemeindemitglieder und Freunde der Orthodoxen Kirche !

Die Jungfrau Maria ist die Mutter der ganzen Welt, weil alle aufgefordert werden"zur Erkenntnis der Wahrheit [zu] gelangen" (1Tim 2,4), das heißt Glieder Christi in der Kirche zu werden. In der Kirche reicht uns Christus Seinen kostbaren Leib, welchen Er von Natur und Wesen Seiner Mutter, der unbefleckten Jungfrau, erhalten hat. "Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen" (Joh 1,16), nämlich Gnade von Seiner Gottheit. Auf diese Art werden auch wir Kinder der Gottesgebärerin, Seiner Mutter, und Brüder Christi. Folglich sind alle Heiligen Diener der Jungfrau Maria in dem Sinn, daß diese die Mutter ihres Herrn ist, aber auch wir sind ihre Söhne, weil wir vom Leib und Blut ihres Sohnes kommunizieren, was auch ihr Leib und ihr Blut ist. Auch war sie es, die Christus empfangen hat und die erlösende Bindung zwischen Gott und den Menschen bewirkte. Deswegen haben wir sie zur Koryphäe (Größte) der Kirche und Mutter der Welt erhoben.

"Wahrhaftig würdig ist es, dich seligzupreisen, die Gottesgebärerin,
die Immerseligste und ganz Unbefleckte, und Mutter unseres Gottes.
Du bist ehrwürdiger als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim.
Unversehrt hast du Gott, das Wort, geboren,
wahrhafte Gottesgebärerin, dich preisen wir hoch."

Ist die Ehre der Gottesgebärerin nun eine wesentliche Voraussetzung für unsere Erlösung? Gewiß. Wer die persönliche Mitwirkung der Jungfrau Maria am Werk unserer Erlösung leugnet und der Gottesgebärerin nicht die ihr gebührende Ehre gibt, bewegt sich nicht in der neuen Schöpfung Christi, sondern befindet sich in der Zeit des Falls und des Verderbens, in der Zeit des alten Adam, der die Wurzel der Sünde ist. Für diesen Menschen ist es so, als wäre Christus nicht geboren. Mit anderen Worten wer die Jungfrau Maria nicht als Gottesgebärerin anerkennt, verleugnet die Gottmenschheit Christi. Er hat von der Lesung der Heiligen Schrift keinen Vorteil und für die Gebote Christi keine Verwendung. Denn nicht die Heilige Schrift errettet uns, sondern allein Christus, den die Heilige Schrift verkündet (vergl. Joh 5,39). An der Bezeichnung Marias als Gottesgebärerin erkennt man "das ganze Mysterium der göttlichen Ökonomie; denn wenn die Gebärende Gottesgebärerin ist, dann ist auch der von ihr Geborene, Gott wie auch Mensch" (Johannes von Damaskus). Wer aber die Jungfrau Maria als Gottesgebärerin anerkennt und an die Gottmenschheit Christi glaubt, muß der Maria die entsprechende Ehre geben und sie als Seine Mutter anerkennen. Daher hat die Ehrerbietung, die wir der Gottesgebärerin entgegenbringen unmittelbare Beziehung zu unserer Erlösung.

So ist die Jungfrau Maria "Gefäß" und "Mitwirkende" Gottes für die Erlösung des Menschen geworden. Mit ihrer Einwilligung hat sie der Heilige Geist überstrahlt, Er hat sie veredelt und zum geeignetem Gefäß gemacht, durch ihr Fleisch wurde die menschliche Natur des Sohnes und Wortes Gottes geboren. Auf diese Weise ist Er nicht nur Gott, sondern wahrhafter Gott im Fleisch.

Die Jungfrau Maria hat nicht die Gottheit, sondern die menschliche Natur geboren, welche zu der einen Person Jesu Christi gehörte, und deshalb ist sie "Mutter des Herrn", nämlich wahrhafte Gottesgebärerin. Durch diese Wahrheit wird die Erlösung des Menschen bewirkt und wer den Glauben, daß Maria die wahrhafte Gottesgebärerin ist verwirft, leugnet auch die Erlösung in Christus.

Christus ist die "neue Wurzel", weil Er nicht von der Wurzel Adams stammt. Er ist "ohne Samen" geboren, von der Jungfrau. Durch Seine Geburt wird die Jungfräulichkeit Seiner Mutter nicht aufgehoben und sie bleibt auch nach der Geburt Jungfrau, und Christus ihr einziggeborener Sohn. Joseph war "Vater" Jesu "nach dem Gesetz" und die sogenannten "Brüder" waren Brüder "nach dem Gesetz".

Die Kirche ehrt Maria als Gottesgebärerin und Immerjungfrau und verkündet, daß im Schoß der Jungfrau die Natur des Menschen erneuert wurde und wir somit Teilhaber des Göttlichen Lebens wurden. So ist Maria die "Brücke", welche die Erde mit dem Himmel verbindet und sie wird von den Gläubigen entsprechend geehrt. Derjenige, der als erster die Jungfrau Maria ehrte, war Gott selbst. Maria wurde die "Begnadete" und die "Gesegnete", die "Mutter des Herrn", die "alle Geschlechter" seligpreisen sollen (vgl. Lk 1,48b).

Aber die orthodoxen Christen stellen die Gottesgebärerin nicht über die Kirche, sondern in sie. Maria hat die kranke Natur geerbt, sie war ein echtes Kind der Welt, welche mit ihrer Einwilligung den Plan Gottes vertreten hat. In ihrem Schoß wuchs die neue Wurzel, aus welcher auch sie selbst ihre Erlösung erhalten hat. Deswegen wird sie als "Allheilige" im Verhältnis zu den übrigen Geschöpfen Gottes und als Koryphäe der Kirche angesehen.

Der heilige Leib des Herrn war auch Leib der Maria, und alle Christen, die sich in den Leib Christi einordnen, werden Brüder des Herrn. Die Jungfrau Maria wird zur Mutter der ganzen Menschheit. Wir betrachten die Jungfrau Maria nicht unabhängig von Christus, sondern immer in Verbindung mit der Voraussetzung unserer Erlösung "in Christus Jesus".

Die Kirche formuliert das in einzigartiger Weise in der göttlichen Eucharistie:

"...Ferner bringen wir diesen geistigen Gottesdienst dar für die im Glauben ruhenden Urväter, Väter, Patriarchen, Apostel, Verkünder, Evangelisten, Martyrer, Bekenner, Asketen und für jeden gerechten Geist, der im Glauben sein Leben vollendet hat.

Insbesondere für unsere allheilige, makellose, hochgelobte und ruhmreiche Herrin,
die Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria."

Wer ihr diese Ehre verwehrt, befolgt die Prophezeiung der Heiligen Schrift "...von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1,48) nicht, sondern lebt vor der Geburt des Erlösers. Denn das Mysterium unserer Erlösung äußert sich mit dem Ausdruck "Gottesgebärerin", vereinigt sich mit der Ehre, die aus dieser Bezeichnung herrührt, und der Person der Jungfrau Maria zugeschrieben wird.

Außerdem betrachtet die orthodoxe Christenheit die Allheilige Gottesgebärerin als ihre Beschützerin bei Gefahren, Bedrängnis und Not. Sie ist unsere Fürsprecherin und Beistand beim Herrn, ihrem Sohn und unserem Gott. Deswegen hat die Orthodoxie ihr mit dichterischer Dynamik viele Hymnen gewidmet:

"Der unbesiegbaren Heerführerin Siegesgesang,
dir, Gottesgebärerin, Dankeslieder
bringt, aus Gefahren befreit, deine Stadt.

Da du unüberwindliche Macht besitzt,
befreie mich aus allen möglichen Gefahren,
damit ich dir zujuble: Sei gegrüßt, unvermählt Vermählte"
.

"Du, der der Schutz der Christen keine Schande bedeutet,
unverrückbare Fürbitterin beim Schöpfer,
verachte nicht die Stimme der Gebete von Sündern,
sondern eile als Gütige uns zu Hilfe, die dich voll Vertrauen rufen.
Eile auf unser Gebet, sei schnell auf unser Flehen,
die du immer beschützt, die dich, Gottesgebärerin, verehren.
"


Der hl. Romanos der Melode

Dieser stammte aus Syrien, aus der Stadt der Emeser, er wurde Diakon der heiligen Kirche Gottes in Berytos, die den Namen der Auferstehung trägt. Zur Zeit des Kaisers Anastasios kam er nach Konstantinopel und wohnte in der Kyros-Stiftung bei der Kirche der überaus heiligen Gottesgebärerin, wo er auch die Gnadengabe empfing, Kontakion zu komponieren. Es erschien ihm nämlich die heilige Gottesgebärerin am Abend der Geburt Christi im Traum, reichte ihm ein Papyrusblatt und befahl ihm, dieses hinunterzuschlingen. Nachdem er es verschlungen hatte, erwachte er sogleich, bestieg den Ambon und begann zu singen und höchst melodisch "Die Jungfrau gebiert heute den über dem Sein Seienden" zu rezitieren. Seit damals also schuf er Kontakia auf die Herrenfeste und auf die Gedenkfeste verschiedener Heiliger, etwa tausend an der zahl, von denen die meisten in seiner eigenhändigen Niederschrift in der Kyros-Stiftung aufbewahrt sind. Er starb in Frieden und wurde in selbiger Kirche begraben; dort wird auch seine Gedächtnisfeier begangen."

So lautet der Synaxarbericht, also der biographische Kurztext, welcher unter dem Datum des Todestages des Romanos des Meloden (griech. melodós, ‘Melode, Liedermacher, Sänger’), dem 1. Oktober, zugleich seinem Gedächtnistag, in den byzantinischen Synaxarhandschriften tradiert wird. Eine ausführliche Biographie dieses größten Dichters der Orthodoxie ist leider nicht erhalten. In den orthodoxen Kirchen ist seine Verehrung seit der Zeit des Kaisers Herakleios (610-641) nachweisbar. Dem Synaxar, sowie indirekten Hinweisen aus seinen Hymnen kann man also entnehmen, daß Romanos im letzten Viertel des 5. Jahrhunderts, wohl um 485, in Emesa (heute Homs in Syrien) geboren und daß er, noch in seiner Jugend, in Berytos (heute Beirut, Libanon) zum Diakon geweiht wurde. Da in seiner Heimat neben dem Syrischen das Griechische weit verbreitet war, darf man annehmen, daß Romanos selbst ebenfalls zweisprachig aufgewachsen ist. er kam in der zeit des - die Monophysiten unterstützenden - Kaisers Anastasios I. (491-518) nach Konstantinopel, wo er sich (als Mönch?) in der Marien-Kirche in der Stiftung eines sonst nicht bekannten Patriziers Kyros niederließ; sie ist vielleicht mit dem späteren Kyriotissa-Kloster zu identifizieren, an dessen Stelle in Istanbul heute die Kalenderhane-Moschee steht.

Über die Angaben des Synaxars hinaus läßt sich zu Romanos’ Leben wenig in Erfahrung bringen: Als wahrscheinlich gilt, daß er - ausgenommen vielleicht eine Reise nach Thessalonike - sein weiteres Leben in der Reichshauptstadt verbrachte und daß er den Kaiser Justinian I. (527-565), den Neffen des Kaisers Justin I. (518-527), zu seinen Auftraggebern zählte, was beispielsweise im Hymnus "Auf jegliches Erdbeben und Feuer" deutlich wird, den Romanos anläßlich der Vollendung des Neubaues der Hagia Sophia (537) schuf. Schließlich darf man vermuten, daß Romanos vor Ende 562 starb, da der ‘offizielle’ Hymnus auf die zweite Einweihung der Sophienkirche am 24. Dezember 652 - nach einem teilweisen Kuppeleinsturz im Jahre 558 war eine Erneuerung notwendig geworden - von einem anderen Meloden verfaßt wurde.

Für das Wunder, das Romanos die Gabe der Dichtung, Komposition und Rezitation der Kontakia verlieh, lassen sich Vorbilder feststellen: Der alttestamentliche Prophet Ezechiel empfing seine Sehergabe in ähnlicher Form, der Evangelist Johannes berichtet in seiner Offenbarung über ein gleichartiges Wunder, und auch über den syrischen Kirchenvater Ephraim (ca. 300-373) gibt es einen solchen Bericht.

Das Wenige, was über die Biographie des Romanos bekannt ist, hat Spätere zu legendärer Erweiterung angeregt, ohne zum konkreten Wissen über seine Persönlichkeit beizutragen. Einen berührenden, volksnahen Text, der vor 1300 entstanden sein muß, enthält eine Handschrift auf dem Heiligen Berg Athos. Aus ihm seien Teile des Dialogs zwischen der Muttergottes und Romanos zitiert, die besonders ansprechend sind; der Dialog entspinnt sich in einer Nacht, die Romanos - verzweifelt über seine Unmusikalität, die ihm auch den Spott anderer Kleriker einbringt - im Gebet durchwacht. Da erscheint ihm Maria: Was hast du, Romanos, gesegnetes Kind, was betrübt sich? - Es ist wegen meiner Unmusikalität, Herrscherin, Herrin, weil ich von allen ausgelacht werde. - Und wenn ich dir eine helle Stimme schenke, was versprichst du mir? Wirst du Mönch? - Ja, meine Herrin, das ist ja mein Herzensbedürfnis! - Auch ich habe deine Seelenneigung erkennt, doch freilich, diese Gabe kann denen Schaden bringen, die nicht behutsam damit umgehen. Wenn du also die Gabe erhalten willst, so hüte das Geheimnis, keiner soll es erfahren! Gib all deinen Besitz den Armen und geh in meinen lieben Palast, ich meine das Abassos-Kloster, und werde Mönch! Und dann will ich kommen und dich heimsuchen." Maria hält dann auch ihr Versprechen und verleiht Romanos die Gabe, Hymnen zu verfassen.

Der Legende nach schuf Romanos Melodos tausend Hymnen. Tatsächlich sind in spätbyzantinischen Sammelhandschriften unter dem Namen des Romanos etwas neunzig Hymnen überliefert, von denen die Forschung heute etwas sechzig als echt anerkennt. Über ihre Entstehung im Einzelnen ist ebenso wenig bekannt wie über eine Datierung, die meist nicht konkreter sein kann, als der ungefähre zeitliche Rahmen, mit dem die Schaffenszeit des Romanos bemessen ist, also etwa die erste Hälfte und die Mitte des 6. Jahrhunderts.

In seiner der Koiné des 6. Jahrhunderts nahestehenden Sprache ist Romanos um Schlichtheit und Bildhaftigkeit bemüht. Seine Quellen bzw. Vorlagen sind das Alte und das Neue Testament, die Chrysostomus-Liturgie, Apokryphen, Märtyrer- und Heiligenviten, Ephraim der Syrer und griechische Kirchenväter, insbesondere Athanasios und Kyrillos von Alexandreia, Johannes Chrysostomos, Proklos von Konstantinopel, Basileios von Seleukia und die Kappadokier Basileios von Kaisareia, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa. Dementsprechend ist auch seine Sprache durch das biblische und patristische Griechisch geprägt, wobei Semitismen erkennbar sind, welche mit seiner Herkunft aus dem syrischsprachigen Ambiente und seiner Kenntnis der syrischen Väter, insbes. Ephraims, erklärt werden.



Ausschnitt aus dem auch als Weihnachtsgeschenk empfehlenswerten, weil literarisch und theologisch vorbildlichen Buch:

Johannes Koder:
" Mit der Seele Augen sah er deines Lichtes Zeichen "
Romanos der Melode
Hymnen des orthodoxen Kirchenjahres
(Wien 1996)








14. September (27.9.)

IPSOSIS tou timion zoopoidon Stavrou (gr.)
WSDWISH. SW. KRST. GOSPOD. (slaw.)
Înălţarea Sfintei Cruci (rum.)


ERHÖHUNG

des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S

Rette, Herr, Dein Volk
und segne Dein Erbe !

Verleihe Deinen Gläubigen
Sieg über die Widersacher !
Und behüte Deine Gemeinde
mit Deinem Kreuz !

Gewähre Sieg über das Böse,
Frieden in Deiner Gemeinschaft
durch die Waffe des Kreuzes,
des unüberwindlichen Siegeszeichens !

Festtagsikone, zeitgen. 20.Jhdt., Adam Russak

Lesungen:
1 Kor 2: 6-9
Gal 6: 11-18
Hebr 3: 1-4
1 Kor 1: 18-24
Gal 2: 16-20

Evangelien:
Mt 10:37-11:1
Joh 3: 13-17
Joh 12:25-36
Joh 19: 6-11, 13-20, 25-28, 30-35
Mt 8:34 - 9:1

Dein Kreuz, o Gebieter, beten wir an,
und Deine heilige Auferstehung verherrlichen wir.

Erzählungen zum Fest
Metr. ANTHONY: Predigt zum Fest
Heiser: Das KREUZ CHRISTI in Geschichte und Gottesdienst:

Seit dem 7. Jahrhunderts, als Kaiser Heraklios am 3. Mai 628 die Reliquie des Hl. Kreuzes von den Persern zurückholte, wird der Gedenktag der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die Hl. HELENA (Mutter des Kaisers Konstantin) im Jahre 326 in Jerusalem, in der gesamten christlichen Welt gefeiert.
Am Vortag ist das Kirchweihfest der Auferstehungs-Basilika über dem Hl. Grab in Jerusalem, bei deren Bau das Kreuz wiedergefunden wurde und die am 13. September 355 geweiht wurde.

Am heutigen Tag steht im Zentrum der Zeremonien das blumengeschmückte Kreuz, das nach allgemeinen Fürbitten unter "Herr erbarme Dich" - Gebet durch den Bischof oder seinen Vertreter von ganz tief am Boden bis in die höchste erreichbare Höhe gehoben wird und damit der Segen in alle Himmelsrichtungen erteilt wird.
Man gedenkt des "Holz des Kreuzes" und des "Zeichen des Kreuzes" in dem das Heilsgeschehen durch das Kreuz Christi, -d.h. Seinen Tod und Seine Auferstehung- seinen Mittelpunkt gefunden hat, seiner Bedeutung in der Offenbarung des Heilswerkes Gottes für Sein Volk:


- Das Holz des Kreuzes des Baumes im Garten Eden:
Am Kreuz sprießt das neue Leben des himmlischen Paradieses (Gen 2:9-15)


- Das Holz der Arche Noah:
Das Holz des Kreuzes rettet die Sünder, bewahrt sie vom Ertrinken in den Fluten des Todes; birgt sie in der neugestalteten Welt Gottes (Gen 6:9 -9:17)


- Jakob kreuzt die Arme, um die Söhne des Joseph zu segnen:
Aller Segen geht vom Kreuz aus (Gen 48: 8-20)


- Mose streckt seine Arme aus, um das Meer zu öffnen und zu schliessen:
Der Gekreuzigte öffnet durch Sein Pas´cha den Weg in das Reich Gottes und verschliesst die Pforten der Unterwelt (Ex 14: 21 - 29)


- Mose wirft Holz in die Quelle von Mara, um ihr die Bitterkeit zu nehmen:
Das Holz des Kreuzes nimmt die Bitterkeit des Todes (Ex 15: 25-26)


- Moses schlägt mit dem Holz seines Stabes auf den Felsen, aus dem sogleich Wasser hervorströmt:
Wunderbares Leben entspringt dem Kreuz des Herrn (Ex 17: 1-7)


- Der Stab Aarons erblühte:
Am Kreuzesholz erblüht uns das Hohepriestertum Christi (Num 17: 1-10)


- Die eherne Schlange wurde in der Wüste auf einem Pfahl erhöht, so dass jeder von einer Schlange Gebissene,
der sie anschaute, nicht starb, sondern am Leben blieb:

Wer auf den gekreuzigten Christus schaut und an Ihn glaubt, wird nicht sterben, sondern das ewige Leben haben (Num 21: 4-9, Joh 19:37)


- Das Volk Israel lagerte am Berge Sinai kreuzförmig um das Bundeszelt:
Das Kreuz ist die Lebensordnung des neuen Gottesvolkes (Num 2: 3-31)

Über diese reiche Tradition soll aber der Zielpunkt,
das Opfer des als Mensch im Fleisch geborenen Sohnes Gottes,
nicht vergessen
sondern hervorgehoben werden.



Siehe dazu:
Predigt
von
Metropolit ANTHONY (Bloom) von SOUROSH (London)



Heute wird erhöht,
der in der Erde verborgen gewesene Baum des Lebens
an den Christus geheftet war.
So wird gefestigt unser Glaube an die Auferstehung.
Hoch erhoben durch des Priesters Hand,
verkündet das Kreuz Seine Auffahrt in die Himmel.
Durch sie wird unsere gefallene Natur erhöht
und in die himmlische Heimat versetzt.
Lasset uns danksagen und rufen:
"O Herr, der Du auf das Kreuz erhöht wardst,
Du hast mit Dir Selbst auch uns erhöht.
Würdige der himmlischen Freude
die Dich in Liebe preisen !"


(aus den Stichirien zu den Laudespsalmen des Festes)


zeitgen.Ikone, Adam Russak bulgarische volkstüml. Ikone;18.Jhdt;Sw.Georgi/Belowo;Schule v.Trjawna

 

 

Erzählungen zum Fest
ERHÖHUNG
des Allehrwürdigen und Lebenspendenden
K R E U Z E S


Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"

Zeichen am Himmel vor Rom und Byzanz
Auffindung und Geschichte um das Hl. Kreuz in Jerusalem


In der Kirche wird das Zeichen des Kreuzes schon sehr früh verwendet. Bereits im 2. Jahrhundert ist verbürgt, dass sich Christen mit dem Kreuzzeichen segnen. Das Kreuz, das in vorchristlicher Zeit ein Zeichen für einen schmachvollen Tod war, wurde für die gläubigen Christen zum Zeichen des Sieges über den Tod, den Satan und alle seine Macht.

Die besondere Verehrung des Kreuzes Christi wurde im IV. Jahrhundert unter dem apostelgleichen Kaiser KONSTANTIN dem Großen und seiner Mutter HELENA eingeführt. Das Kreuz des Herrn erschien ihm dreimal im Leben.

Das erste Mal sah er das Zeichen des Kreuzes während des Krieges gegen den ruchlosen Maxentius, dem Herrscher von Rom, der viel menschliches Blut bei der Wahrsagerei vergoss und den Dämonen eine große Zahl von Kindern, Mädchen und schwangeren Frauen zum Opfer brachte, um seinen trügerischen Göttern zu gefallen. Maxentius führte ein zügelloses und abscheuliches Leben und war in ganz Rom verhasst.

Als Konstantin gegen Maxentius zog, setzte er seine ganze Hoffnung auf Gott. Konstantin hatte nur 25.000 Soldaten, Maxentius ungefähr 200.000. Da er wusste, dass Satan mit seiner Macht auf der Seite des Maxentius stand, begann Konstantin zu dem einen Gott zu beten, der im Himmel und auf Erden herrscht und den alle Christen verehren. Er bat Gott um ein Zeichen dafür, dass der Krieg gegen den ruchlosen Maxentius erfolgreich sein werde.

Als er inständig betete, erschien zu Mittag am Himmel ein aus Sternen bestehendes Kreuz des Herrn, das heller schien als die Sonne. Zusammen mit dem Kreuz war eine Schrift am Himmel zu sehen: " In diesem Zeichen wirst du siegen ", d.h. " Durch das Kreuz wirst du siegen. " Diese wundersame Erscheinung sahen alle Soldaten. Alle waren sehr erstaunt und erschrocken. Viele Soldaten waren Heiden, und für Heiden war das Kreuz ein Zeichen für Unglück und Tod, weil zu jener Zeit auf dem Kreuz Verbrecher und Missetäter starben. Die Krieger fürchteten, dass die Erscheinung des Kreuzes Unglück bedeutete. Konstantin selbst war sehr verwirrt. In der Nacht erschien ihm Christus selbst und wies wieder auf das Kreuz und sagte: " Fertige so ein Kreuz an und lass es vor deinen Kriegern einhertragen, dann wirst du nicht nur Maxentius besiegen, sondern auch alle deine Feinde

Der Kaiser erzählte seinen Vertrauten von diesem Traum und befahl den Goldschmieden ein Kreuz herzustellen, so wie es vor allen am Himmel erschienen war. Das Kreuz wurde aus Gold gemacht und mit Perlen und Edelsteinen geschmückt. Allen Soldaten befahl er, ein solches Kreuz auf die Waffen, Helme und Schilder zu malen.

Trotz seiner übermacht wurde Maxentius besiegt. Nachdem Konstantin in Rom eingezogen war, dankte er Gott für den errungenen Sieg und befahl, zum Gedächtnis daran in der Mitte der Stadt auf einer hohen steinernen Säule ein Kreuz aufzustellen. Auf dem frequentiertesten Platz der Stadt wurde für Konstantin ein Denkmal mit einem Kreuz in seiner rechten Hand errichtet. Konstantin ließ auf ihm eine Inschrift auf lateinischer Sprache anbringen: " Durch dieses erlösende Zeichen, den wahren Erweis von Mut, errettete und befreite ich eure Stadt vom Joch des Tyrannen und gab nach ihrer Befreiung dem römischen Senat und dem Volk ihren früheren Glanz und ihr Ansehen zurück. "


Das zweite Mal sah Konstantin das Kreuz am Himmel, als er die kleine Stadt Byzanz, das spätere Konstantinopel, belagerte, das dritte Mal als er gegen die Skythen kämpfte. Alle diese großen und siegbringenden Erscheinungen überzeugten Konstantin später, dem Beispiel seiner Mutter, der Kaiserin HELENA zu folgen und sich taufen zu lassen.


Die fromme Kaiserin HELENA beschloss, sich mit einer grossen Geldsumme nach Jerusalem zu begeben, um dort nach dem Kreuz des Herrn zu suchen. Unterwegs besuchte Helena viele heilige Orte, reinigte sie von der Entweihung durch Götzenbilder und entdeckte die Reliquien vieler Heiliger. Der damalige Patriarch von Jerusalem MAKARIOS empfing die Kaiserin mit gebührenden Ehren. Die selige Helena rief bei der Suche nach dem Kreuz des Herrn Juden zu sich und befragte sie, wo das Kreuz versteckt sei. Alle winkten ab und sagten, dass sie es nicht wüssten. Schließlich zeigte man ihr einen alten Mann namens Judas, den Sohn eines geachteten Propheten, und meinte, er müsse wissen, wo sich das Kreuz befinde. Judas weigerte sich ebenfalls lange, den Ort zu zeigen. Aber schließlich entschloß er sich dazu und brachte alle zu einem großen Hügel aus Erde und Steinen, auf dem der römische Kaiser Hadrian schon vor jener Zeit einen Tempel für die Göttin Venus errichtet hatte. Judas gab an, dass sich genau unter diesem Tempel das Kreuz befinde.

Helena befahl sogleich, den Tempel abzureißen, die Steine wegzuräumen und die Erde aufzugraben. Der Patriarch Makarios verrichtete an dieser Stelle ein Gebet, und in der Luft verbreitete sich ein Wohlgeruch. An dieser Stelle, ein wenig weiter östlich dieses Tempels, wurden das Grab Christi, die Schädelstätte Golgota, drei Kreuze und auch die Kreuzigungsnägel gefunden. Alle waren fassungslos, da sie nicht wussten, welches der drei Kreuze das Kreuz Christi war. Es geschah, dass man zu jener Zeit einen Toten zum Begräbnis vorbeitrug. Der Patriarch Makarios befahl den Trägern stehen zu bleiben, und die Kreuze wurden der Reihe nach auf den Toten gelegt. Als das Kreuz Christi auf ihn gelegt wurde, erwachte der Tote; er wurde durch die Kraft des göttlichen Kreuzes zum Leben erweckt. Die Kaiserin Helena ergriff das ehrwürdige Kreuz mit Freude, küsste es und verneigte sich vor ihm. Dasselbe taten auch alle Kriegsherren und Würdenträgern, Krieger und Bürger. Da aber rings herum viele Leute standen, die das Kreuz des Herrn sehen wollten, befahl die Kaiserin Helena, es allen zu zeigen. Der Patriarch Makarios stellte sich auf den höchsten Platz, erhob das Kreuz und zeigte es allen. Alle Versammelten riefen dabei: " Herr, erbarme Dich ! "


Seit jener Zeit, dem 14. September 335, wird das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert.

Helena nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel an sich, das Kreuz selbst legte sie in eine silberne Truhe und übergab sie dem Patriarchen Makarios, damit er das Kreuz für die kommenden Generationen aufbewahre.
Judas, welcher der Kaiserin Helena den Ort des Kreuzes des Herrn gezeigt hatte, und viele Menschen mit ihm bekehrten sich zum Glauben an Christus. Er ließ sich taufen und nahm den Namen Kyriakos an, d.h. dem Herrn angehörend. Später wurde Kyriakos Patriarch von Jerusalem und erlitt unter der Herrschaft Julians des Apostaten den Märtyrertod.

Die heilige Helena befahl, an den heiligen Stätten in Jerusalem Kirchen zu bauen. Vor allen anderen wurde die Kirche der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus an der Stelle gebaut, wo das Grab Christi und Sein ehrwürdiges Kreuz gefunden worden waren. Sie befahl auch, eine Kirche in Getsemani zu bauen, wo sich das Grab der Gottesmutter befand. Die Kirche wurde zu Ehren ihrer Entschlafung geweiht. Danach ließ die fromme Helena noch achtzehn Kirchen bauen, schmückte sie reich aus, beschenkte sie mit allem für die Verrichtung der Gottesdienste notwendigen Gerät und kehrte erst dann nach Byzanz zurück. Sie nahm einen Teil des Kreuzes und die Nägel mit sich, mit denen die Hände und Füße des Herrn durchbohrt worden waren.
Es muss noch erwähnt werden, wie das Kreuz des Herrn am Beginn des VII. Jahrhunderts durch die Perser geraubt und später zur Freude der Gläubigen wieder nach Jerusalem zurückgegeben wurde.

In Persien herrschte zu jener Zeit Chosrau. Er war sehr kriegerisch und in seinen Schlachten erfolgreich. Chosrau unterwarf Ägypten, Afrika, Palästina und nahm Jerusalem ein, wobei er viele Christen tötete. Die Krieger Chosraus plünderten Jerusalem und entwendeten die kirchlichen Schätze und Geräte. Es wurde auch die Truhe mit dem Kreuz Christi geraubt. Die byzantinischen Herrscher bemühten sich, Chosrau zu besiegen, erlitten dabei aber mehrere Niederlagen. Der Kaiser Herakleios bat Chosrau um Frieden, dieser jedoch lehnte hochmütig ab. Herakleios wurde sehr betrübt und begann, Gott um Seinen Schutz zu bitten. Er befahl allen Gläubigen zu beten, zu fasten und zu wachen, damit sie der Herr vom Feind befreie, der sich stolz damit rühmte, alle Christen zu vernichten, und den Namen Gottes lästerte. Alle beteten darum, dass die Heiden verstünden, dass es nur einen Gott gibt, und nicht sagen könnten: "Wir und unsere Götter sind stark." Die Heiden sollten verstehen, dass niemand der Macht unseres Gottes widerstehen kann. Der Kaiser Herakleios betete selbst unter Tränen und fastete. Dann sammelte er alle Soldaten und zog mit Zuversicht auf Gottes Hilfe gegen die Perser in den Krieg. Herakleios besiegte Chosrau, schlug ihn in die Flucht und siegte im Laufe von sieben Jahren immer wieder über die zahlreichen Reste seines Heeres, die sich weiter zur Wehr setzten. Bald darauf wurde Chosrau von seinem eigenen Sohn ermordet, der selbst Herrscher werden wollte und sogleich einen Boten zu Herakleios schickte, um bei ihm um Frieden zu bitten. Der Friede wurde geschlossen, der Kaiser Heraakleios kehrte als Sieger heim und brachte die Teile des Kreuzes Christi wieder zurück, die vorher von den Persern geraubt worden waren. Das Kreuz hatte sich etwa 14 Jahre bei ihnen befunden. Der Kaiser Herakleios freute sich und pries Gott für Seine Hilfe.

Nachdem er nach Jerusalem gekommen war, legte er die Teile des Kreuzes auf seine Schultern, um sie an ihren früheren Ort zu bringen; er trug das Kreuz, selbst in kostbare, mit Gold und Edelsteinen geschmückte Purpurgewänder gekleidet. Auf seinem Haupt trug er die Kaiserkrone. Als die Prozession zum Tor gekommen war, das auf die Schädelstätte Golgota führte, fühlte Herakleios zu seinem Erstaunen, dass er keinen Schritt weitergehen konnte. Den Kaiser begleitete der Patriarch von Jerusalem Zacharias. Er war mit den Bewohnern der Stadt mit Zweigen von Feigenpalmen der Prozession entgegengekommen und hatte sich ihr angeschlossen. Der Patriarch sah plötzlich einen Engel des Herrn, der im Tor stand und den Kaiser am Weitergehen hinderte.

Der Engel sprach zum Patriarchen:
" Nicht SO hat unser Schöpfer das Kreuz hierher getragen, wie ihr es jetzt tragt. "

Der Patriarch war über diese Worte sehr erschrocken und sagte zu Herakleios: " Wisse, dem, der reich gekleidet und mit kaiserlichen Prunk geschmückt ist, ist es unmöglich, dieses heilige Kreuz zu tragen, das Christus getragen hat, der unseretwegen arm und erniedrigt war. Wenn du das Kreuz tragen willst, so tue es wie der Erlöser. "

Der fromme Kaiser legte sein kaiserliches Gewand ab, legte ein einfaches armseliges Gewand an und durchschritt nun ungehindert das Tor mit dem Kreuz und trug es in die Kirche, von wo es von den Persern geraubt worden war, und stellte es auf seinem früheren Platz wieder auf
.


 

 

HL. EPHRAIM, DER SYRER:
Durch das HL. K R E U Z...

Unser Herr ging uns voran und unterwarf Sich dem Tod aus freien Stücken.
Dies um den Tod gegen dessen Willen unterzutreten.
Weil es der Tod so wollte, ging unser Herr hinaus und trug sein Kreuz.
Aber dann erhob Er am Kreuz Seine Stimme und führte die Toten aus der Herrschaft des Todes aus der Unterwelt herauf, sosehr auch der Tod sich dagegen wehrte.


Er, der Sohn des Zimmermanns, richtete Sein Kreuz auf über dem alles verschlingenden Abgrund des Todes und trug das Menschengeschlecht hinüber in das Haus des Lebens.

Weil das Menschengeschlecht beim Verlust des Paradieses durch das Holz des Baumes tief gefallen war, führte Er es nun über das Holz des Kreuzes in das Haus des Lebens.

 

Dir sei Ehre !
 
Du hast Dein Kreuz gezimmert als Brücke über den Abgrund des Todes
damit die Seelen vom Land des Todes -zu dem des Lebens hinüberschreiten können.
 

Dir sei Ehre !

Du nahmst den Leib eines sterblichen Menschen an
und machtest ihn für alle Sterblichen zur Ursache des Lebens.
 

Ja, du lebst !

Denn deine Mörder taten mit dir, wie die Bauern tun:
Sie säten Dein Leben wie Weizen in die Erde.
Aus ihr musstest Du auferstehen,
um viele Menschen zugleich mit Dir zu erwecken.
 


Kommt, lasset uns unsere Liebe als grosses und allumfassendes Opfer darbringen.
Volltönende, reiche Lieder lasset uns singen und Gebete an Den richten,
Der Sein Opfer am Kreuz Gott darbrachte,
um uns alle durch Sein Kreuz reich zu machen.
AMIN !


HL. EPHRAIM DER SYRER, Diakon und Hymnendichter aus Nisibis, heimgegangen 373 in Edessa


 

Das KREUZ CHRISTI in Geschichte und Gottesdienst:

Die Erhöhung
des
ehrwürdigen und lebenspendenden Kreuzes
für alle Welt

zum Fest des 14. September

Die Schande der in Nacktheit erfolgten Hinrichtung und die unmenschlichen Qualen der Kreuzigung geboten den frühen Christen, ihren gekreuzigten Herrn nur mit Worten zu verkündigen: „Während die Juden Zeichen fordern und die Griechen Weisheit suchen, predigen wir Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein ärgernis (skandalon), den Heiden eine Torheit; den Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit" (1 Kor 1, 22-24). Erst nachdem Kaiser Konstantin im Jahr 320 im Hinblick auf Christi Kreuzigung diese Strafe verboten hatte, konnte man daran denken, Christus am Kreuz abzubilden. Doch die Scheu, den Gekreuzigten in seiner Schmach darzustellen, hielt noch lange an. Die älteste erhaltene Darstellung im Westen befindet sich auf der aus afrikanischem Zedernholz um 432 geschnitzten Portaltür von Santa Sabina auf dem Aventin in Rom. Christus steht hier, mit einem schmalen Lendentuch bekleidet, groß und erhaben zwischen den beiden kleiner dargestellten Räubern. Der Ausdruck des Leidens ist gemildert; die geöffneten Augen und die wie zum Gebet ausgebreiteten Arme zeigen ihn als siegreichen, göttlichen Mittler. Aus dem Osten ist als älteste Darstellung des Gekreuzigten eine Buchillustration in dem in Syrien gefertigten Rabbula-Kodex von 586 (heute in der Bibliothek Laurenziana, Florenz) erhalten. Christus trägt dort eine mit Goldstreifen verzierte ärmellose Purpurtunika. Sein seitlich geneigtes Haupt ist vom Schmerz gezeichnet, aus der von der Lanze durchstoßenen Seite fließt Blut; doch die Augen des Toten sind weit geöffnet, um anzudeuten, dass seine Gottheit vom Tod nicht getroffen werden kann.

Anders verhielt es sich mit der Darstellung des Kreuzes ohne die Gestalt des Gekreuzigten, die mit dem Erstarken des Christentums seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts immer häufiger anzutreffen ist. Als Kaiser Konstantin den Sieg über seinen Schwager und Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke bei Rom im Jahre 312 errungen hatte, ließ er ab 315 auch Münzen mit dem Zeichen des Kreuzes prägen, und ab 321 erscheint das Monogramm Christi nach seinen griechischen Anfangsbuchstaben als X P oder in der Form -P- auf den Feldzeichen des Heeres. Besonders das sog. griechische Kreuz mit seinen vier gleich langen Armen fand als Zeichen des Sieges Christi, mit Ornamenten und Gemmen geschmückt, vielfache Verwendung. Als Triumphkreuz zierte es Kirchen, Taufkapellen und Sarkophage. Auch Fußböden wurden reichlich und in großer Vielfalt mit Kreuzen geschmückt, bis Kaiser Theodosios II. (408-450) im Jahr 427 Kreuze auf Fußböden anzubringen verbot, damit niemand auf das Zeichen der Erlösung trete. Doch wurde dem kaiserlichen Dekret nicht überall Folge geleistet. Denn das 6. ökumenische Konzil in Konstantinopel, das sog. Trullanum von 691/2, schärfte im 73. Kanon dieses Verbot unter Androhung des Kirchenausschlusses noch einmal nachdrücklich ein.

Dem Wunsch seiner christlichen Mutter Helena entsprechend, die im Jahr 324 das Heilige Land besucht hatte, ließ Kaiser Konstantin in Palästina mehrere Kirchen errichten, in Jerusalem eine Doppelkirche, die durch einen Atriumshof verbundene Martyrion- und Anastasis-Kirche, durch welche Tod und Auferstehung Christi verherrlicht werden sollte. Die fünfschiffige Martyrion-Basilika wurde am 13. September 335 in Anwesenheit von Kaiser Konstantin von vielen Bischöfen, die von einer Synode in Tyrus (Libanon) gekommen waren, als Mutterkirche aller christlichen Kirchen eingeweiht. Der Fatimiden-Kalif al-Hakim (996-1021), Sohn einer christlichen Sklavin und erfüllt vom Hass gegen alles Christliche, ließ im Jahr 1009 die Doppelkirche plündern und das Grab Christi vollständig zerstören. Um 1048 ließ Patriarch Nikephoros von Jerusalem über der Grabanlage eine neue Rotunde errichten und den Atriumshof zur Kirche umgestalten; sie ist heute die Bischofskirche des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem. Die Kreuzfahrer haben sie nach ihrer Eroberung der Stadt im Jahre 1099 weiter ausgeschmückt. Doch die große Martyrion-Kirche ist bis heute eine unter Schutt und Läden verborgene und von einem koptischen und äthiopischen Kloster überbaute Ruine geblieben.

Um den Golgotha-Felsen neben dem Atrium ist durch Kaiser Konstantin eine Kapelle erbaut worden; offenbar wurde auf dem Felsen ein Kreuz zur Verehrung aufgestellt, von dem man bald annahm, es sei Christi wirkliches Kreuz. Bischof Kyrillos von Jerusalem erwähnt um 348 in seinen Taufkatechesen nicht nur die Verehrung dieses Kreuzes, sondern auch die Verbreitung von Partikeln des Kreuzes in die ganze Welt. Erst um 395 bietet Bischof Ambrosius von Mailand einen legendären Bericht von der Auffindung des Kreuzes Christi durch die Kaisermutter Helena: Unter Schutt und Geröll neben dem Golgotha-Felsen seien drei Kreuze gefunden worden; nachdem sie einer todkranken Frau nacheinander aufgelegt worden seien, erlangte sie Heilung bei der Berührung mit dem wahren Kreuz Christi. Weitere Kreuzeslegenden kamen hinzu: Das georgische Kreuzkloster am Rande von Jerusalem sei an jener Stelle errichtet worden, wo aus einem Schössling von dem Lebensbaum des Paradieses, den Adam mitgenommen habe, jener Baum erwachsen sei, aus welchem Christi Kreuz gezimmert wurde. Durch diese Legende wird symbolhaft und schön die Einheit von Lebensbaum und Kreuzesbaum zum Ausdruck gebracht. Eine weitere Legende deutet die Bezeichnung der Richtstätte von Jerusalem: Auf Golgotha, Schädelstätte, seien die Gebeine und der Schädel Adams beigesetzt worden und das Blut Christi, des neuen Adam, sei, wie häufig auf Ikonen zu sehen, auf sie herabgeflossen, um durch seine Kraft Adam und seine Nachkommen mit neuem Leben zu beschenken.

Nach der Eroberung Jerusalems durch die Perser im Jahr 614 führte König Chosroes II. Abharwez das Kreuz Christi als Trophäe nach Babylon fort. Der oströmische Kaiser Herakleios (610-641) brachte es nach seinem Sieg über die Perser im Jahr 628 feierlich nach Jerusalem zurück. In der Schlacht der Kreuzfahrer gegen das arabische Heer Salah ed-Dins (Saladins) im Jahr 1187 bei Hittim in Galiläa, in der es der Bischof von Bethlehem trug, ging die Kreuzreliquie endgültig verloren. Die Kreuzverehrung aber hatte von Jerusalem aus den Weg in alle morgen- und abendländischen Kirchen gefunden, die am 14. September, am Tag nach der Weihe der konstantinischen Basilika, das Fest der Auffindung des Kreuzes und seiner feierlichen Aufrichtung, seiner Erhöhung, feiern.

Die Feier und die biblische Botschaft

Jede Verehrung des kostbaren Kreuzes gründet im Erlösungsleiden Christi. Vornehmlich im Frühling in der Karwoche und am Karfreitag gedenkt die Kirche dieses Mysteriums und begeht dabei auch die Verehrung des Kreuzes als eines Symbols für Christus selbst. Etwa ein halbes Jahr später am 13. und 14. September feiert sie das Doppelfest der Einweihung der Basilika in Jerusalem und der Aufstellung (Erhöhung) des heiligen Kreuzes auf dem Golgotha-Felsen neben der Martyrion-Kirche.

Am Sonntag vor dem Fest wird die Gemeinde eingestimmt auf das Mysterium des Kreuzes. In der Lesung ruft Paulus den Gläubigen zu, dass es für den Jünger Christi kein Rühmen gebe außer im Kreuz des Herrn (Gal 6, 11-18). Der Menschensohn kündet im Evangelium an, dass er erhöht werden müsse, damit jeder ewiges Leben habe (Joh 3, 13-17).

Am 13. September wird die Schönheit der durch Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena veranlassten Doppelkirche im Festtroparion besungen:

Wie dort oben des Firmamentes Zierde
so hast Du auch hier unten uns die Schönheit
der heiligen Wohnung deiner Herrlichkeit vor Augen gestellt, Herr.
Festige sie für alle Ewigkeit und nimm unsere Gebete an,
welche in ihr ohne Unterlass an Dich gerichtet werden,
 auf die Fürbitte der Gottesgebärerin,

Du unser aller Leben und Auferstehung !

Troparion am 13. September; Anthologion I, 652 f.


Es folgt ein zweites Troparion zu Ehren des heiligen Kreuzes:

Das lebenspendende Kreuz Deiner Güte,
welches Du uns Unwürdigen geschenkt hast, Herr,
tragen wir zu Dir hin als unsere Fürbitte.
Bewahre die Könige und Deine Stadt,
die sich um den Frieden bemühen,
durch die Gottesgebärerin,
Du allein Menschenliebender !


Troparion; Anthologion I, 653


Am Abend zum 14. September beginnt mit dem Großen Esperinos, seinen Hymnen und Lesungen das Hochfest der Erhöhung des heiligen Kreuzes, um dessentwillen dieser Festtag als Fasttag ausgewiesen ist.

Die alttestamentlichen Lesungen weisen typologisch auf die Bedeutung des Kreuzes Christi hin: Mit einem Holz hat Mose beim Zug durch die Wüste das bittere Wasser von Mara für das Volk genießbar gemacht (Exodus 15, 22-16, 1). Jahwes Weisungen, kostbarer als Gold und Silber, sind ein Lebensbaum; sie gewähren langes Leben und Ehre (Sprüche 3, 11-18). Nach Jerusalem, dessen Heiligtum aus Zypressen, Zedern und Fichten vom Libanon errichtet wurde, ziehen die Völker, um Jahwe dort zu verehren (Jesaja 60, 11-16). Aus diesen drei Bäumen, so eine Volksmeinung, war Christi Kreuz gefertigt worden.

Der Esperinos wird fortgesetzt mit der Liti, dem nächtlichen Bittgottesdienst. Zum Altar wird ein Kreuz getragen und dort an die Stelle des Evangelium-Buches aufgestellt. In meditierenden Hymnen des Andreas von Kreta, Andreas von Jerusalem, Theophanes, Anatolios, des Kaisers Leon des Weisen betrachtet die Gemeinde das heilbringende Leiden Christi und seinen Sieg am Kreuz. Zum Abschluss wird das Troparion gesungen; es ist als Bitte formuliert und geht auf die Bedeutung der Hauptstadt des Römischen Reiches ein, deren Könige (Kaiser) seit dem 6. Jahrhundert im Kampf gegen die nichtchristlichen Nachbarvölker, Perser, Araber und Slawen, standen und sich für das Wohl der christlichen Welt verantwortlich wussten:

Rette, Herr, dein Volk und segne dein Erbe!
Sieg verleihe den Königen über die barbarischen Völker
und behüte durch dein Kreuz deinen Staat

(Apolytikion; Anthologion 1, 663)

heute beten wir:

Rette, Herr, dein Volk und segne dein Erbe!
Sieg verleihe den Gläubigen über die Widerstände des Bösen
und behüte durch dein Kreuz dein Volk

(Apolytikion; Anthologion 1, 663)

Im Orthros erklingen die Hymnen, die das Mysterium des Kreuzes und der an ihm gewirkten Erlösung preisen. Das Evangelium weist hin auf die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen:
Die Stimme des Vaters kündet von der Verherrlichung des Sohnes, und er spricht von seiner Erhöhung, durch die er alle an sich zieht (Joh 12, 28-36)
.

Das Synaxarion bedient sich der legendären Berichte von der KreuzErscheinung vor Kaiser Konstantin und der Auffindung des Kreuzes:

Konstantin der Große, der erste christliche Kaiser, führte einst Krieg um die Herrschaft, wie einige Historiker meinen, bei Rom gegen Maxentius; andere meinen, es sei an der Donau gewesen beim Kampf gegen die Skythen. Als er sah, dass das feindliche Heer stärker war als das eigene, erfasste ihn Ratlosigkeit und Furcht. In dieser Verfassung schaute er am hellen Tage das aus Sternen gebildete Zeichen des Kreuzes am Himmel und eine Schrift in lateinischen Buchstaben; auch sie war aus Sternen gebildet und lautete. In diesem Zeichen siege!

Aus Gold ließ er sogleich das Kreuz, das ihm erschienen war, nachfertigen und seinem Heer vorantragen. Er stieß mit den Feinden zusammen und gewann die Oberhand; die meisten wurden getötet, die anderen ergriffen die Flucht. Da erkannte er die im Kreuz liegende Macht und glaubte an den einzigen wahren Gott.

Nachdem er diesen Glauben durch die Taufe zusammen mit seiner Mutter besiegelt hatte, sandte er sie nach Jerusalem, damit sie das Kreuz Christi auffinde. Sie fand es auch, obwohl es verborgen war, und ebenfalls die beiden anderen Kreuze, an denen die Räuber gekreuzigt worden waren, dazu auch die Nägel. Da die Kaiserin aber im Unklaren war, welches das Kreuz des Herrn sei, wurde es ihr durch eine Wundertat an einer todkranken Witwe offenbart; bei der Berührung mit ihm konnte sie wieder aufstehen. Die beiden anderen Kreuze der Räuber dagegen hatten in dieser Hinsicht nichts erwiesen, kein Anzeichen einer Wunderkraft. Das in der Tat kostbare Kreuz verehrte und küsste die Kaiserin samt ihrer ganzen Begleitung. Das Volk wünschte es auch zu verehren, doch gelang es ihm nicht; aber es forderte, es zu sehen. Da trat Makarios, Patriarch von Jerusalem, hinzu und hob das ehrwürdige Kreuz auf einer Kanzel in die Höhe; das Volk begann da zu rufen. Herr, erbarme dich! Seither gibt es das Fest der Erhöhung.

Dreihundert Jahre später entriss Kaiser Herakleios das ehrwürdige Kreuz den Händen der Perser, die es bei der Eroberung Jerusalems geraubt hatten. Der Kaiser kehrte als Sieger im Triumphzug in die Hauptstadt zurück und erhöhte zudem ein weiteres lebenspendendes Kreuz in der Großen Kirche (Hagia Sophia) in Gegenwart und unter dem Beifall des Volkes von Konstantinopel.  September-Menaion, 139 f.

In den Kirchen der slawischen Tradition folgt nun nach dem Morgenlob die Verehrung des kostbaren Kreuzes, in der griechischen Kirche am Ende der Eucharistiefeier. In der Eucharistiefeier wird anstelle des Dreiheilig gesungen:

Dein Kreuz verehren wir, Herr,
und Deine heilige Auferstehung preisen wir !

Die Lesung bietet den hymnischen Text des Paulus über die Bedeutung des gekreuzigten Herrn: „Wir predigen Christus, den Gekreuzigten ... als Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1, 18-24). Das Evangelium kündet von der Verurteilung Christi zum Kreuzestod und von seiner Hinrichtung (Joh 19, 6-35).

In einer abbildlichen Feier der ersten Kreuzerhöhung in Jerusalem findet vor dem Schlusssegen die Verehrung des kostbaren Kreuzes statt. Der Priester beräuchert mit Weihrauch das Kreuz, das auf einem mit Blumen geschmückten Tablett auf dem Altar liegt, und trägt es, hoch über sein Haupt erhebend, dreimal durch die Kirche, während die Gemeinde das Festtroparion singt. Vor der Ikonostase bleibt der Priester stehen und ruft den Gläubigen zu: Weisheit. Steht aufrecht! Die Gemeinde wiederholt das Festtroparion und ruft ständig wie einst die Jerusalemer Gläubigen: Kyrie eleison !

Der Priester segnet nun, das Kreuz in die vier Himmelsrichtungen von oben herab senkend, die Gemeinde und den ganzen Erdkreis. So wird in diesem feierlichen Segen der Titel des Festes als einer Erhöhung des kostbaren Kreuzes „für alle Welt“ bekundet. Dann wird das Kreuz in der Mitte der Kirche auf das Proskynetarion gelegt, auf dem sonst die Tagesikone zur Verehrung liegt. Die Gläubigen küssen es wie einst zu Jerusalem die Kaisermutter Helena und nehmen eine Blume als Zeichen des Segens mit nach Hause.

Am Sonntag nach dem Fest wird noch einmal das Kreuzmysterium gefeiert. In der Lesung der Eucharistiefeier verkündet Paulus den Galatern, dass der Christ im Glauben an den Sohn Gottes lebt, der ihn geliebt und sich für ihn hingegeben hat (Gal 6, 11-18). Im Evangelium mahnt Christus selbst, dass jeder, der ihm folgen wolle, sich verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen müsse (Mk 8, 34-9, 1).

Heiser,  Lothar, Quellen der Freude, die Hochfeste der orthodoxen Christen (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 52), Gersau CH 2002, S. 295 ff.
Text hier aus: St.-Andreas-Bote







8. September (21.9.)

To GENETHLION tis IPERAGIAS DESPINIS IMON, THEOTOKOU kai AEIPARTHENOU MARIAS (gr.)
ROSHD. PRESW. BOGORODIZ. (slaw.)
Naşterea  Maicii  Domnului (rum.)


G E B U R T
der Allerheiligsten Gottesgebaererin
und steten Jungfrau Maria

Deine Geburt,
Gottesgebärerin Jungfrau,
hat Freude verkündet
der ganzen Welt;
denn aus dir ist aufgestrahlt
die Sonne der Gerechtigkeit,
Christos unser Gott.

Den tödlichen Fluch lösend,
gab Er den Segen.
Da Er überwand den Tod,
gab Er uns das ewige Leben.

Festtagsikone russisch 17.Jhdt.

Texte und Predigten zum Fest ...

 

Das apokryphe Protoevangelium des Pseudo-Jakobus erzählt, dass Joachim und Anna lange kinderlos waren und darunter sehr litten. Ihre Gebete wurden intensiver, Joachim fastete in der Wüste, Anna im Haus. Da verhiess ihnen ein Engel des Herrn gesegnete Nachkommenschaft.
 

Das Geburtsfest der Gottesgebärerin wurde in Konstantinopel bereits im 6.Jhdt. gefeiert.
Seinen Ursprung hat es vermutlich in der Kirchweihfeier der Kirche der Hl. ANNA in Jerusalem, die im 5.Jhdt. errichtet worden ist
.
 

Als erster Fest innerhalb des Kirchenjahres weist es voraus auf die Feier der Geburt Christi.
Zum Thema gemacht wird Gottes Heilsplan,
der
wieder einmal
die scheinbare Hoffnungslosigkeit der Menschen
durch Sein Geschenk
zu freudigem Triumph verwandelt
.

Nicht durch menschliche Leistung "verdienen wir uns Erlösung",
sondern allein durch Gebet um göttliche Gnade,


die dann als Wunder in unser pseudo-objektives Umfeld einbricht,
und es verherrlicht (=dem "Herrn" ähnlicher macht)
.

Die Gebete des heutigen Tages behandeln wie das erwähnte apokryphe Protoevangelium,
das auch Grundlage unser Festtagsikone ist,
die Kernaussage des Festes:


Es geht um unsere menschliche Natur als solche:

Durch unsere Sünden unfruchtbar geworden,
so dass sie in keiner Weise mehr aus sich selbst heil werden kann,
hat sie -durch Fasten und Beten gefördert- dennoch Teil an Gottes Heilswerk
.

Den Menschen wird die Gottesgeburt zuteil,
dadurch dass Gott Selbst Sich unser in Seiner annimmt und unsere Unfruchtbarkeit im Irdischen
zu Fruchtbarkeit im Heilsgeschehen wandelt
.

 

Joachim und Anna
wurden von der Schmach der Kinderlosigkeit befreit,
Adam und Eva,
befreit von der Verwesung des Todes
durch deine Geburt.

Erlöst von der Schuld der Verfehlungen,
feiert dies dein Volk,
o Allreine,
und ruft dir zu:
"Die Unfruchtbare gebiert die Gebärerin Gottes,
die Nährerin unseres Lebens"
.


Heute
wird nach Gottes Willen
aus einer Unfruchtbaren geboren Maria,
die Jungfrau und Mutter Gottes
das unbetretbare Brautgemach
des himmlischen Bräutigams,
bestimmt zum Gefährt des Wortes Gottes.
Deshalb wurde sie vorausersehen
als göttliche Pforte und Mutter des Lebens


Рождението  ти,  Богородице  Дево, 
донесе  Радост  на  цялата  Вселена
:
защото  из  Тебе  изгря  Слънцето на Правдата 
- Христос,  нашият  Бог.

Който  развърза  Клетвата,
даде  Благословение
;
и
  -  като  унищожи  Смъртта,
дари  ни  вечен  Живот.

 

Deine  Geburt,  Gottesgebärerin  Jungfrau,
hat  Freude  verkündet  der  ganzen  Welt:
denn  aus  Dir  ist  aufgestrahlt  die  Sonne der Gerechtigkeit  -
- Christos,  unser  Gott.

Den  tödlichen  Fluch  lösend,
gab  Er  den Segen.
Da Er überwand den Tod,
gab  Er  uns  das  ewige  Leben.

 

Йоаким  и  Анна  от  Срама  на  Безчадието
и  Адам  и  Ева  от  Тлението  на  Смъртта  се  освободиха,
Пречиста,  в  твоето  свято  рождение.

Това  твоите  Люде,
избавили  се  от  Вината  на  Прегрешенията,
празнуват,  като  ти  викат:
Неплопдната  ражда  Богородицата
и  Питателницата  на  нашия  Живот.


Joachim und Anna
wurden von der Schmach der Kinderlosigkeit befreit,
Adam und Eva,
befreit von der Verwesung des Todes
durch deine Geburt.

Erlöst von der Schuld der Verfehlungen,
feiert dies dein Volk,
o Allreine,
und ruft dir zu:
"Die Unfruchtbare gebiert die Gebärerin Gottes,
die Nährerin unseres Lebens"
.

 

Радвай се, всенепорочна палато на Царя на всички !

Радвай се, вместилище на Бог-Слово, 
на Когото, заедно с Отца и Светия Дух, и на Тебе
Дъщеря на Отца,
Майка на Сина,

Невеста на Светия Дух
­ ние смъртните възнасяме слава и чест, во веки !
Амин

 

 

Texte und Predigten zum Fest:
Geburt unserer hochheiligen Herrin, der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

(8. September) 

Den Reigen der zwölf Hochfeste eröffnet das Fest der Geburt Mariens.


Im Unterschied zu allen anderen Heiligen, deren Feste in Anlehnung an die Martyrerverehrung an ihrem Todestag, ihrem Geburtsfest für den Himmel, begangen werden, feiert die Kirche den Tag der Geburt Mariens — wie auch den des Wegbereiters und Täufers Johannes —, weil bei ihrem Eintritt in die Welt der Menschheit ein heilsgeschichtlicher Neubeginn geschenkt wurde. Nach dem Verständnis der heiligen Schrift ist in den Anfang bereits das Ganze und seine Vollendung keimhaft hineingelegt.


Das Geburtsfest Mariens ist das erste der Feste in dem am 1. September beginnenden Kirchenjahr, dem „Jahreskranz der Güte Gottes“. So soll deutlich werden, dass dieses Fest über alle historischen Erinnerungen hinaus als Markstein in der Heilsgeschichte verstanden werden will. In Mariens Geburt liegt der Beginn des ganzen Heils und der Ausblick auf seine Vollendung

Im Weihefest der Kirche der heiligen Anna in Jerusalem ist der Ursprung dieses Festes zu suchen. Die Jerusalemer Gemeinde hatte im 5. Jahrhundert an dem vermeintlichen Ort, wo das Haus von Joachim und Anna gestanden haben soll, eine Kirche errichtet. Sie stand über einer Wohngrotte, die als Geburtsstatte Mariens verehrt wurde.
Im 6. Jahrhundert gelangte das Weihefest der Kirche als Fest der Geburt Mariens nach Konstantinopel und von dort im 7. Jahrhundert nach Rom und ins Abendland. Die heutige Kirche der Hl. Anna, in der Nahe des Stephanustores gelegen, das die Palastinenser auch Marientor nennen, wurde um 1142 von den Kreuzfahrern erbaut. Sie ist wohl die schönste Kirche Jerusalems und erhebt sich über einer Krypta, die seit byzantinischer Zeit als Geburtsort Mariens im Wohnhaus Joachims und Annas bezeichnet wird. Die Kirche liegt direkt neben dem im Johannes-Evangelium erwähnten Teich Bethesda (Haus des Erbarmens), auch Schafteich genannt, weil dort die Schafe für die Opfer im Tempel gewaschen wurden.
Dort heilte Jesus am Sabbat einen seit 38 Jahren gelähmten Mann (Joh 5,2-9)
.

Die Lokalisation der Wohnung Joachims am Schafteich geht wohl auf die Bemerkung des Protoevangeliums des Jakobus zurück, dass der Vater Mariens Schafhirt gewesen sei. Dieses um die Mitte des 2. Jahrhunderts entstandene apokryphe Kindheitsevangelium, das durchaus historische Begebenheiten verarbeitet, dient der Verherrlichung Mariens; es überliefert auch die Namen ihrer Eltern und erzählt folgendes von ihrer Empfängnis und Geburt:

Als der grosse Tag des Herrn nahte und die Kinder Israels ihre Opfergaben darbrachten, traten sie vor Joachim, und Ruben sprach zu ihm: Es ziemt dir nicht, deine Opfergaben als Erster darzubringen; denn du hast in Israel keine Nachkommen erzeugt! ...

Da wurde Joachim sehr traurig und er zeigte sich seiner Frau nicht, sondern begab sich in die Wüste; dort schlug er sein Zelt auf und fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. ...

Anna, seine Frau, stimmte indessen ein zweifaches Klagelied an und erhob ein zweifaches Jammern: Meine Witwenschaft will ich bejammern und meine Kinderlosigkeit dazu! — Nun kam der grosse Tag des Herrn, und ihre Dienerin Judith sprach zu ihr: Wie lange beugst du deine Seele, da doch der grosse Tag des Herrn nahe ist; da darfst du nicht trauern! ... Anna legte jetzt ihre Trauerkleider ab, wusch sich das Haupt, zog ihre Brautkleider an und ging um die neunte Stunde in ihrem Garten spazieren. Unter einen Lorbeerbaum setzte sie sich und flehte den Herrn an:

Gott unser Vater, segne mich und erhöre meine Bitte, wie du den Mutterleib Saras gesegnet und ihr den Sohn Isaak geschenkt hast! ...

Ein Engel des Herrn trat da zu ihr und sprach: Anna, Anna, der Herr hat deine Bitte erhort. Du wirst empfangen und gebären, und deine Nachkommenschaft wird in der ganzen Welt genannt werden! Da sagte Anna: So wahr der Herr, mein Gott, lebt: Wenn ich gebären werde, sei es ein Junge oder ein Madchen, so will ich das Kind dem Herrn als Opfergabe darbringen, und es soll ihm dienen alle Tage seines Lebens!— Nun kamen zwei Boten und sprachen zu ihr: Joachim, dein Mann, kommt mit seinen Herden; denn ein Engel des Herrn ist zu ihm herabgestiegen und hat ihm gesagt: Joachim, Joachim, Gott, der Herr, hat deine Bitte erhört. Anna, deine Frau, wird empfangen! ... Joachim kam mit seinen Herden, Anna stand vor der Tür; sie sah ihn kommen, lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und sprach: Jetzt weis ich, dass Gott, der Herr, uns reich gesegnet hat. Denn die Witwe ist nicht mehr Witwe, und ich, die Kinderlose, werde empfangen! So geschah es, als Joachim am ersten Tag wieder in seinem Hause ruhte.

Es erfüllten sich Annas Monate, wie der Engel gesagt hatte, und im neunten gebar sie. Sie fragte die Hebamme: Was habe ich geboren? Die antwortete: Ein Mädchen! Da sprach Anna: Erhöht wurde meine Seele an diesem Tag! Als die Tage erfüllt waren, reinigte sich Anna von ihrem Wochenbett, gab dem Kind die Brust und nannte es Maria.

Das Kind wurde von Tag zu Tag kräftiger, und als es sechs Monate alt war, stellte es seine Mutter auf den Boden, um zu sehen, ob es schon stehen könne. Es machte sieben Schritte und kehrte dann zu ihrem Schoss zurück. ... Am ersten Geburtstag des Kindes veranstaltete Joachim ein grosses Festmahl und lud dazu die Hohenpriester, die Priester und Schriftgelehrten, die Ältesten und das ganze Volk Israel ein. Er brachte das Kind vor die Priester, und sie segneten es: Gott unserer Vater, segne dieses Kind und verleihe ihm einen unter allen Geschlechtern ewig gerühmten Namen!
Und das ganze Volk sprach:
So sei es. Amen!

(Jakobus-Evangelium, 1-6; Hennecke-Schneemelcher, I, 280-282)


Der griechischen Namensform „Maria“ liegt das hebräische „Mirjam“ zugrunde. Moses und Aarons Schwester trug diesen Namen, dessen Bedeutung unsicher ist. Nimmt man einen hebräischen Ursprung des Namens an, konnte er „die Schöne“ bedeuten; leitet man ihn vom Ägyptischen her konnte „die Geliebte“ gemeint sein. Bei orthodoxen Theologen findet sich für Maria die Deutung „Herrin“.


Seit dem Anfang des 8. Jahrhunderts feiert die Kirche am 9. Dezember auch „die Empfängnis der heiligen Anna, der Mutter der Gottesgebärerin“. Von Konstantinopel gelangte dieses Fest im 11. Jahrhundert in das Abendland, wo es in Angleichung an den Tag der Geburt Mariens am 8. Dezember begangen wird und nach der vom 2. Vatikanischen Konzil eingeleiteten Liturgiereform den Titel „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ trägt. Die orthodoxe Christenheit kennt den Glaubenssatz, dass Maria seit ihrer Empfängnis von der Erbsunde bewahrt gewesen sei, nicht, da sie die von Augustinus (354-430) geprägte Erbsündenlehre nie übernommen hat. Auch für die östliche Christenheit ist Maria die „All-heilige“, die durch des Heiligen Geistes Wirken „Begnadete“, wie sie der Engel begrüsste (Lk 1, 28), doch wurde ihr die Heiligkeit entsprechend ihres „Reifens“ gewahrt; selbst unter dem Kreuz wurde sie vom Heiligen Geist geformt, doch die Fülle der Heiligkeit wird ihr erst bei der Vollendung der Schöpfung zuteil. Die orthodoxe Liturgie am 9. Dezember hat vielmehr die von Gott heraufgeführte Zeitenwende zum Inhalt: Die Empfängnis der unfruchtbaren Anna kündet das Ende des alten „unfruchtbaren“ Zeitalters an und den Beginn der neuen Welt- und Heilsordnung, die Gott mit der Zeugung und Empfängnis Mariens eingeleitet hat.

 

Predigt des Hl. Andreas von Kreta

Die heutige Feier ist der Beginn unserer Feste; sie ist das erste der Feste, die auf das Gesetz und die Schatten (des Alten Testamentes) zurückweisen, und zugleich das Tor zu den Festen, welche auf die Gnade und die Wahrheit hinweisen.  …  Geburtstag wird gefeiert und die Neuschöpfung des Menschengeschlechtes. Eine Jungfrau wird geboren, aufgezogen und ausgebildet, und Gott, dem Allkönig der Ewigkeiten wird eine Mutter bereitet.  …  Jede edeldenkende Seele soll sich zum Reigen einfinden, und die Natur soll die Schöpfung zu ihrer Erneuerung und Neugestaltung herbeirufen.

Die Unfruchtbaren sollen schnell herbeieilen; denn die kinderlose und unfruchtbare Anna hat ein Gotteskind bekommen: die Jungfrau.
Die Mütter sollen jubeln; denn die unfruchtbare Mutter hat die unversehrte Mutter und Jungfrau geboren.
Die Jungfrauen sollen sich freuen; denn die unbesäte Erde hat auf wunderbare Weise Den geboren, der, ohne sich zu ändern, aus dem Vater hervorgeht.

Die Frauen sollen selbstbewusst sein: denn die Frau, die einst Anlass zur Sünde gab, hat jetzt den Beginn der Erlösung ermöglicht, und die, die einst verurteilt wurde, ist jetzt von Gott erwählt und angenommen worden, die Mutter ohne Zeugung, die Auserwählte für den Schöpfer, die Erhebung des Menschengeschlechtes. Die ganze Schöpfung soll Lieder singen und einen Reigen bilden und ein Geschenk mitbringen, das diesem Tag würdig ist. Eine gemeinsame Feier sollen heute Himmlische und Irdische begehen, und alles, was in der Welt ist, soll sich vereinen bei dem gemeinsamen Fest. Denn heute ist des Allerschaffers erschaffener Tempel erbaut worden, und das Geschöpf wird für den Schöpfer in neuer und angemessener Weise zum göttlichen Palast bereitet. … Wir aber, Gottes Volk, eine heilige Gemeinschaft, eine geweihte Schar, wollen nach väterlicher Sitte das Fest begehen und das Geheimnis und seine Bedeutung in Ehren halten. …


(Andreas von Kreta, Lobrede zu Mariae Geburt; PG 97, 805 A – 817 D)

 

Die Tochter der Gnade

Joachim nahm die ehrwürdige und lobenswerte Anna zur Ehe. Aber wie die Anna im Alten Testament unfruchtbar war und auf Grund ihres Gebetes und göttlicher Zusage Samuel geboren hat (1Sam 1), so empfangt auch diese Anna durch ihr Flehen und auf Grund göttlicher Verheissung die Gottesgebärerin, damit sie keiner der berühmten Frauen nachstehe. So gebiert also die Gnade — denn dies heisst übersetzt Anna — die Herrin, was der Name Maria bedeutet. Sie ist wirklich Herrin geworden über alle Geschöpfe, da sie des Weltenschöpfers Mutter wurde.

(Johannes von Damaskus, Darlegung des orthodoxen Glaubens, IV, 14; PG 4, 157 B)


ALLES seit "Predigt zum Fest" AUS:

Heiser, Lothar: Quellen der Freude (Die Hochfeste der orthodoxen Christen)  (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums

Koinonia – Oriens; Bd. 52), c 2002 Verlag Vluheck, ISBN 3-909103-19-7

 

Text hier aus St.-Andreas-Bote

 


1. September (14.9.)


ARCHI tis INDIKTOU, itoi tou Neon Ekklisiastikon etous (griechisch)
Zrkovn. Nov. God. (slawisch)
Începutul anului bisericesc (rumänisch)

B E G I N N
des
NEUEN KIRCHENJAHRES

Bildner der Schöpfung,
der Du
die Zeiten der Jahre
und der Welt
in der Dir eigenen Vollkommenheit
festgesetzt hast,

segne den Zeitenkranz
in Deiner Güte !
Bewahre Dein Volk
und Dein Land,
auf die Fürbitten
der Gottesgebärerin
und errette uns !





 
Subjektive Darstellung (bulgarisch) 17.Jhdt.

Gedanken zum Fest ...

S. Allhl. Patriarch BARTHOLOMAIOS  2014
(beim offiziellen Empfang durch den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg in Stuttgart)
(zusammengestellt und veröffentlicht in fb CHRISTENTUM in ORTHODOXER TRADITION in DEUTSCHER SPRACHE
von vtr. Diakon SERGIOS Kuckhoff)


S. Allhl. Patriarch BARTHOLOMAIOS  2005
(ENGLISH)

 

Zur Christlichen Umwelt-Ethik
unterzeichnet vom Oekumenischen und Papst JOHANNES-PAUL II.
(aus KOKID)

S.Allhl. Patriarch BARTHOLOMAIOS zum Fest
Gedanken einer orthodoxen Theologin zum Fest ...
All-Orthodoxe Botschaft und Gebet d.Höchstgew. NIKODEMUS, Metropolit v. Patras für die Erhaltung der Schöpfung Gottes

Idiomela v. Vater GERASIMOS v. Heiligen Berg Athos für Umwelt und Wohlbestand der ganzen Schöpfung
Prof. Dr. Georgios I. MANTZARIDIS: Die ÖKOLOGISCHE KRISE

 

 

Erster Tag des Kirchenjahres
dem Gebet und dem Flehen für die Rettung der Schöpfung Gottes gewidmet

 In der all-orthodoxen "BOTSCHAFT der VORSTEHER der HEILIGEN ORTHODOXEN KIRCHEN" vom 15. März 1992 werden die Gläubigen der Orthodoxie in aller Welt aufgerufen, den 1. September eines jeden Jahres, den Tag des Anfangs des Kirchenjahres dem Gebet und dem Flehen für die Rettung der Schöpfung Gottes und dem Erreichen jener Haltung zur Natur zu widmen, welche die Göttliche Eucharistie und die asketische Tradition der Kirche gebieten.


Auch für dieses Kirchenjahr gilt wieder, was Vater ELIAS Herter in seinen Texten zu den Gebeten sagt:

Das Filigranwerk des Kirchenjahres fängt gleichsam in gröberen und feineren Netzen jeden unserer Tage ein:

Ostern, das Auferstehungsfest, mit seiner allwöchentlichen Vergegenwärtigung am Sonntag und die "Zwölf Grossen Feste" Christi und der Gottesmutter überstrahlen gleich Sonne und Mond die Tage.

Wie Planeten folgen ihnen die Gedächtnisse des Heiligen Kreuzes und der Gottesgebärerin am Mittwoch und Freitag, der Heiligen Engel am Montag, des Vorläufers und Täufers Johannes am Dienstag, der Heiligen Apostel und des Heiligen Nikolaus am Donnerstag, der Märtyrer und der Entschlafenen am Samstag

- während am Firmament jedes Kirchenjahres aufs neue die fast unzähligen Fixsterne der, an den verschiedenen Tagen, an ihrem "Geburtstag für den Himmel", gefeierten Heiligen als grössere und kleinere Lichter erstrahlen.

Die Indiktion, ein Zeitabschnitt von 15 Jahren, begann unter Konstantin dem Grossen um 312 n. Chr. und war für die byzantinische Zeitrechnung die massgebliche Größe. Gleichzeitig mit der Einführung unserer Zeitrechnung (n.Chr.="nach Christi Geburt") wurde auch der Beginn des Kirchenjahres auf den 1. September festgelegt.
Die Texte dieses Festes werden in unseren Gemeinden auch oft für den 1. Januar benutzt
.

 

Die Wiederholung der Feste
Das Leben im
KIRCHENJAHR

Wieder und wieder endet und beginnt ein neues Kirchenjahres.
Der Zyklus des alten Kirchenjahres ist vollendet, ein neuer Zyklus beginnt am 1. September
.

Viele Gläubige sehen das Ende des Jahreskreises, in dem sie Jesus von der Geburt bis zu seiner Verherrlichung gefolgt sind, mit einer gewissen Trauer. Wenn man dem österlichen Triumph und dem Geist vom Pfingsten so nahe war, könnte die Rückkehr zu den bescheidenen Anfängen, die Vorahnung der Geburt Christi, wie ein Abstieg erscheinen.
Wenn die Fülle erreicht ist, warum soll man wieder zum Ausgangspunkt zurück
?

Es liegt in der menschliche Natur, dass wir nicht dauernd in Höchstform bleiben können. Wir müssen wieder die Grundlagen dessen lernen, was wir glauben zu wissen. Nur durch eine ständig erneuerte und ständig aufmerksame Betrachtung des Lebens unseres Herrn, in allen seinen Aspekten, in seiner ganzen Folge menschlichen Wandels, können wir vielleicht wenigstens einen kurzen Blick auf den Widerschein des Geheimnisses Christi erhaschen. Dann sind da ja auch unsere Sünden, unsere Verfehlungen. Eine beschmutzte Seele könnte den Glanz der Herrlichkeit Gottes nicht ertragen. Es ist gut, es ist notwendig, dass sie zu der Zeit der Reue und Buße zurückkehrt.

Die Wiederkehr im Jahreskreis erinnert uns auch daran, dass ‚Heil’ im christlichen Sinne des Wortes nicht von seinem historischen und personellen Kontext getrennt werden kann. Es gehört nicht zu einer rein metaphysischen Kategorie. Es ist nicht die Vermittlung einer abstrakten Lehre.

Wir werden gerettet, weil ‚etwas geschehen ist’, weil gewisse Ereignisse stattgefunden haben.
Das Kirchenjahr gedenkt ihrer und erneuert diese Geschehnisse auf geheimnisvolle Weise
.

Wir würden es missverstehen, wenn wir die Fülle des Kirchenjahres nur mit seinem Ende voll Herrlichkeit gleichsetzen würden. Das Geheimnis der liturgischen Zeit ist das Geheimnis der Zeit selbst: Zeit ‚verzerrt’ und macht die ewige göttliche Realität unvollständig, vielfach und aufeinanderfolgend. In Gott gibt es nur einen Augenblick, in dem alles eingeschlossen ist. Die Fülle des Kirchenjahres besteht nicht darin, dass das Leben Christi, der Kreis der Herrenfeste, beschlossen oder vollendet wird, denn die Vollendung einer Folge beinhaltet, dass es eine Folge, eine Serie von Einzelelementen gibt.
Die Fülle des Kirchenjahres ergibt sich nicht aus der Zahl der Feste, sondern aus der Gnade, die es insgesamt vermitteln kann: wir fühlen sie, wenn wir fähig werden - an einem beliebigen Tag des Kirchenjahres, durch das besondere Geschehen, dessen wir gedenken - Christus als Ganzes zu fühlen, die Fülle seines Lebens, die Fülle seines Heilswerkes, die Fülle des Wortes.
Jedes Fest, sogar jeder Tag des Jahres, wird zur Fülle des ganzen liturgischen Kreises des Kirchenjahres. Dieser Kreis wiederholt sich nicht; jede seiner Facetten spiegelt die unerschöpfliche Tiefe und Fülle Christi und wird, als Ergebnis, neu für uns in einer Weise, dass wir ihn besser verstehen
.

Das Kirchenjahr ist ein Prisma, welches das weiße Licht Christi empfängt und in unterschiedliche Farben aufteilt.

Die Farben sind die Feste - Christus ist wie die Fülle des weißen Lichtes, wie die Fülle des Jahres.


unter Verwendung von Ausschnitten aus: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p. 242 ff
.

Text hier aus St.-Andreas-Bote



 

Protocol No. 847
 

+ B A R T H O L O M E W

BY THE MERCY OF GOD

ARCHBISHOP OF CONSTANTINOPLE,
 NEW ROME AND ECUMENICAL PATRIARCH

TO THE PLENITUDE OF THE CHURCH

GRACE AND PEACE
FROM THE CREATOR OF THE ENTIRE UNIVERSE
OUR LORD, GOD AND SAVIOUR JESUS CHRIST


“The earth, having no tongue cries out sighing, why are you people polluting me with many evil things? ”
Troparion - 9th ode - for the earthquake of October 26
.

Beloved brethren and children in the Lord,


In a very pictorial way, the holy hymnographer Joseph presents the earth as grieving and protesting voicelessly for the many evils with which we burden her.? If this holy hymnographer thought back then that the pollution of earth by humankind would cause the wrath of God, today, humanity in its entirety should all the more realize our ultimate destructive behaviour against the creation of God.


Certainly, the earth was created well-equipped to offer shelter to the human beings and was ordered by God to cover their needs. However, we do not draw from earth’s resources what we need in moderation, so that we allow its productive ability to remain sound and intact; instead, we are depleting her natural resources.? We draw so much to such excess and in such rough ways that we weaken her abilities and destroy all future production of natural resources. In doing so, we resemble those who act greedily, and who, when in need of collecting wood, destroy both the trees and the forest and, thus, deprive themselves of the opportunity to collect more wood in the future. It is a known historic fact that many areas of the earth that had once been sites of developed civilizations, ended up in total devastation.


This phenomenon of devastation, which unfolded slowly in earlier times, is progressing in our times at a high speed. Vast expanses around polluting factories and industrial zones that emit toxic waste have already been deadened, and the number of such dead expanses is constantly growing. Huge regions have been made subject to deforestation in order to be used as cultivation grounds, but the utilization of toxic pesticides has destroyed any form of sprouting, except for the object needed. These non-biodegradable toxic pesticides enter the water-air cycle and pollute the springs and rivers causing severe problems to human health. In regard to the consequences of these methods employed and materials used, greed and negligence take their revenge. While we work hard to increase the productive ability of our planet, we, on the other hand, destroy it. The astronauts who recently saw the whole earth from a distance while in orbit, drew humankind’s attention to the fact that huge expanses of it have been deforested and will end up in devastation.


The aforementioned holy hymnographer Joseph personifies earth, which, addressing man, complains that the Master of humankind and God whips her instead of him, for God wants to spare the human being; the earth, however, bemoans her suffering due to humankind’s mistakes and cries to people: “Come to your senses and appease God in repentance.” This invitation is quite timely. We must realize the forthcoming danger; we must understand its causes and acknowledge our responsibility.? We must aim to appease God, not through words and small sacrifices, but through courageous acts and large sacrifices. For the promise of the Lord that we will receive back in multiple that which we sacrifice, applies here as well.? ? ?

The Mother Church is fully aware of the dangers that threaten the earth and our surrounding natural environment brought about by both the natural ramifications of human acts but, mostly, by the moral consequences of human crimes; therefore, the Mother Church established the 1st of September as a day of prayer for the environment. Prayer appeases God, however there is also a validity in the saying of ancient Greeks “In addition to asking for help from goddess Athena offer also your own effort.” This saying is similar to the biblical phrase “The effectual fervent prayer of a righteous man availeth much” (James 5:16).? The importance of this sentence lies on the word “effectual”, which means that the prayer is more powerful when accompanied by actions for the one for whom we are praying. For there is no vindication for the one who says “Lord, Lord”, but rather for the one who does the will of God. In our discussion, it is evident that the will of God mandates the preservation of the eternal yielding of our natural resources, respect toward the natural creation of God and our future generations, and the reversal of our destructive behaviour against the very good natural environment that was given to us by God.


May the grace of God and His abundant mercy be with you all.

 

September 1, 2005 A.D.
Your beloved brother in Christ
and fervent supplicant before God,
+ BARTHOLOMEW of Constantinople

 

 

.

Die Sorge der Orthodoxen Kirche


 um die ökologische Krise

 

 

 

REDE

SEINER ALLHEILIGKEIT DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN BARTHOLOMAIOS

BEIM OFFIZIELLEN EMPFANG

DURCH DEN MINISTERPRÄSIDENTEN

VON BADEN-WÜRTTEMBERG

IN STUTTGART

10. Mai 2014

 

 

Eure Exzellenz, sehr geehrter Herr Kretschmann, Minister-präsident von Baden-Württemberg,

Sehr geehrte Mitglieder und Mitarbeiter der Landesregierung,

Sehr geehrte Anwesende bei dieser für das Ökumenische Patriarchat und unsere geringe Person so ehrenvollen Veranstaltung,

Hochwürdigster Mitbruder Metropolit Augoustinos von Deutschland,

Meine Damen und Herren!

 

„Alle Werke <Gottes> sind im Glauben und in rechter Entscheidung geschaffen... (...)

Wenn du den Himmel siehst und die Ordnung in ihm, ist dies ein Wegweiser zum Glauben, denn er weist durch sich auf den Künstler hin...

Mit der Kraft des Geistes sehen wir durch die sichtbaren Dinge das Unsichtbare...

Oft ist auch in den kleinsten Dingen die Weisheit Gottes erkennbar“ sagt hochaktuell in seiner Homilie zum 32. Psalm (P.G. 30,329B-C) der Kirchenvater Basilius der Große, von dem es in seinem Festhymnus (Apolytikion) heißt, dass er „das Wesen der Dinge erklärte und die Sitten der Menschen zierte“.


Gerne haben wir dem Wunsch Eurer Exzellenz, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, und Ihrer erlesenen Gäste entsprochen, heute ein aktuelles Wort über das Zeugnis der orthodoxen Kirche, aber auch über ihre Anstrengungen zur Bewahrung der natürlichen Umwelt an Sie zu richten. Wir bedienen uns für dieses Wort beim unerschöpflichen Schatz der Weisheit der Kirchenväter unserer orthodoxen Kirche.

Basilius der Große, der, wie gesagt, «das Wesen der Dinge«, d.h. der Schöpfung Gottes deutet, geht von drei Begriffen aus, wenn er über die Schöpfung Gottes spricht und den harmonischen Zusammenhalt der Dinge, die rechte Entscheidung, die Kraft und die Weisheit. Diese orthodoxe Schöpfungstheologie und diese Rede von der Notwendigkeit nicht nur der Bewahrung, sondern auch des Schutzes der Schöpfung vor jedem schädlichen Eingriff des Menschen möchten wir Ihnen vorstellen und gleichzeitig auch kurz über unsere eigenen Bemühungen in dieser Sache berichten.

 

***

 

Zunächst aber freuen wir uns, dass uns die Gelegenheit der Begegnung mit Ihnen gegeben wird, dies geschieht anlässlich unseres offiziellen Besuchs bei der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, die zu unserem Ökumenischen Patriarchat gehört und ein halbes Jahrhundert lang existiert, Zeugnis ablegt und den orthodoxen Christen Deutschlands dient, ebenso wie den übrigen Christen; in dieser Zeit war sie für die Einheit der Christen tätig und generell für die deutsche Gesellschaft, für Kultur und Forschung, für die weitere Verbreitung der Hoffnung, welche in der orthodoxen Kirche lebt.

Wir danken Ihnen weiterhin für diesen freundlichen und ehrenvollen Empfang und für Ihr Interesse und Ihren Respekt gegenüber dem Ökumenischen Patriarchat, dessen Rolle und Dienst durch die Jahrhunderte hindurch in allen Bereichen des geistlichen, sozialen und sonstigen Lebens Sie kennen und anerkennen.

 

***

 

Es ist sicherlich weithin in der öffentlichen Meinung bekannt, dass der Beitrag zur Bewältigung des so genannten ökologischen Problems als eine der unmittelbaren Prioritäten der Orthodoxie gilt, die von der Kirche von Konstantinopel und unserer geringen Person ganz persönlich aufgegriffen worden ist, wodurch wir das lebendige und tätige Interesse unseres seligen Vorgängers, des Ökumenischen Patriarchen Dimitrios fortführen. Diese Aktivitäten führten dazu und gipfelten darin, dass der erste Tag des orthodoxen Kirchenjahres, also der 1. September eines jeden Jahres, zum Tag des Gebetes für die Rettung der Umwelt und der Bewahrung der Schöpfung erklärt wurde.

Durch die Abhaltung internationaler Symposien über die Umweltprobleme der Meere in Patmos im Jahr 1995, auf dem Schwarzen Meer im Jahre 1997 und anderer entsprechender Tagungen auf der Ostsee, der Adria, im Amazonasgebiet und an anderen Orten, haben wir von Anfang an persönlich den Dialog und die Zusammenarbeit der Religionen und der Fachwissenschaftler gefördert, um gemeinsam die ökologische Krise in Angriff zu nehmen.

Im Jahre 1999 wurden durch das damals gegründete Umwelt- Institut von Chalki Seminare organisiert, welche die Unterstützung kirchlicher, journalistischer und wissenschaftlicher Gruppen zum Ziel hatte, um die Umweltkrise gemeinsam und koordiniert anzugehen.

Nach dem Beispiel des Ökumenischen Patriarchats und aufgrund unserer persönlichen Ermahnungen und Vorschläge haben viele der Klöster, die unter unserer kirchlichen Jurisdiktion stehen, begonnen, in der Praxis die Vereinbarkeit der orthodoxen Tradition und des Naturschutzes zu beweisen. So werden etwa im Kloster Chrisopigi in Chania auf Kreta ökologische Pflanzungen durchgeführt, die Beforstung der Wälder des Klosters geschieht nach ökologischen Methoden, gleichzeitig werden Müllmanagementprogramme durchgeführt und das Umweltbewusstsein und die entsprechende Erziehung gefördert. Ähnliche Anstrengungen werden auch von anderen Klöstern unternommen, um den weltweit einmaligen Raum natürlichen, historischen und kulturellen Erbes der natürlichen Umwelt zu schützen, wofür sich viele internationale Organisationen interessieren.

Bereits seit den ersten Jahren unseres patriarchalen Dienstes haben wir uns an entsprechenden ökologischen und Umwelt-Initiativen beteiligt. Stellvertretend nennen wir nur unsere Unterstützung des WWF Griechenland bei der Frage der Umleitung des Acheloos, eines großen Flusses in Thessalien, welche Umleitung negative Auswirkungen auf die Natur gehabt hätte.

Über diese Aktivitäten hinaus haben wir selbst als erster Bischof der orthodoxen Kirche immer und überall praktisch und theoretisch durch konkrete Handlungen, aber auch unsere jeweiligen Vorträge und Reden auf den geistigen Hintergrund der gegenwärtigen Umweltkrise hingewiesen und hervorgehoben, dass ein vorbildhaftes Leben des Menschen eine Antwort, ja die Lösung des Problems darstellt, wenn die Welt sich die drei erwähnten Prinzipien der Natur der Dinge klarmacht, die der große Kirchenvater Basilius beschreibt, dass also die Schöpfung in rechter Entscheidung, in Weisheit und in Kraft erschaffen wurde und dass deshalb der Mensch die Verantwortung hat, die Weisheit und die Kraft dieser Harmonie zu erkennen und die Schöpfung in rechter Entscheidung zu bewahren.

 

***

 

Wir wissen aus der Heiligen Schrift, dass Gott die Welt aus Liebe zum Menschen geschaffen hat, zu seinem Wohlergehen und zu seiner Freude. Er hat sie als Paradies erschaffen, das heißt vollkommen, „ohne Flecken, Falten oder andere Fehler“ (vgl. Eph 5, 27). Gleichzeitig hat Gott die Welt dem vollkommensten seiner Geschöpfe, dem Menschen, Adam und Eva, zur Verfügung gestellt »damit er ihn bebaue und hüte» (Gen 2, 15) und geboten “von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen, denn sobald du davon ißt, wirst du sterben” (Gen 2,16-17).

Daneben erschuf Gott, wie gesagt, die Welt in Weisheit und Harmonie, allein durch sein Wort, das heißt durch seine Kraft, die jede Erkenntnis und jede Vernunft übersteigt, aber auch in rechter Entscheidung, in Besonnenheit also.

Die schöpferische Kraft Gottes, die Weisheit Gottes und die rechte Entscheidung Gottes stellen gleichzeitig auch einen Auftrag an den Menschen dar, der die Erde bebauen und bewahren soll, die ihn mit ihren Früchten ernährt. Dieser Auftrag besteht darin, durch die sichtbaren Dinge die unsichtbaren zu sehen, »seine ewige Macht und Gottheit«, aber auch seine gerechte Entscheidung, denn »in Weisheit«, »in Besonnenheit« und in «rechter Entscheidung» hat er alles für uns erschaffen. Der Mensch aber, »als Teilhaber des Bildes» (Gottes), das er nicht bewahrt hat, fiel heraus aus der göttlichen Herrlichkeit und der Weisheit Gottes; er wurde dadurch «vergänglich» und «sterblich» und musste sich auf die «vergängliche» menschliche Erkenntnis und Entscheidung beschränken. Weil er vergänglich und «klein» ist, fürchtet der Mensch den Tod. Von Todesangst beherrscht und in seinem Bemühen den «Tod zu besiegen« greift er ständig durch unbesonnene Handlungen, todbringend könnte man sagen, in die Harmonie der Schöpfung und in die Sicherheit seines eigenen Lebens und seines Daseins ein, so dass wir allmählich oder fortschreitend zur heutigen ökologischen Krise gelangt sind. Für diese Schöpfung und dieses Dasein, für ihren Schutz und ihre Bewahrung setzen wir, die wir dies wollen und können, uns ein, «damit das Böse nicht unsterblich werde».

Die Bemühungen und das Interesse der orthodoxen Kirche für die Schöpfung sind also ein Ergebnis ihrer Liebe für den vorübergehenden Gast auf Erden, den Menschen also (ständiger Bewohner und Herr »aller Enden der Erde und derer, die auf dem Meere entfernt sind« ist allein der Schöpfergott,; sie sind eine Folge ihres Interesses für die Befriedigung seiner vitalen Bedürfnisse, die zum einen den Erhalt seines «Fleisches» betreffen, aber letztendlich »durch göttliche und lebensschaffende Inspiration» die Rettung seiner Seele zum Ziel haben.

 

***

 

Gewiss müssen wir vor uns selbst und den Anderen in Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit bekennen, dass für die drohende ökologische Katastrophe sicherlich nicht, oder nicht nur, der technologische Fortschritt verantwortlich ist, sondern insbesondere und hauptsächlich der Mensch, der durch die Versuchung und durch seine allgemeinen Herrscherinstinkte verfremdet und deshalb «gottesfremd» geworden ist, er, der nach seinem Fall und der Vertreibung aus dem «Paradies der Wonne“ seine Orientierung und seinen Lebenshauch verloren hat, er bewegt sich nun in Unvernunft und sucht seine Vervollkommnung im «Besitzen» und «Haben», nicht aber im «recht leben» («εὖ εἶναι»).

Wie aktuell klingen also auch heute die Worte des anderen großen Kirchenvaters unserer orthodoxen Kirche, des hl. Gregor des Theologen: «Fürchte nicht den Fortschritt [...] fürchte die Entfremdung» (25. Homilie, PG 35, 1224).

Leider weigern sich viele der heutigen Menschen Gott als Schöpfer und Herrn, als Lenker des Alls und Ursprung seiner Existenz anzuerkennen. Sie begründen dies damit, dass sie nicht in der Lage sind, ihn durch ihre Sinne zu begreifen. Wir Menschen vergessen dabei, dass wirklich wahr ist, was durch das inspirierte, soeben zitierte Wort zum Ausdruck gebracht wird, dass wir nämlich »mit der Kraft des Geistes durch die sichtbaren Dinge das Unsichtbare... sehen.“

Dieses Phänomen beschreibt sehr plastisch und über jeden Zweifel erhaben auch der Völkerapostel Paulus mit folgenden Worten: «Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar. Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren. Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen und fliegende, vierfüßige und kriechende Tiere darstellen. (...) Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers - gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen.“ (Röm 1,20-26).

Die orthodoxe Kirche verkündet und lehrt durch das Ökumenische Patriarchat diese apostolische und patristische Wahrheit. Das ist alles. Und sie unternimmt Anstrengungen, dass die seufzende und in Geburtswehen liegende Schöpfung mit dem hier vorübergehenden Gast, dem Menschen, «zur Ähnlichkeit» (Gottes) zurückfindet, die verloren gegangen ist; sie soll also den wertvollen Schatz wieder finden, der den Menschen in Gnaden geschenkt worden ist.

Es ist also vonnöten, dass der Mensch sich heutzutage abwendet von jener Hauptursache, die der Umweltkatastrophe zu Grunde liegt. Und diese Ursache ist der Egozentrismus, die Sünde, wie wir in der Sprache der Theologie sagen. Leider verbirgt sich diese manchmal auch in den Bemühungen der Menschen diese Krise zu meistern. Obwohl wir alle unsere Kräfte bündeln müssten und gemeinsam kämpfen müssten fü die Rettung aus dieser großen Gefahr, beobachten wir häufig das Phänomen, dass jeder diese Gefahr aus Sicht seiner eigenen Fachrichtung sieht und der Auffassung ist, dass nur aus dieser eigenen Fachrichtung eine Lösung kommen kann. So schaffen wir eine eigene Sprache und einen eigenen Raum, in den die Spezialisten der anderen Gebiete nicht eindringen können, so dass die babylonische Sprachverwirrung der Bibel wieder auftaucht und wiederum Egozentrismus und Verständnislosigkeit auftreten. Es gelingt uns also nicht einmal auf dem Gebiet dieser Bemühungen, uns selbst und unser überhebliches Ego nützlich zu machen, so dass wir uns in unserer Naivität an die Stelle des allmächtigen Gottes setzen.

 

Liebe Mitstreiter für die Bewahrung der Schöpfung,

 

Unsere Welt lebt leider in einer Zeit der Verwirrung und des Aufruhrs. Der Mensch, der von Streben nach Glück und Indifferenz, von Heuchelei und Lüge, von Selbstsucht und Mangel an geistigen Werten und moralischen Prinzipien geprägt ist, der Mensch auf unserem Planeten, wird täglich gefährlicher für sich selbst, für seine Mitmenschen aber auch für seine Umwelt. Die Welt befindet sich bereits vor dem Abgrund einer ökologischen Katastrophe und wird täglich von neuem dahin geführt, dies geschieht wegen der Tatenlosigkeit der Menge und jener, welche ihre Geschicke leiten und sich selbst zu «von Menschenhand gemachten Göttern» (vgl. Ju 8,18) machen. Gleichzeitig sind jene Mächte der Dunkelheit losgelassen, welche das Buch der Offenbarung beschreibt, diese können zur nuklearen Vernichtung der Welt führen, wie dies der Apostel Petrus beschreibt: «Die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden nicht mehr gefunden“ (2 Petr 3,10).

 

***

 

Die Welt ist, wir wiederholen es noch einmal, das Werk der Liebe, der Fürsorge oder Menschenliebe Gottes und nur mit der Liebe des Menschen und seiner rechten Entscheidung, d.h. ihrer besonnenen Nutzung, welche die Weisheit und die Macht Gottes widerspiegelt, kann sie gerettet werden und ihren Zweck erfüllen.

Die Orthodoxie gibt dem Menschen die Möglichkeit, die Probleme zu überwinden, auch das Problem der ökologischen Krise, indem eine andere Sicht der Dinge angestrebt wird. Es geht darum, den Teufelskreis des Willens, der in einer egoistischen Anhäufung von Dingen zur Lustbefriedigung besteht und unweigerlich zum Schmerz und zu neuen Begierden führt, zu durchbrechen, indem man freiwillig und gern den Verzicht und den Schmerz annimmt, was zur Ursache eines Strebens nach den göttlichen Dingen führt, welches ständig und unendlich größer wird. Das orthodoxe Leben und die orthodoxe Askese sind nicht so sehr eine Summe tugendhafter Handlungsweisen, wie man sich häufig das christliche Leben vorstellt, sondern eine neue Existenzweise, welche die Anziehungskraft der Götzen dieser Welt zurückweist und sich Gott zuwendet. Wenn also jemand fastet und die Begierden freiwillig abtötet, wie dies in der Orthodoxie praktiziert wird, kann er die Lebensweise des Paradieses wiederfinden, kann nach Kräften den körperlosen Engeln nachahmen und von jeder Leidenschaft befreit werden, welche der Gesellschaft und seiner Umwelt schadet.

Die Folgen der Sünde und des Missbrauchs der Natur zu einem widernatürlichen Zustand sind nicht nur auf den einzelnen Menschen beschränkt, der so handelt. Sie sind ontologisch und kosmologisch und beeinflussen die gesamte Menschheit.

Folglich ist das orthodoxe asketische Leben schon in sich ein Standpunkt und eine Antwort auf das so genannte ökologische Problem. Wenn es uns Menschen, ausgehend natürlich von den Christen, gelingt, dieses Leben zu verinnerlichen und anzuwenden, ist das Problem als solches überwunden. Die Askese bringt durch ein freiwilliges, nicht krankhaftes Erdulden sozusagen »zwangsweise« das natürliche Gesetz in den Körper zurück, der unter dem «widernatürlichen« Gesetz des Todes leidet; sie gibt ihm die Möglichkeit, das Gefühl der Ordnung und der Schönheit der Schöpfung wiederzufinden. Wenn der Mensch ganz auf Gott ausgerichtet ist, beginnt er eine neue Beziehung mit seiner natürlichen Umwelt, die nicht mehr der Ausbeutung zur Befriedigung seiner Wünsche dient, sondern der harmonischen Nutzung nach dem Maß seiner nötigen Bedürfnisse.

Diese besonnene und vorsichtige Nutzung der Natur und ihrer Möglichkeiten, die Enthaltsamkeit und das einfache Leben, sowie der Respekt vor der Umwelt sind für die orthodoxe Kirche nicht das Ergebnis einer Ideologie, sondern die Folge einer veränderten Denkweise und eines veränderten Lebensstils, nämlich der Rückkehr aller Kräfte der Seele zur Versöhnung mit Gott und seiner Schöpfung.

 

***

 

Dieses Prinzip haben wir als Patriarchat bis heute nie aufgegeben und verkünden es weiterhin, auch was das drängende Problem der ökonomischen Krise betrifft, die heute viele Länder Europas getroffen hat und sogar die Einheit des Kontinents bedroht. Immer und überall haben wir erklärt, dass für die Überwindung dieser Krise, die oft auswegslos erscheint, ein Wandel der Denkweise und des Ethos von Nöten ist.

Für die Politiker ist dies einsichtig, denn es geht für sie um die Wiederherstellung der Vertrauensbeziehung zwischen den Bürgern und dem Staat, etwa um die Überwindung des Phänomens der Steuerflucht, darum dass dem Kaiser gegeben wird, was des Kaisers ist. Große Anstrengungen werden heutzutage unternommen, damit die Bürger eine neue Einstellung in ihren Beziehungen zum Staat einnehmen, wobei die Länder Westeuropas und sicherlich Deutschland Vorbildfunktion einnehmen. Dass dies nicht einfach ist, weil es große Unterschiede in der historischen Entwicklung, in den gesellschaftlichen Bedingungen und so weiter gibt, liegt auf der Hand.

Das Wichtigste allerdings, um Auswege aus der Krise zu finden, ist jedoch nicht nur die Änderung der Einstellung, was die Beziehung zum Staat betrifft. Es ist die Änderung des Lebensstils und des Ethos. Bezeichnend ist, dass man dem heutigen Menschen beigebracht hat, häufig mehr zu verbrauchen, als er benötigt und gierig und unbesonnen immer mehr zu besitzen und zu genießen, und nicht das harmonische »rechte Leben« im Sinn zu haben. Er versucht durch diese ihm nicht bewusste Schwäche, die Kraft Gottes zu besiegen und in seinem eigenem Mangel an Weisheit, die Weisheit Gottes zu ignorieren, die „ihr Haus gebaut hat“ (Vgl. Spr 9,1); dieses Haus ist unsere Welt.

Darüber hinaus vergisst der heutige Mensch, dass das höchste Ideal für ihn nicht der wirtschaftliche Komfort oder der Wohlstand ist, sondern die Freiheit. Wenn die Freiheit mit Trauer oder Unglück verbunden ist, ist sie keine Freiheit, sondern Sklaverei.

Die große Wahrheit, welche das Christentum täglich verkündet, ist, dass alles nach seinem Wert zu bewerten ist, nicht nach seiner Farbe oder Form, sondern nach seinem Sinn, also nicht nach der äußeren Erscheinung, sondern nach seinem Wesen.

Auch der Mensch wird also nicht nach seiner Eigenschaft oder seinen Besitzverhältnissen bewertet werden, nicht nach äußerem Anschein also, sondern nach seinem Herzen, das die «rechte Entscheidung» ist, er wird also durch jene innere Freiheit beschrieben, welche ihm seine Nähe zu Gott schenkt.

Folglich zieht die orthodoxe Kirche es vor, die Frage der persönlichen Verantwortung eines jeden Menschen für die ökologische und die ökonomische Krise aus der Sicht ihrer soteriologischen und spirituellen Dimension zu beurteilen. Hier wird die Mitwirkung des Menschen ein stilles und gelebtes Zeugnis für die mögliche Wiederherstellung einer harmonischen Beziehung zur Natur sein, wenn er sein Leben beispielhaft führt.

 

***

 

Im Hinblick auf die große Zahl für alle Menschen gefährlicher Schadstoffe gibt es nur eine einzige Macht, die ihnen widerstehen kann: das Gewissen des Menschen. Das Gewissen ist die einzige Macht, die den Menschen daran hindern kann, eine heimliche Verschmutzung vorzunehmen oder kleine oder große Aktivitäten, welche die Umwelt zerstören, zu entwickeln.

Die Aufgabe des Ökumenischen Patriarchats ist es, für dieses Bewusstsein zu sensibilisieren. Wir haben nicht die Möglichkeit, administrative oder juristische Maßnahmen zu ergreifen, um den Schaden an der Umwelt zu reduzieren. Wir haben sicherlich nicht die materiellen Mittel, um die bereits der Umwelt zugefügten Schäden zu reparieren. Folglich versuchen wir, das Gewissen jener Mitmenschen aufzurütteln, welche die entsprechenden Mittel und die Möglichkeiten haben, sowie jener, welche die Macht besitzen, das zu tun, was ihnen auf diesem Feld möglich ist, sei es persönlich oder im Rahmen einer kollektiven Anstrengung einer Regierung oder eines internationalen oder lokalen Trägers.

Wir beenden unsere Worte mit dem Gebet der orthodoxen Liturgie »Lasst uns geziemend stehen, lasst uns stehen mit Ehrfurcht« vor der Ungewissheit der Dinge und bitten den Schöpfer der gesamten Schöpfung seine gewaltige Hand zu öffnen und die Welt heimzusuchen; dann und nur dann werden alle Dinge «satt an Gutem» (Ps 103,28 LXX). Amen.

Wir danken Ihnen für Ihre Geduld und wünschen Ihnen allen die Erleuchtung Gottes, dass ein jeder nach dem Maße seiner Möglichkeiten zur Lösung dieses lebenswichtigen Problems beitragen kann, in der Hoffnung dass eine bessere und verheissungsvolle Zukunft für die Menschheit aufscheinen möge für die zukünftigen Generationen.

 

 

 

ΟΜΙΛΙΑ
ΤΗΣ Α.Θ.ΠΑΝΑΓΙΟΤΗΤΟΣ ΤΟΥ ΟΙΚΟΥΜΕΝΙΚΟΥ ΠΑΤΡΙΑΡΧΟΥ κ.κ. ΒΑΡΘΟΛΟΜΑΙΟΥ
ΚΑΤΑ ΤΗΝ ΜΕΤΑ ΤΗΝ ΥΠΟΔΟΧΗΝ ΑΥΤΟΥ

ΕΠΙΣΗΜΟΝ ΕΚΔΗΛΩΣΙΝ ΕΝΩΠΙΟΝ ΠΡΟΣΚΕΚΛΗΜΕΝΩΝ

ΥΠΟ ΤΟΥ ΠΡΩΘΥΠΟΥΡΓΟΥ ΤΟΥ ΚΡΑΤΙΔΙΟΥ

ΤΗΣ ΒΑΔΗΣ - ΒΥΡΤΤΕΜΒΕΡΓΗΣ

(10 Μαΐου 2014)

 

 

«Ἡ μέριμνα τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας

διά τήν οἰκολογικήν κρίσιν»

 

Ἐξοχώτατε κύριε Πρωθυπουργέ Βάδης-Βυρττεμβέργης κύριε Winfried Kretschmann μετά τῶν ἐκλεκτῶν συνεργατῶν σας, καί πάντες οἱ μετέχοντες εἰς τήν τιμητικήν ταύτην ἐκδήλωσιν διά τό Οἰκουμενικόν Πατριαρχεῖον καί διά τήν ἡμετέραν Μετριότητα,

Ἱερώτατε ἀδελφέ Μητροπολῖτα Γερμανίας κύριε Αὐγουστῖνε,

 

«Πάντα τά ἔργα αὐτοῦ ἐν κρίσει...

Ἐάν δέ ἴδῃς τόν οὐρανόν καί τήν ἐν αὐτῷ τάξιν, πίστεώς ἐστιν ὁδηγός· δείκνυσι γάρ τόν τεχνίτην δι᾿ ἑαυτοῦ...

Τῇ τοῦ νοῦ δυνάμει διά τῶν ὁρωμένων τό ἀόρατον καθορῶμεν...

Πολλάκις καί ἐν τοῖς μικροτάτοις ἡ σοφία τοῦ Θεοῦ καταφαίνεται», λέγει ἐπικαίρως ὁ Μέγας Βασίλειος (Εἰς τόν ΛΒ΄ Ψαλμόν, P.G. 30,329B-C), ὁ «τρανώσας τήν φύσιν τῶν ὄντων καί κατακοσμήσας τά ἤθη τῶν ἀνθρώπων» (ἀπολυτίκιον τῆς ἑορτῆς του).


Ἀνταποκρινόμενοι εἰς τήν ἐπιθυμίαν τῆς ὑμετέρας Ἐξοχότητος, ἀγαπητέ κύριε Πρωθυπουργέ, καί πάντων τῶν ἐκλεκτῶν παρισταμένων μας, ὅπως σᾶς ἀπευθύνωμεν λόγον ἐπίκαιρον περί τῆς μαρτυρίας τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας ἀλλά καί τῶν καταβαλλομένων ὑπ᾿ αὐτῆς προσπαθειῶν ὑπέρ τῆς προστασίας τοῦ φυσικοῦ περιβάλλοντος, δανειζόμεθα τόν λόγον ἐκ τοῦ ἀκενώτου θησαυροῦ τῆς Πατερικῆς σοφίας τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας μας.

Ὁ Μέγας Βασίλειος ἑρμηνεύων, ἐπαναλαμβάνομεν, τήν «φύσιν τῶν ὄντων», τῆς Θείας δηλαδή δημιουργίας, ἐπικεντρώνει τήν οἰκολογικήν προσπάθειαν εἰς τρεῖς ἐννοίας: εἰς τήν δημιουργίαν ὑπό τοῦ Θεοῦ καί εἰς τήν ἐν ἁρμονίᾳ συνοχήν τῶν ὄντων πρός ἄλληλα, ἐν κρίσει, ἐν σοφίᾳ, καί ἐν δυνάμει. Τήν θεολογίαν ταύτην τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας τῆς δημιουργίας καί τῆς ἀναγκαιότητος οὐχί μόνον συντηρήσεως ἀλλά καί διατηρήσεως τῆς κτίσεως ἀλωβήτου ἀπό πάσης βλαπτικῆς τοῦ ἀνθρώπου ἐπηρείας, θά ἐκθέσωμεν πρός τήν ἀγάπην σας, ἐνημεροῦντες ἐν συνόψει καί περιλήψει καί διά τάς ἡμετέρας προσπαθείας ἐπί τοῦ προκειμένου.

 

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Χαιρόμεθα, λοιπόν, πρωτίστως, διότι δίδεται εἰς ἡμᾶς ἡ δυνατότης ἐπικοινωνίας μαζί σας, μέ ἀφορμήν τήν ἐπίσημον ἐπίσκεψίν μας εἰς τήν ὑπό τό Οἰκουμενικόν Πατριαρχεῖον Ἱεράν Μητρόπολιν Γερμανίας, τήν συμπληρώσασαν ἥμισυν αἰῶνα ζωῆς, μαρτυρίας καί προσφορᾶς πρός τόν ἐν Γερμανίᾳ Ὀρθόδοξον λαόν, πρός τόν Χριστιανισμόν καί τάς καταβαλλομένας προσπαθείας ὑπέρ τῆς ἑνότητος αὐτοῦ καί ἐν γένει πρός τήν Γερμανικήν κοινωνίαν, τόν πολιτισμόν καί τήν ἔρευναν, διά τῆς εὐρυτέρας διαφωτίσεως περί τῆς ἐν τῇ Ὀρθοδόξῳ Ἐκκλησίᾳ ἐλπίδος.

Σᾶς εὐχαριστοῦμεν, εἶτα, διά τήν φιλόφρονα καί τιμητικήν ὑποδοχήν σας καί διά τό ἐνδιαφέρον καί τόν σεβασμόν μέ τά ὁποῖα περιβάλλετε τό Οἰκουμενικόν Πατριαρχεῖον, ἀναγνωρίζοντες καί τιμῶντες ἐν τῇ πράξει τόν ρόλον καί τήν μακραίωνα εἰς πάντας τούς τομεῖς τῆς πνευματικῆς, κοινωνικῆς καί ἀνθρωπιστικῆς ζωῆς προσφοράν αὐτοῦ.

 

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Εἶναι εὐρύτερον ἀσφαλῶς γνωστόν εἰς τήν παγκόσμιον κοινήν γνώμην, ὅτι ἡ συμβολή εἰς τήν ἀντιμετώπισιν τοῦ οἰκολογικοῦ λεγομένου προβλήματος ἐτέθη ὡς μία ἐκ τῶν ἀμέσων προτεραιοτήτων τῆς Ὀρθοδοξίας διά τῆς Ἐκκλησίας τῆς Κωνσταντινουπόλεως καί τῆς ἡμετέρας Μετριότητος προσωπικῶς, συνεχισάσης τό ἤδη ἐπιδειχθέν ζωηρόν καί ἔμπρακτον ἐνδιαφέρον τοῦ ἀοιδίμου προκατόχου ἡμῶν Οἰκουμενικοῦ Πατριάρχου Δημητρίου, δραστηριοποιηθέντος καί εἰς τοῦτο, μέ ἀποκορύφωσιν τήν ἀνακήρυξιν τῆς ἡμέρας ἐνάρξεως τοῦ ἐκκλησιαστικοῦ ἔτους, τῆς 1ης Σεπτεμβρίου ἑκάστου ἔτους, ὡς ἡμέρας ἀφιερωμένης εἰς τήν προσευχήν διά τήν διάσωσιν τοῦ περιβάλλοντος καί εἰς τήν διαφύλαξιν τῆς δημιουργίας.

Διά τῆς διοργανώσεως διεθνῶν συνεδρίων ἐπί τῶν περιβαλλοντικῶν προβλημάτων τῶν θαλασσῶν εἰς Πάτμον, ἐν ἔτει 1995, καί Μαύρην Θάλασσαν, ἐν ἔτει 1997, ἀλλά καί ἑτέρων ἀναλόγων ἐν συνεχείᾳ προσπαθειῶν ἐν Βαλτικῇ, ἐν Ἀδριατικῇ, ἐν Ἀμαζονίῳ καί ἀλλαχοῦ, ἐνισχύσαμεν προσωπικῶς ἐξ ἀρχῆς τήν προσπάθειαν διαλόγου καί συνεργασίας τῶν θρησκειῶν καί τῶν εἰδικῶν ἐπιστημόνων, μέ στόχον τήν ἀπό κοινοῦ ἀντιμετώπισιν τῆς οἰκολογικῆς κρίσεως.

Τό ἔτος 1999, διά τοῦ τότε ἱδρυθέντος Οἰκολογικοῦ Ἰνστιτούτου τῆς Χάλκης, διωργανώσαμεν σεμινάρια, τά ὁποῖα εἶχον ὡς σκοπόν τήν ἐνίσχυσιν τῶν ἐκκλησιαστικῶν, δημοσιογραφικῶν καί ἐπιστημονικῶν κοινοτήτων διά τήν ἀπό κοινοῦ καί ἐν συντονισμῷ ἀντιμετώπισιν τῆς περιβαλλοντικῆς κρίσεως.

Ἀκολουθοῦσαι τό παράδειγμα τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου καί τῇ παροτρύνσει καί προτροπῇ ἡμῶν προσωπικῶς, πολλαί ὑπαγόμεναι ὑπό τήν ἐκκλησιαστικήν δικαιοδοσίαν αὐτοῦ Ἱεραί Μοναί ἀποδεικνύουν ἐμπράκτως τήν συμβατότητα τῆς Ὀρθοδόξου παραδόσεως καί τῆς προστασίας τῆς φύσεως. Ἐπί παραδείγματι, εἰς τήν Ἱεράν Μονήν Χρυσοπηγῆς εἰς Χανιά Κρήτης πραγματοποιοῦνται οἰκολογικαί καλλιέργειαι, ἡ διαχείρισις τῶν ἀνηκουσῶν εἰς αὐτήν δασικῶν ἐκτάσεων γίνεται μέ οἰκολογικάς μεθόδους, ἐνῷ ἐκ παραλλήλου ἐφαρμόζονται προγράμματα διαχειρίσεως ἀπορριμμάτων καί προωθεῖται ἡ περιβαλλοντική εὐαισθησία καί ἐκπαίδευσις. Ἀνάλογοι προσπάθειαι καταβάλλονται καί ὑπό ἄλλων Ἱερῶν Μονῶν διά τήν προστασίαν τοῦ μοναδικοῦ παγκοσμίως χώρου φυσικῆς, ἱστορικῆς καί πολιτιστικῆς κληρονομίας τοῦ φυσικοῦ περιβάλλοντος, περί τοῦ ὁποίου ἔχουν ἐκδηλώσει ζωηρόν ἐνδιαφέρον πολλοί διεθνεῖς ὀργανισμοί.

Σημειωτέον, ὅτι ἤδη ἀπό τῶν πρώτων ἐτῶν τῆς Πατριαρχικῆς ἡμῶν διακονίας παρέσχομεν τήν συμβολήν ἡμῶν εἰς στοχευμένας σχετικάς οἰκολογικάς καί περιβαλλοντολικάς προσπαθείας. Ἐνδεικτικῶς, ἀναφέρομεν τήν ὑποστήριξιν τῆς κινήσεως τοῦ «Παγκοσμίου Ταμείου διά τήν Φύσιν», «WWF Ἑλλάς» ἐναντίον τῆς ἐκτροπῆς τοῦ Ἀχελώου, ἑνός μεγάλου ποταμοῦ εἰς τήν περιοχήν τῆς Θεσσαλίας, ἡ ὁποία θά εἶχε ἐπιπτώσεις εἰς τήν φύσιν.

Ὅμως, πέραν τῶν δραστηριοτήτων τούτων, πάντοτε ὡς ὁ πρῶτος Ἐπίσκοπος τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας, ὑπομιμνήσκομεν πανταχοῦ καί πάντοτε, διά πράξεως καί θεωρίας, διά συγκεκριμένων ἐνεργειῶν ἀλλά καί δι᾿ ἡμετέρων ἑκάστοτε ὁμιλιῶν, τό πνευματικόν ὑπόβαθρον τῆς συγχρόνου περιβαλλοντικῆς κρίσεως καί ἐπισημαίνομεν ὅτι τό πρότυπον ζωῆς καί ἀνθρώπου, ἀποτελεῖ καί τήν ἀπάντησιν ἀλλά καί τήν λύσιν τοῦ προβλήματος, ἐφ᾿ ὅσον ἤθελε συνειδητοποιήσει ὁ κόσμος τάς τρεῖς ἀνωτέρω περιγραφομένας ὑπό τοῦ μεγάλου Πατρός Βασιλείου ἀρχάς τῆς φύσεως τῶν ὄντων, δηλαδή τῆς ἐν κρίσει, ἐν σοφίᾳ καί ἐν δυνάμει δημιουργίας αὐτῶν καί τῆς εὐθύνης τοῦ ἀνθρώπου ὅπως, ἐν κατανοήσει τῆς σοφίας καί τῆς δυνάμεως τῆς ἁρμονίας ταύτης συντηρήσῃ αὐτά ἐν συνέσει κρίσεως.

 

***

 

Γνωρίζομεν ἐκ τῆς Βίβλου, ὅτι ὁ Θεός ἔπλασε τόν κόσμον ἐξ ἀγάπης πρός τόν ἄνθρωπον καί διά τήν εὐημερίαν καί εὐφροσύνην αὐτοῦ. Τόν ἐδημιούργησεν ὡς παράδεισον, δηλαδή τέλειον, μή ἔχοντα «σπῖλον ἤ ρυτίδα ἤ τι τῶν τοιούτων» (πρβλ. Ἐφεσ. ε΄ 27). Συγχρόνως ὁ Θεός ἔθεσε τόν κόσμον εἰς τήν διάθεσιν τοῦ τελειοτέρου τῶν δημιουργημάτων Του, τοῦ ἀνθρώπου, τοῦ Ἀδάμ καί τῆς Εὔας, «ἐργάζεσθαι καί φυλάσσειν αὐτόν» (Γεν. β΄ 15), μετά τῆς ἐντολῆς «ἀπό παντός ξύλου τοῦ ἐν τῷ παραδείσῳ φάγῃ, ἀπό δέ τοῦ ξύλου τοῦ γινώσκειν καλόν καί πονηρόν οὐ φάγεσθε ἀπ᾿ αὐτοῦ, ἧ δ᾿ ἄν ἡμέρᾳ φάγητε ἀπ᾿ αὐτοῦ θανάτῳ ἀποθανεῖσθε» (ὅ. π. β΄ 15-17).

Παραλλήλως, ἐπαναλαμβάνομεν, ὅτι ὁ Θεός ἐδημιούργησε τόν κόσμον ἐν σοφίᾳ καί ἐν ἁρμονίᾳ, διά μόνου τοῦ Λόγου Του, διά τῆς δυνάμεώς Του δηλαδή, τῆς ὑπερβαινούσης πᾶσαν γνῶσιν καί ἔννοιαν, ἀλλά καί ἐν κρίσει, ἐν συνέσει δηλαδή.

Ἡ δημιουργική Θεία Δύναμις, ἡ Σοφία τοῦ Θεοῦ, καί ἡ Κρίσις τοῦ Θεοῦ ἀποτελοῦν συγχρόνως καί μίαν ἐντολήν τοῦ Θεοῦ πρός τόν ἐργάτην καί φύλακα τοῦ κόσμου ἄνθρωπον νά διαχειρίζηται τά τῆς περιβαλλούσης καί τρεφούσης αὐτόν «διά τῶν καρπῶν αὐτῆς» κτίσεως, καθορῶν ἐκ τῶν ὁρωμένων τόν Ἀόρατον, «τήν ἀϊδιον αὐτοῦ δύναμιν καί θεότητα», ἀλλά καί τήν κρίσιν Αὐτοῦ, ὅτι «ἐν σοφίᾳ», «ἐν συνέσει» καί «κρίσει ἀληθινῇ» ἐπήγαγεν ἡμῖν καί δι᾿ ἡμᾶς τά πάντα. Ὁ ἄνθρωπος ὅμως «μεταλαβών τῆς εἰκόνος» (τοῦ Θεοῦ) καί μή φύλαξας» αὐτήν, ἐξέπεσε τῆς θείας δόξης καί τῆς θείας σοφίας, μέ ἀποτέλεσμα νά καταστῇ «φθαρτός» καί «θνητός» καί νά περιορισθῇ εἰς τήν «πεπερασμένην» ἀνθρωπίνην γνῶσιν καί κρίσιν. Διά τοῦτο καί ὡς «φθαρτός» καί «μικρός» ὁ ἄνθρωπος φοβεῖται τόν θάνατον. Ἐκ τοῦ φόβου τοῦ θανάτου κυριευμένος καί ἐν τῇ προσπαθείᾳ του νά «νικήσῃ τόν θάνατον», παρεμβαίνει συνεχῶς διά ἀσυνέτων ἐνεργειῶν αὐτοῦ, θανατηφόρως θά ἐλέγομεν, ἐπί τῆς ἁρμονίας τῆς κτίσεως ἀλλά καί τῆς ἀσφαλείας τῆς ἰδίας τῆς ζωῆς καί ὑποστάσεώς του, μέ ἀποτέλεσμα νά ἔχωμεν ὁδηγηθῆ σταδιακῶς εἰς τήν σημερινήν οἰκολογικήν κρίσιν, διά τήν προστασίαν καί διαφύλαξιν τῆς ὁποίας κτίσεως καί ὑποστάσεως καταβάλλομεν οἱ βουλόμενοι καί δυνάμενοι «προσπαθείας», «ἵνα μή τό κακόν ἀθάνατον γένηται».

Ἡ προσπάθεια, λοιπόν, καί τό ἐνδιαφέρον τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας διά τό περιβάλλον εἶναι ἀπόρροια ἀγάπης καί ἐνδιαφέροντος διά τόν πάροικον –μόνιμος κάτοικος καί Κύριος "πάντων τῶν περάτων τῆς γῆς καί τῶν ἐν θαλάσσῃ μακράν" εἶναι ὁ Δημιουργός Θεός καί μόνον- πολίτην τῆς γῆς, τόν ἄνθρωπον, καί διά τήν ἱκανοποίησιν τῶν βιοτικῶν ἀναγκῶν του, αἱ ὁποῖαι πηγάζουν μέν ἀπό τήν συντήρησιν «τῆς σαρκός», ἀποβλέπουν ὅμως εἰς τήν σωτηρίαν τῆς ψυχῆς, «τῇ θείᾳ καί ζωοποιῷ ἐμπνεύσει».

 

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Ἀσφαλῶς, ὀφείλομεν νά ὁμολογήσωμεν, πρός ἑαυτούς καί ἀλλήλους, ἐν εἰλικρινείᾳ καί ἐντιμότητι, ὅτι διά τήν ἀπειλουμένην οἰκολογικήν καταστροφήν δέν εὐθύνεται ἀσφαλῶς ἡ τεχνολογική πρόοδος, ἤ μόνον αὐτή, ἀλλά πρωτίστως καί κυρίως ὁ ἀλλοτριωθείς ὑπό τοῦ πειρασμοῦ καί τῶν ἐνστίκτων κυριαρχίας ἐπί τῶν πάντων καί, ὡς ἐκ τούτου, «ξένος τοῦ Θεοῦ» καταστάς, ἄνθρωπος, ὁ ὁποῖος, μετά τήν «πτῶσιν» καί τήν ἀποπομπήν ἐκ τοῦ «παραδείσου τῆς τρυφῆς», ἔχει ἀπολέσει τόν προσανατολισμόν αὐτοῦ καί τήν «ζωοποιόν πνεῦσιν» καί κινούμενος διά τῆς καί ἐκ τῆς «ἀ-λογίας» αὐτοῦ ἀναζητεῖ τήν ὁλοκλήρωσιν αὐτοῦ εἰς τό «κτᾶσθαι» καί εἰς τό «ἔχειν» καί ὄχι εἰς τό «εὖ εἶναι».

Ἠχοῦν, λοιπόν, λίαν ἐπίκαιροι καί σήμερον οἱ λόγοι τοῦ ἑτέρου μεγάλου Πατρός τῆς Ὀρθοδόξου ἡμῶν Ἐκκλησίας, τοῦ Γρηγορίου τοῦ Θεολόγου «μή φοβηθῇς τήν πρόοδον[...] φοβήθητι τήν ἀλλοτρίωσιν» (Λόγος ΚΕ΄, PG 35, 1224).

Δυστυχῶς, πολλοί τῶν σημερινῶν ἀνθρώπων ἀρνοῦνται νά δεχθοῦν τόν Θεόν ὡς δημιουργόν καί κυρίαρχον καί κυβερνήτην τοῦ σύμπαντος καί πηγήν τῆς ζωῆς αὐτοῦ, μέ τήν αἰτιολογίαν ὅτι δέν δύνανται νά Τόν συλλάβουν διά τῶν αἰσθήσεων αὐτῶν. Λησμονοῦμεν οἱ ἄνθρωποι τήν μόνην πραγματικότητα, τήν διά τοῦ ἐμπνευσμένου φθόγγου ἐκφραζομένην, ὅτι «τῇ τοῦ νοῦ δυνάμει διά τῶν ὁρωμένων τόν ἀόρατον καθορῶμεν».

Τό φαινόμενον τοῦτο περιγράφει ἐπίσης ἀναγλύφως καί πέραν πάσης ἀμφισβητήσεως καί ὁ Ἀπόστολος τῶν Ἐθνῶν Παῦλος διά τῶν ἑξῆς χαρακτηριστικῶν: «τά γάρ ἀόρατα αὐτοῦ ἀπό κτίσεως κόσμου τοῖς ποιήμασι νοούμενα καθορᾶται, ἥ τε ἀΐδιος αὐτοῦ δύναμις καί θειότης, εἰς τό εἶναι αὐτούς ἀναπολογήτους, διότι γνόντες τόν Θεόν οὐχ ὡς Θεόν ἐδόξασαν ἤ εὐχαρίστησαν, ἀλλ᾿ ἐματαιώθησαν ἐν τοῖς διαλογισμοῖς αὐτῶν, καί ἐσκοτίσθη ἡ ἀσύνετος αὐτῶν καρδία· φάσκοντες εἶναι σοφοί ἐμωράνθησαν, καί ἤλλαξαν τήν δόξαν τοῦ ἀφθάρτου Θεοῦ ἐν ὁμοιώματι εἰκόνος φθαρτοῦ ἀνθρώπου καὶ πετεινῶν καί τετραπόδων καί ἑρπετῶν.[...] οἵτινες μετήλλαξαν τήν ἀλήθειαν τοῦ Θεοῦ ἐν τῷ ψεύδει, καί ἐσεβάσθησαν καί ἐλάτρευσαν τῇ κτίσει παρά τόν κτίσαντα, ὅς ἐστιν εὐλογητός εἰς τούς αἰῶνας· ἀμήν» (Ρωμ. α΄ 20-26).

Ἡ Ὀρθόδοξος Ἐκκλησία διά τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου αὐτήν τήν ἀποστολικήν καί πατερικήν ἀλήθειαν κηρύττει καί διδάσκει. Οὐδέν πλέον. Καταβάλλει δέ προσπαθείας διά νά ἐπανέλθῃ ἡ συστενάζουσα καί συνωδίνουσα κτίσις, μαζί μέ τόν ἐπ᾿ αὐτῆς παροικοῦντα ἄνθρωπον, εἰς τό «καθ᾿ ὁμοίωσιν», τό ὁποῖον ἀπωλέσθη, νά ἐπανεύρῃ δηλαδή τόν πολύτιμον «θησαυρόν», ὁ ὁποῖος ἐχαρίσθη καί ἐδωρήθη εἰς τόν ἄνθρωπον.

Εἶναι ἀνάγκη, λοιπόν, σήμερον ὁ ἄνθρωπος νά ἀπομακρυνθῇ ἀπό τήν βασικήν αἰτίαν, ἡ ὁποία εὐθύνεται διά τήν καταστροφήν τοῦ περιβάλλοντος. Καί ἡ αἰτία αὕτη εἶναι ὁ ἐγωκεντρισμός, ἡ ἁμαρτία εἰς τήν θεολογικήν γλῶσσαν. Δυστυχῶς, ἡ αἰτία αὕτη ὑπεισέρχεται ἐνίοτε καί εἰς τήν προσπάθειαν τῶν ἀνθρώπων νά ἀντιμετωπίσουν τήν κρίσιν αὐτήν. Ἐνῷ θά ἔπρεπε ἅπαντες νά συστρατεύσωμεν τάς δυνάμεις ἡμῶν καί νά ἀγωνισθῶμεν ἡνωμένοι πρός τήν κατεύθυνσιν τῆς σωτηρίας ἐκ τοῦ μεγάλου τούτου κινδύνου, συχνάκις βλέπομεν τό φαινόμενον ἕκαστος καί τό αὐτονομοῦμεν εἰς τήν περιοχήν τῆς εἰδικότητος ἡμῶν, ἔχοντες τήν πεποίθησιν ὅτι μόνον ἐκ τοῦ ἰδικοῦ μας χώρου θά προέλθῃ ἡ σωτηρία· οὕτω δημιουργοῦμεν τήν ἰδίαν ἡμῶν γλῶσσαν καί τόν ἴδιον ἡμῶν χῶρον, εἰς τόν ὁποῖον δέν εἶναι δυνατόν νά εἰσέλθουν οἱ εἰδικοί ἄλλων περιοχῶν, μέ ἀποτέλεσμα νά δημιουργῆται ἡ σύγχυσις τῆς Βιβλικῆς Βαβέλ καί νά κυριαρχῇ πάλιν ὁ ἐγωκεντρισμός καί ἡ ἀσυνεννοησία. Δέν δυνάμεθα δηλαδή καί εἰς τόν τομέα τῆς προσπαθείας αὐτῆς νά τιθασεύσωμεν ἑαυτούς καί τό ὑπερφίαλον «ἐγώ» μας, τοποθετοῦντες ἑαυτούς ἐν τῇ ἀφελότητι ἡμῶν εἰς τήν θέσιν «τοῦ πάντα δυναμένου Θεοῦ».

 

Φίλοι συμπορευόμενοι εἰς τόν ἀγῶνα τῆς προστασίας τῆς κτίσεως,

 

Ὁ κόσμος μας, ἀτυχῶς, ζῇ καί πορεύεται εἰς μίαν περίοδον συγχύσεως καί ταραχῆς. Ὁ κυριαρχούμενος ὑπό τοῦ εὐδαιμονισμοῦ καί τῆς ἀδιαφορίας, τῆς ὑποκρισίας καί τοῦ ψεύδους, τῆς φιλαυτίας καί τῆς ἐλλείψεως πνευματικῶν ἀξιῶν καί ἠθικῶν ἀρχῶν ἄνθρωπος τοῦ πλανήτου μας, καθίσταται ὁσημέραι ἐπικίνδυνος διά τόν ἑαυτόν του, διά τόν συνάνθρωπόν του, ἀλλά καί διά τό περιβάλλον του. Ὁ κόσμος εὑρίσκεται καί ὁδηγεῖται καθημερινῶς, λόγῳ τῆς ἀκηδίας τῶν πολλῶν καί τῶν ἰθυνόντων τάς τύχας του ἡγετῶν καί τοποθετούντων ἑαυτούς εἰς τήν θέσιν «χειροποιήτων θεῶν», εἰς τό χεῖλος μιᾶς οἰκολογικῆς καταστροφῆς. Συγχρόνως ἔχουν ἀπελευθερωθῆ αἱ δυνάμεις ἐκεῖναι τοῦ σκότους, ὡς τάς περιγράφει τό Βιβλίον τῆς Ἀποκαλύψεως, αἱ ὁποῖαι δύνανται νά φέρουν τόν πυρηνικόν ὄλεθρον, κατά τούς λόγους τοῦ Ἀποστόλου Πέτρου: «στοιχεῖα δέ καυσούμενα λυθήσονται, καί γῆ καί τά ἐν αὐτῇ ἔργα κατακαήσεται» (Β΄Πέτρ. γ΄ 10).

 

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Ὁ κόσμος, ἐπαναλαμβάνομεν διά πολλοστήν φοράν, εἶναι ἔργον τῆς ἀγάπης, τῆς προνοίας καί τῆς φιλανθρωπίας τοῦ Θεοῦ καί μόνον μέ τήν ἀγάπην τοῦ ἀνθρώπου καί μέ τήν «ἐν κρίσει», δηλαδή ἐν συνέσει, χρῆσιν αὐτοῦ, -ὡς ἀπαύγασμα τῆς σοφίας καί τῆς δυνάμεως τοῦ Θεοῦ-, δύναται νά σωθῇ καί νά ἐκπληρώσῃ τόν προορισμόν αὐτοῦ.

Ἡ Ὀρθοδοξία παρέχει εἰς τόν ἄνθρωπον τήν δυνατότητα τῆς ἐξόδου ἀπό ὅλα τά προβλήματα, καί ἀπό τό πρόβλημα τῆς οἰκολογικῆς κρίσεως, μέσῳ μιᾶς διαφορετικῆς θεωρήσεως τῶν πραγμάτων. Διαρρηγνύων τόν φαῦλον κύκλον τῆς ἐπιθυμίας διά τήν ἐγωϊστικήν ἀπόκτησιν πραγμάτων μέ σκοπόν τήν ἡδονήν, ἥτις ἀναποφεύκτως θά καταλήξῃ εἰς τόν πόνον καί εἰς νέας ἐπιθυμίας, ὁ ἄνθρωπος ἀναλαμβάνει μέ χαράν τόν ἑκούσιον πόνον, τόν ὁποῖον μετατρέπει εἰς πηγήν ἐπιθυμίας τῶν θείων πραγμάτων, ἐπιθυμίαν διαρκῆ καί αὐξανομένην ἐπ᾿ ἄπειρον. Ἡ Ὀρθόδοξος ζωή καί ἄσκησις δέν εἶναι τόσον ἕν σύνολον ἐναρέτων πράξεων, ὅπως συχνάκις φρονοῦμεν ὅτι εἶναι ἡ χριστιανική ζωή, ὅσον εἷς νέος τρόπος ὑπάρξεως, ὅστις ἀποστρέφεται τήν ἕλξιν τῶν εἰδώλων τοῦ κόσμου τούτου, διά νά στραφῇ πρός τόν Θεόν. Ὅταν λοιπόν ἀσκῇ τις τήν νηστείαν καί τήν ἑκούσιον νέκρωσιν τῶν ἡδονῶν εἰς τήν ὀρθόδοξον πρακτικήν, ὡς τρόπον ζωῆς, δύναται νά ἐπανεύρῃ τόν παραδείσιον τρόπον ζωῆς, νά μιμηθῇ τό κατά δύναμιν τούς ἀσωμάτους ἀγγέλους καί νά ἀπαλλαγῇ ἀπό κάθε ἐπιβλαβές διά τήν κοινωνίαν καί τό περιβάλλον του πάθος.

Αἱ συνέπειαι τῆς ἁμαρτίας καί τῆς καταστρατηγήσεως τῆς φύσεως εἰς τήν «παρά-φύσιν» δέν περιορίζονται μόνον εἰς τόν διαπράττοντα αὐτήν ἄνθρωπον. Εἶναι ὀντολογικαί καί κοσμολογικαί καί ἐπηρεάζουν ὁλόκληρον τήν ἀνθρωπότητα.

Συνεπῶς, ἡ Ὀρθόδοξος ἀσκητική ζωή εἶναι ἀφ᾿ ἑαυτῆς μία τοποθέτησις καί μία ἀπάντησις εἰς τό λεγόμενον οἰκολογικόν πρόβλημα. Ἐάν οἱ ἄνθρωποι, ἀρχίζοντες βεβαίως ἐκ τῶν χριστιανῶν, ἐγκολπωθῶμεν καί ἐφαρμόσωμεν τήν ζωήν ταύτην, δέν θά ὑφίσταται τοιοῦτον πρόβλημα. Ἡ ἄσκησις, μέσῳ τῆς ἑκουσίας καί ὄχι νοσηρᾶς κακοπαθείας, ἐμβάλλει «βιαίως» τόν κατά φύσιν ἔλλογον νόμον εἰς τό σῶμα, τό ὁποῖον πάσχει τόν «παρά φύσιν» νόμον τοῦ θανάτου καί τοῦ δίδει τήν δυνατότητα νά ἐπανεύρῃ τήν αἴσθησιν τῆς εὐταξίας καί τῆς ὡραιότητος τῆς δημιουργίας. Ἐξ ὁλοκλήρου ἐστραμμένος πρός τόν Θεόν ὁ ἄνθρωπος ἐγκαινιάζει μίαν νέαν σχέσιν μέ τό φυσικόν περιβάλλον αὐτοῦ, ἡ ὁποία δέν εἶναι πλέον μία ἐκμετάλλευσις διά τήν ἱκανοποίησιν τῆς ἐπιθυμίας αὐτοῦ, ἀλλά μία ἁρμονική χρῆσις κατά τό μέτρον τῆς ἀναγκαίας χρείας.

Ἡ συνετή αὐτή καί προσεκτική χρῆσις τῆς φύσεως καί τῶν δυνατοτήτων της, ἡ ἐγκράτεια καί ἡ λιτότης, ὁ σεβασμός εἰς τό περιβάλλον, ἐντός τῆς Ὀρθοδόξου Ἐκκλησίας, δέν εἶναι ἀπόρροια μιᾶς ἰδεολογίας, ἀλλά συνέπεια τῆς ἀλλαγῆς νοοτροπίας καί τρόπου ζωῆς καί τῆς ἐπιστροφῆς ὅλων τῶν δυνάμεων τῆς ψυχῆς εἰς συγκαταλλαγήν μετά τοῦ Θεοῦ καί τῆς δημιουργίας του.

 

***

 

Τήν ἀρχήν ταύτην οὐδέποτε ἔχομεν παύσει μέχρι σήμερον νά διακηρύττωμεν καί νά ἐπισημαίνωμεν ἀπό τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου καί διά τό φλέγον πρόβλημα τῆς οἰκονομικῆς κρίσεως, ἡ ὁποία πλήττει σήμερον πολλάς χώρας τῆς Εὐρώπης, ἀπειλοῦσα τήν ἑνότητα αὐτῆς. Πάντοτε καί πανταχοῦ κηρύττομεν καί ἐπισημαίνομεν ὅτι διά τήν ἔξοδον ἐκ τῆς ὡς ἀδιεξόδου πολλάκις ἐμφανιζομένης ἤ παρουσιαζομένης κρίσεως ταύτης εἶναι ἀπαραίτητος ἡ ἀλλαγή νοοτροπίας καί ἤθους.

Καί τοῦτο, διά τούς πολιτικούς ἄνδρας εἶναι κατανοητόν ὡς ἀποκατάστασις τῆς σχέσεως ἐμπιστοσύνης πολίτου καί κράτους, τῆς ἀπαλλαγῆς ἀπό τοῦ συνδρόμου τῆς φοροαπαλλαγῆς, τῆς ἀποδόσεως εἰς τόν Καίσαρα τῶν τοῦ Καίσαρος. Σήμερον γίνεται μία τεραστία προσπάθεια διά νά ἀποκτήσουν οἱ πολῖται μίαν νέαν νοοτροπίαν εἰς τάς σχέσεις των μετά τοῦ κράτους, εἰς τήν ὁποίαν αἱ χῶραι τῆς Δυτικῆς Εὐρώπης, καί ἀσφαλῶς ἡ Γερμανία, ἀποτελοῦν ἀξιομίμητα ὑποδείγματα. Βεβαίως τοῦτο δέν εἶναι εὐχερές, διότι ὑπάρχουν καί τεράστιαι διαφοραί εἰς τάς ἱστορικάς καταβολάς, τάς κοινωνικάς συνθήκας κλπ.

Ὅμως, τό βασικώτερον διά τήν ἔξοδον ἀπό τήν κρίσιν δέν εἶναι μόνον ἡ ἀλλαγή νοοτροπίας ὡς πρός τάς σχέσεις μέ τό κράτος. Εἶναι ἡ ἀλλαγή τρόπου ζωῆς καί ἤθους. Εἶναι χαρακτηριστικόν ὅτι ὁ σύγχρονος ἄνθρωπος ἔχει διδαχθῆ νά καταναλίσκῃ συχνάκις περισσότερον τῶν ὅσων χρειάζεται καί νά ἀποβλέπῃ ἀπλήστως καί ἀσυνέτως εἰς τό συνεχῶς «κτᾶσθαι» καί «ἀπολαμβάνειν» καί ὄχι εἰς τό ἁρμονικόν «εὖ εἶναι», προσπαθῶν διά τῆς ἀσυναισθήτου εἰς αὐτόν ἀδυναμίας του νά νικήσῃ τήν δύναμιν τοῦ Θεοῦ καί ἐν τῇ ἀ-σοφίᾳ του τήν Σοφίαν τοῦ Θεοῦ, ἥτις «ἐθεμελίωσε τόν οἶκον» (πρβλ. Παροιμ. θ΄ 1), τόν κόσμον μας.

Ἐπί πλέον, λησμονεῖ ὁ σύγχρονος ἄνθρωπος, ὅτι τό ὑπέρτατον ἰδανικόν δι᾿ αὐτόν δέν εἶναι ἡ οἰκονομική ἄνεσις καί ἡ εὐημερία, ἀλλά ἡ ἐλευθερία. Ἡ ἐλευθερία, ἡ ὁποία, ὅταν εἶναι συνυφασμένη μέ τήν λύπην καί τήν δυστυχίαν, δέν εἶναι ἐλευθερία, ἀλλά δουλεία. Ἡ μεγάλη ἀλήθεια τήν ὁποίαν εὐαγγελίζεται καθ᾿ ἡμέραν ὁ Χριστιανισμός εἶναι ὅτι τά πάντα ἀξιολογοῦνται συμφώνως πρός τήν ἀξίαν των, ὄχι ἐκ τοῦ χρώματος ἤ τοῦ σχήματός των, ἀλλά ἀναλόγως πρός τό νόημά των καί κρίνονται ὄχι ὡς πρός τά ἐξωτερικά φαινόμενα, ἀλλά ὡς πρός τήν οὐσίαν.

Ὁ ἄνθρωπος κρίνεται ὄχι ἐκ τῆς ἰδιότητος ἤ τῆς περιουσίας του, ὄχι «κατ᾿ ὄψιν» δηλαδή, ἀλλά «κατά τήν καρδίαν» αὐτοῦ, ἡ ὁποία εἶναι ἡ «δικαία κρίσις». Ταυτίζεται, δηλαδή, μέ τήν ἐσωτερικήν ἐλευθερίαν, τήν ὁποίαν προσφέρει ἡ παραμονή πλησίον τοῦ Θεοῦ.

Συνεπῶς, ἡ Ὀρθόδοξος Ἐκκλησία προτιμᾷ νά λύσῃ τό πρόβλημα τῆς προσωπικῆς εὐθύνης ἑκάστου ἀνθρώπου διά τήν οἰκολογικήν καί τήν οἰκονομικήν κρίσιν, τοποθετοῦσα τοῦτο εἰς τήν σωτηριολογικήν καί πνευματικήν αὐτοῦ διάστασιν. Ἡ συμμετοχή τοῦ ἀνθρώπου εἰς τήν κίνησιν αὐτήν εἶναι μία σιωπηρά καί βιωματική μαρτυρία διά τήν δυνατότητα ἀποκαταστάσεως ἁρμονικῆς σχέσεως μέ τήν φύσιν, προσφέροντος τό παράδειγμα τῆς ζωῆς αὐτοῦ.

 

***

 

Ἐνώπιον τοῦ ὄγκου τῶν ἐπικινδύνων δι᾿ ὅλους τούς ἀνθρώπους ρυπογόνων παραγόντων μία καί μόνη δύναμις εἶναι δυνατόν νά ἀντισταθῇ: Ἡ συνείδησις τοῦ ἀνθρώπου. Ἡ συνείδησις εἶναι ἡ μόνη δύναμις, ἡ ὁποία ἠμπορεῖ νά συγκρατήσῃ τόν ἄνθρωπον ἀπό τῆς διαπράξεως μιᾶς κρυφῆς ρυπογόνου πράξεως ἤ μιᾶς μικρᾶς ἤ μεγάλης καταστροφικῆς τοῦ περιβάλλοντος ἐνεργείας.

Ὁ ρόλος τοῦ Οἰκουμενικοῦ Πατριαρχείου εἶναι νά εὐαισθητοποιήσῃ αὐτήν τήν συνείδησιν. Δέν ἔχομεν τήν δυνατότητα νά λάβωμεν διοικητικά ἤ νομικά μέτρα περιορισμοῦ τῆς βλάβης τοῦ περιβάλλοντος. Δέν ἔχομεν προφανῶς τά ὑλικά μέσα νά ἐπανορθώσωμεν τάς ἤδη γενομένας εἰς τό φυσικόν περιβάλλον βλάβας. Προσπαθοῦμεν λοιπόν νά ἀφυπνίσωμεν τήν συνείδησιν τῶν ἐχόντων τά μέσα καί τόν τρόπον συνανθρώπων μας καί τῶν ἐν ὑπεροχῇ ἐξουσίας ὄντων νά πράξουν ὅ,τι δύνανται, εἴτε μικρόν ἐν τῷ πλαισίῳ τῆς ἀτομικῆς ἐνεργείας εἴτε μέγα ἐν τῷ πλαισίῳ τῆς συλλογικῆς προσπαθείας μιᾶς Κυβερνήσεως ἤ ἄλλου διεθνοῦς καί τοπικοῦ φορέως.

Καί κατακλείομεν τόν λόγον μέ τήν προσευχήν: «στῶμεν καλῶς, στῶμεν μετά φόβου» ἐνώπιον τῆς ἀβεβαιότητος τῆς ὕλης, καί παρακαλοῦμεν τόν Δημιουργόν πάσης τῆς κτίσεως νά ἀνοίξῃ τήν κραταιάν Αὐτοῦ χεῖρα καί νά ἐπισκεφθῇ τόν κόσμον. Τότε, καί μόνον τότε, «τά σύμπαντα πλησθήσονται χρηστότητος» (Ψάλμ. ργ΄ 28). Ἀμήν.

Σᾶς εὐχαριστοῦμεν διά τήν ὑπομονήν καί εὐχόμεθα εἰς ὅλους τόν φωτισμόν τοῦ Θεοῦ διά νά συμβάλῃ ἕκαστος κατά τό μέτρον τῶν δυνατοτήτων αὐτοῦ εἰς τήν ἐπίλυσιν τοῦ ζωτικοῦ τούτου προβλήματος, μέ τήν ἐλπίδα νά ἀνατείλῃ ἕν καλλίτερον καί πλέον εὐοίωνον μέλλον διά τήν ἀνθρωπότητα, διά τάς γενεάς τοῦ αὔριον.

 

 

 

 .


„Das Deine vom Deinigen“
Orthodoxie und Ökologie
Es ist wohl kaum eine Übertreibung von der „Rettung der Erde“ zu sprechen. Die globale Erwärmung der Erde verursacht Überschwemmungen, die große Küstengebiete bedrohen. Man schätzt, dass ca. 10 % aller Tierarten von der Ausrottung bedroht sind. Unwiederbringliche Wälder verschwinden Hektar für Hektar jede Sekunde. Große Ströme erreichen das Meer nicht mehr, weil ihr Wasser umgeleitet wird zur Bewässerung von Feldern, für die Industrie oder zur Bewässerung des Rasens im Vorgarten.

Diese Fakten zeigen uns die Schöpfung als etwas Kostbares und Verletzliches. Aber der sprichwörtliche Mars-Mensch, der in den USA landet, könnte zu dem Schluss kommen, dass die Bodenschätze so unbegrenzt sind, dass sie nicht einmal Respekt verdienen. Ungefähr 50 % des Papiers und 30 % der Plastikmaterialien, die auf Kosten der Umwelt produziert werden, werden nur für Verpackung verbraucht – sie werden produziert um weggeworfen zu werden. Ganze Stadtviertel werden so gebaut, dass das Auto optimal genutzt werden kann. Jeden Tag werden Millionen von Tüten und andere Behältnisse weggeworfen, weil haltbarer und wiederverwendbarer Ersatz unbequemer ist. Nahrungsmittel wie Rindfleisch, das mit immensen Kosten von Futter, Wasser und Energie hergestellt wird, gilt als Grundnahrungsmittel. Wenn es Umweltprobleme gibt, heißt das nur, dass man sein Haus besser isoliert (und damit Heizöl spart) und einigen Abfall in die Recycling-Tonne wirft statt in die Mülltonne.

Müssen wir wirklich die Erde retten – oder nur unsere Abhängigkeit vom importierten Öl verringern?

Für manche bedeutet die Umweltkrise nur eine kleine technische Störung des „Fortschritts“, die bald durch die Riesenernten der gentechnisch manipulierten Pflanzen und durch saubere Energiequellen Überwunden sein wird. Andere sind etwas realistischer und rufen nach einer Änderung des Lebensstils der reichen Länder. Die begrenzten natürlichen Ressourcen und die umweltverschmutzenden Energiequellen werden verschwendet, während die wachsende Bevölkerung der Erde immer noch der Befriedigung der grundlegendsten Bedürfnisse entbehrt. Deshalb ist es nur gerecht, wenn die größten Verbraucher auch die größten Einschnitte hinnehmen müssen.

Immer mehr glauben, dass der Ausweg aus der Krise auch einer geistigen Erneuerung bedarf: nicht bloss eine Änderung der Gewohnheiten, sondern eine Änderung in den Herzen – christlich ausgedrückt, Umkehr - Buße. Leider wird die innige Verbindung zwischen Glaube und Umwelt so wenig verstanden, dass die Kirche für die meisten wohl an letzter Stelle steht, wenn nach geistigen Lösungen gesucht wird. Viel wahrscheinlicher wenden sie sich der Verehrung der Mutter Erde zu oder Eingeborenenreligionen oder der Magie oder der Esoterik. Und doch stellt die Erkenntnis, dass die Welt Erlösung braucht, was eine Änderung in den Herzen nötig macht, eine Herausforderung für die Kirche dar. Sie gibt uns die Gelegenheit zu einer Missionierung, wie sie vielleicht nicht mehr gegeben war, seit der hl. Apostel Paulus den Altar der Athener sah, der „dem unbekannten Gott“ geweiht war.

Im Jahre 1989 hat der heimgegangene Ökumenische Patriarch Dimitrios eine wichtige Initiative ergriffen, als er verlangte, den ersten September zu einem Tag des Dankens und der besonderen Gebete für die Errettung und den Schutz der Schöpfung Gottes zu machen. Das hat so viel Interesse erweckt, dass im November 1991 eine interorthodoxe Konferenz zum Schutz der Umwelt nach Kreta einberufen wurde. Ihre Empfehlungen sprechen von „der wachsenden Belastung der natürlichen Umwelt durch den menschlichen Missbrauch, den die Kirche Sünde nennt und für den sie alle Menschen zu Umkehr und Buße aufruft,“ und fährt fort, dass die Orthodoxe Kirche glaubt, dass „die Lösung im liturgischen, eucharistischen und asketischen Ethos der orthodoxen Überlieferung zu finden ist.“

Eucharistischer Ethos bedeutet vor allem, dass die natürlichen Ressourcen mit Dankbarkeit genutzt und Gott wieder zurückgegeben werden sollen. Solch eine Haltung kann Verschwendung nicht dulden. Ähnlich lassen uns die Fastenpraxis sogar die einfachsten Nahrungsmittel und andere einfache Bequemlichkeiten als Gaben erscheinen, die uns zur Befriedigung unserer Bedürfnisse bereit gestellt werden. Wir dürfen sie nicht missbrauchen oder verschwenden nur weil wir sie bezahlen können.

Wir beten als Gemeinschaft, nicht als Einzelpersonen; also ist ein liturgischer Ethos auch eines des miteinander Teilens. Lange bevor die Erde aus dem Weltraum als Ganzes gesehen werden konnte, wusste die Kirche, dass wir alle zusammen vor Gott stehen und dass uns gemeinsam die Segnungen und Schätze der Erde gehören, die Er den Menschen und allen Geschöpfen geschenkt hat. „Unseren eigenen Reichtum nicht mit den Armen zu teilen bedeutet von den Armen zu stehlen und sie ihrer Lebensgrundlagen zu berauben. Wir besitzen nicht unseren eigenen Reichtum sondern den ihren,“ erinnert uns der Hl. Johannes Chrysostomos.

Dieses Prinzip, angewandt auf die ganze Breite der natürlichen Ressourcen, ist besonders wichtig, weil die natürliche Umwelt von zwei Seiten in die Zange genommen wird:
durch zu großen Verbrauch, Gier und Verschwendung der Reichen
und
durch die dringenden Nöte der Armen, die oft gezwungen sind ihr Land kurzfristig nach Nahrung und Energie auszubeuten.

Gerechte Verteilung heißt nicht nur weniger der endlichen Ressourcen zu verbrauchen. Es schließt auch aus, dass man sich der Bequemlichkeiten und Luxusgüter erfreut, für die andere den versteckten Preis für die Schädigung der Umwelt zahlen müssen, nämlich mit Giften zu leben, die zu ihrer Produktion benötigt werden und die Verschmutzung durch ihren Gebrauch und die Entsorgung.

Ethos der Kirche bedeutet Ehrfurcht vor der Materie – der Welt um uns, anderen Geschöpfen, unserem eigenen Körper. Man kann diese Haltung im Gebet der Kirche kaum Übersehen: wir bekreuzigen uns, wir verehren Ikonen, wir kommunizieren Christus Selbst in der Eucharistie. Aber es scheint recht einfach zu sein das alles mit einer Geringschätzung der Materie im nicht-liturgischen Bereich zu verbinden, sogar in der Kirche: so wird das Wasser gesegnet und dann trinken wir es aus Plastikbechern, die anschließend auf den Müll geworfen werden! Was die Kretakonferenz verlangt ist einfach eine durchgängige Haltung des Respekts in allen unseren Handlungen, die die Welt betreffen. Wir können nicht erwarten, dass wir in unserer Umwelt keine Spuren hinterlassen. Wir können wählen, ob sie unsere Gier und Hässlichkeit – die Berge gebrauchter Verpackung, die verseuchten Flüsse mit ihren toten oder mutierten Fischen, die kahlen erodierten Berghänge – widerspiegelt, oder ob wir sie in einer Weise nutzen, dass das Werk Gottes sich in unserem durch seine Schönheit zeigt. Die Kretakonferenz erkennt an, dass die kirchliche Gemeinschaft die Führung Übernehmen sollte diesen Ethos der Kirche sichtbar zu machen und macht eine Reihe von Vorschlägen:

•   Programme christlicher Umwelterziehung auf allen Ebenen zu initiieren.

•   Gemeinden sollen sich örtlich engagieren: z.B. Recycling-Programme organisieren,
       für Energiesparen in Gebäuden und für weniger autofahren werben.

•   Ausbildungsprogramme organisieren, die die Bandbreite
       von der Theologie bis zu Umweltwissenschaften abdecken,
       um die Kirche bei ihrem weiteren praktischen Engagement
       für die Umwelt und in der Bioethik zu unterstützen.
       Hier sollten sich sowohl Kirchenmitglieder als auch nicht-orthodoxe Experten
       in den wissenschaftlichen und ökologischen Themen engagieren.

•   Die orthodoxe Jugend dazu aufrufen, die Initiative für Umweltprojekte zu ergreifen.

•   Praktische Schritte wie diese sind wesentlich, wenn auch begrenzt.
       Die zu Grunde liegende Botschaft muss deutlich werden:
       „die Kirche sollte ihren eigenen Gläubigen, wie auch der übrigen Welt,
       wieder diese einfache, doch erfüllte Art des Lebens anbieten.
       Die Menschheit braucht um der Umwelt willen eine einfachere Art des Lebens,
       ein erneuertes asketisches Denken.“


Die Autorin, Dr. Elizabeth Theokritoff, ist orthodoxe Theologin und Schriftstellerin aus England. Sie war Schriftführerin der orthodoxen Bruderschaft von St. Alban und St. Sergius. übers.: G. Wolf
.


In der all-orthodoxen "BOTSCHAFT der VORSTEHER der HEILIGEN ORTHODOXEN KIRCHEN" vom 15. März 1992 werden die Gläubigen der Orthodoxie in aller Welt aufgerufen, den 1. September eines jeden Jahres, den Tag des Anfangs des Kirchenjahres dem Gebet und dem Flehen für die Rettung der Schöpfung Gottes und dem Erreichen jener Haltung zur Natur zu widmen, welche die Göttliche Eucharistie und die asketische Tradition der Kirche gebieten.

Bereits 1990 hatte der höchstgeweihte NIKODEMOS, Metropolit von Patras entsprechende Texte für die Gebetsordnung entworfen, die wir in der Folge in Ausschnitten widergeben:


Welch staunengebietendes Wunder,
der Weisheit Gottes überwältigend schönes Kunstwerk,
die sichtbare Schöpfung,
die mitteilt die Herrlichkeit des allmächtigen Schöpfers des Himmels und der Erde,
der alles Sichtbare und Unsichtbare durch Sein Wort vollbrachte.
Herr, wie sind Deine Werke so gross,
rufen wir Gläubigen und verherrlichen Dich,
Anfangloser !

Wie schön sind deine wunderbaren Werke,
Christos, Logos des Vaters und wirkende Weisheit,
ewig von Anfang an.
Das Weltall ist durch Dich,
durch allmächtige Anordnung geworden.
Alle Erdgeborenen sind erfüllt von Deinen Gaben.
Herr, wie sind Deine Werke so gross,
rufen wir ehrfürchtig und preisen Deine Macht !

In dem durch Deine göttliche Unterweisung gelernten Gebet ,
lasst uns täglich dem Schöpfer zurufen:
Vater unser,
der Du im Himmel wohnst,
gib uns das tägliche Brot.
Heile unsere Fehler,
gib uns Weisheit und Besonnenheit,
nur das Nötige zu nehmen,
mit diesem Geschenk uns zu begnügen
und nicht zu übertreten
die Grenzen der von Dir geschaffenen Natur.



 

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Idiomela zur Liti am 1. September aus der

"Ordnung des Bittgottesdienstes
zu unserem menschenliebenden Gott und Retter
Jesus Christus
für unsere Umwelt
und den Wohlbestand der ganzen Schöpfung"

von
Vater GERASIMOS (Mikrayannanitis)
Mönch vom Heiligen Berge Athos
im Dezember 1991

 

Der Du im Anfang das Weltall geschaffen
und einem jeglichen die entsprechende Ordnung gesetzt,
verachte nicht die Werke Deiner Hände,
sondern schau mit barmherzigen Augen vom Himmel,
Herr,
nach diesem Weinberg
und bereit’ ihn nach Deinem Willen,
wend’ ab von ihm jeglichen schädlichen Gedanken und jeden Zerstörer,
denn Du bist unser Hirte und Retter und Heiland, und von Dir empfangen wir
die Hilfe in Erbarmen und Mitleid
und preisen Dich, o Herrscher.

Der Du den Ort der Erde umschanztest,
Herr,
und ihn auch mit Schutz umkleidet hast,
rette, Herrscher, vor Schaden und Zerstörung seinen Bestand,
denn Du bist der Stärke Hort und Quell’ des Lebens,
und auf Deinen Wink, Herr, dient und fügt sich alles Dir gehorsam,
daher zeig’ uns Dein Erbarmen,
wend’ ab von uns jegliches Unheil
und rette unsere Seelen,
Du Menschenliebender.

Nimm die Geißeln hinweg und Untergang,
die drohend über uns schweben
wegen unserer vielen Vergehen,
Herr,
denn gesündigt haben wir,
gefehlt und uns von Dir entfernt,
dem Widerwärtigen haben wir uns verschworen und zugesellt;
aber rett’ uns,
Herr,
vor kommenden Gefahren,
und der Erde Bestand behüt’
ohn’ Schad’, lass’ gleichmäßig die Winde wehen
und stetig die Wasserwellen fließen
zu unsrer Pfleg’ und Rettung,
Menschenliebender.

Ehre ...

Doxastikon:

Der Du der Erden Kreis erfüllst
und ihren Grund befestigst nach des Propheten Wort,
nimm an von uns,
o Herr,
die flehentlichen Bitten
als unser Pfleger, Fürsorg und Heiland;
denn wir sind Dein Volk
und Schafe Deiner Weide,
und aus den erwarteten Gefahren wirst Du uns erretten
durch Dein unendliches Erbarmen;
nun, Herr,
zermalm’ uns nicht,
lass’ Deine Güte siegen
über die Menge unserer Vergehen,
damit wir alle rühmen
Deines Erbarmens Meer.

Jetzt ...

Theotokion:

Vor allen Gefahren
Deine Herd’ behüt’,
gepriesene Gottesgebärerin,
auf dass wir rühmen
die Hoffnung unsrer Seelen.

Idiomela zur Liti am 1. September nach der "Ordnung des Bittgottesdienstes zu unserem menschenliebenden Gott und Retter Jesus Christus für unsere Umwelt und den Wohlbestand der ganzen Schöpfung" von Vater GERASIMOS (Mikrayannanitis), Mönch vom Heiligen Berge Athos, † im Dezember 1991.


Zum downloaden stellt die Gebetstexte dankenswerterweise der St.-Andreas-Bote der Münchner Gemeinde des Bayrischen Vikariates der Metropolie von Deutschland und Exarchats von Zentraleuropa des Oekumenischen Patriarchats (Konstantinopel) zur Verfügung:

download des vollständigen Gebetstextes

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Prof. Dr. Georgios I. MANTZARIDIS - Professor an den Universitäten THESSALONIKI und MÜNCHEN

Die ÖKOLOGISCHE KRISE

Dankenswerterweise wurde dieser hochaktuelle und trotzdem voll aus den originären Urquellen der orthodoxen Tradition schöpfende Beitrag dem Andreas-Boten (München) vom Autor zur Verfügung gestellt. Basierend auf der griechischen Ausgabe des Buches von Professor Mantzaridis "Christliche Ethik" ist der Inhalt Teil der Vorlesung "Grundlinien christlicher Ethik", die er im Sommer-Semester 1997 an der Ludwig-Maximilian-Universität in München gehalten hat.

Die ökologische Krise spiegelt die innere Krise des Menschen wieder, der alles tut, um die Vollkommenheit als Person zu erreichen, aber daran scheitert. Dieses Scheitern ist nicht zufällig, sondern entspringt seiner falschen Auffassung über das, was seine Vollendung als Person ist. Die Person (Hypostase) wird nicht durch die Konfrontation mit dem "was nicht Ich ist" zur Vollendung geführt, sondern vielmehr durch die Einheit mit allem "ad intra". So ist die wirkliche Vollkommenheit für den Menschen sein gnadenhaftes ähnlichwerden mit der vollkommenen Person, Gott, der "das ganze Sein in sich faßt".

Im Hintergrund der ökologischen Krise steht das Verlangen des Menschen, mit allen Mitteln die Vollkommenheit zu erlangen, ohne jedoch den Willen Gottes zu berücksichtigen oder persönliche Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Die Geschichte von der Ursünde im Alten Testament stellt diese Wahrheit deutlich dar. Der Mensch, das göttliche Gebot verachtend, ißt vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und spürt seine Nacktheit. Im folgenden übernimmt er nicht etwa die Verantwortung für sein Tun, sondern wälzt diese ab: "Die Frau die du mir beigegeben hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und ich aß", oder "die Schlange hat mich verführt" . Adam distanziert sich von Gott und seinem Nächsten und schiebt ihm die Schuld für seine Taten zu, Eva wiederum beschuldigt die Schlange.

Ein jeder von uns wiederholt die Ursünde durch sein egozentrisches Tun und die Weigerung, Verantwortung für das in der Welt angehäufte Böse zu übernehmen. Indem wir unser Selbst allem "was nicht Ich ist" gegenüberstellen, werden wir unfähig, den Nächsten und die Umwelt zu lieben. Diese Sünde bildet die Grundursache und die zentrale Achse der ökologischen Krise.

Die ökologische Krise ist kein selbständiges Phänomen, sondern verbindet sich unmittelbar mit dem persönlichen und gesellschaftlichen Leben des Menschen. Sie offenbart die Krise seiner Gesinnung und seiner Moral, seiner Wissenschaft und seiner Technologie, seiner Wirtschaft, seiner Politik, seines Rechtes und seiner Religion. Sie ist der äußere Ausdruck der inneren Krise des Menschen, wie auch aller seiner Taten und Handlungen. Die ökologische Krise kann als Metastase der geistigen und moralischen Krise vom Menschen zur Schöpfung, vom Mikrokosmos zum Makrokosmos charakterisiert werden.

Der Mensch, als eine "große Welt im kleinen" , umfaßt die ganze Schöpfung in seiner natürlichen Konsistenz. Gleichzeitig ist er berufen, als ein Geschöpf "nach dem Bild und der ähnlichkeit Gottes" , die ganze Schöpfung durch sich selbst dem Schöpfer darzubringen. Er ist berufen, das Geschaffene mit dem Ungeschaffenem zu verbinden .

Das Geschaffene ist seiner Natur nach wandelbar; die erste Wandlung ist seine eigene Entstehung. Es ist also unvermeidlich, daß sich das Geschaffene immer entweder auf dem Wege zum schlechteren oder zum besseren befindet. Das einzige Geschöpf aber, das die Richtung dieser Wandlung letztendlich entscheiden kann, ist der sich selbst bestimmende Mensch . Sein Gang führt zur Entwicklung und Vollendung, aber auch zu Dekadenz und Verderbnis.

Kriterium, von dem die Richtung dieser Wandlung des Menschen und der ganzen Natur von Anfang an abhing, ist die Beziehung des Menschen zur Welt. Diese Beziehung wird durch die Fähigkeit zu verzichten kontrolliert. Deswegen wird das Fasten in der orthodoxen Tradition als ein "Lebensgebot von gleichem Alter wie die menschliche Natur" bezeichnet . Das Gebot Gottes für den Menschen war: "Von Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon ißt, wirst du sterben" . Die vernünftige Benutzung der Schöpfung ist also mit dem Fasten verbunden. Das Fasten, das das Wissen um die Abhängigkeit von Außen aktualisiert, ist zugleich Ausdruck des Gehorsams und bedeutet, daß der Mensch bereit ist, Gott ähnlich zu werden, indem er seine eigene Geschaffenheit anerkennt; indem er auch akzeptiert, daß ihm "das Sein verliehen ward" . Dagegen drückt die unvernünftige Benutzung der Schöpfung Ungehorsam aus und leugnet die Tatsache der Geschaffenheit des Menschen. Dies führte den Menschen zur Entfremdung von Gott.

Die ökologische Krise ist auf die Entfremdung des geschaffenen Menschen vom ungeschaffenen Gott zurückzuführen; auf die Trennung nämlich der Seienden von dem wirklichen Sein und damit der Quelle des Lebens. Daraus entspringt außerdem jede menschliche Krise und alles Böse. Wie Basileios der Große schreibt, "das ist das Böse: die Entfremdung von Gott" . Diese Entfremdung führt den Menschen zum Gegensatz zur Welt und zu sich selbst.

Alle Geschöpfe, zusammen mit dem Menschen, sind Werke des göttlichen Willens. Alle Geschöpfe, außer dem Menschen, sind absolut dem Willen Gottes unterworfen, da sie sein Wort vollbringen . Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das den Willen Gottes zu übertreten vermag und sich unabhängig von Ihm bewegen kann. Da er aber selbst aus dem göttlichen Willen hervorging, bereitet bereits das übertreten desselben eine Krise in seiner Hypostase; es verfälscht und vernichtet sie. "Ich bin im Schlamm der Sünden verstrickt und meine Hypostase ist verloren", schreibt ein Hymnendichter der Kirche . Darin besteht auch die Identitätskrise des Menschen.

Der Mensch existiert und agiert als Mensch nur in Zusammenhang mit und in Bezug auf seinen Schöpfer. Seine Hypostase bekommt Sinn und Inhalt, wenn sie sein Urbild annimmt und ausdrückt, wenn sie mit dem göttlichen Willen in Einklang kommt. Die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der harmonischen Beziehung des Menschen zu sich selbst, seinem Nächsten und der Welt kann deswegen nur im Rahmen seiner harmonischen Beziehungen zu Gott, der die Liebe ist, verstanden werden.
Diese These scheint vielleicht sehr theoretisch oder gar utopisch. Das hat seinen Grund darin, daß die rechte Sicht des Menschen und der Natur verloren gegangen ist. Wenn die Natur und der Mensch jeweils für sich betrachtet werden, ohne jede Verbindung oder Bezug zu der Ursache ihrer Existenz, so scheint folglich auch die Zurückführung des Bösen auf sein wahres Prinzip merkwürdig oder unangemessen. Wenn nun aber der Mensch und die Natur in Verbindung und in Bezug zu Gott betrachtet werden, bekommen die Dinge wieder ihre wirklichen Dimensionen. In diesem Fall erhalten selbst die für die Sinne unangenehmen und schmerzlichen Erfahrungen einen positiven Charakter und dienen der Realisierung des menschlichen Ziels.

Die ökologische Krise als anthropologische Konsequenz kann nur durch den Menschen und im Menschen selbst angemessen angegangen werden. Ohne eine Veränderung des Menschen kann keine Veränderung in der Entwicklung der Ökologie stattfinden. Wenn der Mensch die ökologische Krise nicht in Verbindung mit seiner geistlichen und moralischen Krise sieht, Übersieht er ihre wahren Dimensionen und bleibt unfähig, ihren eigentlichen Sinn zu erfassen. In diesem Fall erweisen sich auch die Maßnahmen, die er für den Umweltschutz ergreift, gleich wie nützlich sie auch erscheinen mögen, als oberflächlich oder sogar als verlogen, weil sie die Wurzel der Krise nicht treffen.

Hier muß sich die Stimme der Kirche erheben. Ziel der Kirche ist natürlich nicht, mit den staatlichen Verwaltungen in Konkurrenz zu treten oder deren Leistungen zu ergänzen, und das noch mit den geringen Möglichkeiten und den wenigen Mitteln über die sie verfügt. Die Kirche besteht nicht, um dem Staat zu dienen, sondern den Menschen das zu bieten, was weder der Staat noch irgend eine andere weltliche Einrichtung zu bieten vermögen. Nur dann versucht die Kirche sich mit weltlichen und kalkulierbaren Leistungen zu messen, wenn sie ihr Selbstbewußtsein verliert oder wenn sie an die Bedeutung ihrer Mission nicht mehr glaubt. Ziel der Kirche ist die Erneuerung der Schöpfung, die Sünde und Tod besiegt; eine Erneuerung nämlich, die Verheißung ist, und die doch schon im täglichen Leben anwesend bleibt. Es ist eine Erneuerung, die den Menschen geistig regeneriert und sein Ethos und sein Verhalten gegenüber der Welt und den Dingen der Welt verwandelt. Eine Erneuerung, die eine andere Lebensqualität bewirkt.

Der Mensch findet mit dem Glauben an Gott und der Erfüllung Seiner Gebote sein wahres Sein und seine rechte Beziehung zu seinem Nächsten und der Welt. Er nimmt an der Liebe Gottes teil und achtet darauf, daß er keinesfalls seinem Nächsten schadet oder die Dinge der Welt schlecht anwendet. Es ist bemerkenswert, daß die Kirche zu einer Zeit, als keine Rede von ökologischer Krise oder ökologischen Problemen war, das gute Gewissen des Menschen in unmittelbarer Verbindung zur Umwelt sah. So schreibt der hl. Dorotheos über die Position des Gläubigen gegenüber den Dingen folgendes: "Richtiges Gewissen des Menschen gegenüber den Dingen bedeutet, daß er keinen Mißbrauch von diesen macht, er nichts von diesen zerstört oder wegwirft. Auch dann, wenn er sieht, daß etwas von diesen Dingen weggeworfen wurde, übersieht er es nicht, selbst wenn es unbedeutend ist, sondern bringt es wieder an seinen Ort" . Und der hl. Isaak der Syrer schreibt: "Ein barmherziges Herz bedeutet ein Herz, das für die ganze Schöpfung brennt, das heißt für Menschen und Vögel, für Tiere und Dämonen und für ein jedes Geschöpf" .

Die Bekämpfung der ökologischen Krise darf nicht als eine allgemeine und abstrakte Angelegenheit betrachtet werden. Es ist nicht etwas, was auf eine unbestimmte Art die Menschheit oder die Menschen betrifft, sondern jeden einzelnen, aber auch alle zusammen. Wenn wir uns unserer persönlichen Verantwortung für die Krise, die in uns selbst und um uns herum stattfindet, nicht bewußt werden, dann können wir der ökologischen Krise auch nicht richtig gegenübertreten. Dieses Bewußtwerden ist eine Frage, die nicht nur die persönliche Sensibilität, sondern auch die soziale Erziehung betrifft. Um so mehr betrifft sie die Erziehung, für die die Kirche zuständig ist. Es ist eine Frage der Metanoia, der Umkehr des Menschen zu seiner richtigen Beziehung zu Gott, der Welt und den Dingen der Welt. Wenn diese Erziehung entgleist ist, wie heute oft der Fall, dann wird auch die Sensibilität der Personen abgestumpft.
In einem Hymnus der Orthodoxen Kirche heißt es: "Ich bin Gift für die Luft, die Erde und das Wasser geworden" (13a). Die Vergiftung der Umwelt spiegelt die innere Vergiftung des Menschen wieder. Und diese Vergiftung beginnt beim Geist des Menschen. Er ist es, der zuerst mit leidenschaftlichen Sinngehalten vergiftet wird; deswegen wird der Geist des Menschen als "erstleidend" bezeichnet (14). Diese leidenschaftliche Sinngehalte, die aus Sinngehalten und Leidenschaften zusammengesetzten Gedanken (15), nämlich die Obsession der Gier und Selbstsucht, führen zum Mißbrauch der Welt und ihrer Dinge. Ohne Reinigung des Geistes von diesen leidenschaftlichen Sinngehalten kann keine rechte Beziehung des Menschen zur Welt und ihren Dingen in Gang kommen. Wenn das übel nicht im Geist des Menschen angegangen wird, kann es keine wirkliche und zukunftsfähige Hilfe geben. Alle anderen Bemühungen, so sehr sie auch nützlich oder praktisch scheinen, sind in der Tat äußerlich und oberflächlich, weil sie die Wurzel des übels, das heißt die schlechte Beziehung des Menschen zur Welt und den Dingen der Welt nicht erreichen.

Wichtig ist auch eine vermehrte Aufnahme der ökologischen Krise in alle menschlichen Handlungsbereiche: in die Wissenschaft, in die Kunst, in die Wirtschaft, in die Politik usw. Weil diese Krise keine bestimmten Länder oder Gebiete der Erde betrifft, sondern die gesamte, ist eine internationale Zusammenarbeit und Koordinierung der Bemühungen erforderlich. Die Wiederherstellung einer Balance zum friedlichen Zusammenleben der Menschen, die Förderung guter Beziehungen in Wirtschaft und ökologie, die Vermeidung von Verschwendung bei der Nutzung von Energie, die Kontrolle der unbesonnenen Entwicklung der Technik - besonders der Biotechnik, die unvorhersehbare Folgen haben kann -, die Ergreifung von Maßnahmen zur Begrenzung der Umweltverschmutzung, der Tier- und Pflanzenschutz und anderer ähnlicher Themen bedürfen institutioneller Regelungen auf nationaler und internationaler Ebene.

Die Bemühungen, die bis heute gemacht wurden, haben keine befriedigenden Ergebnisse erbracht. Und das ist nicht paradox, denn die Ursache des übels befindet sich hier nicht in den verschiedenen Aktionsgebieten des Menschen. Sie befindet sich weder in der Wissenschaft oder Technik, noch in der Wirtschaft - mögen noch so viele sie als Umweltzerstörer ansehen - auch nicht in der Politik, hat diese sich wegen auch noch so vieler Fehler oder Versäumnisse zu verantworten. Die Ursache des Übels befindet sich auch hier im menschlichen Geist, der dies alles lenkt. Und dieser Geist wird durch die eindimensionale Ideologie der Wirtschaftsentwicklung geprägt, die mit religiöser Demut auf allen Längen und Breiten der Erde, im Osten und im Westen, in Ländern des Sozialismus’ und des Kapitalismus’, in den sogenannten Industriestaaten und der Dritten Welt angenommen und kultiviert wurde.

Diese Ideologie hatte vernichtende Folgen für den Menschen und die Welt. Die Entwicklung der Wirtschaft, die mit der Entwicklung im allgemeinen identifiziert wurde, schwang sich in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts zu einem universalen Ideal hinauf, an das alle Mensch als Ziel ihres Lebens glaubten und es vertraten. Der Glaube an eine eindimensionale Entwicklung, der zu einem großen Teil den religiösen Glauben ersetzte, erzeugte ein falsches Gefühl der Hoffnung, daß alle Probleme des Menschen endgültig lösbar seien und schuf dementsprechend eine eindimensionale Entwicklungsethik. Diese Ethik behielt die Oberhand, weil sie messianischen Charakter annahm, und als Antiethik funktionierte für die je nach Ort unterschiedlichen Ethiken der Völker.

Diese Ethik der eindimensionalen Entwicklung, frei von jeder Religions-, Gefühls-, Traditions-, oder auch Wertegrundlage, schaffte es, die Menschen auf der Ebene der wirtschaftlichen Zielsetzung zu verbinden. Dies ist das niedrigst mögliche Niveau auf das die Menschen fallen können, einer vom anderen getrennt bleibend. All die tiefsten Schichten des menschlichen Gewissens zur Seite schiebend und uninteressiert für sein kollektives Selbstbewußtsein und seine soziale Tradition, setzt sie alles auf die Ebene der Zweckrationalität, mit der die Wirtschaft funktioniert. Im Rahmen einer solchen Ethik zeigt es sich, daß zu Gunsten des Gewinns alles, was auch immer, geschehen kann. Das führt wiederum dementsprechend zur Reduzierung des Menschen auf wirtschaftliche Dimensionen und zu seiner ethischen und geistlichen Verstümmelung. Wert hat nur, was finanziellen Charakter hat und zählbar ist. Und man bemüht sich sogar, auch die natürlichen Schönheiten in zählbare finanzielle Werte zu übersetzen. Das paradoxe daran ist, daß diese Haltung selbst zum Schutz der Umwelt vertreten wird. Das Ideal der Entwicklung der Wirtschaft ist auch in sich selbst aus vielen Aspekten betrügerisch. Das heißt natürlich nicht, daß die vielen Vorzüge die sie für ein komfortables und freieres Leben bietet, in Frage gestellt werden müssen. Diese Vorzüge allerdings haben auch ernste Nebenwirkungen, die in naher Zukunft sich als katastrophal herausstellen können. Heute sucht der Mensch ausschließlich Leichtigkeit, Bequemlichkeit und Genuß, während er gleichzeitig den Wert der Anstrengung, der Geduld und des Opfers, jene Voraussetzungen für seine ethische und geistliche Entwicklung, vergißt. Diese Lebensart birgt die Verschmutzung seines Geistes und die Vergrößerung seiner leidenschaftlichen Sinngehalte und Gefühle.

Vor etwa zwanzig Jahren fand in Moskau ein wissenschaftlicher Kongreß über die Gründe der ökologischen Krise statt, bei dem auch der hochgeehrte Kapitsa anwesend war. Während der Dauer des Kongresses blieb er schweigsam. Als dann der Kongreß sich dem Ende zu neigte und der Vorsitzende sich zu einer Zusammenfassung anschickte, ersuchte Kapitsa um das Wort und sagte: "Sehr geehrter Vorsitzende, sehr viele interessante Dinge über verschiedene Ursachen der ökologischen Krise konnten wir während dieser Tage hören, doch wir hörten gar nichts über deren wahre Ursache." Und auf die Frage des Vorsitzenden, welche diese denn sei, antwortete er: "Der Geist des Menschen."

Wenn wir uns nicht darum sorgen, unseren Geist von den andauern anwachsenden Verschmutzungen durch leidenschaftliche Sinngehalte zu reinigen, können wir unsere Umwelt nicht sauber machen. Wie kann jedoch diese Reinigung des Geistes von den leidenschaftlichen Sinngehalten und Phantasien realisiert werden?

Der hl. Maximos der Bekenner bemerkt: Es gibt das Ding, den Sinngehalt und die Leidenschaft. Das Ding ist z.B. der Mann, die Frau, das Gold usw. Der Sinngehalt ist die einfache Erinnerung an eines von diesen. Die Leidenschaft ist die unüberlegte Liebe oder der urteilslose Haß zu einem davon. Der leidenschaftliche Sinngehalt ist schließlich der Sinngehalt, der aus Leidenschaft und Sinngehalt zusammengesetzt wird. Wenn die Leidenschaft vom Sinngehalt getrennt wird, bleibt der einfache Sinngehalt übrig (16).
Die Voraussetzungen für die richtige Einstellung des Menschen zur Welt ist also die Reinigung des Geistes und der Sinngehalte des Menschen von den Leidenschaften. Sie ist nämlich die Wiederherstellung des reinen Geistes und der reinen Sinngehalte. Je mehr der Mensch seinen Geist und seine Sinngehalte von Leidenschaften trennt, desto richtiger verhält er sich selbst zur Welt und ihren Dingen. Um es zu schaffen, braucht man Askese und selbstlose Liebe, die die ganze Schöpfung umarmt. Man braucht auch eine dem asketischen Geist und der wahren Liebe gemäße Erziehung. Dies ereignet sich sowohl auf persönlicher als auch auf kollektiver Ebene. Um dies zu verwirklichen, bedarf es der Askese und der Liebe gegenüber den Dingen, die die ganze Schöpfung umarmt. Es bedarf auch einer Erziehung, in übereinstimmung mit dem Geist der Kirche, die Verantwortung und Sozialgefühl kultiviert.

Heutzutage ist unsere Stellung gegenüber der Umwelt eindeutig schizophren. Auf der einen Seite sehen wir die Gefahren und ergreifen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt, während wir auf der anderen die Augen verschließen und die positiven Maßnahmen, die unternommen werden so untergraben. Das Interesse an der Umwelt ist nicht nur mit der Sorge um die essentielle Reinheit und die wahre Liebe verbunden, sondern geht auch mit der systematischen Bemühung um eine Infektion des menschlichen Geistes mit leidenschaftlichen Sinngehalten und Phantasien einher. Das Hauptziel des Interesses, das international hervorgerufen wird, ist der finanzielle Gewinn. Für seine Verfolgung werden die Begriffe der Personen und der Dinge, also die Sinngehalte der Menschen, mit verschiedenen Leidenschaften und Phantasien verbunden. Es reicht, an die tagtägliche Werbung zu denken.

Ihr Ziel ist nämlich nicht, die Dinge bekannt zu machen oder ihre Nützlichkeit aufzuzeigen, sondern ihre Sinngehalte mit irrationalen und urteilslosen Sehnsüchten, die die Menschen reizen, zu verbinden, um ihn zum Konsum zu verführen. Selbst da, wo der Schutz des Staates eingreift, bleibt die Vergiftung der Sinngehalte unvermindert. Das sieht man zum Beispiel bei der Zigarettenwerbung; Dort, wo ausdrücklich steht, "Rauchen gefährdet die Gesundheit", sieht man freundliche und kerngesunde Personen, die in einer angenehmen Umgebung Zigaretten rauchen. So wird die Schönheit, die Sorglosigkeit, die Gesundheit, die freundliche Umgebung mit der Leidenschaft des Rauchens verbunden.

Es ist nicht möglich eine saubere Umwelt zu haben, wenn wir unseren Geist und unsere Phantasie dem vielgestaltigen Schmutz aussetzen. Es ist Heuchelei, wenn wir unsere Umwelt vor dem Müll schützen und unseren Geist unter einem Haufen Unrat begraben. Wir glauben, wir seien Praktiker, wenn wir das tun was sichtbar ist, und Utopisten, was nicht sichtbar ist. Dies ist ein großer Fehler. Das Christentum ist nicht utopistisch, sondern praktisch. Es schwebt nicht in der Luft, sondern wird selbst die reine Luft, der Geist, der weht und der das Leben und unsere Atmung möglich macht. Deshalb müssen wir die vielseitigen und vergiftenden Handlungen, die rings um uns vorgenommen werden, mißbilligen. Es ist nötig, daß wir uns der Vergiftung unserer Gesellschaft im Namen der Information mit unserem eigenen Beitrag widersetzen. Es ist Zeit den Kanälen der verdorbenen Angebote die Schätze der christlichen Tradition entgegenzustellen.

Die Zeit bleibt nicht stehen. Wenn der Mensch nicht schnellstens mithilft, seinen Verstand und seine Sinngehalte zu reinigen, wenn er nicht Selbstenthaltung und wahre Liebe gelehrt wird, wenn er nicht in die rechte Beziehung geführt wird, mit der Welt und ihren Dingen, die richtige Beziehung zu Gott aufzubauen, kann es keine grundlegende Veränderung in der ökologischen Frage geben. Damit dieses jedoch geschieht, müssen wir die Wahrheit, die uns die Kirche darbringt, nutzen, und auf sie unser persönliches und soziales Leben stützen.

hier aus:
St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217;
gerhard.wolf@t-online.de
 



15. August (28.8.)

KOIMISIS tis IPERAGIAS, ENDOXOU, DESPINIS IMON, THEOTOKOU kai AEIPARTHENOU MARIAS (gr.)
USPENIJE PRESW. BOGORODIZ. (slaw.)
ADORMIREA MAICII DOMNULUI (rum.)

ENTSCHLAFEN
der
ALLHEILIGEN GOTTESGEBÄRERIN

Im Gebären
hast du die Jungfräulichkeit bewahrt,

im Entschlafen
die Welt nicht verlassen,

o Gottesgebärerin.

Du bist hinübergegangen zum Leben
die du bist des Lebens Mutter
und durch deine Fürbitten
erlösest du vom Tode unsere Seelen.




Festtagsikone, Syrien-Libanon, Kloster Balamand, Schule v.Aleppo, 18.Jhdt

 

Gedanken zum Fest ...
Ikone und Gebete zum Fest ...
Erzählung zum Fest ...

Dieses Hochfest der Gottesmutter ist für uns Gläubige ein Fest der Überwindung des Todes im Herrn:
Der Tod ist nach seinem Besiegtwerden durch Christus in der Auferstehung nicht einfach aufgehoben.
Er gehört vielmehr als Abschluss des irdischen Lebens zur irdischen Wirklichkeitserfahrung der Gläubigen.
Aber er hat nicht mehr das letzte Wort, sondern ist zum Mittel der Vollendung geworden - in der Hand dessen, der über Leben und Tod herrscht.

Die in Fürbitten unermüdliche Gottesgebärerin
und in der Fürsprache unerschütterliche Hoffnung
haben Grab und Tod nicht überwältigt;
denn
als die Mutter des Lebens
hat sie zum Leben hinübergeführt,
Er,
der einst in ihrem jungfräulichen Schoße Wohnung nahm.


Das letzte Hochfest des Kirchenjahres wurde zwischen 588 und 602 im byzantinischen Reich allgemein verbreitet. Es ist das Kirchweihfest der bis heute erhaltenen unterirdischen Kirche im Tal Josaphat in Jerusalem.

Das "Grabtuch" mit der Darstellung der Gottesmutter wird von der Mitte der Kirche nach einer Prozession rund um die Kirche in den Altar gebracht. Viele jetzt blühende Sommerblumen schmücken die Kirche. Es ist vielerorts in der Orthodoxie ein Volksfest des Jubels und der Lebensfreude. Denn wirklich freuen kann man sich erst, wenn man selbst dem Tod mit dem Bewusstsein begegnen kann, dass er nicht mehr das letzte Wort hat.

Tausende Gläubige sind auch 2003 wieder zum Festtag des Batschkovo-Klosters gekommen.
(Pressefoto Vasko Hadzhiivanov von der bulgarischen Zeitung STANDART )

Tausende verbrachten die Nacht vor dem Festtag auf den Wiesen rund um das Kloster und füllten die Kirche und den Hof des Klosters zur Liturgie des Festtags. Trotz seiner angegriffenen Gesundheit zelebrierte Vater Igumen NAUM die Göttliche Liturgie und verteilte danach tausende kleine Ikonen der Gottesmutter an die Gläubigen.

Grosse Freude nehmen die Menschen von diesem Festtag des Klosters mit in ihr Alltagsleben. Denn wirklich freuen kann man sich erst, wenn man selbst dem Tod mit dem Bewusstsein begegnen kann, dass er nicht mehr das letzte Wort hat.

Das "Grabtuch" mit der Darstellung der Gottesmutter wird von der Mitte der Kirche nach einer Prozession rund um die Kirche in den Altar gebracht. Viele jetzt blühende Sommerblumen schmücken die Kirche. Es ist vielerorts in der Orthodoxie ein Volksfest des Jubels und der Lebensfreude wie hier im Batschkovo-Kloster in Bulgarien.  

Bilder vom BATSCHKOVO-Kloster       Information BATSCHKOVO-Kloster       BATSCHKOVO-Kloster

Festtags im Batschkovo-Kloster, Bulgarien

In den Kalendern der orthodoxen Christenheit trägt das Fest nicht den Namen "Himmelfahrt" wie in der lateinischen Kirche.
Diese Bezeichnung ist ja auch sehr missverständlich.
Nicht vergleichbar ist das Geschehen um die Gottesmutter mit der Himmelfahrt Christi, des Gottessohnes.


Der Glaube an das Entschlafen der Gottesmutter  - die Beendigung des irdischen Lebens und die Aufnahme in das ewige Leben -   beruht nicht auf einer biblischen Erzählung oder auf einem historischen Zeugnis, das wissenschaftlich nachprüfbar wäre.


Die Orthodoxie hat es nie dogmatisch formuliert.
Die Kirche hat keine Notwendigkeit gesehen, auf dem Glauben an die leibliche Aufnahme des Leibes der Gottesmutters zu bestehen.


Aber auch wenn die Kirche nicht auf einer solchen (inneren oder äußeren) Bekräftigung besteht, so kann man doch sagen, dass das orthodoxe Gewissen eine tatsächliche Verneinung der leiblichen Aufnahme in den Himmel nicht nur als leichtsinnig sondern als eine Gotteslästerung ansehen würde:


Wie kann man auch eine Tatsache leugnen, die über jeder historischen Verifizierung steht ?

Glaube beruht nicht auf dokumentierten Beweisen.
Gläubiges Denken, erleuchtet vom Heiligen Geist, wurde Schritt für Schritt davon überzeugt, dass, wenn "der Lohn der Sünde der Tod" ist,  
Maria einen besonderen Sieg über den Tod verdient hat
.

Die Verherrlichung der allreinen und allheiligen Gottesmutter in Seele und Leib   - und nicht der eine oder andere Symbolismus oder die historischen Umstände -   sind der eigentliche Gegenstand des Festes.  


Es ist nicht nur das Fest der Gottesmutter,  sondern der ganzen menschlichen Natur
.

Denn in Maria hat die menschliche Natur ihr Ziel erreicht.


Dieses Hochfest der Gottesmutter ist für uns Gläubige ein Fest der Überwindung des Todes:

Der Tod ist nach seinem Besiegtwerden durch Christus in der Auferstehung nicht einfach aufgehoben.
Er gehört vielmehr als Abschluss des irdischen Lebens zur irdischen Wirklichkeitserfahrung der Gläubigen
.

Grosse Freude nehmen die Menschen von diesem Festtag in den vielen Klöstern   - die dem Entschlafen der Gottesmutter besonders gedenken -   mit in ihr Alltagsleben.

Denn wirklich freuen kann man sich erst, wenn man selbst dem Tod mit dem Bewusstsein begegnen kann, dass er nicht mehr das letzte Wort hat.


Er hat nicht mehr das letzte Wort, sondern ist zum Mittel der Vollendung geworden - in der Hand dessen, der über Leben und Tod herrscht
.


 



Die Tradition dieses Festes schöpft aus einem apokryphen Evangelium
Transitus Mariae Kap. 6-17
ausführlich

Dort wird folgendes erzählt: Kurz vor dem Entschlafen der Gottesmutter sind die in alle Welt zerstreuten Apostel auf wunderbare Weise an das Sterbebett gebracht worden, so dass sie noch mit der Mutter des Herrn wachen und beten konnten.
Auch für uns wichtig ist, dass auch die allheilige Gottesmutter in ihrer Todesnot der Fürbitte ihrer Brüder im Glauben bedürftig war, wie sie dies in dieser Erzählung ausdrückt: "Der Herr hat euch hierher geführt, um mich zu trösten in den Ängsten, welche mich bedrängen müssen. Ich bitte euch, dass ihr alle, ohne zu erschlaffen, mit mir wachen möget bis zur Stunde, da der Herr kommen wird und ich diesen Leib verlassen werde" (Trans Mar 6)

Nach ihrem Dahinscheiden hatten sie die Gottesmutter dann nach dem Befehl des Herrn im Tal Josaphat in einem neuen Grab beigesetzt.
Doch kaum war das Grab mit einem grossen Stein verschlossen, ist der Herr Selbst mit Seinen Heerscharen erschienen, hat den Stein wegwälzen lassen und Seine Mutter mit den Worten ins Leben zurückgerufen: "Erhebe dich, Meine Freundin, du, die du nicht versehrt wurdest durch die Berührung eines Mannes, du wirst auch nicht die Zerstörung des Leibes im Grabe erfahren." (Trans Mar 17)
So hält der Herr auf der Festtagsikone Seine noch in Leichentücher gewickelte Mutter im Arm.
Er ist auch der Herr über das Leben nach dem Tod !

 

Die Entschlafung unserer allheiligen Gebieterin
der Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria

Das dritte der großen Feste des Sommers ist das Gedächtnis der Beendigung des irdischen Lebens und die Aufnahme in das ewige Leben der allheiligen Gottesmutter Maria, das in der liturgischen Sprache "Entschlafung" genannt wird.
Schon in den 2 Wochen vorher werden wir durch eine Fastenzeit (1.-14. August nach neuem Stil, 14.-27. August nach altem Stil) auf das Fest hingeführt. Wenn wir die liturgischen Texte des Festtages hören, dann bekommen wir den Eindruck, dass wir in dem bedeutendsten der Feste stehen, die der Gottesmutter gewidmet sind.

Das Fest fasst das Heilsgeschehen rund um die Gottesmutter noch einmal zusammen. So erzählt uns das Evangelium im Orthros vom Besuch der Gottesmutter bei Elisabeth (Lk 1,39-56). Lesung (Phil 2,5-11) und Evangelium (Lk 10,38-42 und 11,27-28) in der Liturgie sind die gleichen wie am 8. September, dem Tag der Geburt Marias. Man wird bemerken, dass die Perikopen, die am Fest gelesen werden, den Tod der Allheiligen nicht erwähnen. Nur in den Gesängen zu Vesper und Orthros findet man die besondere Bedeutung, die die Kirche dem Fest zuschreibt.

Die Bedeutung ist zweifach und wird genau durch einen Satz ausgedrückt, der zur Vesper gesungen wird:
"DIE QUELLE DES LEBENS WIRD BESTATTET IN EINEM GRABE
- und -
EINE LEITER ZUM HIMMEL WIRD IHR GRAB".


Der erste Teil des Satzes - "die Quelle des Lebens wird bestattet in einem Grabe" - zeigt, dass wir konkret des irdischen Ablebens der Allheiligen gedenken. Wenn wir im Jahr der Kirche jedes Jahr an den entsprechenden Tagen die Gedächtnisse des Ablebens des Vorläufers JOHANNES, der Apostel und der Martyrer begehen, so gibt es noch viel mehr Gründe das Ende des irdischen Lebens der Mutter Gottes zu feiern, die ja auch unsere Mutter ist und deren Heiligkeit und Herrlichkeit viel größer ist als die der Auserwählten.

Aber das Fest ist viel mehr als ein Gedenken an den Tod.

Der zweite Teil des Satzes lautet: "EINE LEITER ZUM HIMMEL WIRD IHR GRAB". Jedes Grab, derer, die uns in ihrem Weg zu Christus vorangegangen sind, kann uns in gewisser Weise eine Leiter werden, die auch uns zum Himmel führt.

Aber im Fall der Gottesmutter Maria kommt noch Außergewöhnliches hinzu.
Die gesungenen liturgischen Texte weisen uns darauf hin
:


"ERHEBET DIE TORE UND EMPFANGET SIE AUF ÜBERIRDISCHE WEISE,
SIE, DIE MUTTER DES EWIGEN LICHTES,
DENN HEUTE BREITET DER HIMMEL SEINE WÖLBUNGEN AUS, SIE AUFZUNEHMEN.
DIE ENGEL STEHEN IM KREISE UND BESINGEN DEINE ENTSCHLAFUNG, DIE WIR IM GLAUBEN FEIERN"


Hier wird klar, dass es um mehr geht, als nur darum, dass die Seele Marias in den Himmel aufgenommen wird.
Obwohl im byzantinischen Kalender das Fest nicht den Namen "Himmelfahrt" trägt (wie in der lateinischen Kirche), so drückt doch der Text den Glauben an die leibliche Himmelfahrt Marias aus. Nach diesem Glauben erlitt der Leib Marias nicht die Verwesung, die dem Tode folgt. Maria, von den Toten auferstanden, wurde von Engeln zum Himmel getragen (hier weicht die Himmelfahrt Mariae von der Jesu ab, denn Christus fuhr aus eigener Kraft zum Himmel).

Die Himmelfahrt Marias ist außerhalb - und über - der alltäglichen Natur. Der Glaube an die Himmelfahrt Marias beruht nicht auf einer biblischen Erzählung oder auf einem historischen Zeugnis, das wissenschaftlich nachprüfbar wäre. Sie ist auch nicht dogmatisch formuliert. Die Kirche hat bis jetzt noch keine Notwendigkeit gesehen, auf dem Glauben an die leibliche Himmelfahrt zu bestehen. Aber auch wenn die Kirche nicht auf einer solchen (inneren oder äußeren) Bekräftigung besteht, so kann man doch sagen, dass das orthodoxe Gewissen eine tatsächliche Verneinung der Himmelfahrt nicht nur als leichtsinnig sondern als eine Gotteslästerung ansehen würde. Wie kann man auch eine Tatsache leugnen, die nicht der historischen Verifizierung bedarf? Der Glaube an die Himmelfahrt beruht nicht auf dokumentierten Beweisen. Gläubiges Denken, erleuchtet vom Heiligen Geist, wurde Schritt für Schritt davon überzeugt, dass, wenn "der Lohn der Sünde der Tod" ist, Maria einen besonderen Sieg über den Tod errungen hat. In gleicher Weise wie Jesus (auch wenn man hier die Proportionen nicht verschieben darf) wurde sie in ihrem Leib verherrlicht. Die Verherrlichung der allreinen und allheiligen Gottesmutter in Seele und Leib - und nicht der eine oder andere Symbolismus oder die historischen Umstände - sind der eigentliche Gegenstand des Festes

Die Himmelfahrt ist das Fest nicht nur Marias, sondern der ganzen menschlichen Natur. Denn in Maria hat die menschliche Natur ihr Ziel erreicht. Eine Woche nach dem Beginn des liturgischen Jahres, werden wir die Geburt der allheiligen Jungfrau feiern. Jetzt, zwei Wochen vor dem Ende des liturgischen Jahres feiern wir den Tod und die Verherrlichung der allheiligen Gottesmutter.
So also macht der Zyklus des Marienlebens das Schicksal und die Entwicklung einer menschlichen Natur deutlich, die Gott völlig treu ist. Mit ihr wird das Menschengeschlecht erhoben und im Himmel aufgenommen. Die allheilige Gottesmutter hat in der Geschichte der Menschheit eine einzigartige Aufgabe erfüllt, die weit über unsere Vorstellungskraft hinaus geht. Aber die vollkommene Frucht der Gnade, die wir an der Gottesmutter so bewundern, zeigt uns die Entwicklung einer Seele, die sich geöffnet hat, um die Fülle der Gaben Gottes zu empfangen.

Nur zwei Wochen trennen das Fest der Entschlafung der Gottesmutter und das Ende des Kirchenjahres. Der Zyklus des vergangenen Kirchenjahres ist fast vollendet, ein neues Kirchenjahr beginnt am 1. September. Auch während dieses Kirchenjahres werden wieder die Feste von Weihnachten, Ostern, Pfingsten, der Gottesmutter und die Feste der vielen Heiligen auch auf uns zukommen. Machen auch wir uns wie die Gottesmutter bereit die Fülle der Gnade Gottes zu empfangen und sie in uns Frucht bringen zu lassen.

 

unter Verwendung von Ausschnitten aus:
A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p. 242 ff
.

Text hier aus St.-Andreas-Bote



Festtagsikone, zeitgen. bulgarisch aus Zerkowen Westnik

O welch unfassbares Wunder !
Die Quelle des Lebens wird bestattet in einem Grabe.
Doch das Grab wird eine Leiter zum Himmel.
Freue dich, Gethsemane, der Gottesgebärerin heiliger Garten.
Lasst uns rufen, ihr Gläubigen,
da wir Gabriel zum Anführer haben:
Du Begnadete, sei gegrüsst.
Mit dir ist der Herr,
der durch dich
der Welt gewährt
das grosse Erbarmen.
Sticheron automelon der grossen Vesper



Sie, die niemals ruht im Gebet
Sie, deren Führung und Schutz
uns untrügerische Hoffnung gibt,
die Gottesgebärerin,
durch ihr Sterben und Grab
wurde sie doch nicht überwunden +
Als Mutter des Lebens
hat Er sie in ein neues Leben gebracht,
der einst wohnte
in ihrem immerjungfräulichen Schoß +



O welch unfassbares Wunder !
Die Quelle des Lebens wird bestattet in einem Grabe.
Doch das Grab wird eine Leiter zum Himmel.
Freue dich, Gethsemane, der Gottesgebärerin heiliger Garten.
Lasst uns rufen, ihr Gläubigen,
da wir Gabriel zum Anführer haben:
Du Begnadete, sei gegrüsst.
Mit dir ist der Herr,
der durch dich
der Welt gewährt
das grosse Erbarmen.



Heilig bist Du durch deine Mysterien
als Königin der Himmel wirst du heute verkündet
o Thron des Allerhöchsten
da du nun von der Erde hinübertrittst zur himmlischen Herrlichkeit +
Würdig ist es
dich zu verherrlichen
die Du vom Glanze göttlichen Lichtes leuchtest
o du, voll der Gnade +
Erhebt euch, ihr Jungfrauen
mit der Mutter des Königs zu den Himmeln hinan
Freue Dich
o du, in der Fülle der Gnade
der Herr ist mit Dir
und bringet der Welt die große Gnade dar +



Deinen Tod
verherrlichen
Throne / Fürsten und Gewalten
Herrscher der Engel und geistigen Mächte
unnahbar hehre Cherubim
Schauder erregende Seraphim +

Wir aber
die Erdgeborenen
jubeln im Glanz deiner göttlichen Ehre +
Könige fallen nieder vor dir
und singen gemeinsam mit Engeln und Erzengeln dir den heiligen Gesang
Freue Dich
o Du in der Fülle der Gnade
der Herr ist mit dir
und bringt der Welt die große Gnade dar +



Auf göttlichen Wink
wurden von überall her
die Apostel wie auf Wolken gebracht +
Sie nahen sich deiner unberührbaren
weil Leben gebärenden Lagerstatt
und grüß sie voll Freude +
Es treten hervor
die hocherhabenen, geistigen Himmelsmächte
geleiten den Herrn selbst +
In heiliger Ehrfurcht geleiten sie
deinen makellosen gottempfangenden Leib +
Sie schreiten voran
in überirdischer Ordnung
und unwahrnehmbar rufen sie den himmlischen Mächten zu
Siehe,
die Allherscherin von Gottes Gnade,
ist da +
Öffnet die Tore weit
empfanget in überirdischem Glanze
sie
die Mutter des Lichtes +
Denn siehe,
durch sie
ist den Sterblichen
allgebärendes Heil widerfahren
Sie zu erkennen in Wahrheit
fehlt uns die Kraft
und wir vermögen nicht,
sie gebührend zu ehren +
Sie ist die Allüberragende,
sie übersteigt alles Begreifen +
Darum,
allheilige Gottesgebärerin
Allreine
die du in Ewigkeit lebst mit deinem Sohn
dem König des Lebens
tritt unablässig für uns ein
errette uns
von jedem Anschlag des Feindes
und bewahre dein heiliges / neuerwähltes Volk +

 

 

 


ROM:   Sta. MARIA MAGGIORE   (431-1296)  Konzil v. Ephesos - Jacopo Torriti

 

Die Entschlafung unserer allheiligen Gebieterin
der Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria

Erzählung nach Transitus Mariae Kap. 6-17
.


Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"


Nachdem der Herr in den Himmel aufgefahren war, lebte die Allreine Jungfrau Maria, die Mutter Gottes und Fürsprecherin aller Christen vor Gott, noch lange inmitten der Apostel und ihrer Nachfolger. Sie freute sich, als sie die Verbreitung der Kirche Christi in der ganzen Welt sah, ihr Herz frohlockte darüber, dass der Ruhm ihres Sohnes bis an die Grenzen der entlegensten Länder drang, und überall, wo der Name Christi verehrt wurde, wurde auch ihrer gedacht, die Ihn geboren und sich in den Tagen des irdischen Lebens um Ihn gekümmert hatte. Alle priesen die Allreine Mutter Gottes, die noch unter den Menschen auf Erden lebte.

Obwohl ihr Leben lange währte, war sie sich dessen bewusst, dass der Zeitpunkt kommen würde, den sie so sehr erwartete - den Körper zu verlassen und zu Gott zu gehen. Es ist uns nicht genau bekannt, wie lange die Allreine Jungfrau gelebt hat: die einen sagen 57 Jahre, andere 63, wieder andere nennen die Zahl 72, aber es ist klar, dass sie ein hohes Alter erreichte. Die Seele der Gottesmutter war immer von einem Wunsch erfüllt - endlich wieder das Antlitz ihres Sohnes zu schauen, in der Herrlichkeit des Himmels. Sie betete unter Tränen zum Herrn, dass Er sie aus dieser Welt des Leids dorthin nehmen möge, wo mit Ihm alle Heiligen frohlocken.

Die Allreine Jungfrau lebte im Haus des heiligen Apostels Johannes, des Theologen auf dem Berg Zion, im Südwesten von Jerusalem, wo sich die Burg von Jerusalem erhob. Von da ging sie oft auf den Ölberg, zum Ort der Himmelfahrt ihres Sohnes. Hier betete sie inständig in Abgeschiedenheit.

Und eines Tages, während die Gottesmutter auf dem Ölberg wieder allein darum betete, dass der Herr ihr das Ende rascher schicken und sie zu Sich in den Himmel aufnehmen möge, erschien ihr der Erzengel Gabriel, welcher der Gottesmutter schon seit den ersten Tagen ihrer Kindheit diente: er hatte ihr Nahrung in den Tempel gebracht, er hatte ihr die Geburt des Sohnes Gottes verkündigt, er beschützte sie immer während ihres Lebens auf Erden. Der lichte und freudige Erzengel Gabriel überbrachte der Gottesmutter die schon lange von ihr ersehnte Kunde, dass sie in drei Tagen zu Christus, Gott gehen werde. Der Erzengel sagte, sie solle nicht betroffen sein und mit Freude seine Worte annehmen, denn dies werde kein Tod sein, sondern der Übergang in ein Leben der Unsterblichkeit, zum ewigen König der Herrlichkeit.

Die Mutter Gottes geriet durch die Worte des Erzengels in unaussprechliche Freude und Begeisterung, denn es war für sie das Freudigste und Angenehmste, im Himmel mit ihrem Sohn und Gott zu wohnen, in Seiner seligen Nähe, Ihn immer vor Augen zu haben.

Vor ihrer Entschlafung wollte die Allreine Gebieterin nochmals alle Apostel sehen, die in der ganzen Welt verstreut waren, um zu predigen. Sie bat den Herrn, dass sie in ihrer Todesstunde nicht den Fürsten der Finsternis - Satan - und seine furchtbaren Diener sehen, sondern dass der Herr selbst, Sein Versprechen erfüllend, kommen und ihre Seele in Seine heiligen Hände nehmen möge.

Nach dem Gebet kehrte die Allheilige Gottesmutter nach Hause zurück; hier erbebte alles, denn mit ihr kam unsichtbar die Herrlichkeit und Kraft Gottes, welche die Gottesmutter umgab, in das Haus. Ihr Gesicht strahlte von der Herrlichkeit Gottes heller als ehemals das Gesicht des Mose, als dieser vom Berg Sinai herabstieg, nachdem er gerade erst Gott gesehen und mit Ihm gesprochen hatte.

Die ruhmreiche Gebieterin begann sich auf ihr Ende vorzubereiten. Zuerst berichtete sie alles dem von ihr an Sohnes statt angenommenen Lieblingsjünger Christi, Johannes. Dann erzählte die Gottesmutter auch allen übrigen von ihrem bevorstehenden Heimgang.

Der heilige Johannes der Theologe schickte sofort Boten zum heiligen Jakobus, dem Apostel und Bischof von Jerusalem, und auch zu allen Verwandten und Bekannten und benachrichtigte sie über den bevorstehenden Heimgang der Gottesmutter und auch den Tag.

Der heilige Jakobus beeilte sich, davon alle Christen zu verständigen, die nicht nur in Jerusalem, sondern auch in dessen Umgebung und sogar in anderen Städten wohnten. So versammelten sich bei der Gottesmutter mit dem Bischof von Jerusalem eine Vielzahl von Menschen, Verwandten und gläubigen Christen, Männer wie Frauen.

Die Allreine Gebieterin vermachte ihre Gewänder zwei armen Witwen, die ihr zeit ihres Lebens gedient hatten, und bat, ihren Leib im Garten Getsemani zu begraben, am Fuße des Ölbergs, unweit von Jerusalem. Dort befanden sich das Grab Joachims und Annas, ihrer Eltern, und auch das Grab Josefs, mit dem sie verlobt gewesen war. Diese Gräber befanden sich am Rande des Tales Josafat, das zwischen Jerusalem und dem Ölberg lag. In diesem Tal wurden gewöhnlich arme Bürger bestattet.

Während die Gottesmutter diese Anweisungen gab, vernahm man plötzlich ein Tosen, das an Donnergrollen erinnerte, und Wolken hüllten das Haus Johannes des Theologen ein. Gemäß Gottes Befehl ergriffen Engel die Apostel in den verschiedenen Ländern, wohin sie gegangen waren, um das Evangelium zu predigen, und brachten sie nach Jerusalem zum Haus der Gottesmutter. Die Apostel freuten sich, als sie einander sahen, waren aber unschlüssig, wozu sie der Herr versammelt hatte. Der heilige Johannes der Theologe erklärte ihnen, dass für die Gottesmutter die Zeit gekommen sei, zum Herrn zu gehen.

Am dritten Tag, in der dritten Stufe erfüllte ein göttliches Licht das Zimmer, in dem die Gottesmutter auf ihren Heimgang wartete. In diesem Licht kam der Herr Jesus Christus selbst mit einer Vielzahl von Engeln und Erzengeln herab. In einem leichten Schlaf übergab die Allheilige Jungfrau ihre Seele in die Hände ihres Sohnes.

Nachdem die Apostel ihren Abschied von der Mutter Gottes auf Erden beweint hatten, schickten sie sich an, ihren allreinen Leib zu begraben. Der feierliche Begräbniszug ging von Zion durch ganz Jerusalem nach Getsemani. Auf dem Weg dorthin kam es zu einem Zwischenfall. Der jüdische Priester Jephonias wollte aus Eifersucht und Hass gegen die Gottesmutter die Bahre umwerfen, auf welcher der Leib der Allheiligen Jungfrau lag, aber ein Engel des Herrn hackte ihm unsichtbar die Hände ab.

Als er dieses Wunder sah, bereute Jephonias, seine Sünde wurde vergeben, und er wurde geheilt. Dieses Ereignis stellen die Ikonenmaler oft auf den Ikonen von Mariä Entschlafung dar.

Der Apostel Thomas, der nicht am Begräbnis teilgenommen hatte, kam erst am dritten Tag nach der Entschlafung der Mutter Gottes nach Jerusalem. Als er mit den Jüngern zum Grab in Getsemani kam, stellte sich heraus, dass der Leib der Allreinen Jungfrau nicht mehr dort war. Die Allreine Jungfrau war zusammen mit ihrem Leib von ihrem Sohn und Gott in den Himmel aufgenommen worden.

Text hier aus "ORTHODOXES GLAUBENSBUCH"


6. August (19.8.)

METAMORPHOSIS (gr.)
PREOBRAZHENIE (slaw.)
SCHIMBAREA (rum.)
 


VERKLÄRUNG

unseres Herrn, Gottes und Erlösers
JESUS CHRISTUS

 

Du wurdest verklärt
auf dem Berge,
Christus Gott,
und zeigtest Deinen Jüngern
Deine Herrlichkeit,
soweit sie diese
zu ertragen vermochten.

Lass strahlen
auch uns Sündern
Dein ewiges Licht,
auf die Fürbitten
der Gottesgebärerin,

Lichtstrahlender
Ehre Dir !





 

  
Evangelium:

Mt 17: 1-9
 

Das Hochfest der "Methamorphosis" geht vermutlich auf die Kirchweihe der im 4. Jahrhundert von der Kaiser-Mutter, der Hl. HELENA,
gestifteten Kirche auf dem Berg Tabor zurück.


Als Zeichen der Hoffnung auf eine verklärte Schöpfung bringen heute die Gläubigen die gereiften Früchte,
die in der Kirche gesegnet
und nach dem Gottesdienst grosszügig an alle verteilt werden.


Verklärte Natur  :  KLOSTER VERKLÄRUNG CHRISTI, BULGARIEN

 

 

Festtagsgottesdienst in Sofia, Bulgarien


So wie 2003 hier in der Kathedrale Sv. NEDELJA in SOFIA, BULGARIEN haben die Gläubigen die verklärte Natur in Form von Früchten zum Dank an den Schöpfer und zum Segnen zum Wohle der Menschen in die Festtagsliturgie mitgebracht.
Im Norden segnet man Äpfel, im Süden Trauben.


(Pressefoto der bulgarischen Zeitung STANDARD; Fotograf: Viktor Levi)

 


Das Hochfest der Verklärung weist uns auf Sinn und Ziel unseres Lebens und der ganzen Schöpfung hin
und macht uns wie den Aposteln Mut mit diesem Ziel vor Augen
auch schmerzhafte Schicksalsschläge überstehen zu können.


 

Die Jünger schauten Deine Herrlichkeit, soweit sie diese zu ertragen vermochten,
auf dass sie das freiwillige Leiden zu erkennen vermöchten,
wenn sie Dich gekreuzigt sähen,
der Welt aber verkündend,
dass Du in Wahrheit bist der Abglanz des Vaters.

 

Festtagsikone, Syrien-Libanon, 19.Jhdt,mit arab.Schrift


Wie bei einer Bergwanderung im Nebel bisweilen der blaue Himmel durchbricht und einen Blick auf den noch zu erklimmenden sonnenbestrahlten Gipfel freigibt, so wurde den Jüngern hier auf dem Berg Tabor für einen kurzen Augenblick etwas von der Herrlichkeit der Schau Gottes erfahrbar, zu der zu gelangen die Bestimmung und die Sehnsucht unseres christlichen Lebens ist.
Diese werden wir erreichen, wenn wir im geduldigen Aufstieg durch Leiden und Mühen das Ziel nicht aus dem Sinne lassen, auch wenn es uns meist durch die Nebel unseres Alltags verdeckt ist. Was aber im Nebel zumeist verborgen bleibt, ist jetzt schon und nicht erst in Zukunft die unvergängliche Wirklichkeit.
Darum war es den orthodoxen Mönchsvätern im 14.Jahrhundert (u.a. der Hl. GREGOR PALAMAS) wichtig,
in Auseinandersetzungen mit westlichen pseudohumanistischen Realismusideen festzuhalten, dass das von den Jüngern auf dem Berg Tabor geschaute Licht nicht nur ein psychologisch erklärbares Phänomen war, sondern Gott, das ungeschaffene Licht Selbst, das am Ende unseres Lebens von uns allen erfahren werden wird - in dem Masse, wie ein jeder dazu bereit sein wird.
Darauf spielt unser Festtropar an, und der Hl.EPHRAIM der Syrer (306-373) bezeugt es in einer seiner Hymnen mit den Worten:

 

+
Wie ein jeder das Auge im Diesseits gereinigt hat,
so wird er dort schauen können die Herrlichkeit des Allerhöchsten.
+
Wie ein jeder das Ohr im Diesseits geöffnet hat,
so wird er dort vernehmen Seine Weisheit.
+
Wie ein jeder sein Inneres im Diesseits weit gemacht hat,
so wird er dort aufnehmen können von Seinen Schätzen.
 

 

Hirmos der Oden des Kosmas Monachos im Orthros zum Fest der Verklärung Christi
 



Schimbatu-Te-ai la fata, in munte, Hristoase Dumnezeule,
aratand ucenicilor Tai slava Ta, pe cat li se putea;
straluceasca si noua, pacatosilor, lumina ta cea pururea fiitoare,
pentru rugaciunile Nascatoarei de Dumnezeu,

Datatorule de lumina, slava Tie!

 

 

Verklärte Natur: KLOSTER VERKLÄRUNG CHRISTI, BULGARIEN
zu ähnlichen Beispielen von Harmonie zwischen Natur und Kirche

 

 


 

 





27. Juli (10.8.)


Siebenzahl der Hl. Erleuchter Bulgariens
Sveti Sedmotschislenizi, die Siebenzahl der Erleuchter Bulgariens / 19.Jhdt, Hl.Alexander Nevski Kathedrale, Sofia, Bulgarien

Pluralität in den Heiligen: Viele Festtagsikonen zeigen eine Versammlung von Heiligen. Die Siebenzahl der Heiligen Erleuchter Bulgariens, Sveti Sedmotschislenizi, ist deutliches Beispiel. Schon die Heiligen Brüder KIRIL und METHODIJ ergänzen einander in ihrer Verschiedenheit: Kiril - der Philosoph und Hofgelehrte der Völkerkunde Konstantin / Methodij - der zivile Verwaltungsspezialist und spätere kirchliche Hirte und Bischof. Aber selbst diese ideale Konstellation menschlicher Qualitäten hätte nicht gereicht um das Evangelium unter den Slawen zum Sieg zu führen. Erst mußten die Heiligen Brüder ihre Weisheit an ihre Schüler weitergeben. Diese Schüler mußten aus Mähren vertrieben werden damit der Hl. KLIMENT und der Hl. NAUM das geistliche Erbe am See von Ochrid zur Reife bringen konnten. Der Hl. Bischof von Maehren GORASD wurde unter dem Einfluss der westlichen Kirche mit brutaler Gewalt vertrieben und starb kurz nachdem er das Bulgarische Gebiet erreicht hatte. Die Hl. Mönche ANGELARIJ und SAVA stehen stellvertretend für Tausende von begeisterten bulgarischen Christen, die unter dem ersten christlichen Zaren des ersten Bulgarenreiches das Fundament an geistlichen Texten in slawischer Sprache schufen, die dann die Christianisierung des weiten Raumes der Kiewer Rus´ ermöglichte.

All-Orthodoxe Versammlung, Sofia 1.10.1998
 
Pluralität in der Kirche:
Der Heilige Geist leitet wie auch heute (oben, beim All-Orthodoxen Konzil in Sofia, Bulgarien, 1.10.1998)
seit der Zeit der Apostel
im Prinzip der Pluralität die Kirche (unten, 1. Oekumenisches Konzil von Nikaia (325))


Ikone: Väter des 1. Oekumen. Konzils / Bulgarien 1829


Wie auf der Ikone des Konzils dargestellt, wird das Kollegium der Bischöfe durch die vielgestaltigen Kirchenväter ergänzt, die nicht Bischöfe sind. Stellvertretend für sie sind auf der Ikone unter anderem der Hofgelehrte des Kalifen von Damaskus mit Turban - unser Heiliger Hymnograph Johannes von Damaskus und mit dem Korb als Kopfbedeckung und der feurigen Rede der Heilige Spyridon, der wortgewaltige Verteidiger des orthodoxen Glaubens zu erkennen.
Dass Pluralität auch bedeuten kann, dass ein einzelner Mensch eine solche Fülle nicht mehr fassen kann, mag uns das Beispiel des Kaisers, des weltlichen Herrschers der damaligen Oekumene zeigen, der sichtbar überfordert in der Mitte der Ikone zu erkennen ist
.

 

Christi Auftrag an die Jünger
zum Fest
Versammlung der Heiligen Zwölf Apostel


nach einer Predigt Unseres Vaters unter den Heiligen JOHANNES CHRYSOSTOMOS (Mund der Goldenen Worte)
32,2.4.6f; 33,1; PG 57, 379-389

Der Herr ging in Städte und Dörfer und betrat die Synagogen der Juden ...
Er wartete nicht etwa, bis die Kranken zu ihm kamen, sondern ging selbst zu ihnen, um ihnen zwei ganz große Wohltaten zu erweisen:
Erstens, um ihnen (als Perpektive) die frohe Botschaft vom Gottesreich zu verkünden,
zweitens, um sie aus den Krankheiten der Welt aufzurichten . ...

Um nicht alle selbst an sich zu ziehen, sandte er seine Jünger aus; doch nicht nur deshalb; er wollte die Jünger auch unterweisen, sich in Palästina wie auf einem Sportfeld zu üben, um so für das Ringen in der ganzen Welt gerüstet zu sein...

Bei allen Verschiedenheiten in der Welt wird der Friede zum hohen Wert

Christus bezeugt mit den Worten: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27) dass der Friede etwas Großes ist.
Alles müssen wir tun, um des Frieden zu erhalten - in der Gemeinschaft und in der Kirche.
In der Kirche entströmt der Friede der Göttlichen Liturgie, in der wir mit Gott in Seiner Herrlichkeit aber auch vor Gott mit unseren Mitmenschen verbunden sind. Dieser Friede aus der Liturgie stärkt uns dafür den Frieden auch im Alltag zu bewahren.

Den Frieden der Göttlichen Liturgie soll man versuchen mit ganzem Herzen aufzunehmen, erst im Geist, dann im Mahl.
Wenn es schon ein schwerer Mangel ist, nicht für die Teilnahme am Mahl vorbereitet zu sein, um wieviel unverschämter ist es dann, den abzuweisen, der dir den Frieden zuspricht.

Deinetwegen ist der Priester hier; deinetwegen steht dort der Lehrer, arbeitet und müht sich ab. Welche Entschuldigung hast du, wenn du nicht einmal die Bereitschaft hast, ihm zuzuhören?

Die Kirche ist ja das gemeinsame Haus aller Gläubigen; doch erst wenn ihr vor uns eingetreten seid, ziehen wir ein; wir folgen damit dem Beispiel der Apostel. Deshalb entbieten wir gleich nach dem Einzug allen gemeinsam den Frieden entsprechend jener Vorschrift (im Evangelium).

Keiner stehe also gelangweilt da, keiner sei mit anderen Dingen beschäftigt, wenn Priester und Lehrer eintreten ...

Ich selbst möchte tausendmal lieber unbeachtet bleiben, wenn ich bei euch ins Haus eintrete, als daß man mir hier bei meinem Friedensgruß nicht zuhört; das wäre für mich viel schwerer zu ertragen.
Denn dieses Haus der Kirche ist bei weitem bedeutsamer. Hier sind uns ja die großen Schätze hinterlegt; hier werden uns die großen Hoffnungsgaben zuteil. Was ist denn hier unbedeutend?
Dieser Tisch des Altares ist weit wertvoller und teurer als jeder andere; diese Lampe erhabener als jede andere.
Das sollten wir alle wissen, die im Glauben und zur rechten Zeit mit Öl (aus ihr) gesalbt worden sind und von den Krankheiten der Welt befreit wurden...
Wenn wir auch in allen anderen Dingen Bettler und arme Menschen sind, so sind wir doch in diesen Gaben reich.


Deshalb nehmt uns hier mit Liebe auf, wenn wir bei euch eintreten.
Und wenn ich sage: »Der Friede sei mit euch !« dann antwortet: »Und mit deinem Geiste ! «
Antwortet nicht nur mit den Lippen, sondern auch mit dem Herzen, nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit der Gesinnung.


Wenn du hier sprichst: Friede auch mit deinem Geist !, draußen aber streitest, angreifst und verleumdest, hinterrücks mit tausendfachen Schmähungen einseifst, was ist das denn für ein Friede?

Magst du auch tausendmal schlecht über mich reden, ich gebe dir den Frieden mit reinem Herzen und in lauterer Gesinnung. Niemals kann ich Schlechtes über dich sagen; habe ich doch das Herz eines Vaters. Wenn ich einmal tadeln muss, tue ich es aus Sorge . ...

Beachtet mir auch, was für Menschen das waren, die diese strengen und schweren Gebote zu hören bekamen: Arme und einfache Männer, die nicht schreiben und lesen konnten, die nirgendwo bekannt waren, die sich nie mit den Gesetzen der Welt befassten, die sich vielleicht nicht mal in öffentlichen Versammlungen hervortaten, Fischer und Zöllner, mit tausenderlei Armseligkeiten behaftet.

Wenn aber ein solcher Auftrag schon die hohen und großen Leute verwirren kann, wie sollte er nicht jene niederschmettern und erschrecken, die völlig unerfahren waren und nie und nimmer von Amt und Würde geträumt hatten? ...

Was für ein Trost hatten sie bei alldem denn?

Die Macht dessen, der sie aussandte!
Deshalb hat auch der Herr in seiner Rede allem anderen dies vorangestellt: »Seht, ich sende euch!«


Das genüge zu eurer Beruhigung, das genüge zu eurer Ermutigung, damit ihr ohne Furcht seid vor denen, die euch anfeinden



.



 

 
VOR - FASTENZEIT

"Der UMKEHR Türen öffne mir ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"

 

 

SONNTAGE der Vorfastenzeit:

1. Sonntag vom ZÖLLNER und PHARISÄER   21.2.21
2. Sonntag vom VERLORENEN SOHN   28.2.21

3. Sonntag FLEISCHENTHALTUNG !   vom GERICHT   7.3.21

4. Sonntag BUTTERENTSAGUNG !   vom VERLUST des PARADIESES   VERGEBUNGSSONNTAG   14.3.21

- abends:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen
FASTEN

 

 

Vor - Fastenzeit

Warum wird die vorösterliche "Grosse Fasten" durch die vierwöchige Vorbereitungszeit eingeleitet ?
Weil die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Erfahrung ein tiefes psychologisches Mitgefühl mit der menschlichen Natur entwickelt hat. Sie kennt unseren Hang uns von den Oberflächlichkeiten unserer Umwelt einnehmen zu lassen und unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit auf die geistlichen Güter. Ein rascher Wandel unserer Alltäglichkeit, ein unvermitteltes Hinüberwechseln in eine noch nie auch nur erspürte Praxis birgt die Gefahr uns zu überfordern. Wir dürfen nicht Wunder fordern, sondern wir bereiten uns auf immer wieder neue Anstrengungen vor. Wir müssen uns darauf vorbereiten, nach jedem Fall niemals die Anstrengungen des Aufstehens zu scheuen, wieder an die Türen der Umkehr zu klopfen und uns wieder auf den Weg zu machen
.

Lasst uns die jährlich Gelegenheit nutzen, uns auf das Ziel und die Bedingungen wahrhaft christlichen Fastens zu besinnen und uns allmählich für das kommende Fasten bereit zu machen. Charakteristisch für unsere heilsame orthodoxe Tradition des Christentums ist dabei die pastorale Heranführung an die einzelnen Phasen des Heilswerkes unseres Gottes für uns Menschen. Vor dem Apell zum praktischen Vollzug der Fasten wird uns deren Bedeutung in mehreren Bildern anschaulich gemacht. So hat jede Zeit des Kirchenjahres - ohne unvermittelte Einschnitte und Brüche - in ihrer Weise Anteil am Ganzen, am alle Zeiten einschliessenden Heilsmysterium Christi. Zugleich wird dadurch aber auch deutlich, dass die Gläubigen sich nicht nur an einzelnen Festzeiten einseitig und nach Belieben bedienen sollen, wie an einem Selbstbedienungs-Buffet, sondern in allen Zeiten des Kirchenjahres in demütiger Offenheit und aktiver Teilnahme am Gebet der Kirche eine weitere Stärkung in ihrem Lebensweg als Christen mitbekommen.

Die Haltung demütiger Offenheit aber muss immer wieder neu mutig errungen werden.
Dieser Mut und die Bereitschaft das Ringen auch durch Entbehrungen durchzuhalten ist besonders für die Zeit der Grossen 40-tägigen Fasten notwendig. Das aktive, bewusste Fasten ist ein deutliches Bekenntnis zur Möglichkeit der Überwindung der "animalischen Naturgesetze" und ein Zeichen der Bereitschaft zu wahrer Menschlichkeit im Ebenbilde Gottes.
Wenn wir dies Bedenken, dann wird uns das Fasten nicht als unliebsame Einengung erscheinen. Wir werden erkennen das Fasten nichts mit Trübsinn zu tun hat, sondern mit Freude die Gelegenheit zur Erneuerung des Lebens ergreifen
.

Deshalb wollen wir das Fasten nicht nur als äusserliche Übung der "Gesetzestreue" sehen, sondern als Gelegenheit uns dem Heil der Vergöttlichung zu nähern:

Beginnend mit der Bitte, dass sich auch uns die "TÜREN der UMKEHR" öffnen mögen !

Die Sonntage der 4 Wochen der Vorbereitung der Vor-Fastenzeit führen uns durch ihre Evangelien an diese "Türen der Umkehr" heran.
Diese Zeit soll genutzt werden, um uns zu Besinnen, uns zu überlegen und wenn möglich mit dem Beichtvater abzusprechen in welcher Weise wir am Fasten der Kirche in unseren konkreten Lebensumständen teilhaben können. Realistischerweise wird uns nämlich ausser in Klöstern die genaue Einhaltung aller Fastenregeln der Kanones (kat´akrib ei an) nicht so ohneweiteres möglich sein. Gleichzeitig wird ein am Sinn und nicht nur am Buchstaben orientiertes Fasten auch weitgehenden Verzicht auf die Genussmittel, Süssigkeiten, Fernsehen und andere "Suchtmittel" unserer Zeit bedeuten. Dies vor allem, um frei zu werden, die "Lebensqualität" eines inneren geistlichen Lebens für uns neu zu entdecken und zu intensivieren.
Die Vorfastenzeit bietet Gelegenheit zur konkreten Planung dieser Umkehr. Aus praktischer Erfahrung ist es auch empfehlenswert die Umsetzung der Pläne "austesten", um für die 40 Tage nur Vorsätze zu fassen, die wir dann auch weitgehend umsetzen können.
Wichtig ist es aber auch, sich auch gleich darauf vorzubereiten, dass wir nach jedem Fall auch wieder bereit sind aufzustehen - und das "Rennen" fortzusetzen. Nicht umsonst werden wir auch an die 40 Jahre erinnert, in denen das Volk des Herrn auf dem Weg durch die Wüste die neu gewonnene Freiheit erprobte:
Befreit aus der auch beQuem gewordenen Gefangenschaft "an den Fleischtöpfen Ägyptens", gerettet von äusseren Feinden nach der DurchQuerung des Roten Meeres und immer wieder im Glauben gestärkt auf dem Weg in das Land der Verheissung wie wir in unseren Anstrengungen auf dem Weg zur Vergöttlichung. Aber trotz der neu empfangenen Richtschnur der 10 Gebote, von Gott genährt durch das Manna vom Himmel und mehrmals gerettet durch die Wunder des Wassers des Lebens:
Nahe an Gott aber auch in dieser Situation immer wieder zurückgefallen in gefährliche Sünden
- aber auch immer wieder durch Gottes Gnade und menschliche Anstrengung wieder versöhnt mit dem Schöpfer des Lebens.
ER will uns nie vernichtend strafen, sondern wie es uns Christus während Seiner 40 Tage in der Wüste gezeigt hat, immer wieder für uns und unsere Erlösung mit dem Satan, dem Versucher, ringen. Wir können darüber umso mehr Freude empfinden, je öfter wir nach unseren Sündenfällen wieder aufstehen und den Kampf wieder aufnehmen.
"Nur vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und nur ihm allein dienen" (Lk 4,8) erinnert uns der Apostel an dieses Privileg der "Synergie", der Einladung Gottes an uns, unsere begrenzten Kräfte mit Seiner Allmacht zu verbinden
.


Bereiten wir uns auf die freudebringenden Anstrengungen dieses Kampfes vor, um dann nach der "Vollendung der 40 Tage" auch mit wenigstens teilweise verdienter Freude die Früchte der Auferstehung ernten zu dürfen !


"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation durch grossen Chor ~~~
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
www.musicarussica.com - RealAudio

Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !


~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
aus: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"

https://orthodoxartsjournal.org/fr-gregory-kroug-an-exhibition-honoring-the-50th-anniversary-of-his-repose/?fbclid=IwAR3UCMRF0YUZWVA6ZD1Wq4B6dInQH4RSHdVZU8VwvXhTgqYfGbRU3iTqsSg

 

Sonntag vom Zöllner und Pharisäer

Apostel: 2 Tim 3: 10-15
Evangelium: Lk 18: 10-14


Die Apostellesung erinnert uns, an heilsamen Traditionen festzuhalten.
Das Evangelium macht aber sofort deutlich, dass damit nicht ein gesetzlicher Konservatismus gerechtfertigt werden soll:
Der Pharisäer, der getreu alle überkommenen Vorschriften einhält, und sich dessen vor Gott rühmt, wird beschämt durch den ausserhalb des Gesetzes stehenden Zöllner, der in Demut seine Unwürdigkeit bekennt.
Am ersten Vorfastensonntag werden wir auf die erste Voraussetzung dafür hingewiesen, dass die kommende Fastenzeit für uns heilsam wird:
DEMUT



Lasset uns fliehen
die hochmütige Prahlerei des Pharisäers
und lernen
das demütige Seufzen des Zöllners !
Zu unserem Erlöser lasset uns rufen:
Vergib uns,
Allerbarmer !


Vor uns liegt ein Ausstieg, ein Aufstieg ins Heiligtum, in das Innerste des heilbringenden Mysteriums Christi, hin zur kostbaren Herzmitte auch unserer Existenz, deren eigentlichen Sinn dieses Mysteriums birgt.

Wir nahen uns dem Ostermysterium entweder als "Zöllner" oder als "Pharisäer":
- als solche, die kommen zur wahren Verwirklichung dessen, wozu wir berufen sind
- oder als solche, die in den "Naturgesetzen" ihrer Umgebung verfangen, das eigentliche Ziel ihres Lebens verfehlen.

Der offenbarende Gott zeigt uns welche Grundhaltungen -Seiner erlösenden Liebe gegenüber- für uns heilsam oder nutzlos sind:

Der Pharisäer steht für den Selbstgerechten, den Menschen, der sich selbst verwirklichen will, dank all seiner Leistungen und seiner Selbstsicherheit, der auf seinen Individualismus stolz ist:
"Er betet bei sich selbst: ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen"

Der Zöllner zeigt uns dagegen, die allein fruchtbare, die Haltung, für die das Heil nahe ist:
Er "steht von Ferne und wagt es nicht, seine Augen gen Himmel zu erheben".
Er weiss um die Distanz zur erhabenen, ganz anderen Wirklichkeit des über alles erhabenen, allerhöchsten Gottes über jeden Gott, DEN, zu dem sich der selbstgerechte Mensch selber machen wollte.
Er weiss um seine Schulden, die Sünden und "klopft an s e i n e Brust", nicht an die Brust der anderen um andere für deren Vergehen zu tadeln.
Er weiss, das sein Schöpfer auch sein ihn liebender Erlöser ist, der ihm sogar an seiner göttlichen Natur Anteil geben will.
Der sich selbst richtig einschätzende Zöllner (= der Sünder par excellence), e r b i t t e t das Erbarmen Dessen, Der die Liebe ist:

"Gott, gewähre mir Deine Gnade !
"

 

“Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Predigt zum Sonntag des Zöllners und Pharisäers
von P. Konstantinos, München
* Quellenhinweis *

„Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk 18,10-14)

Die heutige Evangeliumsperikope zeigt uns zwei Arten von Gläubigen; zwei charakteristische Typen von Menschen, die in die Kirche kommen. Der erste kommt, um sich zu zeigen, um anzugeben, um sein angeblich so heiliges Leben vorzustellen, um die Bewunderung der anderen zu erregen, um Gott, seiner Ansicht nach, zu verpflichten für seine Taten, für seine Tugenden, die der Bewunderung und des Lohnes würdig sind.

Welch ein Irrtum, welch ein Trug, welch ein Frevel! Ein Frevel vor Gott und den Menschen. Denn Gott nimmt solche Gebete nicht an, und die Menschen verabscheuen diese Art, ja ekeln sich vor ihr. Bei meinen Hausbesuchen höre ich viele Klagen und Kritik an vielen an uns, die wir zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber zu Hause, in der Arbeit, im Umgang mit anderen ganz anders sind, als wie wir uns hier im Umfeld der Kirche zeigen möchten. Wir sind leicht erregbar, ungerecht, sprunghaft und haben tausend andere Fehler, die unseren Charakter verraten. Wir kommen in die Kirche mit großen und auffallenden Kreuzen, mit großen und vielen Kerzen, aber wir verbergen in uns den Pharisäer, der uns so treffend im Hl. Evangelium beschrieben wird.

Ich möchte nicht länger bei der Charakterisierung und Beschreibung dieser Art von Menschen verbleiben. Ich möchte, dass wir uns etwas mehr Gedanken machen über eine andere Art, nämlich über jenen, den der Pharisäer verachtet, auf den er mit dem Finger zeigt und über den er schlecht redet.

Wer ist es? Es ist ein sündiger Zöllner. Früher mussten die Bauern den Zehnten zahlen, d.h. ein Steuereinnehmer, kein Beamter des Staates, hatte sich vom Staat das Recht gekauft, die Steuern von den Bauern einheben zu dürfen. Dieser Steuereinnehmer oder seine Leute hatten die Möglichkeit Missbrauch zu üben, zu stehlen, die Bauern auszubeuten. Und sie haben den Unwissenden und Hilflosen das Gesetz vorgehalten, um damit ihre Gesetzwidrigkeiten zu verschleiern. In der Zeit Christi hatte die römische Herrschaft für diese Arbeit die Zöllner, die in der Regel stahlen und ihre Landsleute rücksichtslos und schamlos betrogen. Deshalb hatte niemand Achtung vor ihnen. Deshalb betont der Pharisäer der heutigen Evangeliumsperikope: „Gott, ich danke Dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin ... oder auch wie dieser Zöllner dort.“ Der Zöllner wiederum kannte seine Schuld. Er wagte es nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben. In einem abgelegenen Teil des Tempels klopfte er sich, niedergebeugt und voller Reue, an die Brust und flüsterte immer wieder: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Es waren dies seine einzigen Worte, aber sie kamen tief aus seinem Herzen. Worte der Reue und Buße, die zeigten, dass in dieser Brust seine Seele litt und eine geistige Geburt, eine seelische Wiedergeburt möglich wird. In diesem Kampf in seiner Brust stürzte der Zöllner den Sünder in sich vom Sockel seiner Geldgier und legte den Grundstein für ein neues Leben. Das ist das Werk der Buße. Als der Zöllner zu bereuen begann, erfuhr er die erste Frucht dieser Tugend: die Demut.

Man sagt, dass die Demut die Tugend der Alten und der Weisen sei. Aber auch der Zöllner zeigte sich demütig. Ganz hinten im Tempel klopfte er sich an die Brust und sagte: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Seht seine große Demut, ganz spontan kamen ihm diese Worte über seine Lippen. Und diese Worte waren nicht von der satten Arroganz der dürren Worte des Pharisäers.

Die aufrichtige Reue des Zöllners führte ihn zur Demut, welche „die beste der Tugenden ist“, wie uns der hl. Augustinus sagt, und diese führt uns weiter zum Gebet, das eine „Kraftreserve“ ist, wie es ein anderer Denker ausdrückte. Die Tradition überliefert uns, dass König David, als er seine übergroße Sünde bereute, bitterlich weinte, wie es der 50. Psalm beschreibt, den wir in vielen Andachten unserer Kirche lesen
.
Aus den Tränen Davids wuchsen aus der Erde zwei Bäume:
eine Weide, die auf immer trauert
und
eine Zeder, die nach oben strebt und deren Harz sich in Weihrauch verwandelt.


Tatsächlich Quellen aus der aufrichtigen Reue zwei Tugenden:
Demut, die der Weide gleicht, die ihre Zweige nach unten neigt
und
das Gebet, das wie Weihrauch zum himmlischen Altar Gottes aufsteigt.


Das ist die Dreiheit der Tugenden - Reue und Buße, Demut, Gebet -, die uns heute das Triodion der Zerknirschung in Erinnerung bringt.
Das Triodion, das heute beginnt, ist die Zeit, die uns auffordert, uns auf diese Tugenden zu besinnen.
Jeder Sonntag des Triodions erinnert uns an eine andere Tugend.
Die Kette unserer Tugenden verbindet uns mit dem gütigen Gott
.


Selig werden sein, die
in der heutigen Zeit der Gleichgültigkeit im Glauben, ja seiner Ablehnung,
es zustande bringen,
sich durch diese Kette mit Jenem zu verbinden,
der den Zerknirschten und Demütigen im Geiste nahe ist
.

Amin.

Übersetzung aus dem Griechischen: G. Wolf

 


Zum Sonntag des Zöllners und Pharisäers
Erzbischof TICHON von Podolsk

(Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche)

An diesem Sonntag, Brüder und Schwestern, beginnt die Heilige Kirche, ihre Kinder auf die Fastenzeit vorzubereiten,
eine wichtige Zeit im Leben eines jeden orthodoxen Christen.
In der Sprache des kirchlichen Typikon wird der heutige Tag der Sonntag des Zöllners und Pharisäers genannt. Er wird so genannt, weil unserer Aufmerksamkeit das Gleichnis unseres Herrn Jesus Christus von den zwei Männern empfohlen wird (Lk 18:10-14), die wie wir zum Beten in den Tempel kamen. Das Gleichnis lehrt uns am Beispiel des Zöllners und des Pharisäers, mit welcher geistlichen Haltung man beten sollte, wo immer man ist, besonders im Tempel Gottes.
Denn gerade durch das Gebet vereint sich der Mensch mit Gott und erhält von Ihm alles, was für die Errettung und das ewige Leben unerlässlich ist.

Der Pharisäer und der Zöllner, so haben wir gehört, kamen in den Tempel Gottes, um zu beten.
Zwei Männer, zwei Sünder, mit dem einzigen Unterschied, dass der Pharisäer sich nicht als Sünder erkannte und der Zöllner schon.
Der Pharisäer, der sich für ganz würdig hielt, trat vor und betete zu Gott mit diesen Worten: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, wie Wucherer, Diebe, Ehebrecher oder wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe.“ Er betete und rühmte sich und zählte seine Taten auf.
Wie der Pharisäer kann jeder, wenn er will, für den Tempel spenden und den Armen geben, das Fasten einhalten und sich der großen Sünden enthalten, aber eine Vielzahl von geistigen Sünden völlig übersehen. Bosheit, Neid, Hass, Prahlerei, Stolz – all das kann zusammen mit äußerlichen Tugenden im Menschen wohnen und ihn verunreinigen und ihn vor Gott unwürdig machen.
Zu hoffen, in einem solchen Fall gerettet zu werden, ist eine tiefe Verblendung.

Das Gebet des Steuereintreibers war ganz anders. Er sprach wenig, aber mit Kummer über seine Sünden.
Ohne den Kopf zu heben, schlug er sich auf die Brust und wiederholte nur: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Der Zöllner listete nicht seine guten oder bösen Taten auf. Gott weiß alles.
Er braucht keine Auflistung von Werken, sondern Buße.
Der Zöllner weinte nur und schrie in seiner Seele: „Gott, es gibt keine Entschuldigung für mich, auch keine verdienstvollen Taten, sondern ich bitte um Deine Güte, sei mir, dem Sünder, gnädig.
Du, Gott, bist der Arzt – ich bin krank. Nur Du kannst mir helfen. Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig.“ Das ist es, was der Herr von uns will, wenn wir beten.
Er will demütiges Gebet und Zerknirschung ob der Sünden.
Und das Ergebnis: Der Zöllner, der im Gebet Zerknirschung ob seiner Sünden besaß, ging gerechtfertigt aus dem Tempel, während der Pharisäer, der übervoll an Eitelkeit und Stolz war, verurteilt wurde. Der Pharisäer ging weniger gerechtfertigt nach Hause als der Zöllner, denn er hatte sich selbst gelobt und sich selbst in seinen eigenen Augen so hoch erhoben, dass er nichts für die Barmherzigkeit Gottes übrig ließ.
Der Zöllner hingegen ging gerechtfertigt, von den Sünden gereinigt und mit Gnade erfüllt aus dem Tempel.

Was für ein unterschiedliches Gebet! 
Was für 
eine unterschiedliche Geisteshaltung!

Bevor wir in den Bereich der Großen Fasten eintreten und Buße für unsere Sünden darbringen, lehrt uns die Kirche, Brüder und Schwestern, das richtige Gebet und die demütige Gesinnung der Seele, mit der jeder von uns vor Gott stehen sollte.
Wenn wir auf die Menschen schauen, die in den Tempel gekommen sind, müssen wir die Verurteilung und den Hochmut vermeiden, die zusammen mit den äußeren Tugenden in uns leben und uns verunreinigen können und uns vor Gott unwürdig machen.
Lasst uns lieber Tränen der Reue über unsere Sünden vergießen und die Worte des Gebetes sprechen: „Gib, Herr, dass ich, meine Übertretungen sehe und nicht meinen Bruder verurteile…“
Nur dann haben wir die Hoffnung, von Gott erhört zu werden, denn wir wissen aus der Heiligen Schrift, dass „Gott das zerknirschte und demütige Herz nicht erniedrigen wird“ (Ps 50,19),
d.h. es nicht der Macht und der Verachtung der Dämonen überlässt, wie ein stolzes, von Eitelkeit und Hochmut erfülltes Herz überlassen wird.

Möge jeder von uns, wenn wir im Tempel versammelt oder im Gebet stehen, immer daran denken, dass wir den Tempel gerechtfertigt und nicht verdammt verlassen.
Amen.




 

Sonntag vom Verlorenen Sohn

Apostel: 1 Kor 6: 12-20
Evangelium: Lk 15: 11-32


Vater Alexander Schmeman: " Rückkehr aus dem Exil "

Die Apostellesung dieses Herrentages stellt die christliche Freiheit heraus und steckt damit die Grenzen des Fastengebots ab:
"Alles ist mit erlaubt, aber ich soll mich von nichts beherrschen lassen"
Damit ist das Fasten jeder fremden Beurteilung von aussen entnommen. Es kann daher nach orthodoxem Verständnis auch nicht zum öffentlichen Gesetz werden, zumal es, wie der Herr anweist (Mt 6: 16-18) im Verborgenen geschehen soll.
Das Evangelium stellt dann den eigentlichen Sinn der Fastenzeit heraus: Der Aufbruch zur Umkehr zum Vater, der den Verlorenen Sohn mit Freuden aufnimmt und reich beschenkt. Es ist wohl kein Zufall, dass an diesem Herrentag erstmals im Nächtlichen Psalmengebet (Ps 136) angestimmt wird
.


Deine väterliche Herrlichkeit
habe ich ohne Verstand verlassen.
übel verschwendet habe ich den Reichtum
den Du mir gegeben hast.
So rufe ich Dir die Worte des Verlorenen Sohnes zu:
"Ich habe gesündigt gegen Dich,
barmherziger Vater.
Nimm mich auf,
der ich umkehre,
und lass mich bei Dir sein
wie einen Deiner Taglöhner !
"


Der selbstherrliche, auf seine vermeintliche Autonomie allzu stolze Mensch ist -von seinem Ursprung her- Sohn des himmlischen Vaters. Alles, was er hat, hat er von Gott.
Er zieht in ein gottfernes Land, liefert sich einer gottfernen Gesellschaft aus. Er nimmt so viel er kann aus seiner Mitgift, dem Eigentum Gottes. Er verschwendet es hemmungslos an Idole, die ihm kurzfristig faszinierend erscheinen. Als es seine Mitgift verbraucht hatte, im Genuss des Materiellen, Innerweltlichen, tritt die Hungersnot ein. Nichts vermag ihn zu sättigen im Anblick des Absterbens seiner Lebendigkeit, niemand, keine Parole kann ihn mehr begeistern. Keines seiner Idole kommt ihm zu Hilfe: "Ich sterbe hungers !"
Aber er hat noch die Kraft seine Niederlage einzugestehen: "Wie viele Tagelöhner im Hause meines Vaters haben Überfluss an Brot. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen".
Es ihm gleich zu tun, dazu fordert uns die Kirche auf, jetzt in der Zeit des Aufbruchs in die Grossen Fasten vor der Auferstehung.

"Ich will mich aufmachen", ich will aufstehen, damit Überblick gewinnen, Gewohntes verlassen und mich auf den Weg machen, den die Fastenzeit mir öffnet, hin zum Vaterhaus.
Das ist das Ziel: zu Gott, zu unserem Vater zu gelangen.
Er macht mich frei.
Er nährt mein innerstes Leben.
Er will mir in der Wohnung Seiner Herrlichkeit Geborgenheit auf ewig bieten.

"Ich will dem Vater sagen: ich habe gesündigt wider den Himmel und vor Dir; ich bin nicht wert, Dein Sohn zu heissen". Die Not der Sünde, der Gottesferne, ist die tiefste Not. Wo sie am grössten ist, ist sie am gefährlichsten, besonders wenn jeder Hilfeschrei betäubt und ihre Symptome verdrängt werden. Sünde ist immer gegen alles gerichtet, was sich über den irdischen Niederungen, den menschlichen Gemeinheiten, wölbt. Die Sünde widersetzt sich der Güte Gottes. Sie ist immer Lüge gegen die Wahrheit des göttliche Lebens in uns.
Wer könnte sagen, er wäre ohne Sünde: "Weil kein Mensch lebt ohne zu sündigen" (1 Könige 8: 46) ?

Die Fastenzeit schafft uns eine gute Gelegenheit, unsere Sünden vor Gott, unserem Vater zu bekennen: im Mysterium der Busse (der Beichte und Umkehr).
Es tut uns gut, wenn wir noch sagen können: "Ich habe mich versündigt an der Liebe zu Gott und den Nächsten" !

"Als er (wir) noch weit entfernt war(en), sah ihn (uns) der Vater -und war von Mitleid gerührt, er lief ihm (uns) entgegen, fiel ihm (uns) um den Hals und küsste ihn (uns). Die Liebe des Vaters kommt uns stets in Christus entgegen, wenn der Sünder aufrichtig seinen hilfsbedürftigen Zustand mit Glauben und kindlicher Hoffnung und Vaterliebe ausbreitet. Sein Mitleid teilt unser Leid und unseren Tod. Der Sünder öffnet die Herzwunde Christi, Gottes, aus der das Wasser des Mysteriums der Taufe (die Väter nennen das Mysterium der Busse "eine zweite Taufe") und das Blut der Eucharistie (des Mysteriums vom allerreinsten Leib und Blut des Herrn) fliesst.
Gott umarmt uns als Seine Kinder.
Gott schützt uns mit Seiner Kleidung (in der Taufe haben wir "Christus angezogen"), der besten Kleidung, der Kleidung der Kindschaft Gottes -wenn wir uns blossgestellt fühlen, wie einst Adam.
Gott setzt uns ein, in Sein Erbe, das unverwesliche Erbe der Unsterblichkeit.
Und trotz all dieser Gaben will er unsere Freiheit: Er gibt uns den Siegelring der Freien.
Die Kirchenväter deuten es noch tiefer:
Die Schuhe weisen auf die Befähigung auf dem Weg (Christi) fortzuschreiten, das Siegel auf das Siegel des Heiligen Geistes.
Unser Vater bereitet uns das Freudenmahl -das Ostermahl, -die Göttliche Liturgie.
Auch wenn wir dem zweiten Sohne gleichen, der tief in seinen Alltag verstrickt ist, und glaubt durch äusserliche "Anständigkeit" immer im Sinne des Vaters gehandelt zu haben, und so zum Knecht seiner Selbstgerechtigkeit geworden ist, und wenn wir, wie er, nicht hineingehen wollen, um uns für das Freudenfest bereit zu machen, so sucht uns doch der Vater heim: "Da kam sein Vater heraus, und redete ihm zu"
Hören auch wir auf Gott, unseren Vater wenn er uns durch die Tradition der Kirche jetzt in der Vorfastenzeit auf das österliche Freudenfest vorbereitet !


Ja, wir wollen nicht mehr fern der Freude der Gemeinschaft mit Gott, fern dem wahren, von Ihm geschaffenen Leben des Paradieses, leben.
Ja, ich werde die Fesseln der Torheit lösen, die mir von Ihm geschenkten Reichtuemer nicht mehr mehr mit Sündern verschwenden, sondern mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren.

An den Flüssen von Babylon saßen wir ...
gedenkend der Stadt des Herrn ...
Wie könten wir dem Herr ein Lied singen
in einem fremden Land ?
Sollte ich dich vergessen, o Stadt meines Gottes,
so verdorrt meine rechte Hand
so klebt meine Zunge am Gaumen
wenn ich Deiner vergesse,
wenn ich nicht Gottes Stadt über alle meine Freuden stelle .
..

"An den Flüssen von Babylon ..." 
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza

 

 

Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s
)


Rückkehr aus dem Exil

zum Sonntag vom Verlorenen Sohn

An diesem Sonntag der Vorbereitung auf die Fastenzeit hören wir das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32).
Zusammen mit den Hymnen dieses Tages erschließt uns dieses Gleichnis
die Zeit der Reue als die Rückkehr des Menschen aus dem Exil.

Der verlorene Sohn, so hören wir, bricht auf in ein fernes Land und verschwendet dort alles, was er besitzt.
Ein fernes Land!
Das ist die einzig zutreffende Bezeichnung für unsere Bedingtheit als Mensch,
die wir annehmen und zu der unseren machen müssen, wenn wir unseren Weg zu Gott hin beginnen.
Ein Mensch, der niemals diese Erfahrung gemacht hat, und sei es auch nur für kurze Zeit, dass er in der Gottesfeme lebt und von dem wahren Leben abgeschnitten ist, wird niemals verstehen, was es mit dem Christentum auf sich hat.
Und jemand, der vollständig in dieser Welt und in dem Leben dieser Welt »zuhause« ist, der nie von dem sehnsuchtsvollen Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit schmerzlich getroffen wurde, der wird nie verstehen, was bereuende Umkehr ist
.

Oft wird die bereuende Umkehr einfach mit einer nüchternen und »sachlichen« Aufzählung von Sünden und Übertretungen, einem »Schuldbekenntnis« bei einer gerichtlichen Anklage, gleichgesetzt.
Geständnis und Absolution werden als juristische Akte betrachtet.
Man übersieht jedoch etwas sehr Wesentliches, ohne das weder das Schuldbekenntnis noch die Absolution eine wirkliche Bedeutung oder Wirksamkeit erlangen können. Dieses »Etwas« ist ganz genau das Empfinden des Verbanntseins von Gott, weit verbannt von der Freude der Gemeinschaft mit ihm und fern dem wahren Leben zu sein, das durch Gott geschaffen und geschenkt wird. Es ist in der Tat leicht zu bekennen, dass ich an den vorgeschriebenen Tagen nicht gefastet habe, dass ich meine Gebete vergessen habe oder jähzornig gewesen bin. Eine ganz andere Sache ist es jedoch, wenn ich mir unvermittelt eingestehen muss, dass ich Schande auf mich geladen und meine geistliche Schönheit verloren habe, dass ich mich sehr weit von meinem eigentlichen Zuhause, von meinem wahren Leben entfernt habe, und dass ich in dem innersten Gewebe meiner Existenz etwas Kostbares, Schönes und Reines in nicht wiedergutzumachender Weise zerstört habe. Indessen bedeutet dies, und nur dies, die bereuende Umkehr, und deshalb entsteht auch ein tiefgreifendes Verlangen, umzukehren, zurückzugehen und jenes verlorene »Heim« wiederzufinden
.

Von Gott habe ich wunderbare Reichtümer erhalten:
zunächst das Leben und die Möglichkeit, mich dessen zu erfreuen,
ihm einen Sinn geben zu können,
es mit Liebe und Erkenntnis ausfüllen zu können;
dann – in der Taufe –
das neue Leben in Christus selbst,
die Gabe des Heiligen Geistes,
den Frieden und die Freude auf das ewige Königreich.
Ich habe die Erkenntnis Gottes erhalten,
und in ihm die Erkenntnismöglichkeit einer jeden Sache,
und die Kraft, Kind Gottes zu sein
.

Und dies alles habe ich verloren;


dies alles verliere ich ständig, nicht nur in den besonderen »Sünden« und »Übertretungen«, sondern durch die Sünde aller Sünden, indem ich meine Liebe von Gott abwende und das »ferne Land« der Schönheit des Hauses des Vaters vorziehe.
Aber die Kirche ist da, um mich daran zu erinnern, was ich aufgegeben und verloren habe.
Und während sie mir dies ins Gedächtnis zurückruft, erinnere ich mich; so wie es das Kontakion dieses Tages ausdrückt:
»Fern von der Herrlichkeit des Vaters bin ich in meiner Torheit Fesseln umhergeirrt
und habe mit den Sündern die Reichtümer, die du mir anvertraut hattest, verschwendet.
So rufe ich mit dem verlorenen Sohn zu dir:
Barmherziger Vater, ich habe gegen dich gesündigt.
Nimm mich reuigen Sünder wieder auf und nimm mich an wie einen deiner Tagelöhner ... !« Und während ich mich erinnere, spüre ich in mir das Verlangen und die Kraft zurückzukehren:
»... Ich werde mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren
und werde zu ihm unter Tränen sagen:
Nimm mich auf wie einen deiner Diener! «

In diesem Sinne singen wir heute den sehnsuchtsvollen Psalm 136:


An den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten, Sions gedenkend...
Wie könnten wir dem Herrn ein Lied singen, in einem fremden Land?
Sollte ich dich, o Jerusalem, vergessen, soll meine Rechte verdorren!
Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner vergesse,
wenn ich nicht Jerusalem über alle meine Freuden stelle ..
.


Das ist der Psalm des Exils. Die Juden sangen ihn während der babylonischen Gefangenschaft, im Andenken an ihre heilige Stadt Jerusalem. Er wurde seit jeher das Lied desjenigen, der sich seines Verbanntseins in der Gottesfeme bewusst und hierdurch zu einem neuen Menschen wurde: zu jemandem, den nichts von dieser gefallenen Welt zufrieden stellen kann, da er seiner Natur und Berufung nach ein Pilger des Allerhöchsten ist. Dieser Psalm wird noch zweimal, an den beiden letzten Sonntagen vor der Fastenzeit gesungen. Und somit offenbart sich die Fastenzeit als Pilgerfahrt und Bereuen,
als UMKEHR.

Schmemann, Alexander (Erzpriester und langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)
"Die Große Fastenzeit - Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche"
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie, Bd. 2, München 1994

hier aus St. Andreas Bote

"An den Flüssen von Babylon ..." 
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza


 

Sonntag der beginnenden FLEISCHENTHALTUNG

Sonntag vom Gericht

Apostel: 1 Kor 8:8 - 9:2
Evangelium: Mt 25: 31 - 46



Dieser Herrentag wird nach dem Evangelium "vom Gericht" oder nach der Tradition der Kirche "Herrentag der Fleischenthaltung" (= APOKREO = MESOPUSTNA = Carne val) genannt. Mit dem Abendgottesdienst an diesem Sonntag beginnen die Gläubigen sich in Fleischenthaltung zu üben.
In der folgenden Woche wird der Körper noch einmal mit Milch, Butter und Käse gelabt, bevor danach am Abend des nächsten Sonntags die Grossen 40-tägigen Fasten vor der österlichen Festzeit beginnen
.


Orthodoxe Mönche und Monialinnen verzichten auf Dauer auf die Ernährung durch Fleisch. Während der Fasten enthalten sich auch die Laien. Der Verzicht auf Fleisch soll als ein Zeichen der Hoffnung auf das Himmelreich verstanden werden. Im ewigen Friedensreich Gottes werden sich Seine Geschöpfe nicht mehr fressen und gefressen werden(Jes 11: 6-9). Unser Fasten nimmt dieses Friedensreich im Glauben vorweg.
Die Apostellesung betont wieder einmal die wahrhaft christliche Freiheit gegenüber allen religiösen Speisevorschriften
:

Brüder, Speise wird uns nicht vor Gott bestehen machen;
weder fehlt uns etwas, wenn wir nicht essen,
noch gewinnen wir etwas, wenn wir essen"
(1 Kor 8:8)

Die Grenze dieser Freiheit ist jedoch das Gewissen unseres Nächsten, wenn er sich zu etwas verführen lässt, das ihm schadet.

Das Evangelium stellt uns das Gleichnis vom Jüngsten Gericht vor Augen. Mit der Symbolik vom Hirten, der am Abend des Tages die Schafe von den Ziegenböcken sondert, werden wir auf das Kriterium dieser für alle Ewigkeit wichtigen Entscheidung aufmerksam gemacht:
Erwählten wie Verworfenen,wird nach ihrem Tun Heil oder Unheil zuteil:
Aber sie erkennen erst jetzt, dass nicht die Befolgung irgendwelcher hochgesteckten abstrakten Prinzipien sondern die Art ihres Verhaltens gegenüber dem Schwächeren Mitmenschen entscheidet !

Vor dem ewigen Gericht werden jene in das Reich Gottes eingehen, die ihre Liebe konkret an ihren Mitmenschen bewiesen haben:
an den Armen, den Gefangenen und den Kranken. Unsere bewiesene Liebe oder unsere erwiesene Lieblosigkeit entscheidet !
Sünde ist Trennung und Isolierung von Gott, da Gott der Absolut Liebende ist. Und so wie Gottes Liebe zu uns konkreten unwürdigen menschlichen Individuen sind wir zu konkreter Liebe zu jeder menschlichen Person aufgerufen, der uns Gott in unserem Leben begegnen läßt.
Die christliche Liebe ermöglicht uns in jedem Menschen, der uns begegnet Christus zu sehen. Jeden Menschen, den Gott in Seinem unerforschlichen und ewigen Plan in mein Leben geführt hat, und sei es auch nur für einige Augenblicke, hat Er zu mir geführt um mir Gelegenheit zu geben an Seiner Liebe zu allen Geschöpfen teilzuhaben. Denn ist Seine Liebe nicht jene alle Äußerlichkeiten, alle Andersartigkeit, alle Herkunft und Intellektualität übersteigende Kraft die zur jeweils einzigartigen personalen Wurzel seines menschlichen Seins vorstößt, das wir getrost makellos und absolut sehen dürfen: seine ihm vom Schöpfer eingehauchte Seele, die wahrhaft göttliche Seite jedes Mitmenschen. Die christliche Liebe ist tätige Bekräftigung dieses Glaubens. Und diese Liebe ist so wie Gottes Liebe immer konkret. Wir sind damit nicht aufgerufen, allgemein und abstrakt die "Menschheit" allgemein und nicht in Form irgendwelcher Pläne für die Zukunft, die konkret gegen einzelne Personen und in einer konkreten "Etappe" "über Leichen geht", zu lieben, sondern immer die konkrete Person, die HIER und JETZT vor uns steht !
Wir wissen, dass alle Menschen dieser personalen Liebe bedürfen - dem Erkennen ihrer einzigartigen Seele in ihnen, in der sich die Schönheit der ganzen Schöpfung in einzigartiger Weise widerspiegelt.
Und so haben auch wir diese Liebe nötig:
Jetzt - und am Tage unseres Gerichtes !
Wir können das ewige Heil nicht erlangen, ohne die verzeihende Liebe dessen, der uns durch den Hauch Seiner Liebe das Leben gegeben hat und Der uns dann daran messen wird, ob wir diese Liebe erhalten und weitergegeben haben.

Die Hymnen des heutigen Tages halten fest, dass wir, an diesem Massstab gemessen, alle schuldig geworden sind vor Gott; wir können Sein Erbarmen nicht verdienen, sondern nur erbitten. Vorbereitet durch die vergangenen Herrentage sollen wir aber nicht ängstlich abseits stehen, sondern dürfen wir darauf hoffen, dass Gott, unser Vater, uns mit Macht, Weisheit und Güte zu unserem Heil helfen will
!


Wenn Du, o Gott, kommen wirst
auf Erden in Herrlichkeit
wird das All erzittern
und von Deinem Richterstuhl ein Feuerstrom ausgehen,
die Bücher werden geöffnet und das Verborgene wird offenbar.
Dann errette mich aus dem nie erlöschenden Feuer
und würdige mich,
zu Deiner Rechten zu stehen,
gerechtester Richter !



Kommet, lasset uns dem Herrn frohlocken,
jauchzen dem Fels unseres Heils !

Lasset uns vor Sein Angesicht treten
mit unserem Bekenntnis !
Mit Psalmen lasset uns Ih
m zujubeln !

 

"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~

Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

 

Sünde, UMKEHR, Reue und Vergebung in der Hl.Schrift
und die Bedeutung für uns.

Aus dem 2.Vortrag von Vater FJODOR Hölldobler, Herbstseminar 1998
Bischofsheim a.d.Rhön

* Quellenhinweis *

Als pastorale Grundlage zu unserem Thema aus der Hl. Schrift ist zunächst das Gebet zu beachten, das der Priester zu Beginn der Beichte liest:
Hier wird der "büssende David" genannt, "der sich von seinen Verfehlungen bekehrt hat".
Das bezieht sich auf 2 Samuel 11: 14 - 27, wo David den Hethiter Uris bei der Eroberung der ammonitischen Stadt Rabba umkommen lässt, um in den Besitz seiner Frau Batseba zu gelangen, die er dann auch heiratet und die ein Kind von ihm bekommt. In 2 Sam 12: 1 - 14 wird geschildert, wie eines Tages der Prophet Natan zu ihm kommt. Er kleidet sein Anliegen zunächst in eine Geschichte von einem Reichen und einem Armen: Der Reiche hatte viele Schafe und Rinder, der Arme hatte nur ein einziges Schaf, das er sehr liebte. Da bekam der reiche Mann Besuch. Er nahm dem Armen das Schaf weg, schlachtete es und setzte es seinem Gast vor.

Während Natan erzählt, wird David immer zorniger und ruft: "Der Mann soll sterben, der das getan hat." Aber er muss sich sagen lassen, dass -er- dieser Mann ist: "Gott sagt dir: Ich habe dir alles gegeben, Sauls Tochter, seine Frauen und seine Herrschaft. Du hättest noch mehr bekommen können. Warum musstest du Uris umbringen und seine Frau heiraten ?" Natan ging, nachdem David seine Schuld eingesehen hatte, aber als Strafe sollte das Kind sterben. An diese Stelle gehört nun der immer wieder neu ergreifende Psalm 50. David wurde krank vor Kummer. Am selben Tag ist gemeldet worden, dass sein Sohn krank ist. Er betet und fastet, aber am siebenten Tage stirbt das Kind.

David war ohne Zweifel der modernste Staatsmann im Vorderen Orient seiner Zeit. Er war kein orientalischer Despot, sondern hing persönlich an der Überlieferung seines Volkes, die aus der Wüstenzeit herkam. Er war Landsknecht, Künstler, Gottsucher, Prophet und Fürst zugleich. In David verstand sich Israel aufs neue von Gott erwählt und geführt. Aber in David hatte alles Menschliche Raum, im Guten wie im Bösen, wie diese Geschichte zeigt. Die Busse, zu der David fähig war, zeigt seine Grösse als religiöser Mensch, als Prophet und Künder des Bussgedankens.

Sodann wird Manasse genannt, dessen Bussgebet der Herr "angenommen" hat. In 2 Chr 32: 21 - 33: 12 lesen wir, wie Jerusalem von den Assyrern belagert wird. Hiskia bleibt Gott treu, indem er dem Propheten Jesaja vertraut. Die Assyrer müssen abziehen, nachdem offensichtlich eine Seuche im Lager ausgebrochen ist. Solange Hiskia lebt, wagen die Assyrer keinen einzigen neuen Angriff auf Jerusalem. Nach seinem Tode wird sein Sohn Manasse zum König gekrönt, da versuchen die Baalsanhänger, ihn zur Abkehr von Gott zu bewegen. Manasse hört auf ihren Rat und führt den Götzendienst in Juda wieder ein. Er stellt sogar im Tempel Gottes ein Götzenbild auf. Die Assyrer besiegen Manasse und nehmen ihn gefangen. In Fesseln wird Manasse durch die Strassen von Jerusalem geführt. In Babylon wird er ins Gefängnis geworfen. Im assyrischen Kerker überdenkt Manasse, wie die Assyrer zur Regierungszeit seines Vaters Jerusalem nicht einnehmen konnten, weil er Gott diente, und dass er selbst von Gott abgefallen war. Er bereut seine Sünden und bittet Gott um Vergebung. Eines Tages wird er vor den König von Assyrien gebracht, der ihn nach Hause schickt, um Juda zu regieren.

Im Neuen Testament genannt wird "die Sünderin", der "die Schuld" von Jesus Christus vergeben wurde.
Gemeint ist die Frau, die ins Haus kam, als er Gast im Hause des Pharisäers Simon war, Lk 7: 37. Die Erzählung vom Mahl beim Pharisaär Simon wird von Lukas allein überliefert, ist jedoch mit jener von Mt 26: 7 -13 verwandt, wo eine Frau im Hause Simons des Aussätzigen in Betanien Jesu Füsse salbt. Dort ärgert sich manch einer unter den Jüngern Jesu wegen der "Verschwendung", hier hingegen der Pharisäer, weil die Frau eine Dirne ist, die mit Jesus in Kontakt kommt. Diese Begebenheit ist Anlass für eine bemerkenswerte Lehre des Evangeliums (7:47): Wer für viele Sünden Verzeihung erlangt hat, wird viel Liebe zeigen.

Sodann wird der "bitterlich weinende Petrus" zitiert, dem der Herr die "Verleugnung nachgesehen" hat. Die ergreifende Szene aus der Passion ist ja doch sehr bekannt.

Wenn wir nun die genannten Schriftstellen vergleichen, so sehen wir, dass die genannten Sünden eine gemeinsame Wurzel haben
.
Das ist einfach die Gottvergessenheit.
David, der es herrlich verstand zu singen: "Mein Hirt ist Gott der Herr", dieser David dringt in die Herde ein wie ein Wolf und vergisst den Hirten.
Manasse erliegt den Einflüsterungen seiner Ratgeber, die ihm versprechen, dass er so reich und mächtig würde wie die Assyrer, wenn er Götterbilder aufstellen lässt so wie sie, und vergisst seinen Gott. Wer seinen Leib der Hurerei hingibt, der vergisst, dass dieser ein Tempel Gottes ist ( 1 Kor 3: 16 ). "Hütet euch vor der Unzucht ! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt ausserhalb des Leibes.
Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt ?" ( 1 Kor 6: 17 )
Als Petrus sagt: "Ich kenne diesen Menschen nicht !" hat er Ihn in diesem Augenblick tatsächlich nicht mehr gekannt. Er hat alles vergessen aus der existentiellen Bedrohung heraus.

So sind auch wir als Sünder meist nicht grundsätzlich gegen die Gebote Gottes eingestellt. Wir wollen meist auch seine göttliche Autorität nicht anfechten wie Lucifer, aber in der Stunde der Versuchung vergessen wir einfach, was vorher war, wie gut der Herr zu uns war. Die dunkle Nacht der Sünde hält uns gefangen.
Deshalb verwendet die Orthodoxie soviel Kraft auf die Heiligung der Sinne, auf die Vergöttlichung der sinnlichen Sphäre, um dem Menschen die Verführbarkeit durch die entsprechenden Anreize zu nehmen.

Die Heilige Schrift ist voll von Beispielen der Gottvergessenheit:
Adam und Eva "vergessen" Gottes Gebot / Kain vergisst seinen brüderlichen Auftrag / Noahs Zeitgenossen vergessen ihren Schöpfer / die Turmbauer zu Babylon vergessen Gottes Allmacht / Jakobs Brüder vergessen, dass Gott erwählt / die Israeliten vergessen Seine Führung und beten das goldene Kalb an / zwei Söhne des Aaron vergessen ihren priesterlichen Dienst und meinen "Feuer ist Feuer" / das Volk vergisst seinen Ernährer und wünscht sich zurück an die ägyptischen Fleischtöpfe / Aaron und Miriam vergessen, dass sie sich nicht mit Moses vergleichen können und dass Er -ihm- das Volk anvertraut hat / Korah und andere Gemeindevorsteher vergessen, dass Moses der von Gott erwählte Führer ist und bestreiten seine Autorität, mit dem Argument, die ganze Gemeinde sei heilig. / Vor der Schlangenplage vergessen die Leute Gottes Wohltaten und lästern gegen das Manna / im Gelobten Land vergessen sie wieder Gott und beten fremde Götter an, die Kanaaniter können sie besiegen.
Die Gottvergessenheit durchzieht die ganze Geschichte des Gottesvolkes. Kaum ging es allen gut und sie lebten in Frieden vergassen sie Gott und kehrten erst durch die Umstände belehrt zurück.

Für uns ist es auch sehr wichtig, die Zeichen zu erkennen, mit denen Gott unsere Umkehr fordert, der Mensch kann durch allerhand Warnzeichen erkennen, dass er sich von Gott entfernt hat und kann durch Busse der drohenden Strafe entgehen. Er wird umkehren und Aufnahme finden wie der Verlorene Sohn.

Die Rückkehr ins Vaterhaus geschieht durch das Busssakrament. Joh 20: 19 - 23 berichtet seine Einsetzung.
Das Gebet des Priesters bei, bzw. vor der Beichte zitiert Mt 18: 22, wo der Herr auf die Frage des Petrus hin sagt, dass die Sünden siebenundsiebzigmal vergeben werden sollen. Der Neue Bund hat uns Gottes verzeihende Liebe nahegebracht und der Priester, der die Macht hat, zu binden und zu lösen, wird sich in verantwortungsvoller Weise darauf einstellen.


 


 "Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"

 

Sonntag vom VERLUST des PARADIESES
VERGEBUNGSSONNTAG !

BUTTERENTSAGUNG
!

- am Abend des Sonntags:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen
FASTEN


"Über die Vergebung" von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Apostel: Rm 13:11 - 14:4
Evangelium: Mt 6: 14 - 21



Das Evangelium dieses Sonntags, an dessen Abend die Grossen Fasten beginnen, erinnert uns daran, dass wir Vergebung vom Herrn erst erwarten können, wenn wir nicht selbst bereit sind, unseren Mitmenschen zu vergeben, was sie uns an Verletzung zugefügt haben - und sie unsererseits um Vergebung zu bitten für das, was wir bewusst oder unbewusst an ihnen gefehlt haben.
Darum findet an diesem Sonntagabend nach der Vesper in die Handlung des Gegenseitigen Vergebens statt, wie sie am Schluss des Apodipnons in Klöstern täglich geübt wird. In manchen Kirchen wird dieser Ritus aus praktischen Gründen unmittelbar nach der Liturgie ausgeführt. In den Häusern ist die Vergebung als Abschluss der Karnevals- und Butterwoche mit einem Fest vor allem für die Kinder verbunden, dabei werden zum letzten Mal die Milch- und Butterspeisen genossen.
Die folgende Woche ist ganz dem intensiven Fasten gewidmet. Es beginnt die fortlaufende Lesung aus dem Buch Genesis, die im Sündenfall und dessen Folgen mündet. Mit dem Verlust des uns von Gott bereiteten Paradieses durch unsere selbstzerstörerischen Abwege beginnt auch die Sehnsucht nach dem Ende der widernatürlichen Sünden und dem neuen Paradies. Die dafür erforderliche Bereitschaft zur Umkehr wird in der kommenden Woche durch das Gebet des heilsamen Busskanons des Hl.Andreas von Kreta gefördert. Wir fühlen mit, dass wir mit unseren Sünden nicht allein sind, aber werden auch dazu ermutigt, uns den Figuren des Bibel anzuschliessen, die den Mut fanden, Gott um Vergebung zu bitten, und Ihm damit wieder nahe zu kommen
.
Trotz -und vielleicht wegen- all unserer negativen Erfahrungen ruft uns die Apostellesung zu:

" Jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht
"

(Rm 13:11 ff)

Für die Fastenzeit wird uns mitgegeben:
" Wer isst, soll den nicht verachten, der nicht isst;
und wer nicht isst, soll den nicht richten, der isst;
denn Gott hat ihn angenommen.
Wer bist du denn, dass du einen fremden Knecht richtest ?
Seinem eigenen Herrn steht oder fällt er - aber er wird stehen; denn der Herr hat die Macht, ihn aufrecht zu erhalten
"

(Rm 14: 3-4)


Und so erbitten wir in allem für den bevorstehenden Weg der Umkehr in den Grossen 40-tägigen Fasten vom Herrn selbst Führung, Stärkung und Weisheit:


Führer auf dem Weg der Weisheit,
Urgrund des Verstandes,
Lenker der Unverständigen
und Beschützer der Armen,
festige, unterweise mein Herz, Gebieter.
Gib mir das Wort, Du Wort des Vaters !
Denn, siehe, nicht lassen ab
meine Lippen zu Dir zu schreien:
Barmherziger,
erbarme Dich meiner,
des Gefallenen !
(Kondakion)

 

 

Über die Vergebung
zum Sonntag der Vergebung
von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Zunächst: Verzeihen bedeutet nicht Vergessen; beides ist sogar im Grunde unvereinbar miteinander.
Wenn mir jemand ein Unrecht zugefügt hat, das ich vergebe und vergesse, dann sind wir beide in Gefahr, dass das gleiche sich wiederholt, denn einerseits entsteht und vergeht diese Verzeihung auf der Stelle: sie ist nichts Beständiges und auf die Zukunft hin Ausgerichtetes.
Etwas Vergangenes ist an eine Grenze gelangt, die es nicht überschreitet;
die Zukunft ist ohne Erfahrung aus der Vergangenheit
.

Andererseits, wenn ich vergesse, vergesse ich zweierlei: wohl vergesse ich das Unrecht, das mir angetan wurde, gleichzeitig aber auch den Grund, aus dem es mir zugefügt wurde, und ich kann den Betreffenden niemals vor der Versuchung bewahren, in die gleiche Situation zurückzuverfallen.

Man muss sich erinnern, dass dieser Mitmensch, sobald er in jene bestimmte Lage versetzt wird, diese bestimmte Schwierigkeit hat; folglich darf man ihn nicht wieder in dieselbe Lage bringen; man muss die zurückbleibende Schwäche erkennen.
Darum ist es so wichtig, sich zu erinnern, denn das ist die einzige Möglichkeit das Verzeihen fortzusetzen. „Ich habe dir deine ungeduldige Handlung verziehen, aber ich habe dadurch entdeckt, dass diese bestimmte äußerung, jene Geste, diese besondere Situation sie hervorrufen können.“
Es gilt, den andern vor diesen Situationen zu bewahren, solange, bis man ihm geholfen hat die notwendige Kraft zu gewinnen, die Spannung zu überwinden. Andernfalls stoßen wir unsere Mitmenschen ständig neu in Situationen hinein, wo sie unfehlbar auf die gleiche Weise reagieren werden, wie sie das Problem hervorrie
f.

Außerdem ist das Verzeihen eine besondere Weise, einen anderen Menschen anzunehmen.
Das beginnt in dem Augenblick in dem man sagt: „Ich nehme dich an, so wie du bist. So wie du bist trage ich dich, wie man ein Kind über eine schwierige Stelle hinwegträgt oder wie man ein Kreuz trägt, aber ich weise dich nicht zurück. Zu sagen, dass ich dich annehme, so wie du bist, heißt keineswegs, dass du bist wie du sein solltest.

Nur wenn man einen Menschen so annimmt, wie er ist, kann man ihm helfen sich zu ändern.
Aber man darf nicht zuerst fordern, er müsse sich ändern, um ihm zu versprechen, hernach werde man ihn lieben.
Im Russischen sagt man: „Liebe mich schwarz ! Wenn ich erst weiß bin, werden alle mich lieben.“
Es gibt nur Probleme wo der Mensch sie schafft. Ein Mensch aber, der Probleme schafft, muss so sehr geliebt werden, dass er im Vertrauen den Glauben an sich selber wiederfinden kann, die Selbstachtung und jene schöpferische Hoffnung, die ihm ermöglichen wird, sich zu ändern
.

Folglich übernimmt man mit dem Verzeihen die Verantwortung für einen Menschen, so wie er ist, mit der Hoffnung auf die Zukunft, jedoch ohne Bedingungen zu stellen!
Man verzeiht nicht unter Bedingungen. Es geht nicht an, einem Menschen „mit Bewährungsfrist“ zu verzeihen. Das zeigt sich sehr deutlich im Gleichnis vom Verlorenen Sohn.
Der Vater fordert nichts; ihm genügt es, den Sohn wiedergekehrt zu sehen, um zu wissen, dass er die Umkehr vollzogen hat, dass er verändert zurückqekehrt ist. Verändert bedeutet ganz und gar nicht vollkommen. Er mag sich verändert haben und dennoch für eine lange Zeit für die Familie schwer erträglich geworden sein. Dem Vater genügt es, dass sein Sohn wiedergekehrt ist; was noch zu tun bleibt, kann man gemeinsam überwinden
.

Das Verzeihen enthält vielerlei Elemente.
Zuerst muss einer kommen und um Verzeihung bitten oder doch wenigstens einen Schritt in diese Richtung tun;
es ist nicht schwer, zu verzeihen, wenn man glaubt, im Recht zu sein;
es ist auch nicht schwer, einen Schritt entgegen zu kommen, wenn man im Recht ist oder sich im Recht wähnt.
Darum muss derjenige, der im Recht zu sein glaubt, den ersten Schritt tun. Eine Gebärde, ein unmerklicher Hinweis, dass eine Aussöhnung erwünscht wäre, muss genügen, diesen Schritt zwingend zu machen.
Dann aber muss ein solcher Versuch zur Versöhnung bedingungslos angenommen werden, denn ein Mensch kann sich nur ändern im Maße der Hoffnung, die wir in ihn setzen, im Maße der Liebe, die wir ihm zu geben vermögen und im Maß unseres Glaubens an ihn
.

In einer Gemeinschaft stellt sich das Problem anders.
Die Tatsache, dass ein Mensch Mitglied einer Gemeinschaft ist, kann ein Problem bedeuten, nicht nur für einen Einzelnen, sondern für eine ganze Gemeinschaft. Dann muss die Gemeinschaft zu der zugleich kranken und heilenden Gemeinschaft der Kirche werden: krank, weil jeder von uns ein Sünder ist und wir alle eine zutiefst beschädigte Gemeinschaft sind; dennoch aber auch eine Gemeinschaft, die fähig ist Gesundheit zu vermitteln, zu heilen, das ewige Leben mitzuteilen.
Denn keine christliche Gemeinschaft besteht nur aus ihren sichtbaren Gliedern: Christus ist in ihrer Mitte, der Heilige Geist ist ihr gegeben, und ob es die Kirche in ihrer Gesamtheit oder eine kleine Kirchengemeinde ist – in der Gemeinschaft sind Gott und Mensch gänzlich für einander gegenwärtig, und wir können in Gott die Kraft finden, die wir als Menschen nicht besitzen.

Unrecht nicht völlig zu vergessen ermöglicht eine Erfahrung, die wie wenig andere den Weg zur Demut freilegt.
Die Erfahrung, geliebt zu werden in vollem Bewusstsein dessen wie wir sind
– nicht trotzdem, oder weil man nicht wüsste, wie wir sind – ist ein sehr herrliches Geschenk, das Anlass zu Dankbarkeit und Demut wird und das aus unserem Leben ein demütiges Voranschreiten im Gebet macht.
Doch muss die Verzeihung auch angenommen werden.
Oft meinen Menschen, keine Verzeihung annehmen zu können, weil sie sich selber nicht verzeihen können. Selber können wir uns nicht verzeihen, aber wir müssen von einem anderen Menschen die Verzeihung annehmen können, – mag vorgefallen sein was will – dass er uns zugetan bleibt; was eine wahrhaft unverdiente Gnade ist. Und das ist schwer.
Viele Menschen vermögen auch in der Absolution Gottes Verzeihung nicht anzunehmen und können nicht absolviert werden. Gott hat verziehen – aber sie haben die Absolution trotzdem nicht erhalten
.

Es ist auch schwer, die Verzeihung unverdient anzunehmen.
Es kann demütigend sein. Aber wenn wir besser verstehen lernen, wenn wir zu geben lernen, lernen wir auch zu empfangen. Einer, der sich selbst nicht verzeihen lassen kann, vermag auch selbst niemals zu vergeben. Einer, der nicht annehmen kann, geliebt zu werden, anerkannt zu werden, Hingabe zu empfangen, kann auch seinerseits nicht lieben, anerkennen, Hingabe aufbringen, denn derlei geschieht wechselseitig. Unverdient zu empfangen lernt man in staunender Freude, Demut und Dankbarkeit, mit der wir eine unverdiente Gabe beantworten. Und haben wir das erst entdeckt, können auch wir zu schenken beginnen ohne uns darum dem Empfangenden gegenüber überlegen zu fühlen
.

Natürlich ist unser Verzeihen nicht Gottes Verzeihen.
Doch müssten wir lange warten, bis wir so zu verzeihen vermöchten. Aber wir können damit beginnen zu lernen, uns gegenseitig in all unserer Begrenztheit anzunehmen. Es ist schwer, um Verzeihung zu bitten, es ist auch nicht leicht, zu verzeihen, doch Verzeihung zu verweigern ist ebenfalls schwer
.

Am Sonntag vor der Großen Fastenzeit, nach dem Verzeihungsgottesdienst, der ein Gottesdienst der Buße und der Hoffnung ist, sollen alle Glieder einer Gemeinschaft einander um Verzeihung bitten.
Jahrelang habe ich die Leute ermuntert, einander zu vergeben;
dann habe ich beobachtet, wie sie mit Wärme und Enthusiasmus Leute um Verzeihung baten, die sie niemals beleidigt hatten;
aber sie bewiesen sehr viel mehr Zurückhaltung bei anderen, von denen sie selber Verzeihung zu erhoffen hatten;
und schließlich sah ich sie denen den Rücken kehren, die keinerlei Bedürfnis hatten ihnen zu verzeihen, weil sie sich ihnen gegenüber tatsächlich allzu rüde verhalten hatten.
– Da habe ich zunächst verlangt, dass niemand Verzeihung von jemand erbitten sollte, den er nicht darum bitten wollte,
– weil er noch zu keinem Frieden mit ihm gefunden hatte.
Dann sollten sie sagen: „ich bitte Sie nicht um Verzeihung, weil meine Einstellung sich noch nicht geändert hat. Wenn Sie mir verzeihen ändert das nichts; ich verabscheue Sie und habe die Absicht, Sie auch weiterhin zu verabscheuen.“
Und von denen, deren Verzeihung man erbat, die sie nicht gewähren konnten dass sie antworten sollten:
„Ich bin sehr bekümmert, aber mein Herz ist noch zu schwer, ich bin noch zu bitter, ich kann Ihnen noch nicht verzeihen.

Dann aber wurden beide Parteien aufgefordert, sich in der Beichte vor Gott hinzustellen und ihm zu sagen:
„Herr, ich erwarte von Dir jetzt Vergebung. Selber Vergebung zu gewähren, verweigere ich. Ich erwarte einen Schritt auf mich zu, lehne es aber selbst ab diesen Schritt zu tun .....“ Jemandem zu sagen, „Ich lehne es ab, zu verzeihen,“ wirkt so erschütternd, dass die Menschen zu denken beginnen. Gesagt zu bekommen, „ich kann dir nicht mit Überzeugung vergeben“ ist ebenfalls erschütternd
.

Wenn in einer Gemeinschaft der Mut aufgebracht wird, wenigstens so aufrichtig zu sein, dass man es fertig bringt, zu sagen: „Ich bin nicht imstande dir zu verzeihen;
das heißt nicht, dass du so schlimm bist, dass ich dir nicht verzeihen könnte, sondern, dass ich so schlimm bin, es nicht fertig zu bringen, dir zu verzeihen“, dann wird derjenige, der nicht verzeiht, Gegenstand der Sorge und der Fürbitte der Gemeinschaft, mehr als der andere, dem die Verzeihung verweigert wird – solange, bis er Verzeihung erbitten kann
.

Wenn uns ein Mensch begegnet, so ist das niemals ein zufälliges Zusammentreffen.
Dieser Mensch muss in unserer Gegenwart, unserm Blick, der Art, wie wir ihn behandeln, der Art, wie wir auf der Straße an ihm vorübergehen, eine Gottesgegenwart, lebendiges Gebet spüren.
Jemand kommt, stets ist er mir ein Gesandter des Herrn: ob er mit einer Botschaft kommt oder mit ausgestreckter Hand – wir sind aufgerufen, eine Liebestat zu tun, eine Tat christlicher Liebe
.

Jeder Umstand, dem wir im Leben begegnen, ist gottgewollt, wir sollen in die Situation eintreten und Gott gegenwärtig machen durch unsere Gegenwart und unser Gebet. Ob ein Leben erfolgreich ist oder nicht macht wenig aus im Hinblick auf das Gebet.
Was auch kommen möge, vor jeder neuen Situation können wir bitten:
Herr, gib mir Einsicht,
gib mir ein Herz, das fähig ist, zu antworten,
gibt mir den rechten Willen,
sei gegenwärtig in dem was hier geschieht
.

Wenn ein anderer spricht, können wir ständig beten und den Herrn bitten, uns verstehen zu lehren, nicht nur die Worte, die ausgesprochen werden, sondern das tiefe Bedürfen, die Wirklichkeit, die sich hinter den Worten oftmals verbirgt. Und wenn die Zeit gekommen ist und der andere nicht mehr spricht, kann man so lange schweigen und beten, bis man etwas zu sagen weiß; und wenn einem dann ein Gedanke gekommen ist, der die Klarheit und Gewissheit der Dinge hat, die von Gott kommen, – dann können wir ihn vorbringen und hernach Gott bitten, er möchte für den anderen Menschen bewirken, was wir nicht zu bewirken vermögen, er möchte, wenn wir einen Irrtum begingen, ihn uns verzeihen und ihn heilen, und wenn der Mensch gegangen ist, weiter für ihn beten.

Die Art, wie man eine Frage stellt, die Art, wie man zuhört, wie man eine Entfaltung möglich oder unmöglich macht, ist so wesentlich.
Einen Menschen, der nichts zu antworten weiß und sich schämt, – mit dem Gefühl zurückzuschicken, völlig versagt zu haben
- oder doch mit ein wenig Hoffnung und der Freude, jedenfalls als Mensch angenommen worden zu sein
.

Alles kann im Gebet verankert sein.
Man kann lernen, sich der Gegenwart Gottes ständig bewusst zu werden, mit einem klaren, lebendigen Gefühl, ihm zugewandt bleiben; jedoch immer mit voller Aufmerksamkeit; denn es ist vielfach Unaufmerksamkeit, die nach und nach die Wirklichkeit aller Dinge zerstört..
.

Übersetzung aus dem Englischen: Irene Hoening
hier aus St. Andreas Bote


 

F A S T E N Z E I T

"Fastenregeln" / FASTEN / Kanon der Umkehr unseres Vaters unter den Heiligen ANDREAS von KRETA
Fasten-Hirtenbrief 2007 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: "...Zeit der Geistlichen Kaempfe"
Fasten-Hirtenbrief 2004 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: „Öffne mir, Lebensspender, das Tor zur Umkehr!“
Beten und Fasten - Erzbischof STYLIANOS von Australien
» ... sondern nur durch Beten und Fasten« (Erzpr. Prof. Alexander Schmemann (+ 1983)
Die Große Zeit der Vorbereitung auf die AUFERSTEHUNG
(aus dem "Orthodoxen Glaubensbuch")


"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"


SONNTAGE der Fastenzeit:

1. Sonntag: Fest der ORTHODOXIE   21.3.21
2. Sonntag: Hl. GREGOR Palamas   28.3.21
3. Sonntag: KREUZVEREHRUNG   4.4.21
4. Sonntag: Hl. JOHANNES von der Himmelsleiter   11.4.21
5. Sonntag: Hl. MARIA von Aegypten   18.4,21


 

 

 

Fastenregeln

Die Fastenregeln der Kirche sind im Kapitel 32 und 33 des Typikons dargelegt.
Vollständiges Fasten, wie in den Grossen 40-tägigen Fasten vor dem Auferstehungsfest vorgesehen, bedeutet Abstinenz von Fleisch, Eiern, allen Milchprodukten, Fisch, Wein und Öl. Der Speiseplan besteht also praktisch nur aus Gemüse, das ohne Öl zubereitet wird, Kartoffeln, Reis und Brot, wobei den Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen jeder Art, Linsen) besondere Bedeutung zur ausgewogenen Ernährung zukommt. An den Samstagen und Sonntagen dieser Fastenzeit ist laut Typikon zusätzlich Wein und Öl erlaubt, was die Zubereitung der Speisen erleichtert. An einem besonderen Feiertag, wie zum Fest der Verkündigung an die Gottesmutters am 25. März (7.4.) aber z.B. nicht am Sonntag der Orthodoxie ! sind auch Fischspeisen erlaubt.
Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass die Fasten keine Zwangsjacke darstellen, sondern eine Hilfe, die die Abhängigkeiten aufheben und uns auf das Gebet hin orientieren sollen.
Dadurch gehört auch weitestgehender Verzicht auf "Zeitvertreib" und Unterhaltungsmedien.
Ernsthafte Bemühungen in der Überwindung persönlicher Schwächen sind notwendige Begleiter sinnvollen Fastens.
Hingegen sollte bei gesundheitlichen Problemen wirklich nur Überflüssiges dem Fasten unterworfen werden.
Damit hier keine Willkür oder unheilsame Unsicherheit aufkommt, sollte man sich immer mit dem "Geistlichen Vater", zu dem ein jeder Christ für seinen Nächsten werden kann, absprechen
!

 

 

F A S T E N
Jes 58: 4 ff

+++

Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr
und schlagt mit gottloser Faust drein.
Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr es jetzt tut,
wenn eure Stimme im Himmel gehört werden soll.

Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe:
Loese die Fesseln derer, die du mit Unrecht gebunden hast;
Loese die Stricke des Jochs !...
Teile mit den Hungrigen dein Brot,
und die im Elend ohne Obdach sind, fuehre in dein Haus...

Dann wird dein Licht hervorleuchten wie die Morgenroete,
und dein Heil wird schnell voranschreiten,
und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen,
und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschliessen.
Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten.
Wenn du schreist, wird ER sagen:
Siehe, hier bin ich !

Wenn du bei dir niemanden unterjochst
und nicht mit Fingern zeigst
und nicht uebel redest,
sondern den Hungrigen dein Herz finden laesst
und den Elenden seinen Mangel linderst,
dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis
und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.
Und der Herr wird dich immerdar fuehren
und dich satt werden lassen in der Duerre
und dein Gebein staerken.
Und du wirst sein
wie ein gut bewaesserter Garten
und wie eine Wasserquelle,
der es nie an Wasser fehlt.

+++


So singen wir am Beginn der Fasten:

+++
Lasset uns ein Fasten halten,
welches dem Herrn gebuehrt und wohlgefaellig ist:

Entfremdung von boesen Taten,

Beherrschung der Zunge,

Enthaltung von Zorn,

Fernhalten von zwanghafter Begierde,
Verleumdung,
Luege und
Meineid.

Die Freiheit von diesen Dingen
ist ein wahres Fasten.

+++

 

zum folgenden Gottesdiensttext - Aufnahme des Gottesdienstes aus der Russischen Orthodoxen Kirche
~~~ 1.Teil ~~~
~~~ 2.Teil ~~~
aus der Internetseite www.liturgy.ru

K A N O N der U M K E H R
unseres Vaters unter den Heiligen
ANDREAS von KRETA



(Vierter Abschnitt des "Grossen Kanons des Hl. Andreas von Kreta" 9. Ode)

 

Unerforschbar ist die Geburt nach jungfraeulicher Empfaengnis,
jungfraeulich die Mutterschaft der Frau, die keinen Mann erkannt.
Denn Gottes Geburt macht NEU die Geschöpfe.
Darum preisen wir, alle Geschlechter, in rechtem Glauben
dich - als unseres Gottes jungfraeuliche Mutter.

Erbarme Dich meiner, rette mich.
Sohn Davids, hab Mitleid mit mir.
Die Besessenen hast Du geheilt durch Dein Wort.
Sprich auch zu mir -wie zum Raeuber- das erbarmende Wort:
Wahrlich, sage ich dir,
du wirst mit mir im Paradiese sein,
wenn ich in meiner Herrlichkeit komme.

Ein Raeuber klagte Dich an.
Ein Raeuber hat als Gott Dich bekannt.
Beide hingen mit Dir am Kreuz.
Wohlan,
Du, reich im Erbarmen,
wie Deinem glaeubigen Raeuber,
der als Gott dich erkannte,
so oeffne auch mir zu Deinem herrlichen Reiche das Tor.

Wie der Raeuber rufe ich: Gedenke !
Wie Petrus wein ich bitterlich: Verzeih mir, o Heiland.
Wie der Zoellner, so ruf ich
Vergiesse Traenen wie die Buhlerin.
Nimm auf meine Klage, wie einst die Kanaanaeerin.

Meiner armen Seele Zersetzung,
Heiland, heile sie, du einziger Arzt.
Lindernden Balsam leg mir darauf, giess Öl und Wein hinein.
Werke der Reue,
Zerknirschung,
mit Traenen vereint.

Die Kanaanaeerin nachahmend, rufe auch ich zu Davids Sohn:
Hab Mitleid mit mir !
Wie die blutfluessige Frau beruehr ich den Saum
und weine, wie Martha und Maria ueber Lazarus weinten.

Die Krankheiten heilend,
trug die Frohbotschaft zu den Armen - Christus das Wort.
Lahme hat Er geheilt,
mit Zoellnern das Mahl geteilt und mit Suendern verkehrt.
Die Seele der Jairustochter, die schon entrueckt, rief Er zurueck durch Beruehrung der Hand.

Gerettet wurde der Zoellner,
und die Buhlerin hat sich fuer immer zur Tugend gewandt,
aber der stolze Pharisaeer wurde verdammt.
Vergib mir, sagte die eine,
erbarm dich meiner, die andere.
Doch dieser rief prahlend:
o Gott, ich danke Dir,
und rief noch weitere Worte der Torheit.

ANDREAS,
verehrungswuerdiger, dreimal glueckseliger Vater,
Kretas Hirte,
unaufhoerlich bitte fuer die, die dich in Hymnen besingen,
dass bewahrt wir bleiben vor allem Zorne, vor Bedraengnis, Verderben,
und der Suenden Vergebung erlangen,
die wir stets dein Gedaechtnis ehrend begehn.

Anfangloser Vater,
gleichanfangloser Sohn,
guter Troester, gerechter Geist, des Gotteswortes Zeuger,
des anfanglosen Vaters Wort, belebender, aufbauender Geist,
DREIHEIT,
erbarme Dich mein.

Unerforschbar ist die Geburt nach jungfraeulicher Empfaengnis,
jungfraeulich die Mutterschaft der Frau, die keinen Mann erkannt.
Denn Gottes Geburt macht NEU die Geschöpfe.
Darum preisen wir, alle Geschlechter, in rechtem Glauben
dich - als unseres Gottes jungfraeuliche Mutter.

(Vierter Abschnitt des "Grossen Kanons des Hl. Andreas von Kreta". Neunte Ode)


aus StAndreasBote: Deutschsprachige Gemeinde Muenchen / Vikariat in Bayern / Griechische Orthodoxe Metropolie von Deutschland


Der Hl. ANDREAS von KRETA ist ein hervorragender Vertreter der poetischen Theologie der fruehen oestlichen Christenheit.
660 im noch christlichen Damaskus geboren, wurde er um das Jahr 700 Erzhirte von Gortyna, der damaligen Metropole von Kreta.
Sein Kanon fasst heilbringende Botschaften des Christentums poetisch zusammen, zu einer Zeit als eben die erste Welle der diese Heilsbotschaft gefaehrdenden Irrlehren ueberwunden war. Hoechstwahrscheinlich selbst zeitweise von diesen -damals wie heute- verbreiteten Lehren irregeleitet war, laedt er zur Umkehr ein -im Vertrauen auf die Milde Gottes, und zur Besinnung auf die wahren Werte des Menschen als Ebenbild Gottes.

 

 

 

Hirtenbrief zum Beginn der heiligen großen
vierzigtägigen österlichen Fastenzeit

* Quellenhinweis *

 

† Bartholomaios

durch Gottes Erbarmen
Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom, und Ökumenischer Patriarch

dem ganzen Volk der Kirche Gnade und Friede von Christus, unserem Erlöser,
von uns aber Fürsprache, Segen und Vergebung

 

"Die Zeit ist da, der Anfang der geistlichen Kaempfe !"
(Doxastikon der Laudes am Herrntag des Milchverzichts)

In Christus geliebte Brüder und Schwestern!

Mit diesen Worten mahnt uns der Dichter, am Anfang dieser heiligen vierzigtaegigen Fastenzeit unsere geistlichen Kaempfe zu intensivieren, um uns geistlich zu ruesten und geistlich voranzuschreiten.

Von Anfang an haben die Menschen festgestellt, dass das Gute nur mit Entsagung erlangt wird. Dementsprechend haben die heiligen Vaeter betont, dass man, wie es charakteristischer Weise der hl. Isaak der Syrer ausdrueckt, die Bequemlichkeit aechten muesse, um Gottes Liebe, die alle ewigen und zeitlichen Gueter, um die wir stets emsig besorgt sind, nehmen wir Menschen unzaehlige Muehen in Kauf.

Die geistlichen Gueter aber schenkt uns Gott unter der Voraussetzung, dass wir aufrichtig zuerst Ihn Selbst und Seine Liebe suchen und sie nicht etwa egozentrisch zu unserer eigenen Erbauung und individuellen Genugtuung missbrauchen.
Der Herr hat uns deutlich gesagt: "Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden" (Mt 6:33). Und er hat uns versichert, dass der, der sich versteht, sein Leben um der Liebe Gottes willen zu verlieren, es retten wird. Das heisst: Wer grossmuetig die Liebe seines Gottes und Vaters im Auge hat und nicht kleinmuetig auf materielle oder geistliche Gueter schielt, ohne dass ihm an Gott selbst gelegen waere, der wird endlich die Liebe Gottes, um die es ihm geht, ebenso erlangen wie Gottes Gueter jeglicher Art, um die es ihm nicht geht.

Denn unser Vater im Himmel, Geliebte im Herrn, der uns liebt und will, dass wir gerettet werden, der Geber und die Quelle alles Guten, wird uns, wenn wir uns zu ihm bekehren, auch alle anderen Gueter geben, deren wir beduerfen. Das erste Gewand, das gemaestete Kalb, den Ring fuer die Hand, das Festmahl mit den Freunden und vor allem seine vaeterliche Umarmung.

Um in diese vaeterliche Umarmung einzugehen, muessen wir uns abkehren von unseren Suenden und von der leidenschaftlichen Hingabe an uns selbst, deren Symbol die Schweineschoten des Evangeliums sind; muessen wir die Aufrichtigkeit der Sehnsucht der Liebe Gottes durch einen entschiedenen und ehrgeizigen geistlichen Kampf unter Beweis stellen.

Das Wesen des geistlichen Kampfes besteht darin, dass wir allein Gottes Liebe suchen und begehren und uns im Gegenzug allen rechtmaessigen Guetern und Wuenschen versagen, um uns mit ungeteiltem Herzen und Geist jenem Ziel zuzuwenden, das alle anderen Ziele ueberragt. Aus diesem Grund bedeutet auch das Fasten, das eine asketische Zitadelle der grossen Fastenzeit darstellt, keine grundsaetzliche Ablehnung des Essens unter Danksagung, sondern einen freiwilligen Verzicht auf jenes Behagen, das es dem Leib verursacht - und das mit dem Ziel, die Seele aus ihrer ausschliesslichen Selbstbefangenheit zu loesen und den Leib der Fuehrung des Geistes zu unterwerfen. Der Leib soll naemlich der menschlichen Person dienen, statt sie zu beherrschen.

Der Zweck der geistlichen Uebung besteht nicht darin, Tugenden oder aussergewoehnlichen Faehigkeiten zu erwerben, wie die Anhaenger diverser Humanismen glauben, sondern darin, unserem Verlangen Ausdruck zu geben, der Person unseres Herrn Jesus Christus, in dem alles sich vollendet und von dem alles seinen Ausgang nimmt, zu begegnen. Das personale Wort Gottes verkuendet unmissverstaendlich - und auch der Dichter erinnert uns daran - dass wir uns vergeblich muehen, wenn nicht der Herr das Haus der Tugenden unserer Seele baut.

Wir Christen ergeben uns also der Liebe Christi und verzichten zugleich freiwillig darauf, vielen anderen sekulaeren Vorlieben und Neigungen nachzugehen, damit wir der Anwesenheit Christi im Haus unserer Seele gewuerdigt werden. Wenn das nach dem Wohlgefallen und der Gnade Gottes geschieht, dann werden uns auch der Friede, die Freude und die vollkommene Liebe unentwendbar zu eigen gegeben.

Deshalb vollzieht sich der geistliche Kampf nicht in Traurigkeit oder unter Zurschaustellung, sondern in Freude und Verborgenheit, soweit es uns moeglich ist. Jede Form von Demonstration fuehrt dazu, dass wir das Ziel der Liebe Gottes durch das der Ehrsucht ersetzen. Traurigkeit und Niedergeschlagenheit vertreiben die Heiterkeit und die Freiwilligkeit und fuehren dazu, dass der Fastende einer Stimmung des Bedruecktseins und der Gezwungenheit verfaellt, also seelischen Zustaenden, die Gott nicht gefallen.

Der geistliche Kampf soll in Freude geschehen und vor allem dem einen Zweck dienen, unser Herz in die Liebe und die Freude Gottes einfuehren. Denn die Liebe und die Freude Gottes verbannen aus uns jegliche Bitterkeit, jeglichen Groll, jeglichen Protest und jegliche Beschwerde ueber unsere Mitmenschen. Vielmehr durchdringt und umgibt uns durch sie der unerschuetterliche und unuebertreffliche Friede Gottes.

Moegen wir alle in geistlichen Kaempfen die Rennbahn der vierzigtaegigen Fasten durchlaufen, damit wir die Freude der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus in Fuelle empfangen.
Seine Gnade und Sein reiches Erbarmen seien mit Euch allen !
 

Heilige Grosse Fastenzeit 2007  

Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel

Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott 

 


 

 

Hirtenbrief zum Beginn der heiligen großen
vierzigtägigen österlichen Fastenzeit

* Quellenhinweis *

 

† Bartholomaios

durch Gottes Erbarmen
Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom, und Ökumenischer Patriarch

dem ganzen Volk der Kirche Gnade und Friede von Christus, unserem Erlöser,
von uns aber Fürsprache, Segen und Vergebung

 

In Christus geliebte Brüder und Schwestern!

Zu Beginn des Triodions hören wir ein ergreifendes Troparion, in dem es heißt: „Öffne mir, Lebensspender, das Tor zur Umkehr!“ Es fällt auf, dass die heilige orthodoxe Kirche uns für unsere Buße einen langen Zeitraum zur Verfügung gestellt hat. Aber sie erinnert uns auch täglich und stündlich daran, dass wir der Buße bedürftig sind. Sie weiß, dass die Buße die Grundlegung des geistlichen Lebens und der Rettung jedes Menschen ist. Das bezeugt auch die Tatsache, dass sowohl der heilige Johannes der Täufer als auch unser Herr Jesus Christus ihre Verkündigung damit begannen, dass sie das Volk ermahnten, Buße zu tun.

Wie schon der Wortlaut des griechischen Wortes „meta-noia“ verrät, handelt es sich bei der Buße um einen Sinneswandel, um einen Wandel unserer geistlichen Einstellung zur Welt und zu Gott. Gewiss bedeutet Buße auch die Absage an unsere Sünden und die Entscheidung, in Zukunft in Übereinstimmung mit den heiligen Geboten Gottes zu leben. Aber in erster Linie bedeutet sie eine Erneuerung und einen Wandel unseres Denkens, unserer Wertschätzung der materiellen und der geistlichen Welt, eine dem Willen Gottes entsprechende Neuordnung jener Werte, nach denen wir unser Leben ausrichten.

Wenn wir bis jetzt der Anhäufung von Reichtum den Vorrang gaben, so sollten wir uns von jetzt an darauf verlegen, die materiellen Güter gerecht und zum Nutzen aller zu verwenden. Wenn wir bis jetzt auf die Befriedigung unserer individuellen Bedürfnisse geachtet haben, so sollen wir von jetzt an auch die Bedürfnisse der anderen im Auge haben. Dabei sollten wir mit unserer Familie beginnen. Aber wir sollten auch die größere Familie der Gesellschaft, in der wir leben, nicht vergessen. Und wenn es möglich ist, auch nicht die ganze Menschheit.

Wenn bisher die Frage „Wie können wir das irdische Leben erfolgreich bestehen?“ im Mittelpunkt unserer Interessen stand, so muss sich von jetzt an unser Interesse auch auf das Leben nach dem Tod erstrecken. Wenn unsere Überlegungen und Interessen bis jetzt den menschlichen Wissenschaften und Fertigkeiten galten, so sollten wir uns in Zukunft auch für die heilige Wissenschaft und die Kunst des geistlichen Lebens interessieren, denn auch diese hat ihre Gesetze und bedarf einer entsprechenden Übung und Zurüstung. Wenn wir bis jetzt danach trachteten, gute Beziehungen mit den Mächtigen dieser Welt zu haben, so sollten wir in Zukunft darauf achten, freundschaftlichen Umgang auch mit den Mächtigen der geistlichen Welt, mit unserem Herrn Jesus Christus, der Gottesgebärerin und den Heiligen zu pflegen. Wenn wir bislang unser eigenes Urteil und unsere eigene Auffassung dem Urteil anderer vorgezogen haben, so sollten wir in Zukunft anerkennen, dass die Auffassung anderer oft richtiger als unsere eigene ist. Überhaupt wird unsere Buße dann zum Erfolg führen, wenn wir unsere Auffassungen und unsere Wertschätzung der Dinge einer täglichen Revision unterziehen und sie so lange korrigieren, bis sie mit den Positionen unserer heiligen Kirche, die mit den Positionen des Evangeliums identisch sind, mit den heilsamen und wahren Lehren unseres Herrn Jesus Christus, übereinstimmen. Zu all dem muss auch das aufrichtige und demütige Bekenntnis unserer Sünden vor dem Priester kommen, dem von Gott die Macht verliehen wurde, die Sünden zu behalten oder zu vergeben. Es gibt keine Buße ohne das reine Bekenntnis unter dem menschenliebenden Epitrachilion des Beichtvaters. Im Sakrament der Buße wird der Christ durch die Gnade des Heiligen Geistes nicht nur von jeder Befleckung gereinigt, sondern auch von den Wunden seiner Leidenschaften geheilt und geistlich neu geboren und empfängt die Kraft, seinen guten Kampf fortzusetzen. Und weil die Vollkommenheit der göttlichen Lehren, nach denen sich unser Geist und unser Herz richten sollen, unermesslich ist, darf notwendigerweise auch die Buße keine Unterbrechung erfahren, wie die heiligen Väter der orthodoxen Kirche uns lehren. Das gilt selbst für die, die nach menschlichem Ermessen vollkommen sind, sofern es solche Menschen überhaupt gibt.

Im Herrn geliebte Brüder und Schwestern, lasst uns nicht sagen, wir hätten keine Sünden und bedürften der Buße nicht, denn dann liefen wir Gefahr, dem verwerflichen Hochmut des Pharisäers zu verfallen. Wir alle bedürfen der Umkehr, weil wir alle, wie vollkommen wir auch sein mögen, einer umfassenderen Kenntnis des göttlichen Willens, des Wachstums an Liebe, an Verzeihen, an mit Erkenntnis gepaartem Eifer und an Interesse für das geistliche Leben ermangeln.

Es gewähre uns der Heilige Gott auf die Fürbitten der heiligen Gottesgebärerin und aller Seiner Heiligen, dass wir die heilige Fastenzeit körperlich gesund und mit zur Umkehr bereiter Seele bestehen und gereinigt und erneuert zum heiligen Osterfest gelangen, um auch in diesem Jahr der Freude der Auferstehung teilhaft zu werden und auf ewig unverbrüchlich dem ewigen Leben der Auferstehung verbunden zu bleiben. Amen.

Heilige große Fastenzeit 2004

Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel

Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott 

 

 

 

 

Fastenbrief
der

orthodoxen Bischöfe in Deutschland

zum Sonntag der Orthodoxie 2004

 

Liebe Schwestern und Brüder in Christus !

"Begonnen hat der Kämpfe Zeit" singen wir zu Beginn der Grossen Fastenzeit, die mit dem Fest unserer Identität, dem Sonntag der Orthodoxie, eingeleitet wird.

Es ist die Zeit der Einkehr, der Buße, der Selbstbesinnung und der Loslösung aus den Zwängen des Alltags; der Hinwendung zum menschgewordenen Sohn Gottes, der sich selbst hingegeben hat, um Seine Schöpfung zu retten. "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass Er Seinen einziggeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren wird, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3:16)

In dieser Meditation der Besinnlichkeit rückt das Jahr 2004 zwei Gedenktage in den Mittelpunkt der Erinnerung, die im Hinblick auf den ökumenischen Dialog und die geistige Orientierung der Europäischen Union nachdenkenswert sind. Zum einen jährt sich zum 950. Mal das Datum der traurigen Ereignisse von 1054, die zum Bruch der kirchlichen Gemeinschaft zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche geführt haben, und zum anderen verweist die runde Zahl von 800 Jahren auf die Eroberung und Plünderung Konstantinopels durch das Heer des vierten Kreuzzuges im Jahr 1204, der nicht nur das Verhältnis zwischen den Kirchen belastete, sondern auch die Gemeinschaft zwischen Ost- und Westeuropa empfindlich traf

Im Rahmen der ökumenischen und gesellschaftlichen-politischen Perspektive Europas gewinnt das Gedenken beider Ereignisse eine ausserordentliche Aktualität, denn sie mahnen die Kirchen und die Staaten Europas, nicht der Versuchung zu unterliegen, das Eigene zu verabsolutieren und die Macht zur Autorität einer allgemeinen Rechtsordnung zu erklären, die in der menschlichen Vernunft ihre Verankerung hat.

Als Bischöfe auf dem europäischen Kontinent, dessen Antlitz der christliche Glaube wesentlich geprägt hat, müssen wir mit grosser Sorge feststellen, dass der Verfassungsentwurf der Europäischen Union der Geschichte und kulturellen Identität Europas nicht gerecht wird, indem er einen Humanismus propagiert, dessen Quellen er ausblendet. Im Geist einer religiösen Neutralität bzw. Laizität des Staates verkennt der Verfassungskonvent, dass Europa, zu dessen geistiger Identität das Christentum wesentlich gehört, ohne die christliche Komponente nicht Europa bleiben kann. Auf der Basis einer gottlosen Interessensgemeinschaft hat Europa keine Zukunft.

Die genannten Gedenkdaten rufen uns auf, in einer selbstkritischen Reflexion die Wunden der Vergangenheit zu heilen, die kirchlichen, kulturellen und politischen Verwerfungen zu überwinden, um ein geistiges Fundament zu sichern, dass der Aufbau der Gemeinschaft der Völker Europas zu einer Körperschaft wächst, die Krisen und menschlichen Unzulänglichkeiten widerstehen kann.

Lassen Sie uns als Kirchen in unserem Umgang miteinander mit gutem Beispiel vorangehen, damit auch die Welt an unsere christliche Versöhnungsbotschaft glaubt. Denken wir an das Glaubwürdigkeitsprinzip, dass unser Herr in Seinem Abschiedsgebet formuliert hat:
"Alle sollen eins sein: Wie Du, Vater in Mir bist und Ich in Dir bin, sollen auch sie in Uns sein, damit die Welt glaubt, dass Du Mich gesandt hast" (Joh 17:21).
Amen.

+   Metropolit AUGOUSTINOS von Deutschland
        Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland

+   Metropolit GABRIEL von West- und Mitteleuropa
        Metropolie der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien für West- und Mitteleuropa

+   Metropolit SIMEON von West- und Mitteleuropa
        Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa

+   Erzbischof LONGIN von Klin
        Ständige Vertretung der Russischen Orthodoxen Kirche in Deutschland

+   Erzbischof FEOFAN von Berlin und Deutschland
        Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats

+   Bischof KONSTANTIN für Mitteleuropa
        Serbische Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa

+   Metropolit Dr. SERAFIM von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa
        Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

+   Erzbischof IOAN von Parnassos
        Ukrainische Orthodoxe Eparchie von Westeuropa

+   Metropolit ABRAHAM von Westeuropa
        Westeuropäische Diözese der Georgischen Orthodoxen Kirche

+   Erzbischof GABRIEL von Komana
        Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

Berlin, 29. Februar 2004 - Am Sonntag der Orthodoxie

 

 

Beten und Fasten
von
Erzbischof Stylianos von Australien

Da wir nun wieder die Arena der Großen Fastenzeit betreten, ist es nur natürlich sich an die großen Leistungen zu erinnern, die die Askese der orthodoxen Christen immer gekennzeichnet haben. Unter diesen großen Leistungen liegen Beten und Fasten an vorderster Stelle. Wenn ein Orthodoxer vom Fasten spricht, denkt er spontan auch an das Beten. Und wenn er vom Beten spricht, denkt er genau so spontan an das Fasten. Denn diese beiden Arten des Gesprächs mit Gott sind eng verbunden. Deshalb hat Christus auch, als Seine Jünger vergeblich versuchten einen unglücklichen Jungen vom bösen Geist, der ihn quälte, zu befreien, dieses zweifache Mittel des Gebets und des Fastens als mächtigste Waffe des Menschen gegen das Böse empfohlen: „Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden“ (Mk 9,29).

Da heutzutage alles und jedes analysiert und „entmythologisiert“ werden muss und damit in den meisten Fällen zerstört wird, gibt es sogar unter den getauften Orthodoxen unserer Zeit Leute, die nicht einsehen, welche Rechtfertigung Beten und Fasten für den modernen „aufgeklärten“ und „befreiten“ Menschen haben sollte. Und so fragen sie sich, welche Bedeutung es haben könnte, wenn man mit Gott in der Form eines Gebetes spricht, Ihm das eine oder andere Problem oder die eine oder andere Bitte vorlegt, wo doch Gott als Allwissender sowieso all dies kennt. Aus dem gleichen Grunde fragen sich diese Gläubigen, ob es denn für Gott einen Unterschied mache, ob man diese oder jene Nahrung in dieser oder jener Menge an diesem oder jenem Tag zu sich nimmt oder nicht.

Sicher erscheinen diese Einwände auf den ersten Blick überzeugend und nur recht und billig. Wer aber Fasten und Beten in dieser Weise beurteilt hat ihre tiefere Bedeutung nicht erfasst. Natürlich liegt die Bedeutung des Gebets nicht darin, Gott etwas zu sagen, was Er nicht weiß, sondern Ihm freiwillig Demut zu zeigen, Ihm unser Herz zu öffnen, unser Leben in Seine Hände zu legen, die Wärme des Gesprächs mit Ihm zu fühlen, Ihm kund zu tun, dass wir Ihn als Herrn über unser Leben und unseren Tod anerkennen. Genauso hat das Fasten sicher keinen besonderen moralischen oder spirituellen Sinn in sich selbst – nicht einmal als Diät – , denn Gott nimmt nicht unser physisches Wohlbefinden als Maß. Genau aus diesem Grunde hat der heilige Apostel Paulus, der von so wenig lebte und so viel erlitt, nicht aufgehört zu bekennen, dass „Wenn wir nicht essen, verlieren wir nichts, und wenn wir essen, gewinnen wir nichts“ (1Kor 8,8).

Fasten erhält also seine moralische und geistige Bedeutung von dem Augenblick an, da es Mittel und Möglichkeit wird zum leichteren Gespräch mit Gott. Und tatsächlich kämpft der Mensch mit Fasten darum, seine unvernünftigen biologischen Begierden und Instinkte zu beherrschen, befreit zu werden, den Versuchungen dieser Welt zu entsagen und so offener und empfänglicher zu werden für seine Verbindung mit dem Geistigen.

Aus dem oben Gesagten wird also offensichtlich, dass weder Fasten noch Beten Selbstzweck sind noch sein sollten. Sie sind vielmehr Mittel des Gesprächs mit Gott und dieses Gespräch ist Ziel und Erfüllung. Es gibt ein sehr schönes arabisches Sprichwort, das lautet. „Die Seele braucht weder einen Kaffee noch ein Café. Die Seele braucht Gemeinschaft und der Kaffee ist nur ein Vorwand.“

Wir könnten also sagen, dass Fasten und Beten zwei geheiligte „Vorwände“ sind, die den Menschen befähigen den Monolog mit sich selbst und den selbstzufriedene Kern in seinem Ego aufzubrechen, demütig zu werden und mit Gott zu sprechen um den Segen, die Erleuchtung und die Heiligung zu erfahren, die das Gespräch garantiert. Denn die Worte der Schrift werden mit Sicherheit immer ewige Wahrheit sein: „Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade“ (Jak 4,6).

The Orthodox Messenger, March/April 1998; Übers. G. Wolf

 

hier aus St. Andreas Bote

 

» ... sondern nur durch Beten und Fasten«

von
Erzpriester Prof. Alexander Schmemann (+ 1983)

*Quellenhinweis*

 

Es gibt keine Fastenzeit ohne Fasten.
Indessen nehmen heutzutage viele das Fasten scheinbar nicht mehr ernst oder, wenn sie es ernst nehmen, dann verkennen sie seine wahre spirituelle Zielsetzung.

Für einige besteht das Fasten im symbolischen »Verzicht« auf bestimmte Dinge; für andere bedeutet es die peinlich genaue Beachtung von Ernährungsregeln.

In beiden Fällen jedoch wird das Fasten selten in Beziehung gesetzt zu den Mühen der Fastenzeit in ihrer Gesamtheit. Hier wie woanders auch, müssen wir zunächst versuchen, die Lehren der Kirche in bezug auf das Fasten zu verstehen und uns anschließend fragen:
Wie lassen sich diese Unterweisungen in unserem Leben umsetzen?

 

Das Fasten oder der Verzicht auf Nahrung ist nicht eine rein christliche Praxis.
Das gab und gibt es auch in anderen Religionen, ja sogar außerhalb der Religion, wie z. B. bei bestimmten besonderen Heilverfahren. In unseren Tagen fastet man oder übt Abstinenz aus allen möglichen Gründen, politische mit inbegriffen. Es ist deshalb wichtig, den spezifisch christlichen Gehalt des Fastens darzulegen.
Er wird uns zunächst erhellt in der gegenseitigen Abhängigkeit zweier Ereignisse, die wir in der Bibel finden:
das eine zu Beginn des Alten Testamentes,
das andere zu Beginn des Neuen Testamentes.
Das erste Ereignis ist das »Brechen des Fastens« durch Adam im Paradies. Er aß von der verbotenen Frucht.
Auf diese Weise wird uns die Erbsünde des Menschen enthüllt.
Christus, der Neue Adam - und dies ist das zweite Ereignis - beginnt mit Fasten.
Adam wurde versucht und erlag der Versuchung;
Christus wurde versucht und bestand die Versuchung.
Die Folge der Schwäche Adams waren die Vertreibung aus dem Paradies und der Tod.
Die Frucht des Sieges Christi waren die Überwindung des Todes und unsere Rückkehr ins Paradies.
Der Platz reicht nicht aus, um hier in Einzelheiten den Sinn dieser Parallelität zu erörtern; aber, es ist indessen klar, dass uns unter diesem Blickwinkel das Fasten als eine entscheidende Angelegenheit von äußerster Bedeutung erscheinen muss.
Es ist nicht einfach eine »Verpflichtung«, ein Brauch; es ist gebunden an das Mysterium selbst des Lebens und des Todes, des Heiles und der Verdammnis.

 

Die Orthodoxie lehrt, dass die Sünde nicht nur die Übertretung einer Vorschrift ist, die eine Züchtigung nach sich zieht; sie ist immer eine Verstümmelung des Lebens, das Gott uns gegeben hat. Aus diesem Grunde wird uns die Geschichte der Erbsünde im Akt des Essens dargestellt. Denn die Nahrung ist das Mittel zum Leben, sie ist es, die uns am Leben hält. Aber das ist die entscheidende Frage: Was heißt das, leben und was bedeutet »das Leben«?

 

In unseren Tagen hat der Begriff vor allem einen biologischen Sinn bekommen: das Leben ist genau genommen das, was von der Nahrung und in einem allgemeinen Sinne, von der stofflichen Welt abhängig ist.
Aber für die Heilige Schrift und die Christliche Tradition ist leben »nur vom Brot allein« nichts anderes als sterben, weil es ein dem Tode ausgeliefertes Leben ist, in dem der Tod immer wirksam ist. Gott hat, so sagt man, den »Tod nicht geschaffen«; Gott ist der Spender des Lebens. Wieso konnte dann das Leben sterblich werden? Warum ist von allem, was existiert, der Tod die einzige absolute Bedingtheit?

 

Die Kirche antwortet: Weil der Mensch das Leben so, wie Gott es ihm anbot und ihm gab, zurückgewiesen hat und ein Leben vorgezogen hat, das nicht einzig von Gott abhing, sondern »vom Brot allein«. Er hat nicht nur Gott den Gehorsam verweigert, wofür er bestraft wurde. Er wandelte die Beziehung zwischen sich und der Welt von Grund auf um. Um es genau zu sagen: Die Schöpfung wurde ihm von Gott als »Nahrung«, als Mittel zum Leben gegeben. Aber dieses Leben sollte Verbindung mit Gott sein; es hatte in ihm nicht nur sein Ziel, sondern auch seine Fülle. »In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen«.
Die Welt und die Nahrung wurden also geschaffen als Mittel der Verbindung mit Gott, und nur wenn sie um Gottes Willen aufgenommen wurden, konnten sie Leben geben.
In sich selbst trägt die Nahrung kein Leben.
Einzig Gott allein hat das Leben und ist das Leben.
In der Nahrung ist Gott selbst der Grund des Lebens - und nicht die Kalorien. Also, essen, leben, Gott kennen und in Verbindung mit Ihm stehen waren ein und dieselbe Sache.
Die unergründliche Tragödie Adams ist, dass er für sich selbst aß. Mehr noch, er aß »getrennt« von Gott, um von ihm unabhängig zu sein. Und er tat es, da er glaubte, dass die Nahrung das Leben in sich selbst hätte und dass er, indem er aß, sein könnte wie Gott, d. h. das Leben in sich selbst haben könnte. Um es einfach auszudrücken; er setzte sein Vertrauen auf die Nahrung, wohingegen das einzige Objekt des Glaubens, des Vertrauens, der Abhängigkeit Gott ist und nur Gott.
Die Welt, die Nahrung wurden sein Gott, die Quelle und die Grundlage seines Lebens.
Und er wurde deren Sklave.
Adam bedeutet im Hebräischen »Mensch«. Das ist mein Name, unser aller Name.
Der Mensch ist noch Adam, der Sklave der »Nahrung«. Er kann vorgeben, an Gott zu glauben, aber Gott ist nicht sein Leben, seine Nahrung, derjenige, der seine ganze Existenz umfängt. Er kann vorgeben, dass er sein Leben von Gott empfängt, aber er lebt nicht in Gott und für Gott. Sein Wissen, seine Erfahrung, sein Selbstbewusstsein beruhen alle auf derselben Grundlage: »nur vom Brot allein«.
Wir essen, um zu leben, aber wir leben nicht in Gott.
Das ist die Sünde aller Sünden.
Das ist der Urteilsspruch des unserem Leben anhaftenden Todes.

 

Christus ist der Neue Adam.
Er kommt, um den Schaden, der dem Leben durch Adam zugefügt wurde, wieder zu beheben, um dem Menschen das wahre Leben wieder zu schenken, und so beginnt er mit Fasten.
»Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, war er hungrig« (Mt 4,2).
Der Hunger ist der Zustand, in dem wir gewahr werden, dass wir von einer anderen Sache abhängig sind, wenn wir das dringende und zwingende Verlangen nach Nahrung verspüren. Das zeigt uns, dass wir kein Leben in uns haben. Der Hunger ist jene Grenze, jenseits der ich entweder an Entkräftung sterbe oder, nachdem ich meinem Körper Genüge getan habe, ich erneut den Eindruck habe zu leben. Mit anderen Worten: Es ist der Moment, wo sich die grundlegende Frage stellt: Wovon hängt mein Leben ab? Und da es sich nicht um eine rein theoretische Frage handelt, da ich sie ja mit meinem ganzen Körper empfinde, ist das auch die Zeit der Versuchung. Satan suchte Adam im Paradiese auf und er suchte Christus in der Wüste auf. Er kam zu zwei hungrigen Menschen und sprach zu ihnen: »Esst! Denn euer Hunger ist der Beweis dafür, dass ihr ganz von der Nahrung abhängt, dass euer Leben in der Nahrung ist.« Und Adam glaubte es und aß; Christus aber wies diese Versuchung zurück und sprach: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von Gott.«
Er weigerte sich, die kosmische Lüge anzunehmen, die der Satan in diese Welt trägt.
Sie ist zum Fundament unserer Sicht von der Welt, der Wissenschaft, der Medizin und vielleicht sogar der Religion geworden.
Hingegen hat Christus das Band zwischen der Nahrung, dem Leben und Gott wieder hergestellt, das Adam zerrissen hatte und das wir selbst noch jeden Tag auf´s neue zerreißen.

 

Was bedeutet das Fasten für uns Christen?
Es ist -unser Eintritt in- und -unsere Teilnahme an- dieser Erfahrung Christi selbst, durch die er uns von unserer völligen Abhängigkeit bzgl. der Nahrung, der Materie und der Welt befreit.
Allerdings ist unsere Befreiung nicht vollständig; denn, da wir noch in dieser gefallenen Welt, der Welt des Alten Adam, leben und zu ihr gehören, sind wir weiterhin von der Nahrung abhängig.
Aber ganz so wie unser Tod, durch den wir noch gehen müssen, kraft des Todes Christi zu einem Durchgang zum Leben geworden ist, so kann das durch die Nahrung, die wir aufnehmen, erhaltene Leben zu einem Leben in Gott und für Gott werden. Ein Teil unserer Nahrung ist bereits »Nahrung der Unsterblichkeit« geworden:
der Leib und das Blut Christi selbst.
Aber selbst das tägliche Brot, das wir von Gott empfangen, kann in diesem Leben und in dieser Welt eher etwas sein, das uns stärkt und unsere Verbindung mit Gott festigt, als dass es uns von ihm trennen würde.
Indessen, einzig das Fasten kann diese Umgestaltung bewirken und uns den existentiellen Beweis liefern, dass unsere Abhängigkeit von der Nahrung und von der Materie weder eine allumfassende noch eine absolute ist, und dass sie sogar in Verbindung mit dem Gebet, der Gnade und der Anbetung, vergeistigt werden kann.

 

Dieses alles bedeutet, dass das Fasten, in seiner ganzen Tiefe verstanden, das einzige Mittel für den Menschen darstellt, seine wahre geistige Natur wieder herzustellen.
Es handelt sich um ein nicht theoretisches, sondern wahrlich konkretes Aufbegehren gegen den Lügner, dem es gelungen war, uns davon zu überzeugen, dass wir nur des Brotes bedürften, und der auf diese Lüge jede menschliche Kenntnis, jede menschliche Wissenschaft und jede menschliche Existenz gegründet hat.
Das Fasten entlarvt diese Lüge und weist sie als solche nach.
Es ist sehr bezeichnend, dass Christus anlässlich seines Fastens auf Satan traf und dass er später davon sprach, dass Satan nicht anders besiegt werden könnte »als durch Fasten und Beten«.
Das Fasten ist der eigentliche Kampf gegen den Teufel, weil es den Widerstand gegen das einzigartige und allumfassende Gesetz darstellt, das ihn zum »Fürsten dieser Welt« macht.
Wenn nun aber jemand Hunger hat und gleichzeitig entdeckt, dass er von diesem Hunger in Wahrheit unabhängig sein kann, nicht durch ihn vernichtet wird, sondern ihn ganz im Gegenteil in eine Quelle geistiger Energie und eines Sieges umgestalten kann, dann hat nichts mehr Bestand von dieser großen Lüge, in der wir seit Adam gelebt haben.

 

Wie weit haben wir uns nunmehr von der gängigen Auffassung gelöst, das Fasten sei eine bloße Änderung der Ernährungsweise, eine Vorschrift, was verboten und was erlaubt sei. Das ist alles vordergründige Heuchelei! Schließlich bedeutet Fasten nur eins: Hunger haben, bis an die Grenze der menschlichen Verfassung gehen, die ganz und gar von der Nahrung abhängt, und in diesem Zustand des Hungers zu entdecken, dass diese Abhängigkeit nicht die ganze Wahrheit bezüglich des Menschen ist, dass der Hunger selbst vor allem ein geistiger Zustand ist und dass er letztendlich in Wirklichkeit ein Hunger nach Gott ist.
In der Urkirche bedeutete das Fasten immer eine totale Enthaltsamkeit, ein Zustand des Hungerns, der den Körper an eine äußerste Grenze treibt.
Hierin erkennen wir jedoch auch, dass das Fasten, als reine körperliche Anstrengung betrachtet, ohne Sinn bleibt, wenn es nicht von seinem geistigen Gegenstück
»...durch Fasten und Beten« begleitet wird.
Das bedeutet, dass, wenn wir keine entsprechende geistige Anstrengung unternehmen, wenn wir uns nicht von der Göttlichen Wirklichkeit nähren, wenn wir nicht entdecken, dass wir völlig von Gott und nur von Gott abhängen, unser körperliches Fasten Selbsttötung bedeuten würde.
Wenn Christus selbst versucht wurde, als er gefastet hatte, haben wir nicht die geringste Möglichkeit, dieser Versuchung zu entgehen.
Das körperliche Fasten, so wesentlich es auch sein mag, ist nicht nur ohne Sinn, sondern es ist in Wahrheit gefährlich, wenn es von dem geistigen Bemühen, von dem Gebet und der Konzentration auf Gott abgetrennt bleibt.
Das Fasten ist eine Kunst, die einzig die Heiligen beherrschen. Es würde für uns anmaßend und gefährlich sein, wollten wir diese Kunst ohne Beurteilungsvermögen und Besonnenheit ausüben.
Jede Liturgie der Fastenzeit ist ein ständiges In-Erinnerung-Rufen der Schwierigkeiten, der Hindernisse und Versuchungen, die diejenigen erwarten, die meinen, sich auf ihren Willen verlassen zu können und sich nicht auf Gott verlassen zu müssen.

 

Dies ist der Grund, warum wir vor allem eine geistige Vorbereitung auf die Anstrengung des Fastens nötig haben. Sie besteht darin, Hilfe von Gott zu erbitten und unser Fasten auf Gott auszurichten.
Aus Liebe zu Gott sollen wir fasten.
Wir müssen unseren Körper als Tempel der göttlichen Gegenwart wiederentdecken, eine religiöse Achtung des Körpers, der Nahrung, ja sogar des Lebensablaufs wiederfinden. All dieses sollte geschehen sein, bevor wir mit dem eigentlichen Fasten beginnen; und zwar in der Weise, dass wir, wenn wir es beginnen, mit geistigen Waffen, mit einer Zielvorstellung, mit Kampfgeist und mit Siegeszuversicht gewappnet sind.

 

Dann kommt die Zeit des Fastens selbst. Nach dem, was wir weiter oben gesagt haben, sollte es auf zwei Ebenen durchgeführt werden:
der des asketischen Fastens
und der
des totalen Fastens.

Das asketische Fasten besteht in einer energischen Verminderung der Nahrung in der Art, dass ein dauernder Zustand eines gewissen Hungergefühls erfahren wird als Erinnerung an Gott und als ständige Aufforderung, unseren Geist auf Ihn orientiert zu halten. Wer es auch praktiziert, und sei es nur ein wenig, weiß, dass dieses asketische Fasten uns bei weitem nicht schwächt, sondern uns im Gegenteil unbeschwert, gesammelt, maßvoll, froh und geläutert werden lässt. Dann nimmt man die Nahrung als ein wahres Geschenk Gottes entgegen; man ist innerlich ständig auf diese Welt ausgerichtet, die auf unerklärliche Weise von selbst zu einer Art Nahrung wird. Was die Menge, die Häufigkeit und die Qualität der aufzunehmenden Nahrung bei diesem asketischen Fasten angeht, können wir an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Das alles hängt von unseren persönlichen Fähigkeiten und den äußeren Lebensbedingungen eines jeden einzelnen ab.
Aber das Prinzip ist klar: es ist ein Zustand, in dem man ein leichtes Hungergefühl verspürt, dessen »negative« Natur immer in eine »positive« Kraft durch Gebet, Sich-Erinnern, Aufmerksamkeit und Konzentration umgewandelt wird.

Was das strenge Fasten anbetrifft; dieses ist notwendigerweise in seiner Länge begrenzt und an die Eucharistie gebunden. Bei den Bedingungen unseres augenblicklichen Lebens ist es das beste, es an dem Tage einzuhalten, an dem abends die Präsanktifikaten-Liturgie gefeiert wird Sei es, dass wir an dem Tage von frühmorgens an, sei es, dass wir ab mittags fasten, wesentlich ist es, ihn als einen Tag der Erwartung, der Hoffnung, des Hungers nach Gott selbst zu verbringen. Es handelt sich um eine Konzentration im Geistigen auf das, was kommen wird, auf die Gabe, die man empfangen wird und für die man alle anderen Gaben zu opfern bereit ist.

 

Obgleich bereits erwähnt, muss man sich nochmals in Erinnerung rufen, dass unser Fasten, so begrenzt es auch sein mag, in die Versuchung, in die Schwäche, zu Zweifeln und zur Verwirrung führen wird, wenn es ein wirkliches Fasten ist. Mit anderen Worten, es wird ein wirklicher Kampf werden, in dem wir wahrscheinlich einige Male unterliegen werden.

Aber der wesentliche Gesichtspunkt des Fastens ist gerade die Entdeckung des christlichen Lebens als Kampf und als ein Sich-Mühen. Ein Glaube, der sich nicht über die Zweifel und die Versuchung hinwegsetzt, ist selten wirklicher Glaube. Leider ist in dem christlichen Leben kein Fortschritt ohne die bittere Erfahrung der Niederlage möglich.

 

Zu viele Leute beginnen mit Begeisterung zu fasten, um dann bei dem ersten Schwachwerden aufzugeben. Ich würde sagen, die wahre Prüfung fällt genau mit diesem ersten Fall zusammen: wenn wir uns, nachdem wir schwach geworden waren und unseren Begierden und Leidenschaften freien Lauf gelassen hatten, wieder mutig an die Aufgabe machen, ohne aufzugeben, egal, wie häufig wir schwach werden, dann wird früher oder später unser Fasten geistige Früchte tragen, gleichgültig, wie häufig wir vorher schwach geworden sind.

Zwischen der Heiligkeit und einem entzauberten Zynismus ist Platz für die große und göttliche Tugend der Geduld - der Geduld vor allem mit sich selbst. Es gibt keine Abkürzung, um zur Heiligkeit zu gelangen; für jeden Schritt vorwärts muss man den vollen Preis entrichten. Es ist deshalb besser und sicherer, mit einem Minimum, das gerade ein wenig über unseren natürlichen Möglichkeiten liegt, zu beginnen und unsere Anstrengung schrittweise zu vergrößern als zu versuchen, zu Beginn sehr hoch zu springen und sich beim Sturz zur Erde die Knochen zu brechen.

 

Fassen wir zusammen: Wir müssen von einem symbolischen und rein formalen Fasten, das als Verpflichtung und Gewohnheit verstanden wird, zu dem wahren Fasten zurückfinden, wenn es auch bescheiden und begrenzt ist, wenn es nur ernsthaft und wirklich gewollt ist. Schätzen wir ehrlich unsere physischen und geistigen Fähigkeiten ein, handeln wir konsequent und erinnern wir uns jedes Mal daran, dass es kein Fasten gibt, das nicht an die Grenzen dieser Fähigkeiten stößt und das nicht den göttlichen Beweis in unserem Leben erbringt, dass Dinge, die dem Menschen unmöglich sind, für Gott sehr wohl möglich sind.

 

 

Schmemann, Alexander (Erzpriester und langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)
"Die Große Fastenzeit - Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche"
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie, Bd. 2, München 1994

 


 

ÖSTERLICHE  ZEIT


König aller Tage, Fest der Feste, über allen Tagen stehend und sie ordnend ist das Pas´cha, das Ostern der Auferstehung des Herrn. Dahin führt diese Zeit in den 40 Tagen der Grossen Fasten und dadurch strahlt diese Zeit im Jubel der 50 Tage bis Pfingsten.

[1] Wenn man eine Reise antritt, informiert man sich, wohin es geht. Und die Fastenzeit kann mit einer Reise verglichen werden. Eine Reise mit dem Ostern der Auferstehung als Ziel. Sie ist die Vorbereitung auf die Erfüllung des Pas´cha, der wirklichen Offenbarung.
Wir sollten also zu Beginn diese Verbindung zwischen der Fastenzeit und Ostern zu verstehen suchen; denn sie offenbart etwas für unseren Glauben und unser christliches Leben sehr Wesentliches und Entscheidendes. ...
Die wirkliche Offenbarung des Osterfestes der Auferstehung bringt uns das Neue Leben. In der Feier der Osternacht, die heller ist als der Tag, können wir singen: Heute ist alles mit Licht erfüllt, Himmel und Erde und die Totenwelt. Wir feiern den Tod des Todes, die Zerstörung des Hades (der trostlosen atheistischen Todesvorstellung) den Beginn des neuen und ewig währenden Lebens.
Diese Neue Leben wurde uns Christen am Tage unserer Taufe geschenkt, wie der heilige Apostel Paulus sagt, wir sind mit Christus ... in seinem Tode begraben worden, damit wir auch, so wie Christus von den Toten auferstanden ist, in einem Neuen Leben wandeln können
(Röm 6:4)
...
Doch machen wir nicht die tagtägliche Erfahrung, dass dieser Glaube wohl kaum der unsere ist, dass wir immer wieder dieses neue Leben verlieren und verraten; - dass wir in Wirklichkeit so dahinleben, als wäre Christus nicht von den Toten auferstanden und als hätte dieses einzigartige Ereignis nicht die geringste Bedeutung für uns ?
Die alles, wegen unserer Schwäche, wegen unseres Unvermögens, ständig ein Leben in Glauben, Hoffnung und Liebe auf der Ebene zu führen, auf die uns Christus gehoben hat, als er sprach: "Suchet zunächst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit"
Wir vergessen es einfach - wir sind ja so beschäftigt und so in unsere Alltagsgeschäftigkeit verwickelt - und weil wir vergessen, versagen wir.
Und durch diese Vergessen, diese Versagen und diese Sünde wird unser Leben immer wieder alt - nichtssagend, verdunkelt, letztendlich bedeutungslos - es wird zu einer Reise bar jeden Sinnes, zu einem Ziel ohne Bedeutung. Wir unternehmen alles, um selbst den Tod zu vergessen, und dann tritt er doch ganz plötzlich mitten in unser ach so von Freuden erfülltes Leben: erschreckend, unentrinnbar, absurd. Wir mögen wohl von Zeit zu Zeit unsere vielfältigen Sünden erkennen und bekennen, wir unterlassen es aber, unser Leben auf das Neue Leben, das Christus uns geoffenbart und gegeben hat, außurichten. ...

Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir ermessen, was die Wirklichkeit von Ostern umfasst und warum sie die Fastenzeit erfordert und voraussetzt. Wir werden verstehen, dass die liturgischen Traditionen der Kirche, all ihre Festkreise und Dienste vor allem geschaffen wurden, um uns zu helfen, die Erfahrung und den Genuss dieses Neuen Lebens, das wir so leicht und immer wieder verlieren und verraten, wiederzürlangen. ...
...
Indes ist das alte Leben, das Leben der Sünde und der Unwesentlichkeit, nicht leicht zu besiegen und umzugestalten. Das Evangelium erwartet und fordert von dem Menschen eine Anstrengung, zu der er in seinem augenblicklichen Zustand seinem Wesen nach nicht fähig ist. Wir sehen uns von einer Vorstellung, von einem Ziel, einer Lebensweise herausgefordert, die gänzlich über unseren Möglichkeiten liegt !
Selbst die Apostel fragten ihren Meister entmutigt, als sie Seine Unterweisungen hörten: "Wie ist das möglich ?"
Es ist tatsächlich nicht einfach, eine kleinliche Lebensvorstellung, die sich auf den alltäglichen Sorgen, dem Streben nach materiellen Gütern, nach Sicherheit und Lustbarkeiten gründet, zugunsten einer Lebensvorstellung aufzugeben, deren ausschliessliches Ziel die Vollkommenheit ist: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." Diese Welt hingegen verkündet in all ihren "Medien": "Seid glücklich, macht es euch leicht, wählt den beQuemen Weg". Christus sagt jedoch im Evangelium: "Wählt den schmalen Pfad, kämpft und ertragt eure Leiden, denn das ist der Weg zu dem einzig wahren Glück"
Wie können wir ohne die Hilfe der Kirche diese erschreckende Entscheidung treffen ?
Wie können wir bereuen und umkehren zu dem ruhmreichen Versprechen, das uns jedes Jahr zu Ostern gegeben wird ?

An dieser Stelle erreicht uns die Fastenzeit. Sie ist die Hilfe, die uns die Kirche als Schule der Buße anbietet, die als einzige uns in die Lage versetzt, Ostern anzunehmen - nicht als bloße Erlaubnis zum Essen, Trinken und zum Nachlassen in unseren Bemühungen, sondern wahrlich als das Ende dessen, was in uns "alt" ist, sowie als unseren Eintritt in das "Neue".

In der Urkirche bestand das Hauptziel der Fastenzeit in der Vorbereitung der Katechumenen (der neu zum Christentum Übergetretenen) auf die Taufe, die in jener Zeit während der Osterliturgie vollzogen wurde. Indessen als die Kirche nicht mehr nur Erwachsene taufte und die Einrichtung des Katechumenats wegfiel, blieb der grundlegende Sinn der Fastenzeit derselbe. Denn, obgleich wir getauft sind, ist das, was wir ständig verlieren und verraten, genau das was wir in der Taufe empfangen haben.
Deshalb ist Ostern unsere jährliche Rückkehr zu unserer eigenen Taufe, während die Fastenzeit unsere Vorbereitung auf diese Rückkehr ist, das langwährende und ausdaürnde Bemühen, um schliesslich unseren eigenen "Hinübergang" oder "Pas´cha" in das Neue Leben in Christus zu vollziehen. Und wenn, wie wir sehen werden, die Gottesdienste in der Fastenzeit noch heute ihre glaubensunterweisenden und auf die Taufe vorbereitenden Charakter haben, so stellt das für uns nicht etwa ein "archäologisches" Überbleibsel aus der Vergangenheit, sondern etwas Gültiges und Wesentliches dar. Denn jedes Jahr lassen uns die Fastenzeit und das Ostern der Auferstehung einmal mehr das wiederentdecken und wiedergewinnen, zu dem wir durch den in unserer eigenen Taufe vollzogenen Tod und die durch sie bewirkte Auferstehung geworden sind.

Wie beginnen eine Reise, eine Pilgerfahrt !
Und wenn wir sie antreten, wenn wir diesen ersten Schritt in diese "glanzausstrahlende Reue" der Fastenzeit tun, sehen wir - in weiter, weiter Ferne - den Zielpunkt.
Es ist die Freude vor dem Fest des Osterns der Auferstehung, der Einzug in die Herrlichkeit des Reiches des Herrn.
Es ist dieses geistliche Schaün, dieses Vor-Kosten des Festes der Auferstehung, welches die reuevolle Traurigkeit der Fasten in helles Licht hüllt und unser Fastenmühen zu einem "geistlichen Frühling" werden lässt. Die Nacht kann finster und lang sein, aber während des gesamten Weges scheint eine nicht erklärbare und strahlende Dämmerung den Horizont zu erhellen.
" Schenke uns die Früchte des Fastens und die Fülle unserer Erwartungen, Du Menschenliebender ! "

Der Umkehr öffne die Pforten,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

 


[1] Erzpriester ALEXANDER Schmeman (einer der wirksamsten orthodoxen Theologen aus der russischen Tradition des 20.Jahrhunderts und vertraut mit der geistlichen Krise des Westens, wirkte er kurz in Paris und dann in den USA, wo er 1983 als hochgeehrter Professor des Akademischen Orthodoxen Instituts des Heiligen Wladimir starb):
THE LENTEN SPRING (DER FRÜHLING DES FASTENS) St.Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969




 

Am 1. Sonntag der Grossen Fasten feiern wir das

FEST der ORTHODOXIE

Das unbegrenzte Wort des Vaters
nahm die Grenzen der Gestalt an

durch die Fleischwerdung in Dir,
o Gottesgebaererin.

In Dir wurde das befleckte Abbild
in den urspruenglichen Zustand verwandelt

und erfuellt mit der goettlichen Schoenheit des Urbilds.

Wir aber,
indem wir das Heil erkennen,
stellen dies dar

in Werk und Wort.



IKONE des FESTES

Predigt von Metropolit ANTHONY (Bloom) von SUROSH (London)
=Sunday of Orthodoxy=
Histor.Entwicklungen und Ikonentheologie des Hl. JOHANNES von Damaskus

Die moralische Autoritaet von Kirche und Moenchen fuerchtend versuchten die ostroemischen Kaiser im 8.Jhdt. das Christentum zu einer abstrakten Philosophie herabzusetzen. Die Ikonen, die an die Menschwerdung des Gottessohns aus der Gottesmutter und an die vielen Heiligen, die jetzt bei Gott leben und mit uns heute auf Erden Lebenden in kirchlicher Gemeinschaft stehen, erinnern an die wahre Heimat des Christen, das Himmelreich. Als deutliche Mahnung gegen die Verabsolutierung des irdischen Reiches wurden die Ikonen von der kaiserlichen Macht fanatisch bekaempft. Unzaehlige Moenche, Laien und Geistliche erlitten durch ihr Festhalten an den Ikonen das Martyrium.
787 definierte die Kirche die genaue Bedeutung der Ikonen und ihre Verehrung. 843 setzte ein von Kaiserin Theodora einberufenes Konzil der Verfolgung ein Ende und gab den Glaeubigen auch offiziell die Ikonen wieder. Seither wird dieses Fest am ersten Sonntag der Grossen voroesterlichen Fasten gefeiert.

Das heutige Fest kann nicht als gegen die anderen christlichen Kirchen im Westen gerichtet verstanden werden. Die Kirche im Westen und außerhalb des byzantinischen Reiches hat in dieser Zeit an den Bildern festgehalten und war so gesehen "orthodox" geblieben, waehrend der Bildersturm im Ostroemischen Reiche wuetete. Der Westen musste keinen Bildersturm erleben - aber er kennt deshalb auch keine theologische Begründungen, Richtlinien und Grenzen für religiöse Darstellungsformen
.

 

S I E G der O R T H O D O X I E

Predigt von Metropolit ANTHONY (Bloom) von SUROSH
Was ein Kirchenfest den Menschen von heute sagen will



Wir feiern heute den Tag des Sieges der Orthodoxie. Von welchem Triumph soll da die Rede sein ?
Wenn wir uns gegenwaertig umschauen und tief hinein in die uns so vertraute und werte Orthodoxie blicken, wieviel Schlaffheit und Bedruecktheit sehen wir dort, wie wenig von dem, was wie ein Triumph aussieht. Freilich triumphieren wir gar nicht so sehr ueber den sichtbaren Ruhm der Orthodoxie. Ihren Sieg sehen wir vielmehr in zwei Bereichen.

Einmal darin, dass orthodoxe Menschen, ob nun ueber die Erde zerstreut oder in Volksgemeinden dicht beieinander, trotz Verfolgungen und unbeschreiblichen Schwierigkeiten ihren Glauben klar und rein erhalten, andaechtig ihren Gottesdienst bewahrt haben und den geistlichen Weg gegangen sind, der uns von Christus im Evangelium und von den Kirchenvaetern im Laufe der Jahrhunderte unserer Kirchengeschichte vermittelt worden ist.

Darueber koennen wir uns wohl freuen ! Wir empfinden Bewunderung und Ehrfurcht vor denen, die in den 2 Jahrtausenden im Glauben des reinen Bekenntnisses gestanden und in einer dem Evangelium wahrhaft entsprechenden Spiritualitaet gelebt haben. Sie konnten uns einen kostbaren, tief verinnerlichten und erbauenden Gottesdienst weitergeben. Allerdings wissen wir, wie sehr auch ein Mensch glaeubig sei und seine Kraefte anspannen mag, er wird dennoch leicht besiegt, wenn nicht der Herr Selbst ihm Kraft verleiht, wenn nicht die Gnade Gottes fuer ihn streitet. Letztlich ist der Sieg der Orthodoxie ueber den unser Herz jubelt ob der kuenftigen Hoffnung, doch ein Sieg Gottes in der menschlichen Schwachheit, ueber uns, in uns und mitten unter uns.

Der Sieg der Orthodoxie ist ein Tag, an dem wir uns freuen, weil Gott Sich als unbesiegbar von der menschlichen Suende, von der Suende des Geistes, von der Kaltherzigkeit und Unbestaendigkeit, von den Willensschwankungen und von den Fleischessuenden erwiesen hat. Gott blieb unbesiegbar in der Kirche Christi. Er blieb unbesiegbar auch in einzelnen konkreten Persoenlichkeiten.

Das Fest der Orthodoxie indes wurde aufgrund eines besonderen Vorfalls gestiftet. Es reicht zurueck in die Zeit nach dem Siebenten Oekumenischen Konzil, als die Orthodoxie endgueltig ueber den Bildersturm gesiegt hatte. Worum handelt es sich dabei ? Darum, dass die Kirche das Recht und unsere Pflicht verteidigt hat, den Ikonen Christi, der Gottesmutter und der vielen Heiligen Verehrung zu erweisen. Damit hat sie die Wahrheit der Inkarnation verteidigt; jene Wahrheit, dass Gott Sich Selbst offenbart, Sich sichtbar dastellt, vielleicht nicht voellig, aber Er zeigt Sich uns in den Bildern, die wir von Ihm geschaffen haben.

Solche Bilder sind nicht allein Ikonen. Es gibt auch Ikonen aus Worten. Andreas von Kreta sieht sie etwa in den Dogmen der Kirche, in den Lehrmeinungen der Vaeter, in der Unterweisung, die wir empfangen. Und letzten Endes offenbart sich uns Gott bildlich in den Menschen: weil naemlich ein jeder von uns in sich ein Abbild des lebendigen Gottes traegt.

Die Liturgie des heiligen Basilius des Grossen spricht von Christus, Er sei das Bild der Ebenbildlichkeit, das uns den Vater offenbart. Er ist ein vollkommenes Bild. Er -IST- die Wahrheit. Er ist vollkommener Gott wie auch vollkommener Mensch. Ja selbst in uns ist ein Abglanz dieses Bildes geblieben.

Und wenn wir heute den Triumph der Orthodoxie begehen, dann wissen wir, dass Gott sich uns in Christus durch die Inkarnation Seines Sohnes leibhaftig offenbart. Es weitet Herz und Seele, wenn wir erkennen, dass unsere geschoepfliche Welt so beschaffen ist, dass die Fuelle der Gottheit unter uns koerperlich wohnen kann.

Dadurch laesst sich Gott bildhaft darstellen, was wir an den Ikonen sehen, zumal an den lebendigen Gnadenbildern, den Menschen, sobald wir ihre menschlichen Schwaechen beiseite schieben, die unseren Gesichtskreis verdunkeln wollen. Mit sehenden Augen koennen wir naemlich durch die menschliche Schwaeche hindurch das bleibende Bild Gottes schauen und somit mitten unter den Menschen den lebendigen Gott in ihnen verehren
.

Nicht ohne Grund haben die Kirchenvaeter gelehrt:
Wer seinen Bruder sieht, der sieht Gott.
Mit Andacht lasst uns deshalb in einem ehrfuerchtigen Verhaeltnis zueinander stehen, denn wir sind Erscheinung, Bild, Ikone. Lasst uns andaechtig unseren Glauben an das Dogma der Verehrung heiliger Ikonen bewahren, welches den Glauben unmittelbar bekundet, dass Gott Mensch wurde.

Lasst uns frohlocken darueber, dass von Generation zu Generation Gott in uns über unsere Schwachheit siegt, triumphiert und die Schwachheit unterordnet. Wir wollen Gott ganz und gar hingegeben leben, damit dieser Sieg vollkommen sei.

Er soll bis zum Ende den Sieg behalten, nicht nur in den verflossenen Jahrhunderten, sondern gerade heute und auch in uns. Der Widerschein Seiner Herrlichkeit moege aufgehen ueber der Welt, die in Schmerzen und Heimsuchung liegt.
Amin
.


FASTENBRIEF 2005

der orthodoxen Bischöfe Deutschlands

 

Liebe Väter, Brüder und Schwestern in Christus,

für uns orthodoxe Bischöfe, die wir Mitglieder der KOKiD sind, ist es eine große Freude, Euch, unseren geistlichen Kindern,
an diesem Sonntag derOrthodoxie diesen Hirtenbrief zu senden, in dem wir versuchen, eure Aufmerksamkeit auf einige bedeutende Aspekte unseres orthodoxen Glaubens zu lenken.

Als Orthodoxe hören wir nicht auf, immer wieder zu erklären, dass die Orthodoxie die Kirche Christi ist, die „eine heilige katholische und apostolische“ Kirche, die sich mit Christus identifiziert, insofern sie sein Leib ist und er ihr Haupt (Eph 1, 23).

Als Kirche der Apostel und der Väter bewahrt die Orthodoxie treu den Glauben, den diese formuliert und weitergegeben und für den im Laufe der Jahrhunderte unzählige Martyrer ihr Leben hingegeben haben.

An diesem „Sonntag der Orthodoxie“ gedenken wir ganz besonders unserer Brüder und Schwestern, die im Laufe des 8. und zu Beginn des 9. Jahrhunderts unter Einsatz ihres Lebens für die Verteidigung der heiligen Ikonen gekämpft haben.
Das war jene Zeit, da die bilderstürmerischen Kaiser die Ikonen zerstörten und der Kirche einen Gott ohne Angesicht, einen fernen Gott,
einen in seiner Transzendenz verschlossenen Gott aufzwingen wollten, was in der letzten Konsequenz eine Begegnung mit dem Menschen, seinem in Wirklichkeit konkreten und oft unglücklichen Abbild, unmöglich gemacht hätte.

Dies bedeutete, den Glauben selbst zu zerstören, denn im Herzen der christlichen Botschaft steht zu Recht die Inkarnation: Gott überwindet seine eigene Transzendenz und wird Mensch; in Christus, seinem geliebten Sohn, nimmt er menschliche Gestalt an, um von allen als ein naher Gott erkannt zu werden, als ein barmherziger Gott, der „jede Träne von jedem Gesicht abwischt“ (Paraklesis zur Gottesmutter).

Die Ikone Christi – und mit ihr verbunden die Ikone der Gottesmutter und jedes Heiligen – bezeugt wahrhaft diese unendliche Liebe Gottes, „der seinen Sohn hingegeben hat, damit ein jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“ (Eucharistisches Hochgebet). Mehr als ein bloßes sichtbares Zeichen, das an die Nähe Gottes erinnert, ist die Ikone auch ein Ort der Gnade, eine Gegenwart im Mysterion.
Wenn wir sie mit Glauben im Gebet verehren, versetzt uns die Ikone in die Gemeinschaft mit Gott oder mit den dargestellten Heiligen und überträgt auf uns die göttlichen Energien, mit denen sie gefüllt ist. Das ist der Grund, warum unsere Kirchen voll sind von Ikonen und Fresken, die Christus, die Gottesmutter, die Engel, die Heiligen und auch die biblischen Geschehnisse und jene der heiligen Geschichte darstellen.

Immer wenn wir wieder in eine Kirche kommen, haben wir das Gefühl, auf mystische Weise von den Myriaden der Engel und Heiligen umgeben zu sein, die hier gegenwärtig sind, um mit uns zu beten und um uns zu unterstützen in unseren Bedürfnissen und unseren Leiden. Wirklich, die Kirche ist die „Gemeinschaft der Heiligen“, „Gott ist gelobt in seinen Heiligen“, wie es der Psalmist David sagt. Und wir, auch wir, sind zur Heiligkeit berufen. Mehr noch, von unserer Taufe an sind wir heilig. Zwar muss diese Heiligkeit der Taufe immer wieder durch eine persönliche Anstrengung aktualisiert werden,eine Anstrengung, die oft sehr schwer zu erreichen ist. Denn es ist nicht immer leicht zu beten, zu fasten, regelmäßig an der Göttlichen Liturgie teilzuhaben oder seine schlechten Gewohnheiten zu überwinden, um dahin zu kommen, dass wir Gott lieben aus ganzem Herzen und den Nächsten wie uns selbst. Das christliche Leben ist ein alltäglicher asketischer Kampf, ein Kampf gegen die dämonischen Mächte, die versuchen, uns fernzuhalten von Gott, uns dazu zu bringen, die Liebe Gottes für uns zu ignorieren und zu leben, ohne auf sie zu achten.

Aus diesem Grunde vergleicht der hl. Paulus das Leben des Christen mit den Athleten, die sich eine strenge Askese auferlegen, um so eine vergängliche Krone zu erlangen. Eine solche Askese ist von daher noch viel notwendiger, um das ewige Leben zu erlangen. In unserem Kampf gegen die bösen Leidenschaften, die von den Dämonen gefördert werden, nehmen das Gebet und das Fasten einen ganz zentralen Platz ein. Der Herr selbst belehrt uns, dass man sich nicht von der Herrschaft der bösen Geister befreien kann, außer durch das Gebet und das Fasten (vgl. Math 17, 21). Die Orthodoxe Kirche ist in besonderer Weise eine Kirche des Gebetes und der Askese.

Unsere Väter im Glauben haben uns ein reiches liturgisches Erbe hinterlassen, eine tiefe mystische und asketische Tradition, die immer aktuell ist, denn sie antwortet auf die Bedürfnisse und die Forderungen jedes Menschen, der Gott sucht.

Besonders die Göttliche Liturgie, die durch ihre Schönheit „der Himmel auf Erden“ ist, muss sich im Zentrum des Lebens eines jeden Christen befinden. An der Göttlichen Liturgie regelmäßig, wenn möglich jeden Sonntag, teilzunehmen, ist schon eine Askese, zumal unsere Gottesdienststätten sich oft weit entfernt von unseren Wohnungen befinden. Jeden Tag so viel wie möglich zu beten und besonders sich auch zu bemühen, die Qualität seines Gebetes zu steigern, d.h. mit voller, im Herzen konzentrierter Aufmerksamkeit zu beten, wie uns die Väter lehren, ist ebenfalls eine große Askese, so wie auch das Fasten, sei es nun das eucharistische Fasten oder das Fasten an den Mittwochen und Freitagen oder in den Fastenzeiten des Jahres.

Wir haben jetzt die Große Fastenzeit begonnen, die uns vorbereitet auf das Fest der Auferstehung des Herrn. Es ist eine Zeit der Buße, der Wiederversöhnung mit Gott und unserem Nächsten durch die Beichte unserer Sünden vor dem Priester. Das Fasten, das wir während dieser Zeit ein jeder gemäß seiner eigenen Kräfte praktizieren, hilft, in uns den Kampf der Leidenschaften zu besänftigen, den Geist zu reinigen und uns zu helfen, dass wir uns auf das Herz konzentrieren. So wird das Gebet, das vom Fasten begleitet ist, immer mehr zu einem reinen Gebet werden, ohne andere Gedanken als nur die Gedanken an Gott. Fasten bedeutet auch, dass wir unsere Güter mit unseren Brüdern teilen, die sich in Not befinden.

Somit haben also unser Gebet und all unsere asketischen Anstrengungen zum Ziel, dass wir die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten erlangen. Ein Heiliger wird gerechterweise der genannt, in dem die Liebe alles überwindet, jeden Hass und jede schlechte Leidenschaft. Der Heilige triumphiert sogar durch die Gnade über seine eigene Natur; er ist ein umgestalteter Mensch, ein befriedeter Mensch, ein geeinter Mensch, der in sich die ganze Menschheit und den ganzen Kosmos vereint. Im Heiligen verehren wir zu Recht das heiligende Werk Gottes, denn letztlich ist alles Gnade. Und jede Ikone, der wir begegnen, ist eine Einladung zur Heiligkeit.

Wir wünschen Euch allen ein gesegnetes Fasten und rufen den Segen

des Herrn auf Euch, auf Eure Kinder und Eure Familien herab.

Berlin, am Sonntag der Orthodoxie 2005

 

+   Metropolit AUGOUSTINOS von Deutschland
        Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland

+   Metropolit GABRIEL von West- und Mitteleuropa
        Metropolie der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien für West- und Mitteleuropa

+   Metropolit SIMEON von West- und Mitteleuropa
        Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa

+   Erzbischof LONGIN von Klin
        Ständige Vertretung der Russischen Orthodoxen Kirche in Deutschland

+   Erzbischof FEOFAN von Berlin und Deutschland
        Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats

+   Bischof KONSTANTIN für Mitteleuropa
        Serbische Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa

+   Metropolit Dr. SERAFIM von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa
        Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

+   Erzbischof IOAN von Parnassos
        Ukrainische Orthodoxe Eparchie von Westeuropa

+   Metropolit ABRAHAM von Westeuropa
        Westeuropäische Diözese der Georgischen Orthodoxen Kirche

+   Erzbischof GABRIEL von Komana
        Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

 

Fastenbotschaft 2006 Naechstenliebe

 

Historische Argumente und Entwicklungen im "Bilderstreit"
und die
Ikonentheologie des Hl. JOHANNES von Damaskus

 

Die Bilderstürmer (Ikonoklasten) störte an den Bilderfreunden (Ikonodoulen) nicht nur Mißbrauch oder Übertreibung der Bilderverehrung, sondern es spiegelt sich in dieser Auseinandersetzung die Endphase eines langen Ringens um die richtige Christologie. Die Ikonoklasten meinten, dass die göttliche und die menschliche Natur in der Person Christi doch nur geglaubt, aber nicht abgebildet werden könne. Wer die menschliche Natur aber isoliert darstellen wolle, versündige sich gegen die Doppelnatur Christi. Die Vorstellung, die in Christus vorhandene göttliche Natur habe den Vorrang, und anstelle der menschlichen Seele habe der Logos dominiert fand ihren Ausdruck in der Meinung Christus sei eine reale Vermischung (Realmonophysitismus).
Dagegen hat sich das Konzil von Nicaea 325 gewendet.

Das 4. Allgemeine Konzil von Chalkedon hat 451 die Lehre von den beiden selbständig und komplett in Christus vorhandenen Naturen (Duophysitismus) nochmals betont und erneut als Glaubensbekenntnis festgelegt. In den orientalischen Regionen des Römischen Reiches wurde am Monophysitismus dennoch festgehalten. In der Äthiopischen Kirche, in der Syrisch-orthodoxen Kirche und in der Koptisch-orthodoxen Kirche haben sich Formen des Monophysitismus bis heute erhalten. In welchem geistigen und theologischen Umfeld Christusbilder oder andere religiöse Darstellungen zu rechtfertigen seien und wie sie verstanden werden sollten, war noch nicht wirklich durchdacht oder definiert. In der Bilderfrage drifteten der Osten und der Westen immer weiter auseinander, und aus politischen Gründen kam es im 8. Jahrhundert in der geographischen Mitte der damaligen Christenheit, im Oströmischen - von uns heute Byzantinisch genannten - Reich zum Eklat.

Der sogenannte "Byzantinische Bilderstreit"entwickelte sich rasch von einer Theoriediskussion zum Bürgerkrieg (Ikonoklasmus, von klazo = ich zerstöre). Was jahrhundertelang eine theologische Kontroverse und ein theoretischer Konflikt war, triftete aus politischen Gründen auf einen Bilderstreit zu, der sich zum Bürgerkrieg entwickelte.

Der richtige Glaube war damals noch nicht zur Privatsache abgewertet, theologische Fragen nicht nur ein Diskussionspotential für Gebildete.
Die richtige Interpretation des Christentums war ein reales Anliegen für jeden Bürger.


Grundlage für den byzantinischen Staat war das römische Gesetz "Cunctos populos" aus dem Jahre 380: Wer nicht den rechten Glauben hat (Häretiker), kann nicht Reichsbürger sein. Nachdem Kalif Jezid II. 721 alle Bilder aus Kirchen und Öffentlichkeit in seinem Herrschaftsbereich hatte entfernen lassen breitete sich diese materiefeindliche Ansicht auch unter den Intellektuellen im byzantinischen Herrschaftsbereich aus und Kaiser Leon III. (717—741), selbst aus Kleinasien stammend, wo schon im 7. Jahrhundert verstärkt bilderfeindliche Tendenzen ausgebrochen waren, ordnete 726 erste Zerstörungen von religiösen Bildern an, eine Versammlung kaisertreuer Beamter formulierte die theologische und juristische Verurteilung der Bilder.


Ein kaiserliches Edikt erklärte 730 den Bildergebrauch als strafbar. Patriarch Germanos von Konstantinopel, der dagegen protestierte, wurde abgesetzt, sein orthodoxer Nachfolger enthauptet.
Auch Papst Gregor III., der schon damals den später "orthodox" genannten Standpunkt vertrat, exkommunizierte alle Ikonoklasten. Mittelitalien schied aus dem Reich des Kaisers aus. Loyalität zum Kaiser stand gegen Freiheit der Kirche.


Unter Konstantin V. (741-775) wandte sich die gesteigerte gewaltsame Verfolgung auch gegen die Verehrung der Heiligen und der Gottesmutter, Moenche wurden zur Heirat gezwungen, Klöster zu Kasernen missbraucht. 50 000 griechische Mönche flohen nach Italien, an die nicht von Byzanz beherrschten Küsten des Schwarzen Meeres, Zypern, Syrien und Palästina. Der Kaiser berief gleichgesonnene kirchliche Würdenträger zu einem Konzil in seinem Palast. Erwartungsgemäß wurden die Bilder verurteilt und ihre Zerstörung angeordnet. 766 mußten sich alle Bürger durch Eid verpflichten, einem Bild nie wieder die Proskynese zu erweisen.


Zwei Themenbereiche mußten geklärt werden, bevor das Ringen um die "Rehabilitierung" der Bilder wieder aufgenommen werden konnte:

Welches ist das richtige Bild Christi?
Welche Verehrung kommt wem zu?


Zu groß war die Befürchtung, das Bild selbst könne Gegenstand der Verehrung sein. Im antiken Denken war im Götterbild die Kraft der Gottheit, mancher mochte das Abbild selbst für das Urbild halten.


Schon im 2. Jh. hatte sich Kirchenvater Klemens von Alexandrien darüber Gedanken gemacht:


"Ist das Urbild nicht gegenwärtig, kann das Ebenbild denselben Glanz ausstrahlen.
Ist die Wirklichkeit jedoch präsent, wird selbst das Bild noch von ihrem Glanz übertroffen;
die Ähnlichkeit bleibt jedoch bestehen, enthüllt sie doch die Wahrheit."


Ein ganz entscheidendes, weil bis dahin nie geklärtes Problem mußte weiterhin die Frage sein, an wen sich die vor den Bildern offensichtlich Verehrung wendete. Das Risiko war zu groß, daß die kultische Verehrung, die Gebete, der Weihrauch oder das sich Niederwerfen (Proskynese), die ja nur dem Urbild zukommen konnte, allmählich auf das Abbild übergehen konnte.
Die Verteidiger und Freunde der Bilder (Ikonodoulen) wehrten sich gegen den Vorwurf des "Holzanbetens", und der Bischof von Rom wurde ihr Wortführer. Papst Gregor II. (715-731) hat in zwei Synoden die bilderfeindlichen Bestrebungen zurückweisen lassen und sich deswegen mit Kaiser Leon III. heftig überworfen. Den kaiserlichen Vorwürfen entgegnete er:

"... Ihr sagtet: ,Steine und Wandbewurf betet ihr an!´
Nicht so ist es, o Kaiser, wie Ihr behauptet.

Wir verehren die Bilder, weil sie uns Denkhilfe und Anregung sind, und weil sie unser erdhaftes, sinnengebundenes Denken zur Höhe ziehen - und deshalb haben sie ihren Namen und Gebetsinschriften und Formen.

Wir aber beten sie nicht an als Götzenbilder, wie Ihr behauptet; ferne sei das.

Denn wir gründen unsere Hoffnung nicht auf sie, sondern wenn wir ein Bild des Herren anschauen, beten wir:

"Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser und rette uns!"

Und beim Anblick des Bildes seiner heiligen Mutter sagen wir:

"Heilige Gottesgebärerin, Mutter des Herren, flehefür uns bei Deinem Sohn, unserem wahren Gott, dass er unsere Seelen rette!"

Und vor einem Märtyrerbild:

"Heiliger Stephanus, Du Erzmärtyrer, Du hast für Christus Dein Blut vergossen und darfst darum freimütig zu ihm sprechen, bitte für uns!"

So beten wir vor den Bildern aller Blutzeugen, solche und ähnliche Gebete senden wir zum Himmel durch ihre Fürbitte...


Für die Ikonoklasten war die Eucharistie die einzig legitime Abbildung Christi. Die Ablehnungen der bilderfeindlichen Synode 754 kreisen um das Christusbild und gipfeln in der Feststellung und im Vorwurf, daß ein ehrgeiziger Maler zwar nach künstlerischen Vorstellungen den menschlichen Körper Christi darstellen könne, nicht aber dessen unsichtbare und damit nicht abbildbare göttliche Natur. Sollte er diese beiden vermischen wollen, werde er zu einem Häretiker. Dies war auch eine deutliche Abgrenzung gegen monophysitische Vorstellungen.

Während der folgenden langen Auseinandersetzung versammelten sich die Bilderfeinde (Ikonoklasten) zu einem Konzil 754 in Hiereia (Kleinasien). Wichtigster Kritikpunkt war die unwiderlegbare Tatsache, daß das Nebeneinander der göttlichen und menschlichen Natur in Christus (Duophysitismus) nicht bildhaft wiedergegeben werden könne, und sie erhoben gegen die Maler den entscheidenden Vorwurf (can.252):

"Ein solcher ,Linksmaler' hat ein Bild (eikon) gemacht, es Christus genannt. Und dieser, Christus' ist göttlicher und menschlicher Natur?

Und im übrigen hat er entweder nach dem Gutdünken seines vergeblichen Trachtens das Unumschreibbare der Gottheit mit der Umschreibbarkeit des geschaffenen Fleisches zusammen umschrieben, oder er hat jene unvermischte Einheit, damit der Widergesetzlichkeit der Vermischung schuldig werdend, vermischt.

So hat er folglich zwei Blasphemien begangen - die der Umschreibung und die der Vermischung.

Diesen beiden Blasphemien fällt nun auch derjenige anheim, der das Bild mit Proskynese verehrt..."

"Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geiste und in der Wahrheit anbeten." [Joh 4,24]

Ferner:
"Niemand hat Gott je gesehen" [Joh 1,18] und
"Ihr habt weder seine Stimme gehört, noch seine Gestalt (eidos) gesehen " [Joh 5,37] und die Schrift preist alle selig, die da glauben, obwohl sie ihn nicht sehen. [Joh 20,29]

Auch im Alten Testament hat Gott zu Moses und dem Volk gesprochen:

"Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde"[Ex 20,4] denn auf dem Berg (Sinai) "sprach (der Herr) zu euch mitten aus dem Feuer"[Deut 4,12]
, doch "ihr habt weder seine Stimme gehört, noch seine Gestalt je gesehen."
[Joh 5,37]

 

"Sie dienen einem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge"[Hebr 8.5]
und wiederum: "Auch wenn wir früher Christus nach menschlichen Maßstäben eingeschätzt haben, jetzt schätzen wir ihn halt nicht mehr so ein"
[2. Kor 5,16],
"denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende."
[2. Kor 5,7]

 

Schliesslich hat derselbe (Paulus) beweiskräftig gesprochen:


"So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi."[Rm 10,17]


 

Religiöse Bilder aller Art wurden zerstört, in den Kirchen die vorhandenen Dekorationen entfernt und durch bildlose Dekorationen abgelöst. Unter Kappadokiens Höhlenkirchen sind nicht wenige aus der Zeit des Bilderkampfes erhalten und zeigen die bildlose Malerei der Ikonoklasten, allen voran die Barbarakirche in Göreme. Unter dem etwas gemäßigteren Kaiser Leon IV. (775-780) waren die Auseinandersetzungen mehr dogmatischer Art. Nach seinem Tod berief seine bilderfreundliche Witwe, Kaiserin Eirene, nach mühsamem Zurückdrängen der auf Mönchsfeindlichkeit eingeschworenen Armee gemeinsam mit dem späteren Patriarchen Nikephoros 787 zu einer Synode in der altehrwürdigen Konzilsstadt Nicäa, in der die Bilder rehabilitiert wurden.

 

"Wir verlangen eindeutig und ausdrücklich, daß die ehrwürdigen und heiligen Ikonen ausgestellt werden wie das Bild des ehrwürdigen und heilbringenden Kreuzes selbst..."

 

Die Bilderfreunde (/Ikonodoulen) trafen sich. Auf diesem 7. allgemeinen Konzil wurde die inzwischen erarbeitete Bildertheorie des arabischen Mönches Johannes von Damaskus (ca. 650-750) zur Basis einer Theologie der Ikonen.

 

Die Bilderfeinde kannten die Positionen des wortgewaltigen Mönches aus Damaskus, er ist ihr Hauptgegner, ihn trifft ihr Bannfluch am heftigsten.

 

Johannes war bereits gestorben, konnte seine Positionen nicht selbst vertreten. Theodor, Abt des Studion-Klosters in Konstantinopel, wurde der Wortführer auf dem Konzil und betonte die Ideen des Johannes durch eigene Vertiefungen. Johannes entkräftete zunächst die Bezugnahme auf das Alte Testament mit den Hinweisen,

- dass auf Gottes Geheiß an der Bundeslade Bilder angebracht worden sind (Ex 25,18-22; Hebr 9,5)
- ebenso auf dem Vorhang des Tempels (Ex 26,31 und 36,8).

Das Hauptargument für Johannes von Damaskus war die Menschwerdung. Christus könne nicht durch Symbole, sondern nur durch seine menschliche Gestalt dargestellt werden. Seine Darstellung könne sein ewiges Bild im Sinne einer höheren Wahrheit spiegeln. Christus sei freiwillig Mensch geworden, deshalb sei es weder unmöglich noch respektlos, seine menschliche Gestalt abzubilden.

Die Inkarnation war das Hauptargument für die Rechtfertigung einer religiösen Bildkunst. Gottvater könne und dürfe aus diesem Grund allerdings nicht abgebildet werden. Johannes gibt den Bilderfeinden unumwunden zu, daß die nicht sichtbaren Glaubenswahrheiten auch nicht bildhaft dargestellt werden könnten. Aber: Alle seine Zeitgenossen hätten den historischen Jesus als Menschen gesehen, einige hätten aber glaubend seine nicht sichtbare Göttlichkeit erkannt. In seiner Verteidigungsrede für die Bilder argumentiert er:

"Ein Bild ist wirklich ein Abbild und Beispiel, ein Abdruck eines in ihm gezeigten Abgebildeten...

... daher habe ich den Mut, vom unsichtbaren Gott ein Bild anzufertigen, nicht als Unsichtbaren, sondern als um unsretwillen durch die Anteilnahme an Fleisch und Blut sichtbar gewordenen. So bilde ich nicht die unsichtbare Gottheit ab, sondern das Fleisch Gottes, das gesehen worden ist.

Wenn es schon unmöglich ist, die Seele abzubilden, wieviel mehr erst Gott, der auch der Seele das Nichtmaterielle verliehen hat..."

 

Interessant ist ein Blick auf die historische und topographische Konstellation: Um in einer bedrohlichen Phase der islamischen Angriffe die bilderfeindlichen Provinzen ans Reich zu ketten und um sie nicht in die Arme des Kalifen zu treiben, der ihnen problemlos Religionsfreiheit hat in Aussicht stellen können, war der syrische Kaiser Leon III. auf eine reichsweite Bilderfeindlichkeit eingeschwenkt, was den Vorwurf der islamischen Infiltration begründet.

Im Gegensatz dazu lebte und lehrte Johannes von Damaskus in einem Kloster in Jerusalem, das seit 637 unter islamischer Herrschaft stand und in dem die Christen ihren Ideen nachgehen konnten, ohne das Eingreifen eines sie reglementierenden christlichen Kaisers fürchten zu müssen. Die Freiheit zur Widerrede gegen den christlichen Kaiser und zur Verteidigung der Bilder konnte Johannes nur im bilderlosen islamischen Kulturkreis genießen.

Später hatten die Mönche des Studion-Klosters in Konstantinopel unter ihrem Igumen, dem Hl. Theodor viel Überzeugungsarbeit zu leisten um das durch die Propaganda der Bilderstürmer verdorbene Konstantinopel zu überzeugen. Noch einmal flammte die Terrorherrschaft der bilderfeindlichen Mächte auf, die Mönche von Studion wurden 809 vertrieben und verbannt, konnten aber bald wieder zurückkehren. Noch 815 berief ein bilderfeindlicher Kaiser ein ikonoklastisches Konzil in die Hagia Sophia ein, ersetzte willkürlich den mutigen Patriarchen Nikephoros und weitere 28 Jahre wurden Ikonen vernichtet und versucht die Kirche mit dem Gewalt einer Schreckensherrschaft dem Diktat des Kaisers zu unterwerfen. Klöster wurden geschlossen, Mönche terrorisiert, Ikonenmaler misshandelt; z.B. dem Mönch Lazarus beide Hände im Feuer verbrannt.
Erst unter Kaiserin Theodora wurde 843 das Konzil von 787 bestätigt und am 11. März, dem 1. Fastensonntag, verkündet. Die kaiserliche Macht erkannte endgültig das Recht der Kirche auf die selbstständige Regelung ihrer religiösen Angelegenheiten an.

Die Bildertheologie des Johannes wurde die Basis für die Rechtfertigung des Bildergebrauchs und Entscheidungsgrundlage für die Konzilsväter. Die entscheidenden Passagen des Konzilsbeschlusses von 787 lauten:

 

"... Die Verehrung des Bildes (eikon) geht nämlich auf das Urbild (prototypos) über, und wer das Bild verehrt, verehrt die Hypostasis dessen, was in ihm eingeschrieben ist.

Damit wird die Lehre unserer heiligen Väter bestätigt und gleichermaßen die Tradition der Katholischen Kirche, welche das Evangelium von einem Ende (der Welt) zum anderen aufgenommen hat. Somit folgen wir Paulus, der in Christo geredet hat, dem ganzen göttlichen Kreis, und den heiligen Vätern, indem wir die Überlieferungen bewahren, welche wir empfangen haben. So singen wir der Kirche prophetische Siegeshymnen:

'Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem. Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten.'

Und Friede wird über dir sein bis in ewige Zeit.

Wir ordnen an, daß diejenigen, die es wagen, etwas anderes zu denken oder zu lehren oder die gegen die offenkundigen Häretiker (gerichteten) kirchlichen Überlieferungen zu verwerfen oder irgendwelchen Zusatz hinzuzusinnen, oder etwas von den kirchlichen Weihegegenständen wegzuwerfen - ein Evangeliar, ein Kreuzzeichen, eine bildliche Darstellung oder eine heilige Märtyrerreliquie - oder ränkevoll und böswillig etwas hinzufügen, um einen Punkt der rechtskräftigen Überlieferung der katholischen Kirche umzustürzen, und zwar besonders, um die kirchlichen Kleinodien oder die frommen Klosterstiftungen zu verstaatlichen, wenn sie Bischöfe oder Kleriker sind, zu entfemen, Mönche und Laien aber von der Kommunion (koinonia) auszuschließen...

Das heilige Konzil akklamierte:

Wir alle glauben so, wir alle denken dasselbe, wir alle haben mit unserer Zustimmung unterschrieben.


Dies ist der Glaube der Apostel, dies ist der Glaube der Rechtgläubigen.


Dieser Glaube fundiert die Oikumene.


Im Glauben an den einen Gott, der in der Dreifaltigkeit besungen wird, küssen wir die verehrungswürdigen Ikonen.


Diejenigen, die es nicht so halten, sind verdammt ...


Diejenigen, die nicht so denken, sind weit aus der Kirche entfernt."


 

In den zwei entscheidenden Problemkreisen war ein Kompromiß gefunden:


Zum einen war das für die Bilderfrage bisher unlösbare Dilemma des Duophysitismus nunmehr lösbar:
Das Bild gibt zwar nur die menschliche Natur wieder, kann aber dennoch akzeptiert werden, weil die nicht abbildbaren göttlichen Anteile dazu gewußt und ergänzend geglaubt werden. Der nicht bildhaft sichtbare Glaubensakt drückt sich in den bekennenden Inschriften aus. Das Göttliche erheischt eine Abbildung. Sie gehört zu ihm wie der Schatten zu seinem Körper.
Im Umkehrschluß wäre ein Verbot der Bilder und ihrer Verehrung eine Leugnung des sichtbar gewordenen Christus.


Theodor von Studion formulierte:

"Insofern Christus von einem unumschreibbaren Vater herkommt, kann er kein Kunstbild haben, weil er unbeschreibbar ist. In der Tat, welchem Bilde hätte die Gottheit, deren Darstellung in der Heiligen Schrift vollkommen verboten ist, gleichgestellt werden können? Insofern aber Christus von einer beschreibbaren Mutter geboren wurde, hat er natürlicherweise eine Darstellung, die dem mütterlichen Bilde entspricht. Und wenn er kein Kunstbild hätte, wäre er auch nicht von einer beschreibbaren Mutter geboren und hätte also nur eine Geburt - nämlich vom Vater. Dies aber wäre eine Umstürzung seines Heilsplanes."

Diese Überzeugung fand 843 Eingang in die Texte der Orthodoxie.

 

Zum anderen war entscheidend, daß die längst überfällige und letztlich konfliktauslösende Frage jetzt endlich ein für allemal geklärt wurde: Die vor den Ikonen vollzogene Verehrung und Kniefall (proskynesis) durch die Gläubigen gilt nicht den Holztafeln, sondern dem Urbild, geschieht nicht im Hinblick auf die Materie, sondern im Hinblick auf den Dargestellten. Die Wirkkraft des Abgebildeten ist immer im Bild. Es gibt eine Einheit von Urbild und Abbild nach Form und Ähnlichkeit. Die Anbetung (latreia) ist alleine Gott vorbehalten.

Der christliche Westen hat sich zunächst vehement für die Bilder ausgesprochen, z. B. der Diakon Epiphanius aus Catania.

 

Vergleiche der Ikone mit dem Andachtsbild westlicher Ausprägung machen die essentiellen Unterschiede deutlich:



 

Ziel der Ikone ist es, die heiligen Überzeugungen in allgemein verbindliche Bilder umzusetzen.

-
Ziel des Andachts-Bildes ist es, den Betrachter durch wie immer geartete Gestaltungsmöglichkeiten möglichst "andächtig" zu machen, d. h. er soll an die illustrierten Geschehnisse erinnert werden und emotional in sie eindringen bzw. an ihnen beteiligt sein.

 

Die Ikone basiert auf den Berichten glaubwürdiger Zeugen und auf den Richtigstellungen erleuchteter Konzilsväter.

-
Der Künstler, der ein Andachts-Bild malt, kann neue Formulierungen zur Steigerung der Wirkung "cre-ieren".

 

Themenauswahl und Bildkomposition, Repräsentation der Einzelfiguren, Gestaltung der äußeren Erscheinungen der Ikone müssen die kanonischen Traditionen fortsetzen. Neu angefertigte Werkstücke müssen die Vorbilder der Vorlagen fortsetzen.

-
Der Künstler des Andachts-Bildes beweist seinen Einfallsreichtum und seine künstlerische Kreativität durch ansprechende Neuformulierungen des Themas.

 

Den Ikonenmaler bewegt eine mystische Teilhabe an der in Gebet und Schriftlesung geschauten verklärten Welt.

-
Der Künstler des Andachtsbildes bedient sich seiner Phantasie.

 

Die künstlerische Freiheit des Ikonen-Schreibers ist in dem Satz der Heiligen Schrift zusammengefasst:
"Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit." 2 Kor 3,17

-
"Künstlerische Freiheit" im durchaus weltlichen Sinne ist die Grundlage des Gestaltungsprozesses für das Andachts-Bild des Westens.

 

(Unter Verwendung der Auszüge die der Religionspaedagoge Horst Leps aus den Seiten 15 –20, 29, 51+52 unter Weglassung der Fußnoten, aber Ergänzung der Bibelstellen aus der Einleitung des Ausstellungskatalogs "Ikonen des Ostens - Kultbilder aus fünf Jahrhunderten", herausgegeben vom Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, St. Otto Verlag Bamberg, Copyright 1998 Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg, Hauptabteilung Kunst und Kultur, Autor: Kurt Ruppert, Bamberg, erstellt hat)

 


 

2. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN



Hl. GREGOR PALAMAS



Lesung:
Hebr. 1:10 - 2:3




EVANGELIUM:
Mk. 2: 1 - 12



Hl.Berg, 16.Jhdt.




Hl.GREGOR Palamas
Predigt Erzbischof LEONID zum Fest

Die Tradition der Kirche lasst uns heute - im Sinne des Festes der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesgebärerin- sowohl an die Heilung des Gelähmten als auch an den Hl. GREGOR Palamas denken.
Es wird uns bewusst, dass Gott uns unser Heil nicht aufzwingt, sondern unser Mitwirken will. Mitwirken sollen wir nicht nur egoistisch an unserem eigenen Heil sondern auch alles dazu tun, um anderen die Heilung zu ermöglichen.

Das Fest der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesgebärerin ist auch das Fest der Zustimmung der Menschheit zum Heilsplan Gottes. Die Gottesgebärerin handelt nicht ohne zu wissen, was sie tut. Ihr kritisches Hinterfragen der Botschaft des Engels zeigt ihre starke Persönlichkeit. Aber im Unterschied zu unser mißgeleiteten Mutter Eva weiß Maria die Mutter der erneuerten Menschheit auch, dass die menschliche Vernunft ihre Grenzen hat. Und dass es ohne die Überwindung der Enge dieser Grenzen keinen Zugang zu Gott geben kann.
Diese menschliche Anstrengung zur Öffnung für die göttliche Energie führt zum Heilswirken in der "Syn-Ergie".

Diese Überwindung unserer vermeintlichen allzumenschlichen Grenzen ist nicht leicht.
In der Fastenzeit sind wir aufgerufen dafür zu "trainieren".

Aber wir brauchen dazu Anleitung und fühlen uns oft genug auch wie der Gelähmte und brauchen die Hilfe unserer Mitmenschen. Besonders in unserer Gesellschaft, die den Individualismus vergöttert, und den Glauben zur Privatsache machen will, sollten wir uns dessen bewusst werden, dass "keiner allein" gerettet wird. Unser Christentum kann nicht ohne Gemeinschaft heilsam werden. In dieser Gemeinschaft tragen wir alle für unseren nächsten Verantwortung und sollten immer bereit sein, so zu handeln wie die Mitmenschen des Gelähmten.

Hilfreich für unsere Suche nach dem Zugang zu Gott ist auch die Überwindung von westlicher Skolastik und thomistischer Theologie, die Synthese von apophatischer und kataphatischer Sprache von Gott, sowie der Weg des Herzensgebetes und die Möglichkeit der Schau des "ungeschaffenen Lichtes", der Schau Gottes in Seiner Energie.
Wege des Heils, die uns der Heilige GREGOR Palamas erschlossen hat.
Der Heilige GREGOR Palamas (1296-1359) war der hochintellektuelle Sprecher der Mönche des Heiligen Berges Athos, die in jener Zeit, wie so oft davor und danach die Erkenntnisse der Orthodoxie gegen die oberflächlichen Behauptungen der Günstlinge der weltlichen Machthaber verteidigen mussten.
Zunächst von der Gelehrsamkeit des Ostens durch die Erkenntnislehre des Dionysios Aeropagita fasziniert kam der humanistisch gesinnte Mönch Barlaam in den Osten und stieg bald zum Hoftheologen des Kaiserhofes in Byzanz auf. Bald begann er die Gebetspraktiken des Herzensgebetes der östlichen Mönche zu verspotten und zu bekämpfen.
Es ging den Mönchen den Zugang zum ungeschaffenen Licht Gottes, das Erspüren der Energiewirkung Gottes, nicht als subjektive Einbildung abtun und so verschütten zu lassen. Obwohl es ihm zunächst nur Gefangennahme und Ausstoss aus der Kirche durch einen humanistischen Patriarchen einbrachte und er erst mehr als 5 Jahre durch das Konzil von 1351 rehabilitiert wurde, setzte der Hl. GREGOR Palamas die Unterscheidung zwischen dem unfassbaren Wesen Gottes und Seinen erfahrbaren Energien durch.

Apophasis heisst Verneinung. Apophatisch von Gott zu reden wird durch den Versuch der Gotteserkenntnis durch menschliche Vernunft und Welterfahrung ausgelöst. Es bedeutet, von Gott zu sagen, wie Er nicht ist: Er ist nicht begrenzt, nicht endlich, nicht vergänglich - also unbegrenzt, unendlich, unvergänglich u.s.w.
Dies ist die Absage an den erkenntnistheoretischen "Realismus" der westlichen Skolastik (Thomismus, Skotismus).
Demgegenüber ist sich die orthodoxe Theologie dessen bewusst, das wir von Gott immer nur in Bildern und Gleichnissen reden, auch wenn wir das abstrakt in Begriffen tun.
Demgegenüber bedeutet Kataphasis Bejahung, die positiv die Verkündung der Offenbarung Gottes ermöglicht, die Verkündung der Heilsereignisse Gottes, durch die Er in unsere Geschichte eingegangen ist und immer wieder in unser Schicksal eingeht und durch die Er sich uns in Seinen Energien zu erkennen gibt.
Die beiden Positionen dürfen nicht fundamentlistisch gegeneinander gesetzt werden. Heilswichtig ist es hingegen die beiden Sichtweisen stets gleichzeitig anzuwenden und damit nicht den Trugschlüssen der Begrenztheit menschlicher Vernunft zum Opfer zu fallen:

Wir reden vom Wesen Gottes nicht anders als in Bildern und Gleichnissen aber wir reden immer von heilswirksamer Realität, wenn wir von Seiner Offenbarung und Seinen Heilsmysterien reden.

So wird Theologie zur geistlichen Medizin, derer die Menschheit unserer Zeit -gleichzeitig im Dilemma vom Wahn der "Allmachbarkeit" gefangen und gleichzeitig der absolut entwertenden Orientierungslosigkeit verfallen- im besonderen Maße bedarf.

 

 

 

Predigt
von
Erzbischof LEONID von Riga und Lettland
in der zweiten Woche der großen Fasten


*Quellenhinweis*

 

In der heutigen Evangeliumslesung hörten wir, Brüder, die Erzählung von der Heilung des Gichtbrüchigen in Kapernaum durch den Herrn Jesus Christus (Mk. 2, 1-12).

Christus lehrte in einem Haus das Volk. Über Ihn, den großen Wundertäter, hatte sich schon überall die Kunde verbreitet, und eine Menge Volks kam zu Ihm. Das Haus war so dicht umlagert, daß es unmöglich war, einzutreten und zu Jesus zu gelangen. Und siehe, vier Männer trugen einen Gichtbrüchigen herbei, der sich nicht selbst bewegen konnte, auch nicht die Kraft hatte, von seinem Bett aufzustehen. Sie wollten unbedingt zu Jesus gelangen, sie wollten mit Ihm zusammentreffen, um die Heilung des Kranken zu erbitten.

Die Hoffnung brannte im Herzen. Wenn man nur durchgehen könnte, wenn man Ihn nur sehen könnte . . . So stark war ihr Glaube an den Herrn, und so stark war die Hoffnung, daß Er dem Kranken helfen würde, daß kein Hindernis sie davon abhalten konnte. Sie kletterten auf das Dach des Hauses, öffneten die Decke und ließen von dort das Bett mit dem kranken Gichtbrüchigen zu Jesu Füßen herab. Als Jesus diesen Glauben der Männer sah, heilte Er den Gichtbrüchigen und vergab ihm seine Sünden, die offensichtlich die Ursache seiner Krankheit waren. Und der Kranke, der vorher nicht einmal die Möglichkeit hatte, sich zu bewegen, stand auf, nahm sein Bett und ging hinweg. Dadurch versetzte er alle, die sich daselbst befanden, in Erstaunen, so daß sie Gott um des großen Wunders willen verherrlichten.

Nicht ohne Absicht bietet uns die heilige Kirche diese Evangelienlesung in den Tagen der großen Fasten an, in den Tagen der Buße und des Gebetes um die Vergebung unserer Sünde. Auch unsere Seele gleicht dem Gichtbrüchigen aus dem Evangelium: Die Sünden ketten sie so an die Erde, daß sie sich selbst nur mit Mühe auf dem Weg des Guten bewegen kann. Allein die heilbringende Hilfe Gottes kann uns die Kraft geben, auf dem Weg der göttlichen Gerechtigkeit zu wandeln. Wie aber schüttelt man dieses Joch ab, das uns umgibt, und die uns bedrückenden irdischen Mühen, Sorgen und Bindungen, die uns vom Herrn abdrängen ? Wie kann es geschehen, daß wir Sünder, verdunkelt durch Makel und Leidenschaften, dieser Barmherzigkeit des Herrn, der umgeben ist von unzählbaren himmlischen Kräften und der Schar der Heiligen Gottes, für würdig befunden werden? Wie nähern wir uns diesem Licht und dieser Heiligkeit ? Das heute verkündete Evangelium zeigt uns den Weg. Seht, wie groß der Glaube des Kranken und derer war, die ihn hinzutrugen, wie stark war ihre Hoffnung auf Heilung! Sie überwandten alle Hindernisse und erlangten Heil.

So auch wir - wenn lebendiger Glaube an den Herrn in uns glüht, wenn wir unverrückt auf Seine Barmherzigkeit hoffen und so fest unsere Heiligung begehren, daß wir alle Hindernisse, Anfechtungen und Versuchungen überwinden. Wo immer wir uns von dem entfernen, was uns zur Sünde zwingt und hinabzieht - wird auch uns nach unserem Glauben geschehen. Der Herr ist gütig und barmherzig, Er erhört unsere inbrünstigen Gebete und erfüllt unsere innigsten Wünsche gnädig. Wie den Gichtbrüchigen reinigt Er uns von den Verfehlungen und hilft zu einem guten Leben in Christi Nachfolge.

Amen.

 

Aus STIMME der ORTHODOXIE
Zeitschrift der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (Patriarchat Moskau)
http://members.aol.com/StimmeOrth

 

Den Reichtum den Du mir gegeben,
o erbarmender Vater,
habe ich zerstreut.
Weit wandte ich mich ab von Dir
und ich kam in des Feindes Knechtschaft.

ob Deines masslosen Erbarmens
nimm mich auf, o Vater.

In leuchtenden Fasten,
erhellt durch der Gebete Lichtglanz,
lasst strahlend den Pflichten uns nachgehen,
damit wir entfliehen
dem Dunkel der Suende.

Heilige Dreiheit, wache
dass wir
die wir die Fasten schon drei Wochen durchlaufen,
unversehrt und unverurteilt
wuerdig sie weiter durcheilen
und Deine Gebote beachten.

 


 

 

3. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN

KREUZVEREHRUNG



Lesung:
Hebr. 4:14 - 5:6





EVANGELIUM:
Mk. 8:34 - 9:1




Heiliges Kreuz / Ikone von Nikolai SCHELECHOW




Orthodoxe Kreuzverehrung

Vor Deinem Kreuz, o Gebietender, fallen wir nieder,
und Deine heilige Auferstehung verherrlichen wir !


In der Mitte der Fastenzeit verehren wir das Heilige, das lebenbringende und uns daher so kostbare Kreuz des Herrn.
Nicht einem Stück Holz gilt die Verehrung sondern dem Herrn Selbst, dem Gekreuzigten und Auferstandenen !

Nicht mehr bewacht das flammende Schwert die Pforte von Eden,
denn wunderbar wurde das Feuer gelöscht durch das Holz des Kreuzes.
Der Stachel des Todes und der Sieg der Hölle ist zur Beute geworden.
Denn Du, mein Erretter, kamest und riefest denen im Hades zu:
"Lasset euch führen wiederum ins Paradies !"

 

Orthodoxe Kreuzesverehrung:
Das Kreuz ist wie die Ikonen und das Evangelienbuch für die orthodoxen Christen eine Abschattung der Wirklichkeit, auf die durch das Bild hingewiesen wird.
Die Verehrung einer solchen Abschattung gilt nicht dieser selbst, sondern der Wirklichkeit, die sie darstellt und die nicht anders als im Bild in Erscheinung treten kann. Dahinter steht die Überzeugung, dass das Göttliche für uns nur im Bild begreifbar ist, nicht aber direkt fassbar. Doch nicht jedes Bild, das wir uns machen, hat die Transparenz, den Blick auf das wahre Urbild zu ermöglichen. Nur das theologisch wahre, das geoffenbarte, das heilige Bild in der dogmatisch als richtig erkannten Tradition wird solchermaßen transparent. In dieser Transparenz des Kreuzes wird uns deutlich die Wirklichkeit des Kreuzes, Christus Selbst, der am Kreuz unsere Schuld getilgt und in Seiner Auferstehung den Sieg über den Tod vollendet hat. Das Kreuz anbeten heisst also, Christus als Sieger am Kreuz anbeten.
Das Leiden des Gottessohnes am Kreuz, das uns ermöglicht auch das Leid der Welt in diesem Licht zu sehen, führt uns im Glauben immer hin zur Auferstehung.
Zum Unterschied zum Westen, der beginnend mit der Aristoteles-Rezeption durch Augustinus und das Mittelalter weithin materielle und geistliche Welt streng trennt, lehrt und die Orthodoxie die Ganzheit der Schöpfung zu sehen, sei sie nun materiell oder nicht-materiell; und so auch die Ganzheit der Wirklichkeit: Kreuz und Auferstehung !
Wir kennen daher keine Konzentration auf die bloße Meditation der Leiden vor dem körperlichen Christusleichnahm auf Kruzifixen.
Unsere Verehrung des kostbaren und lebensspendenden Kreuzes ist eine dankbare Unterwerfung unter das Kreuz, das uns durch Gottes Menschenliebe vom Symbol der Hinrichtung zum Zeichen des Heils geworden ist.

Am fruehen Morgen gehen wir zu Dir,
und preisen Dich in Hymnen,
Heiland der Welt,
da wir den Frieden gefunden in Deinem Kreuz,
durch das Du das Menschengeschlecht erneuert hast,
uns fuehrend zum abendlosen Licht.


Im Paradiese ward einst durch eines Baumes Frucht
das Vertrauen gebrochen und herbeigerufen der Tod.
Der Baum des Kreuzes aber
hat den Menschen das Kleid des Lebens gebracht.
Nicht mehr bewacht das Flammenschwert die Pforte von Eden.
Denn es nahte sich ihm eine neue Versoehnung,
des Kreuzes Baum.
Des Todes Stachel und des Hades Sieg ist zerschmettert.
Du tratest, mein Heiland, herzu,
den Bewohnern des Hades zurufend:
Lasst euch zurueckfuehren ins Paradies !


Heute tanzen der Engel Choere voller Freude,
Deinem Kreuze huldigend.
An ihm ja schlugst du Wunden der Daemonen Scharen,
an ihm wurdest, Christus,
Heiland Du den Menschen.


Sei gegruesst, dreimal seliges, heiliges Holz,
Kreuz,
Licht derer, die wandeln in Dunkelheit,
das du den vier Enden der Welt durch dein Leuchten zeigtest,
die Strahlen von Christi Erweckung,
wuerdige alle Glaeubigen,
das heilige Pas´cha zu schauen.


 


 



4. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN



Hl. JOHANNES von der HIMMELSLEITER


   Lesung:
   Hebr. 6: 13 - 20




   EVANGELIUM:
   Mk. 9: 16 - 30




   Durch Enthaltsamkeit

   konntest du die Kraft deiner Seele erneuern;

   sie mit himmlischer Herrlichkeit veredeln.

   Heiliger Moench JOHANNES

   Darum riefst du allen zu:

   Nichts ziehet Gottes Liebe vor !






IKONE des FESTESIKONE des FESTES

Heute macht uns die Kirche aufmerksam auf den Hl. JOHANNES Klimakos (von der Himmelsleiter). Dieser Mönchsvater, der im 7. Jahrhundert lebte, verwirklichte das Ideal von Gebet und Umkehr. Schon mit 16 Jahren wurde er Einsiedler-Moench auf dem Sinai. 639 wurde er als Igumen Klostervorstand. Vor seinem Tode zog er sich wieder in die Einsamkeit zurück. Sein immer wieder gelesenes Standardwerk "Die Himmelsleiter" beschreibt in 30 Sprossen -nach dem verborgenen Leben Jesu- den Aufstieg zur Vollendung in Gott, den Kampf gegen die Laster, die den Menschen immer wieder behindern und die Tugenden die in die Nähe Gottes führen. Krönung und Ziel des allmählichen Aufstiegs ist die Ruhe der Seele in Gott.
Darauf dürfen auch wir uns in der Fastenzeit vorbereiten.
"Lasset uns Johannes ehren ... Ruhm der Asketen ..." singen wir in der Vesper und im Orthros: "Während dein Leib durch die Enthaltsamkeit abnahm, konntest du die Kraft deiner Seele erneuern, sie mit himmlischer Herrlichkeit bereichern."
Aber die Kirche erläutert die Lehre des Hl. JOHANNES Klimakos richtig, wenn sie verkündet, dass Askese sinn- und wertlos ist, wenn sie nicht Ausdruck der Liebe ist. Und wieder in der Vesper zitiert sie den Heiligen mit den Worten: "Darum riefst du allen zu: Gott habet lieb, und ewige Gnade werdet ihr finden. Nichts ziehet Seiner Liebe vor!"

Aus: The Year of Grace, A Monk of the Eastern Church, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p125f.
Übersetzt durch *St. Andreas Bote*

 


 

 

5. WOCHE der Grossen voroesterlichen FASTEN

In dieser Woche laedt uns die Kirche noch einmal verstaerkt zur Umkehr ein. Wir sind eingeladen unser Vorleben zu kreuzigen um in der Auferstehung erloest und erneuert zu werden.

Mittwoch wird der GROSSE KANON der Umkehr unseres Vaters unter den Heiligen ANDREAS von Kretagebetet, am Herrentag der diese Woche kroent, wird uns das leuchtende Vorbild der Heiligen MARIA von AEGYPTEN vorgestellt.
Am Freitag duerfen wir des wichtigsten Menschen im goettlichen Heilsplan fuer das ganze Menschengeschlechtduerfen wir des wichtigsten Menschen im goettlichen Heilsplan fuer das ganze Menschengeschlecht, der Gottesgebärerin im AKATHISTOS-HYMNUS gedenken.




5. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN



Hl. MARIA von Aegypten



Lesung:
Hebr. 9: 11 - 14




EVANGELIUM:
Mk. 10: 32 - 45



Festtagsikone in Arabischer Tradition aus dem Libanon





Die Hl. Maria von Aegypten ist in der orthodoxen wie in der lateinischen Kirche bekannt als ein Beispiel wie Gott uns durch Seine Gnade Heilige schenkt, deren Lebensweg nach menschlichem Mass alles andere als fromm und bieder ist. In jedem menschlichen Charakterzug, auch in den "allzu menschlichen" Schwächen, ist doch auch ein Zugang zum Heil verborgen. Massloses Verlangen nach Genuss kann im Zusammenwirken von Gottes Gnade und menschlicher Umkehr zu massloser Gottesliebe fuehren.
Maria wurde im noerdlichen Aegypten geboren und entfloh im Alter von 12 Jahren dem elterlichen Hause, um in der Weltstadt Alexandria ein Leben der Ausschweifung zu fuehren, einzig die Befriedigung ihrer Lueste suchend. Nach 17 Jahren ausschweifenden Lebens trieb sie die Neugier mit Wallfahrern zum Fest der Kreuzerhoehung zu den Heiligen Stätten in Jerusalem zu segeln. Auch auf dem Schiff und in Jerusalem liess sie ihrer Leidenschaft freien Lauf und verführte jeden der es sich gefallen liess.
Als sie zur Verehrung des heiligen Kreuzes inmitten des gewaltigen Menschenstromes, welcher der Auferstehungsbasilika zuflutete, auch selbst in die Kirche eintreten wollte, wurde sie an der Schwelle von einer unsichtbaren Gewalt, die staerker war als sie, zurueckgehalten, waehrend die uebrigen an ihr voruebergingen. Auch die vereinte Kraft mehrerer Maenner, um deren Hilfe sie gebeten hatte, konnten sie nicht ueber die Schwelle der Kirche bringen. Da kam es ihr ploetzlich erschreckend zu Bewusstsein, dass ihr Suendenleben Ursache dafuer sei, dass sie das Heiligtum in ihrem Zustand nicht betreten sollte. Zugleich fiel ihr Blick auf die Ikone der allheiligen Gottesmutter im Vorraum der Kirche. In Beschaemung und Reue rief sie die Mutter des Herrn an und gelobte, jede Busse in ihrem zukuenftigen Leben auf sich zu nehmen, wenn die Gottesmutter ihr Eingang in das Heiligtum und damit ein Zeichen gewaehre, an dem sie erkennen werde, dass ihr goettlicher Sohn ihr vergebe. Und - o Wunder - ungehindert konnte sie die Schwelle uebertreten und mit den uebrigen Pilgern an der Verehrung des heiligen Kreuzes teilnehmen. Hier traf sie der Strahl der Gnade. Einer innerlichen Erleuchtung folgend, jenseits des Jordans Ruhe und Frieden zu suchen, machte sie sich sofort auf den Weg und erreichte noch am gleichen Tage die Kirche des Hl. Johannes am Jordan. Reumuetig beichtete sie hier und empfing die Lossprechung und die Hl. Kommunion. Sodann ueberschritt sie den Jordan, um weiter ostwaerts in der Wueste Busse zu tun und die Wueste nicht mehr zu verlassen. Unter den aeussersten Entbehrungen in Nahrung, Kleidung und Behausung reinigte sich noch 17 Jahre ihr von ihren suendhaften Gewohnheiten und den Verwuestungen der Leidenschaften.
Dann aber fand sie die verheissene Ruhe und den vollen Frieden in Gott, dem sie noch weitere 30 Jahre in der Wueste widmen durfte, durch wunderbare Erleuchtungen getroestet und gefuehrt zu den seligen Geheimnissen der Gottesschau. Erst in ihrem 77. Lebensjahr wagte sie es wieder, einem Mann zu begegnen, der zur Andacht in die Wueste gekommen war. Viele Moenche folgten naemlich der Praxis vom ersten Fastensonntag bis zum Palmsonntag ihr Kloster zu verlassen, um in Erinnerung an die vierzigtaegigen Fasten des Herrn in der Wueste ein Einsiedlerleben zu führen. Gottes Fuegung wollte es, dass der fast hundertjaehrige Priestermoench Sosima aus einem am Jordan gelegenen Kloster in dieselbe Einoede kam, in der auch Maria lebte. Da sie ihm , ohne ihn je gesehen zu haben, seinen Namen nennen konnte, erkannte er dass es Gottes Wille war, dass er ihr am Hohen Donnerstag vor der Auferstehung die Hl. Kommunion an den Jordan bringen sollte. Nachdem sie mit Leib und Blut des Herrn gestaerkt war, was sie so lange hatte entbehren muessen, bat sie den Priester Sosima, ihr auch im naechsten Jahr die Heiligen Gaben an die selbe Stelle zu bringen. Dann zog sie sich wieder in die Wueste zurueck. Sosima entsprach im darauffolgenden Jahr ihrem Wunsch, fand aber an der verabredeten Stelle den Leichnam der Heiligen, die ihren Namen vor ihrem Scheiden aus dieser Welt in den Sand geschrieben hatte. Der heilige Sosima bestattete sie an der gleichen Stelle, kehrte ins Kloster zurueck und verfasste hier vor seinem bald folgenden Tode zur Erbauung des spirituellen Lebens seiner Mitbrueder die Lebensgeschichte der Heiligen, wie er sie bei der ersten Begegnung aus ihrem Mund vernommen hatte. In ihrer heutigen Gestalt stammt der Bericht von Patriarch Sophronij von Jerusalem. (7. Jhdt.)




Der unter den Aegyptern nach Seiner Geburt im Fleische gewohnt,
der Unumgrenzte vor aller Zeit,
liess leuchten dich aus Aegypten Stammende als ganz hellen Stern,
der Herr, der schon vor dem Geschehen alles erkennt.



Die durch die Angel des Fleisches viele gefangen,
fuer fluechtige Lust sie machte zur Beute des Teufels,
wurde wahrhaftig gefangen durch die goettliche Gnade des Heiligen Kreuzes,
Christi lebendigmachendes Zeichen.



Vormals von jeglicher Unreinheit erfuellt,
hast du dich durch Busse als Braut Christi erwiesen.
Du erstrebtest die Lebensweise der Engel,
ueberwandest die Daemonen mit der Waffe des Kreuzes.
Darum leuchtest du als Braut des Himmelreiches,
o vielgeruehmte Maria.



Uns, die in Liebe dein lichtbringendes und heiliges Gedaechtnis feiern,
sende Licht uns hernieder,
die du als Heilige jetzt bei Christus stehst, dem alles ueberstrahlenden Licht,
errette mich vor den vielfachen Stuermen des Lebens.

Festtagsikone aus Russland



* St. Andreas-Bote:
empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen und aktuellem Kalendarium
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de

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Vorbereitende Sonntage

Sonntag vom ZACHÄUS   31.1.21
Sonntag von den TALENTEN   7.2.21

Sonntag von der KANAANÄERIN   14.2.21


 

VORBEREITENDE SONNTAGE

 

Sonntag vom Zachäus

Apostel: 1 Tim 4: 9-15
Evangelium: Lk 19: 1-10


Heute hören wir die erste Ankündigung, empfangen die erste Einladung das Oster-Mysterium für uns heilbringend mitzuerleben:
Wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.
Deshalb müssen wir danach brennen den Gottessohn, den erneuerten perfekten Menschen des Paradieses erkennen zu lernen. Dazu muss der Durst und der Hunger nach dem Absoluten in uns steigen, und durch Ihn die wahrhaftige Erkenntnis in uns selbst.



Das brennende Verlangen
(zum Sonntag des Zachäus)

Lange vor dem eigentlichen Beginn der Fastenzeit kündigt die Kirche ihr Nahen an und lädt uns ein, in die Periode einer der Fastenzeit vorhergehenden Vorbereitung einzutreten. Es ist ein charakteristischer Zug der Orthodoxen liturgischen Tradition, dass jedes Hochfest oder jeder liturgische Zeitabschnitt - Ostern, Weihnachten, Fastenzeit etc. - angekündigt und im voraus »vorbereitet« wird. Warum? Weil die Kirche ein tiefes psychologisches Gespür für die menschliche Natur hat. Da sie unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit und den erschreckenden Hang zur »Weltlichkeit« unseres Lebens kennt, weiß sie um unsere Unfähigkeit zu einem raschen Wandel, zu einem unvermittelten Hinüberwechseln von einem geistlichen oder geistigen Zustand in einen anderen. Deshalb lenkt die Kirche bereits lange vor dem Beginn des der Fastenzeit eigenen Bemühens unsere Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Bedeutung dieser Zeit und lädt uns ein, deren Sinn betrachtend zu bedenken. Vor dem praktischen Vollzug der Fastenzeit wird uns deren Bedeutung gegeben.

Diese Vorbereitung umfasst fünf aufeinander folgende Sonntage, die der Fastenzeit vorangehen, und von denen jeder - durch sein eigenes Evangelium - einem grundsätzlichen Gesichtspunkt der Reue gewidmet ist.

Der aller erste Hinweis auf die Fastenzeit erfolgt an dem Sonntag, an dem das Evangelium über Zachäus (Lk 19,1-10) gelesen wird. Es ist der Bericht über einen Menschen, der zu klein ist, um Jesus sehen zu können, der aber so sehr von dem Wunsch beseelt ist, ihn zu sehen, dass er auf einen Baum steigt. Wegen seines brennenden Verlangens wendet Christus sich ihm zu und kehrt bei ihm ein. So ist das Thema dieser ersten Ankündigung das brennende Verlangen. Der Mensch folgt seinem brennenden Verlangen. Man kann sogar sagen, dass der Mensch Verlangen ist, und diese grundlegende psychologische Wahrheit über die menschliche Natur wird durch das Evangelium bestätigt: »Da, wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein« (Mt 6,21; Lk 12,34), sagt Christus. Ein heißes Verlangen überwindet die natürlichen Grenzen des Menschen; wenn er leidenschaftlich etwas wünscht, kann er Leistungen vollbringen, zu denen er »normalerweise« nicht fähig ist. Obwohl »klein« von Gestalt, wächst er über sich hinaus und übertrifft sich selbst. Die einzige Frage ist also, ob es die wahren Güter sind, die wir begehren, und ob die Stärke unseres Verlangens auf das wahre Ziel ausgerichtet ist oder ob, um die Formulierung des atheistischen Existentialisten Jean-Paul Sartre zu gebrauchen, der Mensch eine »unnütze Leidenschaft« ist.

Zachäus wünschte »eine gerechte Sache«, er wollte Christus sehen und näher an ihn herankommen. Es ist das erste Symbol des Sich-Bekehrens, denn das Sich-Bekehren beginnt mit der Wiederentdeckung der tiefgründigen Natur allen Verlangens: das Verlangen nach Gott und Seiner Gerechtigkeit, das Verlangen nach dem wahren Leben. Zachäus ist »klein«, - unscheinbar, ein Sünder, ein Mensch mit begrenzten Möglichkeiten - aber trotzdem wächst sein Verlangen über all dies hinaus. Er »erzwingt« die Aufmerksamkeit von Christus, er nimmt Christus mit zu sich nach Hause.

Das ist also die erste Ankündigung, die erste Einladung: wir müssen begehren, was das Tiefste und Wahrhaftigste in uns selbst ist, den Durst und den Hunger nach dem Absoluten in uns wiedererkennen, das, ob wir es nun kennen oder nicht, uns mit einer wahrlich »unnützen Leidenschaft« behaftet sein ließe, wenn wir uns von ihm abwenden und unsere Wünsche anderswohin lenken würden. Und wenn unser Verlangen hinreichend tief und stark ist, wird Christus darauf antworten.

Schmemann, Alexander, Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie, Bd. 2, München 1994, S. 15f.




 

Sonntag von den Talenten

Apostel: 2 Kor 6: 1-10
Evangelium: Mt 25: 14-30


Heute sollen wir in der Vorbereitung auf die Fastenzeit in den Worten des Gottessohnes mit aller Deutlichkeit erkennen:
Der Glaube der Christen ist wahre Freiheit aber keine Philosophie !
Wenn wir am vorigen Sonntag gehört haben, dass die Liebe das Höchste Gebot ist, dann genügt nicht zu nicken und "an etwas Höheres" zu glauben.
Die Befreiung unserer Talente durch die Erlösung muss ihre praktischen Auswirkungen in unserem Tun in unserem Leben finden !
Sonst werden wir nicht "eingehen" in die Freude unseres Herrn" sondern trotz unserer Erlösung dort sein, "wo Heulen und Zähneknirschen" ist !



Der Herr verteilte viele Talente unter seine Leute, dann liess er sie in aller Freiheit damit tun, was sie für richtig hielten.

Nach geraumer Zeit hatte einer 5 Talente verdoppelt.
DU BIST ÜBER WENIGES TREU GEWESEN,
DAFÜR WILL ICH DICH ÜBER VIELES SETZEN !
GEHE EIN IN DIE FREUDE DEINES HERRN !


Nach geraumer Zeit hatte ein anderer 2 Talente verdoppelt.
DU BIST ÜBER WENIGES TREU GEWESEN,
DAFÜR WILL ICH DICH ÜBER VIELES SETZEN !


Nach geraumer Zeit aber hatte der, der ein Talent erhalten hat, sich nicht auf die ENTWICKLUNG dieses Talentes konzentriert, sondern in kriecherischer Furcht alles vergraben um das Eigentum seines Herrn wieder zurückgeben zu können.
WIE ER IN UNERLÖSTER KRIECHEREI ANGENOMMEN HAT, SO GESCHIEHT IHM:
IHM WIRD NOCH GENOMMEN, WAS ER HAT !
ER WIRD DRAUSSEN IN DER FINSTERNIS SEIN,
WO HEULEN UND ZÄHNEKNISCHEN IST
!





 

Sonntag von der Kanaanäerin

Apostel: Hebr 7: 26-8:2
Evangelium: Mt 25: 21-28

 

Das heutige Evangelium ermutigt auch uns -besonders jetzt bevor wir die Grossen Fasten beginnen-, bei dem möglichen Schweigen Gottes, uns nicht zurückzuziehen,
sondern umso beharrlicher Gott in Demut zu bitten.

Unsere Kirchenväter deuten diese Frau auf die Kirche, welche ihr heidnisches Gebiet verließ, um Christus, welcher soeben das jüdische Land verlassen hatte, zu treffen. 

Jesus sagt zunächst zu seinen Jüngern: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels.“ (V.24) 

Wie leicht entsteht dabei der Gedanke: „Gut für den, dem der Glaube an Gott und die Kirche etwas helfen.
Aber so etwas ist nichts für mich. Ich kann einfach nicht mehr glauben. Angesichts des Leidens kann ich nicht mehr weiterbeten.“

Drei Mal wurde die Frau nicht erhört.
Aber welch großer Glaube, dass die Frau sich nicht abwendet, sondern auf den Worten Jesu ihre Antwort aufbaut.
Sie nimmt die Erniedrigung Jesu an und bezeichnet sich selbst als Hund. Aber gerade darum, weil selbst den Hunden, die unter dem Tisch sitzen - gerade weil sie dort sitzen - zumindest die Brotkrumen zufallen.
In ihrer Demut brauch sie sich nicht als Herr zu Tische zu setzen, sondern es reicht ihr zumindest die Brotkrumen am Boden zu erhalten. (V.27)

Und so wird der Glaube der Frau zum Schluss damit belohnt, dass ihr Wille geschah (V.28)
Denn es war ein Wille, welcher nicht auf sich selbst allein gerichtet war, sondern vor allem ihre Tochter im Blick hatte.
Und so wird schließlich ihre Tochter aufgrund von ihrem Glauben geheilt. (V.28)

Möge Christus auch uns die Beharrlichkeit und Demut im Gebet schenken, auf dass unser Glaube auch in Zeiten von Gottes Schweigen und eigener tiefer Rückschläge nicht verloren geht.

Dies schenke Gott, welcher Geber aller guten Gabe ist. Denn Ihm gebührt alle Verherrlichung und Ehre, Macht und Anbetung, in alle Ewigkeit. Amin.




 

 


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