Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils
 Unsere Heiligen

  November - Weihnachtliche Zeit - Januar     Februar - Vor-Oesterliche Zeit     Oesterliche Zeit - Juni  
  Juli - Oktober  

zurueck zur Einstiegseite / zum Auswahlmenue ueber alle Seiten der Orthodoxen Fraternitaet in Deutschland
FASTENZEIT
VERKÜNDIGUNG der FROHBOTSCHAFT an die ALLHEILIGE GOTTESGEBÄRERIN MARIA(25.03./ 7.4.)

"Fastenregeln" / FASTEN / Fasten ?  nach dem Hl. JOHANNES (Chrisostomos)
GEBET des Hl. EPHRAIM des SYRERS
/Kanon der Umkehr unseres Vaters unter d.Heiligen ANDREAS v. KRETA
Fasten-Hirtenbrief 2007 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: "...Zeit der Geistlichen Kaempfe"
Fasten-Hirtenbrief 2004 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: „Öffne mir, Lebensspender, das Tor zur Umkehr!“
Beten und Fasten - Erzbischof STYLIANOS von Australien
» ... sondern nur durch Beten und Fasten« (Erzpr. Prof. Alexander Schmemann (+ 1983)



ir, Lebensspender, das Tor

"
Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender    ! ..."
~~~ + Bulgar. Patriarch NEOPHYT aus Sv. NEDELYA, SOFIA, BG
zum histor. Link- 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~

zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"




 


GROSSE   V O R - Ö S T E R L I C H E   F A S T E N Z E I T
1. Sonntag der Fastenzeit: Fest der ORTHODOXIE
Неделя Православна
 24.3.2024
2. Sonntag der Fastenzeit: Hl. GREGOR Palamas св. Григорий Палама 31.3.2024
3. Sonntag der Fastenzeit: KREUZVEREHRUNG Неделя Кръстопоклонна 7.4.2024
4. Sonntag der Fastenzeit: Hl. JOHANNES von der Himmelsleiter
св. преподобни Йоан Лествичник 14.4.2024
5. Sonntag der Fastenzeit: Hl. MARIA von Aegypten
св. Мария Египетска
 21.4.2024


HOHER  Samstag  4./5.5. 2024

STRAHLENDE  AUFERSTEHUNG  -  PAS 'CHA  -  FEST der FESTE






ÖSTERLICHE  ZEIT

König aller Tage, Fest der Feste, über allen Tagen stehend und sie ordnend ist das Pas´cha, das Ostern der Auferstehung des Herrn.
Dahin führt diese Zeit in den 40 Tagen der Grossen Fasten und dadurch strahlt diese Zeit weiter im Jubel der 50 Tage bis Pfingsten.


[1] Wenn man eine Reise antritt, informiert man sich, wohin es geht. Und die Fastenzeit kann mit einer Reise verglichen werden. Eine Reise mit dem Ostern der Auferstehung als Ziel. Sie ist die Vorbereitung auf die Erfüllung des Pas´cha, der wirklichen Offenbarung.
Wir sollten also zu Beginn diese Verbindung zwischen der Fastenzeit und Ostern zu verstehen suchen; denn sie offenbart etwas für unseren Glauben und unser christliches Leben sehr Wesentliches und Entscheidendes. ...
Die wirkliche Offenbarung des Osterfestes der Auferstehung bringt uns das Neue Leben. In der Feier der Osternacht, die heller ist als der Tag, können wir singen: Heute ist alles mit Licht erfüllt, Himmel und Erde und die Totenwelt. Wir feiern den Tod des Todes, die Zerstörung des Hades (der trostlosen atheistischen Todesvorstellung) den Beginn des neuen und ewig währenden Lebens.
Diese Neue Leben wurde uns Christen am Tage unserer Taufe geschenkt, wie der heilige Apostel Paulus sagt, wir sind mit Christus ... in seinem Tode begraben worden, damit wir auch, so wie Christus von den Toten auferstanden ist, in einem Neuen Leben wandeln können (Röm 6:4)
...
Doch machen wir nicht die tagtägliche Erfahrung, dass dieser Glaube wohl kaum der unsere ist, dass wir immer wieder dieses neue Leben verlieren und verraten; - dass wir in Wirklichkeit so dahinleben, als wäre Christus nicht von den Toten auferstanden und als hätte dieses einzigartige Ereignis nicht die geringste Bedeutung für uns ?
Die alles, wegen unserer Schwäche, wegen unseres Unvermögens, ständig ein Leben in Glauben, Hoffnung und Liebe auf der Ebene zu führen, auf die uns Christus gehoben hat, als er sprach: "Suchet zunächst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit"
Wir vergessen es einfach - wir sind ja so beschäftigt und so in unsere Alltagsgeschäftigkeit verwickelt - und weil wir vergessen, versagen wir.
Und durch diese Vergessen, diese Versagen und diese Sünde wird unser Leben immer wieder alt - nichtssagend, verdunkelt, letztendlich bedeutungslos - es wird zu einer Reise bar jeden Sinnes, zu einem Ziel ohne Bedeutung. Wir unternehmen alles, um selbst den Tod zu vergessen, und dann tritt er doch ganz plötzlich mitten in unser ach so von Freuden erfülltes Leben: erschreckend, unentrinnbar, absurd. Wir mögen wohl von Zeit zu Zeit unsere vielfältigen Sünden erkennen und bekennen, wir unterlassen es aber, unser Leben auf das Neue Leben, das Christus uns geoffenbart und gegeben hat, außurichten. ...

Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir ermessen, was die Wirklichkeit von Ostern umfasst und warum sie die Fastenzeit erfordert und voraussetzt. Wir werden verstehen, dass die liturgischen Traditionen der Kirche, all ihre Festkreise und Dienste vor allem geschaffen wurden, um uns zu helfen, die Erfahrung und den Genuss dieses Neuen Lebens, das wir so leicht und immer wieder verlieren und verraten, wiederzürlangen. ...
...
Indes ist das alte Leben, das Leben der Sünde und der Unwesentlichkeit, nicht leicht zu besiegen und umzugestalten. Das Evangelium erwartet und fordert von dem Menschen eine Anstrengung, zu der er in seinem augenblicklichen Zustand seinem Wesen nach nicht fähig ist. Wir sehen uns von einer Vorstellung, von einem Ziel, einer Lebensweise herausgefordert, die gänzlich über unseren Möglichkeiten liegt !
Selbst die Apostel fragten ihren Meister entmutigt, als sie Seine Unterweisungen hörten: "Wie ist das möglich ?"
Es ist tatsächlich nicht einfach, eine kleinliche Lebensvorstellung, die sich auf den alltäglichen Sorgen, dem Streben nach materiellen Gütern, nach Sicherheit und Lustbarkeiten gründet, zugunsten einer Lebensvorstellung aufzugeben, deren ausschliessliches Ziel die Vollkommenheit ist: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." Diese Welt hingegen verkündet in all ihren "Medien": "Seid glücklich, macht es euch leicht, wählt den beQuemen Weg". Christus sagt jedoch im Evangelium: "Wählt den schmalen Pfad, kämpft und ertragt eure Leiden, denn das ist der Weg zu dem einzig wahren Glück"
Wie können wir ohne die Hilfe der Kirche diese erschreckende Entscheidung treffen ?
Wie können wir bereuen und umkehren zu dem ruhmreichen Versprechen, das uns jedes Jahr zu Ostern gegeben wird ?

An dieser Stelle erreicht uns die Fastenzeit. Sie ist die Hilfe, die uns die Kirche als Schule der Buße anbietet, die als einzige uns in die Lage versetzt, Ostern anzunehmen - nicht als bloße Erlaubnis zum Essen, Trinken und zum Nachlassen in unseren Bemühungen, sondern wahrlich als das Ende dessen, was in uns "alt" ist, sowie als unseren Eintritt in das "Neue".

In der Urkirche bestand das Hauptziel der Fastenzeit in der Vorbereitung der Katechumenen (der neu zum Christentum Übergetretenen) auf die Taufe, die in jener Zeit während der Osterliturgie vollzogen wurde. Indessen als die Kirche nicht mehr nur Erwachsene taufte und die Einrichtung des Katechumenats wegfiel, blieb der grundlegende Sinn der Fastenzeit derselbe. Denn, obgleich wir getauft sind, ist das, was wir ständig verlieren und verraten, genau das was wir in der Taufe empfangen haben.
Deshalb ist Ostern unsere jährliche Rückkehr zu unserer eigenen Taufe, während die Fastenzeit unsere Vorbereitung auf diese Rückkehr ist, das langwährende und ausdaürnde Bemühen, um schliesslich unseren eigenen "Hinübergang" oder "Pas´cha" in das Neue Leben in Christus zu vollziehen. Und wenn, wie wir sehen werden, die Gottesdienste in der Fastenzeit noch heute ihre glaubensunterweisenden und auf die Taufe vorbereitenden Charakter haben, so stellt das für uns nicht etwa ein "archäologisches" Überbleibsel aus der Vergangenheit, sondern etwas Gültiges und Wesentliches dar. Denn jedes Jahr lassen uns die Fastenzeit und das Ostern der Auferstehung einmal mehr das wiederentdecken und wiedergewinnen, zu dem wir durch den in unserer eigenen Taufe vollzogenen Tod und die durch sie bewirkte Auferstehung geworden sind.

Wie beginnen eine Reise, eine Pilgerfahrt !
Und wenn wir sie antreten, wenn wir diesen ersten Schritt in diese "glanzausstrahlende Reue" der Fastenzeit tun, sehen wir - in weiter, weiter Ferne - den Zielpunkt.
Es ist die Freude vor dem Fest des Osterns der Auferstehung, der Einzug in die Herrlichkeit des Reiches des Herrn.
Es ist dieses geistliche Schaün, dieses Vor-Kosten des Festes der Auferstehung, welches die reuevolle Traurigkeit der Fasten in helles Licht hüllt und unser Fastenmühen zu einem "geistlichen Frühling" werden lässt. Die Nacht kann finster und lang sein, aber während des gesamten Weges scheint eine nicht erklärbare und strahlende Dämmerung den Horizont zu erhellen.
" Schenke uns die Früchte des Fastens und die Fülle unserer Erwartungen, Du Menschenliebender ! "

Der Umkehr öffne die Pforten,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

 


[1] Erzpriester ALEXANDER Schmeman (einer der wirksamsten orthodoxen Theologen aus der russischen Tradition des 20.Jahrhunderts und vertraut mit der geistlichen Krise des Westens, wirkte er kurz in Paris und dann in den USA, wo er 1983 als hochgeehrter Professor des Akademischen Orthodoxen Instituts des Heiligen Wladimir starb):
THE LENTEN SPRING (DER FRÜHLING DES FASTENS) St.Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969
in deutscher Sprache:
Die Große Fastenzeit, Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche, (aus dem Englischen übersetzt von Elmar Kalthoff)  
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München, Bd. 2 1994, S. 15f.





 

5. WOCHE der Grossen voroesterlichen FASTEN
In dieser Woche laedt uns die Kirche noch einmal verstaerkt zur Umkehr ein.
Wir sind eingeladen unser Vorleben zu kreuzigen um in der Auferstehung erloest und erneuert zu werden.

Mittwoch wird der GROSSE KANON der Umkehr unseres Vaters unter den Heiligen ANDREAS von Kreta gebetet, am Herrentag der diese Woche kroent, wird uns das leuchtende Vorbild der Heiligen MARIA von AEGYPTEN vorgestellt.
Am Freitag duerfen wir des wichtigsten Menschen im goettlichen Heilsplan fuer das ganze Menschengeschlechtduerfen wir des wichtigsten Menschen im goettlichen Heilsplan fuer das ganze Menschengeschlecht, der Gottesgebärerin im  KANON der GOTTESMUTTER  und am Samstag im  AKATHISTOS-HYMNUS  gedenken.



5. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN


Hl. MARIA von Aegypten



Lesung:
Hebr. 9: 11 - 14





EVANGELIUM:
Mk. 10: 32 - 45




Festtagsikone in Arabischer Tradition aus dem Libanon





Die Hl. Maria von Aegypten ist in der orthodoxen wie in der lateinischen Kirche bekannt als ein Beispiel wie Gott uns durch Seine Gnade Heilige schenkt, deren Lebensweg nach menschlichem Mass alles andere als fromm und bieder ist. In jedem menschlichen Charakterzug, auch in den "allzu menschlichen" Schwächen, ist doch auch ein Zugang zum Heil verborgen. Massloses Verlangen nach Genuss kann im Zusammenwirken von Gottes Gnade und menschlicher Umkehr zu massloser Gottesliebe fuehren.

Maria wurde im noerdlichen Aegypten geboren und entfloh im Alter von 12 Jahren dem elterlichen Hause, um in der Weltstadt Alexandria ein Leben der Ausschweifung zu fuehren, einzig die Befriedigung ihrer Lueste suchend. Nach 17 Jahren ausschweifenden Lebens trieb sie die Neugier mit Wallfahrern zum Fest der Kreuzerhoehung zu den Heiligen Stätten in Jerusalem zu segeln. Auch auf dem Schiff und in Jerusalem liess sie ihrer Leidenschaft freien Lauf und verführte jeden der es sich gefallen liess.

Als sie zur Verehrung des heiligen Kreuzes inmitten des gewaltigen Menschenstromes, welcher der Auferstehungsbasilika zuflutete, auch selbst in die Kirche eintreten wollte, wurde sie an der Schwelle von einer unsichtbaren Gewalt, die staerker war als sie, zurueckgehalten, waehrend die uebrigen an ihr voruebergingen. Auch die vereinte Kraft mehrerer Maenner, um deren Hilfe sie gebeten hatte, konnten sie nicht ueber die Schwelle der Kirche bringen. Da kam es ihr ploetzlich erschreckend zu Bewusstsein, dass ihr Suendenleben Ursache dafuer sei, dass sie das Heiligtum in ihrem Zustand nicht betreten sollte. Zugleich fiel ihr Blick auf die Ikone der allheiligen Gottesmutter im Vorraum der Kirche. In Beschaemung und Reue rief sie die Mutter des Herrn an und gelobte, jede Busse in ihrem zukuenftigen Leben auf sich zu nehmen, wenn die Gottesmutter ihr Eingang in das Heiligtum und damit ein Zeichen gewaehre, an dem sie erkennen werde, dass ihr goettlicher Sohn ihr vergebe. Und - o Wunder - ungehindert konnte sie die Schwelle uebertreten und mit den uebrigen Pilgern an der Verehrung des heiligen Kreuzes teilnehmen. Hier traf sie der Strahl der Gnade. Einer innerlichen Erleuchtung folgend, jenseits des Jordans Ruhe und Frieden zu suchen, machte sie sich sofort auf den Weg und erreichte noch am gleichen Tage die Kirche des Hl. Johannes am Jordan. Reumuetig beichtete sie hier und empfing die Lossprechung und die Hl. Kommunion. Sodann ueberschritt sie den Jordan, um weiter ostwaerts in der Wueste Busse zu tun und die Wueste nicht mehr zu verlassen. Unter den aeussersten Entbehrungen in Nahrung, Kleidung und Behausung reinigte sich noch 17 Jahre ihr von ihren suendhaften Gewohnheiten und den Verwuestungen der Leidenschaften.

Dann aber fand sie die verheissene Ruhe und den vollen Frieden in Gott, dem sie noch weitere 30 Jahre in der Wueste widmen durfte, durch wunderbare Erleuchtungen getroestet und gefuehrt zu den seligen Geheimnissen der Gottesschau. Erst in ihrem 77. Lebensjahr wagte sie es wieder, einem Mann zu begegnen, der zur Andacht in die Wueste gekommen war. Viele Moenche folgten naemlich der Praxis vom ersten Fastensonntag bis zum Palmsonntag ihr Kloster zu verlassen, um in Erinnerung an die vierzigtaegigen Fasten des Herrn in der Wueste ein Einsiedlerleben zu führen. Gottes Fuegung wollte es, dass der fast hundertjaehrige Priestermoench Sosima aus einem am Jordan gelegenen Kloster in dieselbe Einoede kam, in der auch Maria lebte. Da sie ihm , ohne ihn je gesehen zu haben, seinen Namen nennen konnte, erkannte er dass es Gottes Wille war, dass er ihr am Hohen Donnerstag vor der Auferstehung die Hl. Kommunion an den Jordan bringen sollte. Nachdem sie mit Leib und Blut des Herrn gestaerkt war, was sie so lange hatte entbehren muessen, bat sie den Priester Sosima, ihr auch im naechsten Jahr die Heiligen Gaben an die selbe Stelle zu bringen. Dann zog sie sich wieder in die Wueste zurueck. Sosima entsprach im darauffolgenden Jahr ihrem Wunsch, fand aber an der verabredeten Stelle den Leichnam der Heiligen, die ihren Namen vor ihrem Scheiden aus dieser Welt in den Sand geschrieben hatte. Der heilige Sosima bestattete sie an der gleichen Stelle, kehrte ins Kloster zurueck und verfasste hier vor seinem bald folgenden Tode zur Erbauung des spirituellen Lebens seiner Mitbrueder die Lebensgeschichte der Heiligen, wie er sie bei der ersten Begegnung aus ihrem Mund vernommen hatte. In ihrer heutigen Gestalt stammt der Bericht von Patriarch Sophronij von Jerusalem. (7. Jhdt.)




Der unter den Aegyptern nach Seiner Geburt im Fleische gewohnt,
der Unumgrenzte vor aller Zeit,
liess leuchten dich  -aus Aegypten Stammende-  als ganz hellen Stern,
der Herr, der schon vor dem Geschehen alles erkennt
.



Die durch die Angel des Fleisches viele gefangen,
fuer fluechtige Lust sie machte zur Beute des Teufels,
wurde wahrhaftig gefangen durch die goettliche Gnade des Heiligen Kreuzes,
Christi lebendigmachendes Zeichen
.



Vormals von jeglicher Unreinheit erfuellt,
hast du dich durch Busse als Braut Christi erwiesen.
Du erstrebtest die Lebensweise der Engel,
ueberwandest die Daemonen mit der Waffe des Kreuzes.
Darum leuchtest du als Braut des Himmelreiches,
o vielgeruehmte Maria
.



Uns, die in Liebe dein lichtbringendes und heiliges Gedaechtnis feiern,
sende Licht uns hernieder,
die du als Heilige jetzt bei Christus stehst, dem alles ueberstrahlenden Licht,
errette mich vor den vielfachen Stuermen des Lebens
.

Festtagsikone aus Russland




 

4. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN


Hl. JOHANNES von der HIMMELSLEITER


Lesung:
Hebr. 6: 13 - 20




EVANGELIUM:
Mk. 9: 16 - 30




Durch Enthaltsamkeit

konntest du die Kraft deiner Seele erneuern;


sie mit himmlischer Herrlichkeit veredeln.

Heiliger Moench JOHANNES

Darum riefst du allen zu:

Nichts ziehet Gottes Liebe vor !






IKONE des FESTESIKONE des FESTES

Heute macht uns die Kirche aufmerksam auf den Hl. JOHANNES Klimakos (von der Himmelsleiter). Dieser Mönchsvater, der im 7. Jahrhundert lebte, verwirklichte das Ideal von Gebet und Umkehr. Schon mit 16 Jahren wurde er Einsiedler-Moench auf dem Sinai. 639 wurde er als Igumen Klostervorstand. Vor seinem Tode zog er sich wieder in die Einsamkeit zurück. Sein immer wieder gelesenes Standardwerk "Die Himmelsleiter" beschreibt in 30 Sprossen -nach dem verborgenen Leben Jesu- den Aufstieg zur Vollendung in Gott, den Kampf gegen die Laster, die den Menschen immer wieder behindern und die Tugenden die in die Nähe Gottes führen. Krönung und Ziel des allmählichen Aufstiegs ist die Ruhe der Seele in Gott.

Darauf dürfen auch wir uns in der Fastenzeit vorbereiten.

"Lasset uns Johannes ehren ... Ruhm der Asketen ..." singen wir in der Vesper und im Orthros:
"Während dein Leib durch die Enthaltsamkeit abnahm, konntest du die Kraft deiner Seele erneuern, sie mit himmlischer Herrlichkeit bereichern."


Aber die Kirche erläutert die Lehre des Hl. JOHANNES Klimakos richtig, wenn sie verkündet, dass Askese sinn- und wertlos ist, wenn sie nicht Ausdruck der Liebe ist. Und wieder in der Vesper zitiert sie den Heiligen mit den Worten:
"Darum riefst du allen zu: Gott habet lieb, und ewige Gnade werdet ihr finden.
Nichts ziehet Seiner Liebe vor!"


Aus: The Year of Grace, A Monk of the Eastern Church, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p125f.
Übersetzt durch *St. Andreas Bote*

 


 

3. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN


KREUZVEREHRUNG



Lesung:
Hebr. 4:14 - 5:6





EVANGELIUM:
Mk. 8:34 - 9:1




Heiliges Kreuz / Ikone von Nikolai SCHELECHOW



2024:  Sonntag  7. 4.

                                         Orthodoxe Kreuzverehrung

Vor Deinem Kreuz, o Gebietender, fallen wir nieder,
und Deine heilige Auferstehung verherrlichen wir !


In der Mitte der Fastenzeit verehren wir das Heilige, das lebenbringende und uns daher so kostbare Kreuz des Herrn. Nicht einem Stück Holz gilt die Verehrung sondern dem Herrn Selbst, dem Gekreuzigten und Auferstandenen !

Nicht mehr bewacht das flammende Schwert die Pforte von Eden,
denn wunderbar wurde das Feuer gelöscht durch das Holz des Kreuzes.
Der Stachel des Todes und der Sieg der Hölle ist zur Beute geworden.
Denn Du, mein Erretter, kamest und riefest denen im Hades zu:
"Lasset euch führen wiederum ins Paradies !"

 

Orthodoxe Kreuzesverehrung

Das Kreuz ist wie die Ikonen und das Evangelienbuch für die orthodoxen Christen eine Abschattung der Wirklichkeit, auf die durch das Bild hingewiesen wird. Die Verehrung einer solchen Abschattung gilt nicht dieser selbst, sondern der Wirklichkeit, die sie darstellt und die nicht anders als im Bild in Erscheinung treten kann. Dahinter steht die Überzeugung, dass das Göttliche für uns nur im Bild begreifbar ist, nicht aber direkt fassbar. Doch nicht jedes Bild, das wir uns machen, hat die Transparenz, den Blick auf das wahre Urbild zu ermöglichen. Nur das theologisch wahre, das geoffenbarte, das heilige Bild in der dogmatisch als richtig erkannten Tradition wird solchermaßen transparent. In dieser Transparenz des Kreuzes wird uns deutlich die Wirklichkeit des Kreuzes, Christus Selbst, der am Kreuz unsere Schuld getilgt und in Seiner Auferstehung den Sieg über den Tod vollendet hat. Das Kreuz anbeten heisst also, Christus als Sieger am Kreuz anbeten.
Das Leiden des Gottessohnes am Kreuz, das uns ermöglicht auch das Leid der Welt in diesem Licht zu sehen, führt uns im Glauben immer hin zur Auferstehung.
Zum Unterschied zum Westen, der beginnend mit der Aristoteles-Rezeption durch Augustinus und das Mittelalter weithin materielle und geistliche Welt streng trennt, lehrt und die Orthodoxie die Ganzheit der Schöpfung zu sehen, sei sie nun materiell oder nicht-materiell; und so auch die Ganzheit der Wirklichkeit: Kreuz und Auferstehung !
Wir kennen daher keine Konzentration auf die bloße Meditation der Leiden vor dem körperlichen Christusleichnahm auf Kruzifixen.
Unsere Verehrung des kostbaren und lebensspendenden Kreuzes ist eine dankbare Unterwerfung unter das Kreuz, das uns durch Gottes Menschenliebe vom Symbol der Hinrichtung zum Zeichen des Heils geworden ist.

Am fruehen Morgen gehen wir zu Dir,
und preisen Dich in Hymnen,
Heiland der Welt,
da wir den Frieden gefunden in Deinem Kreuz,
durch das Du das Menschengeschlecht erneuert hast,
uns fuehrend zum abendlosen Licht
.



Im Paradiese ward einst durch eines Baumes Frucht
das Vertrauen gebrochen und herbeigerufen der Tod.
Der Baum des Kreuzes aber
hat den Menschen das Kleid des Lebens gebracht.
Nicht mehr bewacht das Flammenschwert die Pforte von Eden.
Denn es nahte sich ihm eine neue Versoehnung,
des Kreuzes Baum.
Des Todes Stachel und des Hades Sieg ist zerschmettert.
Du tratest, mein Heiland, herzu,
den Bewohnern des Hades zurufend:
Lasst euch zurueckfuehren ins Paradies !




Heute tanzen der Engel Choere voller Freude,
Deinem Kreuze huldigend.
An ihm ja schlugst du Wunden der Daemonen Scharen,
an ihm wurdest, Christus,
Heiland Du den Menschen.




Sei gegruesst, dreimal seliges, heiliges Holz,
Kreuz,
Licht derer, die wandeln in Dunkelheit,
das du den vier Enden der Welt durch dein Leuchten zeigtest,
die Strahlen von Christi Erweckung,
wuerdige alle Glaeubigen,
das heilige Pas´cha zu schauen.



 


 


 

2. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN



Hl. GREGOR  PALAMAS



Lesung:
Hebr. 1:10 - 2:3





EVANGELIUM:
Mk. 2: 1 - 12




Hl.Berg, 16.Jhdt.




Hl.GREGOR Palamas
Predigt Erzbischof LEONID zum Fest

Die Tradition der Kirche lasst uns heute - im Sinne des Festes der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesgebärerin- sowohl an die Heilung des Gelähmten als auch an den Hl. GREGOR Palamas denken.
Es wird uns bewusst, dass Gott uns unser Heil nicht aufzwingt, sondern unser Mitwirken will. Mitwirken sollen wir nicht nur egoistisch an unserem eigenen Heil sondern auch alles dazu tun, um anderen die Heilung zu ermöglichen.

Das Fest der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesgebärerin ist auch das Fest der Zustimmung der Menschheit zum Heilsplan Gottes. Die Gottesgebärerin handelt nicht ohne zu wissen, was sie tut. Ihr kritisches Hinterfragen der Botschaft des Engels zeigt ihre starke Persönlichkeit. Aber im Unterschied zu unser mißgeleiteten Mutter Eva weiß Maria die Mutter der erneuerten Menschheit auch, dass die menschliche Vernunft ihre Grenzen hat. Und dass es ohne die Überwindung der Enge dieser Grenzen keinen Zugang zu Gott geben kann.
Diese menschliche Anstrengung zur Öffnung für die göttliche Energie führt zum Heilswirken in der "Syn-Ergie".

Diese Überwindung unserer vermeintlichen allzumenschlichen Grenzen ist nicht leicht.
In der Fastenzeit sind wir aufgerufen dafür zu "trainieren".

Aber wir brauchen dazu Anleitung und fühlen uns oft genug auch wie der Gelähmte und brauchen die Hilfe unserer Mitmenschen. Besonders in unserer Gesellschaft, die den Individualismus vergöttert, und den Glauben zur Privatsache machen will, sollten wir uns dessen bewusst werden, dass "keiner allein" gerettet wird. Unser Christentum kann nicht ohne Gemeinschaft heilsam werden. In dieser Gemeinschaft tragen wir alle für unseren nächsten Verantwortung und sollten immer bereit sein, so zu handeln wie die Mitmenschen des Gelähmten.

Hilfreich für unsere Suche nach dem Zugang zu Gott ist auch die Überwindung von westlicher Skolastik und thomistischer Theologie, die Synthese von apophatischer und kataphatischer Sprache von Gott, sowie der Weg des Herzensgebetes und die Möglichkeit der Schau des "ungeschaffenen Lichtes", der Schau Gottes in Seiner Energie.
Wege des Heils, die uns der Heilige GREGOR Palamas erschlossen hat.

Der Heilige GREGOR Palamas (1296-1359) war der hochintellektuelle Sprecher der Mönche des Heiligen Berges Athos, die in jener Zeit, wie so oft davor und danach die Erkenntnisse der Orthodoxie gegen die oberflächlichen Behauptungen der Günstlinge der weltlichen Machthaber verteidigen mussten.

Zunächst von der Gelehrsamkeit des Ostens durch die Erkenntnislehre des Dionysios Aeropagita fasziniert kam der humanistisch gesinnte Mönch Barlaam in den Osten und stieg bald zum Hoftheologen des Kaiserhofes in Byzanz auf. Bald begann er die Gebetspraktiken des Herzensgebetes der östlichen Mönche zu verspotten und zu bekämpfen.

Es ging den Mönchen den Zugang zum ungeschaffenen Licht Gottes, das Erspüren der Energiewirkung Gottes, nicht als subjektive Einbildung abtun und so verschütten zu lassen. Obwohl es ihm zunächst nur Gefangennahme und Ausstoss aus der Kirche durch einen humanistischen Patriarchen einbrachte und er erst mehr als 5 Jahre durch das Konzil von 1351 rehabilitiert wurde, setzte der Hl. GREGOR Palamas die Unterscheidung zwischen dem unfassbaren Wesen Gottes und Seinen erfahrbaren Energien durch.

Apophasis heisst Verneinung. Apophatisch von Gott zu reden wird durch den Versuch der Gotteserkenntnis durch menschliche Vernunft und Welterfahrung ausgelöst. Es bedeutet, von Gott zu sagen, wie Er nicht ist: Er ist nicht begrenzt, nicht endlich, nicht vergänglich - also unbegrenzt, unendlich, unvergänglich u.s.w.

Dies ist die Absage an den erkenntnistheoretischen "Realismus" der westlichen Skolastik (Thomismus, Skotismus).

Demgegenüber ist sich die orthodoxe Theologie dessen bewusst, das wir von Gott immer nur in Bildern und Gleichnissen reden, auch wenn wir das abstrakt in Begriffen tun.
Demgegenüber bedeutet Kataphasis Bejahung, die positiv die Verkündung der Offenbarung Gottes ermöglicht, die Verkündung der Heilsereignisse Gottes, durch die Er in unsere Geschichte eingegangen ist und immer wieder in unser Schicksal eingeht und durch die Er sich uns in Seinen Energien zu erkennen gibt.

Die beiden Positionen dürfen nicht fundamentlistisch gegeneinander gesetzt werden. Heilswichtig ist es hingegen die beiden Sichtweisen stets gleichzeitig anzuwenden und damit nicht den Trugschlüssen der Begrenztheit menschlicher Vernunft zum Opfer zu fallen:

Wir reden vom Wesen Gottes nicht anders als in Bildern und Gleichnissen aber wir reden immer von heilswirksamer Realität, wenn wir von Seiner Offenbarung und Seinen Heilsmysterien reden.

So wird Theologie zur geistlichen Medizin, derer die Menschheit unserer Zeit -gleichzeitig im Dilemma vom Wahn der "Allmachbarkeit" gefangen und gleichzeitig der absolut entwertenden Orientierungslosigkeit verfallen- im besonderen Maße bedarf.

 

 

Predigt
von
Erzbischof LEONID von Riga und Lettland
in der zweiten Woche der großen Fasten

*Quellenhinweis*

In der heutigen Evangeliumslesung hörten wir, Brüder, die Erzählung von der Heilung des Gichtbrüchigen in Kapernaum durch den Herrn Jesus Christus (Mk. 2, 1-12).

Christus lehrte in einem Haus das Volk. Über Ihn, den großen Wundertäter, hatte sich schon überall die Kunde verbreitet, und eine Menge Volks kam zu Ihm. Das Haus war so dicht umlagert, daß es unmöglich war, einzutreten und zu Jesus zu gelangen. Und siehe, vier Männer trugen einen Gichtbrüchigen herbei, der sich nicht selbst bewegen konnte, auch nicht die Kraft hatte, von seinem Bett aufzustehen. Sie wollten unbedingt zu Jesus gelangen, sie wollten mit Ihm zusammentreffen, um die Heilung des Kranken zu erbitten.

Die Hoffnung brannte im Herzen. Wenn man nur durchgehen könnte, wenn man Ihn nur sehen könnte . . . So stark war ihr Glaube an den Herrn, und so stark war die Hoffnung, daß Er dem Kranken helfen würde, daß kein Hindernis sie davon abhalten konnte. Sie kletterten auf das Dach des Hauses, öffneten die Decke und ließen von dort das Bett mit dem kranken Gichtbrüchigen zu Jesu Füßen herab. Als Jesus diesen Glauben der Männer sah, heilte Er den Gichtbrüchigen und vergab ihm seine Sünden, die offensichtlich die Ursache seiner Krankheit waren. Und der Kranke, der vorher nicht einmal die Möglichkeit hatte, sich zu bewegen, stand auf, nahm sein Bett und ging hinweg. Dadurch versetzte er alle, die sich daselbst befanden, in Erstaunen, so daß sie Gott um des großen Wunders willen verherrlichten.

Nicht ohne Absicht bietet uns die heilige Kirche diese Evangelienlesung in den Tagen der großen Fasten an, in den Tagen der Buße und des Gebetes um die Vergebung unserer Sünde. Auch unsere Seele gleicht dem Gichtbrüchigen aus dem Evangelium: Die Sünden ketten sie so an die Erde, daß sie sich selbst nur mit Mühe auf dem Weg des Guten bewegen kann. Allein die heilbringende Hilfe Gottes kann uns die Kraft geben, auf dem Weg der göttlichen Gerechtigkeit zu wandeln. Wie aber schüttelt man dieses Joch ab, das uns umgibt, und die uns bedrückenden irdischen Mühen, Sorgen und Bindungen, die uns vom Herrn abdrängen ? Wie kann es geschehen, daß wir Sünder, verdunkelt durch Makel und Leidenschaften, dieser Barmherzigkeit des Herrn, der umgeben ist von unzählbaren himmlischen Kräften und der Schar der Heiligen Gottes, für würdig befunden werden? Wie nähern wir uns diesem Licht und dieser Heiligkeit ? Das heute verkündete Evangelium zeigt uns den Weg. Seht, wie groß der Glaube des Kranken und derer war, die ihn hinzutrugen, wie stark war ihre Hoffnung auf Heilung! Sie überwandten alle Hindernisse und erlangten Heil.

So auch wir - wenn lebendiger Glaube an den Herrn in uns glüht, wenn wir unverrückt auf Seine Barmherzigkeit hoffen und so fest unsere Heiligung begehren, daß wir alle Hindernisse, Anfechtungen und Versuchungen überwinden. Wo immer wir uns von dem entfernen, was uns zur Sünde zwingt und hinabzieht - wird auch uns nach unserem Glauben geschehen. Der Herr ist gütig und barmherzig, Er erhört unsere inbrünstigen Gebete und erfüllt unsere innigsten Wünsche gnädig. Wie den Gichtbrüchigen reinigt Er uns von den Verfehlungen und hilft zu einem guten Leben in Christi Nachfolge.


Amen.

 

Aus STIMME der ORTHODOXIE
Zeitschrift der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (Patriarchat Moskau)
http://members.aol.com/StimmeOrth

 

Den Reichtum den Du mir gegeben,
o erbarmender Vater,
habe ich zerstreut.
Weit wandte ich mich ab von Dir
und ich kam in des Feindes Knechtschaft
.

ob Deines masslosen Erbarmens
nimm mich auf, o Vater
.


In leuchtenden Fasten,
erhellt durch der Gebete Lichtglanz,
lasst strahlend den Pflichten uns nachgehen,
damit wir entfliehen
dem Dunkel der Suende
.


Heilige Dreiheit, wache
dass wir
die wir die Fasten schon drei Wochen durchlaufen,
unversehrt und unverurteilt
wuerdig sie weiter durcheilen
und Deine Gebote beachten
.

 

  


 

"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.SCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"

 

Sonntag vom VERLUST des PARADIESES
VERGEBUNGSSONNTAG !

BUTTERENTSAGUNG !

- am Abend des Sonntags:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen FASTEN



"Über die Vergebung" von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Apostel: Rm 13:11 - 14:4
Evangelium: Mt 6: 14 - 21


Das Evangelium dieses Sonntags, an dessen Abend die Grossen Fasten beginnen, erinnert uns daran, dass wir Vergebung vom Herrn erst erwarten können, wenn wir nicht selbst bereit sind, unseren Mitmenschen zu vergeben, was sie uns an Verletzung zugefügt haben - und sie unsererseits um Vergebung zu bitten für das, was wir bewusst oder unbewusst an ihnen gefehlt haben.
Darum findet an diesem Sonntagabend nach der Vesper in die Handlung des Gegenseitigen Vergebens statt, wie sie am Schluss des Apodipnons in Klöstern täglich geübt wird. In manchen Kirchen wird dieser Ritus aus praktischen Gründen unmittelbar nach der Liturgie ausgeführt. In den Häusern ist die Vergebung als Abschluss der Karnevals- und Butterwoche mit einem Fest vor allem für die Kinder verbunden, dabei werden zum letzten Mal die Milch- und Butterspeisen genossen.

Die folgende Woche ist ganz dem intensiven Fasten gewidmet. Es beginnt die fortlaufende Lesung aus dem Buch Genesis, die im Sündenfall und dessen Folgen mündet. Mit dem Verlust des uns von Gott bereiteten Paradieses durch unsere selbstzerstörerischen Abwege beginnt auch die Sehnsucht nach dem Ende der widernatürlichen Sünden und dem neuen Paradies. Die dafür erforderliche Bereitschaft zur Umkehr wird in der kommenden Woche durch das Gebet des heilsamen Busskanons des Hl.Andreas von Kreta gefördert. Wir fühlen mit, dass wir mit unseren Sünden nicht allein sind, aber werden auch dazu ermutigt, uns den Figuren des Bibel anzuschliessen, die den Mut fanden, Gott um Vergebung zu bitten, und Ihm damit wieder nahe zu kommen.
Trotz -und vielleicht wegen- all unserer negativen Erfahrungen ruft uns die Apostellesung zu:

" Jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht "

(Rm 13:11 ff)


Für die Fastenzeit wird uns mitgegeben:

" Wer isst, soll den nicht verachten, der nicht isst;
und wer nicht isst, soll den nicht richten, der isst;
denn Gott hat ihn angenommen.
Wer bist du denn, dass du einen fremden Knecht richtest ?
Seinem eigenen Herrn steht oder fällt er - aber er wird stehen; denn der Herr hat die Macht, ihn aufrecht zu erhalten "

(Rm 14: 3-4)


Und so erbitten wir in allem für den bevorstehenden Weg der Umkehr in den Grossen 40-tägigen Fasten vom Herrn selbst Führung, Stärkung und Weisheit:

Führer auf dem Weg der Weisheit,
Urgrund des Verstandes,
Lenker der Unverständigen
und Beschützer der Armen,
festige, unterweise mein Herz, Gebieter.
Gib mir das Wort, Du Wort des Vaters !
Denn, siehe, nicht lassen ab
meine Lippen zu Dir zu schreien:
Barmherziger,
erbarme Dich meiner,
des Gefallenen !

(Kondakion)

 

 

Über die Vergebung
zum Sonntag der Vergebung
von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Zunächst: Verzeihen bedeutet nicht Vergessen; beides ist sogar im Grunde unvereinbar miteinander.
Wenn mir jemand ein Unrecht zugefügt hat, das ich vergebe und vergesse, dann sind wir beide in Gefahr, dass das gleiche sich wiederholt, denn einerseits entsteht und vergeht diese Verzeihung auf der Stelle: sie ist nichts Beständiges und auf die Zukunft hin Ausgerichtetes.
Etwas Vergangenes ist an eine Grenze gelangt, die es nicht überschreitet;
die Zukunft ist ohne Erfahrung aus der Vergangenheit.

Andererseits, wenn ich vergesse, vergesse ich zweierlei: wohl vergesse ich das Unrecht, das mir angetan wurde, gleichzeitig aber auch den Grund, aus dem es mir zugefügt wurde, und ich kann den Betreffenden niemals vor der Versuchung bewahren, in die gleiche Situation zurückzuverfallen.

Man muss sich erinnern, dass dieser Mitmensch, sobald er in jene bestimmte Lage versetzt wird, diese bestimmte Schwierigkeit hat; folglich darf man ihn nicht wieder in dieselbe Lage bringen; man muss die zurückbleibende Schwäche erkennen.
Darum ist es so wichtig, sich zu erinnern, denn das ist die einzige Möglichkeit das Verzeihen fortzusetzen. „Ich habe dir deine ungeduldige Handlung verziehen, aber ich habe dadurch entdeckt, dass diese bestimmte äußerung, jene Geste, diese besondere Situation sie hervorrufen können.“
Es gilt, den andern vor diesen Situationen zu bewahren, solange, bis man ihm geholfen hat die notwendige Kraft zu gewinnen, die Spannung zu überwinden. Andernfalls stoßen wir unsere Mitmenschen ständig neu in Situationen hinein, wo sie unfehlbar auf die gleiche Weise reagieren werden, wie sie das Problem hervorrief
.

Außerdem ist das Verzeihen eine besondere Weise, einen anderen Menschen anzunehmen.
Das beginnt in dem Augenblick in dem man sagt: „Ich nehme dich an, so wie du bist. So wie du bist trage ich dich, wie man ein Kind über eine schwierige Stelle hinwegträgt oder wie man ein Kreuz trägt, aber ich weise dich nicht zurück. Zu sagen, dass ich dich annehme, so wie du bist, heißt keineswegs, dass du bist wie du sein solltest.

Nur wenn man einen Menschen so annimmt, wie er ist, kann man ihm helfen sich zu ändern.
Aber man darf nicht zuerst fordern, er müsse sich ändern, um ihm zu versprechen, hernach werde man ihn lieben.
Im Russischen sagt man: „Liebe mich schwarz ! Wenn ich erst weiß bin, werden alle mich lieben.“
Es gibt nur Probleme wo der Mensch sie schafft. Ein Mensch aber, der Probleme schafft, muss so sehr geliebt werden, dass er im Vertrauen den Glauben an sich selber wiederfinden kann, die Selbstachtung und jene schöpferische Hoffnung, die ihm ermöglichen wird, sich zu ändern
.

Folglich übernimmt man mit dem Verzeihen die Verantwortung für einen Menschen, so wie er ist, mit der Hoffnung auf die Zukunft, jedoch ohne Bedingungen zu stellen!
Man verzeiht nicht unter Bedingungen. Es geht nicht an, einem Menschen „mit Bewährungsfrist“ zu verzeihen. Das zeigt sich sehr deutlich im Gleichnis vom Verlorenen Sohn.
Der Vater fordert nichts; ihm genügt es, den Sohn wiedergekehrt zu sehen, um zu wissen, dass er die Umkehr vollzogen hat, dass er verändert zurückqekehrt ist. Verändert bedeutet ganz und gar nicht vollkommen. Er mag sich verändert haben und dennoch für eine lange Zeit für die Familie schwer erträglich geworden sein. Dem Vater genügt es, dass sein Sohn wiedergekehrt ist; was noch zu tun bleibt, kann man gemeinsam überwinden
.

Das Verzeihen enthält vielerlei Elemente.
Zuerst muss einer kommen und um Verzeihung bitten oder doch wenigstens einen Schritt in diese Richtung tun;
es ist nicht schwer, zu verzeihen, wenn man glaubt, im Recht zu sein;
es ist auch nicht schwer, einen Schritt entgegen zu kommen, wenn man im Recht ist oder sich im Recht wähnt.
Darum muss derjenige, der im Recht zu sein glaubt, den ersten Schritt tun. Eine Gebärde, ein unmerklicher Hinweis, dass eine Aussöhnung erwünscht wäre, muss genügen, diesen Schritt zwingend zu machen.

Dann aber muss ein solcher Versuch zur Versöhnung bedingungslos angenommen werden, denn ein Mensch kann sich nur ändern im Maße der Hoffnung, die wir in ihn setzen, im Maße der Liebe, die wir ihm zu geben vermögen und im Maß unseres Glaubens an ihn
.

In einer Gemeinschaft stellt sich das Problem anders.
Die Tatsache, dass ein Mensch Mitglied einer Gemeinschaft ist, kann ein Problem bedeuten, nicht nur für einen Einzelnen, sondern für eine ganze Gemeinschaft. Dann muss die Gemeinschaft zu der zugleich kranken und heilenden Gemeinschaft der Kirche werden: krank, weil jeder von uns ein Sünder ist und wir alle eine zutiefst beschädigte Gemeinschaft sind; dennoch aber auch eine Gemeinschaft, die fähig ist Gesundheit zu vermitteln, zu heilen, das ewige Leben mitzuteilen.
Denn keine christliche Gemeinschaft besteht nur aus ihren sichtbaren Gliedern: Christus ist in ihrer Mitte, der Heilige Geist ist ihr gegeben, und ob es die Kirche in ihrer Gesamtheit oder eine kleine Kirchengemeinde ist – in der Gemeinschaft sind Gott und Mensch gänzlich für einander gegenwärtig, und wir können in Gott die Kraft finden, die wir als Menschen nicht besitzen.

Unrecht nicht völlig zu vergessen ermöglicht eine Erfahrung, die wie wenig andere den Weg zur Demut freilegt.
Die Erfahrung, geliebt zu werden in vollem Bewusstsein dessen wie wir sind
– nicht trotzdem, oder weil man nicht wüsste, wie wir sind – ist ein sehr herrliches Geschenk, das Anlass zu Dankbarkeit und Demut wird und das aus unserem Leben ein demütiges Voranschreiten im Gebet macht.
Doch muss die Verzeihung auch angenommen werden.
Oft meinen Menschen, keine Verzeihung annehmen zu können, weil sie sich selber nicht verzeihen können. Selber können wir uns nicht verzeihen, aber wir müssen von einem anderen Menschen die Verzeihung annehmen können, – mag vorgefallen sein was will – dass er uns zugetan bleibt; was eine wahrhaft unverdiente Gnade ist. Und das ist schwer.
Viele Menschen vermögen auch in der Absolution Gottes Verzeihung nicht anzunehmen und können nicht absolviert werden. Gott hat verziehen – aber sie haben die Absolution trotzdem nicht erhalten.

Es ist auch schwer, die Verzeihung unverdient anzunehmen.

Es kann demütigend sein. Aber wenn wir besser verstehen lernen, wenn wir zu geben lernen, lernen wir auch zu empfangen. Einer, der sich selbst nicht verzeihen lassen kann, vermag auch selbst niemals zu vergeben. Einer, der nicht annehmen kann, geliebt zu werden, anerkannt zu werden, Hingabe zu empfangen, kann auch seinerseits nicht lieben, anerkennen, Hingabe aufbringen, denn derlei geschieht wechselseitig. Unverdient zu empfangen lernt man in staunender Freude, Demut und Dankbarkeit, mit der wir eine unverdiente Gabe beantworten. Und haben wir das erst entdeckt, können auch wir zu schenken beginnen ohne uns darum dem Empfangenden gegenüber überlegen zu fühlen.

Natürlich ist unser Verzeihen nicht Gottes Verzeihen.
Doch müssten wir lange warten, bis wir so zu verzeihen vermöchten. Aber wir können damit beginnen zu lernen, uns gegenseitig in all unserer Begrenztheit anzunehmen. Es ist schwer, um Verzeihung zu bitten, es ist auch nicht leicht, zu verzeihen, doch Verzeihung zu verweigern ist ebenfalls schwer
.

Am Sonntag vor der Großen Fastenzeit, nach dem Verzeihungsgottesdienst, der ein Gottesdienst der Buße und der Hoffnung ist, sollen alle Glieder einer Gemeinschaft einander um Verzeihung bitten.

Jahrelang habe ich die Leute ermuntert, einander zu vergeben;
dann habe ich beobachtet, wie sie mit Wärme und Enthusiasmus Leute um Verzeihung baten, die sie niemals beleidigt hatten;
aber sie bewiesen sehr viel mehr Zurückhaltung bei anderen, von denen sie selber Verzeihung zu erhoffen hatten;
und schließlich sah ich sie denen den Rücken kehren, die keinerlei Bedürfnis hatten ihnen zu verzeihen, weil sie sich ihnen gegenüber tatsächlich allzu rüde verhalten hatten
.
– Da habe ich zunächst verlangt, dass niemand Verzeihung von jemand erbitten sollte, den er nicht darum bitten wollte,
– weil er noch zu keinem Frieden mit ihm gefunden hatte.

Dann sollten sie sagen: „ich bitte Sie nicht um Verzeihung, weil meine Einstellung sich noch nicht geändert hat. Wenn Sie mir verzeihen ändert das nichts; ich verabscheue Sie und habe die Absicht, Sie auch weiterhin zu verabscheuen.“
Und von denen, deren Verzeihung man erbat, die sie nicht gewähren konnten dass sie antworten sollten:
„Ich bin sehr bekümmert, aber mein Herz ist noch zu schwer, ich bin noch zu bitter, ich kann Ihnen noch nicht verzeihen.“

Dann aber wurden beide Parteien aufgefordert, sich in der Beichte vor Gott hinzustellen und ihm zu sagen:
„Herr, ich erwarte von Dir jetzt Vergebung. Selber Vergebung zu gewähren, verweigere ich. Ich erwarte einen Schritt auf mich zu, lehne es aber selbst ab diesen Schritt zu tun .....“ Jemandem zu sagen, „Ich lehne es ab, zu verzeihen,“ wirkt so erschütternd, dass die Menschen zu denken beginnen. Gesagt zu bekommen, „ich kann dir nicht mit Überzeugung vergeben“ ist ebenfalls erschütternd
.

Wenn in einer Gemeinschaft der Mut aufgebracht wird, wenigstens so aufrichtig zu sein, dass man es fertig bringt, zu sagen: „Ich bin nicht imstande dir zu verzeihen;
das heißt nicht, dass du so schlimm bist, dass ich dir nicht verzeihen könnte, sondern, dass ich so schlimm bin, es nicht fertig zu bringen, dir zu verzeihen“, dann wird derjenige, der nicht verzeiht, Gegenstand der Sorge und der Fürbitte der Gemeinschaft, mehr als der andere, dem die Verzeihung verweigert wird – solange, bis er Verzeihung erbitten kann.

Wenn uns ein Mensch begegnet, so ist das niemals ein zufälliges Zusammentreffen.
Dieser Mensch muss in unserer Gegenwart, unserm Blick, der Art, wie wir ihn behandeln, der Art, wie wir auf der Straße an ihm vorübergehen, eine Gottesgegenwart, lebendiges Gebet spüren.
Jemand kommt, stets ist er mir ein Gesandter des Herrn: ob er mit einer Botschaft kommt oder mit ausgestreckter Hand – wir sind aufgerufen, eine Liebestat zu tun, eine Tat christlicher Liebe
.

Jeder Umstand, dem wir im Leben begegnen, ist gottgewollt, wir sollen in die Situation eintreten und Gott gegenwärtig machen durch unsere Gegenwart und unser Gebet. Ob ein Leben erfolgreich ist oder nicht macht wenig aus im Hinblick auf das Gebet.
Was auch kommen möge, vor jeder neuen Situation können wir bitten:
Herr, gib mir Einsicht,
gib mir ein Herz, das fähig ist, zu antworten,
gibt mir den rechten Willen,
sei gegenwärtig in dem was hier geschieht
.

Wenn ein anderer spricht, können wir ständig beten und den Herrn bitten, uns verstehen zu lehren, nicht nur die Worte, die ausgesprochen werden, sondern das tiefe Bedürfen, die Wirklichkeit, die sich hinter den Worten oftmals verbirgt. Und wenn die Zeit gekommen ist und der andere nicht mehr spricht, kann man so lange schweigen und beten, bis man etwas zu sagen weiß; und wenn einem dann ein Gedanke gekommen ist, der die Klarheit und Gewissheit der Dinge hat, die von Gott kommen, – dann können wir ihn vorbringen und hernach Gott bitten, er möchte für den anderen Menschen bewirken, was wir nicht zu bewirken vermögen, er möchte, wenn wir einen Irrtum begingen, ihn uns verzeihen und ihn heilen, und wenn der Mensch gegangen ist, weiter für ihn beten.

Die Art, wie man eine Frage stellt, die Art, wie man zuhört, wie man eine Entfaltung möglich oder unmöglich macht, ist so wesentlich.
Einen Menschen, der nichts zu antworten weiß und sich schämt, – mit dem Gefühl zurückzuschicken, völlig versagt zu haben
- oder doch mit ein wenig Hoffnung und der Freude, jedenfalls als Mensch angenommen worden zu sein
.

Alles kann im Gebet verankert sein.
Man kann lernen, sich der Gegenwart Gottes ständig bewusst zu werden, mit einem klaren, lebendigen Gefühl, ihm zugewandt bleiben; jedoch immer mit voller Aufmerksamkeit; denn es ist vielfach Unaufmerksamkeit, die nach und nach die Wirklichkeit aller Dinge zerstört...




 

Vor - Fastenzeit

Warum werden die vorösterlichen "Grosse Fasten" durch die vierwöchige Vorbereitungszeit eingeleitet ?
Weil die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Erfahrung ein tiefes psychologisches Mitgefühl mit der menschlichen Natur entwickelt hat. Sie kennt unseren Hang uns von den Oberflächlichkeiten unserer Umwelt einnehmen zu lassen und unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit auf die geistlichen Güter.
Ein rascher Wandel unserer Alltäglichkeit, ein unvermitteltes Hinüberwechseln in eine noch nie auch nur erspürte Praxis birgt die Gefahr uns zu überfordern.
Wir dürfen nicht Wunder fordern, sondern wir bereiten uns auf immer wieder neue Anstrengungen vor
.
Wir müssen uns darauf vorbereiten, nach jedem Fall niemals die Anstrengungen des Aufstehens zu scheuen, wieder an die Türen der Umkehr zu klopfen und uns wieder auf den Weg zu machen.


Lasst uns jährlich die Gelegenheit nutzen, uns auf das Ziel und die Bedingungen wahrhaft christlichen Fastens zu besinnen und uns allmählich für das kommende Fasten bereit zu machen. Charakteristisch für unsere heilsame orthodoxe Tradition des Christentums ist dabei die pastorale Heranführung an die einzelnen Phasen des Heilswerkes unseres Gottes für uns Menschen.
Vor dem Apell zum praktischen Vollzug der Fasten wird uns deren Bedeutung in mehreren Bildern anschaulich gemacht.
So hat jede Zeit des Kirchenjahres - ohne unvermittelte Einschnitte und Brüche - in ihrer Weise Anteil am Ganzen, am alle Zeiten einschliessenden Heilsmysterium Christi. Zugleich wird dadurch aber auch deutlich, dass die Gläubigen sich nicht nur an einzelnen Festzeiten einseitig und nach Belieben bedienen sollen, wie an einem Selbstbedienungs-Buffet, sondern in allen Zeiten des Kirchenjahres in demütiger Offenheit und aktiver Teilnahme am Gebet der Kirche eine weitere Stärkung in ihrem Lebensweg als Christen mitbekommen
.


Die Haltung demütiger Offenheit aber muss immer wieder neu mutig errungen werden.
Dieser Mut und die Bereitschaft das Ringen auch durch Entbehrungen durchzuhalten ist besonders für die Zeit der Grossen 40-tägigen Fasten notwendig. Das aktive, bewusste Fasten ist ein deutliches Bekenntnis zur Möglichkeit der Überwindung der "animalischen Naturgesetze" und ein Zeichen der Bereitschaft zu wahrer Menschlichkeit im Ebenbilde Gottes.
Wenn wir dies Bedenken, dann wird uns das Fasten nicht als unliebsame Einengung erscheinen. Wir werden erkennen das Fasten nichts mit Trübsinn zu tun hat, sondern mit Freude die Gelegenheit zur Erneuerung des Lebens ergreifen.

Deshalb wollen wir das Fasten nicht nur als äusserliche Übung der "Gesetzestreue" sehen, sondern als Gelegenheit uns dem Heil der Vergöttlichung zu nähern:

Beginnend mit der Bitte, dass sich auch für uns
die "TÜREN der UMKEHR" öffnen mögen !


Die 4 Sonntage der Wochen der Vorbereitung der Vor-Fastenzeit führen uns durch ihre Evangelien an diese "Türen der Umkehr" heran.
Diese Zeit soll genutzt werden, um uns zu Besinnen, uns zu überlegen und wenn möglich mit dem Beichtvater abzusprechen in welcher Weise wir am Fasten der Kirche in unseren konkreten Lebensumständen teilhaben können. Realistischerweise wird uns nämlich ausser in Klöstern die genaue Einhaltung aller Fastenregeln der Kanones (kat´akrib ei an) nicht so ohneweiteres möglich sein. Gleichzeitig wird ein am Sinn und nicht nur am Buchstaben orientiertes Fasten auch weitgehenden Verzicht auf die Genussmittel, Süssigkeiten, Fernsehen und andere "Suchtmittel" unserer Zeit bedeuten. Dies vor allem, um frei zu werden, die "Lebensqualität" eines inneren geistlichen Lebens für uns neu zu entdecken und zu intensivieren.
Die Vorfastenzeit bietet Gelegenheit zur konkreten Planung dieser Umkehr. Aus praktischer Erfahrung ist es auch empfehlenswert die Umsetzung der Pläne "austesten", um für die 40 Tage nur Vorsätze zu fassen, die wir dann auch weitgehend umsetzen können.

Wichtig ist es aber auch, sich auch gleich darauf vorzubereiten, dass wir nach jedem Fall auch wieder bereit sind aufzustehen - und das "Rennen" fortzusetzen. Nicht umsonst werden wir auch an die 40 Jahre erinnert, in denen das Volk des Herrn auf dem Weg durch die Wüste die neu gewonnene Freiheit erprobte:

Befreit aus der auch bequem gewordenen Gefangenschaft "an den Fleischtöpfen Ägyptens", gerettet von äusseren Feinden nach der DurchQuerung des Roten Meeres und immer wieder im Glauben gestärkt auf dem Weg in das Land der Verheissung wie wir in unseren Anstrengungen auf dem Weg zur Vergöttlichung. Aber trotz der neu empfangenen Richtschnur der 10 Gebote, von Gott genährt durch das Manna vom Himmel und mehrmals gerettet durch die Wunder des Wassers des Lebens:

Nahe an Gott aber auch in dieser Situation immer wieder zurückgefallen in gefährliche Sünden
- aber auch immer wieder durch Gottes Gnade und menschliche Anstrengung wieder versöhnt mit dem Schöpfer des Lebens.
ER will uns nie vernichtend strafen, sondern wie es uns Christus während Seiner 40 Tage in der Wüste gezeigt hat, immer wieder für uns und unsere Erlösung mit dem Satan, dem Versucher, ringen. Wir können darüber umso mehr Freude empfinden, je öfter wir nach unseren Sündenfällen wieder aufstehen und den Kampf wieder aufnehmen.
"Nur vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und nur ihm allein dienen" (Lk 4,8) erinnert uns der Apostel an dieses Privileg der "Synergie", der Einladung Gottes an uns, unsere begrenzten Kräfte mit Seiner Allmacht zu verbinden.


Bereiten wir uns auf die freudebringenden Anstrengungen dieses Kampfes vor, um dann nach der "Vollendung der 40 Tage" auch mit wenigstens teilweise verdienter Freude die Früchte der Auferstehung ernten zu dürfen !


"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation durch grossen Chor ~~~
www.musicarussica.com - RealAudio


Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !



~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
aus: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"








zurück zur Einstiegsseite |




AKTUELLES: Monatskalender |
aus den orthodoxen kirchen|
Orthodoxe Verantwortung in der Welt | Neu
ZEITLOSES: Unser Zugang zu Gott | Unsere Gottesdienste | Unsere Heiligen
kirchenGEMEINSCHAFT: Geistliche und Gemeinden | Orthodoxe Fraternitaet |
In Memoriam V.SERGIUS | Links / Buecher |
Fragen und Antworten| Jugendseite
KLOESTER: Kloester -weltweit- (Hl.Berg Athos, Bulgarien, wird fortgesetzt)
Moenchsskite Hl.Spyridon in Geilnau/Lahn
Deutsches Orthodoxes Dreifaltigkeitskloster in Buchhagen, Bodenwerder/Weserbergland


Orthodoxe Fraternitaet in Deutschland e.V.
Deutschland (Germany)
protostefan@gmx.at


protostefan@gmx.at