Bischof  HILARION  Alfeyev
Bischof von Wien und Österreich

Verwalter der Diözese von Budapest und Ungarn
Vorsteher der Vertretung der Russischen Orthodoxen Kirche bei den Europäischen Internationalen Organisationen in Brüssel


Аdresse:   A-1030 Wien, Jauresgasse 2

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zurueck zu: Unser Zugang zu Gott

 EUCHARISTIE
 Opfer - Empfang der Allerhl.Gaben  
 


Die Sakramente in der Orthodoxen Kirche

Begegnung Gottes mit dem Menschen

Bischof Hilarion Alfeyev

Quelle

Unter Sakramenten versteht man in der orthodoxen Theologie die gottesdienstlichen Handlungen, in deren Verlauf eine besondere Begegnung Gottes mit dem Menschen stattfindet.

Dies ist eine Vereinigung mit Gott, wie sie im irdischen Leben nicht vollständiger möglich ist.
In den Sakramenten kommt die Gnade Gottes auf uns herab und durchstrahlt unsere gesamte Natur – sowohl die Seele als auch den Körper. Sie lässt uns an der göttlichen Natur teilhaben, belebt uns, vergöttlicht uns und erschafft uns neu zu ewigem Leben. In den Sakramenten werden wir mit himmlischen Erfahrungen begnadet und erhalten einen Vorgeschmack vom Reich Gottes.
Vollständig an Ihm teilzuhaben, das heißt, in das Reich Gottes einzugehen und darin zu leben, ist erst nach dem Tod möglich.

Das griechische Wort »mysterion« (Sakrament, Geheimnis) stammt vom Verb »myo«, was »bedecken, verbergen« bedeutet. In dieses Wort legten die heiligen Väter einen weiten Sinn hinein: Als Mysterium wurde die Fleischwerdung Christi bezeichnet, sein Heilsgeschehen, seine Geburt, sein Tod, seine Auferstehung und die anderen Ereignisse seines Lebens. Aber auch der christliche Glaube selbst, die Lehre, die Glaubenssätze, der Gottesdienst, das Gebet, die Kirchenfeste und heiligen Symbole wurden als Mysterium bezeichnet.

Unter den gottesdienstlichen Handlungen galten hauptsächlich die Taufe und die Eucharistie als Sakramente.

In der »Kirchlichen Hierarchie« von Dionysius Areopagita (6. Jahrhundert) ist die Rede von drei Sakramenten
-  der Taufe,
- der Myronsalbung und der
- Eucharistie,
allerdings werden auch die
-  Mönchsweihe und der
- Begräbnisritus
den Sakramenten zugerechnet.

Der ehrwürdige Theodor Studites (9. Jahrhundert) spricht von sechs Sakramenten:
- Erleuchtung (Taufe),
- Versammlung (Eucharistie),
- Myronsalbung,
- Priesterweihe,
- Mönchsweihe und
- Begräbnisritus.

Der Hl. Gregor Palamas (14. Jahrhundert) betont den zentralen Charakter von zwei Sakramenten – der Taufe und der Eucharistie.

Dagegen liefert Nikolaus Kabasilas (15. Jahrhundert) in seinem Buch »Das Leben in Christus« die Erklärung von drei Sakramenten
- Taufe,
- Myronsalbung und
- Eucharistie.
 

Heute ist es in der orthodoxen Kirche üblich, Taufe, Eucharistie, Myronsalbung, Buße (Beichte), Priesterweihe, Ehe und Letzte Ölung den Sakra menten zuzurechnen; alle übrigen gottesdienstlichen Handlungen werden als Riten bezeichnet.
Allerdings ist zu beachten, dass die Lehre von den sieben Sakramenten, die sich in den Lehrbüchern der dogmatischen Theologie findet, aus der lateinischen Scholastik entlehnt wurde; daraus stammt auch die Unterscheidung zwischen »Sakramenten« und »Riten«.

Jedes Sakrament hat seine sichtbare Seite,
die das Geschehen selbst umfasst, das heißt Worte und Handlungen der Beteiligten sowie die »Stofflichkeit« der Sakramente:
Wasser in der Taufe,
Brot und Wein in der Eucharistie.

Das Sakrament besitzt aber auch eine unsichtbare Seite
-die geistige Wandlung und Wiedergeburt des Menschen.
Zu diesem Zweck wird ja das ganze Geschehen vollzogen.
Dieser unsichtbare Teil ist das eigentliche »Mysterium«, das jenseits der Grenzen des Sehens und Hörens sowie jenseits des Verstandes und des sinnlichen Empfindens bleibt.

Im Sakrament wird allerdings zugleich mit der Seele auch die körperliche Hülle des Menschen verklärt und wiedergeboren:
Das Sakrament ist nicht nur die geistliche, sondern auch die körperliche Teilnahme an den Gaben des Heiligen Geistes.
Der Mensch geht in das göttliche Geheimnis mit seinem ganzen Wesen ein, er taucht sowohl mit seiner Seele als auch mit seinem Körper in Gott ein, weil der Leib auch zur Erlösung und Vergöttlichung bestimmt ist.
In diesem Sinne vollzieht sich das
- Eintauchen ins Wasser beim Sakrament der Taufe und die
- Salbung mit Öl beim Sakrament der Myronsalbung.
In diesem Sinne geschieht auch das Essen und Trinken von Brot und Wein beim Hl. Abendmahl.

Im zukünftigen Reich Gottes wird die »Stofflichkeit« des Mysteriums nicht mehr notwendig sein,
der Mensch wird nicht mehr an Leib und Blut Christi in Gestalt von Brot und Wein teilnehmen, sondern unmittelbar an Christus selbst.
»Lass uns an dir wahrhaftig teilhaben am lichten Tage der Ankunft deines Reiches!«
So betet die Kirche, bekennend, dass wir im himmlischen Vaterland – in der »patria« – auf eine noch vollständigere, noch engere Vereinigung mit Christus hoffen.
Solange wir uns aber auf der irdischen Wanderung – in »via« – befinden, bedürfen wir sichtbarer Zeichen der göttlichen Präsenz.
Deswegen haben wir hier an der göttlichen Natur teil
- über das von Gott durchdrungene Wasser,
- das von Gott durchsetzte Brot und den von Gott durchtränkten Wein.

Gott selbst ist der Spender jedes Sakramentes.

Vor dem Beginn der Liturgie sagt der Diakon zum Priester:

»Herr, es ist Zeit zu handeln« (Psalm 119,126),
das heißt, die Zeit ist gekommen, die Stunde hat geschlagen:
Jetzt wird Gott selbst handeln, der Priester und der Diakon sind nur seine Werkzeuge.

Im Augenblick der Konsekration der allerheiligsten Gaben handelt der Priester nicht selbst, er betet nur und ruft Gott, den Vater, herbei: »Und mache dieses Brot zum kostbaren Leib Deines Christus, und was in diesem Kelche ist, zum kostbaren Blut Deines Christus.«

Bei der Taufhandlung verkündet der Priester: »Getauft wird der Knecht Gottes …«
Damit betont er, dass nicht er, sondern Gott das Sakrament vollzieht.

Nach den Worten des Hl. Ambrosius von Mailand:
»Weder Damasij, noch Peter, Ambrosius oder Gregor vollziehen die Taufe.
Wir führen unser Werk als Diener aus, aber die Wirksamkeit der Sakramente hängt von Dir, o Herr, ab.
Menschen verfügen nicht über die Kraft, die göttlichen Wohltaten zu spenden,
es sind Deine Gaben, o Herr«.

 

 

 

 

Das Sakrament der Eucharistie in der Orthodoxen Kirche

Opfer - Empfang der Allerheiligsten Gaben

Bischof Hilarion Alfeyev

Quelle

Die heilige Eucharistie ist »das Sakrament der Sakramente« der orthodoxen Kirche. Sie ist das Herzstück der Kirche, ihre Grundlage, ihr Fundament, ohne das die Existenz der Kirche undenkbar ist.

Das Sakrament der Eucharistie oder das Hl.Abendmahl wurde von Christus selbst bei seinem letzten Abendmahl eingesetzt, als er Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandelte. Er ließ seine Jünger daran teilhaben und forderte sie auf, dieses Sakrament in Zukunft zu seinem Gedächtnis zu feiern. Auch nach seinem Kreuzestod und seiner Auferstehung versammelten sich die Jünger am ersten Tag der Woche - am so genannten »Fest der Sonne«, dem Tag der Auferstehung Christi -zum »Brotbrechen«.

Ursprünglich war die Eucharistie ein Mahl, das durch Lesen der Schrift und Singen von Psalmen, durch Predigt und Gebet begleitet wurde. Manchmal dauerte es die ganze Nacht. Parallel zum Wachstum der christlichen Gemeinden wandelte sich allmählich die Eucharistie von einem Abend-Mahl in einen Gottesdienst.
In der modernen Praxis der orthodoxen Kirche wird die Eucharistie täglich, mit Ausnahme der Wochentage in der großen Fastenzeit -der Passionszeit - gefeiert.

In der christlichen Kirche des Ostens wurde jede eucharistische Gottesdienstordnung in der Regel mit dem Namen des einen oder anderen Apostels oder Heiligen verbunden.
In der modernen Praxis der orthodoxen Kirche werden zwei eucharistische Gottesdienstordnungen verwendet
- die Liturgie des Hl. Basilius des Großen (330-379 n.Chr.) und die
- Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus (354-107 n.Chr.).
Die Liturgie des Hl. Basilius des Großen wird zehn Mal im Jahr gefeiert, hauptsächlich zu den großen Festen oder am Vorabend dieser Feste.
Die Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus wird an allen Tagen des Jahres, mit Ausnahme der Wochentage der großen Fastenzeit, gefeiert.
Mittwochs und Freitags während der großen Fastenzeit wird die Liturgie der vorgeweihten Gaben - eine nicht-eucharistische Liturgie - gefeiert. Sie trägt den Namen des Hl. Gregorios Dialogos, des römischen Papstes Gregor des Großen.

Die eucharistische Darbringung ist nach ihrem Sinn ein Opfer,
in dem Christus selbst
»der Darbringende und der Dargebrachte, der Empfangende und der Austeilende« ist
- so das Gebet des Priesters während des Cherubim-Hymnus.
Christus selbst ist der alleinige Vollzieher der Eucharistie.
Er ist unsichtbar in der Kirche anwesend und wirkt durch den Priester.

Für die orthodoxen Christen ist die Eucharistie keine einfache symbolische Handlung,
die als Erinnerung an das letzte Abendmahl vollzogen wird.
 
Die Liturgie der Eucharistie ist das Abendmahl selbst, das täglich von Christus wieder gefeiert und seit der Osternacht, in der Christus mit seinen Jüngern am Tisch saß, ununterbrochen in der Kirche fortgeführt wird.

»Des geheimnisvollen Gastmahls mache mich heute teilhaftig, Sohn Gottes«,
spricht der Kommunizierende beim Empfang der heiligen Gaben.

Bei jeder Liturgie wird nicht nur das Abendmahl, sondern auch das Opfer Christi auf Golgatha neu dargebracht:
»Der König der Könige und der Herr der Herren wird geschlachtet und den Gläubigen als Speise dargeboten« - so in der Liturgie des Karsamstags.

Die orthodoxe Kirche glaubt fest daran, dass sich in der Eucharistie Brot und Wein in den wirklichen Leib und in das wahre Blut Christi verwandeln und keine rein symbolische Darstellung des Leibes und Blutes sind.
Ein solches Verständnis der Eucharistie war für die christliche Kirche seit den Zeiten der Apostel charakteristisch.
Das bezeugt auch der Hl. Josephus Flavius (2. Jahrhundert), der sagte:
»Diese Speise ist der Leib und das Blut dieses fleischgewordenen Jesus.«
Der Hl. Ignatius von Antiochien (2. Jahrhundert) bekräftigte auch, dass
»die Eucharistie der Leib unseres Heilandes Jesu Christi ist,
der für unsere Sünden gelitten hat«.

Jesus selbst sagt:
»Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich in ihm«
(Johannes 6,55-56).

In der Eucharistie vollzieht sich nach orthodoxem Glauben die Vereinigung des Gläubigen mit Christus nicht symbolisch und bildlich, sondern wirklich, real und vollständig.
So wie Christus Brot und Wein durchdringt und sie mit seiner Göttlichkeit erfüllt,
so geht er auch in den Menschen ein und erfüllt seinen Leib und seine Seele mit seiner lebensschaffenden Präsenz und göttlichen Energie.
In der Eucharistie werden wir, nach dem Ausdruck der heiligen Väter, »des gleichen Fleisches« mit Christus. Er geht in uns ein wie in den Schoß der Jungfrau Maria.

Der ehrwürdige Simeon, der Neue Theologe (11. Jahrhundert), schreibt darüber, dass Christus, indem er sich mit uns vereinigt, alle Glieder unseres Körpers göttlich macht:
»Du bist uns dem Fleisch nach verwandt,
und wir sind Dir verwandt nach Deiner Göttlichkeit.
Du verbleibst mit uns jetzt und immerdar,
Du nimmst in jedem Deine Wohnung, und Du wohnst in allen.
Jeder von uns einzeln ist mit Dir, o Heiland,
ganz mit dem Ganzen,
und Du bleibst in jedem Einzelnen.
So werden alle Glieder von jedem von uns zugleich Glieder Christi und wir gemeinsam werden zu Gott, da wir alle zusammen in Gott sind.«

In den Worten des Hl. Simeon kann man die Verbindung von Eucharistie und Vergöttlichung nachvollziehen, die das Ziel des christlichen Lebens ist.

Zugleich wird der spürbare, leibliche Charakter der Vereinigung mit Christus betont:
Unser Fleisch erhält in der Eucharistie so etwas wie einen »Sauerteig der Unverweslichkeit« und wird vergöttlicht, und wenn es stirbt und verwest, wird dieser Sauerteig zum Unterpfand der zukünftigen Auferstehung.

Wegen dieses besonderen Charakters der Eucharistie schenkt die Orthodoxe Kirche diesem Sakrament eine besondere, mit nichts zu vergleichende Bedeutung in Bezug auf die Erlösung des Menschen.
Ohne Eucharistie gibt es weder eine Erlösung noch eine Vergöttlichung, weder wahres Leben noch die Auferstehung und ewiges Leben.
»Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage«
(Johannes 6,53-54).

Diese Worte Christi werden in der orthodoxen Kirche wörtlich und nicht symbolisch verstanden.

Aus diesem Grund wird den Gläubigen empfohlen, regelmäßig das Sakrament der Eucharistie zu empfangen.
In der modernen Praxis der orthodoxen Kirche werden die Gläubigen aufgerufen, jeden Sonntag die heiligen Gaben zu empfangen.
Manche Gläubige gehen nur einmal im Monat oder sogar nur einmal im Jahr zum Hl. Abendmahl. So wurde es zum Beispiel in Russland vor der Revolution 1917 praktiziert.
Allerdings kehrte die Mehrheit der Gläubigen in der Zeit der Verfolgungen zum häufigeren Empfang des heiligen Abendmahls zurück.

Die Frage, wie oft man die heiligen Gaben empfangen soll, wurde in Russland besonders intensiv am Anfang des 20. Jahrhunderts, während der Vorbereitung des Landeskonzils der Russischen Orthodoxen Kirche von 1917-1918 diskutiert:
 
Es wurde empfohlen, zur urchristlichen Praxis zurückzukehren und das Abendmahl jeden Sonntag zu empfangen.

Zwar sei der Mensch dieses großen Sakramentes nie würdig,
weil alle Menschen Sünder sind.
Aber die Eucharistie sei dazu eingesetzt worden, damit die Menschen, indem sie die allerheiligsten Gaben empfangen und sich mit Christus vereinigen, immer reiner und Gott würdiger werden.

Die orthodoxe Kirche betont zwar,
dass kein Mensch der Eucharistie wahrhaftig würdig sein kann.

Zugleich erinnert sie den Gläubigen aber daran,
dass jeder, der das Sakrament empfängt,
zu einer Begegnung mit Christus vorbereitet sein muss.

Die Vorbereitung auf die allerheiligsten Gaben darf sich nicht auf das Lesen einer bestimmten Zahl von Gebeten und auf die Enthaltung vom Genuss bestimmter Speisen beschränken.
In erster Linie besteht die Vorbereitung auf den Empfang der allerheiligsten Gaben in der Läuterung des Gewissens, im Ablegen der Feindseligkeit gegen den Nächsten und der Verärgerung über jegliche Mitmenschen, ja in der Versöhnung mit allen Menschen:
»Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh hin und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe« (Matthäus 5,23-24).

Ein Hindernis für die Teilnahme an der Eucharistie stellen die von einem Menschen begangenen schweren Sünden dar.
Diese müssen unbedingt im Sakrament der Buße (Mysterium der Umkehr) gebeichtet werden.

In der orthodoxen Kirche ist es üblich, die Gaben nüchtern zu empfangen, weil der menschliche Körper durch das Fasten vorgereinigt werden soll.

Der Patriarch von Konstantinopel, der Hl. Gennadij, sagte einmal:
»Wer den Kaiser in sein Haus einlädt, wird zuerst sein Haus reinigen; so sollst auch du, wenn du Gott in dein fleischliches Haus aufnehmen möchtest, zuerst deinen Körper durch Fasten heiligen«.

Die Allerheiligsten Gaben auf nüchternen Magen zu empfangen ist eine alte Tradition.
Sie geht auf die Zeit zurück, als die Liturgie aufhörte, Fortsetzung der Agape - des Liebesmahles - zu sein und sich in einen feierlichen Gottesdienst verwandelte,
der in den Morgenstunden gefeiert wurde.

Alle Vorschriften bezüglich der Vorbereitung auf die Eucharistie sind darauf gerichtet, dass der das Sakrament empfangende Mensch sich seiner Sündhaftigkeit bewusst wird und mit dem Gefühl der innigen Umkehr an den Kelch herantritt. Im Gebet vor dem Hl.Abendmahl wiederholt der Priester mit dem ganzen Volk die Worte des Apostels Paulus, und jeder bezeichnet sich als »den ersten der Sünder«:
»Herr, ich glaube und bekenne, dass Du in Wahrheit der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist, der in die Welt gekommen ist, um die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.«
Allein das Bewusstsein der eigenen Unwürdigkeit macht einen Menschen würdig, an der Eucharistie teilzunehmen.

Die Zerknirschung über die eigene Sündhaftigkeit hindert den Christen nicht, die Eucharistie als Fest und Freude zu empfinden.
Ihrer Natur nach ist die Eucharistie eine Danksagung, ihre Hauptstimmung daher der Lobpreis Gottes.
Es ist kein Zufall, dass an den Wochentagen der großen Fastenzeit nicht die ganze Liturgie gefeiert wird:
Der traurigen Stimmung dieser Tage entspricht nicht der jauchzende Charakter der eucharistischen Gebete.

Darin besteht das Paradoxon und das Geheimnis der Eucharistie:
Man soll sich ihr in der Gesinnung der Buße und Umkehr und zugleich mit Freude nähern
- reumütig wegen des Bewusstseins der eigenen Unwürdigkeit
- und mit Freude, weil der Herr den Menschen in der Eucharistie reinigt, heiligt und vergöttlicht, ihn würdig macht trotz seiner Unwürdigkeit.

In der Eucharistie wird nicht nur Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt,
sondern auch
- der Kommunizierende selbst wird aus einem alten in einen neuen Menschen verwandelt;
er wird befreit von der Last der Sünde und erleuchtet durch das Göttliche Licht.

 

ausserdem zum Thema Eucharistie: Opfer-Empfang der Allerheiligsten Gaben:

Die Göttliche Liturgie: Vergegenwärtigung von OPFER, KREUZ und HEIL
Predigt von Metropolit ANTHONY (Bloom) von SOUROSH (London)

Einführung in die Göttliche Liturgie der Orthodoxen Kirche
Priester JOHANNES Nothhaas, orthodoxer Pfarrer in Mainz
 

 
 


Beitrag von Bischof HILARION Alfeyev aus dem Buch:
"Hinhören und hinsehen"
 Beziehungen zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche
 und der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Leipzig–Moskau, 2003

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