Vater STEFAN:

zurueck zu: Orthodoxe Fraternitaet
In Memoriam Vater SERGIUS (Heitz)






Kurzinformation

zur

mehr als

1100-jährigen Geschichte

der

Bulgarischen Orthodoxen Kirche



50 n.Chr.Geb.
Missionsreisen des Hl. Apostels PAULUS im Raum des späteren Bulgarien
Die städtische Bevölkerung Thrakiens und Mösiens -
später auch der Großteil der eingewanderten Slawen - werden Christen


nach Einwanderung der Protobulgaren und Ausdehnung ihres Reiches
863 nimmt Fürst BORIS I. für sich und seine Familie das Christentum an und
864-865 werden die Angehoerigen der Voelker seines Reiches getauft

Durch die Schüler der Hll. KIRIL und METHODIJ
unter der Führung des Hl. KLIMENT und des Hl. NAUM werden die Voelker des Reiches auf der Grundlage der christliche Kultur und der im bulgarischen Reich geschaffenen slawischen Literatur- und Kirchensprache geeint.


870
wird die bulgarische Kirche zunächst als ein autonomes Erzbistum unter der Jurisdiktion des Patriarchats von Konstantinopel in die östliche orthodoxe Kirchengemeinschaft aufgenommen.


893
tagt das erste "Konzil des Volkes der Kirche" in der damaligen Hauptstadt Preslaw und legte in der Kirchenordnung die altbulgarische Sprache, die sich auf die Hll. KIRIL und METHOD beruft, als verbindliche Liturgiesprache fest.


927
in der Regierungszeit des Zaren Simeon des Großen wurde die seit 919 autokephale bulgarische Kirche als Patriarchat anerkannt.
Dieses "Goldene Zeitalter" der bulgarischen Kultur im 9. und 10. Jahrhundert schafft die gemeinsamen kulturellen Grundlagen aller slawischen Völker in den Klosterzentren am Ochrid-See, um Preslaw und um Dorostol an der Donau. Tausende Mönche und Schriftgelehrte schufen jene Basis an kirchlichen Texten in slawischer Sprache, die ab 988 die Christianisierung des weiten russischen Raumes überhaupt erst möglich machte.
Dieser regen Tätigkeit der großen Mönchsskriptorien in den Städten,
steht das zurückgezogene Gebet des großen himmlischen Patrons der Bulgarischen Kirche, des 1. großen Mönchsvaters des Balkans,
des Hl. IOAN von RILA (-946) gegenüber. (1996=1050 Jahre)

Die Entwicklung der Bulgarischen Orthodoxen Kirche im Mittelalter blieb eng mit dem historischen Schicksal des bulgarischen Volkes und seines Staates verbunden.


Nach einem Niedergang während der Unterjochung durch Byzanz

erlebt im

13. u. 14. Jhdt
die bulgarische weltliche und geistliche Kultur im 2. Bulgarischen Reich
unter den Zaren Ivan Assen und Ivan Alexander eine letzte mittelalterliche Hochblüte mit zahlreichen kunstvollen Kirchenbauten
und weit verbreitetem hesychastischen Mönchsleben.


1235
wird das Bulgarische Patriarchat wieder anerkannt
Das Lebenswerk des hervorragendsten Vertreters dieses hochgebildeten Hesychasmus, des Hl. Patriarch EVTIMIJ, stärkte die bulgarischen Christen ein letztes Mal bevor sie dann für 500 Jahre ein doppeltes Joch erdulden mußten.

 


1393
fällt die Hauptstadt Tarnowo durch die Osmantürken.
Nach der Vernichtung des Staates und der Unterwerfung unter den Sultan wurde die Kirche dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellt und damit auch die kirchliche Unabhängigkeit zerstört.



500 Jahre ist das Schicksal der bulgarischen Christen allein in der Hand der Allerheiligsten Dreieinheit.


1762
wird die nationale Wiedergeburt durch das in der Folge zig-tausendfach abgeschriebene Buch "Istorija Slavjanobolgarska" des Hl. PAISIJ vom HILENDAR-Kloster eingeleitet.
Die Rückbesinnung auf die Wurzeln der eigenen christlichen slawischen Kultur in unzähligen, vorwiegend von Mönchen geleiteten Schulen
von der Art der heutigen Volkshochschulen bereitet den Boden für die Erringung der Freiheit.



1870
erlangt die Bulgarische Orthodoxe Kirche mit der Genehmigung des "Bulgarischen Exarchats" durch Ferman des Sultans wieder ihre Eigenständigkeit.
Das Exarchat - mit seinem im 2. Konzil des Volkes der Kirche festgelegten Grundgesetz - organisiert die pastorale Betreuung der slawischen Bewohner des Osmanischen Reiches in 18 Diözesen und 2700 Pfarrgemeinden
mit 3300 Priestern,
die Volksbildung in 3000 Schulen mit 5000 Lehrern
und die Fürsorge in 7 eigenen Krankenhäusern.



1953
wird das selbstständige Bulgarische Patriarchat offiziell wiederhergestellt.
Das 3. Konzil des Volkes der Kirche legt die heute gültige Struktur und Verwaltung der Bulgarischen Orthodoxen Kirche fest.
Patriarch wird der Metropolit von Plovdiv Kiril .
Patriarch Kiril und sein Nachfolger, der derzeitige Patriarch Maxim (1971) sind von allen orthodoxen Kirchen als Patriarchen anerkannt.

Mit Prof. Zankow, der auch in Berlin wirkte, stellt die Bulgarische Orthodoxe Kirche in unserem Jahrhundert den Vater des theologischen Dialogs der Orthodoxie mit den Kirchen des Westens. Stets hat sie engagiert das Bewußtsein für eine christliche Ökumene gefördert. So war sie auf Initiative von Metropolit Stefan massgeblich an der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat) beteiligt.


Nach ihrer Verfassung bestimmt sich die Bulgarische Orthodoxe Kirche vor allem als
"... ein untrennbares Glied der Einen, Heiligen, Katholischen (eigentlich "Versammelten") und Apostolischen Kirche ".


85 % der 9 Mio. Bulgaren gehören der Bulgarischen Orthodoxen Kirche an, die heute in 11 Diözesen in Bulgarien und 2 Auslandsdiözesen organisiert ist.
An der Spitze jeder Diözese steht ein Diözesanbischof vom Range eines Metropoliten.
Alle Metropoliten bilden zusammen den Hl. Synod, dessen Vorsitzender der Patriarch ist.
Das höchste Entscheidungsorgan in den Fragen der Verwaltung der Kirche ist das "Konzil des Volkes der Kirche", das etwa zu gleichen Teilen aus gewählten Laien und Klerikern besteht. In einer Versammlung ähnlicher Zusammensetzung wird auch der Patriarch gewählt und von den Bischöfen bestätigt. Auch der Metropolit als Hirte der Ortskirche wird zu gleichen Teilen von gewählten Laien und Klerikern vorgewählt und dann von den Bischöfen des Hl. Synod bestätigt.


Auf Beschluß des Hl. Synods wurde der Sitz des Metropoliten von West- und Mitteleuropa dessen Diözese 15 Gemeinden in Ungarn, Österreich, Deutschland, Belgien, Frankreich, England, Schweden und Norwegen umfaßt, im Jahre 1994 nach Berlin verlegt.


Die mehr als 50.000 bulgarischen Gläubigen in Deutschland werden unter der Leitung von Metropolit SIMEON von West- und Mitteleuropa durch einen Archimandriten, 3 Priester und 3 Diakone in den Gemeinden von München, Stuttgart, Berlin und Leipzig betreut.

 




Die

WURZELN

der

1100-jährigen

BULGARISCHEN ORTHODOXEN KIRCHE






Die Wurzeln im Raum:

Die römische Bevölkerung im heutigen bulgarischen Raum, in den Provinzen Thrakien, Mösien und Mazedonien scheint für das Christentum besonders empfänglich gewesen zu sein. Der Hl. Völkerapostel PAULUS fand bereits um das Jahr 50 n.Chr. Jünger vor, die offensichtlich überdurchschnittliches Interesse zeigten. In Apg. 20: 1-6 und 2 Kor 2: 12-13 wird berichtet, wie ihm noch in Kleinasien "ein Mazedonier" erschien, der ihn bat in seine Heimat zu kommen, worauf der Völkerapostel erstmals europäischen Boden betrat.
Auf seinen Reisen ermunterte er später in " Mazedonien " ...
" die Jünger mit vielen Worten " bevor er nach ... Griechenland weiterzog.

Die Stadt Serdica (das heutige Sofia) war in dieser römischen Zeit von hervorragender Bedeutung für Reich und Christentum. Tertullian berichtet,
daß am Beginn des 3.Jhdt. viele christliche Gemeinden in voller Blüte standen. Zahlreiche Märtyrer sind aus den Christenverfolgungen unter Diokletian (284-305 n.Chr.) bezeugt und werden heute noch von allen Balkanvölkern und vielen anderen Orthodoxen verehrt,
so die Hl. NEDELJA (Kiriaki)(289) und die Hl. PARASKIEVA (291).

Serdica (Sofia) wurde zur Zeit Kaiser Konstantins als die Lieblingsstadt des Kaisers gerühmt, und wäre da nicht die einmalige strategische Lage von Byzantion gewesen, so hätte auch Serdica zum Neuen Rom werden können.

342 erlangte Serdica für die gesamte christliche Welt (West- und Ostkirche) wegen seiner zentralen Lage zwischen West- und Ost universelle Bedeutung als Konzilsstadt.
170 Bischöfe aus Europa, Afrika und Asien berieten über den weiteren Weg der Christenheit und beschlossen neben einer Verurteilung arianischer Lehren wichtige Regelungen der Kirchenorganisation.
Die Kirchen aus dieser Zeit, die vermutlichen Tagungsorte des Konzils
(die Rotunde von Sveti Georgi und die Basilika Sveta Sofia), können noch heute in Sofia besichtigt werden.
Bemerkenswert ist, daß das im 4.Jhdt. erbaute Baptisterium von Sveti Georgi auch heute wieder als Taufkirche für die zahlreichen Menschen dient, die heute nach Überwindung der unchristlichen totalitären Ideologie wie vor 1600 Jahren Christen werden wollen. Insgesamt sind im heutigen Bulgarien 90 Kirchen aus der Zeit zwischen 300 und 500 n. Chr. dokumentiert. Nachdem sich das Christentum in der Zeitspanne von Theodosius I. (379-385) bis Justinian d. Gr. (527-565) bei der ortsansäßigen thrakisch-römischen Bevölkerung durchgesetzt hatte, wurde es nach 500 auch immer mehr zur geistigen Heimat der eingewanderten slawischen Stämme.
Auch der christlich gewordene Teil der germanischen Goten siedelte an der bulgarischen Donau, wo unter dem arianischen Bischof Wulfila die Heilige Schrift erstmals in eine germanische Sprache übersetzt wurde.



Die Wurzeln im Volk:

In den Augen der objektiven Geschichtswissenschaft wird dann die Landnahme durch die Protobulgaren ab 680 sicher als ein Rückschlag für die Entwicklung des Christentums gewertet.
Aus der Perspektive der Göttlichen Heilsgeschichte sehen wir aber, wie den Märtyrern dieser Zeit schon bald der erste bulgarische Adelige folgt, der selbst im Martyrium Zeugnis für Christus ablegen kann.
Seitdem die bulgarischen Stämme die Ufer des Schwarzen Meeres erreicht hatten, nahm der christliche Einfluß auch unter ihnen stetig zu.
528 scheiterte noch ein Versuch von Khan Grod mit seinem Stamm das Christentum zu übernehmen. Der große Khan Kubrat, dessen Reich am Ende des 6. Jhdt. das Schwarzmeer- und Kaukasusgebiet umfaßte, soll in den Schulen von Konstantinopel erzogen worden sein. Am Beginn des 9. Jhdt., nach dem Sieg über die Awaren, führte der erste Staatsgründer westlich des Schwarzen Meeres, Khan Krum, eine strenge Rechtsordnung gegen Korruption, Diebstahl, Verleumdung und Alkoholismus ein um sein Volk vor den Gefahren der römischen Zivilisation zu schützen. Doch ohne positiven Glauben, waren die besten Gesetze machtlos.
Dies erkannte der bescheidene Märtyrer MICHAIL, der als Christ 841 als Soldat wegen Mitleid mit dem Feind hingerichtet wurde. Vorbote der christlichen Zukunft wurde aber besonders der Hl.Märtyrer-Fürst BOJAN-ENRAVOTA, einer der beiden Söhne von Khan Omurtag. Zusammen mit seinem Bruder Malamir vom christlichen Hoflehrer Kinan erzogen, nahm er das Christentum an.
Malamir hingegen haßte seinen Lehrer, und als er zur Macht kam, wurde Kinan hingerichtet. Fürst BOJAN konnte noch seine Sippe zum Christentum gewinnen und dem bulgarischen Adel predigen, daß auch das bulgarische Volk eine christliche Zukunft vor sich habe, bevor auch er auf Geheiß seines Bruders geköpft wurde.
20 Jahre danach bewahrheitete sich seine Prophezeiung und das Volk der Bulgaren nahm unter dem Hl. Täufer-Zaren BORIS-MICHAIL den christlichen Glauben an.

Dies gab dem damaligen Bulgarischen Reich, das von der Donau bis zur Ägäis und vom Balkan bis zum Schwarzen Meer viele Völker umfaßte, die einzig haltbare Grundlage für eine gemeinsame Zukunft. Die eroberten, mehrheitlich slawischen Stammesgebiete waren zum großen Teil schon christlich und christliche Kultur strahlte auch von den Städten aus.
Das bulgarische Bevölkerungselement brachte die effiziente Organisationsstruktur zur Verwaltung und Verteidigung des Reiches mit und verfügte auch noch über hochentwickelte astronomische Kenntnisse,
das Christentum aber erschloß die Fülle von Kultur und Wissenschaft der Antike und brachte vor allem die wahre Lebensweisheit: das Wissen um die Geborgenheit in der Kindschaft des menschenliebenden Gottes.

Diese tiefgreifende emanzipatorische Erleuchtung des bulgarischen Volkes und später - durch seine Vermittlung - die christliche Erleuchtung der Ostslawen - verdanken wir dem Werk der Apostelgleichen Heiligen Brüder KIRIL (KONSTANTIN) und METHODIJ und ihrer Schüler, vor allem des Hl. KLIMENT und des Hl. NAUM.


Im Jahre 862 wandte sich der Hl. ROSTISLAV, Fürst des Großmährisch-Pannonischen Reiches, welches von Mähren über die Slovakei und Ungarn bis an die dalmatinische Adriaküste reichte und dessen Oberhoheit auch von den Alpenslaven anerkannt wurde, an den Kaiser um von dort die Entsendung von Missionaren zu erbitten.
Der byzantinische Kaiser Michael III. betraute die aus Saloniki stammenden gelehrten Brüder METHODIJ und KONSTANTIN-KIRIL mit dieser Aufgabe.
815 bzw. 827 in Saloniki geboren ( ? möglicherweise selbst Nachkommen von ins byzantinische Reich geflüchteten bulgarischer Fürsten) , ausgebildet an der Magna-Aura-Akademie in Konstantinopel ( ? der Legende nach gemeinsam mit Anna, der Schwester des späteren bulgar. Khans Boris) wird KONSTANTIN, der Philosoph (der spätere Hl. Mönch KIRIL), Hauptbibliothekar in Konstantinopel, Freund des Kaisers Michael und Mitarbeiter des Patriarchen Photios.
METHODIJ geht wie sein Vater als hoher Verwaltungsbeamter in das slawisch besiedelte Umland von Saloniki.
KONSTANTIN spezialisiert sich im Auftrag des Kaiserhauses und von Patriarch Photios im Studium der umgebenden Kulturen. (z.B.Armenien, das schon seit 441 durch den Hl. Mesrop seine Schrift erhielt)
855 quittierte METHODIJ angewiedert von der Behandlung der Slawen durch die byzantinische Verwaltung den Staatsdienst und zieht sich in ein Kloster zurück.
In ihrem ersten gemeinsamen Unternehmen, der Chasarenmission, übernimmt der Laie und Philosoph KONSTANTIN die rhetorische Predikt, der Mönch METHODIJ sichert das intensive Gebet und den Gottesdienst.
So konnten die beiden Brüder auf die Erfahrung mit der Mission an den Slawen am Bregalniza-Fluß im Umland von Saloniki aufbauen und hatten durch ihre Reisen den Wert anderer Kulturen mit eigener Schrift (Bischof METHODI zitierte auf dem Reichstag in Regensburg aus armenischen Sprichwörtern !) schätzen gelernt. Vermutlich schon lange vor dem Brief ROSTISLAVS versammelten sie geeignete Schüler im Kloster METHODIJ`s, auf dem kleinasiatischen Olymp, um die Grundlage für Glaubensverkündigung, Gottesdienst und eigenständige christliche Kultur zu schaffen - die ersten Texte in slawischer Sprache und Schrift.
Als sie dann nach der Einladung durch Fürst ROSTISLAV durch das Bulgarische Reich ziehen, gibt Khan BORIS den beiden Gelehrten junge bulgarische Adelige als Schüler mit.
Ab 863 wirkten die neuen Missionare im Großmährischen Reich. Bald protestierten jedoch die Bischöfe von Passau und Salzburg beim Papst in Rom, da sie dieses Gebiet als ihr Hinterland und ihre Missionsaufgabe als eine Art von Kolonisierung zur Erweiterung des Fränkischen Reiches sahen.

Die emanzipatorische, erleuchtende Wirkung der Verkündigung, des Gebetslebens, und vor allem der r e g e l m ä ß i g e n vollständigen Gottesdienste in einer dem Volk verständlichen Sprache war dabei eher schädlich. Diese Haltung war typisch für die zentralistisch-administrative karolingisch-fränkische Reichskirche, die die Forderungen der Botschaft Jesu Christi nur zu gern in einer dem Volk unverständlichen Sprache versteckte, um als Amtsträger nicht daran gemessen zu werden.

869 waren die Missionare gezwungen, ihre Arbeit vor Papst Hadrian in Rom zu verteidigen. Der inzwischen nachgefolgte Papst Nikolaus I. empfängt die Gruppe, die die Reliquien des Hl. Klemens, Papst von Rom aus ihrer Chasarenmission mitgebracht hat, vor den Toren Roms. Die slawischen Bücher erhalten auf dem Altar von Santa Maria Maggiore die Ehre des Altars. Der Papst war vom Glauben und der Gelehrsamkeit der beiden so beeindruckt, daß er nicht nur ihren Übersetzungen seinen Segen gab, sondern dem Philosophen KONSTANTIN noch kurz vor seinem Tode die Mönchsweihe mit dem Mönchsnamen KIRIL spendete und einige Schüler (unter ihnen den Hl. KLIMENT) zu Priestern weihte. Nach dem Tod seines Bruders sendet er dann den Hl. METHODIJ als "Erzbischof von Pannonien mit dem Sitz Sirmium" nunmehr im päpstlichen Auftrag wieder zu den slawischen Völkern.

Dies verhinderte jedoch nicht, daß nach einem - von ostfränkischen Interessen geförderten - "Putsch" in Großmähren (Svetopluk stürtzte Rostislav) und der anschließenden Besetzung Großmährens durch ostfränkische Truppen, mit dem halben großmährischen Hof auch der Hl. METHODIJ nach Regensburg verschleppt und dort vor Gericht gestellt wurde. Nach der Blendung Fürst ROSTISLAVS folgte bald auch die Verurteilung von Bischof METHODIJ und er verschwand 3 Jahre in der Haft "bayrischer Bischöfe".
Die Gerichtsverhandlung von 871 ist übrigens ein hervorragendes Lehrstück über die (damaligen ? ) Unterschiede von Kirchenauffassung in West und Ost.
Während ihm die fränkischen Kirchenbarone mit legalistischen Argumenten den Prozeß machen und in ihrer Wut sogar die Reitpeitsche als Argumentenersatz einsetzen, zitiert der Hl. METHODIJ nicht nur griechische, sondern auch armenische Kirchenväter!.
Nachdem der Papst seine Freilassung erreichen konnte und 880 die slawische Liturgie wieder gestattete, konnte der Hl.METHODIJ noch einmal Konstantinopel besuchen und danach noch kurz im mährisch-pannonischen Raum wirken.
Nach seinem Tode 885 aber setzten sich endgültig die Bischöfe der fränkischen Reichskirche durch, erreichten von einem neuen Papst, daß die slawischen Texte zu Quellen der Irrlehre erklärt wurden und die mit viel Liebe und Mühe aufgebaute jungen Kirche zum "Aufräumen" freigegeben wurde. Die Priester in Mähren nahmen dies nicht Widerstandslos hin. Sie wollten den ihnen noch vom Hl. METHODI designierten Bischof GORAZD als Nachfolger, protestierten gegen den mit Gewalt eingesetzten Salzburger Weihbischof Wiching, weigerten sich ihre Gemeinden zu verlassen und gingen nach beginnender Gewaltherrschaft in den Untergrund. Die Terrormethoden der weltlichen und geistlichen Machthaber kannten keine Grenzen: 200 Priester und Mönche wurden eingekerkert und gefoltert, einige sogar als Sklaven verkauft.
890 war kein slawischer Priester mehr in Großmähren tätig;
896 ging das Großmährische Reich in der Eroberung durch die damals noch heidnischen Ungarn unter. (1996: =1100 Jahre)

Eine Gruppe der geflohenen Missionare schloß sich dem Hl. KLIMENT an, der in seine Heimat am Ochridsee zurück wollte.

Und damit kam der Segen des Erbes der Heiligen Brüder KIRIL und METHODIJ zurück nach Bulgarien, wo es derart aufblüte, daß man mit dem französischen Slawisten Prof. Roger BERNARD mit vollem Recht sagen kann:
" Bulgarien hat nicht nur das große Lebenswerk der Hll.KIRIL und METHODIJ gerettet, mehr noch: auf seinem Boden konnte es sich entwickeln, sich anreichern und zu einem kostbaren Schatz reifen. Durch Kulturzentren wie Ochrid und Preslav und dank der dort wirkenden Schüler der Hll. Brüder wurde in Bulgarien das Licht einer lebendigen Literatur entzündet, ohne die viele Völker noch weitere Jahrhunderte in Finsternis und Unwissenheit versunken geblieben wären. "


Das Bulgarische Reich, in das die Missionare zurückkehrten, hatte in den letzten Jahrzehnten (von 862-886) - ebenso wie die Großmährer - schon eigene Erfahrung mit den negativen Seiten der Kirchenpolitik machen müßen.

Die heutige Situation - mit den mehrheitlich zur Westkirche gehörenden Mährischen, Böhmischen und Slovakischen Landen und dem zur Ostkirche gehörenden Bulgarien - hätte auch ganz anders kommen können.

Fürst BORIS sah bei seiner Entscheidung für das Christentum als Staatsreligion neben seinem persönlichen Interesse, seinem Volk durch das Christentum die Fülle von Kultur und Wissenschaft der Antike zu erschließen und vor allem die wahre Lebensweisheit, das Wissen um die Geborgenheit in der Kindschaft des menschenliebenden Gottes zu bringen,
auch die Notwendigkeit die Staatsordnung im Bulgarischen Reich zu stabilisieren.

Bei aller Toleranz der Bulgaren zu verschiedenen Religionen waren die Verhältnisse unhaltbar geworden:

Die dünne Führungsschicht der Protobulgaren,
die man als staatsbildendes Element mit den Franken im romanischen Frankreich, oder den Warägern in Rußland vergleichen kann, stand einer Bevölkerung gegenüber, die zu 85 % aus Slawen bestand.

Dabei hatten die Protobulgaren selbst wieder verschiedene Religionsströmungen aus Asien mitgebracht; vom Schamanismus des Götzen Tangra bis zu Frühformen des Buddhismus. Sogar der Islam war schon unter ihnen zu finden. Die Slawen huldigten den Götzen Perun, Lada oder Wollos oder waren bereits Christen, wie die Stadtbevölkerung der ehemals römischen Städte. Das Christentum war aber ohne Kirche auch kein friedensstiftendes Element. Es gab viele Orthodoxe, aber auch Arianer, Manichäer und Paulikianer.
Fürst BORIS beklagt später in seinem Brief an Papst Nikolaus I.:
" Mein Land ist voll von Predigern verschiedener Religionen, die mein Volk zerreißen ..."
Als Beispiel sei die Geschichte der Reliquien der 40 Märtyrer von Tiweriopol erzählt:
2 ehemals römische Städte führten einen immer wieder aufflammenden Kleinkrieg, bei dem sie sich abwechselnd diese Reliquien raubten.
Der bulgarische Verwalter dieses Gebietes, der selbst den Götzen Tangra verehrte, wollte salomonisch entscheiden und jeder Stadt die Hälfte der Märtyrerreliquien geben. Da protestierten beide Christengruppen: Das Fest hieß "Heilige 40 Märtyrer", man könne nicht nur 20 Heilige verehren.
So entschied der Statthalter endgültig: Er ließ die Reliquien so teilen, daß die eine Stadt die Köpfe erhielt, die andere aber den ganzen restlichen Körper ... und verlegte starke Truppeneinheiten in die Gegend um künftig jeden Unfrieden unter den Christen im Keim zu ersticken.

Auch in den alltäglichen Rechtsgeschäften gab es Probleme. Die schamanistischen Bulgaren durften 2 Frauen haben, die Muslims 4, und die christlichen Paulikianer hatten alles gemeinsam.

Außerdem waren die orthodoxen Christen von 726 - 843 im Byzantinischen Reich von den Ikonoklastischen Kaisern verfolgt, was vor allem die Städte veranlaßte, sich dem Schutz des Bulgarischen Reiches zu unterstellen. Dadurch stieg der Anteil der Christen in der Bevölkerung erheblich.

So mußte eine Ordnung gefunden werden, die auf dem schon zur Mehrheitsreligion gewordenen Christentum aufbauen sollte.

Den Einfluß des unmittelbar benachbarten Byzantinischen Reiches fürchtend, wandte sich Fürst Boris zunächst nach Westen.
Zwischen den bulgarischen Burgen Buda und Pest, dem großmährischen Bratislava und dem ostfränkischen Passau berührten sich damals das Bulgarische Reich mit dem Großmährischen und dem Ostfränkischen (Deutschen) Reich. 825-827 sind Bulgarische Gesandte am Hof des Deutschen Kaisers Ludwig des Frommen in Trier verbürgt.

In der Annäherung des Großmährerfürsten ROSTISLAV an Byzanz sah der bulgarische Fürst BORIS eine gefährliche Bedrohung seines Reiches von allen Seiten. So traf er 862 bei Tulln (im heutigen Österreich) mit Ludwig dem Deutschen zusammen um ein Bündnis gegen Großmähren abzuschließen und gleichzeitig um Missionare aus dem Westen zu bitten.
Die Verlegung bulgarischer Truppen nach Westen nutzten aber die Byzantiner um von Süden her anzugreifen und Fürst BORIS eine vernichtende Niederlage zuzufügen. Als einziger Ausweg blieb ein Friedensvertrag, der Byzanz jeglichen Einfluß - auch die Missionierung - zusicherte.

Fürst BORIS empfing 863 die Taufe von byzantinischen Bischöfen und nahm den Namen seines Taufpaten, des byzantinischen Kaisers MICHAEL, an. Die Angehoerigen der Voelker seines Reiches wurden 864 von Geistlichen aus Byzanz, Rom und wahrscheinlich auch aus dem Gebiet des Frankenreiches getauft.
Aber 865 erhob sich der protobulgarische Adel gegen die mit der Annahme der Taufe verbundene Gefahr der Byzantinisierung. Obwohl von den Fürsten des Obersten Staatsrates 52 gegen ihn und nur 48 für ihn waren, konnte sich Fürst BORIS-MICHAIL durchsetzen und die Familien seiner Gegner ausrotten.
Die Gefahr der Byzantinisierung erkannte aber auch er und so wandte er sich an Patriarch PHOTIOS nach Konstantinopel mit einer langen Liste von Fragen, wie man in der Praxis Machtpolitik und Glauben trennen könne. Gleichzeitig sandte er aber auch 866 Gesandtschaften nach Westen, an Papst Nikolaus I. nach Rom und zu König Ludwig den Deutschen. Der Papst, der gerade jetzt im sogenannten "Photios-Schisma" ein Interesse hatte, Konstantinopel zu schwächen und Ansprüche auf das Vikariat Thessaloniki und ganz Illyrien erhob, reagierte sofort und sandte Bischof FORMOSUS von PORTO mit einer großen Gesandtschaft nach Bulgarien. Ein halbes Jahr danach traf auch der - von der fränkischen Reichskirche entsandte - Bischof Ermenrich von PASSAU am Hof von Fürst BORIS-MICHAIL ein.
Nun waren alle Voraussetzungen geschaffen; die Entscheidung zwischen Konstantinopel, Rom oder der fränkischen Reichskirche war zu fällen.

Aus Konstantinopel traf die Antwort von Patriarch PHOTIOS ein. Sie war im wesentlichen eine Einführung in das byzantinische Modell der Symphonie zwischen Kirche und Herrscher. Es blieb aber offen, ob es auch eine parallele Symphonie eines nicht-byzantinischen Herrschers mit einer von Byzanz unabhängigen Kirche geben könne, was die Befürchtungen nährte, nur in Symphonie mit dem byzantinischen Kaiser könne man orthodoxer Christ sein.
Dieser Anschauung widersprachen vehemment die Gesandten des Westens
- sehr zur Freude der Bulgaren. Papst Nikolaus I. antwortete in seiner "Responsa ad consulta Bulgarorum" Punkt für Punkt auf die 106 Fragen des bulgarischen Herrschers und bewies seine Eloquenz auf den Gebieten des Glaubens, der Kirchenorganisation und von Rechtsfragen im Privatleben.
Die päpstlichen Gesandten wirkten inzwischen erfolgreich im Lande und der byzantinische Einfluß schwand. Allerdings litt die päpstliche Glaubwürdigkeit, als Fürst BORIS-MICHAIL merkte, daß das gegebene päpstliche Versprechen eines eigenen Metropolitanverbandes für Bulgarien nicht eingelöst wurde. Außerdem begann der bulgarische Herrscher an der einigenden Kraft innerhalb der westlichen Kirche zu zweifeln, als sich die Querelen zwischen den päpstlichen und den fränkischen Gesandten an seinem Hof häuften und letztlich erst mit der Ausweisung von Bischof Ermenrich und seiner Delegation ein Ende fanden.
Der enttäuschte Fürst BORIS-MICHAIL, der in erster Linie Eintracht unter den Bewohnern seines Reiches herstellen wollte, erneuerte daraufhin das Einverständnis mit dem byzantinischen Kaiser und dem Patriarchen Ignatios.
Im Rahmen des 8. Ökumenischen Konzils, das 869/70 in Konstantinopel tagte, blieben dann die päpstlichen Delegierten mit ihrem Anspruch auf Bulgarien isoliert. Das Konzil entschied, daß für die Bulgaren zunächst ein eigenes Erzbistum geschaffen werden sollte, dessen Erzbischöfe allerdings der Bestätigung durch den Patriarchen von Konstantinopel bedurften.
Die Bulgarische Orthodoxe Kirche war geboren, aber letztlich wäre auch diese Entscheidung bloß formal geblieben, wenn nicht durch das Eintreffen der Schüler der Hll. KIRIL und METHODIJ, der Elan und die Kraft der Missionstradition der Hll. Brüder in Bulgarien zu wirken begonnen hätte.

In Dankbarkeit feiert Bulgarien bis heute die "DIE HEILIGEN SIEBEN":

Die Heiligen apostelgleichen Brüder KIRIL und METHODIJ, die Apostel der Slawen, und ihre Schüler
den Heiligen KLIMENT
den Heiligen NAUM
den Heiligen GORAZD
den Heiligen SAVA
den Heiligen ANGELARIJ.



Heilige Sieben Erleuchter Bulgariens,
vereint mit unserem Heiligen Vater IOANN, dem Wunderwirkenden von Rila
und dem Hl. PAISSIJ vom Hilendarkloster,
bittet bei Gott für uns !




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zurueck zu: Orthodoxe Fraternitaet
In Memoriam Vater SERGIUS (Heitz)



Protodiakon STEFAN Gross
c/o
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Datum der letzten Aenderung: Fest der Hl.Moenchsvaeter GAVRIIL von Lesnowo und PROCHOR von Pschina 15.1.1999