19. April 2015
2. Sonntag nach Ostern - Vom ungläubigen Thomas

Gedächtnis des Hl. Paphnoutios v. Jerusalem,
Hl. Patriarch Triphon v. Konstantinopel,
Hl. Agathangelos,
Hl. Matrona v. Moskau




ХРИСТОС ВОСКРЕСЕ            Christus ist erstanden von den Toten, 
ИЗ МЕРТВЫХ                         hat den Tod durch den Tod zertreten 
СМЕРТИЮ СМЕРТЬ ПОПРАВ,                und denen in den Gräbern 
И СУЩЫМ ВО ГРОБЕХ                 das Leben in Gnaden geschenkt.
ЖИВОТ ДАРОВАВ



Χριστός ανέστη εκ νεκρών,                       Hristos anesti ek nekron,  
θανάτω θάνατον πατήσας,                        Thanato thanaton patisas,
και τοις εν τοις μνήμασι,                             Ke tis en tis mnimasi 
ζω ὴ ν χαρισάμενος!                                   Zo-in  kharisamenos  !



Hristos a înviat din morţi,
Cu moartea pre moarte călcând,
Şi celor din morminte
Viaţă dăruindu-le!





Das Auferstehungstroparion (Ton 1): 
Während der Stein von den Juden versiegelt war,
und die Kriegsknechte Deinen allreinen Leib bewahrten, bist Du, Erlöser, auferstanden am dritten Tag, Leben spendend der Welt. Deshalb riefen die himmlischen Mächte Dir, Lebenspender, zu:
Ehre Deiner Auferstehung, Christus;
Ehre, Deinem Königreiche,
Ehre Deiner Vorsehung, einzig Menschenliebender.




Das Troparion des Thomassonntags (Ton 7): 
Obgleich das Grab versiegelt war, gingst Du hervor aus der Gruft, Christus Gott, unser Leben.
Obgleich die Türen fest verriegelt waren,
kamst Du herein zu den Aposteln, Du, die Auferstehung aller.
Durch sie erneuerst Du den rechten Geist in uns
nach deinem großen Erbarmen



Das Kondakion von Ostern (Ton 2): 
Während der Stein von den Juden versiegelt war,
und die Kriegsknechte Deinen allreinen Leib bewahrten,
bist Du, Erlöser, auferstanden am dritten Tag,
Leben spendend der Welt.
Deshalb riefen die himmlischen Mächte Dir, Lebenspender, zu:
Ehre Deiner Auferstehung, Christus;
Ehre, Deinem Königreiche,
Ehre Deiner Vorsehung, einzig Menschenliebender.


Apostellesung des Sonntags (Apg 5,12-20):

Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk.
Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen.
Von den übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen;
aber das Volk schätzte sie hoch.
Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt,
Scharen von Männern und Frauen.
Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus
und legte sie auf Betten und Bahren, damit,
wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel.
Auch aus den Nachbarstädten Jerusalems strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt.
Da erhoben sich voll Eifersucht der Hohepriester und alle,
die auf seiner Seite standen, nämlich die Gruppe der Sadduzäer.
Sie ließen die Apostel verhaften und in das öffentliche Gefängnis werfen.
Ein Engel des Herrn aber öffnete nachts die Gefängnistore,
führte sie heraus und sagte: Geht, tretet im Tempel auf und verkündet dem Volk alle Worte dieses Lebens!

 

 


Evangelium des Sonntags (Joh 20, 19-31):

In jener Zeit am Abend dieses ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen:

Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen:
Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben;
wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei.
Die Türen waren verschlossen.
Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas:
Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas antwortete ihm:
Mein Herr und mein Gott!

Jesus sagte zu ihm:
Weil du mich gesehen hast, glaubst du.

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben,
damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes,
und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

 

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Ehre sei Dir, o Herr,
Ehre sei Dir! Δόξα σοι, Κύριε, δόξα σοι!
Slavă Ţie, Doamne, slavă Ţie! 
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Homilie zum Tag:

 

„In den kommenden vierzig Tagen erscheint der Herr immer wieder Seinen Jüngern, Er unterweist sie in den Geheimnissen des Gottesreiches, Er lässt sie begreifen, dass der Herrn die Liebe ist, Er gibt ihnen zu verstehen, dass die Kirche eine Gemeinschaft von Menschen ist, die die Liebe untereinander vereinigt. Er lehrt sie, dass auf sie das ewige Leben wartet, wenn sie auch das irdische Leben verlieren sollten oder dieses ohne Aufschub irgendeinmal zu Ende gehen wird. Dieses ewige Leben ist das Leben Gottes, das bereits in ihnen zu wirken begonnen hat und alles besiegen wird.


Mehrere Male lesen wir im Evangelium, wie ein Mensch, nachdem er in Christus seinen Herrn und Gott erkannt hat, sich zum Ihm auch voller Kraft und Freude bekennt.

Dies beginnt gleich zu Beginn des Weges unseres Herrn.
Nach Seiner Taufe, als der Herr Seinen Weg zum Kreuz antrat, trifft er auf Nathanael und bezeugt vor anderen, dass dieser ein Mensch mit reinem und aufrichtigem Herzen ist, worauf Ihn Nathanael fragt, woher Er dies denn wüsste. Der Heiland antwortet ihm mit geheimnisvollen Worten. „Schon bevor dich Philipp gerufen hat, habe ich dich geschaut, als du unter dem Feigenbaum saßest“ ... und Nathanael verbeugt sich vor Christus und sagt: „Du bist der Sohn Gottes, Du bist der König von Israel!“ ... In der Heiligenvita des Heiligen Apostels Nathanael lesen wir, dass er unter dem Feigenbaum zu Gott gebetet hat. Die Worte Christi „Ich habe dich unter dem Feigenbaum gesehen“ haben ihm pötzlich die Augen geöffnet und er hat verstanden, dass er vor DEM Gott steht, zu DEM er in jener Stunde gebetet hatte.

Danach hören wir eine ganze Weile keine solchen klaren Bekenntnisse.

Die Apostel hatten ebenso wie wir nur Augen für das Sichtbare, und nur sehr langsam beginnt auch das Unsichtbare durchzuscheinen.
Im Verlaufe von mehr als drei Jahren spricht Er zu den Aposteln immer wieder über Seine eigentliche Natur und öffnet vor Ihnen Sein Mysterium: Ja, Er ist wahrer Mensch aber gleichzeitig auch Gott, der Fleisch angenommen hat, um die Welt zum Heil zu führen. Dieses immer klarer werdende Wissen um den Heiland äußert sich bereits auf dem Weg nach Jerusalem vor dem Tod Christi im Bekenntnis des Apostels Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des Lebendigen Gottes!“ ...

Vor Seiner Kreuzigung offenbart sich Christus weiterhin als Gott vor seinen Jüngern. Nach Seiner Auferstehung zeigt Er sich vor ihnen immer wieder in einer Reihe von Erscheinungen als Mensch, der im Fleische auferstanden ist.

Alle Erzählungen vom Auferstandenen Christus weisen uns eben gerade auf dies eine hin: Er ist kein Geist und nicht nur eine Vision.

Seine Jünger hören nicht nur Seine Stimme, sie berühren auch Seinen Leib und sie sehen, wie Er mit ihnen isst. Der Apostel Johannes schreibt deshalb etwas später völlig zurecht: Wir reden davon, was unsere Augen gesehen, unsere Ohren gehört und wen unsere Hände berührt haben. Christus ist wirklich im Leibe auferstanden. In einem Leib, der geheiligt war, verklärt und ganz Geist geworden war, ohne aufzuhören Leib zu sein.

Und so verneigen auch wir uns gemeinsam mit dem Apostel Thomas vor dem Auferstandenen Christus. Wir glauben an Ihn, wir begreifen Ihn als unseren Gott und als auferstandenen Jesus von Nazareth und rufen Ihm zu: Du bist mein Herr und Gott!

Auf diesem Bekenntnis fußt das gesamte Leben der Kirche, die gesamte christliche Weltsicht, die wahre Größe des Menschen und die grenzenlose Demut Gottes. In Christus offenbart sich uns sowohl das eine als auch das andere und wir freuen uns nicht nur darüber, dass Gott ein Gott der Liebe ist, das Er unser Heiland ist, sondern auch darüber, dass in Ihm uns gezeigt ist, was es wirklich bedeutet Mensch zu sein.

Der Mensch ist so großartig, dass Gott selbst in Ihm leben kann, dass Christus durch die Pforten des Todes hindurch in das ewige Leben eingehen kann und uns, ebenso wie es das fließende Wasser tut, mit Sich nehmen kann in die Ewigkeit.
Der Mensch ist so großartig, dass Christus, nachdem er uns in allem, außer der Sünde gleich war, unserer menschlichen Natur und so auch uns vollends an Seiner Gottheit Anteil nehmen lässt, wenn nur wir uns Ihm und Seiner Gnade öffnen. Wie wunderbar ist dies!

In den kommenden vierzig Tagen erscheint der Herr immer wieder Seinen Jüngern, Er unterweist sie in den Geheimnissen des Gottesreiches, Er lässt sie begreifen, dass der Herrn die Liebe ist, Er gibt ihnen zu verstehen, dass die Kirche eine Gemeinschaft von Menschen ist, die die Liebe untereinander vereinigt. Er lehrt sie, dass auf sie das ewige Leben wartet, wenn sie auch das irdische Leben verlieren sollten oder dieses ohne Aufschub irgendeinmal zu Ende gehen wird. Dieses ewige Leben ist das Leben Gottes, das bereits in ihnen zu wirken begonnen hat und alles besiegen wird.
In den kommenden Wochen wird uns jede Evangeliumslesung von diesem Triumpf des Lebens berichten, über seinen Sieg, über den Sieg der Liebe über alles andere.

Lasst uns deshalb voller Freude sein und jubeln, dass der Auferstandene Christus nicht nur für Sich und in Sich den Tod besiegt hat, sondern das Er auch in uns und für uns den Tod, wie ebenso die Sünde, die Angst und alles überwunden hat und dass wir nun zu Ihm gehören zum Lebendigen Gott. Amen.

(Entnommen dem Buch: „Durch das Kirchenjahr“ von Metropolit Anthoy (Bloom).

Lesungen und Wechseltexte des orthodoxen Kirchenjahres Foto.